Veröffentlicht in Ausbildung, Ausbildungsunterricht, Planung, Referendariat

Vom Präventionskrieg und der Planung bis zu den Sommerferien

Ich bin inzwischen bei Herr Rickward in der Q1 eingestiegen und wollte mir nicht noch eine Gelegenheit entgehen lassen, meinen Unterricht endlich wieder regelmäßig zu reflektieren. Da die 9er noch im Praktikum sind, ergreife ich die Gelegenheit und erledige das in den ausfallenden zwei Stunden heute morgen 😉 (Was das Praktikum angeht: von einem Schüler, von den zweien die ich betreue, habe ich pflichtgemäß gehört, wenn auch die Kommunikation mit dem Betrieb nicht geklappt hat. Die andere Schülerin ist verschollen, obwohl ich sogar den Eltern eine Nachricht geschrieben habe, dass sie sich bitte melden soll. Mal sehen was das gibt.)

Nach den vielen negativen Rückschlägen im Ausbildungsunterricht, die ich über Elif mitbekommen habe, bin ich noch dankbarer dafür, dass mein AU, wenn er auch in Philo spärlich stattfindet, zumindest den normalen Abläufen von AU folgt. Man setzt sich vor der Stunde zusammen, hat zu dem Zeitpunkt schon hospitiert und kennt den ungefähren Lernstand der Schüler. Dann wird vom Ausbildungslehrer ein passender Schnitt im Thema genannt, zu dem man mit einem neuen Thema einsteigen kann. Das wird gemeinsam grob vorstrukturiert und man bespricht dann noch einmal die letztliche Stunde, zu der eingestiegen werden soll im Detail. Bei Elif war das bisher immer eher so in der Art von „Mach mal …“. Ihre AU-Lehrer haben sich nicht mit ihr getroffen, nichts zu ihren (zugegeben spät abgegebenen) Stundenplanungen gesagt und im Nachhinein alles als falsch angemerkt oder ihr gleich in die Stunde mit wedelnden Armen hineingerufen. Vor dem Kurs. Super Arbeitsklima.

Ich saß nun also mit Herr Rickward zusammen und plante die Einzelstunde am Donnerstag. Nach den Ferien waren sie mit dem Thema erster Weltkrieg eingestiegen und ich kam somit ‚gerade rechtzeitig‘ für die sehr gelungene Einführung von Herr Rickward. Hierbei wurde über eine Dokumentation zu Wilhelm II. ein personengeschichtlicher Zugang zum Thema aufgemacht, der sehr gut zu der Art passte, mit der auch vorherige Themen behandelt worden waren. Ich hatte in dem Kurs ja bereits Bismarck genauer behandelt und Wilhelm II. war eine Person, die sie bereits aus dieser Sequenz kannten. In der Stunde danach, sollten die Schüler sich je zu zweit zusammenfinden und arbeitsteilig aufschreiben, welche Stichpunkte ihnen zum ersten Weltkrieg einfallen oder welche Fragen. Das wurde dann ausgetauscht und ergänzt und letztlich in einer Mindmap gesammelt.

Diese Sammlung haben sie dann in wieder der darauffolgenden Stunde in einer Mindmap Strukturiert und zugeordnet und sich über einen allgemeinen Darstellungstext und eine Quelle zum Sarajewo Attentat mit der Überprüfung der Inhalte beschäftigt, die sie als Vorwissen nun schon zusammengetragen hatten.

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Auch wenn ich die meisten mit meiner ’schnell mitgeschrieben Handschrift‘ an der Stelle verlieren dürfte, ich habe so natürlich eine nette Gliederung für die zu bearbeitenden Themen mitgenommen, die auch noch von den Schülern auf Basis ihres Vorwissens erstellt worden ist.

Leider ‚zerstörte‘ Herr Rickward mir meinen angedachten Einstieg mit seinem Stundenabschluss, aber da wir über die nächste Stunde zu dem Zeitpunkt noch nicht geredet hatten, traf ihn da natürlich auch keine Schuld. Ich hatte vorgehabt über die bereits erarbeiteten Ergebnisse zu Bismarcks Außen- und Bündnispolitik in das Bündnissystem vor dem ersten Weltkrieg einzusteigen, da er ja die negative Ausgangslage und die Folgen davon bereits in den 80er Jahren des Jahrhunderts davor als „Albtraum der Koalitionen“ vorausgesehen hatte. Das hatten die Schüler sogar bei mir erarbeitet für den dritten UB.

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Von dieser angenommenen politischen Isolation kam es dann zu einer tatsächlichen, in der Deutschland eben nur noch mit seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn fest verbunden war.

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Da diese ganzen Vorgänge aber bereits zum Ende der Stunde geklärt wurden, wenn auch nicht ganz so umfassend, wie ich es geplant hatte, musste ich für die nächste Stunde einen neuen Schwerpunkt suchen. Herr Rickward fand die Idee aber gut und hätte die Verknüpfung der Themen als gewinnbringend eingeschätzt.

Die Stunde, die ich dann am Donnerstag zeigte, beschäftigte sich mit der Einstellung zum Krieg und dem deutsch-englischen Wettrüsten. Über eine Niederschrift vom Staatssekretär des Auswertigen Amtes über ein Gespräch mit Generalstabschef Helmuth von Moltke vom Juni 1914 stieg ich in die innenpolitische Perspektive auf den Krieg ein:

Unterwegs entwickelte mir Moltke seine Auffassung unserer militärischen Lage. Die Aussichten in die Zukunft bedrückten ihn schwer. In 2-3 Jahren würde Russland seine Rüstungen beendet haben. Die militärische Übermacht unserer Feinde wäre dann so groß, dass er nicht wüsste, wie wir ihrer Herr werden könnten. Jetzt wären wir ihnen noch einigermaßen gewachsen.

Es bleibe seiner Ansicht nach nichts übrig, als einen Präventivkrieg zu führen, um den Gegner zu schlagen, solange wir den Kampf noch einigermaßen bestehen könnten. Der Generalstabschef stellte mir demgemäß anheim, unsere Politik auf die baldige Herbeiführung eines Krieges einzustellen.

Die Schüler ordneten den Text ein und nannten auf die Frage, was denn hier für eine Perspektive vom Krieg deutlich wird folgende Punkte:

  • Angst vorm bald übermächtigen Gegner
  • Unsicherheit in Bezug auf die eigene (Macht-)Stellung
  • Planung für einen konkreten Kriegsfall
  • Bedürfnis Macht zu sichern
  • -> Wettrüsten als Folge der Einstellung

An der Stelle hätte ich vor der Erarbeitungsphase noch den größeren Zusammenhang deutlich machen müssen. Die Teile standen ein wenig ohne Überleitung nebeneinander und der Anschluss an die Stunde zuvor, in der ja das Attentat besprochen worden war, fehlte für die Schüler. Diese Einschätzung war nämlich vor dem Attentat abgegeben worden und zeigt ja bereits eine sehr deutliche Linie, was die Notwendigkeit des Krieges aus deutscher Sicht betraf.

Dann kamen wir zur Erarbeitungsphase. Die Schüler stellten fest, dass diese Stellungnahme in der Form niemals offiziell geäußert worden wäre. Somit wäre es interessant offiziellere Positionen zu untersuchen, um die Bedeutung und Signalwirkung des Wettrüstens, der Folge der politischen Positionen, besser einschätzen zu können.

Wir beschäftigten uns als mit der Rede von Bülow zum Thema, ob Deutschland „Hammer oder Amboss“ im 20. Jahrhundert sein will.

BPS05052017_0004.jpgDie Untersuchung der Quelle teilte ich in vier Hauptaspekte auf, die vier zufällig ausgewählte Schüler auf Folienschnipseln vorstellten. Nun ja, relativ zufällig, ich wählte eher stille Schüler, die sich (aus meiner Erinnerung) eher weniger beteiligten und hier einmal Leistung zeigen konnten.

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Problem bei diesem Vorgehen war dann aber, dass ich hierbei schwächere Schüler ausgewählt hatte und die Leistungsstärkeren so sehr früh fertig waren, nichts mehr zu tun hatten und die Schwächeren nicht nur die Aufgabe bearbeiten sollten, sondern auch noch alles zusätzlich auf den Folien verschriftlichten. Die Dynamik ist mir eigentlich bekannt, aber ich hatte vergessen, dass da ein paar sehr interessierte und fähige Schüler im Kurs sitzen, die meiner Einschätzung nach besser im Leistungskurs aufgehoben gewesen wären. Für die nächsten Stunden werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, dass sie sich nicht in den Arbeitsphasen langweilen und anfangen, sich übers Wochenende auszutauschen ^.^

Auch was die Sicherung der Ergebnisse anging, verhielt sich der Kurs ganz unterschiedlich. Einige schrieben bei der Erarbeitung schon ausführlich ihre Ergebnisse auf, ergänzten diese dann bei der Präsentation und kümmerten sich somit um die Vollständigkeit ihrer Unterlagen, andere (die Schnellen in der ersten Reihe) schrieben sich nicht einmal Stichpunkte auf, geschweige denn die Ergebnisse der anderen, konnten aber auf Nachfragen sinnvolle Ergänzungen der Punkte liefern und waren in den Plenumsphasen munter mit dabei. Da ich ja trotzdem sicherstellen muss, dass alle alle Ergebnisse haben, wird die Folie als Kopie noch einmal reingegeben und wenn ich das eh im Hinterkopf habe, sage ich die nächsten Male direkt vorher, wie die Sicherung aussehen soll. Selbstgeschriebenes bleibt dann eben doch besser ‚haften‘.

BPS05052017_0007 (2)Da die Arbeitsphase mit 20 Minuten plus Vorstellung sehr lange dauerte, schafften wir die Vertiefung und Diskussion leider nicht mehr. Der erweiternde Text wurde noch wahrgenommen, in dem es um die BPS05052017_0007 (3)englische Sicht auf die deutsche Flottenpolitik ging und wir hielten auch die wichtigsten Punkte an der Tafel fest, wirklich darüber Diskutieren konnten wir aber nicht mehr.

Meine eigentliche Vertiefungsfrage, die Beurteilung der Bedeutung des Wettrüstens als Ursache für den ersten Weltkrieg, wurde in knappen zwei Minuten am Schluss der Sitzung schnell noch eingeschoben. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache und wird zur nächsten Stunde auf jeden Fall noch einmal aufgegriffen.

Ich denke, dass es einmal Anfangsschwierigkeiten mit den Eigenheiten und dem Arbeitstempo des ’neuen‘ Kurses waren und eben die typischen Fehler, die man im Alltag immer mal wieder so macht. Was mich gefreut hat war, dass ich sehr nett begrüßt wurde, als ich die Stunde dann erstmals wieder vorne stand, was mir zeigt, dass die letzte Unterrichtseinheit gar nicht so schlimm gewesen sein kann 🙂

 

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