Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Ausbildungsunterricht, Planung

Mein erster Schnitzer

Der Tag heute war sehr durchwachsen. Hauptproblempunkt heute sollten gleich die ersten zwei Stunden werden. Für heute war nämlich der Ausbildungsunterricht bei Herr Rickward angesetzt und meine Vorbereitung … naja, der Reihe nach.

Gestern fing ich schon an dezent panisch zu werden. Die Reihe, die ich mir im stillen Kämmerlein ausgedacht hatte, hatte keine Struktur. Ich selbst war davon verwirrt, träumte noch von Verbesserungsmöglichkeiten und schrieb mir morgens fix eine Materialreihenfolge auf, da mir noch im Traum aufgefallen war, dass es total konfus aufgebaut gewesen ist. Super Start in den Tag.

Normalerweise retten mir solche nächtlichen Denkprozesse das jeweilige ‚Projekt‘. Ich lerne so auch, lese abends noch etwas oder wiederhole Dinge, die ich lernen will und kann sie dann am nächsten Morgen. Ich kann mir vornehmen, Dinge zu träumen und zu wiederholen und zu 90% klappt das auch. Als ich in diesem Fall am nächsten Morgen aufwachte und bei weitem alle Klarheiten beseitigt waren, wusste ich, dass die Stunden ein Desaster werden würden.

Mit schwerem Druck auf den Schultern fuhr ich zur Schule. Wenn es auf Fahrten mucksmäuschenstill im Wagen ist und keine Musik läuft weiß man, dass ich extrem konzentriert bin. Wiederholte im Geiste die Schritte und versuchte noch Verknüpfungen zwischen Unterthemen herzustellen. Half alles nix, mir wurde nicht leichter ums Herz. Ich hoffte noch mit Herr Rickward reden zu können und alles vielleicht nochmal um zwei Stunden zu verschieben. Ein echt feiger Ausweg in meinen Augen, ich hätte es ja nur besser vorbereiten müssen. Und einem Lehrer Minuten vor der Stunde zu sagen, dass man sie nicht übernimmt … richtig bescheiden.

In der Schule angekommen lief ich aufgescheucht herum. Da er gleichzeitig Stundenplankoordinator ist und ständig unterwegs, traf ich ihn einfach nicht an. Ich bereitete also die Stunden trotzdem vor. Zog Kopien auf Folien und ging meine Notizen nochmal durch. Es war und blieb einfach zu viel an Infos und zu viel an Unbekannten. Ich war beispielsweise nicht alle Stunden anwesend gewesen. Hatten sie diese Karikatur schon gemacht, jenes Schaubild besprochen? Welcher Text war wie bearbeitet worden? Wäre meine Planung somit gerade genug oder würde ich zu früh mit allem durch sein, weil es einfach schon bekannt war und ich nur wiederholte?

Endlich traf ich ihn an. Er kam mir mindestens genauso gehetzt entgegen, wie ich selber, offensichtlich gestresst. Klasse Grundlage, dachte ich nur. Ich begann zögerlich:

„Sollte ich heute gleich die Stunden übernehmen?“

„Sehr gerne, ja.“

„Ähm, jaaa … also, ich wollte damit anfangen … – Uff, wir hätten echt besser vorher sprechen müssen.“ gestand ich kleinlaut ein.

„In der Tat. Es gibt da sowas wie elektronische Kommunikationsmedien.“

„Habe ich denn …“ und da fiel es mir ein. Ja, ich hatte natürlich seine Mailadresse. Bei ihm hatte ich schließlich bereits einen Unterrichtsbesuch gehalten und dort auch einmal einen Entwurf zugeschickt. Die Situation war somit auf noch einer Ebene mehr mein Fehler. Ich merkte, wie ich stärker schlucken musste. „Ja, ich habe ihre e-Mail … Entschuldigen Sie bitte, dass das jetzt so konfus ist. Ich wusste bei der Planung nicht genau, was schon behandelt wurde und habe jetzt für heute eine Wiederholung als Abschluss geplant mit der Frage, ob die Revolution gescheitert ist … „

„Ja gut. Man könnte jetzt die Karikatur auf Seite X und das Schema auf Seite Y machen …“

*Murmelnd* „DAS habe ich nicht vorbereitet.“

Mit einem tiefen Seufzer gestehe ich ein: „Das schaffe ich nicht. Könnten sie den Abschluss der Reihe machen?“ Das Eingeständnis vergrößert den Kloß in meinem Hals erheblich und ich merke, dass das Gespräch gleich ein deutliche Pause braucht, bevor mir die Augen schwimmen werden.

Herr Rickward stimmt zu und ich verlasse schnell sein Büro und hole meine Tasche. Und wischte geknickt verstohlen alles aus dem Gesicht, was ich da nun nicht gebrauchen kann. Im Laufe der Stunden, die ich wieder nur hospitieren durfte, fiel mir dann einiges auf, weswegen mich das so angegangen hatte:

  • Generell die hohe Erwartungshaltung mir selbst gegenüber. Ich hatte nicht einmal dran gedacht, dass ich dringend Rücksprache hätte halten sollen. Ich bekomme das schon hin und ich habe das auch alleine hin zu bekommen. Was ich aus den Augen verloren hatte: Das war ein Reihenabschluss. Also ungemein schwerer, als eine Stunde in einer Abfolge zu übernehmen oder tatsächlich ein neues Thema anzufangen. Den Überblick über all die losen Enden konnte ich in dem Umfang kaum haben.
  • Meine Herangehensweise ist noch sehr universitär. Ich arbeite stringent, gründlich, umfassend und somit für Schüler durchaus sträflich langweilig. Als ich Herr Rickward meine Reihe vorstellte (nach den Stunden in einer Besprechung für die nächsten Stunden), meinte er sofort: „Aber der Spannungsbogen! Wir sind in der Schule, dass muss einen Aufhänger haben. Klar, in der Uni würde das anders laufen, aber hier muss es die Schüler erstmal zum Nachdenken bringen.“ Nachdem wir es theoretisch durchgedacht hatten, muss ich ihm zustimmen. Ich schreibe da dann wohl noch ein paar Zeilen zu, wenn ich die Reihe vorstelle.
  • Meine Verantwortung für mir übertragene Aufgaben und die Mehrarbeit, die auf andere zukommt, wenn ich versäume diesen nachzukommen. Dass ich mich so verrannt hatte und jemand anderes nun für mich die Kastanien aus dem Feuer pickt ging mir ordentlich quer runter. Und dass ich die Sackgasse so spät erkannt habe.

Der Ausbildungsunterricht bei Ian lief dagegen wieder gut. Rettete mir die Laune aber nicht wirklich. Meine erste Hospitation bei Herr König bildete dann den Abschluss, dieses sehr langen Schultages, den ich von der 1. bis zur 9. Stunde in der Schule in diversesten Gefühlslagen verbracht hatte. Nun setzte ich mich mal an die Vorbereitung für den morgigen Tag, die noch nicht steht. Yeay …

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12 Kommentare zu „Mein erster Schnitzer

  1. Hey, nicht den Kopf hängen lassen. Du hast etwas gelernt. Und auch wenn das im Rahmen der letzten Reformen untergegangen ist: Das Ref ist ein Vorbereitungsdienst. Da wirst du vorbereitet, es richtig zu machen. Und nur wer Fehler machen konnte und etwas daraus gelernt hat, ist gut vorbereitet. 🙂

      1. Ich weiß. Wir setzen uns doch wahrscheinlich alle maßlos unter Druck, wenn wir ins Berufsleben einsteigen oder dort was Neues wagen. Aber Erkenntnisgewinn ist selten ein angenehmer Prozess. Und sich deshalb zu grämen, gehört auch dazu. Nur sollte man sich dennoch hin und wieder daran erinnern, dass man das darf, Fehler machen. 🙂

      2. Sehr weise Worte. Gestehe ich mir tatsächlich nicht zu, wie ich an meiner Reaktion ja gemerkt habe. Da ist noch ‚Luft nach oben‘ … wie in vielem anderen auch.

  2. Alle machen Fehler und bauen Mist. Wirklich. Und man lernt ja noch, grade im Ref und auch danach. Der Spannungsbogen ist bei uns auch immer wieder ein Thema, der hat bei meiner Besprechung heute auch gefehlt. Oder dass ich vergessen habe, weniger Lehrerzentriert zu arbeiten. (In Englisch). Und das auch nach längerer Zeit. Das mit dem Druck kenne ich aber auch ganz gut.

    1. Ja, theoretisch … theoretisch weiß ich, dass das richtig ist. Ich habe ein wenig die Angst, dass sich jetzt schon auch fehlerhafte Arbeitsweisen einschleichen, gerade weil man gefühlt wirklich alleine gelassen wird. Ich stehe die meiste Zeit in meinen BdU Klassen und niemand guckt, was ich da mache. Ich versuche über Ian jetzt eine Rückmeldung zu meinem Unterricht zu bekommen, weil der ja parallel läuft und ich in seiner Klasse wiederhole, was ich in meiner schon gemacht habe und da läuft es auch gut, aber in meiner EF stimmt es ja auch nicht. Ich fürchte, ich mache da gewisse Dinge auch grundlegend falsch und niemand ist da, der mal draufguckt und für die Schüler dann auch ‚Schlimmeres verhindert‘.

      1. So komisch das klingt, ich weiß was du meinst und habe eben auch die Erfahrung gemacht. Ich habe ja jetzt ein Jahr ohne ständige Rückmeldung unterrichtet (3 Besuche pro Fach pro Halbjahr sind nicht viel). Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich mich in dieser Zeit zurück entwickelt habe, weil eben das ständige feedback gefehlt hat. Aber angeblich merkt man mir das Jahr Erfahrung an. Aber bei den Besprechungen kommen dann immer wieder Sachen, wo ich denke: ach mist, weiß ich doch eigentlich, wieso mache ich diese „Fehler“ aber bei 17 Stunden bleibt keine Zeit für eine eigene Reflexion (v.a. wenn man sich nicht wohl fühlt…)
        Aber ich denke, in Geschichte kann man wenig grundlegend falsch machen (außer zu behaupten, dass NS toll war ;)). Ich denke mir das eher immer in Englisch.
        Btw. Siehst du meinen Beitrag von heute? Irgendwie taucht der nicht auf, ich habe mich nämlich aus versehen selbst abonniert 😀

      2. Ich sehe von dir gar keine Beiträge, liegt vielleicht noch an dieser Blog-für-einen-Tag Geschichte.

        ‚Grundlegend falsch‘ kann man so einiges machen, aber ich weiß wie du es meinst 😉 Von meinem Anspruch aus schon, man könnte es verpassen den Kindern genügend Reflektionsvermögen mit auf den Weg zu geben, dass sie ihren Alltag und alles an politischen, wirtschaftlichen, sozialen und privaten Vorgängen darin nicht angemessen bewerten und in den richtigen Kontext stellen zu können. Das wäre meiner Meinung nach fatal ^.^

        Nach deinen Schilderungen sitzt bei dir doch öfter wer drin, oder? Meine Stunden in Begleitung lassen sich noch an vier Händen abzählen quasi. Und das seit Mai, wo der Spaß angefangen hat.

      3. Hm, das muss ich mal überprüfen mit dem Blog.
        Momentan sitzt ständig jemand drin, da die Gutachten Ende November geschrieben werden müssen. Im ersten Halbjahr hatten wir pro Fach 3 Lehrversuche, danach nach Ostern eigene Klassen (nur 2 , je Fach eins), und da waren es insgesamt pro Fach 6-7 Besuche. Und jetzt hatte ich in beiden Fächern schon Besuch 5 (oder 4?!?), in der 6. Schulwoche. Und das finde ich grade echt heftig, allerdings kann man nur so besser werden…
        Ach das Reflexionsvermögen, will man natürlich jede Stunde vermitteln, aber wenn man doch ehrlich ist, schafft man das nicht. Man möchte/muss auch wissen vermitteln. Und bedenke immer, wie viele Stunden die Schüler in der Woche „beschallt“ werden. Und das nicht immer alle Schüler an den Inhalten interessiert sind und die nie die Chance hast, sie diesbezüglich zu motivieren 🙈 grade wenn du so ekelhaft pubertäre Mittelstufen hast (ja gibt es 😂)ich denke das vermitteln wir ja in allen Fächern zusammen und nicht in einem einzelnen. Aber ich ärgere mich auch über einige antworten in meinem Test von gestern 🙈

  3. Hm, du bist doch noch „in Ausbildung“, oder? Und der Teil läuft doch in der Praxis, damit du „Praxis“ lernst… Ich finde es gut, dass Du es eingestanden hast. Okay, blöd für andere, aber das ist „Ausbildungsrisiko“. Sei nicht zu hart zu dir selbst!

    1. Danke für den Zuspruch. Ja, bin ich. Würde ich mir auch mehr nachsehen, wenn es einfach dem ‚Könnensstand‘ geschuldet gewesen wäre; aber das war ja einfach nur schlechtes kollegiales Verhalten in dem Moment und wenig Voraussicht. Das hätte ich vermeiden können.

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