Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, BdU, Referendariat

Wochenübersicht

Die Schule hat mich nach dem letzten Dienstag regelrecht geschluckt. Es gab viel zu erzählen, aber ich kam nicht dazu zu schreiben. Ich versuche die größten Punkte heute nachzuarbeiten. (Achtung, das wird lang.)

AU 9er Geschichte bei Ian

Der Ausbildungsunterricht bei Ian läuft super.  Dadurch, dass ich hier quasi nur die Stunden wiederhole, die ich in meiner Klasse selber gehalten habe, bin ich in den Stunden sehr entspannt, muss mich nicht groß vorher stressen und habe eh immer einen Plan. Ich konnte mich sogar selbst schon hier und da verbessern beim zweiten Durchgang, es bringt mir also auch etwas, meine selbst ausgedachten Stunden noch einmal zu halten.

Etwas schade war, dass Ian nicht ganz bei der Sache war die letzten zwei Stunden. Es gab viel nebenher zu organisieren, er ist in der Klasse auch Klassenleiter und mit dem anstehenden Eltern- und Schülersprechtag, einem Kuchenverkauf und noch zwei weiteren Formalzetteln, die bearbeitet und eingesammelt werden mussten, war er wie er selbst sagte „Nicht mal halb bei mir im Unterrichtsgeschehen.“Das wurmt ihn selbst, ich denke, es wird also besser, sobald es rundherum wieder ruhiger wird. Ich halte ihm das nicht vor, er ist sehr engagiert und aufmerksam. Vorgestern schrieb er mir sogar noch abends um halb elf, als er auf dem Vertretungsplan gelesen hatte, dass ich zwei Vertretungsstunden in meiner 9 zusätzlich bekäme, ob alles ok ist und dass das ja richtig großer Mist wegen dem UB wäre.

BdU 9er Geschichte

Am Donnerstag wird mein zweiter Unterrichtsbesuch stattfinden. In meiner eigenständig geführten neunten Klasse, da alles andere irgendwie nicht recht terminlich oder inhaltlich gepasst hat. Ich fühle mich in der Klasse sehr wohl, die Kinder arbeiten richtig gut mit, die Motivation ist jede Stunde spürbar und die stillen Schüler sind aufgetaut. Wie schon angesprochen bekam ich Freitag plötzlich erneut eine Doppelstunde für einen erkrankten Kollegen übertragen, die außerhalb meines eigentlichen Geschichtsunterrichtes lag. Als dies das erste Mal passierte, passte es sehr gut in meinen Plan, da ich so die Parallelklasse überholen konnte und nun wie schon beschrieben meine bereits in meiner Klasse gehaltenen Stunden dort noch einmal revidiere.

Nun aber stellten diese zwei zusätzlichen Stunden ein Problem dar. Ich hatte natürlich vorgeplant und mir grob überlegt, wo ich wann den UB machen will. Jetzt zwei zusätzliche Stunden in der Klasse zu bekommen bedeutete, dass meine Planung über den Haufen geschmissen wurde. Zum Glück hatte ich keine Zeit gehabt, detailliert zu planen, das wäre dann echt ärgerlich gewesen. Am Abend vorher schaute ich also, nach einem wirklich langen Tag mit vollen Stunden und Fachseminar abends hintendran, was ich die zwei Stunden ‚produktiv unproduktiv‘ machen könnte. Ich hatte vorgehabt das gesellschaftliche Leben der 20er nicht zu thematisieren, nun jedoch bot sich ja die Zeit dafür. Kurz überlegte ich, ob die Klasse wohl mit mir Charleston tanzen würde, musste dass aber auf Grund fehlender Musik und fehlendem Platz verwerfen. Lustig wäre es gewesen 😉

Ich entschied mich für einen Film, den ich von meinem Freund schnell noch herunterladen ließ, in dem nur mit Originalaufnahmen der Zeit, kommentiert durch Schriftsteller und Artikel oder Gedichte der Zeitgeist einzufangen versucht worden war. Weltbühne Berlin Ich hatte nicht viel Zeit das dezidiert zu planen, der Film war lang genug, um ihn einfach laufen zu lassen und deckte die komplette Zeit in Weimar ab. Die Planung für meine erste Stunde in der Q1 stand noch nicht und ich kümmerte mich dann erst darum.

bps29102016_0001Den nächsten Tag in der Klasse, verselbstständigte sich aber alles. Ich kann offensichtlich nicht einfach nur stumpf einen Film zeigen … Natürlich wollte ich den einleiten und so sprachen wir über die 20er, schauten spontan im Buch noch nach dem Frauenbild und analysierten, dass die Frauen zwar versuchten aus ihrer Rolle auszubrechen, die Haare im kurzen Pagenschnitt trugen, die Kleider freizügig und offen waren, die Tänze total verrückt und sich erstmals ein Großstadtleben, wie wir es heute kennen bildete, sie jedoch nicht komplett aus ihrer angestammten Stellung ‚hinterm Herd‘ hervorkamen, was man an dieser Werbung sehr gut sehen konnte. Ganz vertieft ins Thema gab ich den Hinweis, dass sie ja zu Hause mal Josephine Baker googeln könnten um zu sehen, wie man damals im ‚Abendprogramm‘ unterhalten werden wollte. Endete damit, dass die Klasse sich hinter ihre Handys klemmte und aufgeregt den merkwürdigen Tanz kommentierte, während ich den Beamer aufbaute.

inflation-brotpreis

Fast gegen Ende der ersten Stunde kamen wir also dazu, doch noch in den Film hinein zu schauen. Da die Informationen aber reichlich waren, die dort in wenigen Minuten heruntergespult wurden, verlagerte ich mich darauf, regelmäßig zu pausieren, damit wir das Gesehene auch besprechen konnten. Die Schüler waren voll bei der Sache. Die Schattenseiten des Großstadtlebens, Slums, Armut, Nachwirkungen des Krieges, Arbeitslosigkeit durch gesundheitliche Schaden (Kriegskrüppel) und Kinderarmut konnten wir vertiefen und letztlich auch die Inflation und deren Einfluss auf das Leben der Menschen untersuchen. Gerade dieses Thema hatte ich eigentlich für die nächste Stunde aufsparen wollen, aber als sie dieses Bild im Film sahen, ging natürlich ein Raunen durch die Reihen und wir schlossen die Stunde dann damit, Funktion und Verlauf der Inflation zu verdeutlichen und analysierten den Weg aus der Krise.

Nach dieser Stunde war ich mal wieder sehr zufrieden mit dem Ablauf, hatte nun aber genau das Problem, wie vorher schon angesprochen nicht nur nicht verhindert, sondern es sogar noch verschärft; meine UB Stunde war dahin. Ich traf mich Freitag nach unserem Unterricht noch mit Ian und brainstormte etwas, was man nun wohl gut zeigen könnte am 3.11. und wir fanden dann tatsächlich eine Lösung. Dazu morgen mehr, wenn ich die ausgearbeitet habe.

BdU EF Philo

Meine EF hatte mir ja ordentlich Kopfschmerzen gemacht. Nach den Ferien fielen ausgerechnet die zwei Stunden am Montag Morgen wegen meines Praxistages aus und ich stellte ihnen somit eine Wiederholungsaufgabe. Verfassen eines Darstellungstextes zur untersuchten Problematik des Unterschiedes zwischen Mensch und Tier. Sie sollten sich also lediglich mit ihren Aufzeichnungen beschäftigen und strukturiert wiedergeben, was wir besprochen hatten. Ich erwartete nicht gemachte Hausaufgaben bei einigen und überlegte, wie ich da vorgehen sollte. Erneut darüber hinweggehen und ihnen alles, was sie nun nicht eigenständig gemacht hatten vorkauen, das sah ich nicht ein. Also entschied ich mich dazu, einmal meinen ABB zu fragen, ob ich Schüler in der EF einfach des Unterrichts verweisen dürfte um sie a) aus dem Unterrichtsgeschehen, zu welchem sie mit nicht gemachten Hausaufgaben eh nichts beitragen konnten, zu entfernen und sie b) dieses Defizit eigenständig aufarbeiten zu lassen. Er stimmte zu, sagte aber dass ich deutlich machen sollte, dass das keine ‚Belohnung‘ wäre und man Hausaufgaben nicht einfach nachmachen könnte in der Unterrichtszeit. Nö, die Stunde war für diejenigen die es betraf automatisch eine 6.

Und es betraf leider wie erwartet einige. Sechs Schüler und Schülerinnen hatten die Aufgabe nicht bearbeitet von 22 Anwesenden. Mager. Mit dem Rest, der teilweise richtig ordentliche und umfangreiche Essays abgab, besprach ich detailliert wie man einen Darstellungstext verfasste und worauf sie achten mussten.

darstellungstext
Arbeitsblatt zur Stunde

Die Schüler waren erst unsicher, offensichtlich hatte ihnen noch niemand explizit (und so nachhaltig, dass sie sich daran erinnern konnten) erklärt, wie man so einen Text schreibt, obwohl sie ja in jeder Standard Deutschklausur so vorgehen. Wir gingen also erst einmal mein vorgegebenes Beispiel durch und dann gab ich ihnen den Auftrag ihre eigenen Texte auf diese Struktur hin zu untersuchen. (Und ja, ich hätte es im Nachhinein nochmal Korrekturlesen sollen, aber es war dann so spät, dass ich froh war alles fertig gestellt zu haben. Wer Fehler findet … ^.^ )

 

Die Stunde endete dann damit, dass sie nach der Untersuchung ihrer Text diese im Plenum vorstellen konnten um Rückmeldung einzuholen. Vielen hat das Sicherheit gegeben und sie konnten am Beispiel lernen. Mir steht heute noch die Korrektur dieser Texte ins Haus, was das erste Mal sein wird, dass ich tatsächlich Schülerarbeiten korrigieren werde. Bin gespannt wie das läuft.

Ein riesen Stein fiel mir in Bezug auf diesen Kurs dann am Donnerstag Abend im Fachseminar vom Herzen. Ich hatte meinem Seminarleiter geschrieben, dass wir bitte über Klausuren sprechen müssten, da drei von den vier Teilnehmern innerhalb des nächsten Monats eine Klausur stellen und korrigieren müssen. Und das taten wir dann auch prompt. Mein Problem hier ist ja, dass ich meinen Unterricht für die EF komplett alleine erstelle. Ich habe keine Vorgaben und keine Anhaltspunkte durch Kollegen (Herr Königs Kommentar hatte ich ja schon erwähnt von wegen ‚alleine machen‘) und auch Klausuren für Anthropologie stehen an der Schule keine zur Verfügung. Eine Klausur aber aus dem Nichts mit Erwartungshorizont und Co zu basteln, dass stresste mich ordentlich. Dankbarerweise brachte mein Fachleiter genau das mit und bot mir auch an, dass ich sein Material benutzen dürfte. Ein riesen Batzen den er mir da von den Schultern nahm.

AU Q1 Geschichte bei Herr Rickward

Nach dem verunglückten Dienstag konnte ich am Freitag meine erste Stunde in der elften Klasse halten. Die Mischung aus neuer Klasse und nicht ganz so geliebtem Thema führte bei mir auch zu einigen Unsicherheiten, die sich in einem nicht ganz gelungenen Stundenabschluss niederschlugen.

werner-proklamation
Anton von Werner: Die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs (Friedrichsruher Fassung), 1885. i.A. der preußischen Königsfamilie als Geschenk zum 70. Geburtstag Bismarcks.

 

Die Stunde begann ich damit, dass ich ihnen das Bild erst einmal nur auflegte und die Schüler beschreiben ließ, was sie denn da wohl sahen. Einige waren so schlau im Buch nachzusehen, wo sie dann das Bild mit Überschrift und Erläuterungstext vorfanden, aber andere rieten munter drauf los und so kam sogar eine Interpretation dabei heraus, die hier die Deutschen auf dem Podest und die Franzosen im Raum verteilt sehen wollten, als jemand einwarf, dass es zu Bismarcks Zeiten einen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich gegeben hätte und eine andere Schülerin eindeutig identifizierte, dass das in Versailles gewesen sein muss, weil sie einmal dort gewesen sind und sie den Spiegelsaal wiedererkannte. Von dieser Transferleistung war ich ziemlich begeistert. Die Sache mit den Franzosen und Deutschen im gleichen Raum und in gleichen Uniformen bei herrschendem Krieg konnten wir relativ schnell beseitigen :mrgreen:

Die Frage, um wen es sich denn hier wohl gedreht hätte in dem Bild, konnten sie aber nicht so genau beantworten und als ich ihre Aufmerksamkeit dann darauf lenkte, dass das tatsächlich eine Kaiserproklamation war, fanden sie auch schnell den Knackpunkt und Widerspruch zu dem vorher behandelten Thema. In der Revolution 1848 hatte der König von Preußen Friedrich Wilhelm IV. diese Kaiserkrone nämlich abgelehnt, in dem er deutlich verlauten ließ:

Einen solchen Reif, aus Dreck und Letten gebacken, soll ein legitimer König von Gottes Gnaden und nun gar der König von Preußen sich geben lassen, der den Segen hat, wenn auch nicht die älteste, doch die edelste Krone, die niemand gestohlen worden ist, zu tragen?

Was hatte sich also in 23 Jahren so ändern können, dass nun sein Bruder Wilhelm eine Kaiserkrone annahm, die ihm durch eine Wahl und nicht durch Geburt und von Gottes Gnaden zugesprochen worden war? Sie beschäftigten sich mit dem Zeitstrahl im Buch und sammelten dort zentrale Ereignisse und verknüpften diese mit ihrem Wissen der Vorgänge bis 1848, was mehr oder weniger gut klappte. Ich finde noch nicht trennscharf den Punkt, wo ich erfrage, was die Schüler vermuten können und wo sie einfach nur noch raten müssen.

Um die Stunde dann aber wirklich rund abzuschließen verpasste ich den Punkt, an dem ich zur Überleitung auf die nächsten Stunden, in denen es um Bismarck gehen wird, einfach auf das anfangs betrachtete Bild hätte zurückgreifen und die Verbindung zwischen gemalter Darstellung (Bismarck im Zentrum in hervorstechenden Farben) und den tatsächlichen politischen Ereignissen hätte herstellen können. Im Nachhinein ärgerlich, ich werde also Anfang der nächsten Stunde hierauf noch einmal eingehen und das Bild erneut auflegen. Grundlegend war Herr Rickward aber zufrieden und lobte vieles in der Stunde, wie die gut gelungene Sammelphase am Anfang, wo die Schülerbeteiligung sehr hoch gewesen ist, dass die Zeit für die Erarbeitung genau richtig geplant war und der Aufbau der Stunde ebenfalls.

Woran ich arbeiten muss:

  • Arbeitsaufträge deutlicher formulieren
  • Grenze zum Hören-Sagen beachten; vermuten vs. raten
  • Deutlich gesagtes zusammenfassen am Phasenende

Und von meiner Seite aus: Begeisterung für das Thema finden … >.<

BdU 6er Geschichte

Durch Erkrankung eines Kollegen bekam ich meine 6er die Woche eine Stunde mehr als sonst zu sehen. Da wir mit den Präsentationen der Kurzreferate begannen, kam mir das ganz gelegen. Allgemein für den Unterricht kann ich hier nur vermerken, dass ich immer noch viel zu viel plane und mir Gedanken machen muss, wie ich meine Erwartungen den Schülern und ihrem Leistungsvermögen besser anpassen kann.

Am Mittwoch sprachen wir über die Eiszeit. Anhand dieser Karte … Karte Nordeuropa.PNG… im Vergleich mit dieser …

BPS29102016_0002.jpg

… und der passenden Geschichte dazu. Die Schüler sollten herausfinden, welche Länder von Eis bedeckt gewesen sind und in Kombination mit den Vorträgen zur Kleidung der Menschen und den Behausungen überlegen, was wohl für Spuren aus der Eiszeit übrig geblieben waren. Das klappte alles ziemlich reibungslos.

Feedback.PNG

Die Vorträge liefen sehr viel besser als ich erwartet hatte. Ich hatte ihnen einen Zettel fertig gemacht, mit dessen Hilfe sie ihr Feedback an die vortragenden Klassenkameraden formulieren konnten und sie nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Was ich mir für die nächsten Vorträge vorgenommen habe, ist mehr auf die Kritik zu achten. Die Kinder finden alles gut, sollen aber auch hilfreiche Kritik anbringen, damit der Vortragende etwas zur Verbesserung mitnimmt. Sie sind noch ‚zu nett‘ zueinander.

Die Qualität der Vorträge war jedoch wesentlich höher als ich gedacht hätte und die Kinder haben sich größtenteils sehr viel Mühe mit ihren Plakaten gegeben, die wir dann an unseren Zeitstrahl hängen konnten. Eine sehr gelungene Erweiterung des Unterrichtsinhaltes, auch wenn sie unglaublich viel Zeit kostete. Aber gut, an meinem Zeitmanagement arbeite ich ja noch.

So, das wäre dann erst einmal alles zur vergangenen Woche. Soweit es mir jetzt einfällt. Ich muss öfter zum Schreiben kommen, das staut sich sonst ganz schön und endet in so langen Beiträgen 😀

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