Veröffentlicht in Erinnerung, Schule

Das geschriebene Wort

Angeregt durch die Beiträge von lehrercafe und zeilenende kam ich ins Grübeln. Ich habe mich tatsächlich noch nicht mit meiner Handschrift weiter beschäftigt, seit ich ins Referendariat gekommen bin. Anderes war immer wichtiger, aber da mir die letzten Tafelbilder so gar nicht gefallen hatten, war das Problem schon hin und wieder aufgetaucht, ohne dass ich es wahrgenommen hatte. Aus meiner Schulzeit klingen aber die Schimpftiraden der Lehrer immer noch nach, wenn sie meine Klausuren korrigieren mussten :mrgreen:

WhatsApp-Image-20160714 (7)
Das Schreibgerät meiner Wahl.

Ich schreibe viel, wenn man so an den normalen Tag denkt. Meist ist das Werkzeug meiner Wahl eine Tastatur und wenn es sich einrichten lässt genau diejenige, die zu Hause auf meinem Schreibtisch liegt. Hier ist alles griffbereit, ich bin ein chaotisch-organisierter Mensch, wie ich ja schon einmal hier bemerkt hatte, was an den ganzen Utensilien abzulesen sein mag, die da so herumliegen. Wirkliche Ordnung wird man bei mir nicht finden.

WhatsApp-Image-20160714 (4)
Protokoll eines Elternabends in der Kita

Somit würde ich zwar nie auf die Wissenschaftlichkeit desselben schließen wollen, aber so ein wenig wird der Charakter bestimmt auch in der Handschrift reflektiert. Meine sieht jedoch oft auch unterschiedlich aus, wenn ich mit unterschiedlichen Medien schreibe. Ich mag z.B. die Schriften in den Schreibprogrammen sehr und spiele dort, wo man das noch darf, auch gern damit herum. Meistens ist diese aber standardisiert, wenn man offizielle Dokumente einreichen muss.

Da ich inzwischen fast komplett auf elektronische Medien umgestiegen bin, war es gar nicht so leicht ein Dokument herauszufischen, was ich noch auf Papier vorliegen hatte. Ich habe bereits im Studium aufgehört, mich auf diese Art zu beschweren, denn Papier wiegt erstaunlich viel, wenn man es nur ein wenig ansammelt. Somit fing ich vor etwa 4 Jahren an nur noch elektronisch mitzuschreiben. Zuerst bedeutete das natürlich reines Tippen.


WhatsApp-Image-20160714 (9)
Aus den Unterlagen zur Prüfung ‚Heiliger Krieg‘

WhatsApp-Image-20160714 (8)

Doch dann machte die Technik einen Sprung und ich stieg auf elektronische, handschriftliche Medien um. Mein treuer Begleiter im Studium wurde dieses alte Schätzchen, was nun seine besten Tage hinter sich hat. Mit ihm bereitete ich auch alle Prüfungen vor, was sich als sehr dankbar erwies, da ich dort Schrift und schnelle Kopien aus Dokumenten vereinen konnte.

Denn den gewünschten Lerneffekt, den konnte ich erst für mich herstellen, wenn ich meine eigene Handschrift vor Augen hatte bei der Vorbereitung. Gedrucktes liest man viel, die eigene Handschrift jedoch formt das genauer aus und in den eigenen Worten findet man auch die eigenen Gedanken in Bild und Form wieder.


WhatsApp-Image-20160714 (6)
Alltägliche Standardausrüstung

Dieser elektronische Helfer wurde jetzt zum Referendariat ausgetauscht. Ich arbeite nun mit einem wesentlich größeren Nachfolger, der das Schreiben auch einfacher gemacht hat, da die beschreibbare Oberfläche einfach wesentlich größer ist. Praktisch an diesen neuen Tablets ist, dass sie direkt an eine Tastatur ‚angeklickt‘ werden können und dann als vollwertiger Laptop fungieren. Somit habe ich meine mobile Arbeitsplattform auch in der Schule/unterwegs immer dabei, egal in welcher Weise ich sie nun nutzen will.

WhatsApp-Image-20160714 (5)
Unter Windows das Schreibprogramm für handschriftliche Notizen: OneNote

Für meine Schrift hat sich hierbei allerdings nicht viel verändert. Ich benutze auf den glatten Oberflächen gerne Folien, die einmal das Display schützen, dann aber auch ein wenig das ‚Papier-Gefühl‘ wieder herstellen können. Es ist schon eine Umstellung, wenn die glatte Stylus Spitze nur so über die Tabletoberfläche rutscht. Das wurde von Samsung übrigens gut gelöst, deren integrierter Pen hat eine Hartgummispitze. Damit habe ich bisher am besten geschrieben.


Ein weiteres Schriftbild, welches ich sehr liebe, das ich aber nur mit Mühe, Zeit und Ruhe herstellen kann, ist das der Kalligraphie. Ab und an beschäftige ich mich gerne mit anderen Schriftarten, ich beherrschte Süterlin fast aus dem Gedächtnis, ein paar Großbuchstaben muss ich ab und an nachschlagen, wenn ich es lange nicht mehr benutzt habe. Ich habe auch schon mal ein Projekt angefangen, welches noch immer unvollendet in einer meiner Schubladen liegt, weil oft einfach die Zeit dafür fehlt.

Dieses Lederbüchlein wird beschrieben, wenn ich die Muße finde, was deutlich zu selten ist. Es war sogar schon einmal Teil meines Unterrichts, da es dort um den Buchdruck ging und ich den Schülern zeigen wollte, wie früher Bücher gebunden und aus welchen Materialien sie hergestellt worden waren.


Nach ein wenig virtuellem Kramen, habe ich sogar ein Tafelbild gefunden; mein erstes 😉 Wie nervös ich da gewesen bin, mag man der Schreibweise gewisser Beiträge der damals fünften Klassen entnehmen, wo mein Hirn zwar bemerkte, dass das auf keinen Fall das gesuchte/gemeinte Wort sein kann, ich beim besten Willen aber nicht auf die Antwort kam. Im Moment kann ich die Tafelbilder nicht dokumentieren, da mein Handy dermaßen alt ist, dass nur verschwommene Bilder zurückbleiben würden.

20131210_082900-1

Wie man sieht, war ich damals schon nicht sicher, ob nun Schreibschrift oder Druckschrift die Schrift der Wahl ist, habe mich aber für ‚die Kleinen‘ zusammen gerissen und es mit Schreibschrift versucht. Vielleicht sollte ich das doch beibehalten, ich muss mal Feldversuche einführen.

Ich lese Handschriften sehr gerne. Je unterschiedlicher, desto spannender. Auch die alten Dokumente habe ich im Geschichtsstudium immer gerne entschlüsselt. Noch musste ich keinen Satz Klausuren korrigieren, ich denke meine Begeisterung wird sich da in Grenzen halten, wenn die Schriften zu ‚individuell‘ werden und von der Norm abweichen. Aber die ‚elektronische Schule‘, in der nur noch getippt wird damit alle alles besser lesen können, die wäre mir ein Graus. Schrift ist wichtig für den Menschen und ich fände es katastrophal, wenn die Kinder die eigene Handschrift in der Schule verlieren sollten.

Advertisements

8 Kommentare zu „Das geschriebene Wort

  1. Wow, das ist ein sehr gelungener Beitrag zum Thema Handschrift. Schön, dass wir dich dazu animieren konnten. 😊 Was meinst du, dürfen wir unseren Beitrag noch als Zusatz mit einem link auf deinen ausstatten? LG Ela ☕

      1. Alles klar 🙂 Euch auch ein schönes (sommerliches?) Wochenende. Wir haben mal wieder Familienfeiern anstehen.

  2. Danke für die Verlinkung. Dein Beitrag gefällt mir ausnehmend gut. Und überhaupt der Blog. Aber was soll man von einem Menschen, der Geschichte und Ethik auf Lehramt studiert, auch anderes erwarten als einen großartigen Blog, gell? 🙂
    Ich finde es spannend zu lesen, dass es Menschen gibt, die tatsächlich weithin auf Papier verzichten, ich hätte die Prüfungsvorbereitung wahrscheinlich ohne hektisches Zetteldurchblättern und triumphierendes ZettelindieLuftreißen nicht überlebt. Aber so unterschiedlich sind die Menschen. Und deine Kalligraphie sieht wirklich wunderbar aus. Ich habe das auch mal probiert, aber meine Hand lässt sich nicht so weit beruhigen, dass sie kalligraphietauglich ist. *g*

    1. Dachte ich mir beim ersten Querlesen bei dir auch. Great minds … und so weiter 😀

      Kalligraphie beruhigt mich sehr. Aber ich habe kaum Zeit dafür. Dafür kommt mein Vater oft an und möchte Urkunden für seinen Verein hübsch ‚ausgemalt‘ haben. Mach ich natürlich ^.^

      Ich liebe meine ‚Gadgets‘, ich habe für alles irgendein Behältnis oder Gerät oder Ding oder Stück … Somit liebe ich auch meine elektronischen Helfer, vor allem jetzt, seit sie tatsächlich auch immer praxisnäher in der Anwendung werden. Anfangs war es doch etwas Pionierarbeit, aber so langsam sind solide Programme auf dem Markt, die das Arbeiten erleichtern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s