Veröffentlicht in Ausbildung, Referendariat

Hm …

Das fasst meinen Tag gestern wohl gut zusammen. Ich schwankte von desillusioniert in zarten Ansätzen, zu Sorge und auch an der Empörung habe ich gekratzt. Was war passiert? Nun, wir haben im Unterricht unseres Philosophie Fachleiters hospitiert.

Und ja, ich habe es genauso desaströs empfunden wie das nun geklungen hat. Ich war die Tage immer mit einem kleinen Grummeln im Bauch nach Hause gefahren, konnte aber nicht festmachen, woran das wohl lag. Nun weiß ich es ziemlich genau: Wir sind grundlegend verschiedene Persönlichkeiten. Und sein Unterricht hatte dermaßen viele Elemente, wo ich mir dachte „Das geht doch nicht!“, dass mir ziemlich anders wurde. Der Herr wird mich bewerten. Es wird niemanden geben, der dabei eine zweite Instanz sein wird, sein Urteil für das Fach Philosophie wird mein Gesetz sein. Ich musste schlucken.

Noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen, ich warte sehr gespannt auf Donnerstag in der kommenden Woche, wenn ich eine Probestunde zeigen werde und er mir seine Kritik dazu sagen wird. Ich habe meine wohlweislich sehr zurückgehalten. Er wollte von uns ehrliche Bewertungen der Stunde hören und ich war mir (glücklicherweise, es ist ja keine Seltenheit bei mir, dass es NICHT vorteilhaft ist, dass ich so ehrlich bin) bewusst, dass ich es tunlichst vermeiden sollte die Art und Weise seines Umgangs mit den Schülern, also seine Person direkt über sein Verhalten, zu kritisieren.

Der zweite Dämpfer kam dann in der Stunde, die wir am Nachmittag bei dem dritten Fachkollegen an der Schule gesehen haben. Der Kurs war von den Leistungen her gesehen, der schwächste, es war drückend ruhig und ich hatte stark den Eindruck, dass die Schüler nicht ‚miteinander können‘. Eine unangenehme Atmosphäre auf jeden Fall. Diesen Kurs habe ich dann Donnerstag für meine Stunde, die wahrscheinlich zum Erich Fromm Text gehalten wird. Ich muss mir noch etwas einfallen lassen, wie ich die Leute aus der Reserve locken kann.

Was den Kollegen anging: Man merkte doch sehr, dass er Quereinsteiger war und von Philosophie eigentlich vorher nichts gehört hatte. Er hatte Kunstgeschichte studiert, unterrichtete aber nun Philosophie; wohl weil er schon mal eine Vorlesung besucht hatte im Studium. Ich war wieder sprachlos.

Einen positiven Gedanken hatte ich jedoch nach dem Tag gefunden: „Gut, dass dies nicht deine Ausbildungsschule sein wird.“ Ich bin ehrlich froh, dass in dem Feld noch alles offen ist. Ich finde es schade, dass ich nicht ins bilinguale Unterrichten reinschnuppern kann, was an der Schule standardmäßig für Geschichte und Erdkunde angeboten wird. Bei meiner Fächerkombi hätte sich das ja geradezu angeboten. Aber ich bin froh, dass ich zwischen vier Kollegen als Mentoren wählen können werde und zwei davon zumindest eingefleischte Philosophen zu sein scheinen. Ich habe ein wenig recherchiert und die Herren tun auch in ihrer Freizeit einiges für ihre Passion.

Was ich mitgenommen habe von dem gestrigen Tag:

  • Ein Lehrer muss in meinen Augen neutral sein. Ich möchte als Lehrer nicht auf Geschlechterklischees zurückgreifen, selbst mit der positiven Intention der ‚Motivation‘. Ich denke, dass ein Lehrer bei Konflikten, die sich von Gruppen in der Klasse gegen Einzelne richten, eingreifen muss und dass gerade in Philosophie, wenn sich die Herabsetzung auf Meinungen oder Ansichten beziehen.
  • Ein Lehrer muss Respekt verkörpern und zollen. Ich möchte nicht flapsig mit meinen Schülern umgehen und ihre Probleme, vor allem wenn sie durch meinen Unterricht aufkommen und an mich heran getragen werden, gehen mich im Unterricht IMMER an. Ich finde es nicht angemessen, wenn Lehrer einen Arbeitsauftrag geben und dessen Durchführung dann torpedieren, da sie in jeder stillen Minute anfangen müssen, Geschichten über ihre Jugend und ‚wilden Tage‘ zum Besten zu geben.
  • Es gibt sehr unterschiedliche Arten an Philosophieunterricht heranzugehen. Dies meine ich erstmal wertfrei. Ein Gedankenanstoß, den ich mitgenommen habe war, dass man Philosophieunterricht auch mit freiem Philosophieren gestalten kann, dieses aber ziemlich schwer ist mit Leistungskontrolle und demnach Bewertbarkeit in Einklang zu bringen. Etwas was ich mir noch schwierig für mich selbst durchführbar vorstelle. Das will ich somit etwas im Fokus behalten.
  • Authentizität/Distanz. Dies meine ich im persönlichen Sinn. So wie ich mich vorher darüber schon ausgelassen hatte, wie man zu seinem eigenen Schutz Distanz zu den Problemen der Schüler herstellen muss, sollte man auch eine gewisse Distanz im Umgang mit denselben wahren. Ich weiß, dass es verschieden geartete Lehrerpersönlichkeiten gibt, aber Vokabular, Thematik und Sprachstil sind Dinge, bei denen der Lehrer sich nicht wie die Schüler verhalten sollte. Besonders, wenn man ihn sonst anders erlebt hat und man somit merkt, dass er sich von einer Person zur anderen gewandelt hat, als er vor die Klasse trat.

 

Ich bin gespannt, wohin mich der Weg noch führen wird. Mein Schild hat bereits seinen ersten Einsatz erfahren … IMG-20160521-WA0002

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2 Kommentare zu „Hm …

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