Veröffentlicht in Ausbildung, Konstruktive Kritik, Lehrer, Referendariat

Unterrichtsgespräch

Gerade habe ich zwei Stunden in der Q1 gehalten. Geschichte vor dem ersten Weltkrieg, Fokus auf den Bündnissen und der Mentalität, die hinter der allgemeinem Kriegsbereitschaft steckte. Inhaltlich war die Stunde wohl ganz in Ordnung. Aber die Sozialformen …

Plural ist hier irreführend, es gab nämlich nur eine. Ich habe 90 Minuten Unterrichtsgespräch abgehalten. Die Schüler waren aktiv, die Beteiligung war hoch, wir haben alles was ich geplant hatte gut geschafft und es kam glaube ich auch im Detail an … aber 90 Minuten Unterrichtsgespräch ist schon hart. Dazu habe ich wieder hier und da kleine Wendungen vergessen, letzte Schärfungen und sogar einen ‚Notizzettel‘ an der Tafel letztlich übersehen. Die letzten fünf Minuten wurden mir nicht gegönnt, ich hatte mir die Endzeit der Stunde falsch notiert. Es hätte also runder laufen können.

Ich werde die Stunde hier einmal skizzieren, um mir selbst zu verdeutlichen, was nicht gut lief.

Begonnen habe ich die Stunde mit der Non Violence, der Skulptur vor dem UNO Hauptgebäude in New York, welche über dem Beitrag zu sehen ist. Die Schüler interpretierten hierauf mehrere Arten von Möglichkeiten des Bezugs zum Thema und zur heutigen Gesellschaft, die alle ziemlich kreativ waren. Einer mutmaßte, dass die Statue für den ersten Weltkrieg gestanden haben könnte, da man da ja in einer Situation gewesen ist, wo man alle gegen sich hatte und deswegen eigentlich nicht richtig handeln konnte. Dass Gewalt durch Gewalt verhindert worden war (übertragen auf den gewaltsam gebogenen Lauf der Waffe). Sie waren bei der Sache.

Danach deckte ich, als das Stichwort ‚Gewaltverbot‘ fiel, einen kurzen Auszug aus der UN Charta auf.

UN Charta, 24. Oktober 1945:

Artikel 2 (Allgemeines Gewaltverbot)

(4) Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.

Sie entwickelten das heutige Menschenbild und den Rechtsstatus jedes Menschen auf dieser Grundlage und schafften den Transfer ins 19./ Anfang 20. Jahrhundert, indem sie die Menschenbilder und die sich daraus ergebenden Konsequenzen gegeneinander stellten. Auch die von den Schülern selbst gefundene Überleitung zur Hausaufgabe (ein Text von von Bülow, der die „Hammer oder Amboss“ Rede in Hinblick auf die deutsche Flotte 1899 hielt), klappte reibungslos und sie fingen ohne viel Nachfragen an, den Text wieder zu geben und auf die bisherigen Thesen anzuwenden.

In dieser Phase nahm ich den Stichwort’zettel‘ (eine äußere Tafelseite) auf, den ich dann später vergaß. Er hätte mich auf den Titel der Rede bringen sollten, welcher so ohne weitere Besprechung stehen blieb. Ich muss mich stärker dazu bringen, die Gesamtheit meiner Niederschriften anzuschauen. Ich habe die Tafelseite tatsächlich einfach vergessen in der folgenden Zeit.

Die Frage, welche ich dann abschließend aufdeckte zum ‚jus ad bellum‘ diskutierten die Schüler eifrig, konnten sich das ‚Recht zum Krieg‘ auch richtig übersetzen und kamen dann auf die politische Situation zu der Zeit. Sie differenzierten zwischen Kultur- und Naturmenschen, zwischen Augenhöhen also, und schlossen dann, dass bei so viel Unsicherheit auf der politischen Weltbühne eigentlich Bündnisse nötig wären. An der Stelle endete die erste Stunde und wir gingen in die Pause.

Hier vergaß ich dann klarzustellen, das ‚jus ad bellum‘ ein stehender Ausdruck für das Recht der souveränen Staaten gewesen ist, Kriege zu führen und geradezu als Notwendigkeit angesehen worden war. Es war in der Diskussion durchgeschienen, aber fest formuliert, wurde es nicht. Ich mag begriffliche Unschärfen so gar nicht.

In dem folgenden Stundenteil machte ich mich dann daran, das Bündnissystem vorm 1. Weltkrieg interaktiv mit den Schülern an der Tafel zu entwickeln. Das klappte soweit auch ganz gut. Sie nannten die Mächte und wir sprachen Schritt für Schritt über die Entwicklungen, die die politischen Bündnisse in der Zeit von 1879 bis 1912 genommen hatten.

Tafelbild Bündnisse

Ich schaffte es tatsächlich das Bild in allen Details anzuzeichnen, es noch etwas geordneter aussehen zu lassen und konnte auf bunte Kreidestückchen zurückgreifen, um die Unterschiede deutlich zu machen.

Hierfür wurde ich dann insoweit in der Nachbesprechung kritisiert, dass es sich gut für Gruppenarbeit angeboten hätte. Die Idee war mir auch gekommen. Man hätte verschiedene Konstellationen von den Schülern herausarbeiten lassen können und dann zusammentragen, übereinander legen und den AHA-Effekt herstellen können, wie es letztlich ausgesehen hatte. Aber ich hatte einfach kein passendes Material und keine Zeit wieder 4-5 Gruppen mit Arbeitsblättern zu erstellen. Somit bekamen die Schüler einen interaktiven Lehrervortrag.

Auch die Beschriftung des Tafelbildes war zu ungenau, es tauchte immerhin ein Krieg auf, man kann es also nicht mehr Bündnisse nennen. Die Linien der Bündnisse hatte ich rot dargestellt, das sieht man von hinten nicht richtig. Einmal habe ich die falsche Farbe bei der Kreide beim Schreiben erwischt und war in Gedanken, somit war das osmanische Reich, welches ich beim Balkankonflikt nachträglich einfügte, rot anstatt wie die anderen Mächte weiß.

Balkan Troubles, Punch, 1912

Als ich diese Folie dann auflegte, um über die Balkankrise und die Beteiligten zu sprechen, arbeitete ich nebenher auch mit der Tafel, da das Tafelbild ja stetig weiterentwickelt wurde in der Stunde. Dies wurde als ‚Doppelfokus‘ gewertet und sollte vermieden werden, da es zu Verwirrung führen würde.

Mein Umgang mit den Schülern wurde ebenfalls kritisiert, ich würde zu oft die Hand direkt in die Richtung von denjenigen richten, die ich aufrufe, das wirke bedrohlich. Am besten gleich Namen lernen. Da er das schon letzte Stunde angemerkt hatte, hatte ich versucht mich aufs Zunicken zu beschränken, wenn mir der Name nicht gleich einfiel, aber die hinwinkende Geste ist mir wohl oft rausgerutscht.

Ein paar Mal habe ich Fragen umformuliert; aber das war eher ein kleiner Punkt und ’nicht so schlimm wie bei anderen‘.

Es klingt einerseits wie Kleinigkeiten, aber ich weiß noch nicht, wie das letztlich von den mich benotenden Leuten bewertet werden wird. Andererseits sind das schon echt einige Kleinigkeiten, wo ich beim Unterricht noch nicht so recht dran denken kann. Ich brauche wohl mehr Routine.

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4 Kommentare zu „Unterrichtsgespräch

  1. Die Routine kommt von ganz allein, warte einfach noch ein bisschen ab. Ich finde die Stunde so schon ganz gut, wie du alles beschrieben hast. Der Rest von Kleinigkeiten spielt sich ein. LG Ela

    1. Danke 🙂

      Ich merke, dass ich Kritik nicht gleich ernst nehme. Das mit der Hand beispielsweise finde ich sehr schlecht nachvollziehbar. Es wirkt erschreckend/einschüchternd wenn man mit der entspannten Hand jemanden zuwinkt, der sich meldet? Naja … ich versuche es umzusetzen/zu ändern.

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