Veröffentlicht in Ausbildung, Konstruktive Kritik, Prüfung, Referendariat

Halbzeit … (Beobachtungen aus der zweiten Reihe)

Heute durfte ich bei einem Unterrichtsbesuch des anderen Philosophie Referendaren dabei sein. Es war sein dritter und der markiert ja so in etwa die Halbzeit der Ausbildung, auch wenn es für ihn noch ein knappes Jahr ist, bis zu den Prüfungen. Man rechnet die Ferien ja eher raus. Und das was ich heute beobachten durfte, tja, das ist mir doch ein wenig auf den Magen geschlagen.

Es lief nicht besonders gut für ihn. Er hatte sich in eine Methode verrannt, die etwas falsch aufgefasst und umgesetzt und nicht richtig mit dem Inhalt seiner Stunde verknüpft. Dazu kam ein zu ‚universitärer‘ Anspruch. Das Ergebnis war wirklich schwer mitanzusehen. Die Stunde schleppte sich qualvoll und das Ergebnis war äußerst dürftig.

Ich war nun in der Situation, dass ich im Raum bleiben konnte, als er ging um sich zu sammeln und die Reflexion der Stunde vorzubereiten. Die Anwesenden (Fachlehrer, Fachleiter und Kernseminarleiterin) begannen auch sogleich sich zu besprechen und Eindrücke auszutauschen und mir schlackerten die Ohren. Ich habe meinen ersten offiziellen UB ja noch vor mir und da wird auch noch nicht mit so harten Bandagen gekämpft, wie nun im dritten, aber all die Aspekte, Punkte, Ansätze die da auf den Tisch kamen … uff! Und darauf soll man ja selber eingehen in der Reflexion. Das war schon ordentlich viel.

Dann kam der Referendar wieder und das Zerlegen begann. Sie versuchten ihn selber durch Stichpunkte zu den kritischen Punkten zu leiten, damit er sich das Problem selber erschließen konnte. Es dauerte fast 1 1/2h. Ich schrieb mir in der Zeit einen Wolf, da ich natürlich alles festhalten wollte. Einmal für mich, aber auch vor allem für ihn. Er kam nicht dazu, sich wirklich Notizen zu machen.

Was ich nun daraus gezogen habe: Wenn es irgendwie geht, werde ich einen Mit-Refi bitten, sich mit reinzusetzen. Die Perspektive und Unterlagen sind Gold wert. Ich konnte mir auch gleich ein Schema für die Reflexion mitnehmen, was man so sehen will und wie man die Reflexion aufbauen kann. Das dürfte sehr hilfreich werden.

Ich bin schon sehr gespannt, was mein Schwerpunkt sein wird. Es war ein klarer Punkt bei ihm genannt worden, an dem er arbeiten muss und aus dem sich alle Probleme letztlich erschlossen. Nächste Woche Donnerstag finde ich vielleicht meine Achillesferse.

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4 Kommentare zu „Halbzeit … (Beobachtungen aus der zweiten Reihe)

  1. Beobachtungen dieser Art sind unter Refs sehr wertvoll und gegenseitiger Austausch helfen ungemein. Wichtig finde ich aber auch, einfach mal zu schauen, ob es rund lief und ob sich alle wohlgefühlt haben. Dieses fehlte mir bei Nachbesprechungen häufig. Du nanntest es Zerlegen, ich nenne es Zerpflücken. Teilweise zerpflücken Seminarleiter Stunden, wo ich mich frage, ob es wirklich wichtig ist, derart ins Detail zu gehen – und zweitens, wäre der, der beurteilt und kritisiert selbst in der Lage, alle genannten Punkte umzusetzen? Häufig nicht.
    Trotzdem schön, dass du soviel für dich mitnehmen konntest. LG Ela

    1. Untereinander waren sie deutlicher, als bei ihm dann. Sie haben versucht ihn selber den Fehler finden zu lassen. Ich fand es ok, obwohl ich mir für mich die deutlichen Worte gewünscht hätte. Die Kritikpunkte an sich konnte ich absolut nachvollziehen. Sie haben nicht endklein kritisiert, aber es war eben auch wirklich einiges da, was man anmerken konnte.

      Das mit dem Umsetzen im eigenen Fall für die Leiter … ja, das sehe ich ähnlich. Aber da sind sie wahrscheinlich sehr in ihrer ‚Rolle‘ auch drin.

      Und der Philo Fachleiter fängt immer mit der Frage an: „Wie haben Sie sich denn gefühlt?“ 😉 Und falls man aufs Inhaltliche geht, greift er sogar nochmal darauf zurück.

  2. Ich bin der festen Überzeugung, dass man aus „schlechten“ Stunden mindestens genausoviel lernen kann, wie aus guten. Ich glaube, Philosophie ist ein wahnsinnig anspruchsvolles Ausbildungsfach, wenn nicht das anspuchsvollste (ich habe ja Religion und da meinten alle, für die Grundschule sei das das schwierigste…), weil Inhalt, Methodik und Stundenziel sowie der Erkenntnisgewinn für die einzelnen Schüler so extrem gut durchdacht sein müssen. Halt die Ohren steif und vor allem: Verliere nicht den Mut! Das wird alles… 🙂

    1. Ich stimme zu, man macht grundlegende Fehler sicher nicht so oft nochmal. Was an der Stunde so ungünstig war, war dass sie bewertet wurde. Es tat mir schon sehr leid für ihn.

      Was die Einschätzung angeht, so teile ich sie durchaus. Man überlegt bei jeglichem Unterricht natürlich, was man wie machen will und was warum für die Schüler wichtig ist. Aber es ist schon ein Unterschied, ob ich das für Grammatik durchdenke, oder für begründete Werturteile bezüglich auf Lebenswelt und -wirklichkeit der Schüler.

      Was ich in Geschichte jetzt auch wieder hinbekommen muss. Der UB ist die Abschlussstunde in der die Siebtklässler die Verantwortung Europas für einige Faktoren der Flüchtlingskrise erkennen und bewerten sollen :p Ich bin gespannt.

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