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Bunt Gemischtes und ein Lob

Vieles hat in letzter Zeit seinen Weg hierher nicht gefunden. Ich wollte man einiges Dinge gesammelt ohne konkreten Titel hinterlassen.

Das Aktuellste zuerst: Heute bekam ich ein Lob von meinem Schulleiter. Das tat auf mehreren Ebenen ganz gut. Einmal rückte es die letzte UB Stunde in Geschichte in ein anderes Licht, wenn man eine zweite offizielle Meinung zu deren Qualität hört. Für ihn war die Stunde ebenfalls gelungen, jedoch sah er die fehlende Diskussion am Schluss kritischer als mein Fachleiter und sprach mir somit eher nach dem Gefühl her zu. Bei so viel Zeit am Schluss keine allgemeine Diskussion zu ermöglichen/herzustellen ist etwas, was ich im Examen unbedingt vermeiden sollte. Das zeigte mir, dass ich mit meiner schlechteren Einschätzung nicht alleine dastehe und dass es wirklich auf denjenigen ankommen wird, der mich letztlich beurteilen muss. Er gab mir noch einmal den Rat, möglichst viele solcher ‚möglichen Baustellen‘ im Entwurf anzureißen und nach den Stunden tiefgehend zu reflektieren.

Allgemeiner gesehen, lobte er meine Arbeitsweise. Das tat wirklich gut, da er meiner Ansicht nach immer genau bei den UBs dabei gewesen ist, die nicht so gut gelaufen sind. Ich hatte mir schon ausgemalt, dass er ein ‚viel gewollt und nicht gekonnt‘ Bild von mir aufgebaut hatte. Dem ist wohl nicht so. Er sprach sich sehr positiv über die Materialien aus, die generelle Vorbereitung und meinen „Mut, so eine Stunde zu zeigen“. Anscheinend wird eine ‚Medien-Stunde‘ ab nächstem Jahrgang hier Pflicht für alle. Er selbst steht dem offen gegenüber und würde in der Schule gerne mehr mit Technik, Programmen und neueren Medien arbeiten. Wenn man das Geld hätte. Deswegen wäre die Stunde für ihn auch sehr informativ auf mehreren Ebenen gewesen. Was ist möglich und was nicht? Chancen und Probleme bei der Umsetzung und so weiter.


Davon ab steht mein Examenstermin nun fest. Am 09.10. werde ich voraussichtlich meine Prüfung ablegen; der vorletzte Tag des Prüfungszeitraums. Ich habe den Termin so spät gelegt, da ich vorher wirklich gerne auf der Stufenfahrt der Q1 nach Ausschwitz teilnehmen möchte und so ein paar Unterrichtsstunden mehr herausschlage, falls durch die drei Tage (plus Wochenende) viel entfallen sollte. Wirklich viel Zeit vergeht nach den Sommerferien nämlich eh nicht, bis man im Examen ist.

Was die Kursfahrt vorm Examen angeht, so bin ich noch zwiegespalten. Es wird sicher sehr interessant und die Q1 (jetzige EF) wird auch den Kurs für mein Philoexamen stellen. Da verbringe ich gerne noch etwas Zeit mit ihnen zusätzlich. Aber es wird auch echt stressig werden, in dem kurzen Zeitrahmen noch einen so großen Termin unterzubringen. Ich plane im Moment eher nach ‚Augen zu und durch‘. Schauen wir mal was das gibt >.<


Ich habe meinen ersten „Hate“ bekommen. Von der kleinen Lara aus der 6. Klasse. Bisher hatte mich ja noch nie ein Schüler wirklich angegangen. (Als ‚angehen‘ kann man das von Lara aber eigentlich auch nicht bezeichnen.) Romina aus der 9. hat etwas gezickt anfangs und der 12er GK in Philo war zuerst ein wenig schwierig, aber ansonsten? Alle absolut vorbildlich.

Als wir nun an dem Tag in etwas unruhiger Atmosphäre, die 6er habe ich ja immer nachmittags in der 8. und 9. Stunde unterrichtet, versuchten zu produktivem Unterricht zu finden, fielen doch ein paar der Kleinen durch wiederholtes Quatschen, Reinrufen und generelle Unruhe auf. Besonders: Lara. Sie merkte teilweise nicht einmal, dass sie am Reden war, schien mir. Letztlich wurde ich nach der dritten Ermahnung etwas deutlicher und erhob auch die Stimme. (Sie war ja nicht die einzige, genervt war ich zum Schluss also schon.)

Zwanzig Minuten vor Schluss brach ich das ‚Experiment Unterricht‘ ab und gab ihnen eine Einzelarbeit. Textzusammenfassen – etwas was wir die Stunden vorher erst noch geübt hatten, da die Kleinen noch eher Textwiedergaben als Kurzfassungen ablieferten. Ich hatte einfach keine Lust mehr mich immer wieder zu wiederholen und um Ruhe zu bitten oder tödliche Blicke durch den Klassenraum zu werfen. Da ich kurz davor noch ein Heft mit offensichtlichen Nachrichten abgefangen hatte, war es mir einfach zu bunt geworden.

Als alle sich an ihre Aufgabe machten, inspizierte ich das Hausaufgabenheft. Lara und Sina hatten riesengroße Augen bekommen, als ich es nebenher bei der Diskussion zum Unterrichtsgegenstand einfach abgefangen und aufs Pult gelegt hatte. Beim Blick auf das aktuelle Datum wurde mir auch klar warum. „Ich hasse Ms Phye“ stand da mit Tipp-Ex gepinselt. Damit man es nicht sofort sieht 😉 Immerhin hatten sie es versucht diskret zu machen.

Mit einem lachenden und weinenden Auge, bat ich Lara vor die Tür. Sofort legte sich eine Todesstille über die Klasse, das war noch nicht passiert bei mir. Sie tat mir in dem Moment eher leid. Direkt angegriffen fühlte ich mich von dem Vorfall nicht, aber es musste etwas außerhalb vom Unterricht vorgefallen sein, dass es für sie so eskalieren ließ. Eigentlich ist sie nämlich offener und auch recht aufgeweckt. Da es schon einmal einen Vorfall gegeben hatte, wo der Klassenlehrer mir mitteilte, dass sie den Nachmittag bei mir im Unterricht fehlen wird, um einen Brief an ihre Mutter zu verfassen, mit der sie so nur schwer reden kann, suchte ich die Ursache auch eher dort, als in meinem aktuellen Unterricht oder bei meiner Person selbst.

Leider konnte ich sie nicht dazu bringen, sich zu öffnen. Sie begann sofort zu weinen, als wir vor der Tür waren und antwortete auf meine Nachfragen, ob alles ok wäre nur mit „Ja.“ Sie wüsste nicht, warum sie das gemacht hätte. Ich teilte ihr mit, dass ich das eintragen müsste und dass sie, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt das nächste Mal einfach direkt etwas sagen könnte. Ich entließ sie dann zur Toilette, damit sie nicht verweint in den Klassenraum zurück musste. Da das vor den Ferien passierte, bin ich gespannt, ob es damit abgehakt ist oder ob da noch etwas kommen wird.

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Examen aus der zweiten Reihe

Ich durfte bei Phillip am Examenstag mitlaufen. Das war spannend und ziemlich erhellend, was meinen favorisierten Fachleiter anging, den ich den Tag begleiten konnte. Da in dieser Phase immer deutlich geworden ist, dass mein Fachleiter in Geschichte sehr durchwachsene Ergebnisse bei der bestanden/nicht bestanden Diskussion erzielte und ich eh zu meinem Philosophiefachleiter tendiert hatte, konnte ich ihn den Tag einmal ‚live‘ erleben.

Morgens kam ich also etwas pünktlicher als sonst zur Schule, um bei letzten Handreichungen zu helfen. Man bewirtet die Prüfungskommission ja regelrecht an diesem Tag. Da Phillip der letzte gewesen ist von unseren sechs Referendaren an der Schule, war in den drei Wochen vorher schon einiges an belegten Brötchen, Kaffee und Keksen durchs Lehrerzimmer in den Beratungsraum gewandert. Nachdem wir also alles hergerichtet hatten, Brötchen, Kaffee, Milch, Zucker, Besteck und Geschirr sowie eine üppige Keksauswahl hergerichtet worden war, machte ich mich auf die Suche nach Phillip, der mich ganz offiziell einmal seiner Prüfungskommission vorstellen musste, die ich dann noch offizieller um Erlaubnis bitten musste, dass ich doch an dem Tag auch dabei sein dürfte. Wurde mir netter Weise genehmigt.

Es begann mit der Stunde Physik, von der ich mal so gar keine Ahnung hatte. Ich musste damals im Abi Physik als gezwungenen Zusatzkurs in der 13. noch mitmachen und alles was davon hängengeblieben war, war die Relativitätstheorie gewesen, da die eher ein mentales Rätsel als wirkliches mathematisches Wissen für mich dargestellt hatte. Wie dem auch sei, ich beobachtete also 8. Klässler dabei, wie sie das Hookesche Gesetz bewiesen, herleiteten … zumindest stand das in seinem Entwurf ^.^ Das hat was mit Federn, Widerstand und linearen, bzw. nichtlinearen Kurven/Gerade/Vektoren (?) zu tun. <- wie ihr seht, ich habe keinen Schimmer 😀

Vom Ablauf her und dem, was da so bei herum kam, fand ich die Stunde ganz gelungen. Kurz danach hörte ich dann aber schon vom Fachlehrer die Sorge ‚Lernziel nicht erreicht‘, was natürlich sehr negativ gewesen wäre. In der Reflektion wies Phillip auch auf mehrere Probleme hin und reflektierte diese aber ziemlich tiefgreifend, was ihm letztendlich (wie man dann ja später erfuhr) die Note ordentlich gerettet hatte.

Während Phillip sich danach also sammelte und für die kommende Stunde vorbereitete, lief ich hin und her und versorgte die Kommission mit Nachschub. Die anderen Refis waren auch nicht untätig, checkten den Raum nochmal, kontrollierten die elektrischen Geräte (bei einer anderen hatte der OHP, der morgens noch funktionierte dann in der Stunde versagt … ) und brieften die Schüler, dass sie in dem jeweiligen Bereich um die Examensklassenräume ruhig zu sein hatten.

Dann ging es zur zweiten unterrichtspraktischen Prüfung und hier konnte ich dann ‚mitreden‘. Oder zumindest mitdenken. Als Gast darf man nämlich wirklich nur anwesend sein. Nichts mitschreiben, keine Unterlagen zu den Stunden erhalten, sich nicht sonst wie einbringen. Also beobachtete ich. Die Stunde hielt Phillip im Q1 LK Philosophie, die sich mit sozialer Gerechtigkeit beschäftigen sollten. Aufbauend auf verschiedenen Theorien, die sie vorher schon zur Staatstheorie erarbeitet hatten, sollten sie nun eine Theorie von Rawls beurteilen. Leider passierten ihm doch einige Fehler.

Der Einstieg klappte gut, die Gruppenarbeit lief auch, aber hier hatte er zur Binnendifferenzierung Hilfekarten ausgelegt, die die jeweiligen Positionen nochmal erklärten und auch die aktuelle mit einbezogen. Damit waren theoretisch die Ergebnisse der Stunde vorweggenommen worden. Glücklicherweise griffen nur zwei Schüler auf diese Hilfen zurück. Dann wählte er für die Präsentation der Ergebnisse ausgerechnet auf die Folie, die von der schwächsten Schülerin des Kurses erstellt worden war. Das war für die Vertiefungsphase am Schluss ziemlich tödlich, da es kein visuelles Geländer gab, an dem sich der Kurs gemeinsam entlanghangeln konnte, da die präsentierten Ergebnisse nicht genau genug gewesen waren. In der Diskussion am Schluss konnte er die Beiträge auch nicht genügen bündeln und die wichtigen Punkte fokussiert nochmal aufgreifen. Dadurch endete die Stunde etwas schwammig.

Selbst ich merkte dann in der Reflektion, dass diese es nicht wie in der Stunde vorher schaffte die negativen Punkte herauszureißen. Ich biss mir mehrfach auf die Zunge, als es dann um Alternativen ging, da mein Fachleiter wirklich sehr offen und unterstützend fragte und einem so sehr viele Dingen in den Kopf kamen, die an der Stelle gepasst hätten.

Allgemein muss ich sagen, dass ich ihn als einen sehr fairen Prüfer erlebte, der bewusst nach dem fragte, von dem er sicher sein konnte, dass es kommen würde. Das fiel besonders im Kolloquium auf. Ich hatte nach wenigen Minuten das Gefühl, dass ich mich dort hätte hinsetzen können und auch bestanden hätte. Es war wie die Gespräche, die man in den Seminarsitzungen führt. Gut, ein paar Namen sollte ich mir noch einprägen und etwas Theorie zur Unterfütterung lernen, aber insgesamt hätte ich die gestellten Fragen beantworten können.

Als der Tag vorbei war, fühlte ich mich genau wie Phillip ausgelaugt. Man fiebert ja doch ganz schön mit ^.^ Er bestand mit einer drei und war sehr glücklich. Ich merkte dabei, dass ich das Gegenteil empfunden hätte und das ich echt noch einiges zulegen muss, dass ich am Schluss auch zufrieden aus dem Examen komme. Die Wahl meines mich ins Examen begleitenden Fachleiters ist aber an dem Tag bestätigt worden.

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4. UB Geschichte

In Geschichte habe ich ja seit Beginn des Jahres Ausbildungsunterricht bei Frau Klaus. Diese ist inzwischen auch über die anfängliche Skepsis, dass ‚das was mit uns werden kann‘ hinweg und hat sich gerade zum UB hin wirklich reingekniet. Da uns ja immer wieder ans Herz gelegt wird, dass wir was mit neuen Medien machen sollen, wurde das ein sehr elektronisch unterstützter UB in Geschichte.

Die Reihe lief ja nun seit Halbjahresbeginn von mir unterstützt vor sich hin und somit konnte ich bei der Planung auch sehr viel bieten. Leider bedeutete das für mich irgendwie ein Hindernis beim Ausformulieren. Ich habe ewig an dem Entwurf gesessen. Es ging um die Menschenrechte in historischer Perspektive. Eingestiegen waren wir ja mit den 19 Artikeln des Grundgesetzes, die die Grundrechte abbilden. Danach ging es über die Aufklärer und mit philosophischer Unterfütterung von verschiedenen Staatstheoretikern (Rousseau, Locke, Montesquieu) weiter zur ersten Verfassung, die sich mit allgemeinen Rechten für alle befasst hatte: Die Virginia Bill of Rights. Die UB Stunde lag dann in der Sequenz zur Französischen Revolution und der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789.

Rahmenbedingung der Reihe war der Einsatz von PC und Beamer als Arbeits- und Präsentationsmaterial. Die SuS arbeiteten in Einzel- oder Partnerarbeit an der jeweiligen Aufgabe, luden ihre Ergebnisse in den Austauschordner hoch und ich konnte alles im hübschen Din A4 Format zusammenfügen. Nach etwas Übung klappte das auch tadellos inzwischen.

Die Stunde sollte sich also damit beschäftigen, inwiefern die Umsetzung der Menschenrechte in der Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 als Antwort auf historische Unrechtserfahrungen gewertet werden kann. Das Thema war relativ komplex, da man einmal die Rechte identifizieren muss, diese mit historischen Sachverhalten verknüpft um den Entstehungszusammenhang aufzuzeigen und dann noch beurteilen muss, inwiefern dieses nun als Antwort auf die jeweilige Situation gewertet werden kann. Da die SuS die besagten Rechte noch nicht kannten und wir bis dahin erst einmal eine Konfliktanalyse über die Französische Revolution erarbeitet hatten, stand also die Erarbeitung und Vertiefung des Themas für die UB Stunde an.

 Hier einmal das Schema der Analyse:

Konfliktanalyse.PNG

Bis auf den blauen Bereich hatten wir schon alles geklärt und die SuS ihre Ergebnisblätter vorliegen. Ich hatte bewusst dort einen Schnitt gesetzt, da sich hier ein Vorgriff auf die Ergebnisse lohnte, damit man den Verlauf des Konflikts somit besser mit den antizipierten Ergebnissen abgleichen konnte.

Und die in der Stunde davor aufgestellten Kategorien, durch die Analyse der Ergebnisse zur Bill of Rights:

Transfer Bill of Rights.PNG

Aus diese Ergebnissen kamen wir dann zu den Kategorien, mit deren Hilfe die Erklärung von 1789 hinsichtlich der umgesetzten Menschenrechte untersucht werden konnte. Einstieg für die Stunde war:

Ergebnisse Erklärung.PNG

Die Kästen waren natürlich leer, die wurden dann in der Sammlungsphase ausgefüllt. Die Schüler beteiligten sich hier auch wirklich gut und ich schrieb einfach nur mit. Die Frage, welche sich dann stellte war: Warum wurden die Rechte so entworfen? Gab es Parallelen zur Bill of Rights?

Dann folgte eine kurze Erklärung zum Ablauf der Erarbeitungsphase. Die Formatvorlage für die Ergebnisse …

Präsentation.PNG

… enthielt gleich die Schritte für die Erarbeitung, aber der Ablauf war den SuS ja eh bekannt. Sie kopierten sich also jeweils ein Textfeld und von einem zweiten Arbeitsblatt …

Teil GA.PNG

… die für sie relevanten Artikel und legten los. Die Artikel hatte ich vorsortiert, weil es einfach viel zu lange gedauert hätte, wenn sie sich aus dem kompletten Wust die relevanten Stellen hätten raussuchen müssen. Da alle inzwischen ja schon im Umgang mit Gesetzestexten geübt waren, konnte ich tatsächlich im Zeitplan bleiben. Der Einstieg hatte knapp 5 Minuten verbraucht, die Erklärung mit den verschiedenen Schritten der Computer- und Programmbewältigung nochmal etwa 3 Minuten und die Erarbeitung 15 min.

So kamen wir knapp 25 Minuten nach Stundenbeginn zur Präsentation der Ergebnisse. Die sahen dann so aus:

Ergebnisse.PNG

Und hier passierte mir erstmals etwas, was noch nie vorgekommen ist: Ich hatte tatsächlich am Schluss 12 Minuten für die Diskussion 😮 Ich war ziemlich baff und leider fiel dabei dann einmal mehr auf, dass ich mir nicht genug Impulse im Vorfeld überlegt hatte. Denn was bis dahin wirklich reibungslos gelaufen ist, keine Patzer der Technik, sehr gute Ergebnisse der Schüler und gute Kontextualisierung insgesamt, fing nun an zu stocken. Die abschließende ‚Diskussion‘ wurde mit 4-5 Leute geführt, nur zwei davon mit wirklich eloquenten Beiträgen und der Rest schwieg.

Vielleicht lag es am Tippen. Ich hatte die Ergebnisse vorher selten so umfassend aufgenommen wie hier. (Untere Kasten wo vorher die Aufgaben standen.) Vielleicht generell immer noch an der Tatsache, dass die Schüler den Einsatz von Medien im Unterricht in der Form nicht gewohnt sind. Vielleicht saßen die Inhalte aus den vorherigen Stunden nicht so gut, wie ich angenommen hatte bei den Übrigen, die sich nicht beteiligten.

Auf das Urteil des FL musste ich den Tag noch warten, da er einen weiteren Termin hatte und gleich nach der Stunde weiter musste. Aber die Schüler habe ich nach ihrem Urteil gefragt. Nicht zu der Stunde direkt, sondern allgemein zu dem, was wir zusammen erarbeitet hatten. Da zeigte sich wieder, wie akkurat die Kinder beim Feedback sind. Genau die Punkte, die allgemein kritisiert werden, brachten auch sie.

  • Manchmal seien Fragen unklar oder viel zu viele davon gestellt worden.
  • „Nebensächliches“ würde zu genau erfragt.
  • Kein Computerraum mehr (^.^)
  • Roter Faden (ich werde wohl bei den komplexen Themen mal sowas wie ein ‚Inhaltsverzeichnis‘ erstellen)

Der Rest vom Feedback war positiv. Der Unterricht hätte Spaß gemacht und man hätte viel gelernt. Meine Vorbereitung wurde gelobt (da musste ich Schmunzeln, man fühlt sich in Schülerzeiten zurückversetzt 😉 ), meine Aufnahmefähigkeit von Schülergedanken sei schnell, Zeit für Aufgaben sei gut bemessen und der Medieneinsatz habe auch gut funktioniert. Ein Feedback muss ich hier noch einmal festhalten. Da habe ich mich doch sehr über die Mühe gefreut, mit der es erstellt wurde.

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Mein FL hat nicht viel hinzuzufügen gehabt, als wir uns dann trafen. Die problemfrage hätte ich etwas ‚ausschärfen‘ können, etwas, was ich mich ja immer noch nicht recht traue. Schülerbeiträge verändern ist eben eine heikle Sache. Der Umgang mit den Medien wurde gelobt, er war recht angetan von meiner Tippgeschwindigkeit, die die Diskussion tatsächlich nur minimal verlangsamt hatte.

Zum Problem des Stockens am Schluss sagte auch er, dass es wohl an der scheinbaren Finalität der Antworten gelegen haben könnte. Dadurch, dass ich direkt alles eingetragen habe, erschien es, als wären die Punkte nicht mehr diskutabel. Ich werde das nochmal am ‚lebenden Objekt‘ ausprobieren bei nächster Gelegenheit. Die Ergebnisse der Computergestützten Reihe fand ich nämlich schon ganz nett.

Letztlich war diese Stunde eine gute Zwei nach Meinung meines FL. Ich persönlich hätte sie eher im 3er Bereich angesiedelt, da eben das Lernziel nicht erreicht wurde, da nur so wenige sich am Schluss wirklich beteiligt hatten. Da würde es dann im Examen wohl auf die Personen ankommen, die da vor mir sitzen.

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4. UB Philosophie

Leider ist es nun schon etwas her, seit ich diesen UB hatte, weswegen ich etwas im Oberstübchen kramen muss, um alles zusammen zu bekommen. Die Planung für denselben habe ich hier beschrieben.

Ich ging mit einem relativ guten Bauchgefühl den Morgen zur Schule. Auch die (selbstverständlich genau an diesem Tag …) komplett schief gedruckten Blätter mit dem abgeschnittenen Kopfbereich konnten mir die Laune nicht verhageln. Ich hatte die Sozialform vorher geübt, der Ablauf war bekannt für die Gruppenarbeitsphase, die Kinder hatten bereits gelernt, dass man seine Meinung begründet … kann ja nix schiefgehen. *schniff* Joa, denkt man so. Der UB war leider mein schlechtester bisher, zumindest in Philosophie und auf Grundlage meines bisherigen Könnensstandes. Gut, also, was war passiert?

Mein Fachleiter fand sich früh am Tisch ein und wir plauderten noch etwas über das Examen von Phillip, dem ich am Tag davor beiwohnen durfte. Und über meinen Entwurf für den UB, zu dem der FL gleich anmerkte: „Es ist so schön, wenn man einen wirklich durchdachten Entwurf zum Lesen bekommt. Ich freu mich auf die Stunde.“ Der gelobte Tag vor dem Abend …

Kurz darauf wanderten wir, meinen Schulleiter ebenfalls im Schlepptau, durch die Schule, da wir einmal mehr in den hintersten Winkel mussten (in dem Fall wörtlich, der letzte Klassenraum unten links auf dem Schulgelände). Ich hatte meine Utensilien bereits vorher aufgebaut, damit ich nicht noch mit Tablet und Co herumfummeln musste. Tablet und Lautsprecher standen also bereits auf dem Tisch, die Schüler setzten sich, eine Schülerin kam leider 4 Minuten zu spät, wodurch sie das Lied am Anfang verpasste.

Fettes Brot.PNG

Lied eingespielt und genau die Strophe rausgepickt, die das gewünschte Dilemma beschreibt. AB wurde gleich zu beginn schon verteilt, da ich vor allem eines im Kopf hatte: Genug Zeit für die Abschlussdiskussion. Irgendwie kam es dann auch, dass der Einstieg viel zu schnell vorbei war. Lied war gehört worden und die Schüler verneinten den Bedarf, es noch einmal durchlaufen zu lassen. Wie geplant wurde dann erst einmal zusammengefasst, worum es denn nun hier geht.

Und da das nach zwei Antworten wirklich abgehakt gewesen war … gingen wir in die Erarbeitungsphase. An der Stelle habe ich sowohl mich als auch die SuS etwas überrumpelt. Sie stürzten sich natürlich sofort auf das Problem, aber die Formulierung desselben kam einfach zu kurz. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das Problem erstmal etwas beleuchten zu lassen, wobei die SuS sowas wie „Freundschaft oder Liebe“ formulieren sollten, aber da der Schritt nun einmal übersprungen worden war … tja, machten wir einfach weiter.

In den Gruppen fingen die Diskussionen erstmal absolut gegen Ben gerichtet an. „Das macht man nicht!“ hörte ich aus den Gruppen mehrfach. Sie waren auf jeden Fall bei der Sache. Eine meiner vielen Janas konnte sich dann auch gar nicht von dieser Sicht lösen. Ihre 3er Gruppe fand nur Argumente für „Lass die Finger von ihr!“ und ich fragte einmal nach, ob sie sich denn gar kein Szenario vorstellen könnten, in dem sie anders beraten würden. Nein, das macht man halt nicht! Ich merkte, dass es an der endgültigen Entscheidung hing in dem Moment und fragte, ob es denn gar keinen Grund geben könnte, warum sowas doch mal passieren könnte oder wo etwas positives aus der Situation entsteht, wenn man mit der Ex des besten Freundes hier zusammen käme. Da fielen ihnen doch ein paar Beispiele ein.

Letztlich war das Endergebnis tatsächlich gespalten. Alle waren sich erstmal einig, dass man hier eher zum besten Freund steht. Die eine Gruppe drückte das etwas ‚umgangssprachlich‘ mit „Bros before Hos“ aus, was ich nicht so stehenlassen konnte. Wurde vom FL und SL aber mit einem Lächeln quittiert. Eine Gruppe beschrieb sogar die Möglichkeit, dass der Freund Ben irgendwann verzeihen würde, weil die Freundschaft ja wichtig wäre und die Beziehung eh kaputt, wenn sie sich schon verliebt hatte. Und er Ben und Christine dann ihr Glück gönnt. Sehr selbstlos ^.^

Die Ergebnisse wurden gesammelt und von den Gruppen vorgestellt und wir übertrugen diese wieder auf die verschiedenen Perspektiven, die hier dargestellt worden waren. Das sah dann so aus:

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Problem hierbei war: Genau das Gleiche hatten wir die Stunde davor gemacht. Und somit stand ich am Ende der Stunde wieder mit den verschiedenen Perspektiven da, mit den Grundlagen für moralische Handlungen, aber damit wurde nicht gearbeitet. Ziel war von meiner Planung her gewesen, uns distanziert mit eben so abstrakten Konzepten wie Freundschaft oder auch der Goldenen Regel zu beschäftigen. War gedanklich auch absolut richtig, aber dadurch, dass ich die Schritte zu diesen Konzepten in der Stunde nur wiederholte und nicht aktiv mit ihnen arbeitete, war die Lernprogression gleich 0.

Es wäre schon eine Verbesserung gewesen, wenn ich die Perspektiven wirklich der Hierarchie her angeordnet hätte und nicht nach dem grundlegenden Aufbau des Systems. Nicht dran gedacht. Eigentlich hätte sich nach der vorherigen Stunde angeboten, direkt mit den Ergebnissen einzusteigen und nicht noch einmal ein neues Fallbeispiel zu behandeln.

In der Nachbesprechung fiel es mir dann irgendwann wirklich wie Schuppen von den Augen. Ich konnte nämlich trotzdem ich in der Dilemma drinsteckte die komplette Zeit meinen Denkfehler nicht erkennen. Ich WUSSTE, dass irgendwas schief lief, aber was es war … Erst als der FL mich fragte, was denn die Stunde nun tatsächlich im Gegensatz zu der davor für die SuS gebracht hätte, bemerkte ich den Fehler. *seufz* Dazu kam eine sehr starke Steuerung. Ich habe die SuS mal wieder zu sehr gegängelt und das darf eben einfach nicht passieren. Aber wenn einem schon so grundlegende Probleme in der Planung nicht auffallen, ist es kein Wunder, wenn die Kinder nicht auf die gewünschten Ergebnisse kommen.

Zusammenfassend kann man also sagen:

  • Planung (von der Theorie insgesamt mit Reihenaufbau und Entwurf und allem drum und dran) war wirklich gut. Bis auf die Tatsache, dass die Stunde redundant gewesen ist, war sie an sich auch gut. Im Zusammenhang mit dem was davor passierte und dem, was dann letztlich für die SuS als Lernergebnis dabei rauskam … nicht so sehr. Und dann noch die Steuerung.
  • Phasierung war in der Theorie gut geplant, in der Praxis schlecht umgesetzt.
  • Impulse: Ich muss mir einfach mehr Möglichkeiten überlegen, wie ich aus dem Stundengeschehen raus kann. Es fällt mir immer noch schwer, wirklich abzugeben. Dafür muss ich stärker mit vorgeplanten Impulsen arbeiten, die dann wirklich so offen sind, dass ich nicht nach zwei Antworten noch etwas nachfragen kann/muss.

Abseits davon, dass ich absolut unzufrieden mit der Stunde und dem Ergebnis war, weiß ich aber nicht, was das in Noten ausgedrückt bedeutet hätte. Am Ende der Nachbesprechung brach ich dann nämlich in Tränen aus und vergaß nach der Note zu fragen. Das lag einmal an diesem deutlichen Patzer mit der Lernprogression und dann an einer weiteren Kritik, bei der ich überhaupt nicht wusste, wie ich ihr begegnen sollte: Ich wäre den Schülern gegenüber zu ‚kühl‘ gewesen.

Wie man das allerdings ändert … Ich weiß, dass meine Art eher distanziert ist. Ich bin kein ‚Kumpel-Typ-Lehrer‘, allerdings meiner Wahrnehmung nach auch nicht der ‚Drache-mit-Rohrstock-Typ‘ im Klassenzimmer. Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass die Schüler mir gegenüber besonders zurückhaltend wären, was gerade für ein Fach wie Philosophie ja nicht förderlich wäre. Dort muss man sich ausprobieren können und das geht nur, wenn man den Lehrer als ’sichere‘ Person wahrnimmt, bei der Ansichten angenommen werden und wo Fehler möglich sind. Und das war meiner Meinung nach der Fall bisher.

Gerade in Hinblick aufs Examen, wo mich ja zwei komplett fremde Personen beurteilen werden, ist das auf jeden Fall eine ungünstige Ausgangslage. Auf die werde ich mit Sicherheit erstmal noch distanzierter wirken, als auf meinen FL, der mich ja schon eine Weile kennt. Ich hatte nach dem UB Gelegenheit nachzuhaken. Der FL hatte es nicht als großes Problem gesehen und nahm einigem des Gesagten wieder die Schärfe. Was ich für mich mitnahm war, dass Kritik an der Person direkt am Schwersten auszuhalten ist, da man sich nicht einfach ändern kann.

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Der 4. UB Philosophie: Die Planung

Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Lucas es am Freitag nicht geschafft hat und nach seinen UPP (Unterrichtspraktischen Prüfungen) nicht zum Kolloquium zugelassen wurde. Das sitzt einem vielleicht quer im Magen, selbst wenn es ja nicht die eigene Prüfung war. Wieder eine von den Geschichten: Das war von vorne herein abzusehen … ?

Ich bin zerrissen zwischen Mitgefühl (er ist frisch Familienvater im Dezember geworden und kann die Verlängerung wirklich nicht gut gebrauchen) und dem Gefühl, dass nicht alle die, die durchs 2. Staatsexamen rasseln total unerklärliche Fälle waren. Das war es nämlich bisher bei den anderen, von denen man so gehört hat. „Wie, DIE hat es nicht geschafft? Die war doch mit 1 vorbenotet!“ Wie will man sich sowas erklären außer mit Willkür, wenn die beobachtenden Augen und Ohren den Tag wirklich keine gravierenden Fehler in den Prüfungen beobachten konnten?! Ganz anders bei Lucas; da wir beide Geschichte haben, haben wir auch den gleichen Fachseminarleiter. Und dieser hatte ihm vorher angeraten, freiwillig noch ein halbes Jahr dran zu hängen und es dann erst zu versuchen. Er hatte das kommen sehen. Macht die Geschichte jetzt nicht angenehmer … aber stellt etwas das Vertrauen in die (Zuverlässigkeit der) Prüfungen wieder her.

Gut, ich selbst habe heute den Tag mit der Planung und Verschriftlichung meines 4. UBs für Philo verbracht. Es motiviert einen schon, wenn auch nicht positiv, wenn man solche Sachen mitbekommt. ‚Das darf dir nicht passieren, streng dich mehr an.‘ Das saß mir dann doch ein wenig im Nacken.

Die Planung selber ist ganz gut voran gekommen. Ich bin unsicher, was die Komplexität der Lernziele angeht. Aber ich darf ja Frau Frost am Montag mit meinem Entwurf in der Mittagspause nerven. Zur ‚Einstimmung‘ ist das vielleicht etwas viel direkt, aber sie scheint doch wesentlich enthusiastischer als Herr König sich da mit mir dran zu setzen und somit nehme ich die Chance, die sich bietet, wahr.

Am Freitag habe ich ja meine seit drei Wochen verschollenen 9er wiedergesehen. In der Stunde musste die Grundlage für die UB Stunde gelegt werden und wir haben ordentlich gearbeitet. Folgendes kam dabei heraus:

Begonnen haben wir mit der Zusammenfassung des Arbeitsblattes, welches sie vor zwei Wochen bearbeitet hatten, als ich krank war. Was ist Moral? Wir hielten fest, dass Moral eine Vergleichbarkeit für Handlungen und unser Verhalten schafft und wir moralische Kriterien dafür brauchen, um eine Handlung als moralisch anzusehen und beurteilen zu können. Was ‚moralische Kriterien‘ denn genau wäre, wollte ich wissen. ‚Das sind so Konventionen …‘ Joa, wir versuchten es etwas genauer zu fassen. Kriterien, die bei den gesellschaftlichen Regeln festgelegt werden, können sein: Das Streben nach Glück, objektive moralische Grundsätze (hier einigten wir uns erstmal auf sowas wie Gesetze, alles weitere wäre zu komplex geworden) oder die Berücksichtigung der Konsequenzen der jeweiligen Handlung. Etwas widerwillig ließ ich auch die Goldene Regel hierbei zu: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Wir sprechen ja immerhin erst von Moral, Ethik ist noch außen vor 😉

Den theoretischen Teil hielten sie tapfer durch, dann kam das Beispiel, an dem sie das alles praktisch ausprobieren durften.

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Bei diesem Dilemma sollten sie entscheiden, ob sie in der Situation geschwiegen hätten oder Dennis doch eher ‚verpetzt‘. Und vor allem: Warum! Denn was wir vorher als Grundsatz festgehalten hatten war, dass jede moralische Handlung einen Grund hat und wir diesen im jeweiligen Fall nicht nur als Hintergrund für die Handlung sondern als ganz konkrete Grundlage betrachten müssen.

Das Beispiel funktionierte gut und die Gruppen waren eifrig am Diskutieren. Sie kamen auch relativ schnell zu einem Ergebnis, wobei eine Gruppe es deutlich schwerer fand, sich auf ein Argument zu einigen. Die versuchten auch das Dilemma zu verändern (siehe gestrichener Teil).

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Das waren die Antworten der vier Gruppen, auf die sie sich letztlich einigen konnten. Wir hatten noch einige mehr, aber ab einem gewissen Punkt musste ich die Masse reduzieren, da man sonst einfach den Überblick verliert. Was auffällig war, waren die Bezugsebenen, die sich feststellen lassen konnten. Ohne, dass ich jetzt Kohlberg irgendwie weiter thematisiert hatte, bewegten sich die Schüler automatisch eher in der Ebene, die man ihnen nach der Theorie zuschreiben konnte. Ihre Begründungen für die Entscheidungen waren konventionell, geprägt von wechselseitigen Erwartungen, im Hinblick auf Beziehungen getroffen und in Orientierung an den jeweiligen relevanten sozialen Gruppen.

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Tafelbild zu den Perspektiven und Motiven (Ja, ich arbeite immer noch an den Tafelbildern :D)

Als wir die Perspektiven für den vorliegenden Fall auflisteten und die jeweiligen Argumente zuordneten, so fanden sie die meisten für die Zweier-Beziehung. Als sie dann im Kurs noch einmal abstimmen sollten, für welche Vorgehensweise sie sich letztlich nun tatsächlich entschieden hätten, so waren sie sich einig, dass sie wohl geschwiegen hätten. Die Hälfte, weil sie sagten, dass es ja ein Vertrauensbruch gewesen wäre, die andere weil sie die Freundschaft nicht aufs Spiel hätten setzen wollen.

Dieses Meinungsbild stellte ich dann noch einmal zur Diskussion. Man würde tatsächlich über Diebstahl hinwegsehen? Eines der weniger angenehmen Argumente war gewesen, dass es ja schon eine strafbare Handlung ist und man sich nicht über das Gesetz stellen kann. Beliebt war der Gedanke bei den Schülern aber nicht. Ich fragte genauer nach, warum sie denn tatsächlich die Freundschaft über Recht und Ordnung stellen würden.

„Na, das ist nur eine CD. Das ist ja nur ne Kleinigkeit.“ meinte eine Schülerin.

„Und das ist mein bester Freund! Der ist mir wichtiger als der Geschäftsinhaber, selbst wenn der mit mir verwandt ist.“

„Wenn man keine Freunde mehr hat, dann ist man ja ganz allein! Der Freund beachtet einen doch nicht mehr, wenn man ihn verraten hat.“

„Hm … gut. Nehmen wir mal an, dass man das in so einem Fall so machen würde. Und eure Gründe sind ja durchaus nachvollziehbar. Warum hat sich das dann nicht durchgesetzt? Warum ist das Klauen von CDs immer noch strafbar?“

Kurzes Schweigen und leicht betretene Gesichter. Dann die erste Meldung.

„Naja, wenn das alle machen würden, dass hätten wir eine unheimlich hohe Kriminalität.“

„Das würde Chaos bedeuten, es gäbe irgendwann keine Gesetze mehr!“

Ich schmunzelte und stellte noch einmal fest: „Und trotzdem hättet ihr euch alle fürs Schweigen entschieden …“

Von Rechts hörte ich einen tiefen Seufzer und ein gemurmeltes „Wir sind halt alle unmoralisch …“ Ich verkniff mir das Lachen und stellte zum Schluss der Stunde noch einmal fest, dass man zwar gewisse Kategorien von ‚richtig‘ und ‚falsch‘ durchaus logisch „weiß“, es sich aber oft einfach ‚richtig‘ anfühlt das ‚Falsche‘ zu wollen. Und das wir uns genau diese Situation noch einmal genauer anschauen müssten für den Fall, wo es keine sogenannten objektiven Grundsätze wie Gesetze gibt, die uns eine Richtlinie für unser Handeln aufzeigen können. Damit hatten wir dann tatsächlich genau die Vorbereitung für die kommende Prüfungsstunde geschafft.

 

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Es tut sich was

Ich komme im Moment mal wieder nicht zum Reflektieren und das wird sich wohl auch nicht ändern die nächste Zeit. Weil ich nun doch Philosophie Ausbildungsunterricht bekommen werde. Yeay! Es ging nun in den letzten Tagen relativ schnell. Sandra hat sich für mich dahinter geklemmt in den ihr bekannten Schulen einmal nachzufragen, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass ich dort Philosophieunterricht besuchen/geben könnte. Und sie war erfolgreich.

Heute traf ich mich mit Frau Frost. Ganz anders als es der Name vermuten lassen würde (ich bleibe hier nur meinem System treu 😉 ), wirkte sie auf den ersten Eindruck aufgeschlossen, sympathisch und etwas aufgekratzt. Wir hatten nicht sehr viel Zeit, aber ich bekam einen Überblick über die beiden Kurse, die nun zur Diskussion standen, eine Q1 am Anfang der Staatstheorie und eine EF in der ersten Sequenz zum Thema Freiheit und Determination und wurde für Morgen gleich einmal zu den ersten Stunden einbestellt. Gleich mitten rein.

Mein Stundenplan wird nun natürlich explodieren, aber ich denke, ich nehme mir dann später zum Examen hin etwas mehr Auszeiten. Von den eigentlich angedachten 14 (Unterrichts-)Stunden in der Woche, komme ich nun auf einmal auf 22. Das werde ich anderweitig ausgleichen müssen.

Von der Fahrtzeit ist es machbar, eine halbe Stunde von mir zu Hause und eine viertel von meiner Schule aus und die Stunden liegen so, dass sie tatsächlich alle in meinen jetzigen Stundenplan hinein passen und sich mit dem Seminarswechsel nichts mehr überschneidet. Ja, mein Kernseminar musste hierfür gewechselt werden. Mal sehen, wie ich mit dem anderen so zurecht komme. Einen logistischen Vorteil hat das ganze auch: Ich muss nur noch einmal die Woche zum Seminarort, da nun Kernseminar und Fachseminare direkt hintereinander liegen. Das wird jeweils ein wirklich langer Tag, aber die weite Strecke zweimal die Woche hat mich schon geärgert.

Abschließend kann ich dann noch sagen, dass ich hoffe, dass morgen der Knoten in der EF bei Frau Klaus wieder platzt. Im Moment ist etwas der Wurm drin, weswegen ich jetzt auch nicht zuerst reflektiere, sondern die Zeit mit Planen verbringe. Ich hoffe, dass ich am Wochenende zur Reflektion kommen werde.

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Und wenn du denkst, du denkst, …

… dann merkst du, dass du deinen Verstand leider an der letzten Windung verloren hast. So dauerte es dann gestern morgen auch etwas, bis mich mein Hirn wieder einholte und ich begriff, warum ich sah, was ich sah: Ein leeres Klassenzimmer. Wo waren meine 9er?!

Das Rätsel löste sich langsam auf, als mir das Schlagwort „Sprachenfahrt“ wieder in Erinnerung geschlichen kam. Richtig, die 9er waren auf Sprachenfahrt. Die ganze Woche schon … und ich hatte in meiner Verplantheit zwar mitbekommen, dass sie auf Sprachenfahrt waren, aber dabei vollkommen vergessen die Verbindung zu ziehen, dass wenn ALLE 9er auf Sprachenfahrt sind, das auch MEINE 9er im Philo Kurs einschließt.

Wer bei den Terminen aufgepasst hat, wird das Problem erkennen: Nächste Woche sollte der UB in Philo sein und ja, genau in diesem Kurs; der ja schon letzte Woche wegen Krankheit meinerseits ausgefallen war; und nun wegen dieser Fahrt erneut ausfällt. Leider habe ich auf meine Mail an meinen Fachseminarleiter noch keine Antwort, in der ich um eine Verschiebung des Termins bat. Mal sehen also, was das werden wird -.-

Die letzten zwei Tage waren eh nicht unter ‚gelaufen wie geplant‘ abzulegen. Es fing damit an, dass ich am Donnerstag (meinem freien Tag schultechnisch) zur zweiten Stunde zur Besprechung mit Frau Klaus verabredet war und die mir im Treppenhaus aufgelöst entgegen kam. Sie hatte einen Unfall gehabt, jemand war ihr draufgefahren und sie fühlte sich nicht gut und würde jetzt erstmal fahren um das abzuklären. Somit war nicht nur die Besprechung abgesagt, sondern ich natürlich in der Pflicht, für den nächsten Tag die Vorbereitung der Einführung des neuen Themas vorzubereiten. Allein. Juhu … nicht.

Etwas besorgt ließ ich sie alleine fahren, mit vermutetem Schleudertrauma keine so gute Entscheidung in meinen Augen und fuhr zur Werkstatt, um Marie durchchecken zu lassen. Meine blaue Dame machte nämlich ordentlich Mucken, was den Anzug und die ominöse Kontrollleuchte anging. Mit einem wahren Schlachtschiff an Jeep kam ich eine gute Stunde später wieder in der Schule an und machte mich an die Planung. In der 5. Stunde wollte Herr König mir Rückmeldung zu meiner geplanten Reihe für den UB in Philo geben.

Es lief alles recht schleppend, wobei Lucas mir einen guten Hinweis für eine thematische Zusammenfassung der amerikanischen Vorstaatlichkeit gab, aus dem ich dann tatsächlich einen brauchbaren Einstieg für den nächsten Tag anfing zu basteln. Die Besprechung mit Herr König war etwas frustrierend, da er mich ziemlich deutlich auf eine Fehlplanung in meiner Reihe hinwies: Es war nicht anschaulich stringent genug. Ich hatte alles sehr praktisch ausgelegt, aber es fehlte der rote Faden – ein Thema was das alles miteinander verband. Die Stunden hatten inhaltlich miteinander zu tun, aber ich war alles etwas zu methodisch angegangen, weswegen nun so der richtige „Anwendungskontext“ fehlte.

Recht hatte er. Ziemlich unzufrieden blätterte ich in seinem mitgebrachten Material herum und ließ mich dann widerstrebend-bereitwillig auf eine Umformung der Reihe gedanklich ein. Ich war ja die ganze Zeit schon unzufrieden damit, wohin sich das Thema entwickelte und gerade für die 9er fand ich den theoretischen Ansatz mit den Syllogismen einfach … bäh. Er riet mir auch davon ab, mich in die Richtung weiter zu bewegen und eher wirklich greifbar mit Beispielen zu arbeiten. Ob ich dem Ganzen nun noch einen Namen gab und Fachwörter einführte, das würde man dann sehen. Aber um zum eigentlichen Kern – moralische Handlung und deren Kritik – zu kommen, brauchte ich keine Syllogismus-Stunde.

Nachdem der Stein aus dem Weg gerollt worden war, fuhr ich nach Hause und arbeitete an der Stunde für Freitag. Nach zwei Stunden fuhr ich zu Maite, die ich ewig nicht gesehen hatte. Und kaum vertieften wir uns ins Gespräch und die Inhalte, da dröselte sich alles auf und die verbleibenden drei Stunden bis zum UB gaben auf einmal Sinn. Der Plan stand, als ich abends nach Hause fuhr und ich merkte wieder einmal, wie sehr mir jemand fehlte, dessen Gedanken meine ergänzen können. Mit Elif klappt es leider nicht so gut.

Nun ja, der Abend zog sich dann noch eine Weile am Schreibtisch bis spät in die Nacht, als auch das letzte Material für die Geschichts EF den nächsten Tag stand. Dann der Moment morgens, als ich in der leeren KLasse stand … das Auto, was nun offiziell zur tickenden Zeitbombe erklärt wurde (Turbolader mit Macke, noch funktionstüchtig, kann jeder Zeit verkanten und den Motor dann schrotten, 2000 € für Reparatur sind aber nicht da), vergessene USB Sticks mit Unterrichtsmaterial, eine semi-ok gelaufene Stunde später und eine Fortbildung nochmal später war dann auch der Freitag vorbei und ich fiel erschlagen ins Bett.

Ich muss so viel noch machen, ich bin aber irgendwie … möp. Mal sehen. Das die Einführungsstunde nicht so toll gelaufen ist, ärgert mich auch. Es lag vor allem am Material und ich werde mit Gruppenpuzzeln leider nicht so recht warm – ich werde die Stunde später noch reflektieren. Viel Potenzial zur Analyse vorhanden.

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Einfach schwimmen?

Dori gibt im bekannten Film bei der kleinen Panikattacke ihres (öfter mal) neugefundenen Freundes dieses simplen Überlebenstrick. Nicht drüber nachdenken, einfach machen. Gerade will das nicht so recht funktionieren. Ich ’schwimme‘ auch, aber das ist ein Zustand, den ich nicht sehr angenehm finde. Und ‚einfach machen‘ will einfach nicht klappen.

Die Reihe für den kommenden UB bewegt sich in eine Richtung, die mir so gar nicht gefallen will. Syllogismen … Schlussfolgerungen … LOGIK. *schüttel* I moag dat ned. *seufz* Und das mit 9ern … *Haare rauf* Joa, ich hänge, aber mal gründlich. Es will mir keine zündende Idee für die Stunde kommen, Lernprogression sollte ja auch noch hergestellt werden und wirklich Substanz hat das ganze auch nicht und … ich habe ein Brett vorm Kopf, fürchte ich.

Überraschender Weise war es Frau Klaus, die mir heute beistand. Generell muss ich ein riesen Lob an sie aussprechen, da sie mir wirklich entgegen gekommen ist. Sie hat sich offensichtlich Sorgen gemacht. Ich war Freitag ja schon wieder krank, die Tage und Wochen vorher regelmäßig angeschlagen oder eben mit kranken Kindern zu Hause bedacht. Man kann nix dran ändern, keine Frage, aber es schlauchte. Freitag konnte ich dann, nachdem ich mich zähneknirschend durchgerungen hatte in der Schule abzusagen (und das nach der Spätschicht, die ich Donnerstags noch bei Elif eingelegt hatte und alles zusammenstückelte, was ich die Stunde bei Frau Klaus zeigen wollte), nichts anderes mehr tun, als die Decke übern Kopf zu ziehen und mich auszuschlafen. Das tat ich dann auch. Und den halben Samstag ebenso.

Frau Klaus schrieb mir noch Freitag Nachmittag, dass sie die angefangene Sequenz thematisch abschließen wollte und ich dann danach erst wieder einsteigen soll. Also ein planungsfreies Wochenende für den Ausbildungsunterricht. Das war entspannt. Heute in der Doppelstunde durfte ich also beobachten und wir kamen wegen dem Rundherum ins Gespräch. Und ich warf ein, dass ich gerne wegen dem nächsten themenkomplex (amerikanische Verfassung und die Ideen der Aufklärung) gerne mit ihr reden würde, da ich da nicht wirklich firm im Thema bin. Darüber kamen wir auf den UB in Philo nächste Woche und ich meinte, dass ich mit Herr König noch sprechen wollen würde, da ich auch dort etwas unsicher war wegen Lernprogression und generellem Inhalt und so.

Sie bot an gerne auch einmal drübergucken zu wollen. Sie wäre nicht vom Fach aber generelle Ideen könnte sie auch geben. Ich nahm dankend an. Und es half tatsächlich. Wir konnten einen der Punkte, die mir schwer im Magen lagen, aus der Welt schaffen, was das geeignete Material anging. Nach der Stunde kam sie dann auf mich zu und bot an, dass ich gerne auch die kommende Stunde am Freitag noch ihr überlassen könnte und mich auf meine Planung für Philosophie konzentrieren sollte. Sie würde sich Gedanken wegen meiner Gesundheit machen und ich sollte doch etwas kürzer treten und so weiter. Und sie hatte Recht. Ich nahm dankend an und wir vereinbarten einen Termin für Donnerstag zur Vorbesprechung der nächsten Sequenz.

Da Herr König heute auf einer Fortbildung für Philosophie weilte, fielen die Nachmittagsstunden in seinem Kurs aus und ich konnte früh nach Hause. Nach einer Badewanne tat ich das gleich wie Freitag: Ich schlief mich aus. Die Erschöpfung hätte ich ohne den Zuspruch von Frau Klaus wohl nicht so ernst genommen, aber wenn man es mir schon ansieht … Dass ich wirklich kaputt war, merkte man ja nun daran, dass ich tatsächlich 5h geschlafen haben – mitten am Tag. Leider hilft es mir wenig für den UB und die Planung desselben. Ich sehe gerade keinen klaren Weg vor mir, wohin ich das führen will.

Dazu kommt jede Menge Zeug Drumherum; neu gekauftes Auto für meinen Freund, was natürlich am ersten Tag einen Defekt hat, den wir nun komplett zahlen müssen weil „gekauft wie gesehen“ blubs Mist und so und die Reparatur meiner alten Dame, die vorgestern meinte uns mal zeigen zu müssen, dass die Motorkontrollleuchte tatsächlich funktioniert (wer weiß was das kosten wird) und eine Chefin, die zwei Monatsgehälter bei meinem Mann im Rückstand ist und meint, dass man das jährlich doch gerne wiederholen könnte, die Mitarbeiter schlucken schon. Dummerweise hat sie Recht, aber das ist eine andere Geschichte.

Hach ja … wird wieder besser, gell?

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(Moralisch) Bewerten, aber wie?

Meine 9er in Philosophie mussten diese Woche einmal ohne mich auskommen, da ich leider am Freitag – einmal mehr – vor Magen-Darm die Segel streichen musste und den Tag komplett im Bett verschlafen habe. Das wirft mich in meiner Planung etwas zurück, da dies der Kurs ist, in dem mein 4. UB stattfinden wird. Wo stehen wir nun also? Die Einstiegsstunden hatte ich hier beschrieben.

Nach einer kurzen mündlichen Zusammenfassung der vorherigen Stunde, bekamen die Schüler dieses Arbeitsblatt zur Wiederholung der Begriffe. Sie sollten zuordnen, um welche Form der Aussagen es sich jeweils handelt.

05_AB deskriptiv präskriptiv normativ.jpg

 

Das klappte relativ gut, viele fanden die unterschiedlichen Konnotationen in den Aussagen und ordneten richtig zu, dass es nicht immer eindeutig zuzuweisen ist.

Wie alltäglich diese Missverständnisse sein können und wie uneindeutig wir selbst manchmal in unseren Aussagen sind, sollten sie in der nächsten Aufgabe herausfinden. Ich legte ihnen folgenden Wortkasten auf, dessen Funktion alle noch aus der Grundschule kannten: Sie sollten eine Geschichte aus den Wörtern schreiben.

folie geschichte.PNGDie Aufgabe stieß auf sehr viel mehr Zustimmung, als ich erwartet hatte. Sie schrieben alle gerne und die eigentlich eingeplanten 15 Minuten wurden zu fast 30, bis alle ihr Werk soweit vollendet hatten, dass sie damit zufrieden waren. Die Zeitplanung war zu knapp gewesen, was mir beim Schreibprozess gleich auffiel, weswegen ich allen, die tatsächlich in der geplanten Zeit fertig geworden waren, direkt die Aufgabe gab, die eigene Geschichte einmal auf beschreibende und wertende Sätze hin zu untersuchen.

Was mich besonders freute war, dass Jori, der als Flüchtling vor knapp zwei Jahren hierher gekommen war, sich auch eifrig mit an die Arbeit machte. Ich sagte ihm, dass er sich 5-6 Wörter heraussuchen soll und damit seine Geschichten schreiben. Das war für ihn Herausforderung genug, da es hier immer noch an Verbendungen und simpler Rechtschreibung haperte. Allerdings nahm er danach ebenso an der Austauschphase teil, wo die Tischnachbarn ihre Geschichten gegenseitig auf beschreibende und wertende Sätze hin kontrollierten.

Zur dritten Aufgabe kamen wir dann natürlich nicht mehr. Die Kinder hatten Geschichten über eine Seite geschrieben und die nun noch einmal umzuschreiben hätte zu viel Zeit beansprucht. Fürs nächste Mal nehme ich weniger Wörter und ein Limit für den Umfang. Wir hörten zwei Geschichten von denen, die sich trauten vorzulesen und sammelten dann die wertenden Sätze an der Tafel.

  • Es war kalt draußen.
  • Es war zum Glück nichts weiter passiert.
  • Gestern war ein total schrecklicher Tag.
  • Dadurch wurde es schon ein wenig besser.
  • Niemals hätte sie gedacht, dass der Unfall wegen Nico passiert ist.
  • Doch dieser Einhornschal war echt zu viel.
  • Er hatte wenig Blut und ist leider gestorben.

Sie sollte in diesen Sätzen die Wörter identifizieren, die sie zu Bewertungen machten und dann die Art von Bewertung nennen, die hier vorliegt. Das klappte ganz gut. Sie entdeckten Bewertungen auf Grund von Gefühl/Empfindungen, Einschätzungen, Wahrscheinlichkeiten und auch des Maßes.

Genau wie vorausgeahnt, hatte es jedoch wenig mit moralischen Wertungen zu tun, worauf die Stunde letztlich hinauslaufen sollte. Ich fragte sie also einmal nach ihrem Begriff von Moral, da ja auf dem Arbeitsblatt auch von (moralischen) Bewertungen gesprochen worden war. Warum stand das in Klammern und wo war der Unterschied zu den Bewertungen, die sie jetzt gefunden hatten?

Es kam natürlich „die Moral von der Geschichte …“, was sie als ‚Empfehlung‘ interpretierten und dann die Wörter ‚Lehre‘ und ‚Regeln‘, die für jeden gelten sollten. Bei den Regeln hakte ich ein und fragte, ob es denn nur Regeln bei Moral gäbe oder ob das Wort wieder mehrere Bezüge haben könnte.

Sie nannten nun Regeln in der Gesellschaft, so etwas wie Höflichkeit und Regeln, die ‚irgendwie wichtiger‘ sind, wie die die Sicherheit, Ordnung und Abläufe in Betrieben zum Beispiel betreffen. Dass es da einen Unterschied gibt, war soweit klar. Wir nannten die Regeln der Gesellschaft Moral und die in Betrieben Vorschriften. Was denn der Unterschied wäre, wollte ich wissen.

„In Betrieben wird bei Verstößen eine Strafe gegeben.“

„Hm, wenn ihr mal an das Lied am Anfang denkt … was passiert denn mit der Frau die einen zu kurzen Rock getragen hat. Wird die nicht ‚bestraft‘?“

„Doch, mit Verachtung.“

„Ist das keine Strafe?“

„Doch …“ Unsicheres Schweigen. Der Nächste versucht es: „Aber das ist ja eine ‚kreative‘ Strafe! Das steht ja nirgendwo, wie man das machen soll!“ – „Oh ja, so wie wenn Freunde sich streiten und einer den anderen nicht mehr mag. Niemand sagt einem, wie man den dann am Besten trifft, das denkt man sich aus.“

„Sehr gut, ihr habt gerade den entscheidenden Unterschied genannt. Was ist so anders an Vorschriften in Betrieben und deren Strafen im Gegensatz zur Moral in der Gesellschaft?“

„Dass man weiß, was man falsch gemacht hat? – Dass man sich die ausdenkt? – Dass die aufgeschrieben wurden?“ (<- Warum immer die Frage-Antworten … ^.^)

Leider war die Stunde da zu Ende und ich verschob die vertiefende Diskussion auf die nächste Woche. (In der ich ja nun krank war.) Insgesamt hat die Stunde leider nicht ganz so funktioniert, wie ich mir das gedacht hatte; der wichtige Punkt, der Unterschied zwischen allgemeinen Bewertungskriterien und den moralischen ist nicht deutlich geworden, da ich mich verkalkuliert hatte. Durch den Ausfall diese Woche, muss ich also am kommenden Freitag alles noch einmal aufrollen und dort wieder ansetzen. Am Besten wird wahrscheinlich sein, wenn ich ihre Antworten nochmal auf Folie ziehe, damit sie vor Augen haben, was wir als Ergebnisse die Stunde festhalten konnten. Danach die Woche ist schon der UB und ich bin sehr gespannt, wie der laufen wird und vor allem, was ich da genau machen werde. Das steht nämlich noch nicht wirklich fest.

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[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Perspektiven und Wünsche?

So, ich habe es nicht in dem vorgegebenen Monat geschafft, bin aber den letzten Beitrag dabei noch schuldig geblieben. Dieser folgt nur, wie alle anderen vorher auch, zum Wochenende nach dem vereinbarten Termin. Ich entschuldige mich für die Verzögerung, aber es war einfach keine Zeit, da ich zu allem Überfluss auch noch krank geworden bin. Im letzten Thema soll es um die Zukunftsaussichten gehen. Da ich das Studium abgeschlossen habe, ist es etwas schwer von Perspektiven zu sprechen, aber etwas Retrospektive hilft hier natürlich weiter 😉

Im Studium selber hatte ich mir wenig Gedanken um den Abschluss und das danach gemacht. Ich wusste, dass das Studium wenig mit der Praxis zu tun hatte und schob dieselbe also erstmal weg. Wozu sich mit Dingen belasten, die nicht aktuell sind und an denen ich eh nichts ändern konnte? Im Studium wünschte ich mir manche Teilbereiche dahin, wo der Pfeffer wächst und besonders das Latinum machte erst in meinen Augen wenig Sinn. Es brachte dann etwas für mein Grammatikverständnis im Großzusammenhang, aber dafür, dass man Latein tatsächlich nicht im Lehramtsstudium für Geschichte, Englisch oder Philosophie praktisch gebrauchen kann, war es viel Stress für nichts. Das wird aber nun tatsächlich geändert, somit sollte man wohl beobachten, wie das die nächsten Jahre gehandhabt wird.

Direkt am Ende des Lehramtstudiums war sicher: Es geht weiter. Ich hatte sehr viele Sozialpunkte (verheiratet, Kinder, Partner hat festen Wohnsitz und Arbeitsstelle), weswegen ich mir sicher sein konnte, dass es mich nicht ans andere Ende vom Bundesland verschlagen würde. Ich gab ganz dreist nur zwei Schulen in direkter Nachbarschaft und einen Seminarort an, zu dem ich gerne wollte. Das habe ich auch bekommen. Angenehm fand ich, dass man garantiert mit bestandenem Abschluss auf jeden Fall ins Referendariat kommt. Ich habe von niemandem gehört, der auf einer Warteliste gelandet wäre.

Direkt zum Ref: Weniger Idealismus was die Zielsetzungen angeht. Ja, wir sind angehende Lehrer und ja, wir halten da die Jugend ‚in unseren formenden Händen‘. Aber deswegen muss man nicht die Messlatten ans Ideal legen. Alle erfahrenen Lehrer, mit denen ich über das Thema bisher sprach, stimmten mir zu, dass man das, was im Ref von einem erwartet wird, frühestens nach 5-10 Jahren Praxiserfahrung so abliefern kann, wie es für den Abschluss gefordert wird. Joa. Das motiviert nicht gerade. Da dürfte sich also einiges gerne ändern. Warum die Ausbildung so stark verkürzt worden ist, versteht auch niemand. Hohe Ziele mit weniger Übung und Anleitung in kürzerer Zeit erreichen … wer findet den Fehler?

Gut, das Referendariat ist ja noch nicht alles. Ein weiterer Schritt zum ‚Ausgebildet-sein‘. Was meine generelle Perspektive nach diesen Ausbildungsabschnitten angeht, so sieht sie etwas unsicher aus. Wir wohnen sehr ländlich. Es gibt zwar Städte in 20-40 Minuten Fahrtzeit rundherum, aber ob ich mit meinen Fächern dort auch wirklich sofort die begehrte Verbeamtungsstelle bekomme … fraglich. Es wird wohl erst einmal auf Vertretungsstellen hinaus laufen und das hoffentlich nicht mit zu großem Abstand nach dem Ref. Ein langer Leerlauf wäre sehr unschön für die finanzielle Situation.

Was man mit Lehramt noch anstellen kann, außer an die Schule zu gehen … ich habe keine Ahnung ^.^ Ein Freund ist mitten im alten Staatsexamensstudiengang Deutsch und Geschichte auf Bachelor umgestiegen, hat die Arbeit geschrieben und arbeitet jetzt für einen großen Konzern (Autoindustrie) in der internen Fehleranalyse mit den Werkstätten (irgendwas mit Kommunikation in 5-6 Sprachen zu technischen Problemen). Eine andere Bekannte ist bei der Zeitung gelandet. Mehrere bleiben an der Uni und promovieren/haben ihre Seele an einen der Profs als ewiger Lakai verloren. Alles nicht so recht ansprechend für mich. Außer Vorletzteres, ich hätte tatsächlich gerne Promoviert. Mache ich später vielleicht noch …

Was meine Wünsche angeht: Rückblickend hätte ich tatsächlich einige. Das System der Lehrer(aus)bildung ist stark reformbedürftig. Das Studium braucht mehr Praxis, ein dualer Studiengang wäre hier wohl eine wirklich gute Wahl. Wenn man anfangs einfach inhaltlich für den konkreten Schuldienst ausgebildet würde, während man direkt in die Praxis einsteigt und dann später ein System greifen würde, dass mehr theoretische Inhalte vermittelt, damit die Lehrer sich auch wirklich weiter bilden und nicht einfach auf dem Status stehen bleiben, mit dem sie aus dem Ref kommen (was die kontrollierte Ausbildung angeht), wäre wohl vielen geholfen. Man würde zu Anfang einen realen Einblick in den Beruf erhalten, man bräuchte sich nicht mit so wahnsinnig umfassen unnötigem Wissen herumschlagen und es würde gleichzeitig eine langfristige Lösung für „Versumpfen der Lehrer im Alltag“ gefunden.


Das war es an dieser Stelle von mir. Es hat Spaß gemacht sich damit noch einmal zu beschäftigen. Ich danke Änschie für den Aufruf und die Anregung.

Wer sonst noch dabei war:

Mein praktische Jahr von Änschie, der Initiatorin dieses Themenmonats.

schreibfischen von schreibfischchen

Luna Umbra

Pflägermeister vom Pfläger

Janines Yogablog

Abgebrochener Bleistift

Rescue Blog von Hermione