Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, BdU, Referendariat

Meine EF Kurse: Zwischen dem ‚Zusammenprall der Kulturen‘ und ‚Allgemeinen Menschenrechten‘

In meinen Geschichtskursen in der EF dreht sich im Moment alles um die Menschenrechte. Ok, fast, der Kurs den ich übernommen habe, muss ich noch abschließend durch die Begegnung von Christentum und Islam im Mittelalter führen. Aber ein sehr großer Vorteil hier, zumindest für meinen BdU Kurs, ist dass ich die Themen quasi doppelt mache und somit weniger Arbeit habe. Da ich bei Frau Klaus jetzt im Ausbildungsunterricht bleiben kann, bereite ich dort die Stunden genauer vor und kann diese dann bei mir im Kurs vertiefen/wiederverwenden.

Was passiert im Moment also in meinen Oberstufen-Geschichtsklassen? Letzte Woche musste ich die erste Stunde in meinem neuen Geschichts-BdU-Kurs leider wegen einer Beerdigung ausfallen lassen. Sie bekamen somit die Aufgabe sich mit der Rede Urbans II. zum ersten Kreuzzug einmal genauer zu beschäftigen. Das arbeiteten wir dann in der ersten Doppelstunde, die wir gemeinsam hatten, auf.

Mit Hilfe dieser Arbeitsblätter sollten sie die Rede in Sinnabschnitte einteilen, indem sie Überschriften für dieselben finden und dann die Funktion dieser Abschnitte beschreiben, die sie für die Rede hatten. „Was sagt er und warum genau das?“ also letztlich. Eigentlich ist das ein Methodentraining, welches ich normalerweise vor der Klausur machen würde, aber da es sich bei dieser Rede so schön anbietet und die Schüler simples Textbearbeiten gar nicht genug üben können, stieg ich damit ein. Es gab auch einen guten Überblick über Gruppendynamiken und individuelles Arbeitsverhalten, was man in einem neuen Kurs ja recht schnell klären muss.

Am Ende der Doppelstunde standen dann diese Ergebnisse fest, die die Schüler größtenteils in Eigenregie zusammengetragen hatten. Durch solche Arbeitsphasen und vorstrukturierte Arbeitsblätter versuche ich mich nach wie vor im ‚Raushalten‘, was ich ja dringend üben muss. Die Tendenz den Unterricht fragend zu entwickeln habe ich immer noch sehr stark.  Das sollte dann Grundlage für die Hausaufgabe sein, in der sie diese Ergebnisse verschriftlichen sollten. Eine politische Rede interpretieren war ein Teil eines Methodenbausteines im Buch, von denen mir geraten wurde möglichst alle mitzunehmen und einzuüben. Die hieraus resultierenden Interpretationen durften sie dann in der Folgestunde mit dem Sitznachbarn austauschen und vergleichen.

Es bringt den Schülern wesentlich mehr, sich selber (ab einem gewissen Könnens-Stand) auf Fehlersuche zu begeben, Strukturen in fremden Texten zu erkennen und Verbesserungsvorschläge zu machen, als wenn der Lehrer es immer nur stumpf korrigiert. Natürlich bot ich an, dass diejenigen, die einen Zusatzbeitrag zur Note leisten wollten oder einfach nur noch einmal Rückmeldung brauchten, ihre Ergebnisse abgeben konnten.

Für die nächste Stunde ist dann ein Vergleich der Rede Urbans und G.W. Buschs Ansprache zur Lage der Nation nach dem 11. September geplant. Die Frage hierbei: „Kennt man einen, kennt man alle? Aufrufe zum Krieg“ Es wird um universelle Motive und Mechanismen gehen, die sich ganz unabhängig von Zeit und Ereignis wiederfinden lassen, wenn ein Machthaber zum Krieg aufruft.

AB Busch.PNGAuf diese Stunde freue ich mich schon. Es macht immer Spaß, wenn es alltagspolitisch wird und die Schüler (hoffentlich) etwas über ‚Größere Zusammenhänge‘ mitnehmen ^.^


Was den Kurs von Frau Klaus angeht, so haben wir uns inzwischen vorsichtig geeinigt. Ich bin fast schon drei Mal ‚gegangen worden‘, weil sie mit meiner Art doch durchaus Probleme hat. In unserem e-Mail Austausch entdeckte sie einen „belehrenden“ Ton, als ich einmal vor der Klasse (sie hatte mir reingerufen und meinte meine methodische Arbeit ‚korrigieren‘ zu müssen) versuchte den Sinn der Methodenwahl zu erklären untergrub ich ihre Autorität und dann war ich einen Tag früher als sie im Kursraum gewesen, weil ich vorher den Computerraum kontrolliert hatte und somit eine Minute eher hochgegangen war. Und: Ich verbessere sie immer.

Dummerweise fällt mir das tatsächlich nicht auf. Bei den Mails habe ich nur auf ihre Anregungen geantwortet und ihr dann korrigierte Versionen meiner Planungen geschickt. Mit Kommentar, aber das war in meinen Augen nur mein Gedankengang und kritisierte auf keinen Fall ihre Anregungen, die ich ja übernommen und durchgesetzt hatte. Wenn man einen Stafettenvortrag plant (eine Gruppe fängt an, die nächste führt das gleiche Thema fort) und eine einheitliche PPP erstellen will, dann sollte das Layout und Design der Folien abgestimmt werden und es kann einfach nicht jeder seine Kreativität frei ausleben. Ich konnte es nicht stehen lassen, dass sie meint, dass das kein richtiges Power Point wäre, da man schon mehr als Text darin haben sollte. Und aus dem einen Mal, wo ich alleine hochgegangen war wurden dann gleich ‚mehrere Male‘, in denen ich sie einfach stehen gelassen hatte. Aber gut … Kleinigkeiten.

Eigentlich nicht, aber ich habe wenig Auswahl und wie schon einmal erwähnt, ihre Kritik ist gut; wenn es um Inhalte und Stundenaufbau geht. Somit versuchte ich jedes Mal zu schlichten und zu beruhigen und ihr die wohl dringend nötige Versicherung zu geben, dass ich sehr dankbar dafür bin, dass ich ‚diese Art von Ausbildungsunterricht‘ genießen darf. Ein Schelm wer hier Ironie entdeckt ^.^

Thematisch fing die neue Reihe zu den Menschenrechten dann mit diesem Einstieg an:

Menschenrecht.PNGDie Schüler sollten das zugrundeliegende gemeinsame Prinzip hinter den Forderungen nennen und den grundlegenden Unterschied. Sie gingen auf den Aspekt der Gegenseitigkeit und Empathie ein, der in den Forderungen des Christentums deutlich wurde und stellten die Notwendigkeit einer staatlichen Kraft, die Zuwiderhandlungen gegen diese eher subjektiv geltenden Regeln bestraft, als Unterschied in den Vordergrund. Die Frage war also: Wie sollte man das Miteinander regeln und warum verlangt Kant nach Gesetzen dafür? Reicht das Mitgefühl nicht aus?

Zur ersten Information über Menschenrechte arbeiteten die Schüler dann arbeitsteilig einen Grundlagentext aus, den sie per Folienschnipseln vorstellten. Die zusammengestellten Ergebnisse sahen dann so aus:

GA.PNG

Der wichtigste Input in der Stunde war letztlich, was denn der Unterschied zwischen Menschenrechten (allgemein jedem menschlichen Wesen zugeschriebenes Recht) und Grundrechten (vom Staat bewusst in seinen gesetzlichen Grundlegungen umgesetzte Menschenrechte) darstellt. Es wurde diskutiert, inwieweit die Grundrechte in den verschiedenen Staaten dann noch vergleichbar wären und wie man überprüfen könne, dass das zugrundeliegende Menschenrecht tatsächlich umgesetzt worden ist.

Gefundene Wissenslücken zeigten, dass man sich bei dem Thema erstmal mit den Grundrechten in Deutschland beschäftigen sollte, um überhaupt in das Thema einsteigen zu können. Genau das wurde dann auch in der folgenden Stunde angegangen, wo der schon angesprochene Vorfall mit der PPP stattfand. In den kommenden drei Stunden erarbeiteten die Schüler also eine Kurspräsentation in kleineren Gruppen und setzten sich intensiver mit den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes auseinander, in denen die Menschenrechte umgesetzt wurden. Im Groben war die Absprache, dass sie den Artikel (teilweise in gekürzter Form) abbilden, erklären wer Rechtssubjekt im jeweiligen Artikel ist und was demjenigen an Rechten und Pflichten zugeschrieben wurden und dann ein Beispiel zu finden, in dem Grenzen und Probleme mit diesen Rechten/Pflichten deutlich werden.

Die Präsentation dieser Ergebnisse wird am Dienstag folgen, wobei ich hierfür erstmals eigenständig einen Lückentext zur Wissensüberprüfung erstellen wollte. Stumpfes Mitschreiben erschien mir für die Sicherung nicht sinnvoll. Mal schauen wie das dann klappt.

Am Freitag teilte mir Frau Klaus dann auch mit, dass sie sich nach einem Gespräch mit der Ausbildungsbeauftragten (Sandra) nun vorstellen könnte, dass ich die Reihe bei ihr weiterführen würde, bis ich dann im April meinen 4. UB in Geschichte ableisten könnte/müsste. Eine 180° Wendung, wo sie mir mitteilte, dass der Unterricht bei mir ja so gut und so durchdacht wäre, dass sie nicht nacharbeiten müsste, dass wir ja ’sehr eng zusammenarbeiten‘ würden und ich immer umsetze, was sie anmerkt und das somit kein Problem wäre. Das Gespräch mit der ABB hatte sie gesucht, weil sie sich unsicher war, ob man die Referendare so lange in den eigenen Kursen unterrichten lassen könnte. Das würde aber ganz in ihrem Ermessen liegen und wäre somit ok. Joa, ich nickte überrascht und lasse mich jetzt mal auf das was da kommt ein. Wir werden sehen ^.^

Einmal für Zeilenende: Das Originalformat meiner Einstiegszitate.

BPS09022017_0002.jpg

Und Kant gehörte doch den ‚goldene Regel‘ Anhängern an 😀

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23 Kommentare zu „Meine EF Kurse: Zwischen dem ‚Zusammenprall der Kulturen‘ und ‚Allgemeinen Menschenrechten‘

  1. Ich freue mich sehr, wieder von und bei dir zu lesen. Diese Schwankungen zw. „ich bin doch schon groß und warum können wir nicht auf Augenhöhe miteinander diskutieren“ und „sie ist doch noch/nur Referendarin, darf/kann/soll sie denn schon“, kenne ich aus meiner eigenen Refzeit zu Genüge. Augen zu und durch. Dankbarkeit (gelacht über deine kleine Anspielung) und ab und an eine kleine Schachtel Pralinen (Nervennahrung für die Ausbilderin), bewirken tatsächlich manchmal Wunder. Volle Fahrt voraus und viel Erfolg! 🍀👍🏻

    1. Ja, ich habe es schleifen lassen. Ich versuche wieder regelmäßiger zu schreiben 🙂 Schön, wenn tatsächlich jemand gerne mitliest.

      Ich kann ihre Unsicherheit kaum nachvollziehen. Gerade letzte Woche ist sie befördert worden, sie ist sehr strukturiert und eigentlich auch sehr vokal in ihren Ansichten. Ich erlebe sie nicht als inkompetent. Warum sie mit meiner Art dann so viele Probleme hat … erschließt sich mir nicht. Aber wahrscheinlich ist es tatsächlich mit der Ausbildungssituation verbunden. Sie sagte mir ja schon beim ersten Gespräch und nach der ersten Stunde, dass ich so unglaublich selbstsicher wirken würde. Ich passe wohl nicht auf ihr Rollenbild vom Referendar – wie auch immer das auszusehen hat. Mal schauen, ob Süßigkeitenbestechungen tatsächlich wirken 😀

  2. Was mir nicht ganz klar wurde…hast du auf deinen PPP nur Text? Oder sollst du mur Text haben? Weil wenn du da nur Text hast, Stimme ich zu, auf ne PPP in der schuld gehört nicht nur Text. Und ne PPP sollte mehr zur Illustrierung (Bildquellen und ganz kurze Textquellen) da sein. 🙈

    1. Auf dieser PPP ist es nur Text, nach Kriterien geordnet und mit festem Layout. Weil es eben eine PPP der gesamten Klasse sein soll. Es wäre zu komplex eine einheitliche Präsentation mit ‚Schnick-Schnack‘ zu erstellen, wenn fünf verschiedene Gruppen daran arbeiten. Wenn beim einen der Text hereingeflattert kommt, beim nächsten die Buchstaben um drei Bilder tanzen und beim übernächsten die Folien auf einmal Kopf stehen, dann ist es eben keine einheitliche Präsentation mehr.

      Ansonsten, ja, stimme ich zu, PPP sollten mehr als reine Textfolien sein. Für den Stafettenvortrag hier aber eben nicht.

      1. Vielleicht solltest du mir erklären, was ein Stafettenvortrag ist? Halten das die Schüler? Dann macht Text wieder Sinn 🙈

      2. Wie beim Staffellauf – einer fängt an, die anderen setzen fort. Alle arbeiten zu einem Thema und erstellen am Schluss eine einheitliche Präsentation. Gruppe 1 hat Artikel 1-4, Gruppe 2 Artikel 5-12 und so weiter. Sinn dahinter ist es, dass sie EINE Präsentation nach einheitlichen Kriterien erstellen, deren Teile letztlich nur aneinandergereiht werden müssen.

        Es war als Einführung in PP gedacht, da ich die Kenntnisse hier nicht einschätzen konnte und sie erstmal etwas ’simples‘ erstellen. Später werden sie sich austoben können mit individuellen Präsentationen zum Thema Menschenrechtsverletzungen.

      3. Ah 😀 dann ist das was anderes. Wir haben übrigens gelernt, dass man die Artikel nochmal in Menschen (alle) und Bürgerrechte (deutsche) unterteilt…

      4. Richtig so ^.^ Man kann sie nochmal kleingliedern in Abwehrrechte, Teilnahme- und Teilhaberechte des Individuums, aber ich bin glücklich, wenn der erste Batzen jetzt erstmal hängen bleibt.

      5. Hatte ich in der Schule jetzt auch nicht erwartet, vielleicht mache ich das noch zur Vertiefung, aber die Zeit wird wohl nicht reichen.

      6. Ich meinte in der refausbildung, da wir Staatsbürgerschaft Bildung als Fach hatten

      7. Oh, ok. Das kenne ich gar nicht. Bei mir ist das bei Philo und Geschichte irgendwie so nebenher immer behandelt worden. Staatsphilosophie und Menschenrechte bringen einen früher oder später zum Bereich des Grundrechts in Deutschland 😉

      8. Klar, bei beiden fächern schwingt das total mit. Aber Bayern ist da mit ihrer staatsbürgerkunde auch sehr eigen. Man möchte eben die Referendare politisch bilden oder so 🙈

      9. Empfinde ich eigentlich als eine gute Idee. Wenn man überlegt, dass viele es ja tatsächlich nicht wissen. Frag mal auf der Straße nach den Grundrechten … ich wäre überrascht, wenn dir da jemand eine ausführliche Antwort geben würde.

    1. Nein, ’schön‘ sind Beerdigungen tatsächlich ja selten. Aber in dem Fall war es die Uroma der Kinder und die hatte sich meiner Ansicht nach ihre letzte Ruhe verdient. Es ist immer traurig, wenn jemand stirbt, aber in manchen Fällen kann ich meinen Frieden leichter damit machen.

      Anstrengend ist Frau Klaus für mich einfach dadurch, dass ich sehr aufpassen muss, was ich sage 😉 (Und das noch in den wenigsten Fällen auch konsequent mache.)

  3. Hachja … Was bin ich froh, dass dieser Unfug „Kat. Imp. und Goldene Regel sind das gleiche“ langsam aber sicher aus den Köpfen der SuS herausgetrieben wird. 🙂

    1. Pssst, das war doch Geschichte. Eins von Frau Klaus Lieblingsargumenten (wenn mal wieder etwas nicht so gut gelaufen ist): „Das ist in Philosophie vielleicht anders … aber sie haben da ja auch einen Schlag weg.“

      1. Umso besser, dass sie es in Geschichte hören, dann bekommen es alle mit und nicht nur die Reli-Verweigerer. 😉 Was die Darstellung im Geschichts-Buch angeht … Mir schwant Übles. Aber es gibt ja selbst Theologen, die bis heute in ihren Fachaufsätzen schreiben, es sei das Gleiche. Ich muss dann immer weinen.

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