Veröffentlicht in BdU, Referendariat, Schule

Luft raus?

Ich weiß nicht wo es auf einmal herkam, aber gestern war ich gründlich kaputt. Nicht nur so ‚ich schlafe mal wieder eine Nacht ordentlich und das geht das schon‘ kaputt, sondern richtig fertig. Obwohl ich um neun im Bett lag und durchgeschlafen hatte, fühlte ich mich heute morgen richtig gerädert. Dabei empfinde ich die Zeit gerade eher weniger als stressig und anstrengend. Das beunruhigt mich auf eine ganz neue Art, da ich so ja annehmen muss, dass mein innerer Radar etwas gestört ist, wenn ich nicht mal selber mitbekomme, dass ich erschöpft bin 😮

Nun ja, ich lege mich gleich erstmal in die Wanne und dann plane ich noch etwas. Mal gucken ob das jetzt nur ein Ausnahmetag war. Zum gestrigen Tag:

Morgens hatte ich die EF in Philo. Das lief ganz ok, wobei mir der Kurs zu schweigsam wird. Ich kann noch nicht 100% sagen woran es liegt, aber ich habe zu wenig gesprächsbereite/fähige/sich einbringende Leute. Das gefällt mir weniger und das gehe ich als *rechne* Drittnächstes an :mrgreen: (Vorher muss ich die 6er und den AU planen) In der ersten Stunde sprachen wir über die Auswirkungen, die die Erkenntnisse Darwins gehabt hatten. Was war denn so spektakulär an der Erkenntnis, dass sich das Leben unter gleichen Bedingungen unterschiedlich entwickeln kann? Außer der Tatsache, dass sich Leben überhaupt entwickelt und nicht einfach von einer übermächtigen Entität gesetzt wird.

Sie hatten tatsächlich etwas Probleme sich vollkommen in den Geisteszustand vor ~150 Jahren hinein zu versetzen. Dass die Kirche dies nicht besonders toll fand und die ja eh schon Leute für nicht mit ihren Lehren konform gehende Beiträge zur Wissenschaft bestraft hatte, war ihnen geläufig und Galilei ein bekannter Name. Dass es sicher problematisch ist, wenn man etwas anderes sagt als alle anderen sahen sie auch ein. Dass den Menschen die Sinnfrage etwas zu schaffen machen könnte, wenn ihnen plötzlich das Bewusstsein genommen wird, dass sie so wie sie sind von einem höheren Wesen nach einem größeren Plan zu diesem oder jenem auserkoren wurden, das war schwieriger.

Wir lasen hierzu Freuds kurze Bemerkung zur Kränkung der menschlichen Eigenliebe und besprachen die verschiedenen Weltbilder und wissenschaftlichen Durchbrüche, die er dort anreißt. Es kam auch die Frage auf, was für Auswirkungen dass denn dann gehabt hätte, wenn die Menschen nun so überfordert gewesen wären. Da durften sie dann auf Grund ihrer Erkenntnisse einmal Vermutungen anstellen. Ich hatte Haeckel nicht eingeplant, erklärte aber im kurzen Exkurs, dass man unter anderem geglaubt hatte, dass wenn sich Leben entwickelt, es ja höher und niedere Entwickelte Arten gibt und es auch innerhalb einer Art ein höheres und niederes geben müsste. Und dass man so auf nicht-weiße Völker hinabgeschaut hätte. Wir sprachen kurz über den Kolonialismus und den dort betriebenen ‚Kulturexport‚.

Und dann … dann gab ich ihnen den ersten richtigen philosophischen Text. Innerhalb von 40 Minuten sollten sie 1. ihnen unbekannte Wörter klären und eine Liste mit Erklärungen erstellen und 2. versuchen die Struktur des Textes abzubilden. In den Vorbemerkungen schickte ich auch noch vorweg, dass sie bitte ans Markieren denken sollten. Leere Blätter sähe ich nicht gern. Joa, die Lehrerkollegen werden sich denken können, welchen Effekt das hatte. Als ich dann herum ging sah ich Blätter in buntem Blocksatz (obere Hälfte gelb, untere pink), bunte Morse-Texte (lange und kurze Markierungen mit zwei bis drei Wort Pausen in weiß) und die Minimalisten mit einem Wort in zwanzig Zeilen markiert. Für nächste Stunde habe ich beschlossen, meinen eigenen Text einmal zu besprechen und den Sinn hinter meinen Markierungen offen zu legen. Es ist glaube ich bitter nötig das einmal zu klären.

Mit Scheler kamen sie natürlich erstmal nicht durch, somit wurde dann Aufgabe 2 die Hausaufgabe. Anhand dieses Kapitels aus seinem Werk „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ werden wir auch die erste Systematik entwickeln, die sie dann für die Klausur brauchen werden. Die wir am 12.12. wohl schreiben. Ich bin gespannt wie die Reihe weiter verläuft.

Mein 9er Geschichtskurs hat sich am Montag ordentlich in die Haare bekommen. Also einige Gruppen zumindest. Ich hatte ihnen noch 20 Minuten zum Fertigstellen ihrer Placemats gegeben und dabei bemerkt wie unglaublich unterschiedlich die Gruppen letztlich gearbeitet hatten. Da waren die sehr ausführlichen, die sogar das Plakat erweitert hatten um alle Notizen unterzubringen. Oder die, die minutenlang hitzig über eine Formulierung eines Stichpunktes diskutieren konnten. Oder die, die die immer noch vor einem leeren Gemeinschaftsfeld saßen und wo sich das auch bis zum Ende der Phase nicht änderte, die es dann aber trotzdem schafften eine fast ausgefüllte Mindmap abzugeben am Ende der Stunde.

Zwei Gruppen durften dann vortragen. Immer abwechselnd stellten die einen einen Punkt vor und die anderen ergänzten. Ich habe das an der Tafel mitgeschrieben. Leider reichte die Zeit nicht für die komplette Auswertung, wir werden also morgen nochmal mittendrin ansetzen müssen. Zeitmanagement ist immer noch nicht ganz meine Stärke.

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8 Kommentare zu „Luft raus?

  1. Absolute Erschöpfung hatte ich auch schon Phasen. Das gehört irgendwie dazu. Gerade, wenn sich die Ferien nähern. Und ich bin auch immer erschöpfter, wenn weniger ansteht, als wenn alles schlag auf Schlag kommt und man dazu keine Zeit hat

    1. Ich finds echt bescheiden, dass ich bei meinem (empfundenen) geringen Pensum tatsächlich schon so einen Punkt erreicht habe. Wundert mich doch sehr, aber es ist ja recht deutlich. Solange man unter Strom steht hat man wahrscheinlich tatsächlich keine zeit dazu auszufallen bis es zu spät ist. Hoffentlich hat es nun auch gleich gereicht und ich hänge nicht länger in den Seilen.

  2. Luft raus muss manchmal einfach sein. Das erdet und ist ein deutliches Signal, das eine – kleine – Pause angesagt ist.
    Genieße sie ohne schlechtes Gewissen und schau dann wie und wo du weiter machst.
    Ich hatte so einen Moment letzte Woche und habe mir eine Geocaching-Runde gegönnt.

    1. Was ist Geocaching? ^.^

      Ja, das Signal war deutlich, habe vorhin auch erstmal geschlafen. Finde es beunruhigend, dass ich es so gar nicht gemerkt habe vorher.

      1. Geocaching ist quasi Schnitzeljagd in moderner Variante. Raus gehen, sich bewegen, etwas suchen und hoffentlich finden und einfach daran freuen es geschafft zu haben.
        Wenn du mal schauen möchtest: geocaching.com
        Kost nix, kann man alleine oder im Team machen, entspannt einfach und lüftet den Kopf
        Ja, ein bisschen beunruhigend klingt das schon, aber behaupte einfach mal, dass, wenn du es sonst früh genug merkst, das jetzt einfach als Ausrutscher verbucht werden darf.

  3. „Luft raus“ ist völlig normal und kommt selbst bei uns gestandenen Lehrern vor. Ich fühle mich nach den ersten drei übeestandenen Wochen (auch wegen Tamaras Kündigung) völlig gerädert. Unsere schulorganisatorischen Probleme haben sich zwar beruhigt aber auch ordentlich Kraft geschlaucht. Trösten wir uns alle: bald sind die Herbstferien da😂. LG Ela☕

    1. Bei euch verstehe ich das total, ihr habt ja auch ziemliches Chaos am Laufen. Ich habe bei mir einfach das Gefühl, dass es gar keinen Anlass gibt dafür, was es schwerer verdaubar macht. Ich habe ehrlich keinen rechten Schimmer WAS mich jetzt eigentlich so geschafft hat.

      1. Vergiss mal nicht, unter welcher enormen Anspannung du stehst. Im Ref will man alles gut hinbekommen, man wird ständig beobachtet, ständig muss man abliefern. Und das steckt unterschwellig in einem drin, man ist geschafft.

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