Veröffentlicht in Konstruktive Kritik, Prüfung, Referendariat

3. UB Geschichte

Schon einen Tag her, aber ich komme mal wieder zu nix ^.^ Gestern also der gefürchtete dritte Unterrichtsbesuch; nach der vollendeten Katastrophe beim zweiten, war ich sehr gespannt ob ich es nun besser treffen würde. Wobei ich das Thema ja mal überhaupt nicht sicher drauf hatte, aber da hilft ja nix. Was muss, das muss.

Thema für die geplante Stunde: Bismarcks Außenpolitik. Oder hübscher ausgedrückt: Bismarcks Außenpolitik – Gibt es einen Weg aus dem ‚Albtraum der Koalitionen‘? Da meine Bismarck Reihe ja betitelt war mit „Das Kaiserreich unter Bismarck – Ein Mann der Geschichte ‚machte‘?“ Drehte es sich in dieser Sequenz natürlich wieder um Bismarck und die Grundlegung, warum ich das als zentrales und verknüpfendes Element für die drei Bereiche (Reichsgründung und Verfassung, Innenpolitik und Kulturkampf sowie Außenpolitik) vorgesehen hatte, war somit direkt ersichtlich. Fand mein Fachleiter auch gut. Wie so vieles anderes an dieser Stunde 😉 Aber der Reihe nach.

Der Morgen startete … nicht so doll. Warum haben Kinder ein Gespür dafür, wenn man tatsächlich keine Zeit für irgendwas nebenher hat und setzen sich in den Kopf ausgerechnet an diesen Tagen quer zu schießen? Hm?! Der Spatz beschloss genau an diesem Morgen auf jeden Fall, dass er nicht zu Kita will. So gar nicht. Die komplette Zeit versuchte er sich auszuziehen, weinte und jammerte, als er dann im Autositz festgeschnallt war und steigerte sich auf dem letzten Stückchen vom Auto in die Kita in eine echte Rage hinein. Juhu … kreischend-sabberndes Kind vor sich und man muss noch Material kopieren und weitere Vorbereitungen treffen. Entschuldigend gab ich ihn an die (zum Glück wirklich kompetente) Erzieherin ab, wischte mir die Stressträne aus dem Augenwinkel – es geht mal gar nicht das Kind in so einer Situation abzuschieben, aber was will man machen? – und fuhr zur Schule. (Er hatte sich fünf Minuten später beruhigt, aber das wusste ich natürlich nicht.)

Dort angekommen kopierte ich alles, steckte passend die Zettel in die Folienmappen für die Gruppenarbeit, klaute mir aus den kleinen Methodenkoffern rote und grüne Folienstifte zusammen und ging den Stundenablauf nochmal durch. Im Entenmarsch folgten mir dann zum Klingeln Fachleiter und meine zwei Mitrefis aus der Schule zum Kursraum. Mit Erstaunen fand ich einen der Schüler beim Tafelwischen vor. Das hatten sie vorher noch nie gemacht und ich lächelte ihm dankbar zu. Sie waren auf Unterrichtsbesuch eingestellt.

Und dann gings los. Zu Anfang legte ich folgende Karikatur auf und bat um eine Beschreibung, die ich mir aber auch hätte sparen können. Ein stummer Impuls (Bild) hätte gereicht, laut Fachleiter.

puppenspieler-bismarck

Die Schüler machten sich dann auch pflichtbewusst ans Beschreiben, was auch negativ ausgelegt wurde. Wenn man sich lange mit einer historischen Person beschäftigt hat, dann macht es auch wenig Sinn, wenn man „Ein alter Mann mit Glatze und Bart“ beschreibt, wenn jeder „Bismarck“ direkt benennen könnte. Aber gut, das war nur ein kleiner Kritikpunkt. Die Schüler mutmaßten, dass Bismarck Großmächte manipuliert haben könnte, da man da ja die Könige sieht, fragten, warum und wie er das gemacht haben könnte und wer die Könige wohl waren; mit welchen Mitteln er sie manipulieren konnte; ob er Hilfe dabei gehabt hatte. Ich schrieb fleißig mit und notierte alles an der linken Tafelseite. Hier wurde angemerkt, dass ich das hätte ausformulieren können und in grammatikalisch richtige Sätze packen. Ich hatte die Schüleräußerungen 1:1 angeschrieben.

Was in der Nachbesprechung hier auch angemerkt wurde, was mir vorher gar nicht klar gewesen war, bezog sich auf ‚die Erschließung des Materials‘. Es ist ja mehrfach erwähnt worden, und gerade mein Philo-Fachleiter findet es furchtbar, Material mit viel Potenzial nur als oberflächliches Mittel zum Zweck einzusetzen. Diese Karikatur hat natürlich sehr viel Potenzial, dessen Erschließung man am Anfang des Themas aber von den Schüler gar nicht erwarten kann. Da wäre es dann auch legitim, wenn die Schüler eine kurze Problemstellung erkennen und man später in der Reihe auf das Material zurückkommt und erarbeitete Ergebnisse sichert/anwenden lässt. Würde sich hier anbieten. Man legt die Folie am Ende nochmal auf und lässt die Schüler historischen Kontext einordnen, Ereignisse und folgen der dargestellten Situation erläutern und Bismarcks Rolle dabei einschätzen. Das hätte mir am Anfang gut fünf Minuten gespart, die ich später als Vertiefung genutzt hätte. Hätte, könnte, sollte … naja. Fürs nächste Mal.

Nachdem wir also die wichtigsten Punkte geklärt hatten, wies ich die Schüler an in die Erarbeitung zu gehen und sich in Gruppen zusammen zu finden. Die Folienmappen mit dem Material wurden ausgeteilt und ich erklärte die Arbeitsaufträge. Hier trat wieder ein Problem auf, welches ich schon öfter gehabt hatte, was ich aber immer wieder vergesse zu beachten: Nicht in die ‚Gruschtel‘ Phase hineinsprechen. Es geht einfach zu viel unter, wenn man etwas erklärt, während die Schüler sich umpositionieren, zurechtsetzen, aufs Materialverteilen konzentrieren, etc. Was sie machen sollten:

(Verzeihung wegen der Rechtschreibmeldungen, ich konnte das Material nur snippen, mein Drucker streikt gerade.)

quellekarte

Die Aufgaben waren hier, die Textquelle visuell auf die Karte zu übertragen. Dafür hatten sie jeweils zwei Folien bekommen, auf denen sie einmal die für Deutschland förderlichen Bündnisse einzeichnen sollten und getrennt davon die hinderlichen ebenso. Wie zu erwarten gewesen war, gab es hier erst noch bei einer Gruppe ein Missverständnis, da sie erst beides auf eine Folie eintrugen, aber insgesamt kamen alle schnell ans Arbeiten und tauschten sich auch rege untereinander aus. Verbesserungsvorschlag war dabei gewesen, dass man natürlich auch zuerst in Partnerarbeit einen Austausch hätte veranlassen können, damit dann die Gruppendiskussion direkt stärker in Gang kommt, aber dafür wäre überhaupt keine Zeit gewesen, was ich so auch sagte.

Meine antizipierten Ergebnisse für die Stunde sahen dann letztlich auch genauso aus, wie die der Schüler, eine echte Überraschung.

Ich hatte allerdings ein wenig die Befürchtung, dass die Gruppe vorne einen Blick in meine Unterlagen hatte werfen können, da sie die Skizze tatsächlich fast deckungsgleich selber produziert hat. Da sie diese aber erklären und belegen konnte, kann es auch tatsächlich Zufall gewesen sein.

Die Gruppenarbeitsphase lief ziemlich unspektakulär ab. Ich gab ihnen zwanzig Minuten Zeit sich mit dem Text und der Karte zu beschäftigen und einige brauchten letztlich fünf Minuten mehr. Ob ich die hätte gewähren müssen oder einfach vergleichen hätte können … hm, ist immer schwierig einzuschätzen. Nachdem ich heute den UB von meiner Mit-Referendarin an der Schule gesehen habe, bin ich aber zu der Überzeugung gekommen, dass man wohl erwartet, dass die Schüler angetrieben werden. Also: Kürzere Arbeitsphasen demnächst.

Ich fragte nach Freiwilligen, die vorstellen wollen würden und die Gruppe mit den deckungsgleichen Ergebnissen meldete sich. Sie stellten das Bündnissystem gut dar, es kam noch ein Missverständnis auf, inwiefern es für Deutschland wohl problematisch gewesen wäre, wenn sich Österreich und Russland wirklich gegenseitig bekriegt hätten, ob Deutschland da für eine Seite Partei ergreifen müsste. Die Vorteile von zwei verbündeten Mächten, die sich gegenseitig schwächen wurde erläutert und das gewünschte Resultat von Bismarcks Politik richtig als die Isolation Frankreichs sowie Deutschland als zentraler Bündnispartner genannt, während alle anderen keine Bündnisse untereinander schließen sollten. In dieser Phase schaffte ich es besser als im Einstieg mich zurückzunehmen und die Schüler unter sich machen zu lassen. Das wurde auch positiv vermerkt.

Von sich aus fiel dann eine Schülerin bei der Klärung der negativen Koalitionen ein, die anmerkte, dass der Fall, in dem alle anderen untereinander verbündet sind und Deutschland isoliert dasteht, ja der Albtraum der Koalitionen ist. Schlussfolgerung ohne mein Zutun oder einen Hinweis … läuft 😀 Da die Zeit hier schon vorbei war, hielt ich alles an der Tafel fest und ließ die Schüler abschreiben. Zur Vertiefung kamen wir nicht, wo ich angedacht hatte, das ‚Mitte-Europa-Problem‘ im Kontrast damals und heute zu thematisieren.

Die Nachbesprechung war dann recht unspektakulär. Die genannten Punkte wurden besprochen und er sagte noch etwas zu meiner (wesentlich ausführlicheren) Reflektion und den genannten Alternativen zu den Erarbeitungsphasen und dem Einstieg. Lucas war auch noch da und schrieb eifrig mit. Leider hatte er verpasst mir den Zettel der Mitreferendarin zuzustecken, die Kritikpunkte und Tips aufgeschrieben hatte. Die war im Nachhinein etwas angesäuert darüber, aber das war eben typisch Lucas.

Da man beim dritten UB ja dann etwas zu ‚wie wäre das jetzt unter Examensbedingungen‘ erfährt, fragte ich vorsichtig nach, ob ich mit diesem UB also nicht durchgefallen wäre, was der Fachleiter vehement verneinte. Das wäre Meilen vom Durchfallen entfernt. Gedanklich machte ich einen Haken hinter die Stunde, ich hatte offensichtlich getroffen, was er sehen will. Welche Note das denn etwa geworden wäre. Eine zwei, meinte er. Joa. Freut mich 😀

Wirklich viel gibt es da nun auch gar nicht mehr zu zu sagen. Was ich noch wirklich nett fand, war dass Herr Rickward direkt in der darauffolgenden zweiten Stunde die Schüler ein Feedback hat schreiben lassen, in dem sie auch Kritik und Anregungen äußern konnten. Und das ist wieder sehr konstruktiv ausgefallen.

Positiv war neben einer absolut sicher transportierten Fachkenntnis, die mir von mehreren bescheinigt wurde (und das bei dem Hassthema, wo ich doch keine Ahnung von nix habe ^.^) Dinge wie:

  • deutliche Struktur im Unterricht
  • Folien und Materialien insgesamt und dass sie abwechslungsreich waren
  • der Wandel zu vermehrter Gruppenarbeit
  • Inhaltliche Raffung (Tafel)
  • keine Hausaufgaben
  • auch bei falschen Beiträgen sei meine Reaktion nie abwertend, was die Angst bei weiteren Antworten nimmt
  • Offener und freundlicher Umgang mit den Schülern; auf die Schüler zugehen
  • unglaublich gelassen in der Stresssituation von außen betrachtet – Ausstrahlen von Ruhe
  • gute Erklärungen
  • pünktlich/früh da
  • kann helfen ohne vorzusagen
  • sicheres Auftreten

Negative Punkte waren hingegen:

  • klassischer Frage-Antwort-Unterricht (mein Manko was offensichtlich auch bei Schülern nicht gut ankommt – oder zumindest bei diesen nicht, meine 9er fanden das super ^.^)
  • ganzstündige Unterhaltung über Quellentexte ist langweilig
  • zu kleinschrittig vorgegangen
  • zu oft nachgefragt
  • zu lange Arbeitsphasen
  • Konzept geht manchmal ins Rätselraten über
  • Aufgabenstellung nicht immer klar verständlich
  • Handschrift ist zwar leserlich, aber nicht sauber
  • teilweise Wiederholungen in einer Stunde
  • zu lange auf Ergebnisse gewartet (eher mal einen Tip geben)
  • Bildunterschriften waren nicht immer leserlich (Folie)

Schüler wissen einfach sehr genau, wo es hakt, muss man da mal wieder sagen. Meine kleinen Unterrichtsexperten haben den Nagel auf den Kopf getroffen und ich kann mir nur wieder vornehmen daran zu arbeiten. Am Freitag werde ich die letzte Stunde in dem Kurs geben und mich dann bei ihnen für die gute Mitarbeit gebührend bedanken. Insgesamt kann ich mit diesem UB absolut zufrieden sein und es beruhigt mich auch sehr, dass ich dieses Mal die Erwartungen des Fachleiters erfüllen konnte. Es ist noch ordentlich Luft nach oben, wenn ich an den UB von heute denke, den ich beobachten konnte, aber erstmal habe ich einen Fuß in der Tür.

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7 Kommentare zu „3. UB Geschichte

  1. Bei uns ist ne 2 Mega. Ich hab das bei 3 Noten 1mal Geschafft. Uns wird immer wieder gesagt, dass die 3 bei uns die gute Note, für eine Stunde ohne Mängel ist. Sowas baut ja total auf.
    Aber deine Stunde klang auch wirlich gut. Was bei meiner 2er Stunde gut ankam, war dieser Bogen, dass ich die Motivation am Ende wieder aufgegriffen habe.

    1. Der ‚Mangel‘ an der Stunde war im Endeffekt, dass man „nur“ das normale Programm geschafft hat und keine Vertiefung mehr gelang. Die Stunde selber war fast rund, da die anfangs aufgeworfenen Fragen zwar implizit alle geklärt wurden, sie aber nicht explizit nochmal angesprochen worden waren. Somit ja, ich bin auch zufrieden soweit, das bleibt hoffentlich nun so ^.^

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