Veröffentlicht in Planung, Prüfung, Referendariat

Der 4. UB Philosophie: Die Planung

Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Lucas es am Freitag nicht geschafft hat und nach seinen UPP (Unterrichtspraktischen Prüfungen) nicht zum Kolloquium zugelassen wurde. Das sitzt einem vielleicht quer im Magen, selbst wenn es ja nicht die eigene Prüfung war. Wieder einer von den Geschichtlern: War das von vorne herein abzusehen … ?

Ich bin zerrissen zwischen Mitgefühl (er ist frisch Familienvater im Dezember geworden und kann die Verlängerung wirklich nicht gut gebrauchen) und dem Gefühl, dass nicht alle die, die durchs 2. Staatsexamen rasseln total unerklärliche Fälle waren. Das war es nämlich bisher bei den anderen, von denen man so gehört hat. „Wie, DIE hat es nicht geschafft? Die war doch mit 1 vorbenotet!“ Wie will man sich sowas erklären außer mit Willkür, wenn die beobachtenden Augen und Ohren den Tag wirklich keine gravierenden Fehler in den Prüfungen entdecken konnten?! Ganz anders bei Lucas; da wir beide Geschichte haben, haben wir auch den gleichen Fachseminarleiter. Und dieser hatte ihm vorher angeraten, freiwillig noch ein halbes Jahr dran zu hängen und es dann erst zu versuchen. Er hatte das kommen sehen. Macht die Geschichte jetzt nicht angenehmer … aber stellt etwas das Vertrauen in die (Zuverlässigkeit der) Prüfungen wieder her.

Gut, ich selbst habe heute den Tag mit der Planung und Verschriftlichung meines 4. UBs für Philo verbracht. Es motiviert einen schon, wenn auch nicht positiv, wenn man solche Sachen mitbekommt. ‚Das darf dir nicht passieren, streng dich mehr an.‘ Das saß mir dann doch ein wenig im Nacken.

Die Planung selber ist ganz gut voran gekommen. Ich bin unsicher, was die Komplexität der Lernziele angeht. Aber ich darf ja Frau Frost am Montag mit meinem Entwurf in der Mittagspause nerven. Zur ‚Einstimmung‘ ist das vielleicht etwas viel direkt, aber sie scheint doch wesentlich enthusiastischer als Herr König sich da mit mir dran zu setzen und somit nehme ich die Chance, die sich bietet, wahr.

Am Freitag habe ich ja meine seit drei Wochen verschollenen 9er wiedergesehen. In der Stunde musste die Grundlage für die UB Stunde gelegt werden und wir haben ordentlich gearbeitet. Folgendes kam dabei heraus:

Begonnen haben wir mit der Zusammenfassung des Arbeitsblattes, welches sie vor zwei Wochen bearbeitet hatten, als ich krank war. Was ist Moral? Wir hielten fest, dass Moral eine Vergleichbarkeit für Handlungen und unser Verhalten schafft und wir moralische Kriterien dafür brauchen, um eine Handlung als moralisch anzusehen und beurteilen zu können. Was ‚moralische Kriterien‘ denn genau wäre, wollte ich wissen. ‚Das sind so Konventionen …‘ Joa, wir versuchten es etwas genauer zu fassen. Kriterien, die bei den gesellschaftlichen Regeln festgelegt werden, können sein: Das Streben nach Glück, objektive moralische Grundsätze (hier einigten wir uns erstmal auf sowas wie Gesetze, alles weitere wäre zu komplex geworden) oder die Berücksichtigung der Konsequenzen der jeweiligen Handlung. Etwas widerwillig ließ ich auch die Goldene Regel hierbei zu: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Wir sprechen ja immerhin erst von Moral, Ethik ist noch außen vor 😉

Den theoretischen Teil hielten sie tapfer durch, dann kam das Beispiel, an dem sie das alles praktisch ausprobieren durften.

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Bei diesem Dilemma sollten sie entscheiden, ob sie in der Situation geschwiegen hätten oder Dennis doch eher ‚verpetzt‘. Und vor allem: Warum! Denn was wir vorher als Grundsatz festgehalten hatten war, dass jede moralische Handlung einen Grund hat und wir diesen im jeweiligen Fall nicht nur als Hintergrund für die Handlung sondern als ganz konkrete Grundlage betrachten müssen.

Das Beispiel funktionierte gut und die Gruppen waren eifrig am Diskutieren. Sie kamen auch relativ schnell zu einem Ergebnis, wobei eine Gruppe es deutlich schwerer fand, sich auf ein Argument zu einigen. Die versuchten auch das Dilemma zu verändern (siehe gestrichener Teil).

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Das waren die Antworten der vier Gruppen, auf die sie sich letztlich einigen konnten. Wir hatten noch einige mehr, aber ab einem gewissen Punkt musste ich die Masse reduzieren, da man sonst einfach den Überblick verliert. Was auffällig war, waren die Bezugsebenen, die sich feststellen lassen konnten. Ohne, dass ich jetzt Kohlberg irgendwie weiter thematisiert hatte, bewegten sich die Schüler automatisch eher in der Ebene, die man ihnen nach der Theorie zuschreiben konnte. Ihre Begründungen für die Entscheidungen waren konventionell, geprägt von wechselseitigen Erwartungen, im Hinblick auf Beziehungen getroffen und in Orientierung an den jeweiligen relevanten sozialen Gruppen.

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Tafelbild zu den Perspektiven und Motiven (Ja, ich arbeite immer noch an den Tafelbildern :D)

Als wir die Perspektiven für den vorliegenden Fall auflisteten und die jeweiligen Argumente zuordneten, so fanden sie die meisten für die Zweier-Beziehung. Als sie dann im Kurs noch einmal abstimmen sollten, für welche Vorgehensweise sie sich letztlich nun tatsächlich entschieden hätten, so waren sie sich einig, dass sie wohl geschwiegen hätten. Die Hälfte, weil sie sagten, dass es ja ein Vertrauensbruch gewesen wäre, die andere weil sie die Freundschaft nicht aufs Spiel hätten setzen wollen.

Dieses Meinungsbild stellte ich dann noch einmal zur Diskussion. Man würde tatsächlich über Diebstahl hinwegsehen? Eines der weniger angenehmen Argumente war gewesen, dass es ja schon eine strafbare Handlung ist und man sich nicht über das Gesetz stellen kann. Beliebt war der Gedanke bei den Schülern aber nicht. Ich fragte genauer nach, warum sie denn tatsächlich die Freundschaft über Recht und Ordnung stellen würden.

„Na, das ist nur eine CD. Das ist ja nur ne Kleinigkeit.“ meinte eine Schülerin.

„Und das ist mein bester Freund! Der ist mir wichtiger als der Geschäftsinhaber, selbst wenn der mit mir verwandt ist.“

„Wenn man keine Freunde mehr hat, dann ist man ja ganz allein! Der Freund beachtet einen doch nicht mehr, wenn man ihn verraten hat.“

„Hm … gut. Nehmen wir mal an, dass man das in so einem Fall so machen würde. Und eure Gründe sind ja durchaus nachvollziehbar. Warum hat sich das dann nicht durchgesetzt? Warum ist das Klauen von CDs immer noch strafbar?“

Kurzes Schweigen und leicht betretene Gesichter. Dann die erste Meldung.

„Naja, wenn das alle machen würden, dass hätten wir eine unheimlich hohe Kriminalität.“

„Das würde Chaos bedeuten, es gäbe irgendwann keine Gesetze mehr!“

Ich schmunzelte und stellte noch einmal fest: „Und trotzdem hättet ihr euch alle fürs Schweigen entschieden …“

Von Rechts hörte ich einen tiefen Seufzer und ein gemurmeltes „Wir sind halt alle unmoralisch …“ Ich verkniff mir das Lachen und stellte zum Schluss der Stunde noch einmal fest, dass man zwar gewisse Kategorien von ‚richtig‘ und ‚falsch‘ durchaus logisch „weiß“, es sich aber oft einfach ‚richtig‘ anfühlt das ‚Falsche‘ zu wollen. Und das wir uns genau diese Situation noch einmal genauer anschauen müssten für den Fall, wo es keine sogenannten objektiven Grundsätze wie Gesetze gibt, die uns eine Richtlinie für unser Handeln aufzeigen können. Damit hatten wir dann tatsächlich genau die Vorbereitung für die kommende Prüfungsstunde geschafft.

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16 Kommentare zu „Der 4. UB Philosophie: Die Planung

      1. Ach ja. Naja, wir haben 10 Stück davon. Pro Fach 5 ^.^´ Aber die ersten zwei ‚zählen‘ angeblich nicht, wobei mir die trotzdem die 3 eingebracht haben wegen dem einen verpatzten UB.

      2. Dafür zählt die einzelne mehr 😂 bei uns zählen angeblich auch nur die einzelnen Lehrproben. Wobei zumindest der Eindruck, den sie von uns kriegen, mit reinzählt

  1. Auf in den Prüfungsstunde und nicht an den Kollegen dabei gedacht. Es ist traurig, wenn jemand nicht besteht, aber man muss an sich selbst denken im nächsten Moment. Das hilft alles nix. LG und viel Erfolg, Ela☕

    1. Ist wohl die einzig richtige Einstellung, aber es nagt schon ein wenig. Wird auch fiel davon abhängen, wie er genau damit umgeht. Werden wir am Montag sehen.

      1. Ja, ist nicht leicht. Zumal er noch an deiner Schule ist. Trotz alledem hattest du ja schon wahrgenommen, dass selbst der Fachleiter von vornherein nicht begeistert, war jetzt schon die Prüfung abzulegen. Also ist es so gekommen, wie es wohl kommen musste. Für einen selbst sollten solche Dinge immer ein kurzes Wachrütteln darstellen, dass man immer alles geben muss und Kritik empfänglich bleiben muss, um sich verbessern zu könnern. Und ich habe den Eindruck, das klappt bei dir ganz gut.👏

      2. Man weiß nie … die 6 im UB hätte ich so vorher auch nicht erwartet. Aber ja, ich denke es wäre nicht sehr wahrscheinlich.

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