Veröffentlicht in BdU, Referendariat

Die erste Korrektur

Heute sitze ich über dem Entwurf für meinen zweiten Unterrichtsbesuch in Geschichte und die Gedanken wandern. Da kann ich kurz erzählen, wie es mir gestern mit der ersten Korrektur erging.

Ich hatte Maite ja dabei beobachten dürfen, wie sie die Klausuren ihrer 12 in Deutsch in den Herbstferien mit Hängen und Würgen versucht hatte zu bewerten. Man muss dazu sagen, dass sie es nur schaffte, diese formal im ersten Durchlauf durchzusehen, inhaltliche Bewertung stand am Ende der drei Tage, die sie hier an den ‚Kunstwerken‘ gesessen hatte noch aus. Oft las sie Stellen laut, um sich so einen Überblick zu verschaffen, was denn da eigentlich ausgedrückt werden sollte und wir rätselten auch gemeinsam ein wenig an Passagen herum. Das Niveau war erschreckend für eine 12. Klasse in meinen Augen, sie war es gewohnt. Was die Geschichte aber nicht viel besser machte. Die Kinder wollten schließlich ins Abitur.

Genau danach hatte ich am Donnerstag auch gefragt; wer will eigentlich Abi machen? Die meisten hatten sich gemeldet und ich war dementsprechend gespannt, ob ich nun Maites Erfahrungen bestätigen können würde. Strategisch gedacht, fing ich mit den Werken der sechs SuS an, die die Aufgaben nicht erledigt hatten und in der Stunde versuchten alles nachzuholen. Joa, wie zu erwarten war, stand bei allen mehr oder weniger das Gleiche, nur der Grad der Verwirrung über die sinnhaften Zusammenhänge der aufgezählten Punkte variierte. Wirklich Struktur hatten diese Texte nicht, es fehlte die Einleitung, die Argumentationsstruktur war mager und eine Folgerung hatten sie aus dem Thema nicht gezogen. Wie drückt man Kritik so aus, dass sie nicht demotiviert? Die Frage stellte ich mir dann mehrfach, als ich meinen Kommentar unter die Kurzaufsätze schrieb.

Und dann kam der Rest, von dem ich eigentlich größtenteils ganz angetan war. Es war interessant zu beobachten, was offensichtlich gut verständlich gewesen war (es tauchte mehrfach ein Beispiel auf, welches ich mir in einer Stunde aus dem Ärmel geschüttelt hatte, um ihnen Reaktion und Aktion von Mensch und Tier zu verdeutlichen) und auch ein Rechtschreibfehler, der auf meine Kappe ging, da ich es an der Tafel falsch vermerkt hatte. Inhaltlich konnte ich schnell eine Liste  mit Themen anlegen, auf die wir nächste Stunde noch einmal eingehen sollten.

Allgemeine Fehlerquellen

  • Fachbegriffe: Ja, die sollen sie verwenden und wenn das klappt, bin ich sehr zufrieden. Aber sie sollen sie auch erläutern. Es bringt gar nichts, wenn sie ein hübsches Zitat auswendig lernen, es auch an der richtigen Stelle anbringen, jedoch aus dem Wortlaut schon hervorgeht, dass sie den Inhalt und die Tragweite dieses Ausspruchs zu 98% nicht verstanden haben werden. Oder wenn mitten im Text dann sowas wie ‚Vernunftbegabung‘ oder ‚Geist‘ einfach ohne Erklärung auftaucht. Klar, Scheler hat gesagt, der Mensch hat Geist und das unterscheidet ihn vom Tier, aber was bedeutet das denn nun genau?
  • Wertung: Wenn viele Argumente genannt werden, ist das erstmal gut. Wenn diese dann aber nicht abgewogen werden und aus ihnen keine Folgerung für die Fragestellung ableitbar ist, verkommt der Text zur simplen Aufzählung.
  • Kontext: Warum ist das was ich schreibe in welchem Zusammenhang für welche Fragestellung von Bedeutung? Die Frage sollen sie sich in den Kopf brennen und nicht mehr vergessen. 95% haben sie nicht wirklich beachtet und nur mal eher scheinbar zufällig gestreift.

Das sollten die wichtigsten Punkte sein.

Insgesamt hat mich die Korrektur dieser 22 Kurzaufsätze (mit Essenspausen) neun Stunden gekostet. Ich hoffe ich bekomme mehr Übung und werde schneller. Und ich muss Einkaufen gehen. Ich hatte erst keinen Rotstift zur Hand und musste letztlich mit einem halbleeren arbeiten, der immer wieder gefährlich dünn in der Linienführung wurde.

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3 Kommentare zu „Die erste Korrektur

  1. Ich korrigiere in Geschichte mit unterstreichen und harken. Auch in der Oberstufenklausur. Begründung: ich bin kein deutschlehfer. So wurde mir das gesagt, aber ich müsste die Fehler erstmal differenzieren und vermutlich würde ich aus Gewohnheit die englischen Korrekturzeichen verwenden;)

    1. Das sind die offiziellen Abivorgaben für Philo (sieht bei Geschichte genauso aus). Also benutze ich die auch ^.^ Ich ärgere mich schon genug darüber, wenn sich da Fehler an Fehler reiht. Ich seh sie ja eh, da kann ich sie auch anstreichen.

      1. Ich verbessere die Fehler „nur“. Bin mal gespannt, ob meine seminarlehrerin motzt. Fehlerfinden ist nämlich nicht meine Stärke im Deutschen… 😉

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