Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Mit-Mach-Themen, Uni

[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Wurden die Ansprüche ans Studium erfüllt? Wurdest Du enttäuscht?

Vorweg: Die Woche war stressig. Hier also verspätet der Beitrag der letzten Woche und hoffentlich gleich dahinter her der von dieser 😉

Zur Aktion: Änschie hat eingeladen sich doch (in meinem Fall noch) einmal mit dem eigenen Studium zu befassen. Das tue ich an dieser Stelle dann gleich einmal und resümiere, wie das so mit Ideal und Wirklichkeit ausgesehen hat.


Nach meiner doch recht kurzfristigen Einführung ins Studium kann man schlecht sagen, dass sich sehr viele Erwartungen aufgebaut hätten. Ich hatte mich selbst ja gerade einmal eine knappe Woche vorher entschieden, dass ich überhaupt studieren würde. Somit hielten sich anfangs die Ansprüche doch sehr in Grenzen.

Das Klischeebild vom ‚ewig feiernden Studenten‘ wurde aber schon in den ersten Tagen bestätigt. Die Infoveranstaltungen, die von älteren Studenten gehalten wurden, waren größtenteils darauf ausgerichtet, was man wo wie zu feiern hatte, welche Parties in den nächsten Wochen geplant waren und wo man in der Stadt am besten weggehen konnte. Joa … ich fühlte mich alt. Klar, ich hatte nun ein paar Jahre gearbeitet und auch schon eine Ausbildung angefangen, aber  … Hm. Nicht (mehr) meine Welt, musste ich schlicht feststellen. Ich hatte mich in der Schulzeit zur Genüge ausgelebt, Partywochenenden fingen donnerstags an und endeten sonntagmittags und das von der elften bis zur dreizehnten Klasse durchgängig. Naaa, danke ^.^ Ich lehnte alle Einladungen dankend ab und stürzte mich in die fachliche Materie.

Doch auch hier bemerkte ich eine deutliche Dissonanz zwischen meinen Erwartungen und denen der anderen. Während ich nicht zum Party-Studenten mutierte, wurden viele der anderen nicht dem Bild gerecht, welches ich vom Studium gehabt hatte. So viel Wissen … und alle beklagten sich nur. Dicke Reader wurden zur Verfügung gestellt, in Tutorien konnte man nacharbeiten und sich austauschen, in den Einführungsseminaren wurden versucht uns Überblickswissen zu vermitteln. Klar, es war viel. Aber wenn man nach spärlichen Restkenntnissen aus dem Geschichtsunterricht versucht einen groben Überblick über 6000 Jahre zu erlangen oder sich daran macht die englische Weltliteratur zu plündern, klar … es ist auch einfach viel. Den Nachvollzug der gesammelten Gedankengänge mehr oder weniger kohärenter Menschen mal ganz außen vor gelassen ^.^ Allerdings waren sich viele der anderen einfach nur am Beschweren. So viel; und so langweilig; und so hohe Ansprüche! Ich schüttelte öfter mal den Kopf.

Dafür war so ziemlich das Häufigste, was ich zu hören bekam: „Erstes/XX Semester?! Aber du kannst das schon alles!“ Hm, nein? Ich weiß nur wie man einen Text liest und Informationen daraus zieht. Und nach dem ja vorhin kurz anklang, dass ich NICHT die fleißigste Vorzeigeschülerin gewesen war, hatte ich eigentlich erwartet, dass die anderen mir meilenweit voraus wären. (Weil, ganz ehrlich, wieviel behält man mit dummen Kopf nach einer durchgefeierten Nacht freitags im Unterricht? Richtig: Gar nüscht -.- Schule hatte mich gerade in der zwölften Klasse mal so Null interessiert.)

Allerdings schaffte es das Studium doch auch mich in einem Punkt zu ‚enttäuschen‘: Praxis = Null. Das war aber nach dem ersten Semester schon klar. Was ich in der Uni lernen würde, das würde mir im Schulalltag später nichts bringen. Ich studierte Theorie; jedes einzelne Fach wurde so dargeboten, dass ich es universitär hätte weiterführen können. Das hieß, dass ich mein Latinum nachholen musste, dass ich mich in Englisch durch die Sprachwissenschaften quälte und in Philosophie sehr lange an entsetzlich zähen logischen Rätseln zu knabbern hatten, die mir letztlich wie eine Mischung aus Sprachwissenschaften und Mathematik vorkamen. Aber hey, man kann nicht alles mögen, oder?

Man könnte die Lehrerausbildung tatsächlich in vielen Punkten meiner Ansicht nach verbessern. Ich bin zwar eher akademisch verankert und habe meine Studienzeit genossen, aber wirklich geholfen hat sie mir fürs Lehramt nicht. Natürlich, Wissen ist Wissen und was man einmal im Kopf hat, das bleibt da (hoffentlich) auch. Aber wenn man den Prozess konkret für die Unterrichtspraxis auslegen würde, könnte man sich viel Zeit und den Studenten einige Nerven sparen.

Was mich grundlegend überraschte war, dass ich meinen Perfektionismus fand. Er hatte halb betäubt und sträflich ignoriert sein Dasein im hintersten Winkel meines (oft umnebelten) Geistes gefristet und erwachte im Studium aus seinem Dornröschenschlaf. Ich fing nicht an wie eine Besessene zu arbeiten, das kam erst wirklich zum Examen hin auf und auch das schenkte ich mir nach ein paar Prüfungen wieder, als klar wurde, dass die Leistungen auch ohne exzessives Lernen auf dem 1er Stand blieben, aber ich fühlte doch eine nagende Unzufriedenheit, wenn es einmal schlechtere Noten wurden. Ich hatte nicht einmal bewusst den Anspruch, dass ich mit 1 abschließen müsste, aber mir wurde immer klarer, dass ich es KONNTE und somit SOLLTE ich auch. Zum Glück stand diesem perfektionistischen Anspruch mein dickes Fell gegenüber und meine Faulheit verhinderte immer im rechten Moment, dass zu viel Energie nutzlos verpulvert wurde.

Das Zusammenspiel diese beiden ‚Kräfte‘ führe ich im nächsten Beitrag zum Themenmonat weiter aus, wo es um Motivation gehen soll 🙂

Abschließend kann man sagen, dass das Studium fachlich sehr viel erfüllen konnte, was ich mir gewünscht hatte. Da ich gar nicht erst erwartete, dass man wirklich schulnah ausgebildet würde, konnte sich hier auch keine Enttäuschung einstellen. Die Professoren an unserer Uni waren engagiert bei der Sache und es gab viele, die die Leidenschaft für ihr Fach vermitteln konnten.

Enttäuscht haben mir eher Mitstudenten, die sich durchs Studium durchschlichen, jede ‚Gruppenarbeit‘ torpedierten, sich am Abend vor der Vorstellung mit Teilergebnissen meldeten oder einfach nur am eigenen Ergebnis mit’leechen‘ wollten. Ich wurde recht schnell zum Einzelgänger und zog für mich das aus den Seminaren, was mich interessierte. Freundschaften wurden nicht aus Notwendigkeit geschlossen (ich war sehr froh, dass ich keine der omnipräsenten Mathe-Lern-Gruppen brauchte), sondern wenn der Nasenfaktor stimmte und nachdem ich im dritten Gruppen-Referats-Vortrags-Seminar (die viel zu häufig vorkamen) wieder auf die Nase gefallen war, verschloss ich mich der Praxis, übernahm nur noch kurze Unterthemen, die ich dann alleine vorstellen konnte.


Wer mehr Erfahrungen mit oder ohne rosarote Brille lesen will, wird hier fündig werden.

Mein praktische Jahr von Änschie, der Initiatorin dieses Themenmonats.

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