Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Referendariat

Mehrarbeit

Heute der Tag war entspannt. Nur eine Stunde stand auf dem Programm, da morgen in der Schule der Tag der offenen Tür ist und wir somit ab der 5. Stunde Unterrichtsfrei bekamen, um alles vorzubereiten.

In der dritten Stunde führte ich das Thema Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik fort und hatte dafür das nicht zu Ende besprochene Tafelbild abgetippt. Die Schüler sollten zu den gefundenen Punkten noch Beziehungen untereinander eintragen, damit klar wurde, was sich wie bedingt hatte.

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Hier passierten mir zwei Fehler, die mir leider nur so halb im Unterrichtsgeschehen auffielen. Der Punkt des Exports bezog sich auf das Krisenjahr 1923 nicht auf die Wirtschaftskrise 1929. Und dass die KPD/NSDAP mehr Wähler mobilisieren konnten, mag für die Parteien gut sein, aber ob das für die Republik gut ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Da ich allgemein nach positiven und negativen Auswirkungen der Punkte untereinander gefragt hatte, kann man es mit gutem Willen so stehen lassen, aber ich hätte es besser zur Diskussion gestellt. In dem Moment merkte ich auch, dass da was knirscht, aber da ich die Tendenz habe mich im Einstieg zu verquatschen, wollte ich es dort kurz halten. Ein Fehler.

Danach sprachen wir kurz darüber, wie sich diese Krise wohl im Allgemeinen ausgewirkt hat. Wie sah der Alltag der Menschen aus und was wahr problematisch? Die Schüler hatten gute Ideen und nachdem sie viele der aktuellen Probleme und deren Konsequenzen aufgezählt hatten, wie ungeheizte Wohnungen, wenig Essen, unzureichende Kleidung, Obdachlosigkeit, Frust und Langeweile weil man keine Arbeit hat, gab ich ihnen den Auftrag einen Tagebucheintrag aus der Perspektive eines Jugendlichen zu schreiben. Unterstützend sollten sie zwei kurze Quellen aus dem Buch zur Hilfe nehmen.

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Die Meisten schafften mit Hilfe dieser Berichte und Informationen einen wirklich gut eingebetteten Perspektivwechsel in die Zeit und dachten sich teilweise sehr kreative Umstände für ihre Figur aus. Ich hatte auf Anraten Ians direkt gesagt, dass ich einige Geschichten einsammeln würde und wie von ihm prophezeit schrieben alle mit großer Konzentration und die meisten produzierten in den 20 Minuten über eine Seite. Ian meinte, dass ich die Mini-Aufsätze ruhig bewerten kann, wo ich mich dann gleich noch dransetzen werde. Beim ersten Durchlesen sehe ich die meisten im zweier Bereich.

Die Stunde war natürlich für mich ziemlich langweilig. Ich hatte den Einstieg mit den Schülern gemacht und durfte dann darauf warten, dass sie fertig geschrieben hatten und am Schluss eben die raussuchen oder auffordern, die vorlesen sollten. Wahrscheinlich müssen die Stunden so sein, dass ich besser bewertet werde. Das Ein-Frau-Action-Team was ich normalerweise da abliefere gehört in den Unterricht nicht so recht rein nach didaktischen Vorgaben. Bin gespannt wie ich mich umstellen können werde.

Nach der Stunde machte ich mich gleich ans Korrigieren, was dann auch die komplette vierte Stunde dauerte, da fast die ganze Klasse hatte abgeben wollen. Hier einmal zwei Beispiele:

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Und eine der Stundenkoordinatoren sprach ich auch noch, da der Schulleiter sich kurz zu mir gesetzt hatte und nach dem Chaos vom Wochenanfang fragte. Ich schilderte die Ereignisse und wir kamen dann überein, dass ich nächste Woche dann den Unterricht übernehmen solle. Die Koordinatorin meinte nur vielsagend, dass es ja kein Ausbildungsunterricht wäre, den ich da leiste, sondern Vertretung, da ja niemand anwesend sei, der mich ausbildet. Das wäre ein Unterschied für die Abrechnung. Damit muss ich mich nochmal beschäftigen.

Und dann kam die Kollegin aus der Fachschaft Geschichte, die mit mir unseren Kursraum gestalten wollte für morgen. Wir bauten den Zeitstrahl in meiner 6. Klasse ab und dort wieder auf, um auch etwas aus dem Unterrichtsalltag zeigen zu können, präparierten die Klasse noch mit Karten, Arbeitsstationen und machten generell etwas sauber. Darüber dann die kommenden Tage mehr.

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8 Kommentare zu „Mehrarbeit

  1. So einen perspektivwechsel traue ich mich nie 🙈 oder es ist mein Puffer und ich schaffe ihn eh nicht 😁 aber ja, so Phasen sind langweilig. Kenne das aus englisch, aber da fragen dir Schüler meistens etwas. 😂 bin mal auf Montag gespannt, da arbeiten die Schüler auch selbstständig 😀

    1. Der Kurs ist darin richtig gut und sie machen es gern. Solche Aufgaben sind für die Schüler quasi eine kleine ‚Belohnung‘. Heute auch wieder: 20 Minuten konzentrierte, ruhige Arbeitsphase. Und die Ergebnisse eben wie gesagt durchweg gut. Schade dass ich meine UBs in der Mittelstufe schon weg habe inzwischen ^.^ Der Kurs wäre ein heißer Kandidat gewesen.

  2. Interessantes Stundenthema. Meine Oma hat diese Zeit als junge Arbeitslose erlebt und ich erinnere mich daran, wie sie uns immer wieder davon erzählte. Das ist alles so lange her, ich fühle mich gerade steinzeitlich 😉

    1. Finde es toll, wenn die Großeltern davon erzählen. Bei meinen war die Zeit niemals Thema, sie wurde totgeschwiegen. Ich denke mal, sie waren doch ziemlich überzeugt von den Nationalsozialisten gewesen, wenn ich einige Kommentare richtig gedeutet habe. Da war es natürlich nicht populär über die Zeit wirklich zu reden, wie sie für sie gewesen ist.

      Und ja, es ist ja fast 90 Jahre schon her, da darf man sich alt fühlen, wenn man noch Verbindungen dahingehend hat 😉 (auch wenn sie indirekt sind ^.^)

      1. Ja. (Den Satz mit dem Kuchen finde ich irgendwie lustig)
        Meine Oma berichtete auch darüber, dass sie sich nichts zu essen kaufen konnte, durch halb Wien zu Fuß laufen musste (weil die Straßenbahn zu teuer war) und – da natürlich auch kein Geld vorhanden war, um Brennholz für den Ofen zu kaufen – nachts mit Mantel schlafen ging und statt einer Decke Zeitungen und einen Sessel (!) oben drauflegte, weil sie so fror. Ich weiß nicht, ob es solche Wärmehallen bei uns auch gab. Davon hat sie zumindest nie erzählt.

      2. In den größeren Städten, die sich ja zu der Zeit anfingen zu bilden, gab es das schon öfter. Hier geht es um Berlin, das war ja eine der aufstrebenden und extrem schnell wachsenden Städte in den 20ern. Wo auch immer ‚bei uns‘ in deinem Fall ist, wenn es keine größere Stadt damals schon war, gab es wahrscheinlich solche Einrichtungen nicht 😉

        Wie es in Wien war, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Könnte mir vorstellen, dass es etwas ähnliches da gegeben hat.

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