Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Konstruktive Kritik, Referendariat

Rückmeldung

Ein weiterer Schultag vorbei, dieses Mal ein kurzer. Nur eine Stunde hatte ich heute Unterricht, wieder in der 9. Klasse von Ian. Und es lief wieder gut, auch wenn ich selber den ein oder anderen Kritikpunkt anbringen würde.

Angefangen habe ich mit der Frage, was denn nun die Frage wäre, die man sich stellen könnte. Die Schüler brauchten eine Minute, um wieder im gestrigen Thema anzukommen und rekapitulierten erst einmal die besprochenen Ereignisse. Und dann kam auch die Frage, was für eine Republik es denn nun letztlich geworden ist. Also leitete ich ein, dass wir uns den Tag, den 9. November 1918, doch mal genauer anschauen müssten, um die Vorgänge auch zu verstehen. Scheidemann ruft die Republik aus, Liebknecht die sozialistische keine zwei Stunden später und die ganzen Regierungsüberbleibsel von Kaiser Wilhelm II. haben wir ja auch noch dabei.

Wieder teilte ich die Schüler in Gruppen ein und verteilte meine bunten Folienmappentaschen, die erneut auf anerkennende Gegenliebe stießen. „Oh, guck mal, da kann man ein Blatt einschieben, damit man gerade auf den Linien schreiben kann!“ *Begeistertes Staunen* Ja, ja, die Referendare und ihre Spielereien 😉

Mit der Quelle hatte die Klasse so ihre Schwierigkeiten. Ich hatte hier ja nicht wie in meiner BdU Klasse vorher Sütterlin und Frakturschrift behandelt, aber sie hangelten sich durch und fragten viel nach.

quelle-spd

Was das Arbeitstempo anging, so waren sie fast noch langsamer als meine Klasse, aber sie waren auch gründlicher. In zwei Fällen sah ich eine inhaltliche Zusammenfassung auf den Arbeitsblättern und sie tauschten sich sehr rege untereinander aus, was schon auf einem höheren Niveau klappte, als in der anderen Neun. Alle Gruppen fanden den zentralen Satz „die öffentliche Gewalt ist in die Hände des Volkes übergegangen“ und vermerkten das auch auf ihren Folien unter der ersten Frage, ‚was die SPD dem Volk sagt.“

appell-ebertBei der zweiten Quelle musste ich helfend eingreifen, da sie die zentralen Adressaten nicht sofort einwandfrei herausfanden und einfach alle aufschrieben, die sie ausmachen konnten. Auch erreichten leider nicht alle diesen Arbeitsschritt in der notwendigen Zeit, um sich mit dem ‚Warum‘ auseinander zu setzen, da sie sich an der ersten Quelle zu lange aufhielten. Es wäre wohl besser gewesen dort entschiedener einen Cut zu setzen und den Fokus der Gruppenarbeit besser zu lenken. Die Transkription der Quelle war nicht nötig und kostete einfach Zeit. Mentale Notiz fürs nächste Mal gesetzt.

In der Situation musste ich mich dann auch fragen, ob ich alle ihr Endergebnis erreichen lassen wollte, oder ob ich abbreche und das Erarbeitete gemeinsam im Plenum bespreche. Ich entschied mich für die Präsentation einer der zwei Gruppen, die in der angesetzten Zeit fertig geworden waren und fragte die Jungsgruppe, ob sie präsentieren wollten.

02_ga-macht-in-dtl-grun-9b-pdf

Das taten sie nach kurzem Überlegen gern und es entspannte sich ein gutes Unterrichtsgespräch, wo wir wieder die Parallelen zwischen der Situation in Russland und der ‚aktuellen‘ in Deutschland ziehen und die Problematik der Machtverhältnisse herausstellen konnten. Sie äußerten am Schluss noch die Vermutung, dass man sich so nicht sicher sein konnte, ob nicht eine andere Gruppe an die Macht drängen würde und versuchen könnte, die neue Regierung abzusetzen und als ich dann anmerkte, dass das eine sehr zutreffende Vermutung wäre und wir uns genau das in der nächsten Stunde ansehen würden, schloss der Unterricht wieder mit einem ‚Cliff-Hänger‘.

Und dann kam der Moment, wo ich mich unsicher umschaute und etwas verlegen war. „Und genau das schauen wir uns in der nächsten Stunde an.“ schloss ich schmunzelnd und zog das Kabel des OHP aus der Steckdose. Zwei zögerliche Klopfer fingen darauf hin an ihre Knöchel mit den Tischen in Verbindung zu bringen und die anderen stimmten schnell mit ein. Applaus in einer Unterrichtsstunde 😮 Das habe ich noch nicht erlebt. Ich interpretiere mal, dass es ihnen gefallen hat und verbuche das als eine der spontansten positiven Rückmeldungen, die ich von Schülern bisher bekommen habe.

Nach der Stunde konnte ich dann auch für meinen EF Kurs eine weitere dieser Rückmeldungen einholen. Mein ABB nahm sich Zeit und wir schauten einmal über mein Material. Am Aufbau der Reihe hatte er nichts auszusetzen. Als er jedoch ‚Scheler‘ hörte, kam ein vielsagendes „Oh, Scheler … ja, na gut.“ Da milderte auch die Feststellung ‚braucht man ja fürs Abi‘ nichts mehr dran. Als feststehend würde ich also erst einmal festhalten wollen, dass der Text einfach zu schwer für die 10er gewesen ist. Nichtsdestotrotz riet er mir, diesen nun noch zu Ende zu besprechen und erst danach die Textgrundlage zu ändern. Und wenn ich es ihnen auf einem Silbertablett servieren würde, abbrechen käme natürlich nicht in Frage. Das hatte ich aber sowieso nicht vor, so unmöglich erscheint mir das Unterfangen nun wirklich nicht.

Allerdings relativierte er diese Aussage noch weiter und sagte, dass ich schon sehen sollte, das die Arbeitsweise, die man in Philosophie einfach fordern und voraussetzen müsste von den Schülern noch nicht beherrscht würde. Für die allermeisten ist Philosophie ein neues Fach und genau aus diesem Grund wäre meine Textarbeit auch sehr richtig und wichtig und wenn so etwas wie nicht gemachte Hausaufgaben dazu kämen, könnte die Stunde nicht richtig funktionieren. Das dürfte ich dann auch sanktionieren. Ich hatte einen ähnlichen Gedankengang gehabt und er bestätigte mir, dass eine Stunde, in der der zugrunde liegende Text nicht bearbeitet worden wäre, die Schülerleistung somit im ungenügenden Bereich zu liegen käme, da sie sich einfach die Stunde über nicht beteiligen konnten. Das werde ich den Schülern auf jeden Fall so rückmelden.

Auch schlug er vor dass ich die zu erarbeitenden Schemata vorgeben könnte und in ihnen Leerstellen lasse, die die Schüler dann mit zentralen Begriffen ergänzten. So würde das Problem umgangen, dass sie tatsächlich das ganze Gerüst selbst aufbauen und entwerfen müssten. Diese Leistung sei noch zu akademisch und letztlich eher auf Leistungskursniveau; ebenfalls mental vermerkt.

Wir sprachen dann noch über allgemeine Dinge wie Notengebung und Co, aber letztlich war das wohl das wichtigste, was ich aus diesem Gespräch mitnahm. Morgen ist erst einmal der Ausflug ins Archäologische Freilichtmuseum mit meinen 6ern und dann schaue ich Sonntag, was ich geplant bekomme. Wird schon werden.

Advertisements

3 Kommentare zu „Rückmeldung

  1. Deine Unterrichtsbeschreibungen klingen immer so toll 😀 da wird man echt neidisch. Aber hey, immerhin habe ich mich auch mal was getraut und habe was kreatives gemacht 😂 (Wahlplakate analysieren in Gruppen + Parteieninfos Weimarer Republik. Leider bin ich bei der Vorstellung nicht dabei…) wenn du das nächste Stunde noch brauchen kannst, es gibt ein Lied: Wem Hamse je Krone jeklaut. Kann man gut einsetzen 😉

    1. Naja, außer da, wo ich die Stunde in den Sand setze 😉

      Warum bist du bei der Präsentation nicht dabei? Wahlplakate werden wir auch machen, da freue ich mich schon drauf.

      Danke für den Tipp, vielleicht leite ich damit ein; ich überlege auch, die 20er Jahre musikalisch begleitet anzusetzen und einmal ordentlich Charleston trällern zu lassen 😀

      1. Das macht jeder. Try and error und so 😉 selbst erfahrene Kräfte. (Passt grade etwas zum vorhergehenden Kommentar von mir;))
        Ich habe am Mittwoch Kolloquium zu Pädagogik und Psychologie und da sind wir am Tag davor freigestellt. Und deshalb muss meine Betreuungslehrkraft(=meine Seminarlehrin) die Stunde übernehmen;)
        Sowas werde ich wohl auch machen. Mir wurde ein feature vorgeschlagen zum einstieg, sprich Bild und Ton zum Thema 20er 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s