Veröffentlicht in Mit-Mach-Themen, Uni

[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Motivation, Haushalt und andere Katastrophen

Hier einmal mein verspäteter Beitrag zum Themenmonat von Änschie.


Wie schon erwähnt, gab es zwei sehr gegensätzliche Charakterzüge, die sich im Punkt ‚Motivation‘ in die Quere kamen. Meine Faulheit und der neu gefundene Perfektionismus. Diese Kombination führte zu kleineren und größeren Katastrophen während des Studiums.

Wie das so üblich ist, startete ich mit einer unglaublichen Motivation ins Studium. Die ersten zwei Semester verbrachte ich 12h außer Haus, belegte vier bis fünf Veranstaltungen pro Tag, fünf Tage die Woche. Da ich jeweils eine Stunde pro Weg pendeln musste, verließ ich das Haus morgens um sieben und kam abends um acht nach Hause. Von der reinen Kursanzahl hatte ich mein Grundstudium nach dem zweiten Semester fast abgeschlossen – wäre da nicht die Kleinigkeit gewesen, dass ich nach Interesse und nicht nach Plan studierte. Letzteren hatte ich aber maximal als ‚Empfehlung‘ aufgefasst und hielt mich nicht dran.

Im dritten Semester gab es die ersten Dämpfer. Ich musste feststellen, dass schriftliche Arbeiten meiner Motivation als wahre Gebirge im Weg standen und nach den ersten eher mittelmäßigen Rückmeldungen begann ich, einen Bogen um die verhasste Schreibarbeit zu machen. Ich nahm mir zwar am Anfang der Kurse immer vor, dass ich da oder dort jetzt eine Hausarbeit schreiben würde, aber letztlich blieben die Dinge dann liegen. Geht ja nächstes Semester noch; oder doch das übernächste …, naja, dann machen wir es im nächsten … ach, jetzt können wir doch gleich nochmal einen Kurs zu dem Modul machen (das Thema klingt eh interessant) und dann wird die Arbeit geschrieben. Joa, oder auch nicht. Das Muster wiederholte sich des Öfteren.

Wenn man nun einrechnet, dass man in so einem Studium gut mal um die 20 Hausarbeiten schreiben muss … kann man sich denken, was nach kurzer Zeit auf der mentalen To-Do Liste anzufinden war.

Dazu kam dann noch etwas, was ich erst gar nicht recht als Störfaktor bemerkte, was sich aber sehr schnell zur dominierenden Kraft im Alltag erhob: Spielsucht. Kein Glücksspiel, dafür bin ich wohl doch etwas zu … reflektiert? Nein, es wurden die Computerspiele. Je mehr der Unialltag zur wirklichen Arbeit wurde und je weniger Spaß ich aus den mir doch eher zufliegenden Leistungen ziehen konnte, desto stärker verlor ich mich in den online Gemeinschaften.

Nicht dass es mir nicht aufgefallen wäre. Ein Semester log ich mir noch in die Tasche, dass ich ja immerhin zu den Veranstaltungen hinging, dass ich die Scheine noch machen würde, dass es ja viele gibt, die mit Laptop in den letzten Reihen sitzen und gerade was ganz anderes machen, als dem Vortragenden zu folgen. Und dann beschloss ich, es einfach exzessiv auszuleben. Dann blieb eben ein Semester auf der Strecke. Ich erinnere mich an die Morgende, an denen ich in der Küche stand, aus dem Fenster schaute während mein Kaffee durchlief und mir dachte, wie unglaublich zufrieden ich gerade bin und dass ich mir so etwas zu keinem anderen Punkt in meinem Leben wohl wieder erlauben könnte. Luxus: Nichts tun. Mein innerer Schweinehund suhlte sich in seinem Erfolg und ich ließ ihm seinen Willen.

Allerdings kam die Zeit zu einem deutlichen Ende, als das nächste Semester begann; es war mein siebtes. Und ich hatte immer noch das Latinum vor mir. Nebenher im Selbststudium hatte ich es nicht geschafft einen Zugang zur Sprache zu finden und ich brauchte eh einen sehr deutlichen Cut, der mich wieder ins Studentenleben zurück holte. Also schrieb ich mich an einer theologischen Uni für ein Gastsemester ein und belegte dort den Lateinkurs; sieben Tage die Woche (gefühlt 😀 waren natürlich nur fünf). Für mich hatte nie in Frage gestanden, dass dieses Motivationsloch von zeitlich begrenzter Dauer sein würde. Es machte einfach keinen Sinn, sich da komplett drin zu verlieren. Was aber nicht hieß, dass man es nicht genießen konnte. (Mir wurde gesagt, dass es eine Kunst ist, an so negativen Phasen tatsächlich etwas Angenehmes zu finden. Ich weiß es nicht, ich fand meine Motivationslosigkeit solange sie anhielt auf jeden Fall ziemlich angenehm, sobald ich für mich geklärt hatte, dass nach dem halben Jahr damit dann aber Schluss sein würde.)

Der Tag, an dem ich mich nach einer wieder durchspielten Nacht dann zwischen Theologiestudenten und anderen Sprachenlernern in ungewohnter Umgebung wiederfand, ist mir gut in Erinnerung geblieben. Ich fühlte deutlich, dass wieder eine Phase abgeschlossen wurde; dass ich nun erneut einen Richtungswechsel vornehme müsste und war nostalgisch und aufgeregt. Aber es katapultierte mich zurück in Richtung Studium.

Angekommen in der ‚zweiten Hälfte des Studiums‘ lief es dann auch tadellos. Selbst zu den ungeliebten Hausarbeiten fand ich einen Draht, nachdem ich mich einmal ordentlich in den Hintern getreten hatte und endlich einmal einfach eine derselben mit Elan wirklich ausgearbeitet hatte(danke an den Perfektionismus und meinen Antike-Professor, der denselben gefordert hat). Das wurde entsprechend honoriert und die folgenden wurden dann ohne Probleme ebenfalls abgenommen.

Die letzten Stolpersteine brachte die Examensphase mit sich. Grundlegend wollte ich nicht, dass das Studium endet. Darüber hinaus hatte ich über die Jahre hinweg den Anspruch entwickelt, dass nun tatsächlich alles perfekt abgeschlossen werden müsste. Das motivierte mich dann zwar, brachte aber auch ein selbstgestelltes Bein mit sich: Mensch und Perfektion und so. Vor der ersten Examensklausur hatte ich einen dezenten Zusammenbruch, weil ich viel zu viel wollte und dabei Standards aufgestellt hatte, die niemals einzuhalten waren. Und die auch gar nicht von mir verlangt wurden, glücklicher Weise.

Ein weiterer wirklich motivierender Faktor waren die Zwillinge. Klar, irgendwann will man mal wieder arbeiten, Geld verdienen, sich was leisten … war mir nie so recht wichtig gewesen. Wir lebten ‚ok‘, hatten keine hohen Ansprüche und somit gab es kaum etwas, was mich zum Abschluss drängte. Als die Kinder dann kamen/auf dem Weg waren, änderte sich das schlagartig. Für sie musste der Berg an Hausarbeiten zügig abgearbeitet werden, der immer noch 5 Stück im letzten Semester umfasste. Für sie musste der Abschluss wirklich gut werden, damit die zukünftige Anstellung und finanzielle Sicherung der Familie garantiert war. Für sie ging ich neben dem Examen nachts 8h arbeiten und besuchte tagsüber meine letzten Kurse. Für sie schloss ich mich wochenlang ins Büro für die Examensarbeit ein, obwohl ich mich kaum von ihnen trennen konnte.

Es ging ja alles ziemlich gut aus. Am Schluss langweilten mich sogar die Prüfungen, weil es immer wieder das gleiche war und immer wieder die gleichen Ergebnisse brachte. Meinen Kampf mit der Motivation, als ich das Drittfach (Philosophie) dann abschloss, kann man in den allerersten Beiträgen hier im Blog nachlesen.

Wie man sieht: Gradlinig kann jeder, künstlerisch wird es, wenn man auf Umwegen zum Ziel kommt 😉 Nein, ich will das nicht schönreden. Ich hätte mir einiges an Stress ersparen können, wenn ich mich direkt richtig mit der Sache beschäftigt hätte. Habe ich allerdings nicht und somit trauere ich der verlorenen Zeit nicht nach. Sie brachte ihre eigenen Erfahrungen mit sich, an die ich auch heute noch gerne zurückdenke. Gut, den Stress mit der Nachtarbeit hätte ich mir tatsächlich gerne gespart, das war nicht schön. Aber ansonsten? Alles gut gegangen.


Wer sonst noch dabei ist:

Mein praktische Jahr von Änschie, der Initiatorin dieses Themenmonats.

schreibfischen von schreibfischchen

Luna Umbra

Pflägermeister vom Pfläger

Janines Yogablog

Abgebrochener Bleistift

Rescue Blog von Hermione

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3 Kommentare zu „[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Motivation, Haushalt und andere Katastrophen

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