Veröffentlicht in Konstruktive Kritik, Lehrer, Referendariat

Die motivierend-schönen Momente

Gerade ist ja echt einiges los hier. Deswegen komme ich auch kaum zum Berichten, wobei ich eigentlich nicht aufhören will meinen Unterricht zu reflektieren. Ich hoffe, ich komme nun regelmäßiger dazu. Was ich aber festhalten wollte war mein erstes Feedback von den Schülern. In meinem 9er Geschichtskurs habe ich es todesmutig eingeholt. Ich hatte nämlich schon ein wenig den Eindruck, dass ich nicht alle im Kurs erreiche.

Die Stunde am Donnerstag verlief so semi-toll. Es waren alle superkonzentriert bei der Sache, keine Frage. Aber irgendwie … sprang da der Funke nicht über. Wir erarbeiteten Lenins Herrschaft und deren Merkmale. In der Klasse herrschte bis auf die fünf üblichen Verdächtigen, die mir freiwillig Rede und Antwort standen und den sieben weiteren Freiwilligen, die sich fürs Vorlesen gemeldet hatten andächtiges Schweigen. Es war geradezu unheimlich ruhig nach der lebhafteren Gruppenarbeitsphase. Mir war etwas mulmig, als ich dann unter Vorspiegelung absoluter Lässigkeit meine vier Feedbackfragen an die Tafel schrieb.

  1. Was läuft schon ganz gut?
  2. Was können Sie besser machen?
  3. Was können wir schon gut?
  4. Was können wir noch besser machen?

Kaum fünf Minuten am Ende der Stunde noch Zeit, ich wollte nur eine knappe Rückmeldung. Die meisten Zettel bekam ich auch direkt eingereicht und mit dezenten Schmetterlingen im Bauch verzog ich mich im Lehrerzimmer. Und öffnete den ersten Zettel. Und den zweiten. Dritten, vierten, fünften. Alle positiv 😮 Also, wesentlich positiver als ich erwartet hatte. Ich halte hier also einmal die Liste fest.

Gutes:

  • gute Erklärungen
    • es ist immer verständlich
    • jeder versteht den Stoff
    • alle kommen mit
    • komplizierte Sachen kann man sich gut vorstellen
  • Lernen macht Spaß [Awww ^.^]
    • es ist nicht langweilig
    • spannender Unterricht
    • man lernt jede Stunde etwas
  • Wir können Ereignisse und Daten in den historischen Kontext einordnen
  • Wir kommen gut voran
    • der Unterricht fließt voran
  • gute Diskussionsgespräche
  • Texte werden gut ausgewertet
  • Wir bringen gute Ergebnisse
  • Wir sind ruhig [ok ja, manchmal 😉 ]

Schlechtes:

  • Wir könnten uns mehr melden.
  • Wir könnten besser zuhören.
  • Ich habe wenig Interesse, könnte mich aber mehr anstrengen.
  • leise sein (manchmal)
  • Gruppenarbeit anders gestalten
  • übersichtlichere Tafelbilder
  • abwechslungsreicherer Unterricht (mehr PA, GA)
  • öfter das Thema der vorherigen Stunde wiederholen
  • Mappen nicht einsammeln / kein Deckblatt fordern
  • Sie könnten lockerer sein.
  • Sie könnten Leute drannehmen, die sich nicht melden (nicht so oft, ab und zu)
  • Sie sollten uns mehr ausreden lassen.  [Autsch, so wahr … 😦 ]
  • mehr schriftliche Aufgaben stellen
  • mehr ins Detail gehen

Das Feedback fand ich rundum gelungen. Es hat mir einiges gebracht und vor allem dieses leicht unsichere Gefühl vertrieben, dass ich ab und an den Schülern vorbeirede, weil sie so ruhig sind. Auch die Kritikpunkte finde ich sehr wichtig und gut getroffen. Dass die Gruppenarbeit beim nächsten Mal anders laufen würde, hatte ich mir auch schon vorgenommen. Dass meine Tafelbilder sehr ausbaufähig sind, war mir auch schon aufgefallen, hätte ich aber erstmal keine große Energie drauf verwendet. Dass ich den Schülern viel zu oft ins Wort falle, wenn ich das Gefühl habe, dass sie dabei sind etwas Falsches zu sagen, ist mir schon negativ aufgefallen, aber es passiert trotzdem noch. Da werde ich mich zuerst zusammenzureißen versuchen. Schriftliche Aufgaben und Partnerarbeit werde ich auch berücksichtigen und es wird einen kleinen Extravermerk für die Zusammenfassung der vorherigen Unterrichtsstunde demnächst geben. Gibt genug stille Schüler, die da vielleicht mal aus sich rauskommen.

Aber ansonsten … hach, was ein Feedback *schwebt immer noch auf Wolke sieben* 😀 Eine besonders schöne Stelle soll hier das Schlusswort bilden.

„Die Erklärung vom 1. Weltkrieg fand ich sehr mitreißend. Als Sie erzählt haben, wer mit wem verbündet war und wo geheime Bündnisse versteckt waren, konnte ich nicht anders, als mich nur darauf zu konzentrieren. Es war, als würde um Sie herum alles verschwimmen. Diese anschauliche Erklärung fand ich sehr gut!“

Politische Bündnisse und ein Lehrer mit alles ausblendender Aura in einem Zusammenhang. Nuff said :mrgreen:

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7 Kommentare zu „Die motivierend-schönen Momente

  1. 👍👍 ich habe das bisher nur einmal gemacht. Bei uns sind im ersten Halbjahr echt einige verzweifelt, weil sie sich das zu sehr zu Herzen genommen haben. Grade Pubertäre geben da gerne auch mal mist an 😀 meine Geschichtsseminarlehrerin hat uns aber auch empfohlen, als Junglehrer, nicht so oft zu macheb, grade wenn man Probleme mit einer Klasse hat 😀

    1. Ich wollte ihnen die Möglichkeit geben sich anonym zu äußern und eine Plattform zum gemeinsamen Arbeiten schaffen. Das hat in dem Fall super geklappt. Wenn Negativeres dabei rausgekommen wäre, hätte ich das erst recht zum Arbeitsanlass genommen. Der Kurs ist soweit sehr vernünftig meiner Einschätzung nach. Und komplett verunsichern hätte ich mich hoffentlich nicht lassen; so grausam finde ich meinen Unterricht nicht 😉

      1. Sowas ist ja immer anonym. Oder sollte es 😉 ich weiß auch nicht mehr, was genau geschrieben wurde, aber es waren schon fiese Sachen. Aber das war am Ende vom Schuljahr, und die SuS wussten, dass sie den Referendar nicht mehr haben …

      2. Das klingt echt negativ. An so etwas hatte ich dabei gar nicht gedacht und es auch überhaupt nicht erwartet.

      3. Deswegen sollte man sowas nie allzu ernst nehmen. Also das negative, grade wenn man in der Mittelstufe ist. Ich hatte auch einen, der bei dem Feedback für meine Hausarbeit, immer nur die Mitte angekreuzt hat.

  2. Wow … Glückwunsch. Das Feedback zeugt in seiner Differenziertheit dafür, dass die SuS das ernst genommen haben … Und dir damit ein echt gutes Zeugnis ausgestellt … Lässt du mich bitte ausreden?! 😉

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