Veröffentlicht in Ausflüge, BdU

Der erste Ausflug: Meine 6er im Archäologischen Freilichtmuseum

Mein erster richtiger Ausflug mit Schülern und allem drum und dran ist vorbei. Zusammenfassend kann ich sagen, dass er gut verlief, aber nicht so gut, wie ich gehofft hatte. Hier einmal meine Erfahrungen von diesem Tag:

Morgens wurde ich mit leichter Aufregung wach. Hoffentlich läuft formal zumindest alles glatt. Kein Problem mit den Bussen, keine fehlenden Kinder (oder Lehrer), keine Verletzungen, tödlich gelangweilten Kinder oder unmöglichen Führer. Die Liste, was alles schief gehen konnte, war doch recht lang. Der Anruf des Klassenlehrers aus der 6c am Abend vorher hatte mich nicht gerade beruhigt. Ich hatte ja schon von Lucas Unorganisiertheit erzählt, die war offensichtlich so weit gegangen, dass er es in den Wochen nicht geschafft hatte denselben Klassenlehrer (der gleichzeitig auch sein Deutschfachleiter ist!) dahingehen zu informieren, dass er als Begleitung eingeplant ist und alle Formalia rundherum abzusprechen. Also durfte ich dem Familienvater versichern, dass ich mich nun bereits um Ersatz gekümmert hatte und er nicht mit Kind und Kegel zum Betreuen erscheinen müsste. Ich schüttelte etwas den Kopf und hakte das dann ab.

Um kurz vor neun traf ich dann an der Schule ein, wo mein Mann mich absetzte und mit den Kindern weiter zum Einkaufen fuhr. Die anderen Referendare waren schon da und ein Großteil der Kinder auch. Tatsächlich wurde der Ausflug letztlich von fünf Referendaren und einem Lehrer betreut. Dieser engagierte Klassenlehrer war den Abend vorher erst von einer Kursfahrt mit der Q1 um halb zwölf nachts zurückgekehrt und stand dann schon wieder für uns den Morgen bereit. Den Einsatz wollten (konnten?) die übrigen Kollegen nicht leisten an einem Samstag am langen Wochenende.

Etwas getrübt wurde der Aufbruch von dem schlechten Wetter. So lange hatte es sich gehalten, aber gerade an diesem Tag regnete es seit morgens und meine Laune war entsprechend schlecht. Ein Freilichtmuseum bei schlechtem Wetter … es ist einfach nur halb so spaßig.

Ich begrüßte die Busfahrer, die ebenfalls mit der Q1 den Tag zuvor angekommen waren, und besprach alles wichtige mit den Kindern und anderen Referendaren. Eine Schülerin hatte sich ein Band gezerrt und eine Krücke dabei, darauf mussten wir Rücksicht nehmen, wobei das Programm hauptsächlich stationär sein würde. In der einen Klasse hatten sich nur 18 angemeldet, weswegen wir in meiner Klasse Freiwillige baten, ob sie sich zu dritt dort anschließen wollen würden, damit die 20er Gruppen voll würden. Meine lebhaftestens Jungs boten sich an, was ich der Mitreferendarin aber verschwieg. Nicht gleich ein schlechtes Bild erzeugen, bevor sie sie kennengelernt hatte ^.^

Den ersten Dämpfer erhielten wir am Museum, wo mir beim Bezahlen gesagt wurde, dass wir nach der Führung auf keinen Fall im Museum bleiben könnten. Sachbeschädigung und ähnliches wäre zu oft vorgekommen, wir müssten nach der Führung und dem Programmende dann raus. Das hatte ich anders geplant; eigentlich hatte ich die Kinder bei den Darstellen eine Weile schauen und Recherchen für ihre Vorträge eigenständig vorbereiten lassen wollen. Das würde also ausfallen. Und sie mussten nun alle ihre Eltern anrufen und Bescheid geben, dass wir 1 1/2 Stunden eher nach Hause kämen. Toller Start 😦

Kurz darauf waren dann alle informiert, aufgeteilt und startklar. Unsere Programmleiterin und Führerin kam dazu und wir stapften los. Die ersten zwei Stunden sollten wir in diesem Haus verbringen, welches ein Nachbau eines jungsteinzeitlichen Langhauses war.

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Da das Museum nicht sehr groß war, wurden wir auf zwei Häuser aufgeteilt und die dritte Gruppe fing mit der Führung und dem Speerwerfen an. Wir kümmerten uns erst einmal um Schmuck und Essen. Erster Programmpunkt war das Tonperlen brennen, welches noch in sehr ruhiger Atmosphäre vonstatten ging. Die Schüler waren noch nicht aufgetaut. In andächtigem Schweigen lauschten sie den Erklärungen der Führerin und kneteten ihre Tonklumpen zu Perlen in verschiedenster Form. Die Ergebnisse kamen dann ins Lagerfeuer in der Mitte unserer Holzbanksitzgelegenheiten und wir gingen weiter zum nächsten Programmpunkt.

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Außer Schmuck brauchte man ja auch noch Essen. Und das Brot etwas ganz besonderes war, lernten die Kinder durch die nächste Station. Wir durften Brot backen und dafür mussten wir erst einmal Mehl herstellen. Jeder kniete sich also an einem Mahlstein nieder und begann seine Handvoll Korn zu mahlen.

Schnell fingen die ersten an sich zu beschweren, dass das ja echt anstrengend wäre und so lange dauern würde. Tatsächlich dauerte es gut 20 Minuten bis aus den Körner in etwa so etwas wie Mehl geworden war. Mit viel Schale 😉 Das hart erarbeitete Ergebnis wurde für die Masse noch etwas mit Standardmehl gestreckt und eine Schülerin meldete sich um den Teig zu kneten. Jeder durfte einen Handgroßen Brotfladen formen, die dann auf die Glut im Feuer gelegt wurden, unter der unsere Perlen noch ‚backten‘. Den Schülern schmeckten die Ergebnisse erstaunlich gut, sie meldeten sich eifrig für die doppelten Reste.

20161001_122824Stark ausgeräuchert kamen wir nach diesem ersten Stopp nach zwei Stunden aus dem Langhaus heraus. Unsere Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Leider waren ein paar der größeren Perlen kaputt gegangen. Jeder hatte drei Perlen herstellen können, die dann später an einem Lederband aufgefädelt um den Hals getragen wurden.

Nächster Punkt war das Speerschleudern im Wald. Wir erwischten eine trockene Stunde, in der die Kinder die Technik des Speerwerfens und -schleuderns begeistert ausprobieren konnten und die Zeit flog nur so. Drei schafften es am Schluss dann sogar, das künstliche Ziel auch zu treffen und erlegten das Rotwild 😉

Gerade bei diesem Abschnitt war ich ganz dankbar, dass ich eine Sportreferendarin gefragt hatte uns zu begleiten, sie achtete auf Sicherheit und wies die Kinder an sich ordentlich aufzustellen, um der Reihe nach das Schleudern beaufsichtigt auszuprobieren. Sie konnte so direkt Routine vermitteln und es ging alles ohne Probleme über die Bühne.

Die letzte Stunde verbrachten wir dann mit der Führung. Dadurch, dass wir drei Gruppen gewesen waren, musste alles verschoben voneinander durchgeführt werden und wir bekamen diesen Punkt somit an den Schluss gelegt. Trotz der nun anbrechenden vierten Stunde und wieder einsetzendem Regen gaben sich die Kinder aber große Mühe aufmerksam zu sein und lauschten den Ausführungen zu den altsteinzeitlichen und jungsteinzeitlichen Behausungen im Nieselregen.

Die größte Enttäuschung für mich an dem Tag war die ‚Gruppe‘ der Darsteller, welche sich zu dem Living History Wochenende eingefunden hatte. Ganze zwei Leute saßen an ihren Wegrahmen und flochten Bänder. Einerseits versöhnte es mich etwas mit der Tatsache, dass wir keine Zeit außerhalb des Programms gehabt hatten, andererseits hätten wir so auch einen x-beliebigen Schultag wählen können und nicht aufs Wochenende ausweichen müssen. Belebtes Dorf sieht anders aus, wie ich bei meinem ersten Ausflug ja gesehen hatte. Dass ich den Kindern das nun nicht hatte zeigen können fand ich sehr schade.

Am Schluss gab es noch kurz einen Aufreger wegen dem Bezahlen. Eintritt hatten wir ja schon erledigt, die Busfahrer mussten am Schluss noch entlohnt werden. Und plötzlich fehlten fast 30 Euro. Ich rechnete schnell hin und her, doch es wollte nicht passen. Letztlich klärte es sich dann doch auf; ein Kind war so mitgekommen und hatte das Geld vom Sozialamt beantragen müssen (welches auch schon auf meinem Konto eingegangen war) und ein weiteres Kind war ohne zu Bezahlen einfach an dem Morgen aufgetaucht. Da muss ich die kommende Woche noch Rücksprache halten.

Insgesamt verlief der Ausflug ziemlich reibungslos, wobei ich am Abend trotzdem fix und fertig war. Vor allem das rauchige Haus hatte meinem Kopf nicht gut getan und ich musste mich mit Migräne herumschlagen. Auf Rückmeldungen die nächste Woche, wie sie das wohl nun gefunden hatten, bin ich schon sehr gespannt.

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2 Kommentare zu „Der erste Ausflug: Meine 6er im Archäologischen Freilichtmuseum

  1. Klingt aber doch ganz gut. Und Probleme gibt es immer. Mein Mitreferendar hattvor, für seine 6. was zur Steinzeit zu organisieren, die kommen sogar zur Schule (zugegeben uns wurde gesagt, was wir machen sollen und dass wir was machen sollen). Ich werde mit den 9ern wohl irgendwann ins Stadtarchiv gehen. Allerdings dürfen wir Referendare nicht alleine gehen und immer einen richtigen Lehrer dabei haben

    1. Einen ‚richtigen‘ Lehrer hatten wir ja dabei, wobei das in den beiden Klassen, wo nur Referendare dann die Aufsicht führten auch nicht mehr ins Gewicht fiel ^.^ Da ich aber im Vorfeld den Schulleiter gefragt hatte, war das alles soweit ok.

      Allgemein lief es gut, ja. Aber es hätte so viel mehr Potenzial gehabt, wenn meine Planung aufgegangen wäre … das fand ich etwas schade. Kann man aber nun leider nicht mehr ändern.

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