Veröffentlicht in Alltag, BdU, Referendariat

WmdedgT September 2016

Wenn auch etwas gehetzt antworte ich auch heute auf Frau Brüllens Aufruf. Was ich den Tag so mache? Heute steht der Tag unter dem Thema: Gestresst!

07:19 Uhr Aufwachen

Zwanzig nach sieben?!!!! WTF! Mehr schießt mir nicht durch den Kopf, als sich die Zahlen vom sanft glimmenden Bildschirm im halbdämmrigen Zimmer mir unschuldig auf dem Handydisplay offenbaren. Kein nächtliches Gewecktwerden vom Töchterchen, kein morgendlicher Terror von zu wenig ausgeschlafenen Kindern, kein frühes Aufwachen, kein … keine Störung. Ich habe wie ein Stein geschlafen und wache nun in einem Sekundenbruchteil auf. Ich habe verschlafen!

25 Minuten bis ich in der Klasse stehen muss. Desorientiert stolpere ich die Treppe runter ins Büro. Da ich damit gerechnet hatte, von meinem Mann beim Verlassen des Hauses gegen viertel nach sechs geweckt zu werden, ist meine Tasche auch noch nicht gepackt. Für mich fertig machen, Kinder fertig machen und Tasche fertig machen hätte ich dann noch eine dreiviertel Stunde gehabt. Nun sind es knapp fünf Minuten für die Tasche und für mich. Mein Freund sieht mich nur verwirrt an und ich fahre ihm gereizt über den Mund: „Warum weckt mich keiner?! Ich muss zur ersten Stunde!“ – „Warum stellst du dir denn keinen Wecker?“ – „Weil …!“ Für die Erklärung habe ich keine Zeit und stopfe schnell alles in die Tasche. Wenigstens stehen die Stundenplanungen, ich war ja nicht untätig am Wochenende. Nach zwei Minuten stürme ich aus dem Büro.

Nach exakt drei Minuten habe ich das Bad wieder verlassen und haste die Treppe wieder hoch zu meinem Kleiderschrank. Das Oberteil hat keine Schultern … ist mir nun egal, in der Stimmung kann Frau Rottenmeier mich mal. Es ist kurz vor halb. Strümpfe und Schuhe an, Tasche … ist nicht zu finden. „Ist alles schon im Auto.“ informiert mich mein Freund, den ich nur im Vorbeirauschen wahrnehme. „Ich brauche noch Wasser …“, sage ich beim Abbiegen in die Küche. „Ist alles schon im Auto.“ wiederholt er und fügt „Kaffee auch.“ hinzu. „Du musst dir wirklich einen We- …“ höre ich schon nicht mehr, als ich die Treppen vor der Haustür runterspringe und die Tür hinter mir ins Schloss saust.

07:30 Uhr Abfahrt

Leider ist mein Arbeitsweg nur an zwei Stellen mit einer 100er Zone bedacht worden und auf diesen hat man garantiert einen LKW oder Rentner vor sich. Ich stelle mich schon mal auf keine Möglichkeit ein, die Zeit gut zu machen. Wenn es ganz schnell gehen sollte, komme ich drei Minuten vor Stundenbeginn an. Ist das genug Zeit um noch eine Folie zu kopieren? ….

Meine Überlegungen werden von einem weiteren Hindernis auf neue Wege gelenkt: Natürlich ist gerade jetzt eine Baustelle auf dem Weg und ich muss den Umweg über den Berg nehmen. Hallo Murphy, heute auch nicht ausgeschlafen, hm? Noch während ich die Serpentinen hochfahre fange ich an, die noch immer nicht gespeicherte Nummer der Schule zu googeln. Nach mehreren Spracheingabeversuchen, schiele ich unsicher auf die Uhr. 07:42 … rufe ich nun an oder lasse ich es darauf ankommen? Im schlechtesten Fall komme ich zwei Minuten zu spät. Haben die Kinder dann schon Bescheid gegeben? Komme ich vielleicht nochmal davon? Es macht sicher keinen guten Eindruck, wenn man so früh im Schuljahr schon verschläft … Ich kann immer noch sagen, dass es Probleme mit den Kindern gab, auch wenn mir die Möglichkeit nicht recht behagt.

07:47 Uhr 1.+2. Stunde Philosophie EF

Ich stehe nach einem kurzen Sprint am Schulgebäude vorbei zum Klassentrakt, der natürlich am weitesten vom Eingang entfernt gelegen ist, aufgelöst vor der Klasse. Niemand wundert sich über die kurze Verspätung, die Schüler tröpfeln in den Raum und stellen ohne Aufforderung die Tische um. Material von der Vertretungsstunde am Donnerstag, als ich den Praxistag im Seminar hatte, liegt auf den Tischen und ich werfe nach der Begrüßung einen kurzen Blick in die Runde. Die Ergebnisse sind teilweise gut ausgearbeitet worden, leider hat nur eine Gruppe richtig geschlussfolgert, dass Folientasche plus Folienstift eventuell darauf hindeuten könnte, dass ich von ihnen erwartet habe, dass sie ihre Ergebnisse AUF DIE FOLIE schreiben. War ja auch weit hergeholt … Nun gehen also gut 20 Minuten dafür drauf, dass sie das nachholen.

Danach beginnt die erste Gruppe mit der Präsentation. Sie hatten sich Gedanken dazu gemacht und auch recherchieren sollen, inwiefern Menschen, Primaten, Delphine/Wale, Hund/Katze/Pferd und Raben/Elstern wohl sich etwas merken können (Routen oder schlimme Erlebnisse), sich über sich selbst ärgern, lügen, eine Geschichte erzählen, jemanden vor Gefahr warnen, begründet etwas nicht tun, sich ein Lebensziel setzen, einen Kompromiss finden, aus Fehlern lernen, eigene Fehler bereuen oder eine Reise planen können. Jede Gruppe hatte 2 bis 3 dieser Fragen untersucht und stellte nun vor, was sie herausgefunden hatten. Da jedes Ergebnis noch diskutiert und eingeordnet werden musste, waren wir erst gegen Ende der zweiten Stunde auch wirklich damit durch. Eine Hierarchie war erstellt, in der der Mensch ganz oben angesiedelt wurde und die Art der Recherche war reflektiert worden.

Eigentlich hatte ich das in der ersten Stunden schaffen wollen, aber da mein Aufbruch und die Ankunft so chaotisch verlaufen waren, hätte ich die geplante Dokumentation eh nicht mehr zeigen können. Für die Schüler war es auch ganz ok, sich gründlich mit den Fragen auseinander zu setzen. Mit der Hausaufgabe und dem Arbeitsauftrag, eine Darstellung einer elisabethianischen Seins-Pyramide einordnen und analysieren, entließ ich die Schüler dann in die große Pause.

09:20 Uhr Große Pause

Da ich eh Aufsicht in dem Trakt hatte, packte ich in aller Ruhe zusammen, brachte den geliehenen OHP noch in den benachbarten Klassenraum zurück (den ich morgens auch noch gegen den defekten im Klassenzimmer ausgetauscht hatte) und schlenderte durch die leeren Flure. Am Kunstraum angekommen fand ich eine Kollegin bei ihren Vorbereitungen, die mir schon öfter aufgefallen war. Wir unterhielten uns eine Weile über zu enge Lehrpläne, unmögliche politische Entscheidungen und allgemeines aus dem Lehrerzimmer und die Pause flog nur so vorbei.

Nett fand ich ihr Kompliment zu meinem Nicht-Schulter-Bedeckenden-Top, welches offensichtlich ihren Geschmack traf. „Du bist mir eh schon oft aufgefallen, du hast immer so hübsche Sachen an!“ Ich musste schmunzeln und erwähnte, dass meine Sachen wohl dem ein oder anderen schon aufgefallen wären. Zu der Geschichte mit Frau Rottenmeier schüttelte sie nur den Kopf.

09:40 Uhr Lehrerzimmer

Im Lehrerzimmer angekommen überfiel ich den erstbesten Kollegen mit meinem unfertigen Transkript für die 9. Klasse. Ich hatte mir einen Tagebucheintrag aus dem Netz gesucht und das Sütterlin so gut eben möglich transkribiert, aber bei fünf Wörtern war ich einfach nicht weiter gekommen. Um es vorweg zu nehmen: Die Kollegen auch nicht 😀 Keiner wurde aus der Handschrift schlau und ich werde die Quelle wohl unvollständig an die Klasse geben müssen. Falls sich jemand versuchen will:

  1. Linke Seite, dritte Reihe von unten, letztes Wort
  2. Linke Seite, zweite Reihe von unten, erstes Wort
  3. Rechte Seite, dritte Reihe von oben, zweites, drittes und viertes Wort

04_Quelle Goerg Joseph Preußer Kriegstagebuch 1914-1918 IV

10:30 Uhr Geschichte Klasse 9

Auch diese Klasse hatte vom Praxistag noch die Aufgaben zu vergleichen und wir nahmen uns den Zeitungsausschnitt der Balkonrede von Wilhelm II. vor.

04_Quelle- Balkonrede Whilhem Il_01

Er war von den Schülern abgeschrieben und bearbeitet worden und wir versuchten die Sicht des Kaisers auf den Konflikt und drohenden Krieg zu klären. Das klappte ziemlich gut, außer den verschiedenen Motiven nannten die Schüler auch die Motivation hinter der Rede und konnten sie in den Kontext der Zeit korrekt einordnen. Auch wenn mir in jeder Stunde so ein wenig unter den Nägeln brennt, dass wir eigentlich schon im Zarenreich Russlands und dessen Untergang involviert sein müssten, so finde ich es gut und richtig, dass sie dieses Thema nun noch genauer behandeln können und dort keine komplette Leerstelle behalten werden.

11:15 Uhr Lehrerzimmer

Ein paar weitere Kollegen warfen einen Blick auf mein Sütterlin-Tagebuch und die Auskunft blieb wie vorher; niemand konnte sich einen Reim darauf machen. Philipp war auch da und wir unterhielten uns eine Weile über seine Unterrichtsreihe zu den Gottesbeweisen und die Möglichkeiten in meiner Anthropologie-Reihe, die ich ja gerade in der EF halte und verquatschten uns letztlich.

Ein paar ehrliche Worte zu Herr König wurden ausgetauscht, der uns beiden manchmal einfach zu beschäftigt erschien, um uns wirklich weiterhelfen zu können. Sowohl Philipp als auch ich fühlten uns grundlegend ziemlich alleine gelassen in unserem BdU. Wirklich interessieren was wir da so veranstalteten tut sich nämlich niemand.

12:55 Uhr Wieder zu Hause

Zu Hause angekommen empfing mich mein Freund mit einer heißen Wanne und schlechten Neuigkeiten. Da sich sein Gesundheitszustand ja seit Wochen immer weiter verschlechtert hatten sich die Ärzte zusammen gesetzt und Tests angeordnet. Einer davon hatte nun ein Problem mit seinem Stoffwechsel festgestellt und es folgen somit … mehr Tests. Naja, wenn es etwas bringt, im Moment ist er so geschwächt, dass er nicht mal mit den Kindern spielen kann.

14:10 Uhr Büro

Nach einem schnellen Mittagessen und dem Baden fing ich an mich durch Mails zu wühlen, mündliche Noten einzutragen und Material zu sichten. Mein Tablet fehlt mich schmerzlich im Unterrichtsalltag, wollen wir hoffen, dass es morgen nun zeitig abgeholt wird und dann möglichst zügig repariert (auf Garantie hoffe ich …) zurück kommt.

16:10 Uhr Kita

Nachdem ich geordnet habe, was so zu ordnen war, hole ich die Kinder. In der Kita läuft gerade die Wahl der Elternvertreter und die Motte zerrt mich nach der Begrüßung direkt dort hin. Da hat sie wohl heute öfter mal gezeigt, dass die Mama da hängt 😉 Beide kleinen sind ausgeglichen und plappern unglaublich viel. Es ist zwar noch nicht verständlich, aber es klingt für Elternohren trotzdem klasse. Ich sammle die Dreckspätze ein und fahre sie nach Hause.

Dort angekommen bringen sie ihre Sachen wie gewohnt weg (Schuhe ins Schuhregal, Jacken an den Haken, Rucksäcke in die Küche und Brotdosen auf die Arbeitsplatte) und verspeisen erstmal eine Banane, bevor sie sich zum Spielen verabschieden. Mein Freund leistet ihnen dabei Gesellschaft.

16:45 Uhr Büro

Weiter geht es … Planungen für die nächsten Schultage.

18:10 Uhr Abendessen

Heute etwas später als sonst, sitzen wir mit Schmetterlingsnudeln und Pilzsauce beisammen und lassen uns von den Kindern erzählen, dass wir immer mit dem Auto fahren, wie gerne sie Milch trinken, wer seinen Teller am schnellsten aufgegessen hat und einiges weiteres Kauderwelsch aus dem Kindergarten. Elternteile bekommen auch ein wenig Redezeit eingeschoben. Wenn sie schnell sind sogar ohne Unterbrechung 😉

18:45 Uhr Büro

Ich komme einigermaßen gut voran und arbeite an den Unterlagen weiter. Mein recht erschöpfter Freund gesellt sich am Schreibtisch nebenan zu mir während mein Mann die Kinder übernimmt.

19:50 Uhr Shaun-Zeit

Ein übermütiger Sturz mit dem Kopf voran läutet unter Tränen das Ende des Abends ein. Wir kuscheln uns auf dem Sofa zusammen und die Kleinen dürfen zwei Folgen Shaun das Schaf schauen. Danach wird die Treppe nach oben erklommen und sie tapsen in ihre Betten.

20:40 Uhr Büro

Die Motte hatte mal wieder echte Probleme einzuschlafen. Wir haben ein total pflegeleichtes Kind, den Spatz, der fast immer ohne sich irgendwie zu beschweren, sich hinlegt, kurz rumdreht und einschläft. Sie braucht ewig, dreht sich meist fast noch 10 mal im Kreis, bevor sie endlich die Augen schließt und zulässt. Heute ging das sogar nur mit Körperkontakt und weinen, sobald man sie in ihr Bett legen wollte. Schauen wir mal, ob eine neue ‚Phase‘ an die Tür klopft.

Naja, mal sehen ob ich noch etwas schaffe.

22:10 Uhr Bett

Kleinkram konnte ich noch erledigen, unter anderem wurde das Paket fertig gestellt, welches morgen dann mit meinem geliebten Asus Transformerbook auf die Reise gehen wird. *seufz* Ich brauche meine Hard- und Software einfach. Morgen der Tag wird unaufgeregter werden, alleine schon, weil ich nur hospitiere und nicht selbst vor der Klasse stehen muss. Ist schon fast Luxus wieder in der Schülerrolle zu sein ^.^

Ich packe alles zusammen, auch die Tasche wird vorsorglich gepackt, und lasse es für heute gut sein. Ein wenig lesen vielleicht noch …

Gute Nacht 🙂

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9 Kommentare zu „WmdedgT September 2016

  1. Liest sich wie ein Actionfilm … Das erste Wort zweite Zeile von Unten beginnt mit einem T… Der Logik nach stehen da die drei Namen der Leute, mit denen er sich das Zimmer teilt, aber ich kriege keinen entziffert. Sobald man es vergrößert, wird es nämlich unlesbar.

    1. Das mit dem T ist keine schlechte Idee … drei Namen habe ich: Heinz Brücker, Kunz(?) Joseph und ‚ich‘. Gibt es den Namen ‚Tünnes‘ Güls? Jemand der heißt wie der Ort aus dem er kommt? Hm ….

      Und wer sagt, dass ein normaler Tag langweilig sein muss? ^.^

      1. „Tünnes“ ist eine Figur aus dem Kölner Brauchtum. Und davon abgeleitet gibt es „den Tünnes“, jemanden, der wie Tünnes ist. Von daher kann das ein Spitzname sein. Ich kann außer dem T wie gesagt leider nichts entziffern, das ist echt ne harte Nuss. Aber „Tünnes“ ginge durchaus, wenn der Tünnes Rheinländer ist.

      2. Wie praktisch, dass Güls tatsächlich dort liegt 😀 Ich denke, die Quelle eignet sich hervorragen für Quellenkritik und eine Stunde zum Thema Handwerkzeug des Historikers.

  2. Auf der Suche nach neuem Lesefutter bin ich gerade über diesen Blog und speziell diesen Eintrag gestolpert, und habe spontan beschlossen, dass ich hier eine Weile bleiben möchte 😉 Nicht nur weil ich erst vor kurzem das Theme meines eigenen Blogs in genau dieses hier geändert habe. Dieser beschriebene Lehrertag hat mich mehrere Male zum Schmunzeln gebracht – der ganz normale Alltagswahnsinn halt. Mal schauen, welche Perlen sich hier noch hinter den älteren Beiträgen verbergen =)

      1. Danke! 🙂 Ich hatte in meinem Profil noch meinen alten Blog verlinkt, sah ich gerade, das sollte aber ab jetzt alles passen. 🙂

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