Veröffentlicht in Referendariat

Dem Schüler-Dasein entwachsen …

… oder doch nicht? Ich habe mich heute etwas geärgert und dass letztlich auch kundgetan. Ich meine, ich befinde mich in einer Phase meiner Ausbildung, in der ich praktisch als Lehrerin eingesetzt werden soll und aktiv tätig bin. Es ist nicht mehr der theoretische Teil meiner Berufsausbildung, durch den man noch mit der Arbeit anderer kommen kann, wo Aufgaben auch mal geschoben werden können und man verschlossen für sich vor sich hin huddelt. Dachte ich …

Wie kann es sein, dass in einer fünfer Gruppe angehender Referendare, bei der Möglichkeit Unterricht zu übernehmen, der durchgeplant, mit Material versehen und abseits jeglicher offizieller Bewertung, dafür aber mit ordentlich viel Rückmeldemöglichkeiten, eine verhaltene bis gezwungene Reaktion von „also wenn ihr wollt, dann mache ich das …“ erfolgt?! Ok, man ist erst einmal höflich … lässt anderen vielleicht den Vortritt, wenn diese das lieber wollen, man überlegt wer noch nicht viel Erfahrung hat und das eventuell mal nutzen will … aber nein, die Reaktion ist gleich der einer Strafversetzung.

Wir wollen Lehrer werden, da kann man doch erwarten, dass man sich vor Gruppen von Menschen wohl fühlt, sich gerne in die Materie seines Faches stürzt und so eine geschenkte Option mit Kusshand nimmt. Nein, es wird gedruckst, Blickkontakt wird ausgewichen und in der Vorbereitungsphase zwar viel geredet, aber wenig gemacht. Ich kam mir letztlich vor wie in der Uni in diesen verhassten Referatsgruppen. Das Verhalten war 1:1 das gleiche, nur dass ich irgendwie erwartet hatte, dass es sich so langsam in der Phase der Ausbildung so gestalten würde, dass diese lehr-unwilligen Personen ausgesiebt worden sind.

Den Grund für das Verhalten verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Unsicherheit, weil die anderen Mit-Refis zugucken? Unsicherheit generell, was ein höchst unschönes Grundproblem darstellen dürfte für die kommenden 18 Monate. Antipathien gegen die Klasse kann es nicht sein, sie waren während unserer Hospitationen immer wahre Engel. Der Fachlehrer wird sich auch früher oder später ein Bild von der Lehrerpersönlichkeit, von den eigenen Stärken und Schwächen machen. Ob das nun drei Wochen früher oder später passiert …

Naja, wie dem auch sei, da mir die Geschichte letztlich zu dumm wurde, halten die beiden, die letztlich schon regelmäßige Unterrichtserfahrung haben, eine andere Referendarin und ich, die Stunde. Mal schauen, was das wird.

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11 Kommentare zu „Dem Schüler-Dasein entwachsen …

  1. Ich denke es ist tatsächlich dieses der 1. sein, was die verzögerten und verhaltenen Reaktionen hervorruft. Viele haben keine bis kaum Praxiserfahrung und wollen lieber erst mal gucken, was die anderen so machen. Schließlich steht man als Lehrer auf einer Bühne und ist vielen aufmerksamen Blicken ausgesetzt, bekommt (konstruktives) Feedback und entblößt sich auch ein wenig. Da haben wohl auch Berufsfans zu Anfang noch Respekt und Bammel. Kann ja auch ordentlich schief gehen.

    1. Jeder hat im Studium schon Praxiserfahrungen gesammelt. Bei mir war es unglaublich wenig, da ich noch nach alter Studienordnung studiert habe, aber da wurde nach und nach immer mehr gedreht und etwas praxislastiger gemacht.

      Und gerade wenn einem angeboten wird, dass man es einfach ausprobieren kann, ohne Konsequenzen, dann verstehe ich das nicht. Der Fachlehrer hat extra betont, dass er sich zwar für Rückmeldung Notizen machen wird, diese aber nach der Reflexion wegschmeißt. Das ist ein Freiversuch.

      Klar, es ist der erste und bei den kommenden, sind die anderen Referendare nicht mehr dabei … aber trotzdem …

      1. Ja, ich kann deinen Unmut verstehen. Bin auch eher der Typ, der sich schnell freiwillig meldet. Aber ich glaube einfach das sich da schon das Einzelgängertum des Lehrers abzeichnet… so als Einstellungen von vornherein. Gut finde ich das auch nicht. Aber wird dir wohl noch öfter auffallen.
        Hängt aber auch von den Fächern ab.

      2. Inwiefern von den Fächern?

        Ich nehms einfach so hin und die Chance als das was sie ist: eine Chance ^.^ In dem Fall für mich. Wer nicht will, der hat schon 🙂

  2. Ich kann das schon verstehen; nur weil die Uni jetzt vorbei ist, verwandelt sich ja niemand, der vorher schon ungern Referate etc. gehalten hat, plötzlich in eine Rampensau. Trotzdem sollte jedem klar sein, dass man bestenfalls bis zur Rente da vorne steht, also sollte man schon jede Möglichkeit zum Üben ergreifen, insbesondere wenn eh „nichts“ davon abhängt. Von daher kann ich Deine Frustration total nachvollziehen.

    1. Natürlich, da gebe ich dir Recht. Aber genau das ist mein Problem. Im Studium hat man ja auch die Fachwissenschaftler immer darunter und ich habe schon immer gedacht „Ok, der/die hat eben eher den Zugang zur Theorie.“ Im verstaubten Kämmerlein kommt man damit auch gut zurecht, Studenten können auch aus dem undidaktischten, eben dahin genuschelten Vortrag noch etwas rausziehen, aber doch keine Schüler! Man stelle sich die durchaus lebhaften unteren Klassen vor, oder die vollpubertierende Mitte … wie will man solcher Charaktere Herr werden, wenn man sich nicht traut, sich nicht ein wenig inszenieren kann, sie nicht etwas mitreißt und da nicht mit Nachdruck auftritt?

      Sicher, wir haben jetzt noch 18 Monate, in denen wir die Praxis üben, uns weiterentwickeln und da dazu lernen können. Aber so eine gewisse Grundlage braucht man an dieser Stelle einfach schon. Und jemand, der vorher schon bei Referaten gemerkt hat „Hm, mach ich eigentlich gar nicht gern.“ der hätte gleich mal weiter überlegen sollen, ob das Lehrerdasein so das Wahre für später ist.

      1. Absolute Zustimmung. Was die Theorie angeht, war ich nie die hellste Kerze auf der Torte, aber vor Klassen hab ich mich immer wohlgefühlt. Das stelle ich mir hart vor, als Theoretiker in die echte Welt zu kommen und dann festzustellen, dass das eigentlich gar nichts für einen ist.

  3. Ist bei uns nicht anders. Das ist einfach die Angst, sich zu blamieren, Fehler zu machen… Am liebsten macht „man“ ja alles erst dann, wenn man zu 100% darauf vorbereitet ist und dann sicher sein kann, dass alles gut läuft. Niemand macht gerne Fehler, wenn andere zugucken, erst recht keine Leute, die „besser“ (Lehrer) oder zumindest genauso gut (Mitreferendare) sind und sofort sehen „was man noch nicht kann“Sich trotzdem zu überwinden ist natürlich erwachsener. Und erwachsen sollte man nun doch schon langsam mal sein 😀

    1. Ja, es ist natürlich ein gewisses Risiko damit verbunden. Vielleicht ist die Sicht auch nicht so da, dass dies so ziemlich die einzige Zeit sein wird, wo man Rückmeldung zu seinem Verhalten und seinen Fähigkeiten bekommt. Später steht man da alleine. Es ist so viel verschenktes Potenzial, wenn man das jetzt nicht nutzt …

      100% ist man glaube ich nie vorbereitet in dem Beruf ^.^ Der Illusion sollte man sich wahrscheinlich möglichst fix entledigen.

  4. Auweia, was kommt da auf meine Kinder zu. Aber ehrlich, meine Tante war ambitionierteste Lehrerin überhaupt, mit Graffiti AG, Berufsmesse veranstalten mit Ausstellern wie Deutsche Bahn und Coca Cola und sie hat sich bis zu ihrer Pension über die sich zurück haltenden und zurück lehnenden Lehrertypen aufgeregt. Ich befürchte, du wirst es noch häufiger erleben.

    1. Ja, das befürchte ich auch.

      Was ich in dem Zusammenhang interessant fand: Auch eine Freundin, die bereits fertig ist und selber Referendare beaufsichtigt und ‚coached‘, erzählte etwas von „dem November-Jahrgang“. Ihrer subjektiven Empfindung nach, häufte sich gerade bei diesen Anwärtern Lustlosigkeit, Planlosigkeit und fehlendes Gespür für die auszuübende Arbeit.

      Bisher kann ich von meinen Referendaren an der Schule nichts schlechtes berichten. Es wird letztlich wohl überall ähnlich sein: Es gibt gute und schlechte …

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