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Ausflug – Das archäologische Freilichtmuseum

Mein Weg führte mich heute in ein Freilichtmuseum für die Zeit, die allgemein als Prähistorie bekannt ist. Die Ausstellungen dort umfassen die Altsteinzeit und setzen sich bis zum Mittelalter fort. Obwohl mir bewusst war, dass das Museum nicht sehr groß ist, war ich schon gespannt, was genau dort wohl zu sehen sein würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Mein Entschluss mit einer 6. Klasse, sollte ich das Glück haben und im kommenden Schuljahr eben so eine zugeteilt bekommen, dort einen Tagesausflug hin zu unternehmen oder sogar eine Übernachtung in den nachgebauten Hütten anzubieten, hat sich gefestigt.

Angekommen bin ich auf einem sehr bescheidenem Parkplatz, neben dem ein kleines Kassenhäuschen, mit einer eher informativ gehaltenen Mini-Ausstellung, bereits einen sehr ‚urigen‘ Eindruck auf mich machte. Auf dem Weg die Stufen hoch auf den Berg, auf dem eine der ursprünglichen Siedlungen gefunden worden war, begleiteten mich am Geländer Zeittafeln mit Meilensteinen der Menschheit, von heute bis zur Altsteinzeit rückwärts laufend, bis ich dann bei den ersten mobilen Hütten ankam, die einen erstaunlich soliden Eindruck für die benutzte Leichtbauweise machten. Ganz in den Infotafeln versunken, vergaß ich dort leider Bilder zu machen.

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An meine Kamera erinnerte ich mich erst beim ersten Siedlungsbau wieder, der dafür mit einer ordentlichen Länge auch alles vorher Übersprungene wettmachte. Dieses Haus war innen unterteilt in verschiedene Bereiche und einige Schlafstätten und offensichtlich fürs Brotmachen ausgelegt worden, da im vorderen Bereich schon eine Mahlsteinrunde für die museumspädagogische Arbeit mit den Kindern aufgebaut worden war.

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So etwas finde ich immer ganz toll. Dadurch, dass man selber anfassen muss, bekommt man überhaupt erstmal ein Gefühl für die Umstände, unter denen andere Menschen – auch zu anderen Zeiten – lebten und wie der Alltag überhaupt ausgesehen haben könnte.

Im Museum gibt es ein weit gefächertes Programm, welches den Kindern Brotbacken, Bogenbau, Tonperlen brennen oder Wolle färben erläutert und sie selber etwas produzieren lässt. Was am heutigen Tag das Museum geradezu zum Leben erweckt hatte, waren die Teilnehmer des Aktionstages ‚Living History‘, welche extra aus ganz Deutschland angereist waren und das Handwerk des Frühmittelalters in Person den Besuchern nahe brachten.

Nachdem ich also die eher unbelebten ersten Stationen hinter mich gebracht hatte, kam ich auf eine Art Gemeindeplatz, wo an verschiedenen Lagern Frauen saßen, die sich mit Färben, Knüpfen und Weben beschäftigten. Eine sehr gemütliche Atmosphäre, die zum hinsetzen und nachfragen einlud.

Während also auf der einen Feuerstelle zwei Schüsseln mit Kamille (gelb) und Rotbuche (grün) für das Färben der Wolle köchelten, wurde anderweitig schon die bunten Fäden zu wirklich wunderschönen und prächtigfarbigen Borten verarbeitet. Ich hätte mir die Farben nie so leuchtend vorgestellt, wie sie sich dann letztlich präsentierten.

DSCF1697Wieder ein Stückchen weiter, waren die Handwerker mit Holz, Haut und Glas beschäftigt. Eine Perlendreherin saß vor ihrer offenen Feuerstelle, herrschte den armen Balgbetätiger zur Luftzuführung in die Glut in regelmäßigen Abständen an, schneller oder langsamer zu pumpen und drehte während dessen ihre kleinen bunten Kunstwerke zurecht. Historisch korrekt, konnte sie einem dann auch noch zu Farben, Formen und Mustern nach Volk und Zeit etwas erzählen.

Neben ihr hatten sich noch ein Löffelschnitzer und ein Laternenmacher eingefunden, die ebenso begeistert von ihrem Handwerk erzählten. Ich hatte seit dem Zeitpunkt, wo ich die belebte Ecke des Museums betreten hatte noch keine 40 Meter zurückgelegt und schon fast 3h mit zuhören und -schauen verbracht.DSCF1702

Auch die Haustiere wurden gehalten und die fühlten sich (sau-) wohl 😉 Die kleinen Freunde hier hatten schlafen und essen in Kombination perfektioniert und sich in ihren Futtertrog gekuschelt.

Am Ende des Rundweges und kurz vorm Ausgang stieß ich dann noch auf die Metallverarbeitung.

Sehr anschaulich wurde einem verdeutlicht, warum so ein Kettenhemd absoluter Luxusgegenstand gewesen ist und auch ich habe mich am Knüpfen versucht. Der Herr am Arbeitsplatz erzählte von einem Bekannten, der ohne jetzt den Draht ziehen und formen zu müssen, gut drei Monate an einem so intensiv gearbeitet hätte, dass er sich am Ende eine üble Sehnenscheidenentzündung in beiden Handgelenken zugezogen hatte. Mussten damals alle Arbeitsschritte von einem Schmied ausgeführt werden, so konnte es doch dauern, bis so ein Kettenhemd fertig gewoben war; handelte es sich um ein exklusives Hemd (nicht nur schnitt sondern auch stichfest) mit doppelter Lage, dauerte die Fertigung dann auch gerne Jahre.

Wie man an dem langen Bericht sieht, war ich schwer begeistert. Wenn es sich irgendwie anbietet, werde ich genau so ein Wochenende abpassen, um mit den Kindern das Museum zu besuchen. Denn anschauen hilft zwar immer, aber wirklich erleben, das ist noch eine Stufe höher auf der geschichtlichen Festigungs- und Verständnisskala. Falls ihr so etwas in eurer Umgebung habt kann ich nur empfehlen: Schnappt eure Kinder und stattet dem einen Besuch ab. Sie werden begeistert sein (- ihr natürlich auch 😀 ).

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4 Kommentare zu „Ausflug – Das archäologische Freilichtmuseum

  1. Man sieht und liest, wie dir dieser Ausflug gefallen hast und wie viel du für dich mitnehmen konntest. Klasse geschrieben, tolle Fotos. Danke dafür. LG Ela

    1. Wirklich gern geschehen 🙂 Diejenige, die da viel draus zieht bin ja tatsächlich ich. Bin schon sehr gespannt, ob ich die Schüler später auch begeistern kann ^.^

      Ich denke, für die nächsten Wochenenden geht mir der Stoff da auch noch nicht aus. Es gibt noch einige Ziele hier in der Umgebung.

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