Veröffentlicht in BdU, Flüchtlinge, Organisatorisches, Referendariat

Nachmittagsunterricht

Da hatte ich ihn das erste Mal: Nachmittagsunterricht. Und ja, man merkt es deutlich, dass das nicht die aufmerksamste Zeit der Kinder ist. Meine aber ehrlich gesagt auch nicht und so haben wir irgendwie dann doch das Beste daraus gemacht. Soweit möglich …

Zuerst durfte ich heute ein wenig die Zeit vertrödeln. So ein freier Vormittag zieht sich unheimlich, wenn man nicht ins Arbeiten findet und heute wars ganz schlimm. Da ich somit sehr unproduktiv nur prokrastiniert habe, kam ich den ganzen Tag nicht richtig in den Tritt. Zur sechsten Stunde konnte ich endlich zur Schule fahren. Eigentlich hatte ich in der Zeit nochmal genau überlegen wollen, was ich mit den 6ern heute mache, die ich ja zum ersten Mal sehen würde, aber es wollte mir einfach nichts einfallen.

Zuerst sah ich aber meine 9er; Hausaufgabenkontrolle stand an. Einmal der Austausch der Briefe und dann die Kontrolle der Deckblätter für die Mappen. Einige sehr hübsche Sachen waren dabei, aber auch der eben nicht so gewünschte schlichte ‚Geschichte‘-Schriftzug. Sie dürfen das zur nächsten Woche nochmal bearbeiten. Was mich gefreut hat war, dass tatsächlich einige die neu erworbenen Sütterlinkenntnisse genutzt und den Schriftzug in Sütterlin geschrieben hatten. Beim Eintragen der vergessenen Materialien oder eben dann auch Hausaufgaben fiel mir schnell auf, dass ich aus der Not heraus zwar die App fürs Handy heruntergeladen, aber noch nicht genauer angesehen hatte. (Mein Tablet ist ja nun in Reparatur *schniff*) Es dauerte etwas, bis ich die Oberfläche soweit überblickte, dass ich die Schüler auch fand und den Eintrag klicken konnte.

Nach einer kurzen Zusammenfassung der vorherigen Stunde kamen wir zu dem  vielzitierten  Tagebucheintrag von Joseph Preußer. Äußere und innere Quellenkritik wurde geübt und der Inhalt analysiert und mit der Sicht des Kaisers kontrastiert. Es lief relativ gut, sie erkannten die sich einschleichende Gleichgültigkeit durch die Schrecken des Krieges, wie knapp er über gefallene Kameraden schrieb und wie ein Soldat generell im Krieg behandelt wurde.

Nach einer Freistunde, die ich wieder mehr oder weniger unproduktiv verbrachte, war es dann soweit. Achte und neunte Stunde Geschichte in der sechsten Klasse. Hier muss ich einmal anmerken, dass meine ehrgeizigen Pläne inzwischen ziemlich heruntergeschraubt worden sind. Der Karteikasten wurde abgeschrieben, den Rest versuche ich noch umzusetzen, aber ich merke jetzt schon, dass mir für vieles die Zeit fehlen wird. Ich suche dafür noch nach einer Lösung.

Die Kinder waren ziemlich aufgekratzt und sprangen über Tische und Bänke, waren dabei aber recht lieb. Es war eben einfach furchtbar spät und Geschichte ist für sie das einzige Fach, was nachmittags unterrichtet wird. Sie waren die Zeit nicht gewohnt. Wir klärten, was eigentlich Geschichte ist, was für unterschiedliche Arten von Geschichte sie schon kannten, was typisch für Geschichte ist und wie man gewissen Dinge unterteilen kann. Ob Geschichte nur ‚von besonderen Menschen‘ handelt oder ob auch Geschichten, die man im Deutschunterricht liest, dazu gehören.

Mitten in der Diskussion über Epochen und der ersten Arbeit mit dem Zeitstrahl, kamen dann aber organisatorische Fragen auf, die meinen ziemlich spontanen Unterricht jäh unterbrachen. Fürs nächste Mal nehme ich mir vor das am Anfang der Stunde zu klären. Wir sprachen also über Mappenführung und Formalia und dabei kam dann auch die Frage nach dem Ausflug auf. Meine 6er waren leider die Klasse, die kaum Anmeldezettel zurückgegeben hatte und ich rührte kräftig die Werbetrommel für den Trip in die Steinzeit. Bei den Meisten fruchtete das auch, fast alle Hände gingen hoch, als ich einmal um Handzeichen bat, wer denn da mitkommen wollen würde.

Einen der Jungs konnte ich überhaupt nicht überzeugen, dass so ein Ausflug echt ein Grund sein könnte, seine Dauerkarte mal nicht zu nutzen und dass der Lieblingsverein an dem Samstag auch ohne seine physische Anwesenheit eventuell gewinnen könnte. :mrgreen: Die ganze Klasse ist scheinbar ziemlich fußballverrückt. Aber ich hoffe nun doch auf rege Teilnahme.

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Gute Dienste leistete mir an der Stelle ein kleiner Stempelturm, den ich mir bestellt hatte. Die kurze Nachricht mit wann, wo, wie lange und wie teuer ließ ich abschreiben und konnte dann kontrollierend herumgehen und überall einen kurzen Stempel für die Unterschrift der Eltern aufdrücken. Fanden die Kinder sehr beeindruckend und ging natürlich recht fix.

Wann und wo ich die anderen Stempel mal brauchen werde, weiß ich noch nicht, aber gerade die Unterschriftenzeile finde ich jetzt schon sehr praktisch.

Zwei Flüchtlingskinder hatte ich auch wieder in der Klasse. Das eine Mädchen hätte ich gar nciht als solches eingeschätzt, sie sprach flüssig Deutsch und redete auch schon viel mit mir, während ich die andere beim Herumgehen entdeckte, da sie mich nur mit großen Augen ansah, als ich sie ansprach. Es ist wirklich so unterschiedlich, wie die Kinder sich zurechtfinden. Während eine in einem Jahr bereits akzentfreies (!) Deutsch sprach und insgesamt ihren Sprachfundus auf sechs (!!) Sprachen erweitern konnte, versteht die andere nicht mal einfache Fragen wie: „Wo ist dein Heft?“ Ich bin schwer am Überlegen, ob ich da einen Fokus fürs Examen legen könnte, mich interessiert die Problematik eh.

Was ich mir am Schluss nicht nehmen ließ, war den Zeitstrahl aufzuhängen. Mein Fachleiter hatte wenig lobende Worte für meine angestrebte Visualisierung gefunden; das würde alles nichts bringen, sie vergessen eh. HMPF! Werden wir ja sehen *brummel* Sie fanden es zumindest motivierend, dass der bunte Strahl dann da hin und das war ja auch schonmal was. Auch die Ankündigung, dass wir in der nächsten Stunde ‚ganz am Anfang‘ anfangen, stieß auf Gegenliebe und ich hoffe, dass ich die Nachmittage spannend gestalten können werde.

Anstrengend wird es auf jeden Fall, meine Stimme hat heute sehr gelitten, ich muss mir noch etwas einfallen lassen, wie ich sie etwas gemäßigter bekomme. Dagegen anreden möchte ich nämlich nicht.

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7 Kommentare zu „Nachmittagsunterricht

  1. Ich hatte im letzten Schuljahr im ersten Halbjahr eine 6. Klasse in Geschichte. Die waren so süß und lieb. Und haben alles gemacht was ich gesagt habe und fanden alles toll. Da habe ich aber auch ein paar ganz gute Sachen gemacht 🙈. Ich war so traurig, dass ich durch den Schulwechsel die Klasse nicht mehr hatte 😞 allerdings hatte ich sie vormittags. Meine seminarlehrerin (die heißen ja eh überall anders ;)) findet einen Zeitstrahl super.

    1. An sich waren sie genau so, wie ich 6er erwartet hatte: Fragten wie alt ich bin („Nein! So alt sehen sie ja gar nicht aus!“), ob ich Kinder habe (mit entsprechenden Quietschlauten als sie erfuhren, dass es zweijährige Zwillinge sind ;)), ob ich schon lange an der Schule bin, welchen Fußballverein ich gut finde und so weiter.

      Was hast du an ‚guten Sachen‘ denn gemacht, wo sie begeistert waren?

      Zeitstrahl finde ich auch toll. Bei mir persönlich hat das damals immer geholfen, also mache ich das jetzt auch entgegen der Forschungsergebnisse ^.^

      1. Sowas haben die gar nicht gefragt. Die waren tatsächlich am Unterricht interessiert 😂 (dafür war die 9. Klasse an allem an mir interessiert, bis auf meinen Unterricht 😅) also ich glaube begeistert waren sie von dem Untersuchen von Steinzeitwerkzeugen (bei Amazon bestellt 😉 und so vorgegangen, wie die Methodenseitem es vorgeschlagen haben, aber auf einem extra AB), den eigenen Namen auf Papyrus schreiben, mein Ab zur Olympiamaus. 😉 oder den Pharao abmalen und beschriften. Ich hatte auch ein ganz tolles Gruppenpuzzle, die haben einfach konzentriert gearbeitet und alles ausgetauscht 😁

      2. Klingt super. Ich habe Anschauungsmaterial immerhin schon für die Maya, da leiht mir eine Kollegin ihre Masken. Je haptischer es wird, desto besser dachte ich mir auch. Mal schauen, was ich alles umsetzen kann 🙂 Klingt auf jeden Fall gut bei dir.

      3. Ach und in meiner letzten Stunde bei ihnen, habe ich sie wer wird Millionär Fragen erstellen lassen. Und dann meiner Nachfolgerin zukommen lassen. Ich hoffe, dass sie das ausgeteilt hat.

  2. Ich glaube Maya kommt bei uns in der 6. Gar nicht vor. Steinzeit, Ägypten, Griechen, Römer, frühes Mittelalter.

    1. Ich weiß, bei uns eigentlich auch nicht. Aber ich werde das mit den Ägyptern kombinieren. Die anderen Hochkulturen werden immer so ausgeblendet.

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