Veröffentlicht in Planung, Referendariat

Reihenplanung die l.

Ist das aufwändig … -.- Seit Freitag Nachmittag sitze ich nun an meiner kleinen Reihe und bin erst beim Feinschliff der zweiten Stunde. Dezente Sorge macht sich bereits in Hinblick auf die vielen noch zu planenden Stunden und Reihen und meiner Fähigkeit dazu, dass in dem zeitlich zur Verfügung stehenden Rahmen auch zu schaffen. 😮

Einmal konkret zur Entscheidungsfindung, was ich in den mir zugestandenen sechs Stunden nun zu tun gedenke.

Da ich noch nie mehr als eine Stunde geplant habe und mir immer nur grob überlegte, in welchem Kontext diese Stunde nun gut diese oder jene Rolle übernehmen könnte, ist das aufeinander aufbauende Planen von verschiedenen Fakten, die beim Schüler am besten einen erkennbaren Lernfortschritt herstellen, während ich gekonnt aufs Reihenziel hinsteuere, etwas sehr Neues für mich. Das ganze methodische und kompetenzorientierte Zusatzchichi mal gleich außen vor. Allerdings regte sich dennoch eine vage Ahnung, als mir der Kurslehrer eröffnete: „Tja, also eigentlich sind wir fast durch. Noch 23 Seiten im Buch, dann wäre das abgearbeitet. Kolonialismus und erster Weltkrieg.“ Ich nickte bedächtig und versuchte mir auszurechnen, wie viele Stunden das wohl wären. „Joa, … also, das könnten so ungefähr sechs Einzelstunden sein; falls nichts wegen Wandertagen oder so ausfällt. Am Ende des Schuljahres kommt das öfter mal vor.“

Hm … ich überlege und mir dämmert: Sechs Stunden für so große Themenblöcke … nein, das wird nichts. Ich plane noch etwas herum, komme am nächsten Tag aber zu dem Entschluss, dass ich lieber ein Thema als alle beide in der verbleibenden Zeit angehen würde. Der Fachleiter bestätigt mir das Bauchgefühl dann in der Fachseminarssitzung Geschichte am Donnerstagabend. So bestärkt, spreche ich am nächsten Tag mit dem Kurslehrer und erläutere, dass ich lieber am Kolonialismus arbeiten würde, den ersten Weltkrieg auslassen will und dann auf die aktuelle Flüchtlingssituation eingehen könnte, damit das Thema auch was an Erfahrungs- und Wissensgewinn für den aktuellen Alltag der Schüler abwirft.

Ich stoße wieder auf positive Bestätigung; den ersten Weltkrieg würde man eh in der neunten nochmal angehen, da er wichtig für Weimar ist und sie bis dahin eh alles wieder vergessen haben – nach einem Jahr Geschichts-Pause in der achten Klasse.

Motiviert mache ich mich am Freitag, einem meiner sehr kurzen Tage, ans Werk. Ich wälze das vorhandene Material, entwickle erste Ideen und bin bereit sie nieder zuschreiben. Doch wo genau sollte ich das tun? Ich gehe meine Formvorlagen durch. Grobe Verlaufspläne habe ich ja schon erstellt. Ich bastle etwas an dem alten Design herum und bin letztlich zufrieden. Einen schriftlichen Unterrichtsentwurf habe ich aber noch nicht geschrieben. Hm … habe ich da schon Angaben im Seminar bekommen?

Tatsächlich finde ich einen beispielhaft eingereichten schriftlichen Entwurf, dessen Struktur ich größtenteils übernehme und gleichzeitig versuche, durch die ganzen Inhalte durchzusteigen. Die Formulierungen lassen mir die Ohren schlackern. Der Nachmittag ist dann auch sehr schnell rum und ich muss die Kinder holen. Der Rest des Tages verbleibt arbeitsfrei. So wirklich produktiv fühle ich mich nicht, aber was will man machen. Immerhin konnte ich die blanko Vorlagen abspeichern.

Heute setzte ich mich also voller Schwung gleich vormittags an den Rechner, nachdem ich Mann und Kinder zum Einkaufen und Besuch bei den Großeltern hinauskomplimentiert hatte, um die leeren Zeilen mit Ideen für die Stunden zu füllen. Die grobe Struktur der Reihe steht schnell … doch das Ausformulieren? Mein Fortschritt zerrinnt mir zwischen den Fingern, drei Stunden vergehen und immer noch steht nur der Stundenverlaufsplan der ersten Unterrichtsstunde. Die korrekte Niederschrift der Teillernziele kostet mich wertvolle Zeit, die ich so eigentlich nicht habe.

Irgendwann rufe ich entnervt eine Lehrerfreundin an. Sie weiß auch tatsächlich Rat und weißt mich auf die Operatorenlisten fürs Abitur hin, in denen die wichtigsten von ihnen aufgeführt werden. Und auch darauf, dass diese in den Erklärungen um weitere, untergeordnete Operatoren ergänzt werden. Darauf muss man erstmal kommen ^.^ Mit dieser kleinen Info schreibt es sich schon viel leichter, aber durch die vielen weiteren kleinen Anregungen, ergänze ich erst noch hier ein wenig, bessere da einen Gedankengang aus und schwupp – Abendessenszeit. Nach dem Essen schaffe ich noch eine Mindmap für die erste Stunde und merke, dass die Konzentration langsam nachlässt.

Wann genau werde ich Routine bekommen? Klar, am Anfang kann die noch nicht da sein, aber ich vermisse sie bereits schmerzlich. Wenn das noch eine Weile in dem Tempo weiter geht, dann werden die Sommer’ferien‘ kein Spaß.

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7 Kommentare zu „Reihenplanung die l.

  1. Oh wow, als ich mit dem Lesen des Beitrags durch war, hatte ich das Gefühl, erst mal Luft holen zu müssen. Erstens gut, dass du auf dein Bauchgefühl gehört hast und dich nur für ein Thema entschieden hat. Zweitens gut, dass du dir Hilfe gerufen hast in Form deiner Kollegin. Solche Ratschläge sind in der Mehrheit sehr wertvoll und lassen einen wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Und leider drittens, dieser Stress wird für ein Weilchen zum Dauerzustand. Bei der zweiten, dritten oder vierten Unterrichtsreihe wird es dir schon etwas leichter von der Hand gehen, aber die Anspannung bleibt sicher. Kleiner Tipp von mir: konzentrier dich stets auf das Wichtigste, verzettele dich nicht, schaff dir Strukturen und Ruhe zur Planung. Die Familie hinauszukomplimentieren ist schrecklich, aber in solchen Situationen einfach nur gut. Und, nicht vergessen ausreichend zu trinken. Und, Schokolade 🍫, mag dein Hirn ganz besonders gern😉. (meins auch…) LG von Ela

    1. Das ist lieb 🙂 Danke für die Rückmeldung.

      Ich bin eine ‚deftige Esserin‘, ich esse bei Stress/angestrengten Denkphasen einfach nur sehr viel ’normales Zeug‘. Für Notfälle steht mein Süßigkeiten-Glas aber griffbereit ^.^

      Ich bin auch ganz glücklich damit, dass ich ein Thema vertiefen werde und nicht bei zwei Themen einfach nur ‚Fact-Dropping‘ betreibe. Da hätten die Schüler herzlich wenig von.

      Was das Verzetteln angeht, das ist vorhin mit der Mindmap etwas passiert, aber ich wollte es mal ausprobieren. Ich fuchse mich immer noch in Word ein und wollte das mal durchspielen. Das mache ich sicher nicht mehr so oft.

  2. Das kann man jetzt nur teilweise vergleichen, aber in meinen Studentinnentagen (übrigens Geschichte im Nebenfach, und so gut, wie du es hier beschreibst, werde ich gerade etwas neidisch auf deinen Job. So tolle Sachen vermitteln dürfen…!) hatte meine WG ähnliches Ablenkungspotenzial. Ich bin dann zum Lernen in die Bibliothek gefahren, da gab es damals nicht mal Internet. Vielleicht wäre so ein außerhäusiger Ort zum Vorbereiten für dich auch möglich, dann musst du niemanden rausschmeißen und kannst bei Bedarf unkompliziert Ruhe haben.

    1. Am Wochenende sind wir meist mit den Kindern unterwegs. Die langweilen sich zu Hause recht schnell und normalerweise versuche ich ja auch immer einen Ausflug (ob nun kleiner zu Verwandten oder größer zu ‚Recherche-Zwecken‘) einzurichten. Den Tag war mein Mann dann nur mal alleine unterwegs. Schade ist auf jeden Fall, dass ich das Wochenende nicht viel mit den Kindern machen werde.

      Ich habe etwas ähnliches wie du gemacht, als ich die Examensarbeit geschrieben habe. Da bin ich oft in die Bibliothek oder zu Freunden gefahren und habe die letzten 1 1/2 Wochen vor der Abgabe quasi komplett außer Haus verbracht. Für die Sommerferien habe ich auch mit besagter Lehrerkollegin schon abgesprochen, dass wir uns zwischendurch zum Reihe planen und schreiben treffen werden und uns da etwas unter die Arme greifen.

      Was die Inhalte angeht: Das ist jetzt natürlich mein Schwerpunkt, den ich da setze. So vorgesehen ist das nicht und die meisten würden wohl die Kolonialzeit gleich rauslassen, da der Fokus oft immer noch auf den Kriegen liegt. Aber da ich eh immer schon so einen leichten ‚philosophischen Touch‘ hatte, verknüpfe ich unheimlich gerne sozialwissenschaftliche Themen mit historischen Fakten und bei sowas, kann ich die Finger nicht still halten 😉 Ich finde es gut, dass der Lehrer mich da gewähren lässt, auch wenn ich den Geschichtslehrplan damit etwas abwandle.

  3. Die Routine kommt von ganz allein. Ich muss zugeben, ich war eher die faulere Referendarin (meine Mentoren würden das Gegenteil behaupten, was mich sehr glücklich macht) und beneide dich fast um deine Mühe, die du in deine Unterrichtsreihen steckst. Das Gute ist: von allem, was du heute in mühsamer Kleinarbeit vorbereitest, kannst du in Zukunft profitieren…

    1. Es ist wirklich nett das ausgerechnet heute zu lesen … nachdem ich den kompletten Tag mit dem Material für die Gruppenarbeit zugebracht habe und mir immer noch die Planung für die Stunde zum Reihenabschluss fehlt, was auch der 1. UB werden wird.

      Ich hoffe sehr, dass das was ich jetzt zusammenschustere wiederverwendbar sein wird.

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