Veröffentlicht in Ausbildung, Lehrer, Referendariat, Schule

Halbjahreswechsel und Konferenzen

Es war die letzte Zeit sehr ruhig hier. Das Halbjahr ging zu Ende, stapelweise häuften sich die Mappen aus den Geschichtskursen, die ich korrigieren musste und insgesamt fehlte einfach die Motivation für alles. Ich bin nicht richtig aus dem angenehmen Trott der Weihnachtsferien wieder heraus gekommen. Die Nächte habe ich mit lesen verbracht; sehr, sehr unproduktiv und doch so  … notwendig fast schon? Ich hätte mich nicht in die Arbeit stürzen können, es wäre tatsächlich alles einfach ‚zu viel‘ geworden.

Mein Unterricht hat darunter insofern gelitten, dass ich abends vorher oder teilweise nur Stunden vor der jeweiligen Schulstunde mit etwas zusammengelegt habe, was ich dann im Unterricht behandelte. Da ich hauptsächlich in meinem 9er Geschichtskurs und 10er Philosophiekurs so verfahren bin, konnte ich mich auf ausreichend gut aufgebaute Schulbücher verlassen, die ich nur teilweise durch eigenes Material ergänzte. Am Ende der Woche muss ich dann meinen liebgewonnen 9er Kurs abgeben; sie fehlen mir jetzt schon, das Unterrichten hat dort am meisten Spaß gemacht. Es wurde mir auch schon mehrfach versichert, dass sie mich ganz arg vermissen werden und die, die ich dann im neuen 9er praktische Philosophiekurs wiedersehe, freuen sich sichtlich darüber.

Meinen neuen Stundenplan bekam ich heute auch direkt. Keine großen Änderungen, es wurde netter Weise alles kompakt gelegt, so dass ich an zwei Tagen jeweils vier Stunden und an einem Tag zwei als BdU liegen habe. Ich bin gespannt, wie der Unterricht in den anderen Kursen liegen wird und ob ich dann tatsächlich mal einen Tag (Unterrichts-)frei haben sollte. Ich denke aber, dass wird wohl nichts.

Dadurch, dass ich persönlich so in meiner ‚privaten Bubble‘ gefangen war, ging auch die Hektik der letzten Wochen fast an mir vorbei. Ganz kann man sich dem Notenstress nicht entziehen, aber ich habe es doch ganz gut geschafft, denke ich. Dankbarer Weise erklärte sich eine Mit-Referendarin bereit, meine 6er Mappen mit mir durchzusehen, so dass wir tatsächlich die vorhandenen 25 Geschichtsmappen an einem Abend in knapp 4h korrigiert bekamen. Zusammen geht es wirklich schneller 🙂 Wir denken an, nach den Fachseminaren Arbeitsphasen einzulegen, in denen wir genau so etwas einplanen, uns treffen und die Köpfe zusammenstecken können. Mal sehen, ob das durchgesetzt wird.

Viele Termine standen nun neben dem Unterricht in der Schule an und es bildeten sich immer hektischere Grüppchen, die hier noch nachtragen mussten, dort ihre Empfehlungen aussprachen, die Köpfe über den Problemfällen zusammen steckten und sich gegenseitig ihr Leid klagten. Dabei fiel mir deutlich auf, dass ich sehr außen vor war/bin. Einen Draht zum Kollegium habe ich bisher nicht aufgebaut und auch nicht das Bedürfnis dazu. Die anderen Referendare machen nun alle ihr Examen und sind damit vollauf beschäftigt, die Beziehung zu den Ausbildungslehrern ist kollegial, aber distanziert.

Einzige Ausnahme hier: Herr König. Die Interaktion mit ihm wird immer … hm, mir fehlt da irgendwie das rechte Wort. Er hat sehr wenige private Grenzen, scheint mir. Egal was es ist, was ihm gerade durch den Kopf geht, er teilt es einem mit. Nach dem sehr ausführlichen Einblick in sein Privatleben vor den Weihnachtsferien, kam vor kurzem nun noch ein neues Thema hinzu. Wieder äußerst privat, wieder total aus dem Nichts. Und ich habe dieses Mal gesagt, dass ich seine Offenheit doch außergewöhnlich finde. Aber so ist er wohl einfach. Gerade was solche offenen Gespräche angeht, habe ich dann allerdings das Bedürfnis zum Ausgleich, will aber gleichzeitig eigentlich nicht über Privates reden. Es erzeugt ein nicht ganz so angenehmes Gefühl in den Gesprächen mit ihm, einfach weil ich es nicht gewohnt bin, mich zu zensieren.

Gestern liefen an unserer Schule die Zeugniskonferenzen. Da niemand aus der Fachschaft Philosophie bei den unteren Klassen dabei sein musste, hielten wir parallel unsere Fachkonferenz ab, die doch eher durchwachsen verlief. Herr König als Vorsitzender, unser ABB und ein weiterer Lehrer, der Deutschfachleiter ist und im Moment (seit 4 Jahren?) kein Philosophie unterrichtet, die einzigen ‚richtigen‘ Lehrer für das Fach (Herr Drüppert hatte sich den Arm gebrochen und war seit 3 Wochen krank) und eben Philipp und ich. Hauptthema waren die Abiturvorgaben, besonders die neu zugelassene Aufgabenart fürs mündliche Abitur, wo nicht mal mehr ein Text zugrunde liegen muss für die Prüfung. Diese wurden ausführlich besprochen.

Nach einigen kleineren Unterpunkten brachte Philipp dann den Vorschlag ein, dass man sich einmal für ein schulinternes Curriculum für die Mittelstufe einsetzen könnte, das gerade den Referendaren das Arbeiten doch deutlich erleichtern würde. Ich schloss mich nachdrücklich an, die erste Zeit (auch bei meinem EF Kurs) war es doch sehr mühselig voran gegangen, da nur die Vorgaben für Q1+2 genau ausgearbeitet sind. Das konnte aber weder Herr König noch der Deutschfachleiter wirklich nachvollziehen. Also ‚ihnen wäre gerade diese Freiheit, die man in den Unterstufen hat doch sehr angenehm‘. Kann man natürlich erst wirklich schätzen, wenn man seine Erfahrungen mit den verschiedenen Stufen mal gemacht hat und auch auf eine gewisse Unterrichtspraxis zurückschauen kann. Fiel dann so im Nebensatz, wobei Herr König mich ja auch direkt groß angeschaut hatte, als ich anfangs mit der Bitte um Material und Unterstützung zu ihm gekommen war.

Ich versuchte den Punkt noch einmal stark zu machen, dass ein schulinterner Lehrplan als Handreichung und Orientierung doch wirklich sinnvoll wäre in unseren Augen. Was das denn bringen würde, wollte der Deutschfachleiter wissen. Naja, eine Orientierung eben, etwas, womit man einfach arbeiten könnte, dass einem Ansatzpunkte zeigt, vielleicht um die universitäre Grundlage etwas mehr in schulische Bahnen zu lenken, verhindern, dass man ganz so arg am Schülerniveau vorbeirauscht … weiter kam ich nicht. Das hätten sie in Deutsch auch immer wieder, der Lehrplan verhindert nicht, dass die Referendare das falsch machen. Und es wäre bei ihnen (seine und Herr Königs Erfahrung) ja auch immer so angenehm gewesen, sich mal ausprobieren zu können.

Was will man da noch groß sagen? Etwas gereizt verkniff ich mir den sarkastischen Unterton und versuchte so neutral wie möglich festzustellen, dass nicht jeder gleich funktioniert und wir die Hilfestellung gerne annehmen würden, wenn sie denn gegen werden würde. Na, dann könnten wir ja die anderen Referendare im Seminar mal nach deren SiL fragen, vielleicht würde man da etwas übernehmen. Ugh-uhm. Klar, wir schleppen die Lehrpläne anderer Schulen an und dann werden die per copy-paste für unsere Schule übernommen. Naja, besser als nichts wahrscheinlich.

Und dann kam der Nachsatz, der mir für die folgende Stunde die Laune verhagelte. Er (Deutschfachleiter) würde unser Problem gar nicht verstehen. Man müsse die Kollegen doch nur FRAGEN! Jeder würde uns gerne Material zur Verfügung stellen. Meine Augenbrauen näherten sich dem Haaransatz, mein Blick streifte Herr König, die Gedanken wanderten zu der Absage nach den Sommerferien und ich biss mir vorsichtshalber auf die Zunge und schwieg. Die Konferenz endete kurz darauf und ich verließ direkt den Raum.

Ganz ehrlich: Guter Ansatz, unmögliche Durchführung von meinem Standpunkt aus. Der ABB steht kurz vor der Rente, ist ein Lehrer der alten Schule und hat Ewigkeiten keine PP (praktische Philosophie) Kurse mehr gegeben. Der Deutschfachleiter ebenso. Herr König ist hauptsächlich in der Oberstufe eingespannt und hat mir nach den Sommerferien deutlich gemacht, wie gewünscht es ist, dass ich ihn mit meinem Kram auch noch belästige. Und Herr Drüppert … heh, ja, das lassen wir gleich mal so stehen. Soll ich mir seine Filmsammlung ausleihen? Die PP Kurse werden nämlich hauptsächlich von ihm geleitet, da er ja irgendwo eingesetzt werden muss und dort ‚am wenigsten Schaden‘ anrichtet. Das als Hintergrund für die deutlich zwischen den Zeilen ausgesprochene Behauptung: „Wenn ihr nicht zurechtkommt ist das euer Problem!“ traf bei mir doch durchaus den falschen Nerv.

Da ich auf die 9er und 6er noch für die Notenkonferenzen warten musste, setzte ich mich auf meinen Platz und aß erstmal frustriert etwas der ausliegenden Schokolade. Und ja, man merkt mir meine Laune leider immer an. Mir wurde in der Hinsicht mehrfach eine ‚Aura‘ bescheinigt, die meinen Gemütszustand wohl unmissverständlich nach außen transportiert. Herr König sitzt keine vier Plätze neben mir und meinte irgendwann im Gespräch mit einem der neueren Kollegen einwerfen zu müssen: „Nicht wahr, Miss Phye? Die Konferenzen ziehen sich wirklich zu lange. Du siehst auch schon so angespannt aus.“ Ich sah ihn nur abschätzend an und meinte, dass die Konferenzen nicht mein Problem wären. „Du bist sauer.“ – „Nicht in bester Stimmung, ja.“ – „Fühltest dich vorhin nicht ernstgenommen …“ – „Unter anderem …“ – „Ok, komm. Raus damit. Bin immer für Kritik offen.“

Kurz überlegte ich, ob ich das nun tatsächlich ausbreiten sollte. Aber um den heißen Brei herumreden liegt mir dann auch nicht, also erklärte ich ihm meinen Eindruck und die Vorgänge am Anfang des Halbjahres, die gerade auch durch sein Verhalten mir ziemlich deutlich klar gemacht hatten, dass ich eher lästig als erwünscht wäre. „Mach erstmal Geschichte, Philo kannst du dann ja auch nächstes Halbjahr anfangen.“ war so ziemlich wörtlich seine Antwort auf die Frage nach Hospitation gewesen. Da fiel die meist lachende Miene des von Natur aus doch eher mit einem sonnigen Gemüt ausgestatteten Herren. Das täte ihm leid, so war das nicht gemeint gewesen. Er könne sich an den Schuljahresanfang noch erinnern und erklärte mir (nach kurzer Denkpause, ob er das Thema anschneiden könnte), dass er einfach nur unglaublich genervt von Philipp gewesen wäre.  Anscheinend ist in dem Ausbildungsunterricht einiges schief gelaufen. Und er hatte keinen Ausweg gesehen, als uns beiden gleichermaßen erstmal einen Riegel vorzuschieben und nicht seine Kurse direkt wieder mit Referendaren ‚zu malträtieren‘. So war es wohl bei den Schülern angekommen, die tatsächlich inzwischen eine Aversion gegen Philipp entwickelt haben. Der von ihm fürs Examen favorisierte Leistungskurs hat Herr König gebeten, dass Philipp sie bitte nicht mehr unterrichtet. Ein riesen Chaos.

Natürlich geht mich das nichts an. Ich weiß nicht, ob er so ins Detail hätte gehen müssen, aber ich war ihm dankbar, dass er die Situation erklärte. Die merkwürdige Anfangssituation im dem 12er Grundkurs, den ich ja so ad hoc übernehmen musste und der das überhaupt nicht prickelnd gefunden hatte, als Herr König erkrankte, fiel mir wieder ein und plötzlich machten die ersten holprigen Stunden auch Sinn. Sie hatten vorher bei Philipp Unterricht gehabt. Das zog sich wohl durch alle Kurse, die er geleitet hatte. Er erwähnte, dass er in der ersten Stunde, als ich in diesem Kurs hospitiert hatte, eine Rückmeldetabelle dabei gehabt hatte, in der die Schüler sich zum Unterricht geäußert hatten, was gut oder schlecht gelaufen war und er die aus Rücksicht auf mich nicht aufgelegt hatte, da ein Punkt gewesen war: Keine Referendare mehr! Das wäre in der Tat eine unschöne Begrüßung gewesen.

Herr König gestand mir zu, dass er da einen Fehler gemacht und sich den individuellen Fall mehr bewusst hätte machen müssen. Das ‚Friedensangebot‘ folgte auf dem Fuße: Da wir zum Halbjahr beide je einen 9er PP Kurs übernehmen, bot er mir an, dass wir das ja zusammen planen könnten. Ich nahm dankend an. Und bin nun gespannt, wie die Zusammenarbeit ausfallen wird.

Für Philipp tut es mir sehr leid. Um ihn nicht zu entmutigen, hat Herr König das konkrete Problem nicht mit ihm besprochen und den Schülern ins Gewissen geredet, dass sie das nun die letzten Wochen bitte noch aushalten und sich zusammenreißen sollen. Ich hoffe wirklich sehr, dass mir so etwas nicht passieren wird. Im schlimmsten Fall und je nachdem, wie Philipp sich da anstellt, könnten die Kinder ihm sein Examen komplett ruinieren. Allerdings weiß ich auch nicht, ob Ehrlichkeit da besser wäre … denn: Was will man machen? Unsere Philokurse sind sehr begrenzt, Philipp will unbedingt den LK im Examen zeigen und hat die meisten Kurse eh schon durch. Examen ist im März. Schwierige Situation.

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