Veröffentlicht in Ausbildung, Referendariat

Ende der Intensivwochen

So, diese Phase, der Einstieg ins Referendariat, ist somit vorbei. Der erste Monat verging sehr schnell, was wohl auch den häufig wechselnden Orten, den vielen neuen Gesichtern und dem insgesamt spannenden neuen Abschnitt meines Lebens geschuldet sein dürfte. Genau einen Monat ist es her, dass ich abends noch gespannt an die Vereidigung am nächsten Tag dachte und mich fragte, ob die ‚Referendariats-Hölle‘ wohl gleich auf mich hernieder prasseln würde, oder ob ich noch eine kurze Schonfrist bis nach den Sommerferien erhalte. Nun, bisher scheint letzteres zuzutreffen, ich fühle mich erstaunlich wenig gestresst. Es gibt mehrere Dinge, die ich trotz gutem Einstieg nicht so schön fand, aber wirklichen Druck baut bisher keines davon auf.

Nur ein wenig grollt mir der Magen, aber das hat andere Gründe. Doch dazu hier dann später mehr. Ich wollte einmal meine Eindrücke sammeln und ein bestimmter Punkt brennt mir kontinuierlich unter den Nägeln. Vorsicht: Es ist eine kleine Tirade geworden. (s. Beitragsende)

Allgemein kann ich sagen, dass ich mir wohl zuviel Angst habe einreden lassen. Sehr viele erzählten von unmöglichen Fachleitern, von einem allesverschlingenden Schulalltag, von andauernder Kritik, die sie letztlich ihre Person selbst in Zweifel ziehen ließ, von durchwachten Nächten und unerfüllbaren Ansprüchen. Kann ich das nach so kurzer Zeit beurteilen? Eigentlich nicht: Eigenverantwortlichen Schulalltag habe ich noch nicht kennen gelernt, kann ich also noch nichts zu sagen; Kritik habe ich noch nicht erfahren und wenn habe ich sie als sehr konstruktiv wahrgenommen; Ansprüche habe ich ehrlich noch nicht bemerkt, soweit sie an meine Person gerichtet gewesen sein sollten; meine Nächte sind ruhig und meine Fachleiter scheinen (fürs erste) sehr umgängliche Personen zu sein. Die Ruhe vor dem Sturm?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle bezüglich dieses Themas übertreiben. Ich denke auch, dass es sich um einiges verschärfen wird, wenn der wirkliche Unterricht beginnt und ich ‚am Fließband‘ meine Unterrichtsvorbereitungen durchführen und verschriftlichen muss. Im Moment wurden wir ja sehr am Händchen genommen. Vielleicht hatte ich bei den Fachleitern nun auch einfach Glück. Was mich aber wirklich stutzig macht, ist das von mir als sehr ‚leistbar‘ wahrgenommene Niveau.

Ich habe im Studium bei Didaktik-Veranstaltungen mehr oder weniger ‚geschwänzt‘. Es interessierte mich herzlich wenig, um mal ganz offen zu sein, wer da welche Theorie aufgestellt hat, und das ganze Theoretisieren empfinde ich nach wie vor als äußerst lästig. Ich spreche den Damen und Herren nicht ab, dass es durchaus Sinn macht, sich über Lernprozesse Gedanken zu machen, aber für mich war das immer mehr eine Mischung aus Gefühl und logischen Nachvollzug meiner eigenen Verständnisschritte, als dass ich mich groß an irgendwelche Theoretiker und deren produzierte Generallösungen gehalten hätte. Nach den ersten Rückmeldungen meiner Ausbilder scheint mein Gefühl und die Logik hinter meinen Stundenentwürfen auch ganz gut ins Schwarze zu treffen. Was mich ehrlich freut.

Etwas verwundert nehme ich deswegen meine Mitreferendare wahr. Ich erlebe sie bereits jetzt angespannt, für einige hat sich schon ein Druck aufgebaut, den ich zwar durchaus nachvollziehen kann, den Grund für denselben empfinde ich aber trotz allem Verständnis als durchaus ärgerlich; sie schaffen diesen Perspektivwechsel (noch?) nicht. Den Wechsel in die Schülerperspektive, den Nachvollzug ihrer eigenen Gedankengänge, um diese dann für die Lerner adäquat aufzubereiten, nachzugehen und diesen gezielt und geleitet eben jenes Wissen zu vermitteln. Sie schwimmen bei Aufforderungen wie z.B. „Hier haben Sie einen Text. Entwerfen Sie mir eine Stunde dazu. Ordnen Sie ihn in den Lehrplan ein, nennen Sie Methoden, Kompetenzen, …“ Sicher, wir lernen das gerade noch. Aber einen Kernlehrplan sollte man doch schon mal angeschaut haben im Studium und selbst wenn nicht, aus einer Liste von Sach-, Methoden-, Handlungs- und Urteilskompetenzen kann man auch so die passenden für seinen Stundeninhalt herauspicken, wenn sie einem direkt vor der Nase liegen. Dachte ich.

Doch dann scheitert es darüberhinaus schon bei einigen am reinen Textverständnis, was mich ehrlich verwundert den Kopf schütteln lässt; an grundlegenden Theorien oder historischen Positionen. Schlicht: Am Fachlichen! Wir kommen von der Uni, wir haben doch alle fertig studiert. Ich erwarte kein Detailwissen auf jedem Gebiet … aber ein gewisses Handwerkszeug für das eigene Fach sollte man sich angeeignet haben, oder? Wenn ich beobachte, dass Begriffe nicht verstanden werden, die man sich nicht durch Vorwissen erschließen muss, sondern die explizit im zu erarbeitenden Text erklärt werden – tja, was soll ich da empfinden? Es hat mich erstmal ein wenig betroffen gemacht.

Ich sage mir einerseits, dass letztlich wohl genau das das Ziel des Referendariats sein sollte; dieses Verständnis um den Perspektivwechsel herzustellen, sich mit all den praktischen und theoretischen Seiten der Planung von Unterricht auseinanderzusetzen. Die Auszubildenden eben darin zu schulen. Doch wie will man das anstellen, wenn man auf keine eigene Basis an Wissen zugreifen kann, durch die man diesen Prozess in die Wege leiten könnte?

Ich wundere mich andererseits sehr, dass sich mir das so schnell zu erschließen scheint. Denn ich mache doch nichts anders als vorher im Studium. Ich lerne neue Dinge und verknüpfe sie mit bereits Erlerntem (Theorie) und versuche daraus den effektivsten Weg zu gestalten, wie ich dieses Wissen dann möglichst präzise wiedergeben und eben anwenden kann. Nun benutze ich letzteres eben, um anderen das Erlernte und Verstandene ebenfalls begreiflich zu machen (Praxis). Für die anderen Referendare funktioniert das ganz augenscheinlich nicht so.

Und genau das, führt dann zu einer ganz und gar bizarren Situation: Ich werde gefragt. Aber nicht nach meiner Meinung. Ich werde um Korrektur gebeten. „Geht das so?“ – „Wie sollte ich das besser machen?“ – „Kannst du nachher mal meinen Stundenentwurf ‚überfliegen‘ und mir sagen, ob das so in Ordnung ist?“ Wo bleibt denn da die Augenhöhe?

Noch schlimmer empfand ich die ‚Diskussionen‘ im Seminar, bei denen ich gerne einen Dialog mit dem Fachleiter geführt habe und der Rest stummes Publikum war. Bereits am dritten Tag habe ich darauf hin gegenüber dem Fachleiter angemerkt, dass ich mich lieber etwas zurückhalten werde, da ich den Eindruck hätte, dass ich durch meine doch sehr redselige und forsche Art meine Meinung aufdrücken würde und die anderen sich somit zu wenig einbringen. „Sehr schade – ich habe ihre Meinung schätzen gelernt, aber mir ist klar, was Sie damit meinen. Ich verstehe Ihre Beweggründe.“ war die Antwort.

Naja, und was passierte? Sobald ab da eine Frage gestellt wurde, fühlte ich mich gnadenlos in die Uni oder, noch passender, in meine Schulzeit zurück versetzt. Gesenkte Blicke, unsichere Antworten und teilweise tatsächlich Schweigen. Die Routine, die sich nun zum Ende der Intensivwoche eingestellt hatte, war Frage-Schweigen/Rumdrucksen-meine Antwort-OK, nächstes Thema.

Gut, sehr lange Rede heute und doch kurzer Sinn: Ich habe mich gefragt, warum mich das so stört. Es ist eine altbekannte Situation, ich hatte im Studium sogar Vereinbarungen mit Dozenten, dass ich mich bewusst weniger an Seminarssitzungen beteilige, damit das Seminar sich nicht auf meinen kontinuierlichen Beiträgen ausruht, wenn sich sonst so gar keine rege Teilnahme herstellen ließ. Mir fiel letztens im Gespräch mit meinen Männern dann auf: Es stört mich so, weil ich etwas komplett anderes erwartet hatte!

In meiner Vorstellung war die Zeit jetzt im Referendariat quasi geprägt von angehenden Lehrern, die das Studium erfolgreich hinter sich gebracht hatten, die begierig auf den Schulalltag sind und die eben nicht den stummen, teilnahmslosen Anteil der Masse in den Univeranstaltungen gebildet hatten. Und nun sitze ich im kleinen, ausgewählten Rahmen da und es ist wieder wie vorher.

Ich schwanke gerade zwischen frustriert und enttäuscht. Ich hoffe sehr, dass mich der Eindruck einfach täuscht, dass ich entweder eine falsche Wahrnehmung habe oder es schlicht Anfangsschwierigkeiten sind. Ich möchte das Gefühl haben, mit ihnen zu arbeiten und nicht für sie Dinge vorzukauen.

Denn beziehe ich das einmal auf den anfangs angesprochenen Punkt des Stresses, so möchte ich später durchaus das Gefühl haben, mich auch mal auf andere stützen zu können, Arbeit aufteilen zu können. Der Druck wird irgendwann sicher kommen, doch mit wem teile ich ihn, wenn die ersten nun bereits anfangen sich gestresst zu fühlen? Eine wirklich merkwürdige Situation …

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5 Kommentare zu „Ende der Intensivwochen

  1. Hallöchen Ms Phye,

    auch wir sind neu im Blogger-Geschäft und heute bei dir gelandet. Eigentlich auf der Suche nach anderen Lehrerblogs sind wir total begeistert von deinem Blog, einer angehenden Lehrerin.
    So wie du den Einstieg ins Referendariat beschreibst, fühle ich mich (Ela schreibt heute, wir bloggen zu dritt) um Jahre zurück versetzt. Mir ging es ähnlich, nicht an der Uni, aber im Studienseminar, genau so. Ich hoffe sehr, dass es nur die anfänglich Scheu deiner Mitreferendare ist, die sie so zurück haltend erscheinen lässt. Wollen wir hoffen, dass mehr Miteinander aufkommt, ich bin schon sehr auf deine Folgeberichte gespannt. Also viel erfolg weiterhin und noch ein Tipp: bewahre dir Entspannung, du wirst sie brauchen.
    LG aus dem Lehrercafe, heute von Ela

    1. Hallo Ela 🙂

      Ich habe gestern auch mit einer Freundin gesprochen, die ebenfalls schon durch das Ref durch ist und sie hat mir gesagt, dass sich bei ihr alle ersten Eindrücke letztlich auch gehalten und bestätigt haben. Aber dass sie dann eben auf anderen Bereichen von den Mit-Refis lernen konnte. Sei es persönliches Management, Umgang mit speziellen Situationen im Unterricht, Arbeitsweisen und Vorbereitung, etc. Sie konnte letztlich immer etwas ‚rausziehen‘. Ich hoffe einfach mal, dass das dann auch so sein wird und ich den Blick dafür schärfen kann.

      Zu Entspannung schreibe ich später noch etwas, die war dann heute nämlich futsch :p

      Liebe Grüße zurück.

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