Veröffentlicht in Referendariat

Der erste Tag

So, nun bin ich also Beamtin. Auf Widerruf. Welch einen verantwortungsvollen Posten man uns damit anvertraut, wurde dann auch gleich als erstes betont. Nachdrücklich, mit erhobenem Zeigefinger und allerlei Geschichtchen aus dem Alltag, wo es durch Trunkenheit am Steuer zur Entlassung aus dem Beamtenverhältnis gekommen war und auch das Telefonieren oder Chatten während der Fahrt, musste noch nachdrücklich verteufelt werden.

Dieser Teil des Vortrags ging etwa eine halbe Stunde und ich begann mich allmählich zu fragen, ob nun tatsächlich ein Schritt ins Berufsleben beginnen sollte, eigenverantwortlich vor zu erziehenden Minderjährigen oder ob man doch gerade eher wieder in die Schülerrolle zurück verfallen war, für die es sich als notwendig erwies, dass der feste Griff einer väterlichen Hand sich um das eigene Handgelenk schloss, mit der Intention uns auf den rechten Weg zurückzuführen. Wir, die wir irgendwo bereits fehlgegangen waren. Eine erschöpfende Definition von ‚amtsangemessenem Verhalten‘ hatte unser Seminarleiter damit auf jeden Fall  für den Punkt ‚der Beamte und das Auto‘ abgeliefert. Ich fragte mich im Stillen, ob er wohl in weiteren denkbaren Unterpunkten ebenso gründlich sein würde, wenn sich ihm die Gelegenheit einmal böte.

Danach waren wir dann soweit, dass uns der Eid abgenommen werden konnte.

Ansonsten muss man aber sagen, dass er der väterlichen Rolle auch in positiver Hinsicht gerecht wurde. Wenn es irgendeine Form von Schwierigkeiten, Überforderungen, Auseinandersetzungen, etc. pp. geben sollte, so solle sich niemand scheuen zu ihm zu kommen. „Wir regeln das dann schon!“ Immerhin da habe ich ihm jedes Wort abgenommen. Er war augenscheinlich sehr stolz auf die Art der Betreuung, die man an ’seinem‘ Seminarort leisten würde und lobte nicht übliche Zwischennoten und Ausbildungsgespräche zur eigenen Einschätzung. Transparenz sei ihm sehr wichtig.

Wo ich dann doch schmunzeln musste, war sein Kommentar zur Schwangerschaft. „Haben Sie keine Angst schwanger zu werden! Das ist alles gar kein Problem, die Welt wird nicht untergehen, wenn Ihnen dass in der Ausbildung passieren sollte.“ Es klang fast so, als wolle er dafür werben, dass wir doch etwas länger bei ihm verbleiben sollten und gerne ein Jahr Elternzeit mittendrin nehmen könnten. Alles gar kein Problem 😉

Er warnte eindringlich davor, dass man sich nicht vor jeden Karren spannen lassen sollte und wies auch gleich auf unsere Rechte gegenüber der Ausbildungsschule hin, sollte man es dort damit mal nicht so genau nehmen.

Den Rest des Vormittages verbrachten wir dann in unseren Kernseminaren, wo wir erste Kennenlernrunden in lockeren Gesprächen absolvierten und die Fühler ausstreckten, wen man von nun an wohl öfter sehen würde.

Vorkommnisse/Erinnernswertes:

  • Wie es so meinem Geschick zu entsprechen scheint, durfte ich diesen ersten Tag, mit einer optischen Auffälligkeit begehen, die später natürlich auf dem Gruppenfoto festgehalten wurde. Wie immer, wenn die Haut um meinen Mund herum stark gereizt wird, hatten sich nach der langwierigen Erkältung/Halsentzündung Herpesbläschen an der Oberlippe gebildet. Tatsächlich symmetrisch an beiden Außenlinien, aber es sah trotzdem aus, als wäre eine Botox-Behandlung schief gegangen.
  • Zufällig saß ich neben einem ebenfalls PC begeisterten Mitreferendar, was angenehme erste Gespräche entstehen ließ.
  • Es gibt tatsächlich Fachseminare mit drei, zwei oder sogar nur einer Teilnehmerin. Das stelle ich mir eigenwillig vor. Mal sehen was die Glückliche (?) berichten wird.
  • Das Gebäude ist in der Altstadt gelegen und außer unmöglich kleinen Kopfsteinpflastergassen, gibt es noch das Gimmick eines Parkplatzes in der Nähe (des einzigen(!) Parkplatzes in der Nähe), der um 19 Uhr die Schranken dicht macht, während unser Seminar natürlich um 19 Uhr enden wird. Besonderheit: Der Automat nimmt ausschließlich 2 Euro Stücke. Das wird interessant.
  • Ich konnte das Vorurteil bestätigt finden, dass man bei einigen Menschen (immer noch) die erste Regung verspürt sie zweifelnd ob ihres Berufswunsches zu betrachten. Drei der anwesenden ‚Herren‘ sahen aus, als könnte man sie direkt in die 11. Klasse stecken und eine Mitreferendarin hat mir in dem Moment, wo sie anfing zu sprechen, ein Augenrollen entlockt, weil sie zu 99% dem Klischee der strengen Oberstudienrätin entsprach. Ich bin sehr gespannt, was sie aus ihrem Schulalltag berichten wird.
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3 Kommentare zu „Der erste Tag

    1. Ich war auch etwas überrascht, als er damit anfing. Ich habe es tatsächlich mal überlegt, ob das Ref wohl ein Zeitpunkt für Nr. 3 wäre. Ich schaue erstmal wie sich die Ausbildung so entwickelt. Ich musste aber schmunzeln, wie sehr er sich da in Aufregung geredet hatte. Er sieht uns glaube ich eher als seine Schützlinge und weniger als Auszubildende.

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