Veröffentlicht in Lehrer, Referendariat

Deplatziert

Ich bereitete mich gerade auf die zukünftige Schule vor und erstellte eine Mappe mit den wichtigsten Infos; Lageplan der Gebäude, Kürzelliste und Fachzuordnung des Kollegiums, Raumpläne und Vorgaben für die Hausaufgaben, als ich über das aktuelle Gruppenfoto des Lehrerkollegiums stolperte. Und da traf es mich: Was soll ich eigentlich die nächsten Monate/Jahre anziehen?

Das mag jetzt böse klingen, aber es ist nicht zu leugnen, dass es einen gewissen ‚Stil‘ gibt, der einen als „Lehrer“ erkenntlich macht. Und der scheint gerade an meiner zukünftigen Schule durchweg einheitlich vertreten zu werden. Wie kann es denn sein, dass die Lehrerinnen dieses Kollegiums es (fast) samt und sonders geschlossen geschafft haben, sich optisch einander anzunähern? (Und warum sind die tatsächlich alle blond?!) Ich versuchte mich in der Gruppe auf dem Foto irgendwo zu positionieren … und scheiterte. Ich würde auffallen wie ein bunter Hund, alleine schon wegen der Haarfarbe.

Wie können von 66 Personen nur knapp 11 eine Tendenz ins Bräunliche aufweisen und der Rest geschlossen in einem blond-straßenköter Farbton versinken? Ich kehre auf keinen Fall zu meiner natürlichen Haarfarbe zurück, soviel sei hier direkt einmal klar gestellt, sollte wirklich jemand wegen des roten Scheins, der mein Haupt seit über einem Jahrzehnt nun ziert, an mich heran treten. 

Dezent beunruhigt fing ich an zu googeln und wurde schnell fündig. In etwa richten sich die ‚Dos and Don’ts‘ nach diesen Kriterien:

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Muss ich ein weiteres Fach studieren, um mich sicher an den Dress Code halten zu können? Mal abgesehen davon, dass mein Kleiderschrank im Moment wirklich nicht so viel hergibt, wie ich nach einer kurzen Notsichtung etwas niedergeschlagen feststellen musste. Es befinden sich eher Kleidungsstücke darin, in der Mehrzahl Röcke, deren Farbe, Form und Schnitt ich im Bereich von ‚Individuell‘ einordnen würde. Dafür nur noch eine passende Bluse. Eine heile und zwei kaputte Jeans, und sehr viele Stoffkleider, deren Länge nicht der hier geforderten entspricht. Und davon mal ab: Wer besitzt denn bitte knielange Röcke? Freiwillig?!

Will ich meinen Kleidungsstil anpassen? Will ich mir überhaupt so viele Gedanken darum machen (müssen)? Ich hatte keinerlei Ausgaben für so etwas eingeplant und da es bei uns eh nicht so üppig ist zur Zeit, wäre es auch nicht drin, mir gleich mehrere neue Outfits zuzulegen. Somit nimmt mir mein Geldbeutel da wohl die Entscheidung ab und ich lasse es drauf ankommen.

Gespannt, ob es diesbezüglich Kommentare geben wird, bin ich aber nun schon.

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12 Kommentare zu „Deplatziert

  1. Die Kleiderfrage hat mich auch sehr beschäftigt.
    Es hängt immer von der Schule ab finde ich. Meine Ausbildungsschule ist ein Gymnasium, das schon eher – ich nenne es mal – gutbürgerlich ist. Ich würde hier niemals jedes meiner Kleidungsstücke tragen. Aber schon einige. Ich verkleide mich nicht. Meine Lehrerpersönlichkeit besteht schließlich auch aus MEINER Persönlichkeit.
    Ich finde so lange die Kleidung sauber und ordentlich ist, keine Teile, die gerade die Schüler tragen und es nicht zu kurz und tief ausgeschnitten ist, geht erst mal alles. Ich trage auch eigentlich nur Röcke und Kleider. Meistens gemusterte/bunte Röcke mit unifarbenen Longshirt.
    Bin gespannt für was du dich entscheidest!

  2. Die Schule klingt sehr ähnlich zu der, an der ich mich wiederfinden werde. Ich möchte mich auch nicht verkleiden, aber ehrlich gesagt, werde ich das ein Stück weit müssen, auch nach den Kriterien gehend, die du da nennst. Allein das mit der Rocklänge … Meine Röcke/Kleider gehen bis Mitte Oberschenkel; die meisten zumindest. Bei anderen würden sie wohl kurz überm Knie enden, aber dafür bin ich einfach nen Stück zu groß 😉 Eng geschnitten sind sie alle.

    Wahrscheinlich tragen die Schüler etwas anderes, da muss ich erstmal gucken, ob es da Überschneidungen gibt, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Ich werde wohl mal nach Lösungen schauen, wobei alleine der Hosenkauf schon wieder etwas werden wird, wo ich mich regelmäßig vor drücke … Hach ja, alles nicht so einfach.

    Wofür ich mich entscheide … wie angemerkt, viel Geld zum Ausgeben gibt es aktuell auch nicht. Ich werde es wohl wirklich erst mal probieren und auf Reaktionen warten.

  3. Das erste was ich dachte war:man bist du organisiert (Gebäudeplan vorbereiten…) Zur Kleidung kann ich nicht so viel sagen, aber Röcke bis Mitte Oberschenken empfinde ich durchaus als ziemlich kurz 😀 Kommt aber drauf an, was man dazu trägt. Bei Jeggins, Leggins oder sowas ist das ja nicht von Bedeutung, bei einer Strumpfhose hingegen schon.

    Ansonsten würde ich nach dem Motto arbeiten: Es ist Arbeitskleidung, sie sollte in erster Linie Respekt verkörpern.

    1. Hm, ich habe Leerlauf gerade und weiß um meine ab und an auftretende Verplantheit. 😀 Da ist es gut, wenn ich Namen direkt zu Gesichtern notieren kann oder weiß, in welche Ecke des Gebäudes man gerade versucht mich zu schicken.

      Was die Rocklänge betrifft: Nein, ‚Haut‘ zeige ich dabei nicht, da gehören Leggings in farblich passend drunter meiner Ansicht nach. Über Respekt habe ich mir noch nie groß Gedanken machen müssen, aber mir wurde schon eine ‚Aura‘ bescheinigt, die eben diesen wohl einfordert.

      Wobei mir dein letzter Gedankengang durchaus gerade zu Denken gibt. Ich habe die letzten Monate als VHS Lehrerin gearbeitet nebenher. Ich weiß, dass ich bei Erwachsenen kein Problem mit meinem Auftreten habe. Ich werde testen, ob es bei Kindern einen Unterschied machen wird 🙂

      1. Je weniger Bein du zeigst, desto mehr werden sich Pubertiere wohl auf deine Persönlichkeit konzentrieren können… 😀 Es spielt vieles hinein, wie man sich kleidet.

      2. Dann werde ich mich nach und nach darauf einrichten müssen, sollte es sich tatsächlich als störend für das Unterrichtsgeschehen herausstellen. Dass die Faustregeln einen gewissen Alltagswert haben, will ich ihnen nicht absprechen. Aber es ist gerade wirklich nichts übrig, was ich in ‚gemäßigtere‘ Kleidung stecken könnte.

  4. Im Übrigen: nach Zwillingen noch enge Kleider tragen zu können ist ja nicht schlecht 😀 Könnte man fast ein bisschen neidvoll blicken 😉

    1. Ich hatte Glück und habe nichts zugenommen, was nicht spätestens 2 Wochen nach der Geburt wieder weg war. (Was in etwa 20 kg Wasser gewesen sind, neben den ~10 Kilo Kinder und Co.) Wäre das anders gewesen, hätte ich die gefürchteten Schwangerschaftskilos wohl noch drauf, Disziplin beim Essen habe ich nämlich nicht 😉

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