Veröffentlicht in Referendariat, Schule

Der erste letzte Schultag

Für mich fühlt es sich noch gar nicht so spektakulär an, aber nun ist das erste Mal ein ‚letzter Schultag‘ für mich gewesen. Die anderen Kollegen waren teilweise echt froh, dass nun erstmal Ferien sind. Für mich waren die letzten Tage nun aber doch ziemlich entspannt gewesen, weswegen ich die richtige Erleichterung noch nicht verspürt habe. Ich konnte sogar noch etwas Unterricht sehen und eine neue Idee mitnehmen, wie man die Sicht der Europäer auf die Kolonien verdeutlichen kann (Tim und Struppi im Kongo, von 1946).

Ein recht geschäftiges Treiben herrschte aber schon noch. Zwischen Tür und Angel teilte man mir mit, dass ich wohl eine Formulierung in dem Elternbrief für den Ausflug nicht richtig gewählt hatte und deswegen der Ausflug von Geschichte keine verpflichtende Schulveranstaltung werden kann … und das dann eh nicht, weil das ein langes Wochenende ist und das dann wohl nicht geht. Naja. Mal sehen, wie viele sich anmelden werden, ich hoffe, dass es trotzdem klappt.

Leider hat Lucas, ein Mit-Geschichts-Referendar, versäumt, den Auftrag, den ich ihm gab als ich selber im Stress war, wirklich ‚gewissenhaft‘ auszuführen. Er sollte nämlich den Klassenlehrern die Kopien in die Fächer legen und sie darauf hinweisen, dass die Briefe doch bitte direkt abzugeben und ausgefüllt wieder einzureichen sind. Deswegen weiß eine der Klassen nun noch gar nichts von ihrem Glück, die Klassenlehrer haben nämlich nur die Kopie eingesteckt und sie nicht verteilt. Yeay. Er guckte mich nur groß an, dass ich das so nicht gesagt hätte. Hmhm … deswegen habe ich ihm das Original auch mit den Schülerzahlen in jeder Klasse auf einem Extrazettel in die Hand gedrückt gehabt, als ich ihn auf die Klassenlehrer den Tag ansetzte. Er hatte ja nicht mal mit denen gesprochen, nur wortlos die Kopien in die Fächer gelegt. Lektion gelernt: Nicht erwarten, dass Dinge implizit klar sind, immer jeden Schritt einzeln erklären. Auch bei Kollegen :mrgreen:

Da in der dritten Stunde die Zeugnisse vergeben wurden, sammelte sich ab dem Zeitpunkt so langsam alles im Lehrerzimmer. Vorräte wurden geplündert, überall tauchten auf einmal Süßigkeiten, selbstgebackener Kuchen und sogar Gulaschkanonen auf und draußen im Innenhof wurden Würstchen gegrillt. Das Kollegium wollte die Sommerferien offensichtlich ‚begießen‘. Ich konnte auch mit einigen mir noch weniger bekannten Kollegen ein angenehmes Wort wechseln, was eine schöne Gelegenheit war.

Herr Drüppert winkte mich noch schnell zur Seite, weil er meine Beurteilung gerne mit mir zusammen ausfüllen wollte und so saßen wir noch 20 Minuten im Arbeitszimmer, in denen er mir am liebsten vollständige Kompetenz bescheinigt hätte, was ich aber versuchte zu verhindern. Das wirkte doch etwas unglaubwürdig, so viel Perfektion am Anfang der praktischen Ausbildung. Nett fand ich aber, dass er tatsächlich noch daran gedacht hatte, dass ich ihn auf den schulinternen Bewertungsbogen hingewiesen hatte.

Und dann sprach ich noch mit unserer ABB (Ausbildungsbeauftragte). Und zwar über die ominöse Kleiderordnung. Ich hatte morgens schon einmal vorsichtig im Sekretariat nachgefragt, ob es so etwas wohl in schriftlicher Form gäbe. Große Augen richteten sich auf mich und die Damen schüttelten die Köpfe. Frau Martin schloss schnell die Tür zum Schulleiterzimmer, sie wollte wohl nicht, dass er etwas von dem Gespräch mitbekam. Sehr rücksichtsvoll 😉 Was denn vorgefallen wäre. Ich erklärte das ‚Schulter-Problem‘. Hm … ja, man wäre hier ja schon auf dem Gymnasium, das wäre anders als die Gesamtschule oder so … *zweifelnde Gesichter, die beiden waren sich aber auch nicht so ganz sicher, wie man das zu bewerten hätte* „… aber so etwas habe ich noch nie gehört.“ meinte Frau Tulpe. Sie waren sich einig, dass ich lieber nochmal an anderer Stelle frage.

Unsere ABB Sandra ist selber eher so ein rustikaler Typ. Gut trainiert, immer gebräunt, Naturwissenschaftlerin und ein echter Kumpeltyp mit Schalk im Augenwinkel. Ich sprach sie also später noch an, als der Vormittag am Ausklingen war. Wieder blickten mir große Augen entgegen.

„Wer hat das gesagt?!“

„Kenne ich noch nicht so recht. ‚Die da‘ hinten. In dem blauen Minirock(!). Während sie mir erklärte, dass freie Schultern nicht zulässig wären, trug sie selbst ein Tanktop …“

Sandra schaute noch etwas ungläubiger und hakte nach.

„Meinte sie das böse? Da müsste ich ja jeden zweiten Tag angesprochen werden … ich laufe schon eher schluffig herum.“ (Und mit viel freier Schulter, wobei das bei trainierten Oberarmen ja auch ganz nett aussieht ^.^)

Ich beruhigte sie, dass ich denke, dass es keine persönliche Motivation zu haben schien, ich nur etwas unsicher wäre, da mir einmal das ganze vor dem Hintergrund der Bewertung durch die Schulleitung mitgeteilt worden war und es mich außerdem doch etwas fuchst, dass die Person, die mir so etwas zuträgt, dann auch noch sowohl beim Gespräch selber als jetzt auch in den Tagen danach gegen eben diese Regeln verstößt. Mit der Begründung, dass sie ja keine Referendarin mehr wäre.

Betretenes Kopfschütteln von Sandra. „Nein, also so geht das ja nicht. Was sollen denn das für Regeln sein?! Gleiches Recht für alle wenn dann bitte. Soll ich da mal nachhaken?“

„Ich möchte kein riesen Thema draus machen. Wenn es tatsächlich keine Regeln gibt, hake ich das jetzt mal ab und schaue, was da noch so kommt. Ich lasse die freizügigeren Oberteile im Schrank und trage dann eben untenrum etwas kürzer 😛 Nein, Scherz. Im Kniebereich werden die Röcke bleiben.“

Das Thema hat sich also erstmal erledigt. Vielleicht wird es noch ein Nachspiel haben, Frau Rottenmeier habe ich aber jetzt erstmal eingeordnet und abgelegt.

Zum Abschluss des Schultages drückte mir dann die Kollegin, die nun pensioniert worden war, die Reste der Suppe im überdimensionalen Tupperböxchen in die Hand. ‚Für zu Hause!‘ Joa, danke ^.^ Ich verließ also mit zwei großen Baguettestangen und einem 5l Pott Suppe die Veranstaltung.

Schöne Ferien allen 🙂

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4 Kommentare zu „Der erste letzte Schultag

  1. Hieß sie nicht Frl. Rottenmeier? 😂
    Na siehst du, schon geschafft. Nun aber ab in die Ferien. Ruhe und Entspannung suchen👙🕶🌴 und schulterfreie Tage genießen😂😂😂LG aus dem Lehrercafe☕, heute von Tamara

    1. So degradieren will ich sie dann doch nicht. Mit diesem Jungfrauenbegriff konnte ich mich noch nie anfreunden 😉

      Die Kinder durften heute sogar alle Hüllen fallen lassen und nackt planschen 😀 Schöne Ferien auch euch ^.^

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