Veröffentlicht in Uni

Schwebezustand

Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Morgen wird meine letzte Prüfung sein und sie wird eine Phase abschließen, die ich so geschätzt habe. Ich bin ein Mensch, der sehr schnell Zugehörigkeiten entwickeln kann. Ich mochte meine Professoren, Dozenten und Kommilitonen, sogar das alte, klobige Universitätsgebäude. Ich werde sie vermissen, wenn ich nun tatsächlich morgen das letzte Mal die Uni als Studentin betrete. Er fühlt sich weit weg an, dieser Gedanke an das letzte Mal, und doch habe ich das Gefühl, als wäre alles schon Teil eines abgeschlossenen Lebens.

Es ist schwer zu beschreiben. Es macht mich wehmütig und dann auch wieder spüre ich die Erwartung des Neuen. Es drängt geradezu. Es … was ist ‚es‘ eigentlich? Ungeduld und Unsicherheit, eine Erwartung, die sowohl negativ wie positiv gedeutet werden kann und ein Tatendrang, der sich nur durch Unwissenheit erklären lässt. Ich will das, was nun mein Leben, meine Zukunft sein soll angehen, angehen können und es somit fass-bar für meine Hände und meine Vorstellung werden lassen.

Mir gefällt nicht, was diese Ungeduld mit mir macht. Ich möchte das Alte mit dem gebotenen Respekt abschließen, aber ich habe meine Gewissenhaftigkeit vor einigen Wochen schon verloren. Das dritte Fach, welches ich abschließe; eine weitere Prüfung, ein weiteres ‚Gespräch‘, ein weiteres Mal meine Gedanken formulieren und „abliefern“. Wieder bewertet werden und wieder den eigenen Ansprüchen nicht genügen, die der anderen aber dann doch erfüllen. Es stellt mich nicht zufrieden.

Es langweilt mich.

Ich erinnere mich an meine erste Examensprüfung und was für ein nervliches Wrack ich war. Ich hatte den Anspruch ‚perfekt‘ sein zu müssen, ich schloss immerhin mein Studium ab. Trotz des Wissens, dass es Perfektion nicht gibt, oder gerade wegen diesem, spornte mich der Gedanke an und ließ mich arbeiten. „Gib was du geben kannst, teste deine Grenzen!“ Das scheint so weit weg zu sein; Routine hat sich eingeschlichen und mir den Nervenkitzel und die Freude an den Prüfungen genommen. Ganze zwei Tage konnte ich mich für diese letzte Prüfung jetzt noch aufraffen, wo es anfangs Wochen des intensiven Lernens waren.

Und während ich mir das überlege beschleicht mich ein ungutes Gefühl: Wird es später wieder so sein? Wird die Arbeit als Lehrer jemals Routine? Wird es mich langweilen, werde ich meine Gewissenhaftigkeit verlieren? Ich hoffe sehr, dass es einen Unterschied machen wird, ob ich etwas für mich tue, wie nun diesen Abschluss, oder ob ich mich für andere in der Verantwortung sehe und meine Anstrengungen letztlich einem anderen Ziel als mir selbst gelten.

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5 Kommentare zu „Schwebezustand

  1. Ich glaube, bei allem was wir tun, kommt die Routine, sonst wäre unser Nervenkostüm ja dauerhaft überreizt. Die Anspannung vor den ersten Prüfungen ist auch so ein Energie-Hoch, das kann man auf Dauer gar nicht (gesund bleibend) durchhalten.
    Aber im Beruf kommen ja auch immer wieder kleine Änderungen rein, neue Kinder, neue Inhalte, neue Kollegen, neue Anregungen, nur kann man dann selbst bestimmen, wieviel Energie man für eine neue Intensivphase reingeben will. Und je mehr man selbstbestimmt ist, desto besser kann man haushalten, desto mehr Spaß macht es auch meist und so gibt es einem auch viel zurück.

    1. Sicher Routine ist ein starker Entlastungsmechanismus, da gebe ich dir absolut recht. Ich wollte damit nicht ausdrücken, dass ich jedes Mal fix und fertig sein will, wenn meine Leistungen gefragt sind 😉
      Gerade auf die Änderungen und Abwechslung im Beruf zähle ich. Natürlich möchte ich eine positive Routine entwickeln, die es mir ermöglicht schnell und effizient zu arbeiten, keine Frage, aber ich möchte nicht, wie jetzt am Ende des Studiums den Sinn für und in meinem Arbeiten verlieren. Nicht einmal die überdurchschnittlichen Ergebnisse haben mich jetzt letztlich noch motiviert, ich sehe einfach keinen Zugewinn in dieser stupiden Leistungsabfrage und Beurteilung. Und doch wird das mein täglich Brot werden, genau dies bei Schülern zu leisten.
      Ich werde mich nachdrücklich damit auseinander setzen müssen.

      Gerade der Gedanke mit dem ‚zurück geben‘ ist einer, auf den ich sehr in der Praxis gespannt bin. Benotet zu werden hat mir persönlich nämlich kaum einen Mehrwert gebracht, musste ich feststellen.

  2. Ich kann absolut nachvollziehen, was du damit meinst, schnell Zugehörigkeiten zu entwickeln. Ich bin da sehr ähnlich.
    Ich weiß nicht, ob die Arbeit als Lehrperson jemals wirklich zur Routine werden kann. Bis zu einem gewissen Grad sicher, aber ich denke, im Lehrberuf gibt es so viele Facetten, sodass dieser stets für eine Überraschung gut ist.
    Jede Klasse hat ihre ganz eigene Dynamik und viele verschiedene Persönlichkeiten. Grundmuster werden sich bestimmt wiederholen, aber es ist doch immer wieder etwas Neues.
    Diese Abwechslung ist einer der Gründe, warum ich Lehrerin werden möchte. Ich glaube, dass das ein Beruf ist, in dem ich mich zumindest nicht langweilen werde. Ich glaube, dass es der schönste Beruf der Welt ist.

    1. Ich hoffe auf ähnliches. Sicher, jeder Beruf bringt seine Eigenheiten und somit auch Ähnlichkeiten mit, aber da es ein Kontakt mit Menschen ist, und ein sehr intensiver noch dazu, hoffe ich, dass ich dadurch gefesselt werde und ‚der Geist wach bleibt‘, um es mal so auszudrücken.
      Meine Langeweile lag wohl jetzt auch einfach dadran, dass mir das Studium von den Anforderungen her als ‚zu leicht‘ erschien. Lernen an sich ist auch immer etwas neues, keine Frage, aber das System was daran hängt – es war nicht mehr zufriedenstellend.

      Du klingst sehr positiv, das liest sich gut 🙂 Der schönste Beruf der Welt … ich schaue mal nach einiger Zeit mit Erfahrungen diesbezüglich und werde mir dann ein ein Urteil darüber erlauben.

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