Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Referendariat

„Also das wird mir jetzt etwas zu anstrengend …“

Worte die man nicht gerne vom Ausbildungslehrer hört … oder so etwas in der Richtung könnte ich den obigen Ausspruch betiteln. Aber der Reihe nach.

Die Schule hat wieder begonnen und wir sind mittendrin im Chaos. Nein, das ist doch übertrieben, nur nach so langer Zeit ‚frei‘, zumindest was den eigenen Tagesablauf angeht, da fällt das Arbeiten schon schwerer. Dabei hilft es natürlich auch nicht, dass ich tatsächlich frei gemacht und gut zwei Tage kurz vor Schulanfang komplett ‚verzockt‘ habe. Hach ja, Studium war so schön … *schwärm* Gut, ist vorbei, lässt sich nicht ändern.

Was wartete im neuen Schuljahr auf mich … ? Hm …

Wobei, zuerst vielleicht in absolutem Schnelldurchlauf einmal die noch nicht resümierten Zwischenbilanz- und Perspektivgespräche in den Fächern:

Die waren ziemlich unspektakulär. In Geschichte nahm unser Fachleiter uns in der letzten Sitzung zur Seite und gab uns einen Überblick über das, was wir noch nicht können. Bei mir fiel die Liste dankenswerterweise nun kürzer aus, als sie vor dem 3. UB Geschichte wohl gewesen wäre. Ich hätte da noch ‚Luft nach oben‘, im Moment würde er mir aber eine drei geben. Der dritte UB wäre viel besser gewesen, aber das davor sollte man eben nicht vergessen. (Soviel zu ‚Alles vor dem dritten UB zählt eh nicht! Macht euch keine Sorgen, das fließt nicht in die Note mit ein!‘ – Joa … so ist es eben.)

Ich war ziemlich angefressen. Nicht, weil ich die Note für ungerechtfertigt halte, sondern einfach … eine Drei. Möp.

In Philosophie ging der Fachleiter direkt nach dem 3. UB Philosophie zum Gespräch über, in welchem er wie vorher erst einmal alles super fand. Die Eins hielte er einfach noch für nicht angebracht, aber es ginge definitiv in diese Richtung und die Zwei bekäme ich nun, da es eben noch Entwicklungspotenzial gäbe. Keine Einwände in dem Bereich. Die üblichen Dinge, die ich hier ja auch schon öfter angesprochen habe wurden thematisiert, was zu verbessern ist, was gut läuft, etc. und nach sieben Minuten war das Gespräch vorbei.

Direkt durchfallen würde ich also mit meinem jetzigen Stand noch nicht, aber … da geht noch was.

So, nun neues Schuljahr:

Es fing eigentlich recht entspannt an. Die Ausbildungsstunden von vor den Ferien waren alle ‚abgeleistet‘, Herr König hatte gebeten, dass er erstmal selber in seinem 12er Philo Kurs unterrichten möchte, was mich zum Hospitieren verpflichtet. Sehr entspannt 🙂 In Geschichte habe ich Herrn Rickward seine 11er wieder überlassen und sitze nun bei der Dame in der EF mit drin, die mir am Tag der offenen Tür so unangenehm wegen ihrem Umgangston aufgefallen war. Ich war ziemlich gespannt, wie das alles laufen würde, da mir ja auch von Romina bereits weniger nette Charakterzüge zugetragen worden waren. Da sie nun zumindest eine Zeit meine Ausbildungslehrerin sein wird, wenn die Pläne passen sogar länger, da ich ja zum Halbjahr ebenfalls eine EF in Geschichte als BdU übernehmen werde und es sich immer anbietet parallel zu unterrichten, bekommt sie nun auch einen Namen: Frau Klaus.

Wir hatten vor den Ferien abgesprochen, dass ich mir Gedanken mache und ihr dann alles kurz vor Donnerstag, wo ich die erste Stunden halten sollte, vorstelle. Gut, Mittwoch in der dritten hatte sie Zeit, also brachte ich meinen Plan für die kommenden drei Wochen mit und den Verlaufsplan für die erste Stunde. Die Besprechung lief … normal, würde ich sagen. Sie fand einige Probleme, besonders im Einstieg, meckerte etwas an meinen Formulierungen herum, war aber insgesamt zufrieden. Dachte ich. Irgendwann im Gespräch wurden andere Kollegen einbezogen, da sie der Ansicht war, dass auf Stundenverlaufspläne keine Fragen gehörten. Das sind immer Arbeitsanweisungen. Und ich hätte gleich so viele davon! (Es waren zwei Fragen; eine Ende Einstieg/Anfang Erarbeitung und eine für die Vertiefung.) Hm. Soweit ich informiert worden war, muss ich ja die Problemfrage antizipieren, die die Schüler in der Erarbeitung beantworten wollen. Nein, dem wäre absolut nicht so!

Nach einigen Minuten hin und her kam der im Titel erwähnte Satz: „Entschuldigen Sie, aber das wird mir jetzt etwas zu anstrengend! Ich weiß nicht, ob das mit uns beiden etwas wird.“ Ich machte große Augen. Klar, wir hatten den Punkt gerade besprochen und waren uns nicht einig, aber deswegen gleich kein Ausbildungsunterricht? Ich war dezent verwirrt. Entschuldigte mich für mein ‚anstrengendes Wesen‘, soweit man sich dafür entschuldigen kann, wenn man nicht genau sieht, wo das Problem liegt und brachte sie dazu, dass sie einige grundlegende Fragen/Punkte formulierte, die ich bitte mit meinem Fachlehrer besprechen sollte, damit sie sich sicher sein konnte, dass sie mir die Sachen richtig vermittelt.

Ich hielt die Stunde am Donnerstag und sie konnte viele positive Kritikpunkte anbringen, die ich auch gerne annahm, da sie durchaus ein Auge fürs Detail hatte. Abschließend gab mir dann noch etwas mit, wo ich wieder etwas überrumpelt war. Die Stunde wäre etwas ‚merkwürdig‘ gewesen insgesamt. Ob ich wüsste was sie meinte? Ich wusste es nicht. Es war eine typische erste Stunde mit dem Kurs in meinen Augen, langsames Herantasten und insgesamt zu wenig Zeit eingeplant, da man die Schüler nicht genau einschätzen konnte. Joa. Ihrer Ansicht nach waren die Schüler allerdings viel zu ruhig gewesen.

„Also, das muss man Ihnen ja lassen, Sie sind so selbstsicher vor der Klasse! Als hätten Sie nie etwas anderes gemacht.“

„Äh, danke sehr. Das freut mich, wenn das so rüber kommt.“

„Ja … also, die Gefahr ist dabei, dass das negativ ausgelegt wird. Das wirkt schnell überheblich und arrogant. Und die Schülerinnen an der Fensterseite waren so still, die haben gar nichts gesagt.“

Was sollte ich da erwidern? Ich kannte die Schüler und ihr Arbeitsverhalten ja noch nicht. Also nickte ich nur.

„Bei den Jungs ist das ja kein Ding, die tun so etwas einfach ab, aber bei den Mädchen muss man schon etwas feinfühliger vorgehen. Vielleicht etwas auf die Formulierungen achten, sie haben da schon einen ordentlichen ‚Ton‘, wenn Sie Aufträge geben.“

Ich verknifft mir das Schmunzeln. Sie war durchs Kollegium hin bekannt für ihren ‚Kasernenton‘, aber das machte die Kritik ja nicht weniger richtig. Etwas schwierig wurde es hier nur, da sie mir beim Einstieg sogar kritisiert hatte, dass ich da den Konjunktiv benutzt hätte und das schon direkter sein müsste für Arbeitsaufträge. Also ‚Ordnet die Quelle bitte zeitlich ein.‘ und nicht ‚Würdet ihr die Quelle bitte zeitlich einordnen?‘ Hm … widersprechende Informationen, ich stellte das also erstmal zurück.

„Ja, und dann sind Sie ja auch so groß!“

Da musste ich lachen und meinte nur: „Da etwas dran zu ändern wird wirklich schwierig.“

„Ja sicher. Aber im Hinterkopf behalten hilft ja manchmal schon.“

„Sicher, das ist richtig. Ich werde mal darauf achten.“

Tja, was soll ich sagen? Ich denke, sie wird mir einige Tips geben können und da sie wirklich perfektionistisch ist und sehr auf das Formale achtet, werde ich auch zusehen, dass ich im Ausbildungsunterricht bei ihr bleibe. Aber ich kann den Eindruck nicht ändern, dass sie sich persönlich von mir etwas eingeschüchtert fühlt. Das Diskutieren habe ich schon einmal auf Eis gelegt und nehme ihre Kritik erstmal nur offen entgegen. Das schien beim zweiten Mal dann auch gleich besser zu laufen. Es half auch sehr, dass ich Rückmeldung von meinem Fachlehrer mitbrachte, die einige ihrer Punkte bestärkten und somit die Streitfragen der ersten Besprechung klären konnten.

Mal schauen wie sich das entwickelt.

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2 Kommentare zu „„Also das wird mir jetzt etwas zu anstrengend …“

  1. Gut, dass du die Diskussionen auf Eis legst. Frau Klaus scheint man nach deinen Schilderungen doch besser zurückhaltend gegenüber zu treten. Nun denn… Wenn man trotzdem hilfreiche Dinge mitnehmen kann aus konstruktiver Kritik, ist es ja gut. Obwohl ich ganz ehrlich mal eine Bresche für alle Refs schlagen muss, ihr habt einen verdammt harten Job und da muss es auch mal Tage geben, an denen bitte keiner kritisiert und die Refs mal in Ruhe lässt. LG Ela☕

    1. Danke 🙂 Wobei ich tatsächlich sagen muss, dass es im Moment ganz ok ist. Sie ist auch die erste Ausbildungslehrerin, mit der ich da bei Besprechungen Probleme hatte. Fällt einfach unter ‚Eigenheiten‘ denke ich mal ^.^

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