Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Konstruktive Kritik, Referendariat

Aus dem Tritt …

Im Moment läuft es nicht rund. Die Motivation fehlt stark und ich habe das Gefühl, als wäre der Kopf in Watte gepackt. Die Ideen wollen nicht so recht aus ihrer dunklen Ecke heraus und die einfachsten Hügelchen scheinen riesige Berge auf den ersten Blick.

Heute war ein Tag, der auf einen sehr unproduktiven gestern folgte und schon bescheiden begann. Mein Mann hatte irgendwie vergessen mich morgens zu wecken und so saß der Junge alleine auf dem Sofa, berieselt vom Kinderprogramm und ich schlief mit der Motte bis fast halb sieben, während er bereits um kurz nach sechs das Haus verlassen hatte O_o Wurde alles natürlich dezent knapp und stressig, aber ich kam pünktlich los. (Mit ungewaschenen Kindern, da das Frühstück auch nicht gemacht gewesen war. Wenn dann richtig …)

Die Stunden heute zogen sich ziemlich demotivierend dahin, es fiel nichts wirklich Negatives vor, aber ich hatte schon mal mehr Spaß im Unterricht. Die Schüler glaube ich auch. Vielleicht kam auch noch dazu, dass die Doppelstunde im Philo LK, in dem ich nun wieder nur hospitiere, doch durchaus ansprechend war und mir mein Unterricht dagegen eher stumpf vorkam. Hat der Terminator den Vergeltungstheorien einfach etwas voraus? Wer weiß … Ich hätte bestimmt noch ein tolles Beispiel für Kants Wiedervergeltung finden können … aber das mit der fehlenden Kreativität habe ich ja schon angesprochen.

In meinem Geschichtskurs danach kamen sogar Diskussionen auf. Das Thema polarisiert ja auch ordentlich. Wir sprachen über die Rechtfertigung der Sklaverei im 18. Jahrhundert in den (frisch) Vereinigten Staaten. Da ich zu dem Thema sehr viel in der Uni gemacht habe, konnte ich doch einiges an „Spezialwissen“ einstreuen und die Schüler waren durchaus interessiert. Der Fall Scott <> Sandford (eigentlich Sanford) diente als Erläuterung zum Menschenbild und der autobiographische Bericht von Salomon Northup schilderte eindrücklich, worum es beim ‚Tatbestand Sklaverei‘ eigentlich ging.

Aber die Stunde riss meine Laune nicht mehr raus. Ich hatte mich kurz vorher mit Herr Rickward wegen der Q1 Stunde morgen besprochen. Der Krieg soll zu seinem Ende kommen und die geeignetste Quelle dafür schien die Erklärung zum Lagebericht der OHL, die nach ewig langen Durchhalteparolen und vielen militärischen Fehleinschätzungen und -Entscheidungen nun doch auf Waffenstillstand drängte. Mein müdes Hirn hatte gestern einen Plan für die Stunde zusammengeschustert, was gefühlt ewig dauerte.

Als ich Herr Rickward meinen Plan vorstellte wurde wieder deutlich: Gutes Material, falsche Reihenfolge. Ich weiß nicht wo der Wurm gerade drin sitzt, aber er hat sich festgebissen. Joa, das KÖNNTE man so machen. Ob ich schon mal über eine umgekehrte Reihenfolge nachgedacht hätte. Schon wieder -.- Das Pferd von hinten aufgezäumt.

Ich hatte mit dem Frieden von Brest-Litowsk einsteigen wollen.

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The History of the World – Every Year (Sehr sehenswert, wer das noch nicht kennt.)

1918 hatte es Anfang des Jahres ja durchaus gut für das Kaiserreich ausgesehen und die Schüler sollten durch diese Momentaufnahme vom März etwas in die Perspektive von deutscher Seite im letzten Kriegsjahr versetzt werden.

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Das kontrastiert mit der Einschätzung ‚wir können keinen Tag länger und hätten am besten gestern schon Frieden geschlossen bevor wir überrannt werden‘, sollte für einen ordentlichen Problemaufwurf reichen. Tut es auch.

Aaaaaber: Warum ich das Epochenjahr 1917 als Abschlussphase geplant hätte, will Herr Rickward wissen. – Weil da alle Fäden der letzten Stunden dann zusammen laufen. – Ja, richtig. Wo setzt die nächste Stunde denn dann an? – Friedensverhandlungen – Versailler Vertrag. – Würde sich da nicht ein Fazit zur Situation am Kriegsende eher eignen? Und das Epochenjahr für den Anfang, da dann direkt die letzten Stunden präsent sind? – Recht hat er …

Ich hätte wie in der Doppelstunde da gestanden und im Einstieg bemerkt, dass ich die Stunde besser andersrum aufgezogen hätte. Der Rest ist wie immer gut, das Material sehr brauchbar. Am und mit dem Problem arbeiten wir/ich noch *seufz*

 

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WmdedgT? 06/2017

Ich habe gefühlt ewig nicht mehr auf die Frage von Frau Brüllen geantwortet, was ich denn den Tag so anstelle. Es ist der 5. des Monats Juni und ich denke dann doch mal wieder dran.

07:00 Uhr Halbschlaf

Da ich die Nacht etwas abseits des Hauptgeschehens bei meinem Freund verbracht habe, dämmere ich nach dem kurzen Gepolter nebenan aus dem Kinderzimmer wieder weg. Mein Mann macht schon 😉

08:10 Uhr Aufstehen

Es poltert wieder und es dieses Mal ertönt die leicht genervte Stimme meines Mannes von unten, die die Kinder auffordert ‚den Unsinn jetzt mal sein zu lassen‘. Gut, ich stehe wohl nun besser auf. Mein Freund dreht sich nochmal um.

08:45 Uhr Frühstück

Die Kinder sind hungrig und zerren mich relativ bald an den Frühstückstisch. Wir verdrücken die Reste vom übriggebliebenen Pfingstfrühstück mit den Großeltern vom Tag davor und besprechen den Tagesablauf. Da ich mich gestern durch eine sehr semi-optimal ausgefallene Geschichtsklausur der EF gequält habe, muss ich heute noch relativ viel Unterricht vorbereiten, will Elif besuchen und treffe mein Kernseminar abends zum Grillen. Arbeit, Arbeit …

09:30 Uhr Büro

IMG-20170605-WA0000Nachdem wir gegessen und grob Ordnung geschaffen habe, fange ich mit der Planung meines 9er praktische Philosophie Kurses an. Wir brauchen eine theoretische Grundlage um den Film „Die Bestimmung“ analysieren zu können. Dankbarerweise finde ich eine gute Aufteilung in einem Handbuch. Mit Hilfe der Kopiervorlagen fange ich an alles zurecht zu stückeln und … zu laminieren.

[Insider ^.^ Wer das ‚Laminier-Lied‘ noch nicht kennt, einmal diesem Link folgen.]

12:23 Kaffee Pause

Es dauert ja immer so furchtbar lange diese ‚kleinen Vorbereitungen‘ fertigzustellen.

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Es liegt alles fertig für Freitag im Regal und ich habe nebenher beim Ausschneiden, Einstecken, Zurechtskalieren, etc. noch zwei kurze Dokus über meinen ach so schlimmen Beruf gesehen.

Wie gut sind unsere Lehrer? Lehrer im ZDF-Check

Lehrer am Limit | Panorama | NDR

Auch zwei Arbeitsblätter, einmal für die oben zu sehende Gruppenarbeit und dann noch für die Dokumentation „Die Geschichte des Rassismus“ für besagten Geschichtskurs mit der Klausur, die sich etwas ‚Entspannenderes‘ nach der letzten Arbeit gewünscht haben, sind vorbereitet und abgeheftet.

16:00 Uhr Sonne und Arbeit

Da aus der ‚Pause‘ tatsächlich eine wirkliche Arbeitsunterbrechung wurde, in der ich ein wenig spielte, mit Freunden chattete, die Kinder bespaßte und nichts ganz so Produktives hinbekam, zog es mich gegen vier mit meinem Geschichtsbuch nach draußen. Sachanalyse beim Sonnenbaden bekommt man eben doch nicht so oft hin 😉 Das Kriegsende des ersten Weltkriegs wirkt auch gar nicht mehr so düster, wenn einem dabei die Sonne den Rücken wärmt.

17:15 Uhr Aufbruchsstimmung

Alle wichtigen Dinge fürs Grillen mit dem Kernseminar werden zusammengepackt. Leider gab es bei uns ein Missverständnis beim Einkaufen, weswegen ich nun ohne Salate da stehe und meinen Teil nicht so ganz leisten kann. Glücklicherweise wurde mir schon Ersatz aus dem heimischen Kühlschrank von einem Mit-Refi angeboten.

Die Kleidungsauswahl erweist sich als schnell getätigt. Wann sonst soll man die kürzeren Kleider auch anziehen, wenn nun nicht mehr in der Freizeit? ^.^ Sommerkleidchen passend zum Wetter gibt es zu Hauf in meinem Schrank. Gelegenheit sie anzuziehen leider weniger. Nach einem kritischen Blick auf die Oberschenkel entscheide ich mich aber für eine Strumpfhose. Ja … da läuft immer noch mein Fitnessstudio Abo ungenutzt. Ich muss wirklich dringend hin. >.<

17:30 Uhr Aufbruch und Treffen

Der Abend verlief dann wirklich schön. Grillen, Kartenspiele und etwas Fachgesimpel zu einem unfertigen Entwurf und dann war es schon kurz nach Zwölf. Da ich die Kinder am nächsten Morgen versorgen musste, brach ich sehr nüchtern aus der feuchtfröhlichen Runde auf und sitze den nächsten Tag mit dezenten Augenringen bei den tobenden Kleinen. Aber: Schön wars 🙂

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Wie Russland und ich im Chaos versanken …

… ok, Chaos ist vielleicht in meinem Fall etwas zu viel gesagt, aber ich hatte wieder eine Stunde mit dem Oberpunkt: Das hatten wir doch schon mal. Im Moment habe ich das Gefühl, dass meine Fehler immer banaler werden und sie mir vor allem SELBST auffallen sollten. Und ich mache mir wirklich Gedanken darüber, wie es mir später, nach der Ausbildung, nach den regelmäßigen Möglichkeiten der externen Reflektion und der Verbesserungsvorschläge, dann wohl auffallen soll, dass ich etwas ändern muss und vor allem: Was und Wie? In diesen Situationen rückt das Ref-Ende eher wie ein Schreckgespenst näher. Wer wird sich dann noch hinten reinsetzen und mir Tips geben? Negative Eigenheiten aufdecken, einem dezent oder grob auf die Füße treten und helfen die Unterrichtsqualität zu verbessern? *seufz*

Also, mal wieder eine Stunde bei Herr Rickward und mal wieder Fehler, die ich hätte vermeiden sollen, aber wohl einfach noch nicht vermeiden kann; obwohl sie mir theoretisch bekannt sind. Wir haben am Dienstag die Russischen Revolutionen erarbeitet. Arbeitsteilig haben die Schüler sich mit Hilfe von Darstellungstexten mit dem Ablauf der Revolutionen beschäftigt, drei Gruppen mit 1905 und drei mit 1917 und sich jeweils zu dritt mit verschiedenen Aspekten der Krisenanalyse befasst. Grundlage war die Konfliktanalyse, wie ich sie auch im 4. UB verwendet habe. (Die Schüler kamen leider nicht in den Genuss meines hübsch gestalteten Arbeitsblattes, da ich den Tag das erste Mal meinen Ordner zu Hause vergessen hatte.)

Die Stunden verliefen natürlich unspektakulär. Die Kinder arbeiteten, erschlossen sich die Texte und schrieben die wichtigsten Stichpunkte auf. Dann ging es an die Stunde zur Präsentation. Ich machte noch relativ lange den Abend und Morgen vorher an den Möglichkeiten zur Vertiefung herum und war doch nicht ganz glücklich mit dem Ergebnis. Plötzlich kann ich nicht mehr abschätzen, wie lange sie nun für die Vorstellung brauchen könnten, wie ich verschiedene Punkte herüberbringen soll, was sie an Material benötigen, um diesen oder jenen Gedankenschritt nachzuvollziehen und so weiter. Es ist furchtbar.

So kopierte ich morgens noch die Quelle „Was tun?“ von Lenin, um hier auf die Idee von ‚Berufsrevolutionären‘ und dem Widerspruch dieser bewussten „Einrichtung von Revolution“ mit den weitgefächerten Abläufen einer ’natürlichen‘ Revolution in Kontrast setzen zu können. Und den Ideen, die Marx eigentlich gehabt hatte, als er den Klassenkampf prognostizierte. Und dem, was Stalin dann daraus gemacht hat. Und mit den Konzepten von Geschichte nach Hegel (Dreischritt mit Lernen aus dem Vergangenen) und Nietzsche (Gezwungenes ‚immer wieder das Gleiche machen ohne etwas daraus mitzunehmen‘) können wir uns ja eigentlich auch noch beschäftigen. Und die genaue Ereignisgeschichte der Revolutionen …

Man sieht das Problem, oder? Natürlich ist das Zuviel. Zuviel von allem. Aber man braucht ja Impulse, es muss doch möglichst groß sein, damit man am Schluss genug Diskussionspotenzial hat, nicht? Denn Diskussion muss ja. Und dann müssen sie ja große Themenfelder bekommen, damit jeder etwas sagen kann.

*seufz* Morgens ging mir auf der Fahrt noch ein Licht auf, was mein Problem bei den Fragen angeht. Ich frage immer in eine Richtung. Ich frage so, dass man sich bei der Antwort so positioniert, dass keine Offenheit für Standpunkt 2 oder 3 oder 4 ebenfalls legitim gelassen wird, außer man greift die Prämisse der Frage an. Ich will es zu genau, zu eng, zu vertieft im ersten Schritt. Das stockt die Gespräche und führt dazu, dass oft nur die Leistungsstarken mir folgen können. Das Problem hier ist: Ich weiß das theoretisch. Ich schaffe es nicht in konkreten Situationen das dann anders umzusetzen. Weil ich Angst habe, dass Dinge schwammig bleiben, falsch aufgenommen und gelernt werden. Ich will es direkt so ‚richtig‘ wie möglich vermitteln um die ‚Ausfallrate‘ so gering wie möglich zu halten.

Nach der Stunde machte Herr Rickward mich auf ein weiteres Problem aufmerksam, was in dieser Sorge seinen Ursprung hat. Als die Schüler vorgetragen haben, habe ich an den Stellen, wo sie schwierige Begriffe/Umstände eher oberflächlich oder ungenau erklärt haben, direkt eingegriffen und habe um Präzisierung gebeten oder direkt einen kurzen Austausch im Plenum veranlasst. In der Zeit standen die Schüler, die präsentierten, dann vorn und warteten auf den Fortgang der Präsentation. Die Abläufe haben sich stark vermischt, teilweise meldeten sich die Präsentierenden, um sich an der Diskussion zu beteiligen. Und das passiert mir häufiger, auch in anderen Kursen. Die Situation hat mehrere Probleme.

  1. Man fällt den Präsentierenden ins Wort.
  2. Es entsteht eine Art Prüfungsgespräch durch das Nachhaken.
  3. Konkrete Sammlung / Sicherung der zu klärenden Punkte fehlt.
  4. Der Schülerbeitrag geht unter, wird nicht wertgeschätzt und die klaren Übergänge fehlen.
  5. Material wird wenig bearbeitet / eingebunden.

Ich agiere oft so, weil ich …

  • … nichts vergessen möchte.
  • … nicht möchte, dass etwas ‚Falsches‘ behalten wird.
  • … die Schüler direkt zur Genauigkeit anhalten will.
  • … der Überblick für eine Sammlung nach den längeren Präsentationen oft noch fehlt.

Die Stunde hatte dann noch weitere Schwächen. Die Diskussion am Schluss ruderte in viele Richtungen und ‚verlor‘ dabei doch einige Schüler auf dem Weg. (Auch Herr Rickward bestätigte mir, dass dieses zu viele Fäden auf einmal zusammenknüpfen zu wollen ‚ein typisches Problem der neuen Philosophiekollegen‘ wäre.) Die Zeit wurde zu knapp für das AB, was in einem reinen Gespräch ohne Material endete. Das ist immer noch eine Stufe schwerer, als wenn man sich an konkreten Fakten entlanghangeln kann. Ich bin nach wie vor unsicher, wieviel an Fakten ich persönlich vorgeben darf, ab wann ich manipuliere, suggeriere und so weiter. Wenn ich meine Auffassung der Inhalte des ABs für die Diskussion kurz darstelle, stelle ich eben MEINE Sicht dar. Die Schüler konnten sie sich nicht bilden und müssen für ihre weiteren Annahmen darauf bauen, dass ich das so neutral wie möglich dargestellt habe.

Nicht dass sie den Lehrer in vielen Fällen hinterfragen würden. Sie gehen oft einfach davon aus, dass ich ihnen keinen Unsinn erzähle. Und das empfinde ich eben als sehr problematisch. Was dann zu den vorher beschriebenen Verhaltensweisen von mir führt, wo ich versuche sicherzustellen, dass sie in der Situation direkt eben so wenig wie möglich ‚Falsches‘ verstehen können. *seufz*

Naja, wir arbeiten dran. In Präsentationen mache ich mir demnächst strickt Notizen und füge eine Sammlungsphase am Schluss an. Werde mit dem Material der Präsentierenden arbeiten und dieses ergänzen/korrigieren. Bei schwerwiegenden Fehlern greift man natürlich ein, aber ansonsten lasse ich meine armen Schüler wohl erstmal besser AUSREDEN -.-

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Die Neuen sind da

Vorgestern kamen sie, die neuen Referendare. Und man merkte, dass tatsächlich schon ein Jahr vergangen war. Das Gefühl war irgendwie ganz nett. Tatsächlich nur noch knapp 5 Monate und es ist vorbei. Ich habe tatsächlich nur noch einen UB und dann bereite ich meine Prüfungen vor 😮

Genauso wie wir anfangs mit der Schultüte begrüßt wurden, bastelten wir nun auch für die neuen ihre Tüten. Das hat an unserer Schule Tradition und ich hatte mich ja wirklich sehr über die Geste zu Anfang gefreut. Somit bastelte ich mit ordentlich Elan an den von meiner Mitreferendarin bereits vorbereiteten Tüten, als sie dann im Unterricht war. Das Ergebnis sah nett aus.

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Die Neuen sind ein bunter Haufen und ich war ein wenig neidisch, dass wir nicht so eine große Gruppe beim Start gewesen sind. Wäre schon nett gewesen in einer größeren Truppe.

Dass man tatsächlich inzwischen einiges weiterzugeben hat, merkte man bei den ersten Fragen: Orga-Überblick (was findet man wo und was ist tatsächlich wichtig?), wie plant man am Besten die ersten Tage, wann macht man das EPG, schafft man beide UBs vor den Ferien, wie plant man das genau, welche Programme helfen beim Einstieg, wie organisiert man die Unterlagen, welche Gadgets sind ein ‚Must-Have‘ und so weiter. Und wenn man dann tatsächlich knapp 2h ins Reden kommt, merkt man, wie sehr sich der Blick inzwischen geändert hat.

Am ersten Tag hatte ich die Neuen nicht lange gesehen, da ich zur zweiten Schule musste. Hatte aber gleich versprochen, dass ich meine wichtigsten Utensilien mitbringen würde und einmal ne Schnelleinführung zu Bewertungsprogramm und Planungsmitteln mache. Könnte ja für andere, die eventuell in der gleichen Situation sind und sich her verirren ganz nützlich sein. Hier also mal ein kleiner Überblick:

Organisation und Planung des Alltags

Ich habe mir ja echt Gedanken zu dem Punkt gemacht gehabt und etwas rumprobiert. Mein System besteht nun aus Aktenmappen für die verschiedenen Reihenplanungen.

  1. Im Idealfall entsteht im Vorfeld des kompletten Unterrichts eine übersichtliche Reihenplanung, in der verschieden Schwerpunkte direkt vermerkt werden. Das existiert dann rein elektronisch auf meinen verschiedenen Sticks, die ich in regelmäßigen Abständen auf einer externen Festplatte abspeichere und sichere. Im Falle des Ausbildungsunterrichts erhält man dann jedoch die Chance, dieses nochmal durchzusprechen und dann sieht das Ergebnis in etwa so aus:
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    Was wirklich notwendig ist, wie man ja an der einen Stunde vorgestern gesehen hat, deren Inhalt bei eigener Planung einfach noch zu verquer läuft. Im eigenen Unterricht hat man diesen Austausch oft nicht und steht alleine vor dem Berg, weswegen dort auch noch recht viel schief läuft.
  2. Jede einzelne Stunde erhält einen Verlaufsplan mit Stundenlernziel und Phasierung, Fragen für die einzelnen Überleitungen und erwarteten Ergebnissen.
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    Das klappt tatsächlich bisher nur stringent im Ausbildungsunterricht, da man für die eigenen Kurse einfach nicht die Zeit hat, dass alles so genau anzufertigen. Ich werde mir später wohl versuchsweise immer zwei oder drei Kurse heraussuchen, für die ich das weiterhin so handhaben werde. Irgendwann sind dann hoffentlich alle Themen mal abgearbeitet.
  3. Dazu landet dann alles Material, welches ich für die Stunden brauche, also Kopiervorlagen in Form von Arbeitsblättern oder Folien oder sonstiges Material, in den dünnsten, billigsten Klarsichthüllen, die ich finden konnte. Wenn das zu viele werden haben sie nämlich ihr ganz eigenes Gewicht, das sie auf die Waage bringen.
  4. Ist die Reihe abgeschlossen, werden alle Materialien zusammengeheftet, die zu dem Thema mit den Stundenplanungen zusammen gekommen sind und landen in den Akten.
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    Die sind nach Fächern sortiert (grün Philo, rot Geschichte) und nach Themen in den jeweiligen Jahrgängen aufgeschlüsselt. Das erschien mir bisher am Sinnvollsten, da man Themen auch öfter doppelt macht und deren Schwierigkeit, Umfang und Ausrichtung dann an das Alter und die Leistungsfähigkeit der Schüler anpassen muss.

Wenn alles gut gelaufen ist, hat man dann fertige Vorlagen für das jeweilige Unterrichtsvorhaben, die man bei Bedarf aus den Akten direkt rausziehen kann, in den Schulordner übernimmt und einfach abarbeitet. Bei Bedarf Änderungen oder ‚Umbauten‘ vornimmt, wenn man beim ersten Mal gemerkt hat, dass etwas nicht so gut lief.

Formulierungshilfen

Ohne meine Operatorenlisten für die jeweiligen Fächer geht nicht viel. Im Ordner ganz vorne sind die von mir bearbeiteten und sortierten Listen – im Original sind die zwar alphabetisch sortiert, aber das hilft einem bei Anforderungsbereichen und den Schlüsselwörtern nicht weiter – zusammen mit den grundlegenden Phasierungskonzepten für die Stunden und den methodischen Schwerpunkten je Fach anzutreffen.
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Und ja, ich schaue immer noch bei jedem Arbeitsauftrag oder Stundenlernziel kurz drauf. Sollte ich wahrscheinlich inzwischen auswendig können, kann ich noch nicht 😛

Benotungshilfen und Kursorganisation

Ich greife hier auf eine App zurück, deren Aufbau mir am Meisten zusagte und die für Windows erhältlich ist. Es gibt noch eine für Apple, aber da ich kein einziges Apple Produkt besitze, fiel die raus, obwohl ich die Oberfläche und intuitive Bedienung noch besser fand. Alles was man da so im Angebot hat heißt irgendwas mit ‚Teacher‘, in meinem Fall Teacher Studio. Eindrücke gibt’s nach kurzem Googeln.

Helfer

Dazu hatte ich was die elektronischen Geräte angeht ja schon einmal einen Beitrag verfasst. Den teile ich hier noch einmal, da hat sich nichts verändert. Von der Oberfläche und Bedienbarkeit und insgesamt, lag mir das Asus nach wie vor mehr. Das Acer tut aber seinen Dienst.

Fürs Grobe war es das dann erstmal. Viel mehr braucht man im normalen Alltag tatsächlich nicht. Den ganzen Kleinkram mit Magneten, Folienstiften, Markern, diversesten (Korrektur-)Stiften, Kreidemäppchen und Co lasse ich hier mal weg. Den schleppt eh jeder herum.

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Kollateralschäden – oder: Also in meiner Planung hat sich das noch ganz toll ‚gedacht‘!

Lernt man eigentlich tatsächlich dazu oder macht man die gleichen Fehler nur auf neue Art immer wieder nochmal im Ref? Das dachte ich mir gestern in der Doppelstunde bei Herr Rickward. Eigentlich sollten nur die USA in den ersten Weltkrieg einsteigen. Kann ja nicht so schwer sein, gell? Hmhm, falsch gedacht. Die Stunde wurde zur Nervenprobe, denn es passierte, was wirklich niemand hofft, dass es passiert: Die Stunde begann und ich merkte innerhalb der ersten 3 Minuten, dass ich sie besser anders geplant hätte >.<

Aber von vorne. Ich bin ja seit etwa drei Wochen bei Herr Rickward in der Q1 dabei und da dort auch mein letzter Geschichts-UB stattfinden soll, bin ich fleißig am Planen und am Werkeln. Und ich bin sehr froh, dass Herr Rickward da ist, der wirklich von allen Themen mal sowas von die Ahnung hat … ich erstarre nicht vor Ehrfurcht, aber ich bin schon meist neidisch, wie einfach ihm die Zusammenhänge und Verknüpfungspunkte geradezu aus der Tasche zu schlüpfen scheinen, während sie mit mir Katz und Maus spielen. Und er sieht tatsächlich gefühlt ALLES, was in den Stunden schief läuft. Und das war gestern in der Doppelstunde eine Menge *seufz* Immerhin, solche Stunden sind ja zum Lernen da. Und gelernt habe ich nun hoffentlich einiges aus den Fehlern.

Zum Einstieg hatte ich zwei Plakate von US-amerikanischer Seite von 1917 mitgebracht.

Meine Idee war gewesen, dass ich über die Tatsache der Rekrutierung und der Betonung der Ressourcen und deren kriegsentscheidender Rolle den Bogen zu der britischen Seeblockade und dem U-Boot-Krieg schlagen könnte, der letztlich (unter anderem) für den amerikanischen Eintritt in den Krieg entscheidend war. War ein wenig kompliziert gedacht, wie sich heraus stellte. An der Stelle merkte ich auch, dass ich eigentlich mit der amerikanischen Seite hätte anfangen müssen, da sich der U-Boot-Krieg aus Auslöser der Veränderung der Einstellung der Amerikaner nun einmal aus dem Problem der Zimmermann-Depesche ergeben hätte. (<- Dieses ‚hätte‘ wird nun noch öfter vorkommen.)

Herr Rickward meinte, dass es doch schön gewesen wäre, die verschiedenen Botschaften der Plakate auch mit der jeweiligen Zeit zusammen zu bringen: Anfang des Jahres das „Food will win the War“ Plakat, in dem noch nicht von eigenen Truppen die Rede ist und man für die Alliierten sammelt und dann von Mitte 1917 der eindeutige Aufruf an die Bevölkerung, sich zum Dienst zu melden. Mayflower-Flüchtlinge von damals wurde in die Pflicht genommen, Vorbereitung des Volkes auf den Krieg von Anfang an und nicht die ‚absolut neutrale‘ Haltung, die so gerne offiziell betont wurde. Problemaufwurf auf dem Silbertablett und ich habs nicht einmal gemerkt. Wenigstens habe ich ein glückliches Material-Händchen -.-*

Noch dazu war ich davon ausgegangen, dass der Kriegseintritt der USA allseits bekannt war. Also, die Ursache davon. Hatte ich irgendwie aus der Mindmap vom Anfang gelesen, als ich dann aber danach fragte, sahen mir nur leere Gesichter entgegen. Und da merkte ich dann, dass es zwei verdammt lange Stunden werden würden.

Was wir machten:

Ich sagte den Schülern, dass sie nun einmal den Darstellungstext zum Thema der britischen Seeblockade lesen und die Aufgaben bearbeiten sollten, da wir zuerst die Ursache für den U-Boot-Krieg genauer untersuchen würden.

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Das lief dann wie immer ab; lesen, zusammentragen, Gründe erforschen, beurteilen, ob der U-Boot-Krieg ein Verteidigungskrieg gewesen ist. Sie arbeiteten sich tapfer durch die Frage, was und ob das alles nun völkerrechtswidrig gewesen wäre und kamen dann am Schluss darauf, dass es schon eine recht verzwickte Lage für Deutschland, aber selten … dusselig von den führenden Militärs gewesen ist, sich dann gleich die nächste Front anzulachen, indem man in der Nordsee auf die vierte Großmacht Jagd machte. Oder zumindest in Kauf nahm deren Zivilisten zu versenken.

Das war alles gut und richtig. Zum Abschluss hatte ich mir überlegt, könnte man doch mal ins Quellenmaterial hineinschauen und eine Deutung der Wirkung des Krieges auf die beteiligten Seefahrer versuchen.

Anhand dieser Materialien sollte einmal etwas Klarheit über die Art und Funktion der Seeminen entstehen, die Lage der Blockade Linien deutlich werden und letztlich die psychologische Wirkung des Krieges erschlossen werden. Mir persönlich erscheint die Idee nach wie vor zugänglich, sie kam mir immerhin (^.^), aber die Schüler konnten damit wenig anfangen.

Der erste Impuls den ich hatte, als ich die Karte sah, war eine Verbindung zwischen der Darstellung der Landmassen und Küstenlinien im Vergleich zur ‚Wichtigkeit‘, die der Kartenersteller mit dem jeweiligen Land verbunden hatte. Und er hat sich ja wirklich Mühe gegeben, dass muss man ihm lassen. Wenn man jetzt aber die Küstenlinie von Deutschland mit der der anderen Länder vergleich, so erscheint sie einem doch deutlich ‚zu kurz gekommen‘. Wenn man jemandem ganz neutral den Auftrag gibt „zeichne doch mal eine Weltkarte“, so werden die Proportionen und Details meist beim eigenen Land und dessen Umfeld am genauesten sein. Warum also zeichnete der deutsche Seemann die deutsche Küstenlinie so ‚untersetzt‘? Weil sein Unterbewusstsein ihm eingab, dass Deutschland kaum einen Zugang zum Meer herstellen kann, es von allen Seiten klein gehalten wird, der Zugang gefährdet ist, und so weiter. Fand ich wie gesagt ganz logisch … die Schüler nicht. Aber ich sehs ein, war vielleicht ein bisschen abstrakt 😛

Nach der fünf Minuten Pause ging es dann mit dem eigentlichen Kriegseintritt Amerikas weiter. Und ich ließ den dazugehörigen Darstellungstext lesen.

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Womit ich den kompletten Problemaufriss der Stunde mal eben so verschenkte. Die Kombination mit der im Januar abgefangenen Nachricht, der Weiterleitung kurz darauf, der Veröffentlichung dieses brisanten Materials erst über einen Monat später für die Öffentlichkeit bis hin zur Instrumentalisierung der Depesche zum letztlichen Kriegseintritt, alles verschenkt durchs Lesen der paar Zeilen. Grundlegendes Problem der Stunde: Ich denke immer noch linear. Das Problem erschließt sich nicht durch genaues Abarbeiten des zugrundeliegenden Materials, man muss anachron arbeiten und sich auf die Punkte stützen, die einem eine „Hä?“ Reaktion abverlangen. Dass in dem Text die verschiedenen Motive schon genannt wurden, verhinderte, dass die Schüler die offiziell genannten Motive genau würdigten.

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Dieses Arbeitsblatt wurde somit fast sinnlos. Die Erklärung des Hintergrundes über die Monroe-Doktrin funktionierte dann auch nicht mehr. Denn anstatt die Schüler eigenständig auf die Verbindung kommen zu lassen, erschlug ich sie mit Text, wobei sie nicht nur die wichtigsten Passagen der Doktrin noch einmal lasen, sondern auch noch die FALSCHEN. Ich verwechselte die Seiten und so wurde der ewig lange Text erneut gelesen, wo es eigentlich nur um den Zusatz von 1904 gehen sollte, in dem sich die USA selber als ‚internationale Polizeigewalt‘ betiteln und ihre Aufgabe als „Weltpolizisten“ erstmals deutlich machen.

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Was war also das Ergebnis der Stunden? Die USA sind offiziell in den Krieg eingetreten, weil Deutschland indirekt den Krieg über die Zimmermann-Depesche erklärt hatte und sich entgegen der alten Bestimmung in amerikanische Angelegenheiten mischen wollte, indem sie Mexiko Unterstützung und verlorene Gebiete versprachen. Die Angriffe auf die Handelsschiffe war der Punkt, der mit dieser Depesche zusammen die us-amerikanische Öffentlichkeit gegen Deutschland aufbrachte, deren Zustimmung die Regierung dringend für einen erfolgreichen Kriegszug brauchte. Wilson sprach in seiner Kriegserklärung von hehren Zielen und dem Recht, das wichtiger als der Friede geworden war. Wirklich erwähnt wurden hierbei natürlich nicht die Versorgungslieferungen seit Beginn des Krieges, die die US-Wirtschaft dringend brauchte. Die ‚Detektivarbeit‘ hatte ich den Schüler nur leider durch den Infotext am Anfang schlicht abgenommen, weswegen die Inhalte wohl nicht direkt hängen geblieben sind. Selbst erschließen bringt einfach mehr.

Das Schlimme ist, dass ich ja theoretisch weiß, dass man eher konfrontativ denken sollte. Ich falle aber immer in das ‚Informierende‘ zurück, was dann in nicht sehr spannenden Stunden endet. Und was ich hier auch wieder gemerkt habe: Sich für eine Doppelstunde in ein komplett neues Thema einzuarbeiten führt einfach zum Overload. Es waren zu viele Fäden, die ich verknüpfen wollte und zu viele Stellen, an denen einfach die Übung, Routine und der Überblick fehlte. Dankbar darf ich hier für die wirklich geduldigen Schüler sein, die auch solche Stunden mit stoischer Ruhe ertragen. Dafür dürfen sie dann die nächsten freier arbeiten und sich die Russischen Revolutionen anschauen, die genauso wie die Wende im Krieg zum Epochenjahr 1917 gehören.

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5. UB Philosophie

Tja, kaum zu glauben, wie sehr die Zeit manchmal rennen kann. Mein letzter Unterrichtsbesuch in Philosophie ist nun absolviert. Es war nervenaufreibend bis zum Schluss und die Stunde selber wird nicht gerade angenehmer, wenn man durch die ganze Theorie-Kundigkeit haarklein jede Stelle bemerkt, an der man einen Fehler macht und ihn TROTZDEM mit Bravour absolviert -.- Es besser wissen aber noch nicht können … das wird wohl die nächste Zeit Motto werden.

Was ist gestern also alles passiert? Wir haben uns daran gemacht die Demokratie abzuschaf … – nein, Moment, das war ein anderer UB in einem anderen Fach (so schlimm lief es glücklicherweise nicht). Wir haben das Widerstandsrecht gegen demokratische Entscheidungen besprochen. Oder besser: Die Schüler haben sich die Köpfe etwas heiß diskutiert, ich habe tatsächlich eine Stunde entworfen, in der ich die meiste Zeit außen vor war.

Nachdem ich die letzte Woche nur noch stundenweise geschlafen hatte, da neben dem vollen Stundenplan ja noch der Entwurf geschrieben werden wollte und ich wieder bis zum letzten Tag noch zusätzliche Ideen entwickelte, mit Herr König besprechen wollte und Mittwoch sogar nochmal alles um den Einstieg herum umwerfen musste, stand dann morgens um halb sechs am Tag vorm UB endlich die Stunde und das Material fest.

Eigentlich hatte ich mit einem kurzen Dialog aus Antigone einsteigen wollen, der von den Schülern gespielt werden sollte. Herr König überzeugte mich, dass es einfach zu viel Zeit brauchen würde und nicht genug Ertrag dafür brächte. Es fällt einem ja so schwer von einer einmal gefassten Idee abzuweichen. Besonders wenn das komplette Material dafür fertig ist und der Kommentar schon geschrieben. Ich gab dann aber nach und fand auch mein Bauchgefühl wieder, dass vorher aus den gleichen Gründen ebenfalls schon Bedenken angemeldet hatte. Man sollte öfter auf sein Bauchgefühl hören, auch wenn es zusätzliche Arbeit bereitet.

Morgens in der Schule überkam mich wieder die altbekannte ‚Ruhe vor dem Sturm‘. Wenn ich nichts mehr ändern kann, werde ich etwas fatalistischer was die Gemütslage angeht. Immer noch angespannt, aber … es wird sich dementsprechend entwickeln wie es das nun einmal auf Grund der Umstände kann. Ich bereitete den Raum vor (Materialien von der Korkwand entfernt, Tische und Stühle gerückt, gelüftet), schaute noch schnell über die Planung für die ersten zwei Stunden mit den 9ern, die wieder nur aus vorgegebenen Unterrichtsplanungen in den Praxisheften bestand – nahm mir bei der Gelegenheit vor, dass ich das kommende Thema für sie extra gut ausarbeiten würde – und machte mich auf zum Kopierer.

Wo natürlich ausgerechnet an diesem Tag der Notstand ausgebrochen war. Fünf Kollegen vor mir und ein Fachleiter, der natürlich den einzigen Folienkopierer benutzen musste um schwarz-weiß Kopien für sein neues Seminar in der Intensivwoche zu erstellen. Nicht dass wir dafür noch zwei weitere Kopierer haben … Aber hey, ich habe doch Zeit. Ich kam dann das erste mal vier Minuten zu spät zum Unterricht. Die Schüler sagten mir direkt, dass sie bereits überlegt hätten, ob ich krank wäre, weil ich immer überpünktlich wäre. Tja, so ist das.

Als ich dann aus dem Unterricht kam und ins Lehrerzimmer hechtete, wurde ich gleich mit den Worten: „Frau Tulpe sagte, dass die Leute schon seit 40 Minuten da sind und sie sie erstmal in den Raum gebracht hat. Die waren wohl alle zu früh.“ Gut, dass ich den Raum die ersten Stunden auch geblockt hatte, ich hatte mit so etwas gerechnet. Also schnappte ich mir alle Utensilien und marschierte in den Keller, wo mich die fünf Damen aus dem neuen Fachseminar und mein Fachleiter erwartungsvoll begrüßten. Es schlug mir sehr viel Dankbarkeit von den neuen Refis entgegen, dass sie sich einen 5. UB anschauen durften und noch mehr Wohlwollen meines Fachleiters, der den Tag mehrfach betonte, dass er mir das hoch anrechnen würde.

Gemeinsam ging es zum Unterrichtsraum, wo die Tische zurechtgerückt wurden und ich meine letzten Vorbereitungen traf. Allerdings wurde mir schon beim Ausbreiten meiner Unterlagen deutlich, dass es einfach alles viel zu viel war. Ich hatte eine ‚offene‘ Stunde vorbereitet und die Richtung, die am Schluss eingeschlagen werden würde, stand noch nicht fest. Somit hatte ich mich in alle möglich-denkbaren Richtungen versucht vorzubereiten. Noch bevor ich die Stunde gehalten hatte war eigentlich schon sicher, dass ich sie wahrscheinlich nicht gesichert würde abschließen können.

Der Gedankengang war es dann, der verhinderte, dass ich richtig ins Thema kam, weswegen ich den Einstieg verpatzte.

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Was nicht an den Schülern lag, die waren toll. Der LK hat sich die Stunde wirklich Mühe gegeben und sie nannten ALLES was wir in den Stunden vorher besprochen hatten. Egal wie unwichtig oder klein der Punkt gewesen war, sie verbanden ihn mit dem Problem vom Brexit.

  • Mehrheitsentscheidungen können sehr knapp ausfallen – Was ist also, wenn die Mehrheit nur hauchdünn ist? Greift das die Legitimität der Entscheidung an?
  • Problem mit Minderheiten in der Demokratie
  • Problem mit der Repräsentation von Minderheiten in der Demokratie
  • Problem des Entscheidungsfindungsprozesses
    • uninformierte Wähler
    • populistische Positionen
    • Lenkung der öffentlichen Meinung
  • Fremdbestimmung in der Demokratie – dürfen Mehrheiten über Minderheiten entscheiden?

Es kam so viel und so viel Gutes … und ich nehme die Frage und das Problem für die Stunde vorweg. *seufz* Anstatt die Schüler eine Problemfrage formulieren zu lassen und diese dann an die Tafel zu schreiben, fing ich an zu plappern und gab die Frage vor – ohne sie zu fixieren. Wenn man sich von außen beobachtet und merkt ‚was machst du da gerade?!‘, es dann aber schon zu spät ist … Der Schulleiter runzelte nur die Stirn, mein Fachleiter fing an schneller zu schreiben und Herr König schaute mich mit großen Augen an. Gut, hoffen wir einfach mal, dass das jetzt nicht im Examen passieren wird. Meist mache ich Fehler nur einmal in dem Umfang.

Nachdem ich also etwas von Autorität gemurmelt habe und die Frage stellte, ob man Mehrheitsentscheidungen immer Folge leisten müsse, leitete ich zur Erarbeitung über.

Moderationsfolie

Zum Glück fanden sich fast auf Anhieb zwei gleichgroße Gruppen zusammen, die jeweils eine der Positionen vertreten wollten, so dass wir nicht lange herumschieben mussten, um an die Arbeit zu kommen. Ich erklärte die Aufgaben, verteilte Plakate und Stifte und mein hochmotivierter Kurs stürzte sich in die Arbeit. Leider sah ich zu spät, dass Gruppe 1 den Arbeitsauftrag mit dem Begründen nicht genau genug genommen hatte. ‚Weil‘ Begründungen sind nun einmal nicht gerade das, was man von den Schülern, die vor zwei Wochen noch im Toulmin-Schema moralische Begründungen verfasst haben, erwartet. Da die erste Phase der Gruppenarbeit aber schon fast verstrichen war, kam meine Anweisung, die Begründungen doch bitte noch zu vertiefen zu spät. Das wurde von der zweiten Gruppe dann in der folgenden Kritik-Phase aber hervorragend aufgefangen, als sie genau die Schwachstelle der unausgeführten Begründungen aufgriffen und sie argumentativ ausweiteten.

Das Ergebnis sah dann so aus:

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Und spätestens an der Stelle war mir klar: Zu viel! Als ich dann in der dritten Phase zur Entscheidungsfindung aufrief, entspannte sich schnell eine Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Mehrheitsentscheidung, wenn man damit der Minderheit Dinge vorschreiben würde. Ich konnte in der Diskussion zur Vertiefung anleiten, indem ich das Problem von Minderheiten, die auf Grund von einer speziellen Disposition zu Minderheiten geworden sind und deren Problem von keiner Mehrheit jemals geteilt und vielleicht nachvollzogen werden konnte, zur Diskussion stellte, wie es beispielweise bei Homosexuellen und deren Verfolgung in vielen Ländern gegeben ist. Was tut man, wenn man auf dem ’normalen Weg‘ (Position bekannt machen und eine Mehrheit für die eigenen Belange finden) keine Mehrheit für seine Sache gewinnen kann? Ewig in der Minderheit bleiben? Funktioniert das System beim Vorhandensein ‚ewiger Minderheiten‘ auch noch oder wären Entscheidungen damit nicht länger legitim?

Wir kamen also wie geplant bei der Frage nach der Legitimität von Mehrheitsbeschlüssen an, jedoch war ich an dem Punkt bereits so am Schwimmen, dass mein ‚Tafelbild‘ eher eine Stichwortsammlung wurde. Dadurch, dass wir ja auch keine Leitfrage zum Beantworten hatten, lief die Stunde dann bis zur letzten Minute so vor sich hin und es kam nicht zu der gewünschten ‚Runden Stunde‘, in der ein Problem vom Anfang wieder aufgegriffen und beantwortet werden konnte.

Was positiv gewesen ist: Die Vorbereiteten Impulse habe ich nicht gebraucht. Vor lauter Sorge, dass die Schüler sich in der Erarbeitung nicht auf wirkliche Probleme einigen können würden, hatte ich kleine Impulskarten vorbereitet. Problem hierbei ist immer, inwiefern man Ergebnisse vorweg nimmt oder vorschreibt, aber da es letztlich besser ist als sich in einer Erarbeitungsphase ohne Arbeit wiederzufinden … nun ja.

Impulse I

Impulse II

Hier sieht man nun auch, warum es so schwer war die Stunde vorauszuplanen. Es gab einfach so viele Ansatzpunkte, in die sich die Diskussion der Schüler entwickeln konnte, dass ich konstant das Gefühl gehabt hatte, dass ich die ganzen Probleme eigentlich gar nicht überschauen konnte. Das mein Fachleiter nun gerade das als großen Pluspunkt bei der Bewertung anlegte war wohl mein Glück, da es ja immer sehr individuell ist, wie man solche Ansätze einordnen.

So war er dann von der Stunde geradezu begeistert. Freie Diskussion, offener Meinungsaustausch, vertiefende Diskussion von den Schülern angestrebt, geleitet und stringent aufgegriffen, anlage der Stunde von der Methode her, Aufbau des Themas in der Reihe, Relevanz von philosophischen Positionen, Aushalten von Dissens bei einer alltagsrelevanten Fragestellung etc. etc. etc. Er hörte gar nicht mehr auf zu loben.

Da das neue Fachseminar auch bei der Nachbesprechung dabei war, verfielen sowohl er als auch ich immer wieder in Erläuterungen, während wir die Stunde reflektierten, aber insgesamt hat mich die Anwesenheit der ungewöhnlich vielen Gäste beim UB überraschend wenig gestört. Es fühlte sich sogar eigentlich recht befreiend an, dass man wusste, dass das Jahr nun größtenteils abgeleistet ist, die tatsächlich arbeitsreichen Strecken erst einmal weniger werden und man sich nun aufs Examen vorbereiten kann.

Trotzdem ist es wirklich beunruhigend, dass dies nun meine Ausbildung in Philosophie gewesen sein soll. Ich fühle mich einfach nicht gut vorbereitet. Alles in allem waren das nun viereinhalb Wochen Ausbildungsunterricht bis zum 5. UB. 4 1/2 Wochen! In zwölf Monaten …

Was das Examen angeht, so werde ich mit der Vornote 2 in die Prüfung gehen. Der Entwurf wäre eine 1, da gibt es nichts mehr zu beanstanden laut meines Fachleiters. (Die neuen Refis baten dann natürlich auch gleich um eine Kopie, die ich ihnen gerne zur Verfügung stellte.) Leider sind meine Leistungen im praktischen Bereich nicht auf dem Niveau, was mich zwar ärgert, aber es lässt sich nicht ändern. Noch weiß ich nicht genau, wie viel die Vornote nun tatsächlich in die Endnote eingerechnet wird, da muss ich mich noch einmal schlau machen. Und obwohl ich die Stunde als echten Drahtseilakt für meine Nerven einstufe, so legte mir mein Fachleiter doch sehr eindringlich nahe, dass ich das fürs Examen ins Auge fassen sollte. Schauen wir mal, ob ich den Mut zu einer offenen Diskussions-Examensstunde haben werde. ^.^

Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Planung, Prüfung, Referendariat

Wenn der Stresslevel unbekannte Höhen erreicht …

Damit hatte ich Anfang der Woche noch nicht gerechnet. Dass es stressiger werden würde, ja, aber dass es sich so schnell so exponentiell vermehren würde … nein, das war eine Überraschung.

Herr König hat mir in dem Philosophie LK, dessen erste Stunde ich heute (nach einer sehr unruhig-angespannten Nacht) gehalten habe, so in etwa 8 Stunden eingeräumt. Genug für eine kurze Reihe. In einem LK heißt 8 Stunden nicht einmal 2 Wochen. Was wiederum heißt, dass ich meinen Fachleiter direkt für nächste Woche einladen musste. Ich hatte gehofft, es um eine Woche ziehen zu können, jedoch sind gerade auch die Intensivwochen für die neuen Referendare.

Mein Fachleiter kam mir entgegen und versucht einen Termin einzuschieben. Nächste Woche Freitag. Mit dem kompletten neuen Seminar im Schlepptau. *panik* Ich bin gedanklich nicht mal richtig in der Reihe angekommen und darf jetzt das Wochenende direkt meinen fünften und letzten UB in Philo planen mit halb so viel Publikum dabei wie Schüler in dem Kurs sitzen 😮 Hilfe.

Der einzige Lichtblick: Am Dienstag ist Eltern- und Schülersprechtag und ich habe bisher nur eine Terminanfrage, die ich vielleicht auch so zum Gespräch laden kann. Dann kann ich den Tag komplett schreiben und planen. Mein Magen fühlt sich trotzdem nicht viel besser an -.- Im Moment fühle ich mich, als würde mir alles langsam entgleiten. Was vor allem an der fehlenden Vorbereitungszeit liegen dürfte. Ich habe noch nie Planungen für den nächsten Tag erst spät abends verschickt. Aber es bleibt einfach keine Zeit und so werden meine 9er morgen eine schlichte Kopiervorlage erhalten. Mehr ist gerade nicht drin 😦

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Fachtag Geographie und Gesellschaftslehre

Ich habe mir die Zeit genommen und bin die doch beachtliche Strecke nach Münster gefahren, um ein wenig Material abzugreifen und mich in dem Bereich mal fortbilden zu lassen, in dem ich an einer Gesamtschule als Geschichtslehrer zu unterrichten hätte. Von Geographie/Erdkunde habe ich nämlich herzlich wenig Ahnung bisher.

Nach gut 1 1/2h kam ich an dem idyllischen Seehotel an, wo in zwei Sälen die Vorträge gehalten werden sollten. Angemeldet hatte ich mich zu einer Informationsveranstaltung zum neuen Sek I Buch für Erdkunde fürs Gymnasium und danach für die neue Version des Atlas. Vor allem mit dem Hintergedanken, dass ich diese Werke gerne mit nach Hause nehmen würde. Man bekommt ja tatsächlich so ziemlich alles kostenlos in die hand gedrückt. Und ein aktueller Atlas fehlte mir noch.

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Ausbeute – teilweise umsonst, teilweise stark reduziert.

 

Überzeugen konnte mich dann das Werk für die 5er in Erdkunde. Soweit es meine Fachkompetenz zu beurteilen zulässt, scheinen die Damen und Herren vom Verlag da eine Materialsammlung zusammengestellt zu haben, die gleichzeitig über binnendifferenzierende Arbeitsaufträge sowohl verschiedene Zugänge bezüglich Neigung, Tempo als auch Schwierigkeit andenkt, sowie interessante Zusatzaufgaben für die Schnelleren anbietet.

Hier einmal ein Beispiel:

BPS06052017_0001Schön operationalisierte Arbeitsaufträge, die alle dem gleichen Lernziel zuzuordnen sind mit vertiefenden Elementen oder eben im niedrigeren Anforderungsbereich verbleiben. Für die 5er ist es denke ich ansprechend gestaltet.

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Wirklich toll finde ich allerdings den Lehrerband dazu. Gerade wenn ich mir vorstelle, dass ich später fachfremd Erdkunde unterrichten müsste, wäre ich um eine solche Hilfestellung unglaublich dankbar.

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Die wichtigsten Infos direkt einmal zusammengefasst zum ersten Überblick. Beispiellösungen für die Aufgaben und Hintergrundinformationen zu den abgebildeten Materialien. Was ich allerdings noch nie in einem Lehrwerk gesehen habe, war das hier:

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Wie genial ist das denn bitte?! Ich meine, sicher, niemand sollte sich strikt an die Pläne eines anderen halten, man verändert ja immer hier und da etwas im Unterricht, auch an den eigenen Plänen, die man sich so macht, aber als Orientierungshilfe? Nehme ich; mit Kusshand!

Ein Mitrefi, dem ich kurz danach von dem Lehrerband erzählte, dämpfte die Euphorie etwas. Er meinte, das die meisten Lehrwerke für Geographie tatsächlich grobe Fehler aufweisen würden und nicht fachlich korrekt wären. Da muss ich dann aber sagen, dass ich fachlich ja nicht einmal ausgebildet bin, wenn man mich später auf die GL Schüler in der Gesamtschule loslassen sollte. Wie viel hinter der Vermittlung im Fach Erdkunde nämlich stecken kann, erfuhr ich dann bei dem fachwissenschaftlichen Vortrag, der den Tag abschloss.

Unglaublich welche Kombination an Wissen für Geographie nötig ist. Während ich zuhörte hatte ich das Gefühl, dass (sollte ich mich entscheiden nun noch ein Studium anzuschließen ^.^) mein Geschichtsstudium nur die Grundlage und Geographie quasi als Aufbaustudium anzusehen wäre.

Vorgestellt wurde uns die Globalisierung am Beispiel Myanmars. Wer jetzt Google Maps bemühen müsste, ist so schlau wie ich vorher war 😉

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Ich kann und werde den Vortrag nicht zusammenfassen, dazu fehlt mir die fachliche Kompetenz und das würde dem Thema nicht gerecht werden. Aber kurze Einblicke kann ich bieten. Die Professorin aus Köln, die sich nicht nur theoretisch mit den Vorgängen in diesem unbekannten Fleckchen Erde beschäftigt hat sondern auch zwei Jahre dort lebte und verschiedene Kursbesuche hinter sich hat, schaffte es jedoch, innerhalb von knapp 2h uns ein sehr erschreckendes Bild zu zeichnen.

Das Land ist teilweise noch gar nicht richtig erschlossen, was vor allem an den Ausläufern des Himalaya liegt, dessen Gebirgszüge Höhenunterschiede von tausenden von Metern in relativ dichten Gebietsflecken herstellen, die ein Durchqueren des Landes von Ost nach West beispielsweise fast unmöglich machen. Die Infrastruktur ist noch nicht gegeben, das was wir unter Straßen verstehen eine Seltenheit.

Sozial ist das Land nach viermaliger Herrschaft unter verschiedenen Kolonialherren (Indien, China, Großbritannien und Japan) politisch wohl ähnlich gefestigt, wie wir es von den afrikanischen Ländern kennen. Viele Probleme sind somit auch vergleichbar. Gerade letztes Jahr kam es erstmals zu demokratischen Wahlen, die eine Regierung einsetzten, die die vorherige Militärregierung ablöste. Vereint werden wollen hier aber eine derartige Vielzahl von Ethnien, dass eine veraltete und höchst ungenaue Schätzung noch aus der Zeit der Briten damals, mindestens ~150 ethische Gruppen identifizierte.

Telekommunikation gibt es auch erst seit kurzem, als eine norwegische Firma sich die Recht sicherte und nun Sim-Karten für 1,50€ zu erwerben sind, die vorher 1000,-€ gekostet haben. Und besonders unglaublich erschien ihre Schilderung der Entwicklung des Bankensystems. Das gab es nämlich bis vor kurzem noch nicht. Dann änderte sich das politische Programm, Beschlüsse wurden verabschiedet und (wörtlich) über Nacht standen die ersten Geldautomaten da.

Der Vortrag war sehr anekdotisch und es ging munter in der Art weiter. Das Bild was sich dann aber abzeichnete, war das eines sehr orientierungslosen Staates, der verzweifelt versucht im Spiel der großen internationalen Mächte einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Denn Myanmar hat eine unglaubliche Vielzahl an Bodenschätzen zu bieten. Und im Laufe der Jahrzehnte haben sich die großen Nachbarn auch bereits nach Myanmar ‚hereingegraben‘, was an den riesigen Tagebauwerken zu sehen ist.

Einige der zerstörerischen und durchweg unvorteilhaften Projekte konnte die Regierung stoppen (wohlgemerkt, stoppen, nicht abwehren – man liegt in ‚Lauerhaltung‘). Wie beispielsweise den Bau eines riesigen Staudamms im nordöstlichen Grenzgebiet zu China, der 90% der Energie an die Chinesen verteilt und nur 10% für Myanmar gelassen hätte. Aber vieles ist schon nicht mehr zu ändern. Wie die vielen bereits verkauften Landstrecken, die sich ausländische Investoren/Spekulanten bereits gesichert haben, um mit Erteilung der Genehmigungen dort das Land ‚zu erschließen‘. Häufig liegen diese Landstriche nur genau neben sich entwickelnden Dörfern, denen so jeder Platz zu natürlicher Entwicklung genommen wird.

Man steckt in der Falle – man braucht das ausländische Wissen und die Fachkompetenz; das eigene Bildungssystem steckt in den Kinderschuhen und um das vorhandene Potenzial ausbauen zu können, braucht man Fachleute. Die werden auch munter von japanischer oder chinesischer Seite angeboten … aber es gibt nun einmal nichts ohne Hintergedanken. Egal wohin sie sich in diesem Raum also wenden, die Myanmaren müssen mit einer ‚hidden agenda‘ hinter jedem einzelnen Angebot rechnen. Die Frage dabei ist: Gibt es eine Alternative?

Egal welche Großmacht sich bisher dort eingemischt hat, immer wird auch die eigene Ideologie und damit Vormachtstellung propagiert. Selbst die amerikanische Privatschule, die die Kinder der Vortragenden besuchten, da das örtliche Bildungsangebot keine Alternative darstellte, betrieb Bildungsimperialismus, der wohl einfach nur abschreckend wirkte.

Sehr bezeichnend fand ich ein einfaches Beispiel, dass die Lage des Landes gut beschrieb. Sie zeigte uns eine Straße. Das, was wir unter einer Straße verstehen würden; schwarzer Teer, breit genug um zwei LKWs darauf fahren zu lassen. Auf dieser Straße lagen zwei Baumstämme quer, die die Weiterfahrt verhinderten. Einige Meter weiter, verschwand diese Straße im dichten Unterholz um sich dann als Trampelpfad fortzusetzen. Das Bild war von jenseits der indischen Grenze nach Myanmar rein aufgenommen worden. Die Großen liegen in Warteposition und haben alle Vorbereitungen getroffen; es fehlt der Startschuss, dass sie sich auf machen können, dem unzivilisierten Land den Fortschritt zu bringen.

Veröffentlicht in Ausbildung, Ausbildungsunterricht, Planung, Referendariat

Vom Präventionskrieg und der Planung bis zu den Sommerferien

Ich bin inzwischen bei Herr Rickward in der Q1 eingestiegen und wollte mir nicht noch eine Gelegenheit entgehen lassen, meinen Unterricht endlich wieder regelmäßig zu reflektieren. Da die 9er noch im Praktikum sind, ergreife ich die Gelegenheit und erledige das in den ausfallenden zwei Stunden heute morgen 😉 (Was das Praktikum angeht: von einem Schüler, von den zweien die ich betreue, habe ich pflichtgemäß gehört, wenn auch die Kommunikation mit dem Betrieb nicht geklappt hat. Die andere Schülerin ist verschollen, obwohl ich sogar den Eltern eine Nachricht geschrieben habe, dass sie sich bitte melden soll. Mal sehen was das gibt.)

Nach den vielen negativen Rückschlägen im Ausbildungsunterricht, die ich über Elif mitbekommen habe, bin ich noch dankbarer dafür, dass mein AU, wenn er auch in Philo spärlich stattfindet, zumindest den normalen Abläufen von AU folgt. Man setzt sich vor der Stunde zusammen, hat zu dem Zeitpunkt schon hospitiert und kennt den ungefähren Lernstand der Schüler. Dann wird vom Ausbildungslehrer ein passender Schnitt im Thema genannt, zu dem man mit einem neuen Thema einsteigen kann. Das wird gemeinsam grob vorstrukturiert und man bespricht dann noch einmal die letztliche Stunde, zu der eingestiegen werden soll im Detail. Bei Elif war das bisher immer eher so in der Art von „Mach mal …“. Ihre AU-Lehrer haben sich nicht mit ihr getroffen, nichts zu ihren (zugegeben spät abgegebenen) Stundenplanungen gesagt und im Nachhinein alles als falsch angemerkt oder ihr gleich in die Stunde mit wedelnden Armen hineingerufen. Vor dem Kurs. Super Arbeitsklima.

Ich saß nun also mit Herr Rickward zusammen und plante die Einzelstunde am Donnerstag. Nach den Ferien waren sie mit dem Thema erster Weltkrieg eingestiegen und ich kam somit ‚gerade rechtzeitig‘ für die sehr gelungene Einführung von Herr Rickward. Hierbei wurde über eine Dokumentation zu Wilhelm II. ein personengeschichtlicher Zugang zum Thema aufgemacht, der sehr gut zu der Art passte, mit der auch vorherige Themen behandelt worden waren. Ich hatte in dem Kurs ja bereits Bismarck genauer behandelt und Wilhelm II. war eine Person, die sie bereits aus dieser Sequenz kannten. In der Stunde danach, sollten die Schüler sich je zu zweit zusammenfinden und arbeitsteilig aufschreiben, welche Stichpunkte ihnen zum ersten Weltkrieg einfallen oder welche Fragen. Das wurde dann ausgetauscht und ergänzt und letztlich in einer Mindmap gesammelt.

Diese Sammlung haben sie dann in wieder der darauffolgenden Stunde in einer Mindmap Strukturiert und zugeordnet und sich über einen allgemeinen Darstellungstext und eine Quelle zum Sarajewo Attentat mit der Überprüfung der Inhalte beschäftigt, die sie als Vorwissen nun schon zusammengetragen hatten.

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Auch wenn ich die meisten mit meiner ’schnell mitgeschrieben Handschrift‘ an der Stelle verlieren dürfte, ich habe so natürlich eine nette Gliederung für die zu bearbeitenden Themen mitgenommen, die auch noch von den Schülern auf Basis ihres Vorwissens erstellt worden ist.

Leider ‚zerstörte‘ Herr Rickward mir meinen angedachten Einstieg mit seinem Stundenabschluss, aber da wir über die nächste Stunde zu dem Zeitpunkt noch nicht geredet hatten, traf ihn da natürlich auch keine Schuld. Ich hatte vorgehabt über die bereits erarbeiteten Ergebnisse zu Bismarcks Außen- und Bündnispolitik in das Bündnissystem vor dem ersten Weltkrieg einzusteigen, da er ja die negative Ausgangslage und die Folgen davon bereits in den 80er Jahren des Jahrhunderts davor als „Albtraum der Koalitionen“ vorausgesehen hatte. Das hatten die Schüler sogar bei mir erarbeitet für den dritten UB.

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Von dieser angenommenen politischen Isolation kam es dann zu einer tatsächlichen, in der Deutschland eben nur noch mit seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn fest verbunden war.

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Da diese ganzen Vorgänge aber bereits zum Ende der Stunde geklärt wurden, wenn auch nicht ganz so umfassend, wie ich es geplant hatte, musste ich für die nächste Stunde einen neuen Schwerpunkt suchen. Herr Rickward fand die Idee aber gut und hätte die Verknüpfung der Themen als gewinnbringend eingeschätzt.

Die Stunde, die ich dann am Donnerstag zeigte, beschäftigte sich mit der Einstellung zum Krieg und dem deutsch-englischen Wettrüsten. Über eine Niederschrift vom Staatssekretär des Auswertigen Amtes über ein Gespräch mit Generalstabschef Helmuth von Moltke vom Juni 1914 stieg ich in die innenpolitische Perspektive auf den Krieg ein:

Unterwegs entwickelte mir Moltke seine Auffassung unserer militärischen Lage. Die Aussichten in die Zukunft bedrückten ihn schwer. In 2-3 Jahren würde Russland seine Rüstungen beendet haben. Die militärische Übermacht unserer Feinde wäre dann so groß, dass er nicht wüsste, wie wir ihrer Herr werden könnten. Jetzt wären wir ihnen noch einigermaßen gewachsen.

Es bleibe seiner Ansicht nach nichts übrig, als einen Präventivkrieg zu führen, um den Gegner zu schlagen, solange wir den Kampf noch einigermaßen bestehen könnten. Der Generalstabschef stellte mir demgemäß anheim, unsere Politik auf die baldige Herbeiführung eines Krieges einzustellen.

Die Schüler ordneten den Text ein und nannten auf die Frage, was denn hier für eine Perspektive vom Krieg deutlich wird folgende Punkte:

  • Angst vorm bald übermächtigen Gegner
  • Unsicherheit in Bezug auf die eigene (Macht-)Stellung
  • Planung für einen konkreten Kriegsfall
  • Bedürfnis Macht zu sichern
  • -> Wettrüsten als Folge der Einstellung

An der Stelle hätte ich vor der Erarbeitungsphase noch den größeren Zusammenhang deutlich machen müssen. Die Teile standen ein wenig ohne Überleitung nebeneinander und der Anschluss an die Stunde zuvor, in der ja das Attentat besprochen worden war, fehlte für die Schüler. Diese Einschätzung war nämlich vor dem Attentat abgegeben worden und zeigt ja bereits eine sehr deutliche Linie, was die Notwendigkeit des Krieges aus deutscher Sicht betraf.

Dann kamen wir zur Erarbeitungsphase. Die Schüler stellten fest, dass diese Stellungnahme in der Form niemals offiziell geäußert worden wäre. Somit wäre es interessant offiziellere Positionen zu untersuchen, um die Bedeutung und Signalwirkung des Wettrüstens, der Folge der politischen Positionen, besser einschätzen zu können.

Wir beschäftigten uns als mit der Rede von Bülow zum Thema, ob Deutschland „Hammer oder Amboss“ im 20. Jahrhundert sein will.

BPS05052017_0004.jpgDie Untersuchung der Quelle teilte ich in vier Hauptaspekte auf, die vier zufällig ausgewählte Schüler auf Folienschnipseln vorstellten. Nun ja, relativ zufällig, ich wählte eher stille Schüler, die sich (aus meiner Erinnerung) eher weniger beteiligten und hier einmal Leistung zeigen konnten.

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Problem bei diesem Vorgehen war dann aber, dass ich hierbei schwächere Schüler ausgewählt hatte und die Leistungsstärkeren so sehr früh fertig waren, nichts mehr zu tun hatten und die Schwächeren nicht nur die Aufgabe bearbeiten sollten, sondern auch noch alles zusätzlich auf den Folien verschriftlichten. Die Dynamik ist mir eigentlich bekannt, aber ich hatte vergessen, dass da ein paar sehr interessierte und fähige Schüler im Kurs sitzen, die meiner Einschätzung nach besser im Leistungskurs aufgehoben gewesen wären. Für die nächsten Stunden werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, dass sie sich nicht in den Arbeitsphasen langweilen und anfangen, sich übers Wochenende auszutauschen ^.^

Auch was die Sicherung der Ergebnisse anging, verhielt sich der Kurs ganz unterschiedlich. Einige schrieben bei der Erarbeitung schon ausführlich ihre Ergebnisse auf, ergänzten diese dann bei der Präsentation und kümmerten sich somit um die Vollständigkeit ihrer Unterlagen, andere (die Schnellen in der ersten Reihe) schrieben sich nicht einmal Stichpunkte auf, geschweige denn die Ergebnisse der anderen, konnten aber auf Nachfragen sinnvolle Ergänzungen der Punkte liefern und waren in den Plenumsphasen munter mit dabei. Da ich ja trotzdem sicherstellen muss, dass alle alle Ergebnisse haben, wird die Folie als Kopie noch einmal reingegeben und wenn ich das eh im Hinterkopf habe, sage ich die nächsten Male direkt vorher, wie die Sicherung aussehen soll. Selbstgeschriebenes bleibt dann eben doch besser ‚haften‘.

BPS05052017_0007 (2)Da die Arbeitsphase mit 20 Minuten plus Vorstellung sehr lange dauerte, schafften wir die Vertiefung und Diskussion leider nicht mehr. Der erweiternde Text wurde noch wahrgenommen, in dem es um die BPS05052017_0007 (3)englische Sicht auf die deutsche Flottenpolitik ging und wir hielten auch die wichtigsten Punkte an der Tafel fest, wirklich darüber Diskutieren konnten wir aber nicht mehr.

Meine eigentliche Vertiefungsfrage, die Beurteilung der Bedeutung des Wettrüstens als Ursache für den ersten Weltkrieg, wurde in knappen zwei Minuten am Schluss der Sitzung schnell noch eingeschoben. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache und wird zur nächsten Stunde auf jeden Fall noch einmal aufgegriffen.

Ich denke, dass es einmal Anfangsschwierigkeiten mit den Eigenheiten und dem Arbeitstempo des ’neuen‘ Kurses waren und eben die typischen Fehler, die man im Alltag immer mal wieder so macht. Was mich gefreut hat war, dass ich sehr nett begrüßt wurde, als ich die Stunde dann erstmals wieder vorne stand, was mir zeigt, dass die letzte Unterrichtseinheit gar nicht so schlimm gewesen sein kann 🙂

 

Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Planung, Referendariat

Die innere Einstellung

Im Moment merke ich, dass ich mich selber lähme. Und zwar durch meine innere Einstellung. Ich muss mich jetzt nach den Ferien mit den Auswirkungen meiner vorher nicht stattgefundenen Ausbildung herumschlagen und der Berg wird gefühlt nicht nur immer größer, sondern auch (scheinbar?) unüberwindlicher.

Ich habe es ja geschafft, dass ich an einer zweiten Schule Ausbildungsunterricht in Philosophie wahrnehmen kann. Das zerschlug sich zwischenzeitlich fast, als ich an meiner Schule einen neuen Stundenplan bekam, bei dessen Planung nicht auf die anderen Kurse an der zweiten Schule geachtet worden war. Durch spontane Umplanung konnte ich dann einen weiteren Kurs ausmachen, in dem ich nun eventuell bald starten kann. Die Lehrerin ist bisher krank gewesen.

Da sich aber die Endphase meiner Ausbildung mit großen Schritten ankündigt und ich nun an die fünften UBs denken muss, muss ich jeweils für einen derselben einen Ausbildungskurs wahrnehmen. Macht also schon drei Ausbildungskurse, da ich beide UBs in der Oberstufe zeigen muss. Und meine 10 Stunden BdU mit Klausuren. Da es ein zweistündiger, ein dreistündiger und ein fünfstündiger Kurs die Woche sind, komme ich also auf 20 Wochenstunden reinen Unterricht, was leider etwas zu viel ist, sich aber nicht ändern lässt.

Innerlich erstarre ich beim Gedanken an die Arbeit gerade. Eigentlich Arbeit habe ich in diesem Moment aber noch gar nicht. Die erste Reihe soll ich für morgen geplant haben, wieder der Kurs bei Herr Rickward, den ich schon für den 3. UB gezeigt hatte. Einen anderen kann ich in der Oberstufe für Geschichte nicht belegen, da ist Herr Drüppert nämlich vertreten. Dann den LK bei Herr König, der ebenfalls die einzige Möglichkeit für Ausbildungsunterricht darstellt, da … richtig, Herr Drüppert die anderen Kurse gibt. Nun ja, man wird sehen wie ich mich dort schlagen werde. Vor dem LK habe ich schon ein wenig Respekt, da die Schüler gut sind, immer viele Ideen haben und das Raffen und Fokussieren so natürlich zur wirklichen Aufgabe wird. Den dritten Kurs in der 7. Klasse muss ich erst noch kennen lernen.

Was mich ärgert ist, dass ich mich nicht aufgerafft bekomme. Ich verhalte mich, als würde ich mitten im Chaos stecken und keine Zeit für gar nichts haben. Und deswegen auch nichts auf die Beine gestellt kriegen. Aber das stimmt ja noch gar nicht. Ich hätte Zeit mich wirklich hinzusetzen und zu arbeiten. Aber irgendwie nutze ich das nicht, es gibt 100 andere Sachen die gerade auch sehr wichtig scheinen. Sich selbst im Weg stehen ist aktuell trauriges Programm.

Diese Woche muss eine Arbeit gestellt werden für meine Philo EF, eine Reihe für die Q1 bei Herr Rickward ist zu planen und da liegt noch ne Steuererklärung rum, die ich gedanklich aber schon auf die Sommerferien geschoben habe. Joa, mentales in den Hintern treten angesagt.