Veröffentlicht in Ausbildung, Planung, Prüfung, Referendariat

Schriftliche Planung und ich …

Da ich nicht will, dass der morgige Beitrag (ich hoffe, ich kann gleich morgen reflektieren, wie der Tag so lief) zu viel mit der Theorie zu tun hat, wollte ich hier schon einmal einzeln über meine Erfahrungen mit der theoretischen Seite des Refs mal zusammenfassen. Morgen werde ich in der ersten Stunde meinen zweiten Unterrichtsbesuch in meiner 9. Klasse in Geschichte haben, dann in der zweiten die Nachbesprechung dieses Besuchs (der Fachleiter teilt mir seine Eindrücke mit) und in der dritten Stunde wird dann mein Kernseminarleiter nochmal seine Sicht der Dinge mit mir besprechen.

Dass ich praktisch wenig Probleme habe, hat man gleich anfangs gemerkt und es hat für mich auch nie wirklich zur Diskussion gestanden, ob ich ‚vor einer Klasse stehen‘ könnte. Weil ich weiß, dass ich das kann. Ich fühle mich da wohl, unterrichte wirklich gern und gehe mit ordentlich Schwung aus den Stunden heraus. Gut, aus den Meisten. (Vielleicht später mehr dazu.)

Aber die Planung, das ‚Theoretisieren‘ der Praxis, das geht mir gegen den Strich, wie man so schön sagt. Morgen ist mein zweiter UB in Geschichte. Eigentlich freue ich mich auf die Stunde. Eigentlich. Gestern war trotzdem ein furchtbar stressiger Tag, an dem ich mit Hängen und Würgen versucht habe, diesen blöden Entwurf für die Stunde zu schreiben. Die Vorgaben hierfür sehen folgendermaßen aus:

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Joa, ausformulieren, was ich machen will, das ist eigentlich ok. Aber dieses künstliche vorgeben der Stunde, das nervt einfach nur. In meinem kurz gelebten Alltag kann ich jetzt schon einmal die Beobachtung machen, dass mein Unterricht am besten funktioniert, wenn ich ihn ‚aus dem Ärmel schüttel‘. Das ist sicher nicht ideal und bei Anfängern wohl auch nicht wirklich so wünschenswert. Aber mir reicht es das Thema zu wissen, welches ich in der Stunde behandeln will und der Rest fügt sich quasi dann im Geschehen.

Kontext? Klar, muss hergestellt werden und ist er mir bekannt, kann ich ihn auch vermitteln. Struktur? Ergibt sich meiner Ansicht nach direkt aus dem Problem, mit welchem ich die Schüler in der Stunde konfrontieren will. Material? Gut, da muss ich noch arbeiten, gerade in Geschichte funktioniert das Buch prima. (Meistens.) Problemaufwurf, Methoden, Stundenziel, etc? Es findet sich alles irgendwie.

Und das ist das Problem. Mein Unterricht in meiner 9. macht einfach nur Spaß. Sie sind interessiert und ich bin im Thema. Das läuft. Meine EF … nicht so sehr. Ich werde mit ihnen nicht richtig warm und thematisch ist alles auch nicht das gelbe vom Ei. Und ich bin mir sicher, dass man das mit ordentlicher Planungsfähigkeit irgendwie in den Griff könnte. Aber Planung liegt mir nicht.

Am Montag im Kernseminar hatten wir das Thema Unterrichtsgespräch. Die ‚Königsdisziplin‘ in der wir uns beweisen müssen. Meine liebste Sozialform für die Stunden; Themen diskursiv mit den Schüler gemeinsam erschließen, fragend entwickelnder Unterricht … das kann ich. Und ich merkte, wie meine Erfahrungen so ganz anders waren, als die der anderen Refis. Einige schrieben sich für diese offenen Phasen Impulse auf, mit denen sie auf ihr Stundenziel hinlenken konnten. Oder formulierten extra jegliche Frage, die sie stellen wollten vor und druckten sie sich aus. Sie würden da sonst nicht dran denken. Diskutieren und gleichzeitig Ergebnisse festhalten? Machten die meisten nicht und war ihnen auch zu ‚unübersichtlich‘ für die Phase, weil sie ja zuhören, schreiben und antworten mussten. Fragen ohne Antworten zu suggerieren … gut, dass ich ein Problem, an dem ich auch arbeite; besonders wenn die Zeit knapp wird und ich auf ein bestimmtes Ziel hinaus will.

Bei der Planung für die morgige Stunde habe ich nun gemerkt, dass so gerne ich meine Stunden so gestalte, dass es furchtbar schwer ist sowas in einer Planung abzubilden. Eine Seite soll der Verlaufsplan für die Stunde umfassen. Ich hatte Mühe ihn zu füllen. Letztlich tat ich es mit antizipierten Ergebnissen auf die jeweilige ‚Phasenproblematik‘ der Stunde, weil mehr als „Die SuS analysieren, ordnen ein, vergleichen, nehmen Stellung zu XY.“ kann ich bei meinem Stundenaufbau kaum schreiben. Wenn ich nun aber etwas, was ich beherrsche nicht theoretisch abbilden kann, wie soll ich dann mit Hilfe der Planung eine Schwäche in den Griff bekommen, die ich auch praktisch nicht recht auf die Reihe bekomme?

Ich bin sehr gespannt auf die Kritik morgen. Ich kann nicht recht einschätzen, ob meine Stunde nun gut geplant ist oder nicht. Ich weiß nur, dass ich die Planung schrecklich einengend finde und sie mir einfach nicht flüssig von der Hand gehen will. Ich denke schon, dass das ein ordentliches Defizit ist, an dem ich arbeiten muss. Und, dass ich nächste Woche Donnerstag im Philo UB heillos untergehen werde, wenn ich da morgen nicht mit einer ordentlichen Erkenntnis heraus gehe.

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7 Kommentare zu „Schriftliche Planung und ich …

  1. Ich plane immer 😀 vor allem in Geschichte.🙈 am Anfang (und für Lehrproben) habe ich mir die Kernfragen (bzw. Operatoren) ausformuliert. Aber Mittlerweile mache ich das auch nicht mehr. So einen fragen-entwickelnden Unterricht habe ich mal im Praktikum gemacht (beim Vorgänger meiner Seminarlehrerin :D) eigentlich klappte das ganz gut, trotzdem ist mein Unterricht jetzt materialgestützer (auch wenn mkr das Material im Buch nicht so zusagt 😦 ) und leider bin ich immer noch sehr verkopft. Manchmal nervt mich das. Falls du magst, kannst du mir deine Planung auch gerne mal schicken. Ich mache das ja ständig 🙈 aber auf jeden Fall viel Erfolg morgen 🙂

    1. Für jede Stunde wirklich planen? 😮 Da bin ich echt weit von weg … Ich gucke den Tag vorher meist, was sich gut anschließt thematisch und halte mich sonst an meinen zu Anfang aufgestellten groben Plan.

      Was mir da immer wieder durch den Kopf geht: Du wirst ja dauerhaft begleitet. Ich denke, dass es bei mir sicher auch besser wäre, wenn ich mehr planen würde, aber da keiner guckt, was läuft und was nicht, habe ich auch keinen Schimmer, wo ich ansetzen müsste.

      1. Naja planen am Tag vorher 😁 also so bei mir auch. Nicht wochenlang. Bzw. Wenn es sich anbietet. Aber ohne Papier und Tafelbild gehe ich in keine Stunde. Im Einsatz habe ich dann ja auch 15-17 Stunden ohne Begleitung unterrichtet. Trotzdem brauche ich das für meine Sicherheit 😀 aber wen ich das Thema zum 2. Mal mache, geht das besser.

      2. Solange es funktioniert 😁 aber solange ed funktioniert und du nicht völlige schwellendidaktik betreibst 😀

  2. Was bei mir gut geklappt hat: Für den Verlaufsplan an den Operatoren dranbleiben. Welche nutzt du für die Aufgaben/Fragen? Dort mit dem Operatorenzettel abgleichen, was sollen dir SuS wie tun? Passt dann meistens.

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