Veröffentlicht in Prüfung, Referendariat

Examen aus der zweiten Reihe

Ich durfte bei Phillip am Examenstag mitlaufen. Das war spannend und ziemlich erhellend, was meinen favorisierten Fachleiter anging, den ich den Tag begleiten konnte. Da in dieser Phase immer deutlich geworden ist, dass mein Fachleiter in Geschichte sehr durchwachsene Ergebnisse bei der bestanden/nicht bestanden Diskussion erzielte und ich eh zu meinem Philosophiefachleiter tendiert hatte, konnte ich ihn den Tag einmal ‚live‘ erleben.

Morgens kam ich also etwas pünktlicher als sonst zur Schule, um bei letzten Handreichungen zu helfen. Man bewirtet die Prüfungskommission ja regelrecht an diesem Tag. Da Phillip der letzte gewesen ist von unseren sechs Referendaren an der Schule, war in den drei Wochen vorher schon einiges an belegten Brötchen, Kaffee und Keksen durchs Lehrerzimmer in den Beratungsraum gewandert. Nachdem wir also alles hergerichtet hatten, Brötchen, Kaffee, Milch, Zucker, Besteck und Geschirr sowie eine üppige Keksauswahl hergerichtet worden war, machte ich mich auf die Suche nach Phillip, der mich ganz offiziell einmal seiner Prüfungskommission vorstellen musste, die ich dann noch offizieller um Erlaubnis bitten musste, dass ich doch an dem Tag auch dabei sein dürfte. Wurde mir netter Weise genehmigt.

Es begann mit der Stunde Physik, von der ich mal so gar keine Ahnung hatte. Ich musste damals im Abi Physik als gezwungenen Zusatzkurs in der 13. noch mitmachen und alles was davon hängengeblieben war, war die Relativitätstheorie gewesen, da die eher ein mentales Rätsel als wirkliches mathematisches Wissen für mich dargestellt hatte. Wie dem auch sei, ich beobachtete also 8. Klässler dabei, wie sie das Hookesche Gesetz bewiesen, herleiteten … zumindest stand das in seinem Entwurf ^.^ Das hat was mit Federn, Widerstand und linearen, bzw. nichtlinearen Kurven/Gerade/Vektoren (?) zu tun. <- wie ihr seht, ich habe keinen Schimmer 😀

Vom Ablauf her und dem, was da so bei herum kam, fand ich die Stunde ganz gelungen. Kurz danach hörte ich dann aber schon vom Fachlehrer die Sorge ‚Lernziel nicht erreicht‘, was natürlich sehr negativ gewesen wäre. In der Reflektion wies Phillip auch auf mehrere Probleme hin und reflektierte diese aber ziemlich tiefgreifend, was ihm letztendlich (wie man dann ja später erfuhr) die Note ordentlich gerettet hatte.

Während Phillip sich danach also sammelte und für die kommende Stunde vorbereitete, lief ich hin und her und versorgte die Kommission mit Nachschub. Die anderen Refis waren auch nicht untätig, checkten den Raum nochmal, kontrollierten die elektrischen Geräte (bei einer anderen hatte der OHP, der morgens noch funktionierte dann in der Stunde versagt … ) und brieften die Schüler, dass sie in dem jeweiligen Bereich um die Examensklassenräume ruhig zu sein hatten.

Dann ging es zur zweiten unterrichtspraktischen Prüfung und hier konnte ich dann ‚mitreden‘. Oder zumindest mitdenken. Als Gast darf man nämlich wirklich nur anwesend sein. Nichts mitschreiben, keine Unterlagen zu den Stunden erhalten, sich nicht sonst wie einbringen. Also beobachtete ich. Die Stunde hielt Phillip im Q1 LK Philosophie, die sich mit sozialer Gerechtigkeit beschäftigen sollten. Aufbauend auf verschiedenen Theorien, die sie vorher schon zur Staatstheorie erarbeitet hatten, sollten sie nun eine Theorie von Rawls beurteilen. Leider passierten ihm doch einige Fehler.

Der Einstieg klappte gut, die Gruppenarbeit lief auch, aber hier hatte er zur Binnendifferenzierung Hilfekarten ausgelegt, die die jeweiligen Positionen nochmal erklärten und auch die aktuelle mit einbezogen. Damit waren theoretisch die Ergebnisse der Stunde vorweggenommen worden. Glücklicherweise griffen nur zwei Schüler auf diese Hilfen zurück. Dann wählte er für die Präsentation der Ergebnisse ausgerechnet auf die Folie, die von der schwächsten Schülerin des Kurses erstellt worden war. Das war für die Vertiefungsphase am Schluss ziemlich tödlich, da es kein visuelles Geländer gab, an dem sich der Kurs gemeinsam entlanghangeln konnte, da die präsentierten Ergebnisse nicht genau genug gewesen waren. In der Diskussion am Schluss konnte er die Beiträge auch nicht genügen bündeln und die wichtigen Punkte fokussiert nochmal aufgreifen. Dadurch endete die Stunde etwas schwammig.

Selbst ich merkte dann in der Reflektion, dass diese es nicht wie in der Stunde vorher schaffte die negativen Punkte herauszureißen. Ich biss mir mehrfach auf die Zunge, als es dann um Alternativen ging, da mein Fachleiter wirklich sehr offen und unterstützend fragte und einem so sehr viele Dingen in den Kopf kamen, die an der Stelle gepasst hätten.

Allgemein muss ich sagen, dass ich ihn als einen sehr fairen Prüfer erlebte, der bewusst nach dem fragte, von dem er sicher sein konnte, dass es kommen würde. Das fiel besonders im Kolloquium auf. Ich hatte nach wenigen Minuten das Gefühl, dass ich mich dort hätte hinsetzen können und auch bestanden hätte. Es war wie die Gespräche, die man in den Seminarsitzungen führt. Gut, ein paar Namen sollte ich mir noch einprägen und etwas Theorie zur Unterfütterung lernen, aber insgesamt hätte ich die gestellten Fragen beantworten können.

Als der Tag vorbei war, fühlte ich mich genau wie Phillip ausgelaugt. Man fiebert ja doch ganz schön mit ^.^ Er bestand mit einer drei und war sehr glücklich. Ich merkte dabei, dass ich das Gegenteil empfunden hätte und das ich echt noch einiges zulegen muss, dass ich am Schluss auch zufrieden aus dem Examen komme. Die Wahl meines mich ins Examen begleitenden Fachleiters ist aber an dem Tag bestätigt worden.

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6 Kommentare zu „Examen aus der zweiten Reihe

  1. Anstrengender Tag, das kann ich mir gut vorstellen. Aber – jetzt weißt du genau, was auf dich zukommt. 😉
    Anmerken möchte ich, dass leider (scheinbar in vielen Bundesländern) dieser Bewirtungsirrsinn an solchen Tagen in meinen Augen Überhand nimmt. Eine Tasse Kaffee, bitte, in Ordnung. Aber wenn ich auch wie bei uns erlebe, welche kulinarischen Köstlichkeiten vorbereitet werden, meine Güte. Sollte man abschaffen. LG Ela

      1. Ich weiß nicht, aus welchem falschverstandenen Ehrgeiz dieses ‚Auffahren‘ entstanden ist. Dass man planen kann? Dass man ein guter ‚Gastgeber‘ ist? Dass die Noten besser werden, wenn man zufriedene, gesättigte Menschen vor sich hat? … Man weiß es nicht ^.^

        Was das finanzielle angeht: Wie gesagt, eigentlich legen die Prüfer etwas fürs Essen hin. Man könnte sicher auch was bestellen, aber das scheint zu aufwändig. Wer weiß.

      2. Dass die Prüfer Geld hinlegen, hatte ich überlesen. Bei uns in Niedersachsen ist das eher nicht so. Da bringt man sozusagen noch Geld zu seiner eigenen Prüfung mit.

      3. Soll ja keiner sagen, dass sie in irgend einer Form bestochen wurden … allerdings haben sie der einen Referendarin nichts da gelassen. Scheint auch wieder unterschiedlich zu sein.

    1. Eigentlich ist es normal, dass man wohl Geld hingelegt bekommt von der Kommission, da es sonst als Bestechungsversuch ausgelegt werden könnte. Mir ist das auch etwas viel insgesamt. Bei Nachbesprechungen machen manche ein richtiges Theater … bei mir gibt’s Wasser und Kaffee 😀 Das werde ich wohl auch später nicht ändern. Sie bekommen belegte Brötchen und Kaffee. Damit überlebt man einen Tag.

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