Veröffentlicht in BdU, Prüfung, Referendariat

4. UB Philosophie

Leider ist es nun schon etwas her, seit ich diesen UB hatte, weswegen ich etwas im Oberstübchen kramen muss, um alles zusammen zu bekommen. Die Planung für denselben habe ich hier beschrieben.

Ich ging mit einem relativ guten Bauchgefühl den Morgen zur Schule. Auch die (selbstverständlich genau an diesem Tag …) komplett schief gedruckten Blätter mit dem abgeschnittenen Kopfbereich konnten mir die Laune nicht verhageln. Ich hatte die Sozialform vorher geübt, der Ablauf war bekannt für die Gruppenarbeitsphase, die Kinder hatten bereits gelernt, dass man seine Meinung begründet … kann ja nix schiefgehen. *schniff* Joa, denkt man so. Der UB war leider mein schlechtester bisher, zumindest in Philosophie und auf Grundlage meines bisherigen Könnensstandes. Gut, also, was war passiert?

Mein Fachleiter fand sich früh am Tisch ein und wir plauderten noch etwas über das Examen von Phillip, dem ich am Tag davor beiwohnen durfte. Und über meinen Entwurf für den UB, zu dem der FL gleich anmerkte: „Es ist so schön, wenn man einen wirklich durchdachten Entwurf zum Lesen bekommt. Ich freu mich auf die Stunde.“ Der gelobte Tag vor dem Abend …

Kurz darauf wanderten wir, meinen Schulleiter ebenfalls im Schlepptau, durch die Schule, da wir einmal mehr in den hintersten Winkel mussten (in dem Fall wörtlich, der letzte Klassenraum unten links auf dem Schulgelände). Ich hatte meine Utensilien bereits vorher aufgebaut, damit ich nicht noch mit Tablet und Co herumfummeln musste. Tablet und Lautsprecher standen also bereits auf dem Tisch, die Schüler setzten sich, eine Schülerin kam leider 4 Minuten zu spät, wodurch sie das Lied am Anfang verpasste.

Fettes Brot.PNG

Lied eingespielt und genau die Strophe rausgepickt, die das gewünschte Dilemma beschreibt. AB wurde gleich zu beginn schon verteilt, da ich vor allem eines im Kopf hatte: Genug Zeit für die Abschlussdiskussion. Irgendwie kam es dann auch, dass der Einstieg viel zu schnell vorbei war. Lied war gehört worden und die Schüler verneinten den Bedarf, es noch einmal durchlaufen zu lassen. Wie geplant wurde dann erst einmal zusammengefasst, worum es denn nun hier geht.

Und da das nach zwei Antworten wirklich abgehakt gewesen war … gingen wir in die Erarbeitungsphase. An der Stelle habe ich sowohl mich als auch die SuS etwas überrumpelt. Sie stürzten sich natürlich sofort auf das Problem, aber die Formulierung desselben kam einfach zu kurz. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, das Problem erstmal etwas beleuchten zu lassen, wobei die SuS sowas wie „Freundschaft oder Liebe“ formulieren sollten, aber da der Schritt nun einmal übersprungen worden war … tja, machten wir einfach weiter.

In den Gruppen fingen die Diskussionen erstmal absolut gegen Ben gerichtet an. „Das macht man nicht!“ hörte ich aus den Gruppen mehrfach. Sie waren auf jeden Fall bei der Sache. Eine meiner vielen Janas konnte sich dann auch gar nicht von dieser Sicht lösen. Ihre 3er Gruppe fand nur Argumente für „Lass die Finger von ihr!“ und ich fragte einmal nach, ob sie sich denn gar kein Szenario vorstellen könnten, in dem sie anders beraten würden. Nein, das macht man halt nicht! Ich merkte, dass es an der endgültigen Entscheidung hing in dem Moment und fragte, ob es denn gar keinen Grund geben könnte, warum sowas doch mal passieren könnte oder wo etwas positives aus der Situation entsteht, wenn man mit der Ex des besten Freundes hier zusammen käme. Da fielen ihnen doch ein paar Beispiele ein.

Letztlich war das Endergebnis tatsächlich gespalten. Alle waren sich erstmal einig, dass man hier eher zum besten Freund steht. Die eine Gruppe drückte das etwas ‚umgangssprachlich‘ mit „Bros before Hos“ aus, was ich nicht so stehenlassen konnte. Wurde vom FL und SL aber mit einem Lächeln quittiert. Eine Gruppe beschrieb sogar die Möglichkeit, dass der Freund Ben irgendwann verzeihen würde, weil die Freundschaft ja wichtig wäre und die Beziehung eh kaputt, wenn sie sich schon verliebt hatte. Und er Ben und Christine dann ihr Glück gönnt. Sehr selbstlos ^.^

Die Ergebnisse wurden gesammelt und von den Gruppen vorgestellt und wir übertrugen diese wieder auf die verschiedenen Perspektiven, die hier dargestellt worden waren. Das sah dann so aus:

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Problem hierbei war: Genau das Gleiche hatten wir die Stunde davor gemacht. Und somit stand ich am Ende der Stunde wieder mit den verschiedenen Perspektiven da, mit den Grundlagen für moralische Handlungen, aber damit wurde nicht gearbeitet. Ziel war von meiner Planung her gewesen, uns distanziert mit eben so abstrakten Konzepten wie Freundschaft oder auch der Goldenen Regel zu beschäftigen. War gedanklich auch absolut richtig, aber dadurch, dass ich die Schritte zu diesen Konzepten in der Stunde nur wiederholte und nicht aktiv mit ihnen arbeitete, war die Lernprogression gleich 0.

Es wäre schon eine Verbesserung gewesen, wenn ich die Perspektiven wirklich der Hierarchie her angeordnet hätte und nicht nach dem grundlegenden Aufbau des Systems. Nicht dran gedacht. Eigentlich hätte sich nach der vorherigen Stunde angeboten, direkt mit den Ergebnissen einzusteigen und nicht noch einmal ein neues Fallbeispiel zu behandeln.

In der Nachbesprechung fiel es mir dann irgendwann wirklich wie Schuppen von den Augen. Ich konnte nämlich trotzdem ich in der Dilemma drinsteckte die komplette Zeit meinen Denkfehler nicht erkennen. Ich WUSSTE, dass irgendwas schief lief, aber was es war … Erst als der FL mich fragte, was denn die Stunde nun tatsächlich im Gegensatz zu der davor für die SuS gebracht hätte, bemerkte ich den Fehler. *seufz* Dazu kam eine sehr starke Steuerung. Ich habe die SuS mal wieder zu sehr gegängelt und das darf eben einfach nicht passieren. Aber wenn einem schon so grundlegende Probleme in der Planung nicht auffallen, ist es kein Wunder, wenn die Kinder nicht auf die gewünschten Ergebnisse kommen.

Zusammenfassend kann man also sagen:

  • Planung (von der Theorie insgesamt mit Reihenaufbau und Entwurf und allem drum und dran) war wirklich gut. Bis auf die Tatsache, dass die Stunde redundant gewesen ist, war sie an sich auch gut. Im Zusammenhang mit dem was davor passierte und dem, was dann letztlich für die SuS als Lernergebnis dabei rauskam … nicht so sehr. Und dann noch die Steuerung.
  • Phasierung war in der Theorie gut geplant, in der Praxis schlecht umgesetzt.
  • Impulse: Ich muss mir einfach mehr Möglichkeiten überlegen, wie ich aus dem Stundengeschehen raus kann. Es fällt mir immer noch schwer, wirklich abzugeben. Dafür muss ich stärker mit vorgeplanten Impulsen arbeiten, die dann wirklich so offen sind, dass ich nicht nach zwei Antworten noch etwas nachfragen kann/muss.

Abseits davon, dass ich absolut unzufrieden mit der Stunde und dem Ergebnis war, weiß ich aber nicht, was das in Noten ausgedrückt bedeutet hätte. Am Ende der Nachbesprechung brach ich dann nämlich in Tränen aus und vergaß nach der Note zu fragen. Das lag einmal an diesem deutlichen Patzer mit der Lernprogression und dann an einer weiteren Kritik, bei der ich überhaupt nicht wusste, wie ich ihr begegnen sollte: Ich wäre den Schülern gegenüber zu ‚kühl‘ gewesen.

Wie man das allerdings ändert … Ich weiß, dass meine Art eher distanziert ist. Ich bin kein ‚Kumpel-Typ-Lehrer‘, allerdings meiner Wahrnehmung nach auch nicht der ‚Drache-mit-Rohrstock-Typ‘ im Klassenzimmer. Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass die Schüler mir gegenüber besonders zurückhaltend wären, was gerade für ein Fach wie Philosophie ja nicht förderlich wäre. Dort muss man sich ausprobieren können und das geht nur, wenn man den Lehrer als ’sichere‘ Person wahrnimmt, bei der Ansichten angenommen werden und wo Fehler möglich sind. Und das war meiner Meinung nach der Fall bisher.

Gerade in Hinblick aufs Examen, wo mich ja zwei komplett fremde Personen beurteilen werden, ist das auf jeden Fall eine ungünstige Ausgangslage. Auf die werde ich mit Sicherheit erstmal noch distanzierter wirken, als auf meinen FL, der mich ja schon eine Weile kennt. Ich hatte nach dem UB Gelegenheit nachzuhaken. Der FL hatte es nicht als großes Problem gesehen und nahm einigem des Gesagten wieder die Schärfe. Was ich für mich mitnahm war, dass Kritik an der Person direkt am Schwersten auszuhalten ist, da man sich nicht einfach ändern kann.

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10 Kommentare zu „4. UB Philosophie

  1. Also ich wirke nach aussagen auch eher distanziert, aber ich finde das eigentlich gar nicht schlecht. kumpel-Typ ist für mich einfach nicht das wahre. Man muss seinen eigenen Weg finden.

    Und manchmal weiß man einfach, dass an den Stunden was nicht passt, aber was, kommt man auch oft nicht dahinter.

    1. Stimmt natürlich, jeder hat seine Art. Aber wenn das kritisiert wird, steht man schon so vor einem kleinen, großen Problem.

      Ich hoffe im moment, dass ich die ‚Standard-Fehler‘, wie die Progression zu vergessen, einfach vorm Examen mache und mir da nicht so nen Schnitzer passiert.

      1. Hast du mitreferendare, mit denen du deinen Entwurf mal durchgehen kannst? Bei meiner einer Lehrprobe hat das total geholfen. Einfach nochmal einen anderen Input erhalten.

        Und zur Lehrerpersönlichkeit: nicht so ernst nehmen solche Kritik. Du musst deinen weg gehen. Mir wurde sogar mal geraten, dass ich Pumps tragen soll. Aber ich denke, dass wäre wesentlich unauthentischer + wackeliger vor der Klasse geworden.

      2. Pumps?! Ah ja … gut, da hätte ich am Urteil gezweifelt. Solltest du weiblicher wirken, oder wie kam man darauf? Das ist doch kein Laufsteg … Wobei man bei mir nicht auf die Idee käme 😀 Ich bin 1,90m ^.^

        Ich werkle gerne für mich, weil jedes Mal wenn ich andere Frage nur ein Nicken kommt und: Klingt doch alles gut./Sieht gut aus. Ausbildungslehrer ist ja Fehlanzeige in Philo. Herr König drückt mir nur Material in die Hand und sagt: Mach mal damit.

      3. Ähm, k.a. ich trage halt meistens Turnschuhe. War ihnen wohl zu sportlich. Wobei ich eigentlich immer nen Blazer oder so angezogen habe. (An dem Tag hatte ich nen hoodie an, aber da habe ich nicht unterrichtet…)

        HM, ich habe das auch nur einmal wirklich gemacht, und da hat es mir was gebracht. Aber das kommt auf die Personen an.

      4. Achso, die Betreuungslehrer, wenn ich welche hatte, waren nie so ne große Hilfe. Der eine wollte nicht, weil er glaube ich befürchtete mir was falsches einzureden und der andere hat sich schon alles angehört und es mir sogar angeboten, das war aber nicht so eine große Hilfe

  2. Da kann ich dir aus meiner Erinnerung ans Ref zustimmen – die Kritik an mir als Person traf mich auch am schwersten. Eine Fachleiterin ließ endlose küchenpsychologische Ergüsse niederregnen und entfernte isch dabei immer weiter von den Stunden.
    Und ich habe (auch bei anderen Referendaren) mehrfach erlebt, dass die Schüler das gerne mal ganz anders sehen als die „Profis“. Die mochten die scheinbar distanzierten Referendare eigentlich sehr.

    1. Meine Schüler haben sich noch nicht so verhalten, dass ich befürchten müsste, dass ich sie verschrecke oder ähnliches. Dass Schüler generell Lehrer recht gern haben, die es schaffen ihnen das Gefühl von ‚Freund/Kumpel‘ zu geben, ist ja auch ok. Bei mir geht es eben über ‚freundlich/interessiert‘ nicht hinaus; aber das funktioniert meines Erachtens auch gut.

  3. Distanziert bist du sicher nicht. Konzentriert, weil das halt eine Prüfungssituation ist. Klar ist man dann wie im Tunnelmodus und mehr mit sich und dem Ablaufplan beschäftigt. Daher nimm ruhig Klassen im Examen, die bereits UB erprobt mit dir sind. 😉 Die kennen dich dann in „Ausnahmesituationen“.

    1. Eine der Rückmeldungen, die ich zum dritten UB von den Schülern bekam war, dass ich so unglaublich gelassen und ruhig gewirkt hätte dabei. Sie sind wohl etwas mehr ‚Tunnelblick‘ und Nervosität gewohnt. So schlimm kann es also nicht sein bei mir ^.^

      Ich mache mir da auch weniger Gedanken um den Kurs, die kennen mich ja, als mehr um den Eindruck der Prüfungskommission. Die bewertet ja, wie gut ich generell für den Lehrerberuf geeignet bin. Und wenn ich dann als ’schülerfern‘ oder ähnliches eingestuft werde, ist das natürlich nicht so nett.

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