Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Referendariat

Lichtblick

Heute war ein schöner Schultag. Und das schreibe ich mit einer ordentlichen Portion Erleichterung nach den vergangenen Tagen. Es ist nicht alles komplett glatt gelaufen, aber es war schön zu unterrichten und gab doch ordentlich Auftrieb, der in letzter Zeit deutlich zu kurz kam.

  1. Stunde: Geschichte Klasse 9 / BdU

Meine neuner waren gestern in der sechsten Stunde ein wenig aufmüpfig und nicht sehr einsichtig, was ihr Sozialverhalten anging. Aufgabe: Klassenraum säubern! Die guten hatten den ganzen Tag damit zugebracht Papierkügelchen zu werfen und dementsprechend sah es dann auch aus. Also Ansage von mir, dass sie bitte aufräumen sollten, bevor sie gehen. Unter viel Gemurre fingen die ersten an und hoben den Müll auf, jedoch liefen tatsächlich einige früher aus dem Raum. Geistige Notiz: Ernstes Wörtchen am nächsten Morgen.

Nach der Begrüßung heute morgen griff ich ein gemurmeltes Gespräch also auf, in dem ein Schüler zur Nachbarin zischte „Ist mir doch egal!“ – „Gutes Stichwort …“ meinte ich gedehnt und er beeilte sich mir zu versichern, dass er nicht mich und die Begrüßung gemeint hätte. „Habe ich auch nicht so verstanden, aber wir müssen einmal über etwas reden. Schaut euch mal um.“ Die Blicke schweiften durch den Raum. „Es ist sauber.“ meinte ein Schüler. „In der Tat. Und warum ist dem so?“ – „Weil es Putzfrauen gibt?“ – „Und genau da liegt das Problem. Es ist ein Unding, dass ihr meint, dass die Reinigungskräfte dafür da wären um hinter euch aufzuräumen und sauber zu machen. Niemand verlangt von euch, dass ihr den Klassenraum wischt, aber aufräumen könnt ihr euren Dreck doch durchaus alleine. Man lässt nicht einfach alles liegen und dann andere für sich die Drecksarbeit machen. Das ist äußerst respektlos.“ Eine Hand schnellt offensichtlich empörte in die Höhe. „Aber wir haben das ja gar nicht alle gemacht! Das ist unfair, wenn die die nichts gemacht haben dann für andere aufräumen.“ – „Na, da hast du meinen ersten Punkt ja verstanden. Die Reinigungskräfte haben den Mist hier auch nicht fabriziert. Was die Klasse angeht: Ihr seid eine KlassenGEMEINSCHAFT. Entweder wirkt ihr zusammen dahin, dass diejenigen die Dreck machen den auch aufräumen oder ihr räumt ihn gemeinsam weg.“ Betretenes Schweigen und ich ließ es gut sein. Schauen wir mal was nächsten Mittwoch nach der 6. Stunde passiert.

Dann ging es an das angefangene Arbeitsblatt, in dem sie das politische Programm Hitlers herausarbeiten sollten. Wir haben nämlich inzwischen schon einen Machtwechsel vollzogen und sind im dritten Reich angekommen.

01_Hitler Programm.PNG

Die Punkte wurden in einer Mindmap an der Tafel zusammengefasst und es entbrannte eine rege Diskussion über die Inhalte. Beim Thema Nationalsozialismus ist natürlich sehr viel mehr Vorwissen vorhanden, als das in anderen Themen der Zeit der Fall ist. Somit läuft das etwas einfacher und die Schüler können leichter ihr Wissen anwenden und einbringen. Fragen wurden formuliert und wir werden uns anschließend damit beschäftigen, wie er diese doch extremen Ansichten und Forderungen letztlich durchsetzen konnte. Eine stabile Machtgrundlage hatte er im Januar 1933 dafür nämlich noch nicht.

Freistunden

Am Donnerstag habe ich immer zwei Freistunden im Vormittagsbereich. Die nutzte ich, um mich auf den Ausbildungsunterricht bei Ian vorzubereiten und ein wenig dem Buschfunk zuzuhören. Einige haben ja tatsächlich das Bedürfnis laut und ausgiebig über sämtliche interessanten Themen einmal quer durchs Lehrerzimmer hinweg zu sprechen.

4. Stunde: Geschichte Klasse 9 / AU

Wie vorher besprochen hatte ich Ian meinen Stundenverlaufsplan geschickt und er hatte (ziemlich spät abends) darauf geantwortet, dass ich doch lieber noch etwas ändern soll. Ich hatte nach der Problemorientierung am Anfang mit einem Lehrervortrag die wichtigsten Fakten darstellen wollen und die Schüler dann vertiefend arbeiten lassen, aber er meinte, dass sie selber alles erschließen sollen, also schmiss ich meinen Plan um.

Heraus kam dann folgende Stunde:

arbeitslose-in-hannover

Nachdem die Schüler hier erst einmal vermuteten, was denn die ganzen Menschen auf dem Bild wohl zusammengeführt hatte und sie dabei auf Geschenke von Hitler (das Graffiti lenkte schnell in eine Richtung), was ja die ganzen Fahrräder sein könnten, tippten oder auf eine andere wichtige Persönlichkeit, die die da treffen wollen oder vielleicht auf eine Wahl oder einen überfüllten Bahnhof, deckte ich das nächste Bild auf.

 "Hallo! Ich suche Arbeit!" In Berlin versucht eine junge arbeitslose Frau auf sich aufmerksam zu machenAus diesem Bild schlossen sie dann den Kontext, dass es sich um Arbeitslose handelte, dass diese gut ausgebildet und auch überqualifiziert für die gesuchte Arbeit waren und dass es wohl sehr wenig Arbeit geben musste, wenn man jede Arbeit annehmen würde. Die Frage, warum es denn nun so viele Arbeitslose gab und was in der Zwischenzeit (unter dem oberen Bild war die Jahreszahl 1932 vermerkt) passiert sein könnte, dass es zu der Situation gekommen war. Inflation und das Krisenjahr 1923 wurde noch als Ausgangspunkt der Ereignisse vermutet. Hier brauchte ich leider etwas mehr Zeit, als ich gehabt hätte, was mein Stundenende negativ beeinflusste.

Anhand des Buches, welches in sechs kurzen Abschnitten Stellung zum Dawes Plan nahm, zu den Unternehmen, Arbeitnehmern, der Weltwirtschaftskrise, den Arbeitslosen und der Politik Ende der 20er Jahre, erarbeiteten die Schüler darauf hin in 4er/5er Gruppen den Kontext für die Arbeitslosigkeit und brachten dann ihre Ergebnisse als stark gekürzte Stichpunkte an die Tafel. Leider verschenkte ich auch hier Zeit, da die Gruppeneinteilung nicht richtig aufging und es kurz Verwirrung gab, wer wo wie mitarbeiten sollte. Fürs nächste Mal werde ich wohl Zettelschnipsel mit Gruppennummer und Arbeitsauftrag vorbereiten, welcher ebenfalls von mir nicht verschriftlicht wurde. Hatte ich vergessen.

Ergebnis:

IMG-20161117-WA0001.jpg

Wirkt natürlich etwas überfrachtet, aber die Stichpunkte waren gut und richtig und die Schüler hatten teilweise beim Anschreiben schon angefangen die ersten Bezüge über Pfeile herzustellen, was dann das Ziel der Sicherung sein sollte. Dazu kamen wir dann aber nicht mehr ganz und mussten mittendrin abbrechen. Also werde ich morgen das Tafelbild abgetippt reinreichen und dann die Vertiefung zum Alltagsleben anfügen.

5. Stunde: Philosophie EF / BdU

Ohne große Schnörkel fing ich in der EF dann mit der Erarbeitung des bereits in der Stunde davor erarbeiteten Schemas zum Denken an. Es fällt ihnen noch schwer diese Schemata alleine anzufertigen, weswegen wir da fleißig am Üben sind. Ich übe natürlich auch noch an meinen Tafelbildern, die sind ja noch deutlich verbesserungswürdig … immerhin baue ich inzwischen regelmäßig Farbe ein 😉

Ergebnis:

20161117_121906.jpg

Während wir das anhand eines Textes entwickelten, ergaben sich spannende Diskussionen, wo die Schüler diese Ergebnisse versuchten auf Mensch und Tier anzuwenden. Einige hatten erst Bedenken, den Tieren die vierte Stufe des Denkens zuzusprechen, andere stürzten sich gleich auf die Beispiele die wir schon besprochen hatten, in denen Rabenvögeln und Primaten die Befähigung zur ‚Theory of Mind‘ (= die Fähigkeit Gedankengänge oder Wissen eines anderen zu antizipieren) zugesprochen wurde, was sie korrekt wiedergaben und anwandten. Wir beschäftigten uns definitorisch somit mit verschiedenen Beispielen für die jeweiligen Stufen des Denkens, um sie weiter zu verdeutlichen und machten uns Gedanken darum, was Denken denn letztlich ist und ob sie der Darstellung des Textes zustimmen oder nicht.

So langsam finden sie sich in die Kontexte ein und die Ansprache vom letzten Mal, als es um die Noten ging und ich den stilleren Schülern gesagt hatte, dass es im Moment auf eine 5 hinausläuft, hat insofern gefruchtet, dass drei dieser Schüler heute aktiv mitgearbeitet haben und sich gut einbrachten. Das freut einen natürlich. Ich passe mich auch immer mehr dem Leistungsniveau des Kurses an, was die Stunden deutlich entspannter werden lässt.

Darüber hinaus kamen wir an einen Punkt, wo eine Schülerin ganz entrüstet feststellte, dass es doch so viele verschiedene Meinungen zu dem Problem, ob Tiere denken gibt und dass man da ja gar nicht sagen könnte, ob das richtig oder falsch ist. Als ich ihr dann erst einmal beipflichtete, meldete sich direkt die nächste besorgte Schülerin und fragte ‚etwas allgemeiner einmal nur zur Klausur‘, wie man denn da eine Klausur schreiben sollte, wenn es keine eindeutig Antwort gäbe. Ich müsse ja bewerten können was richtig und falsch ist. Schmunzelnd gab ich die Frage weiter in den Kurs. Einige der anderen erkannten richtig, dass es ja um den Beweis für die eigenen Ansichten ginge und dass es da so wäre, dass sie das eben richtig strukturell aufbauen müssten. Ich  stimmte zu, dass sie mir erzählen könnten jeder Mensch ist eine sabbernde Amöbe gegenüber einem Tier, wenn sie das nur formal korrekt und argumentativ schlüssig beweisen könnten. Dann wäre meine Meinung dazu in dem Moment relativ egal. Das beruhigte die meisten anscheinend. Natürlich wies ich darauf hin, dass es schon einige Fakten gäbe, wie beispielsweise Positionen/Theorien von Philosophen, bei denen sie sich durchaus daran zu halten hätten, was dieser Herr/diese Dame da gesagt haben, aber die Einbettung in den eigenen Argumentationsaufbau, der ist ihnen natürlich freigestellt und auch frei erwünscht. Bin inzwischen sehr gespannt, was die erste Klausur ergeben wird.

Kurz sprachen wir dann auch noch über das Reiz-Reaktions-Muster und Konditionierung von Verhalten, welches unser nächster Wissenschaftler dahingehend interpretiert, dass Tiere letztlich doch instinktgebunden sind, was eine interessante Stunde werden dürfte, da sie sich heute alle darauf geeinigt hatten, dass Tiere ’selbstverständlich(!)‘ denken können. Hach ja, ich mag Philosophie 🙂

Der Rest des Tages verging dann mit Vorbereitungen und dem Fachseminar für Geschichte, wo wir verschiedene Schulbücher verglichen. Mein Fazit für das bei uns benutzte Buch: OK. Es gab auf jeden Fall zwei Bücher, die ich nur sehr ungern benutzen würde. Den Aufbau unseres Geschichtsbuches finde ich da durchaus gelungener. Jetzt muss ich noch den Ablaufplan für Ian erstellen und das Tafelbild abtippen und dann geht es ins Bett. *seufz* Langer Tag.

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4 Kommentare zu „Lichtblick

  1. Das Bild mit der Schlange hatte ich am Montag auch. Jedoch am Ende der Stunde, nachdem wir Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit erarbeiteten hatten.
    Aber dein(e) Tafelbild(e) finde ich unübersichtlich 🙈(sry). Ich versuche mich dann auf weniger zu konzentrieren, oder wenn es viel ist doch ein vorstrukturiertes AB 🙈

    Und zu der Verunreinigung. Hast du es mal mit dem Hausmeister versucht? Je nach dem, wie der drauf ist, haben Schüler echt Angst aber auch Respekt vor ihm (kenne so einen Fall). Da haben sich die verunreiniger bei ihm freiwillig gemeldet, als er vor der Klasse stand. Und die mussten dann Wochen den Klassenraum reinigen

    1. Wie gesagt, ich arbeite dran 🙂 Der Grund warum ich Pc und alles rundherum liebe; wenn ich so schreibe, dann sieht es immer so chaotisch aus. Wie man Schüler dazu bekommt sauber zu schreiben … da geht glaube ich nicht mehr, aber ich lasse mir Geheimtipps geben.

      Ich glaube nicht, dass sie es nochmal so verdrecken lassen werden. Bin auf nächsten Mittwoch gespannt, sonst sehe ich sie immer in den früheren Stunden, da sieht es noch nicht so aus.

      1. Naja der beste tafelschreiber bin ich auch nicht 😂 vielleicht poste ich die Tage mal meine lieblingstafelbilder. Es hilft definitiv vorher zu wissen, wie das TB aussehen soll 😂 und den Schülern dann sagen, nehmt das Heft quer, falls nötig🙈

      2. Es gab eine Verschriftlichung davon vorher ^.^ Aber da ich ja die Schüler mit einbeziehe gerät da oft etwas aus den Fugen, wenn ich es dann mit ihnen entwickle. In diesem Fall war es die Treppenstruktur, die von den Schülern kam und die ich einfach als Auflistung geplant hatte. Wenn der nächste UB gut läuft, kümmere ich mich intensiver um die Tafelbilder 😉

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