Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Konstruktive Kritik, Referendariat

Aus dem Tritt …

Im Moment läuft es nicht rund. Die Motivation fehlt stark und ich habe das Gefühl, als wäre der Kopf in Watte gepackt. Die Ideen wollen nicht so recht aus ihrer dunklen Ecke heraus und die einfachsten Hügelchen scheinen riesige Berge auf den ersten Blick.

Heute war ein Tag, der auf einen sehr unproduktiven gestern folgte und schon bescheiden begann. Mein Mann hatte irgendwie vergessen mich morgens zu wecken und so saß der Junge alleine auf dem Sofa, berieselt vom Kinderprogramm und ich schlief mit der Motte bis fast halb sieben, während er bereits um kurz nach sechs das Haus verlassen hatte O_o Wurde alles natürlich dezent knapp und stressig, aber ich kam pünktlich los. (Mit ungewaschenen Kindern, da das Frühstück auch nicht gemacht gewesen war. Wenn dann richtig …)

Die Stunden heute zogen sich ziemlich demotivierend dahin, es fiel nichts wirklich Negatives vor, aber ich hatte schon mal mehr Spaß im Unterricht. Die Schüler glaube ich auch. Vielleicht kam auch noch dazu, dass die Doppelstunde im Philo LK, in dem ich nun wieder nur hospitiere, doch durchaus ansprechend war und mir mein Unterricht dagegen eher stumpf vorkam. Hat der Terminator den Vergeltungstheorien einfach etwas voraus? Wer weiß … Ich hätte bestimmt noch ein tolles Beispiel für Kants Wiedervergeltung finden können … aber das mit der fehlenden Kreativität habe ich ja schon angesprochen.

In meinem Geschichtskurs danach kamen sogar Diskussionen auf. Das Thema polarisiert ja auch ordentlich. Wir sprachen über die Rechtfertigung der Sklaverei im 18. Jahrhundert in den (frisch) Vereinigten Staaten. Da ich zu dem Thema sehr viel in der Uni gemacht habe, konnte ich doch einiges an „Spezialwissen“ einstreuen und die Schüler waren durchaus interessiert. Der Fall Scott <> Sandford (eigentlich Sanford) diente als Erläuterung zum Menschenbild und der autobiographische Bericht von Salomon Northup schilderte eindrücklich, worum es beim ‚Tatbestand Sklaverei‘ eigentlich ging.

Aber die Stunde riss meine Laune nicht mehr raus. Ich hatte mich kurz vorher mit Herr Rickward wegen der Q1 Stunde morgen besprochen. Der Krieg soll zu seinem Ende kommen und die geeignetste Quelle dafür schien die Erklärung zum Lagebericht der OHL, die nach ewig langen Durchhalteparolen und vielen militärischen Fehleinschätzungen und -Entscheidungen nun doch auf Waffenstillstand drängte. Mein müdes Hirn hatte gestern einen Plan für die Stunde zusammengeschustert, was gefühlt ewig dauerte.

Als ich Herr Rickward meinen Plan vorstellte wurde wieder deutlich: Gutes Material, falsche Reihenfolge. Ich weiß nicht wo der Wurm gerade drin sitzt, aber er hat sich festgebissen. Joa, das KÖNNTE man so machen. Ob ich schon mal über eine umgekehrte Reihenfolge nachgedacht hätte. Schon wieder -.- Das Pferd von hinten aufgezäumt.

Ich hatte mit dem Frieden von Brest-Litowsk einsteigen wollen.

Europa 1918.PNG
The History of the World – Every Year (Sehr sehenswert, wer das noch nicht kennt.)

1918 hatte es Anfang des Jahres ja durchaus gut für das Kaiserreich ausgesehen und die Schüler sollten durch diese Momentaufnahme vom März etwas in die Perspektive von deutscher Seite im letzten Kriegsjahr versetzt werden.

BPS07062017_0001.jpg

Das kontrastiert mit der Einschätzung ‚wir können keinen Tag länger und hätten am besten gestern schon Frieden geschlossen bevor wir überrannt werden‘, sollte für einen ordentlichen Problemaufwurf reichen. Tut es auch.

Aaaaaber: Warum ich das Epochenjahr 1917 als Abschlussphase geplant hätte, will Herr Rickward wissen. – Weil da alle Fäden der letzten Stunden dann zusammen laufen. – Ja, richtig. Wo setzt die nächste Stunde denn dann an? – Friedensverhandlungen – Versailler Vertrag. – Würde sich da nicht ein Fazit zur Situation am Kriegsende eher eignen? Und das Epochenjahr für den Anfang, da dann direkt die letzten Stunden präsent sind? – Recht hat er …

Ich hätte wie in der Doppelstunde da gestanden und im Einstieg bemerkt, dass ich die Stunde besser andersrum aufgezogen hätte. Der Rest ist wie immer gut, das Material sehr brauchbar. Am und mit dem Problem arbeiten wir/ich noch *seufz*

 

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10 Kommentare zu „Aus dem Tritt …

    1. Nächstes Jahr würde ich dir wohl zustimmen, aber dieses heißt Ferien Examensvorbereitung ^.^ im Moment denke ich eh nur bis zum nächsten UB. Wird alles … irgendwie.

    1. Danke, das ist sehr lieb 🙂 Es kommt kein totaler Mist bei rum, das beruhigt mich immerhin. Aber ‚guter Unterricht‘ im Sinne des problemorientierten Geschichtsunterrichts leider auch nicht so recht. Hoffen wir, dass die Lernkurve bald steil ansteigt. (Wobei ich fürchte, dass ich letztlich alles zumindest einmal unterrichtet haben muss um wirklich einen Plan zu entwickeln.)

  1. Hm – als ich das gelesen habe, dachte ich, so ähnlich ist die Schul-Stimmungslage bei meinem Großen. Und bei mir als Mutter auch. Du bist ferienreif! Irgendwie beruhigend, dass das bei Lehrern auch so ist 😉!

    1. Und ist es nicht eine schlimme Aussicht, dass es noch fünf Wochen bis dahin sind?! Die Zeit kann wirklich lang werden. Besonders wenn es beiden beteiligten Seiten unmöglich ist, ohne das Motivationstief aufeinander zu treffen. Da sieht man einmal mehr, wie empfindlich das Zusammenspiel der Kräfte im Klassenzimmer ausfällt.

      Aber ja, wie heißt es so schön? Lehrer sind auch nur Menschen 😉

  2. Dinge, die man im Ref lernen muss: nicht jeder Stunde kann/muss perfekt sein mit 100 Special Effects. Die Aussage kam sogar von meiner Seminarlehrerin. Soll heißen, dass du nicht jede Stunde ganz toll planen kannst und sollst. Klar soll im Idealfall alles problemorientiert sein, geht aber nicht immer. Und bei der Menge an Stunden, die man irgendwann unterrichtet, geht das am Anfang auch gar nicht.

    1. Das ‚Masse‘-Argument lasse ich für mich zwar zu, aber wenn ich nur wenige Stunde die Woche habe, dann sollten die, die ich als problemorientierte Stunden bewusst planen will doch auch ein Problem in strukturierter Form aufweisen. Das ist das was mich nervt. Dass es nicht immer funktionieren kann, ist mir zwar theoretisch bewusst (und wir praktisch auch immer wieder deutlich gezeigt), aber wenn Mühe und Gedanken reingesteckt werden, will ich auch dass was dabei rum kommt.

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