Veröffentlicht in Ausbildung, Konstruktive Kritik, Referendariat

EPG

Geschafft! Die erste offizielle Amtshandlung liegt hinter mir. Mein KSL erwartete mich schon, als ich morgens ins Lehrerzimmer kam, er war überpünktlich. Ein wenig Smalltalk schaffte ich sogar noch, bevor ich mir nochmal meinen Plan vornahm. Eine schnelle Kopie auf Folie hatte ich auch noch direkt machen müssen, da ich am Nachmittag vorher meinen Plan etwas geändert hatte. Die über dem Beitrag zu sehende Postkarte wurde der Einstieg in die Stunde und nicht die abstrakte Begriffsherleitung von ‚Sendungsbewusstsein‘, die ich vorher geplant hatte.

Als sich dann alle offiziellen Personen am Referendarstisch eingefunden hatten, ging es los. Es hat schon etwas Beunruhigendes, wenn der Schulleiter, ein Lehrer und eine fremde, ‚offiziell aussehende‘ Person durch die Schule marschieren. Dem Herrenkomitee vor mir wurde schnell und höflich Platz gemacht, ich meine auch ein paar mitfühlende Blicke gesehen zu haben, die in meine Richtung wanderten 😉 Ich musste schmunzeln.

In der Klasse verbreitete sich die Stimmung direkt weiter, alle saßen schnell und ruhig auf ihren Plätzen, die Sachen lagen größtenteils auf den Tischen und sie standen schon zur Begrüßung auf, bevor ich überhaupt hochgeschaut hatte, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen. So liebe und hilfsbereite Kinder, ich muss da auf jeden Fall etwas für den Abschluss vorbereiten.

Die Stunde lief gut. Ich vergaß leider einen Schritt am Anfang ganz bis zur Wortdefinition (besagtes Sendungsbewusstsein) auszuführen und konnte wieder das anleitende Fragen nicht ausreichend abstellen, aber die Schüler waren interessiert, fragten eigenständig nach, etwas über die Hälfte der Klasse beteiligte sich mindestens und 6-7 Schüler dauerhaft. Der Schnitt war in Ordnung, ich strebe natürlich mehr an, aber das kann jetzt am Anfang einfach noch nicht vorausgesetzt werden, das ist auch mir klar.

Da es beim EPG vor allem um mich als Lehrerin ging, setzte auch die Kritik dort an, wobei sich mein KSL nicht ganz von der fachlichen Kritik zurückhalten konnte, da er auch Geschichtslehrer ist. Zentrale Punkte, an denen ich von nun an arbeiten sollte:

  • Unterrichtsgesprächsführung! Das ist der wichtigste und größte Punkt, wie mir ja auch schon bewusst war. Ich enge zu sehr ein, rede zuviel und schaffe es nicht wirklich an die Schüler abzugeben. Wann ist es zuviel Steuerung? Wo lohnt sich ein Einwurf, wo lässt man es besser einfach laufen? Wie sammelt man dann wiederum gezielt die wichtigen Beiträge nach so einer Phase? Wie hält man ‚Falsches‘ auch  mal aus, ohne alles sofort zu korrigieren oder zurecht zu rücken? Das sind Aspekte, die ich mir genauer anschauen muss.Mein Ziel hier wird das Schaffen einer offenen Gesprächssituation sein, in der die Schüler eigenverantwortlich und selbstständig agieren.
  • Quellenkritik: Etwas , was ich natürlich in der Vorbereitung für mich vornehme und wonach ich Material auch aussuche, aber ich thematisiere das nicht im Unterricht. Für die Transparenz der Stunde, gerade was das Schülerverständnis angeht, wäre es jedoch sehr hilfreich und auch grundlegend fachlich wichtig, dass sie diesen Schritt ebenfalls vollziehen. Es fiel mir ein bisschen wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen, dass ich etwas so Essenzielles für das Fach Geschichte nicht beachtet hatte.Hier schließt sich dann ein weiterer, wenn nicht sogar der Oberpunkt für diesen Bereich an: Die didaktische Analyse des Materials. Dieser Punkt ist fast schon zentral für alle anderen, da er verhindern würde, dass ich mich Begrifflichkeiten verliere (erkennen von Abstraktionsniveaus, Überleitung von praktischen Beispielen zu abstrakteren Systematiken dahinter), nötige Perspektivwechsel, sachanalytische Aspekte, Kompetenzerwartungen, etc. pp. Wenn ich das im Fokus behalte, den Schülern dabei kommuniziere, was passiert und die Schritte logisch aufeinander folgen lasse, sollte sich einiges zum Positiven verändern. Grundlegend ist das alles vorhanden, aber der KSL war sich unsicher, ob jeder einzelne Schritt dem Schüler wirklich bewusst gewesen war. Mein Fachleiter hat mir an der Stelle sehr den Rücken gestärkt, was ich äußerst angenehm fand, aber das dort noch Luft nach oben ist, sehe ich ebenso wie der KSL.

 

  • Überleitung / Gelenkstellen: Anschließend an den vorherigen Punkt, sollte ich aufpassen, dass meine Übergänge in den Stundenphasen einem Problem folgen, dem sich die Schüler bewusst sind. Warum machen wir das jetzt gerade? Diese Frage sollte sich immer erschließen. Meiner Ansicht nach hatte sie sich das (der von meinem Fachleiter nach auch), dass es dort aber Potenzial zum Missverständnis gegeben hat, muss ich ebenfalls gelten lassen. Dass es eleganter ist, diese Überleitungen von den Schülern selbst formulieren zu lassen, finde ich zwar auch, wie ich das zuverlässig herstelle, weiß ich aber noch nicht so recht.Ziel hier wäre also, sich darüber schlau zu machen oder auszuprobieren, wie man die Stundenführung mehr in Schülerhand gelegt bekommt, damit sie in den Gedankenprozess hinter dem Stundenthema besser eingebunden sind.

 

  • Werturteil: Ich habe eine Suggestivfrage gestellt … Als es passierte, hätte ich mir am liebsten selber den Mund zugehalten, aber da waren sie raus. Natürlich will ich meine Meinung nicht vorgeben und finde es äußerst unpassend, wenn das passiert. In dem Moment (Rassismus – Apartheid – Diskriminierung) war die Frage „Und, was haltet ihr jetzt vom ‚Kulturexport‘ der Europäer? War der gut oder schlecht?“ aber schneller über die Lippen, als mir bewusst wurde. Das bleibt hoffentlich ein Einzelfall. Es war nicht nötig, dies noch zu betonen, den Schülern war durchaus bewusst, was da alles ’schief läuft‘. Da entwickle ich hoffentlich etwas mehr Feingefühl.

 

Das wäre das wichtigste aus dem Gespräch. Eingeleitet wurde es wie das gestrige mit der Feststellung, dass ich die Rolle als Lehrerin absolut ausfülle, souverän auftrete und meine Planung fachlich und formal grundsolide und sehr fundiert wäre. Eine Baustelle weniger, hat sich das Feintuning am Freitag zur Form des Unterrichtsentwurfs also gelohnt 😉

Ich wurde noch nach meinen Entwicklungsaufgaben und Zielen gefragt, soweit ich sie mir persönlich vorgeben würde im Moment. Da habe ich einmal das Zeitmanagement genannt, welches eben mit den Kindern etwas schwierig zu handhaben ist. Dann genau die Grundlage der reflektierten Probleme mit der didaktischen Analyse, dass mein Einblick in funktionierende Methoden noch sehr dünn ist und ich dort Nachholbedarf für die Unterrichtsplanung und Durchführung sehe. Auch das reine Überblickswissen über all die Themen, die nun tatsächlich in der Schule auf mich zukommen werden und meine fachliche Kompetenz für diese, musste ich in den Fokus stellen, da dort noch sehr viel Aufholbedarf von mir gesehen wird.

Ihr seht, ich habe noch einiges zu tun! 🙂

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4 Kommentare zu „EPG

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