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Der 4. UB Philosophie: Die Planung

Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Lucas es am Freitag nicht geschafft hat und nach seinen UPP (Unterrichtspraktischen Prüfungen) nicht zum Kolloquium zugelassen wurde. Das sitzt einem vielleicht quer im Magen, selbst wenn es ja nicht die eigene Prüfung war. Wieder eine von den Geschichten: Das war von vorne herein abzusehen … ?

Ich bin zerrissen zwischen Mitgefühl (er ist frisch Familienvater im Dezember geworden und kann die Verlängerung wirklich nicht gut gebrauchen) und dem Gefühl, dass nicht alle die, die durchs 2. Staatsexamen rasseln total unerklärliche Fälle waren. Das war es nämlich bisher bei den anderen, von denen man so gehört hat. „Wie, DIE hat es nicht geschafft? Die war doch mit 1 vorbenotet!“ Wie will man sich sowas erklären außer mit Willkür, wenn die beobachtenden Augen und Ohren den Tag wirklich keine gravierenden Fehler in den Prüfungen beobachten konnten?! Ganz anders bei Lucas; da wir beide Geschichte haben, haben wir auch den gleichen Fachseminarleiter. Und dieser hatte ihm vorher angeraten, freiwillig noch ein halbes Jahr dran zu hängen und es dann erst zu versuchen. Er hatte das kommen sehen. Macht die Geschichte jetzt nicht angenehmer … aber stellt etwas das Vertrauen in die (Zuverlässigkeit der) Prüfungen wieder her.

Gut, ich selbst habe heute den Tag mit der Planung und Verschriftlichung meines 4. UBs für Philo verbracht. Es motiviert einen schon, wenn auch nicht positiv, wenn man solche Sachen mitbekommt. ‚Das darf dir nicht passieren, streng dich mehr an.‘ Das saß mir dann doch ein wenig im Nacken.

Die Planung selber ist ganz gut voran gekommen. Ich bin unsicher, was die Komplexität der Lernziele angeht. Aber ich darf ja Frau Frost am Montag mit meinem Entwurf in der Mittagspause nerven. Zur ‚Einstimmung‘ ist das vielleicht etwas viel direkt, aber sie scheint doch wesentlich enthusiastischer als Herr König sich da mit mir dran zu setzen und somit nehme ich die Chance, die sich bietet, wahr.

Am Freitag habe ich ja meine seit drei Wochen verschollenen 9er wiedergesehen. In der Stunde musste die Grundlage für die UB Stunde gelegt werden und wir haben ordentlich gearbeitet. Folgendes kam dabei heraus:

Begonnen haben wir mit der Zusammenfassung des Arbeitsblattes, welches sie vor zwei Wochen bearbeitet hatten, als ich krank war. Was ist Moral? Wir hielten fest, dass Moral eine Vergleichbarkeit für Handlungen und unser Verhalten schafft und wir moralische Kriterien dafür brauchen, um eine Handlung als moralisch anzusehen und beurteilen zu können. Was ‚moralische Kriterien‘ denn genau wäre, wollte ich wissen. ‚Das sind so Konventionen …‘ Joa, wir versuchten es etwas genauer zu fassen. Kriterien, die bei den gesellschaftlichen Regeln festgelegt werden, können sein: Das Streben nach Glück, objektive moralische Grundsätze (hier einigten wir uns erstmal auf sowas wie Gesetze, alles weitere wäre zu komplex geworden) oder die Berücksichtigung der Konsequenzen der jeweiligen Handlung. Etwas widerwillig ließ ich auch die Goldene Regel hierbei zu: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Wir sprechen ja immerhin erst von Moral, Ethik ist noch außen vor 😉

Den theoretischen Teil hielten sie tapfer durch, dann kam das Beispiel, an dem sie das alles praktisch ausprobieren durften.

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Bei diesem Dilemma sollten sie entscheiden, ob sie in der Situation geschwiegen hätten oder Dennis doch eher ‚verpetzt‘. Und vor allem: Warum! Denn was wir vorher als Grundsatz festgehalten hatten war, dass jede moralische Handlung einen Grund hat und wir diesen im jeweiligen Fall nicht nur als Hintergrund für die Handlung sondern als ganz konkrete Grundlage betrachten müssen.

Das Beispiel funktionierte gut und die Gruppen waren eifrig am Diskutieren. Sie kamen auch relativ schnell zu einem Ergebnis, wobei eine Gruppe es deutlich schwerer fand, sich auf ein Argument zu einigen. Die versuchten auch das Dilemma zu verändern (siehe gestrichener Teil).

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Das waren die Antworten der vier Gruppen, auf die sie sich letztlich einigen konnten. Wir hatten noch einige mehr, aber ab einem gewissen Punkt musste ich die Masse reduzieren, da man sonst einfach den Überblick verliert. Was auffällig war, waren die Bezugsebenen, die sich feststellen lassen konnten. Ohne, dass ich jetzt Kohlberg irgendwie weiter thematisiert hatte, bewegten sich die Schüler automatisch eher in der Ebene, die man ihnen nach der Theorie zuschreiben konnte. Ihre Begründungen für die Entscheidungen waren konventionell, geprägt von wechselseitigen Erwartungen, im Hinblick auf Beziehungen getroffen und in Orientierung an den jeweiligen relevanten sozialen Gruppen.

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Tafelbild zu den Perspektiven und Motiven (Ja, ich arbeite immer noch an den Tafelbildern :D)

Als wir die Perspektiven für den vorliegenden Fall auflisteten und die jeweiligen Argumente zuordneten, so fanden sie die meisten für die Zweier-Beziehung. Als sie dann im Kurs noch einmal abstimmen sollten, für welche Vorgehensweise sie sich letztlich nun tatsächlich entschieden hätten, so waren sie sich einig, dass sie wohl geschwiegen hätten. Die Hälfte, weil sie sagten, dass es ja ein Vertrauensbruch gewesen wäre, die andere weil sie die Freundschaft nicht aufs Spiel hätten setzen wollen.

Dieses Meinungsbild stellte ich dann noch einmal zur Diskussion. Man würde tatsächlich über Diebstahl hinwegsehen? Eines der weniger angenehmen Argumente war gewesen, dass es ja schon eine strafbare Handlung ist und man sich nicht über das Gesetz stellen kann. Beliebt war der Gedanke bei den Schülern aber nicht. Ich fragte genauer nach, warum sie denn tatsächlich die Freundschaft über Recht und Ordnung stellen würden.

„Na, das ist nur eine CD. Das ist ja nur ne Kleinigkeit.“ meinte eine Schülerin.

„Und das ist mein bester Freund! Der ist mir wichtiger als der Geschäftsinhaber, selbst wenn der mit mir verwandt ist.“

„Wenn man keine Freunde mehr hat, dann ist man ja ganz allein! Der Freund beachtet einen doch nicht mehr, wenn man ihn verraten hat.“

„Hm … gut. Nehmen wir mal an, dass man das in so einem Fall so machen würde. Und eure Gründe sind ja durchaus nachvollziehbar. Warum hat sich das dann nicht durchgesetzt? Warum ist das Klauen von CDs immer noch strafbar?“

Kurzes Schweigen und leicht betretene Gesichter. Dann die erste Meldung.

„Naja, wenn das alle machen würden, dass hätten wir eine unheimlich hohe Kriminalität.“

„Das würde Chaos bedeuten, es gäbe irgendwann keine Gesetze mehr!“

Ich schmunzelte und stellte noch einmal fest: „Und trotzdem hättet ihr euch alle fürs Schweigen entschieden …“

Von Rechts hörte ich einen tiefen Seufzer und ein gemurmeltes „Wir sind halt alle unmoralisch …“ Ich verkniff mir das Lachen und stellte zum Schluss der Stunde noch einmal fest, dass man zwar gewisse Kategorien von ‚richtig‘ und ‚falsch‘ durchaus logisch „weiß“, es sich aber oft einfach ‚richtig‘ anfühlt das ‚Falsche‘ zu wollen. Und das wir uns genau diese Situation noch einmal genauer anschauen müssten für den Fall, wo es keine sogenannten objektiven Grundsätze wie Gesetze gibt, die uns eine Richtlinie für unser Handeln aufzeigen können. Damit hatten wir dann tatsächlich genau die Vorbereitung für die kommende Prüfungsstunde geschafft.

 

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Es tut sich was

Ich komme im Moment mal wieder nicht zum Reflektieren und das wird sich wohl auch nicht ändern die nächste Zeit. Weil ich nun doch Philosophie Ausbildungsunterricht bekommen werde. Yeay! Es ging nun in den letzten Tagen relativ schnell. Sandra hat sich für mich dahinter geklemmt in den ihr bekannten Schulen einmal nachzufragen, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass ich dort Philosophieunterricht besuchen/geben könnte. Und sie war erfolgreich.

Heute traf ich mich mit Frau Frost. Ganz anders als es der Name vermuten lassen würde (ich bleibe hier nur meinem System treu 😉 ), wirkte sie auf den ersten Eindruck aufgeschlossen, sympathisch und etwas aufgekratzt. Wir hatten nicht sehr viel Zeit, aber ich bekam einen Überblick über die beiden Kurse, die nun zur Diskussion standen, eine Q1 am Anfang der Staatstheorie und eine EF in der ersten Sequenz zum Thema Freiheit und Determination und wurde für Morgen gleich einmal zu den ersten Stunden einbestellt. Gleich mitten rein.

Mein Stundenplan wird nun natürlich explodieren, aber ich denke, ich nehme mir dann später zum Examen hin etwas mehr Auszeiten. Von den eigentlich angedachten 14 (Unterrichts-)Stunden in der Woche, komme ich nun auf einmal auf 22. Das werde ich anderweitig ausgleichen müssen.

Von der Fahrtzeit ist es machbar, eine halbe Stunde von mir zu Hause und eine viertel von meiner Schule aus und die Stunden liegen so, dass sie tatsächlich alle in meinen jetzigen Stundenplan hinein passen und sich mit dem Seminarswechsel nichts mehr überschneidet. Ja, mein Kernseminar musste hierfür gewechselt werden. Mal sehen, wie ich mit dem anderen so zurecht komme. Einen logistischen Vorteil hat das ganze auch: Ich muss nur noch einmal die Woche zum Seminarort, da nun Kernseminar und Fachseminare direkt hintereinander liegen. Das wird jeweils ein wirklich langer Tag, aber die weite Strecke zweimal die Woche hat mich schon geärgert.

Abschließend kann ich dann noch sagen, dass ich hoffe, dass morgen der Knoten in der EF bei Frau Klaus wieder platzt. Im Moment ist etwas der Wurm drin, weswegen ich jetzt auch nicht zuerst reflektiere, sondern die Zeit mit Planen verbringe. Ich hoffe, dass ich am Wochenende zur Reflektion kommen werde.

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Und wenn du denkst, du denkst, …

… dann merkst du, dass du deinen Verstand leider an der letzten Windung verloren hast. So dauerte es dann gestern morgen auch etwas, bis mich mein Hirn wieder einholte und ich begriff, warum ich sah, was ich sah: Ein leeres Klassenzimmer. Wo waren meine 9er?!

Das Rätsel löste sich langsam auf, als mir das Schlagwort „Sprachenfahrt“ wieder in Erinnerung geschlichen kam. Richtig, die 9er waren auf Sprachenfahrt. Die ganze Woche schon … und ich hatte in meiner Verplantheit zwar mitbekommen, dass sie auf Sprachenfahrt waren, aber dabei vollkommen vergessen die Verbindung zu ziehen, dass wenn ALLE 9er auf Sprachenfahrt sind, das auch MEINE 9er im Philo Kurs einschließt.

Wer bei den Terminen aufgepasst hat, wird das Problem erkennen: Nächste Woche sollte der UB in Philo sein und ja, genau in diesem Kurs; der ja schon letzte Woche wegen Krankheit meinerseits ausgefallen war; und nun wegen dieser Fahrt erneut ausfällt. Leider habe ich auf meine Mail an meinen Fachseminarleiter noch keine Antwort, in der ich um eine Verschiebung des Termins bat. Mal sehen also, was das werden wird -.-

Die letzten zwei Tage waren eh nicht unter ‚gelaufen wie geplant‘ abzulegen. Es fing damit an, dass ich am Donnerstag (meinem freien Tag schultechnisch) zur zweiten Stunde zur Besprechung mit Frau Klaus verabredet war und die mir im Treppenhaus aufgelöst entgegen kam. Sie hatte einen Unfall gehabt, jemand war ihr draufgefahren und sie fühlte sich nicht gut und würde jetzt erstmal fahren um das abzuklären. Somit war nicht nur die Besprechung abgesagt, sondern ich natürlich in der Pflicht, für den nächsten Tag die Vorbereitung der Einführung des neuen Themas vorzubereiten. Allein. Juhu … nicht.

Etwas besorgt ließ ich sie alleine fahren, mit vermutetem Schleudertrauma keine so gute Entscheidung in meinen Augen und fuhr zur Werkstatt, um Marie durchchecken zu lassen. Meine blaue Dame machte nämlich ordentlich Mucken, was den Anzug und die ominöse Kontrollleuchte anging. Mit einem wahren Schlachtschiff an Jeep kam ich eine gute Stunde später wieder in der Schule an und machte mich an die Planung. In der 5. Stunde wollte Herr König mir Rückmeldung zu meiner geplanten Reihe für den UB in Philo geben.

Es lief alles recht schleppend, wobei Lucas mir einen guten Hinweis für eine thematische Zusammenfassung der amerikanischen Vorstaatlichkeit gab, aus dem ich dann tatsächlich einen brauchbaren Einstieg für den nächsten Tag anfing zu basteln. Die Besprechung mit Herr König war etwas frustrierend, da er mich ziemlich deutlich auf eine Fehlplanung in meiner Reihe hinwies: Es war nicht anschaulich stringent genug. Ich hatte alles sehr praktisch ausgelegt, aber es fehlte der rote Faden – ein Thema was das alles miteinander verband. Die Stunden hatten inhaltlich miteinander zu tun, aber ich war alles etwas zu methodisch angegangen, weswegen nun so der richtige „Anwendungskontext“ fehlte.

Recht hatte er. Ziemlich unzufrieden blätterte ich in seinem mitgebrachten Material herum und ließ mich dann widerstrebend-bereitwillig auf eine Umformung der Reihe gedanklich ein. Ich war ja die ganze Zeit schon unzufrieden damit, wohin sich das Thema entwickelte und gerade für die 9er fand ich den theoretischen Ansatz mit den Syllogismen einfach … bäh. Er riet mir auch davon ab, mich in die Richtung weiter zu bewegen und eher wirklich greifbar mit Beispielen zu arbeiten. Ob ich dem Ganzen nun noch einen Namen gab und Fachwörter einführte, das würde man dann sehen. Aber um zum eigentlichen Kern – moralische Handlung und deren Kritik – zu kommen, brauchte ich keine Syllogismus-Stunde.

Nachdem der Stein aus dem Weg gerollt worden war, fuhr ich nach Hause und arbeitete an der Stunde für Freitag. Nach zwei Stunden fuhr ich zu Maite, die ich ewig nicht gesehen hatte. Und kaum vertieften wir uns ins Gespräch und die Inhalte, da dröselte sich alles auf und die verbleibenden drei Stunden bis zum UB gaben auf einmal Sinn. Der Plan stand, als ich abends nach Hause fuhr und ich merkte wieder einmal, wie sehr mir jemand fehlte, dessen Gedanken meine ergänzen können. Mit Elif klappt es leider nicht so gut.

Nun ja, der Abend zog sich dann noch eine Weile am Schreibtisch bis spät in die Nacht, als auch das letzte Material für die Geschichts EF den nächsten Tag stand. Dann der Moment morgens, als ich in der leeren KLasse stand … das Auto, was nun offiziell zur tickenden Zeitbombe erklärt wurde (Turbolader mit Macke, noch funktionstüchtig, kann jeder Zeit verkanten und den Motor dann schrotten, 2000 € für Reparatur sind aber nicht da), vergessene USB Sticks mit Unterrichtsmaterial, eine semi-ok gelaufene Stunde später und eine Fortbildung nochmal später war dann auch der Freitag vorbei und ich fiel erschlagen ins Bett.

Ich muss so viel noch machen, ich bin aber irgendwie … möp. Mal sehen. Das die Einführungsstunde nicht so toll gelaufen ist, ärgert mich auch. Es lag vor allem am Material und ich werde mit Gruppenpuzzeln leider nicht so recht warm – ich werde die Stunde später noch reflektieren. Viel Potenzial zur Analyse vorhanden.

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Einfach schwimmen?

Dori gibt im bekannten Film bei der kleinen Panikattacke ihres (öfter mal) neugefundenen Freundes dieses simplen Überlebenstrick. Nicht drüber nachdenken, einfach machen. Gerade will das nicht so recht funktionieren. Ich ’schwimme‘ auch, aber das ist ein Zustand, den ich nicht sehr angenehm finde. Und ‚einfach machen‘ will einfach nicht klappen.

Die Reihe für den kommenden UB bewegt sich in eine Richtung, die mir so gar nicht gefallen will. Syllogismen … Schlussfolgerungen … LOGIK. *schüttel* I moag dat ned. *seufz* Und das mit 9ern … *Haare rauf* Joa, ich hänge, aber mal gründlich. Es will mir keine zündende Idee für die Stunde kommen, Lernprogression sollte ja auch noch hergestellt werden und wirklich Substanz hat das ganze auch nicht und … ich habe ein Brett vorm Kopf, fürchte ich.

Überraschender Weise war es Frau Klaus, die mir heute beistand. Generell muss ich ein riesen Lob an sie aussprechen, da sie mir wirklich entgegen gekommen ist. Sie hat sich offensichtlich Sorgen gemacht. Ich war Freitag ja schon wieder krank, die Tage und Wochen vorher regelmäßig angeschlagen oder eben mit kranken Kindern zu Hause bedacht. Man kann nix dran ändern, keine Frage, aber es schlauchte. Freitag konnte ich dann, nachdem ich mich zähneknirschend durchgerungen hatte in der Schule abzusagen (und das nach der Spätschicht, die ich Donnerstags noch bei Elif eingelegt hatte und alles zusammenstückelte, was ich die Stunde bei Frau Klaus zeigen wollte), nichts anderes mehr tun, als die Decke übern Kopf zu ziehen und mich auszuschlafen. Das tat ich dann auch. Und den halben Samstag ebenso.

Frau Klaus schrieb mir noch Freitag Nachmittag, dass sie die angefangene Sequenz thematisch abschließen wollte und ich dann danach erst wieder einsteigen soll. Also ein planungsfreies Wochenende für den Ausbildungsunterricht. Das war entspannt. Heute in der Doppelstunde durfte ich also beobachten und wir kamen wegen dem Rundherum ins Gespräch. Und ich warf ein, dass ich gerne wegen dem nächsten themenkomplex (amerikanische Verfassung und die Ideen der Aufklärung) gerne mit ihr reden würde, da ich da nicht wirklich firm im Thema bin. Darüber kamen wir auf den UB in Philo nächste Woche und ich meinte, dass ich mit Herr König noch sprechen wollen würde, da ich auch dort etwas unsicher war wegen Lernprogression und generellem Inhalt und so.

Sie bot an gerne auch einmal drübergucken zu wollen. Sie wäre nicht vom Fach aber generelle Ideen könnte sie auch geben. Ich nahm dankend an. Und es half tatsächlich. Wir konnten einen der Punkte, die mir schwer im Magen lagen, aus der Welt schaffen, was das geeignete Material anging. Nach der Stunde kam sie dann auf mich zu und bot an, dass ich gerne auch die kommende Stunde am Freitag noch ihr überlassen könnte und mich auf meine Planung für Philosophie konzentrieren sollte. Sie würde sich Gedanken wegen meiner Gesundheit machen und ich sollte doch etwas kürzer treten und so weiter. Und sie hatte Recht. Ich nahm dankend an und wir vereinbarten einen Termin für Donnerstag zur Vorbesprechung der nächsten Sequenz.

Da Herr König heute auf einer Fortbildung für Philosophie weilte, fielen die Nachmittagsstunden in seinem Kurs aus und ich konnte früh nach Hause. Nach einer Badewanne tat ich das gleich wie Freitag: Ich schlief mich aus. Die Erschöpfung hätte ich ohne den Zuspruch von Frau Klaus wohl nicht so ernst genommen, aber wenn man es mir schon ansieht … Dass ich wirklich kaputt war, merkte man ja nun daran, dass ich tatsächlich 5h geschlafen haben – mitten am Tag. Leider hilft es mir wenig für den UB und die Planung desselben. Ich sehe gerade keinen klaren Weg vor mir, wohin ich das führen will.

Dazu kommt jede Menge Zeug Drumherum; neu gekauftes Auto für meinen Freund, was natürlich am ersten Tag einen Defekt hat, den wir nun komplett zahlen müssen weil „gekauft wie gesehen“ blubs Mist und so und die Reparatur meiner alten Dame, die vorgestern meinte uns mal zeigen zu müssen, dass die Motorkontrollleuchte tatsächlich funktioniert (wer weiß was das kosten wird) und eine Chefin, die zwei Monatsgehälter bei meinem Mann im Rückstand ist und meint, dass man das jährlich doch gerne wiederholen könnte, die Mitarbeiter schlucken schon. Dummerweise hat sie Recht, aber das ist eine andere Geschichte.

Hach ja … wird wieder besser, gell?

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(Moralisch) Bewerten, aber wie?

Meine 9er in Philosophie mussten diese Woche einmal ohne mich auskommen, da ich leider am Freitag – einmal mehr – vor Magen-Darm die Segel streichen musste und den Tag komplett im Bett verschlafen habe. Das wirft mich in meiner Planung etwas zurück, da dies der Kurs ist, in dem mein 4. UB stattfinden wird. Wo stehen wir nun also? Die Einstiegsstunden hatte ich hier beschrieben.

Nach einer kurzen mündlichen Zusammenfassung der vorherigen Stunde, bekamen die Schüler dieses Arbeitsblatt zur Wiederholung der Begriffe. Sie sollten zuordnen, um welche Form der Aussagen es sich jeweils handelt.

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Das klappte relativ gut, viele fanden die unterschiedlichen Konnotationen in den Aussagen und ordneten richtig zu, dass es nicht immer eindeutig zuzuweisen ist.

Wie alltäglich diese Missverständnisse sein können und wie uneindeutig wir selbst manchmal in unseren Aussagen sind, sollten sie in der nächsten Aufgabe herausfinden. Ich legte ihnen folgenden Wortkasten auf, dessen Funktion alle noch aus der Grundschule kannten: Sie sollten eine Geschichte aus den Wörtern schreiben.

folie geschichte.PNGDie Aufgabe stieß auf sehr viel mehr Zustimmung, als ich erwartet hatte. Sie schrieben alle gerne und die eigentlich eingeplanten 15 Minuten wurden zu fast 30, bis alle ihr Werk soweit vollendet hatten, dass sie damit zufrieden waren. Die Zeitplanung war zu knapp gewesen, was mir beim Schreibprozess gleich auffiel, weswegen ich allen, die tatsächlich in der geplanten Zeit fertig geworden waren, direkt die Aufgabe gab, die eigene Geschichte einmal auf beschreibende und wertende Sätze hin zu untersuchen.

Was mich besonders freute war, dass Jori, der als Flüchtling vor knapp zwei Jahren hierher gekommen war, sich auch eifrig mit an die Arbeit machte. Ich sagte ihm, dass er sich 5-6 Wörter heraussuchen soll und damit seine Geschichten schreiben. Das war für ihn Herausforderung genug, da es hier immer noch an Verbendungen und simpler Rechtschreibung haperte. Allerdings nahm er danach ebenso an der Austauschphase teil, wo die Tischnachbarn ihre Geschichten gegenseitig auf beschreibende und wertende Sätze hin kontrollierten.

Zur dritten Aufgabe kamen wir dann natürlich nicht mehr. Die Kinder hatten Geschichten über eine Seite geschrieben und die nun noch einmal umzuschreiben hätte zu viel Zeit beansprucht. Fürs nächste Mal nehme ich weniger Wörter und ein Limit für den Umfang. Wir hörten zwei Geschichten von denen, die sich trauten vorzulesen und sammelten dann die wertenden Sätze an der Tafel.

  • Es war kalt draußen.
  • Es war zum Glück nichts weiter passiert.
  • Gestern war ein total schrecklicher Tag.
  • Dadurch wurde es schon ein wenig besser.
  • Niemals hätte sie gedacht, dass der Unfall wegen Nico passiert ist.
  • Doch dieser Einhornschal war echt zu viel.
  • Er hatte wenig Blut und ist leider gestorben.

Sie sollte in diesen Sätzen die Wörter identifizieren, die sie zu Bewertungen machten und dann die Art von Bewertung nennen, die hier vorliegt. Das klappte ganz gut. Sie entdeckten Bewertungen auf Grund von Gefühl/Empfindungen, Einschätzungen, Wahrscheinlichkeiten und auch des Maßes.

Genau wie vorausgeahnt, hatte es jedoch wenig mit moralischen Wertungen zu tun, worauf die Stunde letztlich hinauslaufen sollte. Ich fragte sie also einmal nach ihrem Begriff von Moral, da ja auf dem Arbeitsblatt auch von (moralischen) Bewertungen gesprochen worden war. Warum stand das in Klammern und wo war der Unterschied zu den Bewertungen, die sie jetzt gefunden hatten?

Es kam natürlich „die Moral von der Geschichte …“, was sie als ‚Empfehlung‘ interpretierten und dann die Wörter ‚Lehre‘ und ‚Regeln‘, die für jeden gelten sollten. Bei den Regeln hakte ich ein und fragte, ob es denn nur Regeln bei Moral gäbe oder ob das Wort wieder mehrere Bezüge haben könnte.

Sie nannten nun Regeln in der Gesellschaft, so etwas wie Höflichkeit und Regeln, die ‚irgendwie wichtiger‘ sind, wie die die Sicherheit, Ordnung und Abläufe in Betrieben zum Beispiel betreffen. Dass es da einen Unterschied gibt, war soweit klar. Wir nannten die Regeln der Gesellschaft Moral und die in Betrieben Vorschriften. Was denn der Unterschied wäre, wollte ich wissen.

„In Betrieben wird bei Verstößen eine Strafe gegeben.“

„Hm, wenn ihr mal an das Lied am Anfang denkt … was passiert denn mit der Frau die einen zu kurzen Rock getragen hat. Wird die nicht ‚bestraft‘?“

„Doch, mit Verachtung.“

„Ist das keine Strafe?“

„Doch …“ Unsicheres Schweigen. Der Nächste versucht es: „Aber das ist ja eine ‚kreative‘ Strafe! Das steht ja nirgendwo, wie man das machen soll!“ – „Oh ja, so wie wenn Freunde sich streiten und einer den anderen nicht mehr mag. Niemand sagt einem, wie man den dann am Besten trifft, das denkt man sich aus.“

„Sehr gut, ihr habt gerade den entscheidenden Unterschied genannt. Was ist so anders an Vorschriften in Betrieben und deren Strafen im Gegensatz zur Moral in der Gesellschaft?“

„Dass man weiß, was man falsch gemacht hat? – Dass man sich die ausdenkt? – Dass die aufgeschrieben wurden?“ (<- Warum immer die Frage-Antworten … ^.^)

Leider war die Stunde da zu Ende und ich verschob die vertiefende Diskussion auf die nächste Woche. (In der ich ja nun krank war.) Insgesamt hat die Stunde leider nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das gedacht hatte; der wichtige Punkt, der Unterschied zwischen allgemeinen Bewertungskriterien und den moralischen ist nicht deutlich geworden, da ich mich verkalkuliert hatte. Durch den Ausfall diese Woche, muss ich also am kommenden Freitag alles noch einmal aufrollen und dort wieder ansetzen. Am Besten wird wahrscheinlich sein, wenn ich ihre Antworten nochmal auf Folie ziehe, damit sie vor Augen haben, was wir als Ergebnisse die Stunde festhalten konnten. Danach die Woche ist schon der UB und ich bin sehr gespannt, wie der laufen wird und vor allem, was ich da genau machen werde. Das steht nämlich noch nicht wirklich fest.

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[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Perspektiven und Wünsche?

So, ich habe es nicht in dem vorgegebenen Monat geschafft, bin aber den letzten Beitrag dabei noch schuldig geblieben. Dieser folgt nur, wie alle anderen vorher auch, zum Wochenende nach dem vereinbarten Termin. Ich entschuldige mich für die Verzögerung, aber es war einfach keine Zeit, da ich zu allem Überfluss auch noch krank geworden bin. Im letzten Thema soll es um die Zukunftsaussichten gehen. Da ich das Studium abgeschlossen habe, ist es etwas schwer von Perspektiven zu sprechen, aber etwas Retrospektive hilft hier natürlich weiter 😉

Im Studium selber hatte ich mir wenig Gedanken um den Abschluss und das danach gemacht. Ich wusste, dass das Studium wenig mit der Praxis zu tun hatte und schob dieselbe also erstmal weg. Wozu sich mit Dingen belasten, die nicht aktuell sind und an denen ich eh nichts ändern konnte? Im Studium wünschte ich mir manche Teilbereiche dahin, wo der Pfeffer wächst und besonders das Latinum machte erst in meinen Augen wenig Sinn. Es brachte dann etwas für mein Grammatikverständnis im Großzusammenhang, aber dafür, dass man Latein tatsächlich nicht im Lehramtsstudium für Geschichte, Englisch oder Philosophie praktisch gebrauchen kann, war es viel Stress für nichts. Das wird aber nun tatsächlich geändert, somit sollte man wohl beobachten, wie das die nächsten Jahre gehandhabt wird.

Direkt am Ende des Lehramtstudiums war sicher: Es geht weiter. Ich hatte sehr viele Sozialpunkte (verheiratet, Kinder, Partner hat festen Wohnsitz und Arbeitsstelle), weswegen ich mir sicher sein konnte, dass es mich nicht ans andere Ende vom Bundesland verschlagen würde. Ich gab ganz dreist nur zwei Schulen in direkter Nachbarschaft und einen Seminarort an, zu dem ich gerne wollte. Das habe ich auch bekommen. Angenehm fand ich, dass man garantiert mit bestandenem Abschluss auf jeden Fall ins Referendariat kommt. Ich habe von niemandem gehört, der auf einer Warteliste gelandet wäre.

Direkt zum Ref: Weniger Idealismus was die Zielsetzungen angeht. Ja, wir sind angehende Lehrer und ja, wir halten da die Jugend ‚in unseren formenden Händen‘. Aber deswegen muss man nicht die Messlatten ans Ideal legen. Alle erfahrenen Lehrer, mit denen ich über das Thema bisher sprach, stimmten mir zu, dass man das, was im Ref von einem erwartet wird, frühestens nach 5-10 Jahren Praxiserfahrung so abliefern kann, wie es für den Abschluss gefordert wird. Joa. Das motiviert nicht gerade. Da dürfte sich also einiges gerne ändern. Warum die Ausbildung so stark verkürzt worden ist, versteht auch niemand. Hohe Ziele mit weniger Übung und Anleitung in kürzerer Zeit erreichen … wer findet den Fehler?

Gut, das Referendariat ist ja noch nicht alles. Ein weiterer Schritt zum ‚Ausgebildet-sein‘. Was meine generelle Perspektive nach diesen Ausbildungsabschnitten angeht, so sieht sie etwas unsicher aus. Wir wohnen sehr ländlich. Es gibt zwar Städte in 20-40 Minuten Fahrtzeit rundherum, aber ob ich mit meinen Fächern dort auch wirklich sofort die begehrte Verbeamtungsstelle bekomme … fraglich. Es wird wohl erst einmal auf Vertretungsstellen hinaus laufen und das hoffentlich nicht mit zu großem Abstand nach dem Ref. Ein langer Leerlauf wäre sehr unschön für die finanzielle Situation.

Was man mit Lehramt noch anstellen kann, außer an die Schule zu gehen … ich habe keine Ahnung ^.^ Ein Freund ist mitten im alten Staatsexamensstudiengang Deutsch und Geschichte auf Bachelor umgestiegen, hat die Arbeit geschrieben und arbeitet jetzt für einen großen Konzern (Autoindustrie) in der internen Fehleranalyse mit den Werkstätten (irgendwas mit Kommunikation in 5-6 Sprachen zu technischen Problemen). Eine andere Bekannte ist bei der Zeitung gelandet. Mehrere bleiben an der Uni und promovieren/haben ihre Seele an einen der Profs als ewiger Lakai verloren. Alles nicht so recht ansprechend für mich. Außer Vorletzteres, ich hätte tatsächlich gerne Promoviert. Mache ich später vielleicht noch …

Was meine Wünsche angeht: Rückblickend hätte ich tatsächlich einige. Das System der Lehrer(aus)bildung ist stark reformbedürftig. Das Studium braucht mehr Praxis, ein dualer Studiengang wäre hier wohl eine wirklich gute Wahl. Wenn man anfangs einfach inhaltlich für den konkreten Schuldienst ausgebildet würde, während man direkt in die Praxis einsteigt und dann später ein System greifen würde, dass mehr theoretische Inhalte vermittelt, damit die Lehrer sich auch wirklich weiter bilden und nicht einfach auf dem Status stehen bleiben, mit dem sie aus dem Ref kommen (was die kontrollierte Ausbildung angeht), wäre wohl vielen geholfen. Man würde zu Anfang einen realen Einblick in den Beruf erhalten, man bräuchte sich nicht mit so wahnsinnig umfassen unnötigem Wissen herumschlagen und es würde gleichzeitig eine langfristige Lösung für „Versumpfen der Lehrer im Alltag“ gefunden.


Das war es an dieser Stelle von mir. Es hat Spaß gemacht sich damit noch einmal zu beschäftigen. Ich danke Änschie für den Aufruf und die Anregung.

Wer sonst noch dabei war:

Mein praktische Jahr von Änschie, der Initiatorin dieses Themenmonats.

schreibfischen von schreibfischchen

Luna Umbra

Pflägermeister vom Pfläger

Janines Yogablog

Abgebrochener Bleistift

Rescue Blog von Hermione

Veröffentlicht in Alltag, Lehrer, Referendariat

Großes und Kleines nebenher

Auch wenn ich schon wieder etwas mit den Reflektionen hinterher hänge, es gibt auch außerhalb des reinen Planens einiges zu berichten, was ich hier einmal zusammentragen möchte.


Gestern lief die erste Examensprüfung an unserer Schule in dem Turnus. Eine Mit-Geschichtsreferendarin musste sich durch den Tag quälen und ich kam erst heute dazu, nach dem Ergebnis zu fragen. Alles war soweit gut gelaufen, dass sie bestanden hat. Mich interessierte natürlich wie sich der Geschichtsfachleiter geschlagen hatte und die bisher nur auf Gerüchtestatus basierenden Informationen, dass er sich bei Diskussionen nicht Zugunsten des Prüflings durchsetzen könnte, wurden bestätigt.

Einer der Mitglieder der Examenskommission war ebenfalls Geschichtslehrer und er hatte einiges an der Stunde auszusetzen gehabt. Weswegen sie mit 4 benotet wurde. Obwohl der Fachleiter hierzu eine andere Meinung hatte, erschien er während der Prüfung kaum präsent zu sein. Er entschuldigte sich danach zwar bei der Referendarin, aber das hilft dann ja auch wenig. Meine Entscheidung mit meinem Philo-Fachleiter ins Examen zu gehen steht nun zu 100% fest.


Erstmals hatte ich auch mehrere Situationen, in denen ich das Gefühl hatte die ‚Hackordnung‘ zu spüren zu bekommen. Über angeschimmelte Kaffeetassen auf meinem Platz im Lehrerzimmer hatte ich mich ja schon einmal beschwer. Ab und an räume ich immer noch angebissene Hotdogs, altes Geschirr und diversen Müll weg.

Nun bin ich aber innerhalb von wenigen Tagen zweimal aus meinem Raum vertrieben worden. Beide Male von Herr König. Beim ersten Mal musste ich mich meiner EF aus dem offiziellen Philo-Raum weichen, weil er nicht genau nachgeschaut hatte und nun davon ausging, dass er eh in seinem angestammten Raum unterrichten würde. Und das Equipment dort bräuchte. Das zweite Mal schickte er mich aus dem Computerraum, weil er mit einem anderen Lehrer abgesprochen hatte, dass er den benutzen könnte.

Nun ist es so, dass wir ein Raumbuchungssystem haben und ich mir absolut sicher bin, dass ich meinen Kurs dort eingetragen hatte. Absolut – 100% – sicher. Wir schauten kurz im Netz nach und meine für 4 Stunden in Folge eingetragene Reservierung war verschwunden.  Alle Räume belegt. Zähneknirschend zog ich zum Kursraum ab und die Schüler improvisierten mit ihren Handys. Joa … so ist das dann wohl. Diskutiert wurde nicht – mein Kurs musste wieder weichen.


Ich habe ‚meine‘ 9er wiedergesehen. Der Geschichtskurs, den ich von Herr Drüppert Anfang des Schuljahres „übernommen“ hatte und mit dem ich so gut zurecht kam. Meine Lieblingsklasse im letzten Halbjahr. Diese musste ich bei der Umverteilung des Stundenplans nun leider abgeben. Wir trennten uns nur schweren Herzens voneinander und dann bekam ich heute die Gelegenheit sie wieder zu sehen. Der neue Lehrer, den ich den Tag noch gesehen hatte, war plötzlich krank und ich sah nach der 4. Stunde auf dem Vertretungsplan unvermutet meinen Namen prangen. Aus früher nach Hause wurde also nichts, obwohl meine Geschichtsstunden vom Nachmittag in der 6. Klasse auf den nächsten Tag in die 1. und 2. Stunde verlegt worden waren. Pech gehabt.

Also ging ich zum Fach und erwartete Aufgabenzettel, einen kurzen Brief mit Infos zum aktuellen Plan der Klasse … irgendwas zu finden. Nichts. Ich runzelte etwas angefressen die Stirn. Keine Materialien dabei, keine Ahnung wo die Klasse inhaltlich steht und somit total unvorbereitet für die Stunde. Hmpf. Als ich dann vor den Kindern stand, wurde ich freudig begrüßt und mehrere warfen ein: „Aber heute spielen wir jetzt mal Spiele!“ Ich schmunzelte und meinte nur, dass sie doch wüssten, dass ich Unterricht machen würde.

„Wo seid ihr denn gerade?“

„Wir haben keinen Unterricht!“

*Stirnrunzeln meinerseits* „Wie jetzt … natürlich habt ihr Geschichtsunterricht!“

*vehementes Kopfschütteln* „Nein! Wir hatten nur zwei Stunden oder so, der ist immer nicht da.“ (Das Halbjahr läuft seit vier Wochen.)

Ich verkniff mir einen Kommentar dazu und fragte weiter: „Also habt ihr doch was gemacht! Was war denn das Thema?“

„Nachkriegszeit … NS und wie das aufgenommen wurde … ein Zeitstrahl … „

Ich war kurz sprachlos. Wir hatten so gut gearbeitet und ich hatte sie bis zum zweiten Weltkrieg gebracht – und nun wurde der einfach übergangen?! Ein Schüler hatte mir die Seite im Buch gezeigt (‚Die Welt nach 1945‘ war die Überschrift) und eine andere Schülerin sagte mir, dass sie wohl fünf Seiten für den Zeitstrahl zusammengefasst hatten; in einer Stunde. Man merkte mir meinen Unmut an.

„Bei Ihnen war das viel besser!“ – „Das war voll spannend, jetzt ist es komisch.“ – „Jetzt haben wir gar keine Geschichte mehr!“ – Romina: „Der mag mich nicht! Der guckt immer so komisch.“

Ich ignorierte die abwertenden Kommentare über den Kollegen, dazu sollte man sich wirklich nicht äußern, und ging auf Romina ein.

„Das liegt an der Haarfarbe.“ schmunzelte ich. „Da kann man nicht drüber hinwegsehen.“ Sie hatte die Haare inzwischen lila und sogar die Augenbrauen passend eingefärbt.

„Gar nicht, da waren sie noch rot.“ schmollte sie mit Augenzwinkern.

„Wenn ihr euch noch nicht so oft gesehen habt, dann weißt du doch noch gar nicht, ob er dich mag oder nicht.“ versuchte ich zu retten und ließ mir das Heft einer Schülerin geben. Aber ich fand einfach keinen Ansatzpunkt. Die Verträge nach ’45? Besatzungszonen? Einen ‚kurzen‘ Überblick über den 2. Weltkrieg gibt man nicht in einer Stunde. Schweren Herzens ließ ich mich breitschlagen.

„Gut, dann spielt die Stunde.“

„Das ist die erste Spielstunde bei Ihnen!“ wurde gejubelt und sie stürzten sich in hitzige Tabu Runden.

Es war das erste Mal, dass ich merkte, wie besitzergreifend man bei dem Thema werden kann. Ich will dem Kollegen nichts unterstellen, aber ich bin schon etwas frustriert, dass meine Vorarbeit nun anscheinend so zu verpuffen scheint.  Und es tut mir für die Schüler leid. Sie waren so engagiert und wissbegierig und wenn sie nun ’semioptimalen‘ Unterricht erhalten sollten und das Interesse erliegt? Ist einfach schade.


Aus der Kategorie „Wenn die Schüler ein Brett vorm Kopf haben“

Meine EF in Philosophie ist im Moment nicht sooo motiviert. Wir brauchten sehr, sehr lange um ein paar Texte zu besprechen. Dieselben sollten von ihnen einmal im Gedankengang dargestellt, zentrale These und die passenden Argumente aufgelistet und die Folgen fürs Handeln erklärt werden. Und es dauerte … und dauerte … bis letztlich nach fast 4 Unterrichtsstunden die drei Positionen (nicht mal eine A5 Seite im Umfang) erarbeitet waren.

Mittendrin passierte Folgendes:

„Miss Phye, zu der These in dem Text von Spaemann gibt es keine Argumente.“

Ich runzelte die Stirn und warf noch einmal einen Blick hinein. Warum fanden die Schüler ausgerechnet für den gut strukturierten Text nichts heraus? Er hatte ihn ja sogar mit ‚erstens‘ und ‚zweitens‘ selbst unterteilt und sogar beim Beispiel ein ’nehmen wir zum Beispiel …‘ angefügt.

„Was ist denn eure These?“ murmelte ich beim Überfliegen.

„Jeder sollte der in seiner Gesellschaft herrschenden Moral folgen.“ las mir jemand vor. Ich verspürte den Drang mir und ihnen vor die Stirn zu schlagen.

„Uhm-hm. Und warum genau denkt ihr, dass das Spaemanns These ist?“

„Na, er sagt ja selbst dass das die These ist!“

„Uhm-hm. Ist euch da nichts aufgefallen?“

Ratlose Gesichter. „Guckt nochmal genau hin.“

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Robert Spaemann, Moralische Grundbegriffe, 1999.

Schweigen  und Verwirrung.

„Da stehen Anführungszeichen.“

Immer noch Schweigen.

Mit hörbarem Augenrollen versuchte ich es erneut. „WANN benutzt ihr in euren Texten Anführungszeichen?!“

„Wenn wir etwas zitieren …?“

„A-HA! Und wer hat das was ihr zitiert gesagt?“

Zögerlich: „Jemand … anderes … ?“ (-> Warum müssen die Schüler immer ins halb Fragen halb Antworten verfallen in den Situationen? ^.^)

„RICHTIG! Ist das also Spaemanns These, wenn er sie in seinem Text in Anführungszeichen setzt?!!“

„Äh … neeee.“

Das passierte in der Stunde noch 4 weitere Male; in jeder der Gruppen wurde ich genau das Gleiche gefragt … *seufz*


Ja ja … so ist das 😉

Veröffentlicht in Alltag, Referendariat

Kleinigkeiten

Ich habe es letztens schon einmal erwähnt; es gibt da so gewisse ‚Kleinigkeiten‘, die man immer versucht mit eben diesem Begriff zu welchen zu machen, die aber eigentlich von der Raum, den sie gedanklich einnehmen nicht als Kleinigkeiten bezeichnet werden sollten. Und sie sammeln sich seit Kurzem in unangenehmer Weise an. Also fasse ich an dieser Stelle einmal zusammen.

Zuerst zum Erfreulichen:

Frau Klaus: Über die vergangene Woche hat sich herausgestellt, dass Frau Klaus wohl bald von dieser Liste verschwinden wird. Wir arbeiten jetzt seit einem Monat zusammen und es stellt sich heraus, es wird immer besser. Sie lobt inzwischen fast nur noch, ist von meinen Stundenentwürfen immer recht angetan und wir finden uns in eine annehmbare, höfliche Art der Verständigung ein. Es ist mir persönlich immer etwas unbehaglich zumute, wenn man so betont höflich miteinander umgeht, aber da es die Sache doch stark erleichtert, fügt man sich eben. Somit überwiegen die Vorteile (konstruktive Kritik, strukturiert geplanter und durchgeführter Unterricht) nun die Nachteile (der Gang über die gefürchteten Eierschalen) und ich habe mich mit der ‚Kleinigkeit‘ arrangiert.

*BEWARE* A rant! Muss jetzt aber mal sein.

Ausbildungssituation: Nun, es ist ja nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe. Herr Drüppert ist immer noch da, Herr König ist immer noch gestresst und Philip steht nach wie vor vorm Examen und hat kurswahltechnisch somit absoluten Vorrang. Wo bleibe ich dabei? Offensichtlich auf der Strecke. Letztes Halbjahr hieß es ja: „Wir schauen mal nach den Osterferien, davor jetzt auf keinen Fall.“ Davor war die Auswahl noch dünner und im Dezember kam ich ja tatsächlich in den Genuss von 3 1/2 Wochen Philosophie Ausbildungsunterricht in dem Grundkurs in der 12. Seitdem? Nichts mehr.

Ich hospitierte in demselben Grundkurs seither, wobei ich dabei keinen wirklichen Unterricht gesehen habe, sondern Gruppenarbeiten und Präsentationen. Mittelstufenunterricht habe ich noch gar nicht gesehen oder angeleitet gehalten. Die Zeit, in der ich ausgebildet werden kann, neigt sich im Juli ihrem Ende zu. Ich fürchte, dass ich zum Examen maximal zwei Monate Ausbildungsunterricht zusammenbekommen haben werde können. Und so.

Der einzige Oberstufenkurs, der noch im Stundenplan möglich wäre, ist der Q1 LK. Das ist natürlich der Kurs, den Philip sich rausgesucht hat fürs Examen. Bis nach den Osterferien ist da also nix mit Unterricht geben, da im März das Examen ist und die Kinder dezent genervt von der Dauer-Referendar-Situation sind. Die Mittelstufenkurse liegen so ungünstig, dass ich keinen wählen kann, da einer bereits mein BdU Kurs ist, der andere dazu natürlich parallel liegt und der dritte in der Zeit unseres Kernseminars gehalten wird. Pech gehabt.

Als ich den Missstand ansprach, war die Reaktion eher ein Schulterzucken. Wenn ich da noch Ausbildungsunterricht haben wollen würde, dann müsste ich mich eben vom Seminar beurlauben lassen, den Stundenplan könnte man nicht ändern. (Schulleiter) Wenn ich Ausbildungsunterricht will, dann müsste ich mich in meinem Kurs vertreten lassen. (Herr König) Wer sagt denn eigentlich, dass ich in der Mittelstufe überhaupt Ausbildungsunterricht bräuchte, das müsste doch nur Oberstufe sein. (ABB) Joa. Nett, nicht wahr? Wer muss schon in seiner Ausbildung tatsächlich ausgebildet werden?! Ansprüche haben die Referendare mal wieder … *Kopf schüttel*

Die vorläufige Lösung kam dann von mir; wir werden die beiden 9er Kurse zusammenlegen (Juhu, 30+ Kinder -.-) nach den Osterferien und ich werde dann eine Reihe für beide Kurse unter Aufsicht von Herr König halten. Besser als nichts. Dass das mit der Zeit zusammen fällt, in der der LK dann wieder frei wäre macht natürlich nichts, ich schaffe es selbstverständlich meinen Ausbildungsunterricht von mehreren Monaten innerhalb eines zugegebener Maßen etwas vollgestopften, aber dann ja immer möglichen Monats zu absolvieren. Yeay. (Wer meine Zeitleiste hier im Auge hatte: Richtig, der nächste UB ist Ende März und ja, er wird in der 9. Klasse sein. Natürlich habe ich jetzt noch keinerlei praktische Anleitung erhalten, wie man sowas gut organisieren kann für die Altersstufe. Aber hey, wer braucht schon … und so weiter.)

Mit-Referendare: Und als wenn es nicht privat-beruflich schon genug bei mir an Baustellen gäbe, kommt dann noch Gerede dazu. Meine beiden Mit-Refis aus dem Philosophieseminar, Elif und Abbas, sind mit unserem Fachseminarleiter an der gleichen Schule. Obwohl dort drei Philosophielehrer vertreten sind, gibt es ähnliche Probleme wie bei mir mit dem Ausbildungsunterricht. Er reicht nicht für alle.

Der Fachseminarleiter fällt für Ausbildungsunterricht raus – Fairness den anderen im Seminar gegenüber und zeitliche Gründe. Elif hatte es erst mit der Philosophielehrerin versucht, mit der sie ordentlich aneinander geraten ist und die vom Charakter her anscheinend eher in die Ecke ’schwierig‘ eingeordnet werden muss. Abbas hatte von Anfang an gesagt, dass er nicht mit ihr zusammenarbeiten könnte und bei ihr keinen Ausbildungsunterricht nehmen würde. Nachdem er erfolgreich im ersten Kurs des übrig bleibenden Philosophielehrers angekommen war, ’sicherte‘ er sich den auch direkt als Examenskurs. Elif blieb auf der Strecke und ist auch nicht der Typ dafür, sich für ihre Belange nachdrücklich einzusetzen.

Also sprach sie mit mir. Ich stimmte ihr zu, dass die Situation bescheiden ist, dass ich von Abbas ein anderes Verhalten erwartet hätte und das alles ziemlich suboptimal läuft. Erwähnte das gegenüber drei anderen Mit-Refis über ein gutes halbes Jahr verteilt bei Gesprächen über Ausbildung und Dinge, die schief laufen können. Am Montag stand Abbas dann auf einmal vor mir und konfrontierte mich, er hätte mehrfach gehört, dass ich über ihn rede und dass Elif und ich uns gegen ihn verschworen hätten und das er das alles nicht gut findet. Hmhm … Wer das sagt? Egal. Was genau gesagt wurde? Nicht so wichtig, ich solle doch mit ihm reden. Ich müsse unbedingt seine Seite der Geschichte hören! Ihm liegt der Erfolg von Elif doch echt am Herzen, er hätte sonst ja das falsche Fach studiert, wenn er tatsächlich so egoistisch wäre, wie wir ihn darstellen!

*seufz* Wo fängt man da an? Ich entschied mich, einen großen Bogen um Wertungen zu machen und das Problem anzugehen. Worüber genau hätte ich mit ihm reden sollen? Dass er und Elif es nicht hinbekommen sich zusammenzusetzen und ihre Missstände mit der Ausbildung anzusprechen? Das sollte ihnen selbst aufgefallen sein und in den Sinn kommen. Erwachsene Menschen und so. Aber ich bin ja nicht so; ich erklärte ihm, was ich an seiner Stelle machen würde/gemacht hätte. Dass sie sich um Kurse zum Examen kümmern sollten, die Situation mit dem ABB und Schulleiter ansprechen müssten, zusehen, dass nicht die Philo-Lehrerin am Ende die Oberstufenkurse zugeteilt bekommt und sie doch mit ihr ins Examen müssen, dass man sich mit den Beteiligten hinsetzt und vor allem den Philo-Lehrer klarmacht, dass er gerade die einzige Möglichkeit für Ausbildung für beide ist und er niemanden wegschicken kann (was er bei Elif gemacht hatte), da seine Kollegin sich für die Ausbildung ja dermaßen disqualifiziert hat.

Zwei Tage später im Geschichtsseminar, kommt eine weitere Mit-Refi auf mich zu, die ebenfalls an der Schule der zwei ist, und stellt entrüstet fest, dass ich doch mal eher etwas hätte sagen können. Abbas wäre auf einmal ganz handzahm und so kooperationsbereit und er hätte ihr gleich erzählt, dass er nun dieses und jenes alles tun würde, damit sich doch noch alles klärt und blubb und sie hätte es echt nicht mehr hören können, da er sie ja seit Wochen damit genervt hätte. Ernsthaft?! *Kopf -> Tisch*

Naja, wir werden sehen. Einmal zur Verdeutlichung der beteiligten Charaktere: Elif ist bei einer gestellten Situation mit aufgebrachten Eltern im Rollenspiel geradezu erstarrt (Probleme mit Konflikten) und Abbas stellte vorgestern erst fest, dass er bei kollegialen Putzdienst nicht helfen könnte, da er keine Ahnung habe, wie man eine Spülmaschine bedient oder putzt. Aber die Hand-/Spültücher könnte er mitnehmen; waschen kann er zwar auch nicht, aber das macht seine Frau dann gerne fürs Kollegium!

So, das tat gut. 🙂 Schönes Wochenende allen noch.

Veröffentlicht in Mit-Mach-Themen, Uni

[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Motivation, Haushalt und andere Katastrophen

Hier einmal mein verspäteter Beitrag zum Themenmonat von Änschie.


Wie schon erwähnt, gab es zwei sehr gegensätzliche Charakterzüge, die sich im Punkt ‚Motivation‘ in die Quere kamen. Meine Faulheit und der neu gefundene Perfektionismus. Diese Kombination führte zu kleineren und größeren Katastrophen während des Studiums.

Wie das so üblich ist, startete ich mit einer unglaublichen Motivation ins Studium. Die ersten zwei Semester verbrachte ich 12h außer Haus, belegte vier bis fünf Veranstaltungen pro Tag, fünf Tage die Woche. Da ich jeweils eine Stunde pro Weg pendeln musste, verließ ich das Haus morgens um sieben und kam abends um acht nach Hause. Von der reinen Kursanzahl hatte ich mein Grundstudium nach dem zweiten Semester fast abgeschlossen – wäre da nicht die Kleinigkeit gewesen, dass ich nach Interesse und nicht nach Plan studierte. Letzteren hatte ich aber maximal als ‚Empfehlung‘ aufgefasst und hielt mich nicht dran.

Im dritten Semester gab es die ersten Dämpfer. Ich musste feststellen, dass schriftliche Arbeiten meiner Motivation als wahre Gebirge im Weg standen und nach den ersten eher mittelmäßigen Rückmeldungen begann ich, einen Bogen um die verhasste Schreibarbeit zu machen. Ich nahm mir zwar am Anfang der Kurse immer vor, dass ich da oder dort jetzt eine Hausarbeit schreiben würde, aber letztlich blieben die Dinge dann liegen. Geht ja nächstes Semester noch; oder doch das übernächste …, naja, dann machen wir es im nächsten … ach, jetzt können wir doch gleich nochmal einen Kurs zu dem Modul machen (das Thema klingt eh interessant) und dann wird die Arbeit geschrieben. Joa, oder auch nicht. Das Muster wiederholte sich des Öfteren.

Wenn man nun einrechnet, dass man in so einem Studium gut mal um die 20 Hausarbeiten schreiben muss … kann man sich denken, was nach kurzer Zeit auf der mentalen To-Do Liste anzufinden war.

Dazu kam dann noch etwas, was ich erst gar nicht recht als Störfaktor bemerkte, was sich aber sehr schnell zur dominierenden Kraft im Alltag erhob: Spielsucht. Kein Glücksspiel, dafür bin ich wohl doch etwas zu … reflektiert? Nein, es wurden die Computerspiele. Je mehr der Unialltag zur wirklichen Arbeit wurde und je weniger Spaß ich aus den mir doch eher zufliegenden Leistungen ziehen konnte, desto stärker verlor ich mich in den online Gemeinschaften.

Nicht dass es mir nicht aufgefallen wäre. Ein Semester log ich mir noch in die Tasche, dass ich ja immerhin zu den Veranstaltungen hinging, dass ich die Scheine noch machen würde, dass es ja viele gibt, die mit Laptop in den letzten Reihen sitzen und gerade was ganz anderes machen, als dem Vortragenden zu folgen. Und dann beschloss ich, es einfach exzessiv auszuleben. Dann blieb eben ein Semester auf der Strecke. Ich erinnere mich an die Morgende, an denen ich in der Küche stand, aus dem Fenster schaute während mein Kaffee durchlief und mir dachte, wie unglaublich zufrieden ich gerade bin und dass ich mir so etwas zu keinem anderen Punkt in meinem Leben wohl wieder erlauben könnte. Luxus: Nichts tun. Mein innerer Schweinehund suhlte sich in seinem Erfolg und ich ließ ihm seinen Willen.

Allerdings kam die Zeit zu einem deutlichen Ende, als das nächste Semester begann; es war mein siebtes. Und ich hatte immer noch das Latinum vor mir. Nebenher im Selbststudium hatte ich es nicht geschafft einen Zugang zur Sprache zu finden und ich brauchte eh einen sehr deutlichen Cut, der mich wieder ins Studentenleben zurück holte. Also schrieb ich mich an einer theologischen Uni für ein Gastsemester ein und belegte dort den Lateinkurs; sieben Tage die Woche (gefühlt 😀 waren natürlich nur fünf). Für mich hatte nie in Frage gestanden, dass dieses Motivationsloch von zeitlich begrenzter Dauer sein würde. Es machte einfach keinen Sinn, sich da komplett drin zu verlieren. Was aber nicht hieß, dass man es nicht genießen konnte. (Mir wurde gesagt, dass es eine Kunst ist, an so negativen Phasen tatsächlich etwas Angenehmes zu finden. Ich weiß es nicht, ich fand meine Motivationslosigkeit solange sie anhielt auf jeden Fall ziemlich angenehm, sobald ich für mich geklärt hatte, dass nach dem halben Jahr damit dann aber Schluss sein würde.)

Der Tag, an dem ich mich nach einer wieder durchspielten Nacht dann zwischen Theologiestudenten und anderen Sprachenlernern in ungewohnter Umgebung wiederfand, ist mir gut in Erinnerung geblieben. Ich fühlte deutlich, dass wieder eine Phase abgeschlossen wurde; dass ich nun erneut einen Richtungswechsel vornehme müsste und war nostalgisch und aufgeregt. Aber es katapultierte mich zurück in Richtung Studium.

Angekommen in der ‚zweiten Hälfte des Studiums‘ lief es dann auch tadellos. Selbst zu den ungeliebten Hausarbeiten fand ich einen Draht, nachdem ich mich einmal ordentlich in den Hintern getreten hatte und endlich einmal einfach eine derselben mit Elan wirklich ausgearbeitet hatte(danke an den Perfektionismus und meinen Antike-Professor, der denselben gefordert hat). Das wurde entsprechend honoriert und die folgenden wurden dann ohne Probleme ebenfalls abgenommen.

Die letzten Stolpersteine brachte die Examensphase mit sich. Grundlegend wollte ich nicht, dass das Studium endet. Darüber hinaus hatte ich über die Jahre hinweg den Anspruch entwickelt, dass nun tatsächlich alles perfekt abgeschlossen werden müsste. Das motivierte mich dann zwar, brachte aber auch ein selbstgestelltes Bein mit sich: Mensch und Perfektion und so. Vor der ersten Examensklausur hatte ich einen dezenten Zusammenbruch, weil ich viel zu viel wollte und dabei Standards aufgestellt hatte, die niemals einzuhalten waren. Und die auch gar nicht von mir verlangt wurden, glücklicher Weise.

Ein weiterer wirklich motivierender Faktor waren die Zwillinge. Klar, irgendwann will man mal wieder arbeiten, Geld verdienen, sich was leisten … war mir nie so recht wichtig gewesen. Wir lebten ‚ok‘, hatten keine hohen Ansprüche und somit gab es kaum etwas, was mich zum Abschluss drängte. Als die Kinder dann kamen/auf dem Weg waren, änderte sich das schlagartig. Für sie musste der Berg an Hausarbeiten zügig abgearbeitet werden, der immer noch 5 Stück im letzten Semester umfasste. Für sie musste der Abschluss wirklich gut werden, damit die zukünftige Anstellung und finanzielle Sicherung der Familie garantiert war. Für sie ging ich neben dem Examen nachts 8h arbeiten und besuchte tagsüber meine letzten Kurse. Für sie schloss ich mich wochenlang ins Büro für die Examensarbeit ein, obwohl ich mich kaum von ihnen trennen konnte.

Es ging ja alles ziemlich gut aus. Am Schluss langweilten mich sogar die Prüfungen, weil es immer wieder das gleiche war und immer wieder die gleichen Ergebnisse brachte. Meinen Kampf mit der Motivation, als ich das Drittfach (Philosophie) dann abschloss, kann man in den allerersten Beiträgen hier im Blog nachlesen.

Wie man sieht: Gradlinig kann jeder, künstlerisch wird es, wenn man auf Umwegen zum Ziel kommt 😉 Nein, ich will das nicht schönreden. Ich hätte mir einiges an Stress ersparen können, wenn ich mich direkt richtig mit der Sache beschäftigt hätte. Habe ich allerdings nicht und somit trauere ich der verlorenen Zeit nicht nach. Sie brachte ihre eigenen Erfahrungen mit sich, an die ich auch heute noch gerne zurückdenke. Gut, den Stress mit der Nachtarbeit hätte ich mir tatsächlich gerne gespart, das war nicht schön. Aber ansonsten? Alles gut gegangen.


Wer sonst noch dabei ist:

Mein praktische Jahr von Änschie, der Initiatorin dieses Themenmonats.

schreibfischen von schreibfischchen

Luna Umbra

Pflägermeister vom Pfläger

Janines Yogablog

Abgebrochener Bleistift

Rescue Blog von Hermione

Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, BdU, Referendariat

Meine EF Kurse: Zwischen dem ‚Zusammenprall der Kulturen‘ und ‚Allgemeinen Menschenrechten‘

In meinen Geschichtskursen in der EF dreht sich im Moment alles um die Menschenrechte. Ok, fast, der Kurs den ich übernommen habe, muss ich noch abschließend durch die Begegnung von Christentum und Islam im Mittelalter führen. Aber ein sehr großer Vorteil hier, zumindest für meinen BdU Kurs, ist dass ich die Themen quasi doppelt mache und somit weniger Arbeit habe. Da ich bei Frau Klaus jetzt im Ausbildungsunterricht bleiben kann, bereite ich dort die Stunden genauer vor und kann diese dann bei mir im Kurs vertiefen/wiederverwenden.

Was passiert im Moment also in meinen Oberstufen-Geschichtsklassen? Letzte Woche musste ich die erste Stunde in meinem neuen Geschichts-BdU-Kurs leider wegen einer Beerdigung ausfallen lassen. Sie bekamen somit die Aufgabe sich mit der Rede Urbans II. zum ersten Kreuzzug einmal genauer zu beschäftigen. Das arbeiteten wir dann in der ersten Doppelstunde, die wir gemeinsam hatten, auf.

Mit Hilfe dieser Arbeitsblätter sollten sie die Rede in Sinnabschnitte einteilen, indem sie Überschriften für dieselben finden und dann die Funktion dieser Abschnitte beschreiben, die sie für die Rede hatten. „Was sagt er und warum genau das?“ also letztlich. Eigentlich ist das ein Methodentraining, welches ich normalerweise vor der Klausur machen würde, aber da es sich bei dieser Rede so schön anbietet und die Schüler simples Textbearbeiten gar nicht genug üben können, stieg ich damit ein. Es gab auch einen guten Überblick über Gruppendynamiken und individuelles Arbeitsverhalten, was man in einem neuen Kurs ja recht schnell klären muss.

Am Ende der Doppelstunde standen dann diese Ergebnisse fest, die die Schüler größtenteils in Eigenregie zusammengetragen hatten. Durch solche Arbeitsphasen und vorstrukturierte Arbeitsblätter versuche ich mich nach wie vor im ‚Raushalten‘, was ich ja dringend üben muss. Die Tendenz den Unterricht fragend zu entwickeln habe ich immer noch sehr stark.  Das sollte dann Grundlage für die Hausaufgabe sein, in der sie diese Ergebnisse verschriftlichen sollten. Eine politische Rede interpretieren war ein Teil eines Methodenbausteines im Buch, von denen mir geraten wurde möglichst alle mitzunehmen und einzuüben. Die hieraus resultierenden Interpretationen durften sie dann in der Folgestunde mit dem Sitznachbarn austauschen und vergleichen.

Es bringt den Schülern wesentlich mehr, sich selber (ab einem gewissen Könnens-Stand) auf Fehlersuche zu begeben, Strukturen in fremden Texten zu erkennen und Verbesserungsvorschläge zu machen, als wenn der Lehrer es immer nur stumpf korrigiert. Natürlich bot ich an, dass diejenigen, die einen Zusatzbeitrag zur Note leisten wollten oder einfach nur noch einmal Rückmeldung brauchten, ihre Ergebnisse abgeben konnten.

Für die nächste Stunde ist dann ein Vergleich der Rede Urbans und G.W. Buschs Ansprache zur Lage der Nation nach dem 11. September geplant. Die Frage hierbei: „Kennt man einen, kennt man alle? Aufrufe zum Krieg“ Es wird um universelle Motive und Mechanismen gehen, die sich ganz unabhängig von Zeit und Ereignis wiederfinden lassen, wenn ein Machthaber zum Krieg aufruft.

AB Busch.PNGAuf diese Stunde freue ich mich schon. Es macht immer Spaß, wenn es alltagspolitisch wird und die Schüler (hoffentlich) etwas über ‚Größere Zusammenhänge‘ mitnehmen ^.^


Was den Kurs von Frau Klaus angeht, so haben wir uns inzwischen vorsichtig geeinigt. Ich bin fast schon drei Mal ‚gegangen worden‘, weil sie mit meiner Art doch durchaus Probleme hat. In unserem e-Mail Austausch entdeckte sie einen „belehrenden“ Ton, als ich einmal vor der Klasse (sie hatte mir reingerufen und meinte meine methodische Arbeit ‚korrigieren‘ zu müssen) versuchte den Sinn der Methodenwahl zu erklären untergrub ich ihre Autorität und dann war ich einen Tag früher als sie im Kursraum gewesen, weil ich vorher den Computerraum kontrolliert hatte und somit eine Minute eher hochgegangen war. Und: Ich verbessere sie immer.

Dummerweise fällt mir das tatsächlich nicht auf. Bei den Mails habe ich nur auf ihre Anregungen geantwortet und ihr dann korrigierte Versionen meiner Planungen geschickt. Mit Kommentar, aber das war in meinen Augen nur mein Gedankengang und kritisierte auf keinen Fall ihre Anregungen, die ich ja übernommen und durchgesetzt hatte. Wenn man einen Stafettenvortrag plant (eine Gruppe fängt an, die nächste führt das gleiche Thema fort) und eine einheitliche PPP erstellen will, dann sollte das Layout und Design der Folien abgestimmt werden und es kann einfach nicht jeder seine Kreativität frei ausleben. Ich konnte es nicht stehen lassen, dass sie meint, dass das kein richtiges Power Point wäre, da man schon mehr als Text darin haben sollte. Und aus dem einen Mal, wo ich alleine hochgegangen war wurden dann gleich ‚mehrere Male‘, in denen ich sie einfach stehen gelassen hatte. Aber gut … Kleinigkeiten.

Eigentlich nicht, aber ich habe wenig Auswahl und wie schon einmal erwähnt, ihre Kritik ist gut; wenn es um Inhalte und Stundenaufbau geht. Somit versuchte ich jedes Mal zu schlichten und zu beruhigen und ihr die wohl dringend nötige Versicherung zu geben, dass ich sehr dankbar dafür bin, dass ich ‚diese Art von Ausbildungsunterricht‘ genießen darf. Ein Schelm wer hier Ironie entdeckt ^.^

Thematisch fing die neue Reihe zu den Menschenrechten dann mit diesem Einstieg an:

Menschenrecht.PNGDie Schüler sollten das zugrundeliegende gemeinsame Prinzip hinter den Forderungen nennen und den grundlegenden Unterschied. Sie gingen auf den Aspekt der Gegenseitigkeit und Empathie ein, der in den Forderungen des Christentums deutlich wurde und stellten die Notwendigkeit einer staatlichen Kraft, die Zuwiderhandlungen gegen diese eher subjektiv geltenden Regeln bestraft, als Unterschied in den Vordergrund. Die Frage war also: Wie sollte man das Miteinander regeln und warum verlangt Kant nach Gesetzen dafür? Reicht das Mitgefühl nicht aus?

Zur ersten Information über Menschenrechte arbeiteten die Schüler dann arbeitsteilig einen Grundlagentext aus, den sie per Folienschnipseln vorstellten. Die zusammengestellten Ergebnisse sahen dann so aus:

GA.PNG

Der wichtigste Input in der Stunde war letztlich, was denn der Unterschied zwischen Menschenrechten (allgemein jedem menschlichen Wesen zugeschriebenes Recht) und Grundrechten (vom Staat bewusst in seinen gesetzlichen Grundlegungen umgesetzte Menschenrechte) darstellt. Es wurde diskutiert, inwieweit die Grundrechte in den verschiedenen Staaten dann noch vergleichbar wären und wie man überprüfen könne, dass das zugrundeliegende Menschenrecht tatsächlich umgesetzt worden ist.

Gefundene Wissenslücken zeigten, dass man sich bei dem Thema erstmal mit den Grundrechten in Deutschland beschäftigen sollte, um überhaupt in das Thema einsteigen zu können. Genau das wurde dann auch in der folgenden Stunde angegangen, wo der schon angesprochene Vorfall mit der PPP stattfand. In den kommenden drei Stunden erarbeiteten die Schüler also eine Kurspräsentation in kleineren Gruppen und setzten sich intensiver mit den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes auseinander, in denen die Menschenrechte umgesetzt wurden. Im Groben war die Absprache, dass sie den Artikel (teilweise in gekürzter Form) abbilden, erklären wer Rechtssubjekt im jeweiligen Artikel ist und was demjenigen an Rechten und Pflichten zugeschrieben wurden und dann ein Beispiel zu finden, in dem Grenzen und Probleme mit diesen Rechten/Pflichten deutlich werden.

Die Präsentation dieser Ergebnisse wird am Dienstag folgen, wobei ich hierfür erstmals eigenständig einen Lückentext zur Wissensüberprüfung erstellen wollte. Stumpfes Mitschreiben erschien mir für die Sicherung nicht sinnvoll. Mal schauen wie das dann klappt.

Am Freitag teilte mir Frau Klaus dann auch mit, dass sie sich nach einem Gespräch mit der Ausbildungsbeauftragten (Sandra) nun vorstellen könnte, dass ich die Reihe bei ihr weiterführen würde, bis ich dann im April meinen 4. UB in Geschichte ableisten könnte/müsste. Eine 180° Wendung, wo sie mir mitteilte, dass der Unterricht bei mir ja so gut und so durchdacht wäre, dass sie nicht nacharbeiten müsste, dass wir ja ’sehr eng zusammenarbeiten‘ würden und ich immer umsetze, was sie anmerkt und das somit kein Problem wäre. Das Gespräch mit der ABB hatte sie gesucht, weil sie sich unsicher war, ob man die Referendare so lange in den eigenen Kursen unterrichten lassen könnte. Das würde aber ganz in ihrem Ermessen liegen und wäre somit ok. Joa, ich nickte überrascht und lasse mich jetzt mal auf das was da kommt ein. Wir werden sehen ^.^

Einmal für Zeilenende: Das Originalformat meiner Einstiegszitate.

BPS09022017_0002.jpg

Und Kant gehörte doch den ‚goldene Regel‘ Anhängern an 😀