Veröffentlicht in Mit-Mach-Themen, Uni

[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Perspektiven und Wünsche?

So, ich habe es nicht in dem vorgegebenen Monat geschafft, bin aber den letzten Beitrag dabei noch schuldig geblieben. Dieser folgt nur, wie alle anderen vorher auch, zum Wochenende nach dem vereinbarten Termin. Ich entschuldige mich für die Verzögerung, aber es war einfach keine Zeit, da ich zu allem Überfluss auch noch krank geworden bin. Im letzten Thema soll es um die Zukunftsaussichten gehen. Da ich das Studium abgeschlossen habe, ist es etwas schwer von Perspektiven zu sprechen, aber etwas Retrospektive hilft hier natürlich weiter 😉

Im Studium selber hatte ich mir wenig Gedanken um den Abschluss und das danach gemacht. Ich wusste, dass das Studium wenig mit der Praxis zu tun hatte und schob dieselbe also erstmal weg. Wozu sich mit Dingen belasten, die nicht aktuell sind und an denen ich eh nichts ändern konnte? Im Studium wünschte ich mir manche Teilbereiche dahin, wo der Pfeffer wächst und besonders das Latinum machte erst in meinen Augen wenig Sinn. Es brachte dann etwas für mein Grammatikverständnis im Großzusammenhang, aber dafür, dass man Latein tatsächlich nicht im Lehramtsstudium für Geschichte, Englisch oder Philosophie praktisch gebrauchen kann, war es viel Stress für nichts. Das wird aber nun tatsächlich geändert, somit sollte man wohl beobachten, wie das die nächsten Jahre gehandhabt wird.

Direkt am Ende des Lehramtstudiums war sicher: Es geht weiter. Ich hatte sehr viele Sozialpunkte (verheiratet, Kinder, Partner hat festen Wohnsitz und Arbeitsstelle), weswegen ich mir sicher sein konnte, dass es mich nicht ans andere Ende vom Bundesland verschlagen würde. Ich gab ganz dreist nur zwei Schulen in direkter Nachbarschaft und einen Seminarort an, zu dem ich gerne wollte. Das habe ich auch bekommen. Angenehm fand ich, dass man garantiert mit bestandenem Abschluss auf jeden Fall ins Referendariat kommt. Ich habe von niemandem gehört, der auf einer Warteliste gelandet wäre.

Direkt zum Ref: Weniger Idealismus was die Zielsetzungen angeht. Ja, wir sind angehende Lehrer und ja, wir halten da die Jugend ‚in unseren formenden Händen‘. Aber deswegen muss man nicht die Messlatten ans Ideal legen. Alle erfahrenen Lehrer, mit denen ich über das Thema bisher sprach, stimmten mir zu, dass man das, was im Ref von einem erwartet wird, frühestens nach 5-10 Jahren Praxiserfahrung so abliefern kann, wie es für den Abschluss gefordert wird. Joa. Das motiviert nicht gerade. Da dürfte sich also einiges gerne ändern. Warum die Ausbildung so stark verkürzt worden ist, versteht auch niemand. Hohe Ziele mit weniger Übung und Anleitung in kürzerer Zeit erreichen … wer findet den Fehler?

Gut, das Referendariat ist ja noch nicht alles. Ein weiterer Schritt zum ‚Ausgebildet-sein‘. Was meine generelle Perspektive nach diesen Ausbildungsabschnitten angeht, so sieht sie etwas unsicher aus. Wir wohnen sehr ländlich. Es gibt zwar Städte in 20-40 Minuten Fahrtzeit rundherum, aber ob ich mit meinen Fächern dort auch wirklich sofort die begehrte Verbeamtungsstelle bekomme … fraglich. Es wird wohl erst einmal auf Vertretungsstellen hinaus laufen und das hoffentlich nicht mit zu großem Abstand nach dem Ref. Ein langer Leerlauf wäre sehr unschön für die finanzielle Situation.

Was man mit Lehramt noch anstellen kann, außer an die Schule zu gehen … ich habe keine Ahnung ^.^ Ein Freund ist mitten im alten Staatsexamensstudiengang Deutsch und Geschichte auf Bachelor umgestiegen, hat die Arbeit geschrieben und arbeitet jetzt für einen großen Konzern (Autoindustrie) in der internen Fehleranalyse mit den Werkstätten (irgendwas mit Kommunikation in 5-6 Sprachen zu technischen Problemen). Eine andere Bekannte ist bei der Zeitung gelandet. Mehrere bleiben an der Uni und promovieren/haben ihre Seele an einen der Profs als ewiger Lakai verloren. Alles nicht so recht ansprechend für mich. Außer Vorletzteres, ich hätte tatsächlich gerne Promoviert. Mache ich später vielleicht noch …

Was meine Wünsche angeht: Rückblickend hätte ich tatsächlich einige. Das System der Lehrer(aus)bildung ist stark reformbedürftig. Das Studium braucht mehr Praxis, ein dualer Studiengang wäre hier wohl eine wirklich gute Wahl. Wenn man anfangs einfach inhaltlich für den konkreten Schuldienst ausgebildet würde, während man direkt in die Praxis einsteigt und dann später ein System greifen würde, dass mehr theoretische Inhalte vermittelt, damit die Lehrer sich auch wirklich weiter bilden und nicht einfach auf dem Status stehen bleiben, mit dem sie aus dem Ref kommen (was die kontrollierte Ausbildung angeht), wäre wohl vielen geholfen. Man würde zu Anfang einen realen Einblick in den Beruf erhalten, man bräuchte sich nicht mit so wahnsinnig umfassen unnötigem Wissen herumschlagen und es würde gleichzeitig eine langfristige Lösung für „Versumpfen der Lehrer im Alltag“ gefunden.


Das war es an dieser Stelle von mir. Es hat Spaß gemacht sich damit noch einmal zu beschäftigen. Ich danke Änschie für den Aufruf und die Anregung.

Wer sonst noch dabei war:

Mein praktische Jahr von Änschie, der Initiatorin dieses Themenmonats.

schreibfischen von schreibfischchen

Luna Umbra

Pflägermeister vom Pfläger

Janines Yogablog

Abgebrochener Bleistift

Rescue Blog von Hermione

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4 Kommentare zu „[Themenmonat – Studium oder Ausbildung? Der Weg ist das Ziel!] Perspektiven und Wünsche?

  1. Ich weiß, dass die rufe nach dualen Studium bei Lehramt laut ist. Aber ich halte das nicht für sinnvoll aus verschiedenen gründen. Ich stelle es mir z.b. schwierig vor, mit ca. 19 gleich wieder vor fast gleichaltrigen zu stehen, da in meinen Augen Abstand wichtig ist. Außerdem wäre bei einem dualen Studium der Wechsel schwierig, was auch bei mir viele gemacht haben.
    Habt ihr Praktika? In Bayern muss man nämlich 3 machen.

    1. Ja, hatten wir. Die waren aber so gestaltet, dass man gut und gerne wieder in die Schülerrolle zurückfallen konnte und gar nicht wirklich unterrichten musste. Ich kenne welche, die tatsächlich einfach nur hospitiert haben in der Zeit.

      Der Einwand ist berechtigt bei den jüngeren Studenten. Da ich so viel Abstand dazu hatte, habe ich da wohl eine andere Sicht drauf. Wobei wir gerade auch so eine ‚Überfliegerin‘ im Seminar haben, die wird dieses Jahr 24 oder so. Probleme beim unterrichten scheint sie nicht zu haben. Man könnte sicher am Anfang eine Theoriephase einführen, aber ab Mitte des Studiums fehlt einfach die Praxis, damit man wirklich weiß, worauf man sich einlässt und ob es einem liegt.

      1. Ja, wir haben auch viel hospitiert. Wobei es wohl jetzt so ist, dass man so und so viele Stunden machen muss und stunde halten zählt mehr als hospitieren. Bei dem einen Praktikum war es bei mir so, dass ich auch gar nicht unterrichten konnte, wegen einer Verletzung.
        Ich halte es trotzdem nicht für sinnvoll schon mit 24 ins ref zu gehen. Mich sahen viele schon als recht jung an und ich war auch definitiv eine der jüngeren in mein Seminar.
        Ich fande auch grade am Ende hat mir die Theorie auch mehr Spaß gemacht. Besonders in Geschichte.
        Aber ich denke bei vielen berufen sieht man erst, ob es was ist, wenn man richtig drin steckt und merkt das bei keinem.Praktikum 🤔

      2. Jain. Was man beim Lehrberuf direkt merkt, ist einfach ob man den Zugang herstellen kann oder nicht. Man kann seine Fächer noch so gut beherrschen, das heißt nicht, dass man sie vermitteln kann und dass man sich dabei auch wohl in seiner Haut fühlt. Ich habe Fälle miterlebt, bei denen die Unterrichtserfahrungen auf 1-2 Stunden beschränkt waren in den Praktika des Studiums und die dann im Unterrichtsalltag feststellen mussten, dass sie das einfach nicht leisten können/keine Basis aufbauen/keine Beziehung herstellen/ etc. Dann war die Zeit ‚verschwendet‘ in der sie etwas Zielführenderes hätten machen können, um später wirklich in einem ausübbaren Beruf zu landen.

        Recht gebe ich dir mit dem Alter generell, das kann ein Problem sein. Wobei ich schon denke, dass es eben auch eine Ausbildungszeit ist und da die Ansprüche angepasst werden müssen. Wo wir wieder bei den ideellen Ansprüchen des Ref allgemein sind.

        Grundsätzlich denke ich nicht, dass es eine Frage des Alters ist. Man kann anderen etwas vermitteln oder nicht. Und das sollte man früher und nachdrücklicher herausfinden, als es jetzt im Studium der Fall ist.

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