Veröffentlicht in Lehrer, Referendariat, Schule

Mit eigenen Augen …

Heute konnte ich mich erstmals davon überzeugen, wovor mich das gesamte Kollegium, die Fachleiter, die offiziellen vom Seminar und die Schulleitung gewarnt hatte: Herr Drüppert im Unterricht. Ich würde gerne sagen, dass es gar nicht so schlimm war – aber das wäre gewaltig untertrieben.

Es liegt nicht am Fachwissen, ich denke davon hat er sich durchaus einiges angelesen und gesammelt. Er kann das nur nicht vermitteln. Und keinen geordneten Gedanken fassen, wenn man ihm so zuhört. Ich habe noch nie jemanden im Satz so oft neu anfangen hören, immer und immer wieder einen neuen Gedanken in das Satzungetüm schiebend, bis dieser letztlich so mutiert worden war, dass man gar nicht mehr wusste, was eigentlich mal am Anfang gestanden hatte und wohin es hätte gehen sollen.

Genauso formulierte er seine Fragen; ein Halbsatz wurde begonnen, der klar eine Fragestellung hätte einschließen können, aber dadurch, dass er immer und immer wieder neue Fragenteile, neue Gedanken und Geistesblitze hineinsponn, konnte man sich erst sicher sein, wirklich gefragt zu werden, wenn er eine neue Frage mit „Wisst ihr das?“ einleitete und dann auch letztlich Pause machte, damit man antworten konnte. Für zwei Sekunden. War man dann nicht schnell genug, redete er einfach weiter.

Dieses Schwafeln machte es den Schülern natürlich unmöglich ihm zuzuhören. Selbst ich war nach der Doppelstunde mental sehr ermüdet und ich wusste, worauf er in den meisten Fällen hinaus wollte. Die Kinder hatten jedoch keine Chance. So begleiteten Privatgespräche die Stunde fast dauerhaft. Mal respektvoll leise, mal so laut, dass er dagegen anreden musste. Reagiert hat er jedoch nie. Die zweite Reihe hatte sich irgendwann komplett zur dritten hinter sich umgedreht und war in Gespräche vertieft, während die erste keine Chance dazu hatte, da er vor deren Nasen stand und immerhin mit den vieren redete, die das Pech hatten vorne zu sitzen.

Ihm selbst schien es auch gar nicht so wichtig, ob alle seinen Unterricht wirklich mitbekamen. Ein paar Schüler arbeiteten im Computerraum an ihren Präsentationen, die dann sogar PPP werden sollten und er beschloss kurzerhand mitten in der ersten Stunde ihrer Philosophie Doppelstunde, dass nun doch schon früher präsentiert wird, obwohl klar war, dass nicht alle da sind. Den Informationsgehalt des Referats schien er für die Schüler direkt als nicht existent einzustufen. Er brauchte noch Zeugnisnoten, deswegen machten sie die Referate. Als diese dann später dazu kamen, erwähnte er kurz, ‚ach, das habt ihr jetzt nicht mitbekommen …‘ und schwafelte weiter über das vorherige Thema vor sich hin. Die Schülerinnen waren sichtlich irritiert.

Allgemein kann man sagen: Er hat keine Struktur. Die Schüler haben keinen blassen Schimmer, wie er seine Noten festlegt … und er ganz ehrlich gesagt glaube ich auch nicht. Heute mussten sie Referate halten, die sie die letzten vier Stunden (eher 6 wenn ich das richtig vom letzten Mal im Kopf habe) vorbereitet hatten. Willkürlich herausgesuchte Philosophen ohne Zusammenhang oder irgendeine Art von erkennbarer Reihenfolge, Einordnung, etc. Es ging von Wagner, zu Nietzsche, zu Leibniz, Marx und Galileo, keine erkennbaren Kategorien für die Ausführung der Aufgabe war erkennbar, keine für die Ausarbeitung, keine für die Präsentation oder Auswertung.

Ein Plakat mit knapp sieben Stichpunkten oder drei Fließtexten (aufgeklebt) für eine Arbeit von 5-6 Unterrichtsstunden … das ist dürftig in meinen Augen. Im Maximalfall gab es ein aufgeklebtes Portrait des Philosophen. Oder tatsächlich eine Übersicht über die Werke, neben den reinen Lebensdaten. Welche Bedeutung er für die Philosophie gehabt hatte, nun das hat immerhin der Referent von Leibniz erwähnt. Das Marx mehr getan hatte, als gelebt und geheiratet zu haben und irgendwann gestorben ist, das wurde selbst in der Nachbesprechung nicht klar. Dass er wichtig war; ja. Dass man ihn früher immer gelesen hat; auch. Dass er was mit dem Osten zu tun hat kam noch an und dass das was wegen dem Mauerfall gewesen sein muss. Der Rest ging in den sich ergießenden Geschichten aus Jugend und Geschwafel, welches ich schon nicht mehr weiß, unter. Keine Schlüsselbegriffe, keine inhaltlichen Erklärungen über den Begriff hinaus, wenn er mal fiel.

Und dann passierte, was ich nicht gehofft hatte: Er fragte mich nach meiner Meinung, wie man die Referate nun bewerten sollte. Kurz zuvor hatte ich noch die Notenverhandlung einer Schülerin mitbekommen, die sich erkundigte, ob sie nun eine 1 oder eine 2 bekäme. Sie hätte sich ja verbessert. Keines der Referate hätte ich über 4 eingeordnet. Da er selber gesagt hatte, dass er noch keine Noten aus dem Halbjahr wirklich hätte ziehen können, entschieden hier tatsächlich die Referate über Wohl und Wehe der Schüler.

Und nun sollte ich ihm sagen, ob das gut oder schlecht gewesen sei. Ich überlegte, bevor ich sagte, dass eine Bewertung sehr schwer wäre, da sie keine einheitlichen Richtlinien gehabt hätten, bei denen vorher klar gestellt worden wäre, wie sie die Präsentation halten müssten, worauf man genau beim Vorstellen einer historischen Person achten muss und welche Kriterien zur Bewertung angelegt werden würden. Das hätten sie ja seit der 5. Klasse in allen Fächern gelernt. Ich gab zu bedenken, dass es schon fachspezifisch ist, worauf man achten muss und dass ein Vortrag in Biologie bestimmt anders gewichtet würde, als einer in Philosophie. Das ließ er unkommentiert. Er müsste nach Hause, der Hund muss raus.

Ich ging ziemlich fassungslos ins Lehrerzimmer.

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2 Kommentare zu „Mit eigenen Augen …

    1. Genau das sehe ich auch als Problem. Er hat einen Philosophiekurs in der Oberstufe, ein Schüler davon will in Philo Abi machen … da steht die Schule schon in der Verantwortung, dass so etwas nicht vorkommt. Dachte ich.

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