Veröffentlicht in Uni

Letzte Schritte …

… durch mein altes Leben. Oder: Wer bloggt hier eigentlich?

Es sind die endgültig letzten Tage meiner Unizeit angebrochen. Gedacht habe ich das schon öfter. Viel zu oft, um ehrlich zu sein. Immer wieder dachte ich, als ein Ende der Kurse abzusehen war „Oh, bald ist es ja schon vorbei …“ und wurde dann doch eines besseren belehrt. Das Latinum war der erste Schritt, der mich auf Umwege brachte.

Wobei Umwege eigentlich andeutet, dass mein Studium vorher gradlinig verlaufen wäre, was eine ziemlich Übertreibung darstellen würde. Ich hatte nach dem Abitur erstmal gearbeitet. Ich hatte nämlich keinen Schimmer, was ich eigentlich machen wollte und war mit meinem Freund zusammen gezogen und vorrangig herrschte somit erstmal der Drang in mir, Geld verdienen zu wollen. Das klappte auch reibungslos, Arbeit ohne viel Umstände gefunden, Festeinstellung zu einem (für meine ‚ungelernten Verhältnisse‘) ordentlichen Gehalt. Nach fast zwei Jahren meldete sich aber meine Voraussicht und teilte mir mit, dass so etwas doch etwas kurzsichtig wäre, eine Ausbildung wäre schon sinnvoller.

Somit begann ich diese in dem Bereich, in dem ich zuvor gearbeitet hatte: Gastronomie. Ich mochte diese Arbeit sehr. Kontakt mit Menschen, hektisch und aufregend, immer in einem gewissen Ambiente und mit immer neuen Begebenheiten. Ich fing eine Ausbildung im Hotel an, dachte auch direkt an später, was man nicht alles machen könnte, Event Manager oder etwas ähnliches. Ich dachte deutlich zu laut. Eine Abiturientin in einem ‚Handwerksberuf‘? Das stieß sehr vielen sauer auf. Dass ich noch von weiterführendem Studium sprach, von den Möglichkeiten, die sich vielleicht mal auftun würden … das brachte letztlich ein Fass zum überlaufen, welches ich ganz unbewusst gefüllt hatte.

Meine offene, unverblümte Art war es letztlich, die mir die Kündigung brachte. ‚Unüberbrückbare Differenzen‘ warf es auf, dass ich eine der älteren Zimmermädchen der unberechtigten Einbehaltung meines Trinkgeldes bezichtigte, nachdem der betreffende Gast mich darauf angesprochen hatte. Offensichtlich hält man als Lehrling die Füße stiller, als mir bewusst gewesen war. Nun ja, ich versuchte es erneut, im nächsten Betrieb wurde mir aber zum letzten Tag der Probezeit gekündigt. Man hatte nur eine günstige Arbeitskraft über die Weihnachtszeit gesucht.

Ziemlich enttäuscht und etwas desillusioniert wandte ich mich von diesem Bereich ab. Einzusehen, dass es an meinem doch sehr forschen Auftreten gelegen hatte und dass ich dieses nur hätte runterfahren müssen, dazu fehlte mir noch etwas die Distanz. Ich verfolgte noch drei weitere Gebiete, aber auch hier wollte sich kein Erfolg einstellen, jedes Mal aus unterschiedlichen Gründen. Man kann also nicht sagen, dass es nur eine ‚Baustelle‘ gegeben hätte.

Letztlich war es meiner Mutter zuviel. Sie wusste, was ich eigentlich machen wollte, was ich aber wegen der finanziellen Belastung nicht wählte. Wir hatten uns schon einen Alltag mit zwei Gehältern aufgebaut, jetzt ein Studium zu beginnen, das schien nicht möglich. Als sie mir dann anbot, mir die nötige Unterstützung zukommen zu lassen, quasi als eine Art Kredit, ‚über den wir dann wenn du arbeitest mal reden können‘, eröffnete sie mir eine Welt, in der ich mich so zu Hause fühlte, wie noch nirgendwo sonst vorher.

escuela de atenas

Ich habe die Uni wirklich geliebt. Es gab so viel zu lernen, ich belegte in den ersten Semester wahllos Kurse, die mir interessant erschienen, ich schaute nicht auf den Plan, den ich nach 3 Semestern locker abgehakt hatte was das Grundstudium betraf und machte Module doppelt und dreifach, einfach weil es so spannend war. Gut, bis auf die ungeliebten Pflichtkurse, da blieben tatsächlich einige auf der Strecke. Ich hatte letztlich schon 4 Jahre studiert, als sich laaangsam Gedanken an das Ende regten und ich mich einer meiner Baustellen widmete: dem Latinum.

Für meine Fächer (Englisch, Geschichte, Philosophie) brauchte ich das große Latinum. Das kleine hatte man offenbar in der Zwischenzeit abgeschafft. Ich hatte Französisch in der Schule ohne Alternativ wählen müssen und stand nun vor einem Berg, den ich halbherzig versuchte neben dem fortlaufenden Studium zu erklimmen. Woran ich scheiterte. Zum Ende meiner Regelstudienzeit fasste ich also den Entschluss, das intensiver anzugehen und besuchte ein Semester lang die kirchliche Hochschule einer Nachbarstadt, wo die armen evangelischen Theologen die drei alten Sprachen Latein, Hebräisch und Griechisch im Schnellverfahren erlernen mussten.

Am Ende dieses Semesters war ich acht Wochen krank. Erschöpfung. Aber Latein hatte sich in meinen Kopf gebrannt und ich startete zum nächsten Termin einen neuen Versuch und bestand die Prüfung. Mit Ach und Krach, aber mehr als einen Stempel brauchte man eh nicht.

Da ich ja so begeistert studiert hatte, war dann auch ohne große Planung das Studium so gut wie abgeschlossen. Allerdings hatte ich mich nicht um Leistungsnachweise gekümmert. Ich musste also knapp 18 Hausarbeiten noch schreiben oder versuchen alternative Leistungen zu erbringen. In einigen Fällen gelang mir das über Klausuren, was eine wirklich dankbare Lösung war. Oder ich konnte den Umfang der schriftlichen Ausarbeitungen durch Vorträge und Referate verringern. Praktikumsberichte in der Rechnung natürlich noch außen vor, da ich mich so in die Theorie vertieft hatte, dass das Praktische (welches mein Studium eh kaum vorsah) sehr unter den Tisch gefallen war.

In den folgenden Praxisphasen merkte ich dann auch, dass es mir wirklich Spaß machte zu unterrichten. Ich hatte viele Ideen, die ich auch umsetzen durfte und der Draht zu den Schülern war schnell hergestellt, trotz der kurzen Zeit, die ich dort jeweils verbrachte. Die theoretische Seite meiner Fächer ließ mich aber auch nicht los.

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Bevor es jedoch zu einer Entscheidung kam, wurde ich schwanger. Endlich, muss man dazu sagen, wir hatten schon ein bisschen nachhelfen müssen in dem Punkt. Und das dann gleich mit Zwillingen. Es war ein Schock, wenn auch ein freudiger und ich plante schon einmal etwas großzügiger, was die Abschlussphasen des Studiums anging. Ich wusste, dass ich tolle Unterstützung haben würde, aber ich wusste auch, dass es sehr stressig wird.

Und damit sollte ich Recht behalten. Ich schaffte in etwas über einem Jahr meinen Abschluss, was trotzdem drei Semester Prüfungen beinhaltete, wenn man von den Phasen jeweils ausgeht. Mit Kindern um, an und auf mir, mit gezwungenen Isolationsphasen, wo ich sie ausblenden musste um fertig zu werden und mit einer Organisation, die ich so von mir noch nicht gewohnt war.

Die Kinder waren das fehlende Etwas, die Portion Motivation, welche ich zum Abschluss meines vorherigen Lebens brauchte. Ich hatte jetzt einen Grund, dass ich etwas effizient, verantwortungsvoll und nachhaltig leisten musste, mich selbst oder meine Beziehungen hatte ich nie als solchen gesehen.

Mein Leben bis zu den Kindern, war schön. Ich habe gerne vor mich hin gelebt, gemacht was mir Spaß machte und mich entfaltet wie ich wollte. Ich habe auch schon das ein oder andere Mal daran zurückgedacht. Wehmütig, kritisch und mit einem Gefühl von sich nach und nach aufbauenden Distanz zu dieser gar nicht so fernen Zeit.

Es war schön.

Jetzt ist es schön. Es ist anders, keine Frage, aber ich liebe es Mutter zu sein. Meistens ^.^ Es hat sich viel verändert, die kleine Wohnung ist einem geradezu riesigen Haus gewichen, wir sind fortgezogen, wir sind eine Familie geworden, wir tragen Verantwortung gemeinsam und wir verlassen uns auf eine ganz neue Art aufeinander.

Und ich bin neugierig geworden. Auf ein Leben, was ich noch nicht kenne, auf eine neue Aufgabe, obwohl ich mir gerade erst eine so große mit den Kindern an Land gezogen habe. Ich wäre sehr gerne an der Uni geblieben und hätte dort weiter gemacht. Leider war die eventuell Stelle dann keine mehr und das ist auch der Grund, weswegen ich nun doch in die Schule gehe.

Das sehe ich nicht notwendigerweise negativ. Ich werde nach der praktischen Ausbildung eindeutig wissen, ob ich dort bleiben will, oder es doch lieber in der Uni versuche. Was ich negativ sehe, sind die ganzen abschreckenden Eindrücke, die ich schon von anderen aus zweiter Hand sammeln konnte. Ich hoffe sehr, dass ich mich nicht verbittert durchbeißen muss.

Etwas, was mir nun definitiv zu gute kommen wird, sind die Erfahrungen von früher. Ich werde wieder in einem Ausbildungsverhältnis stehen und ich weiß, wie ich mir dabei selber ein Bein stellen kann. Ich werde tunlichst versuchen, dass zu vermeiden. Dass wir dabei von einer Charaktersache sprechen, macht es natürlich auch deutlich, dass es mir eventuell nicht komplett gelingen wird, diese doch recht spontanen Gedanken-/ Gefühlsäußerungen zu unterbinden, aber mehr als versuchen, kann ich es eh nicht.


Die letzten Schritte … die letzten Tage in dieser Übergangszeit. Die Motivation lässt mit der nun elften Examensprüfung deutlich zu wünschen übrig, aber Donnerstag werde ich es geschafft haben. Mal wieder ein letzter Tag in meinem Leben.

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9 Kommentare zu „Letzte Schritte …

    1. Sehr nett, vielen lieben Dank 🙂

      Leider bin ich mir der Tatsache viel zu sicher, was in endlosem Prokrastinieren heute geendet hat. Ich mache jetzt besser noch etwas, bevor die Kinder wieder da sind.

      1. Kann ich auch gut. Prokastinieren. Das perfektioniert man im Studium und verlernt es so schnell nicht mehr. 😉
        Zur Not eine panische Nachtschicht und morgen ist auch noch ein wenig Zeit.

      2. Konnte ich tatsächlich schon in der Schule. Seeehr dickes Fell und starke Nerven was das angeht 😉

        Panisch werde ich zwar schon, aber eher so eine Stunde vor der Prüfung. Und für Nachtschichten ist mir der Schlaf zu wertvoll. Ich setze mich lieber jetzt dran ^.^

  1. „Die Kinder waren das fehlende Etwas, die Portion Motivation, welche ich zum Abschluss meines vorherigen Lebens brauchte.“ Toll. 🙂
    Ich wünsche dir viel Erfolg. Der Post hat in mir die Zeit meines Studienendes wieder aufleben lassen. Das war eine wirklich aufregende Zeit – die Gewissheit, etwas geschafft zu haben, und die Zukunft vor den Füßen. Beinahe ein traumartiger Zustand.

    1. Danke für die guten Wünsche 🙂 Bisher läuft es ja recht gut, ich hoffe auch, dass es so bleibt.

      Mein Ende der Studienzeit war letztlich fast antiklimatisch, einfach weil es sich so lange gezogen hat. Allerdings fehlt mir das Studium tatsächlich, ich habe es so gern gemacht *seufz*

  2. Wow, deine Einstellung zur Uni klingt wirklich wie meine, und ich habe auch einige Module doppelt und dreifach gemacht und wurde dafür für verrückt erklärt. 😉 Aber studieren ist so schön! Bin immer noch traurig, dass es bei mir jetzt auch ein Ende haben wird. 😦
    Interessanterweise ist auch das bei uns gleich: „Leider war die eventuell Stelle dann keine mehr und das ist auch der Grund, weswegen ich nun doch in die Schule gehe.“ Mir wurde auch eine eventuell-Stelle angeboten, die jetzt doch keine ist. 😦 Also geht es für mich auch an die Schule, auch wenn ich lieber an der Uni bleiben würde. Und ähnlich wie du habe ich mir die Option offen gelassen, nach dem Ref doch noch mal an die Uni zurückzukehren, aber mal sehen. Finanziell ist die Schule natürlich sicherer…
    Viel Erfolg für deinen letzten Ref-Abschnitt 🙂

    1. Die ‚ich-studiere-so-gern-bezahlt-mich-dafür-Fraktion‘ ist klein aber vorhanden 😀 Inzwischen bin ich fast von dem Punkt weg, dass ich noch mal in absehbarer Zeit in die Uni will. Die Option ist noch im Hinterkopf, aber ich denke es passt in der Schule letztlich besser für mich.

      Danke für die guten Wünsche. Es ist und bleibt ein Auf und Ab im Ref.

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