Veröffentlicht in Ausbildung, Ausbildungsunterricht, Konstruktive Kritik, Prüfung, Referendariat

5. UB Geschichte

Oder alternativ: Na also, geht doch!!! Der letzte UB ist geschafft und so chaotisch, wie es sich die Reihe vorher andeutete wurde er zum Glück bei weitem nicht. Die Zeit bis dahin wurde trotzdem wieder etwas lang und bis zum Schluss war ich ein wenig am Zittern, dass sich diese verquere Art aus den Stunden zuvor fortsetzen würde.

Das Wochenende vorher war ja glücklicherweise ein langes – das wurde dementsprechend auch gut genutzt. Wenn man schon ackern muss, kann man es auch in der Sonne tun. So zumindest meine Devise, als es noch so schön warm war. Ich habe es somit geschafft, eine angenehme Bräune zu erhalten. Anfang der Woche sprach ich noch mit einem anderen Refi, der eine Stunde zur Nachhaltigkeit des Versailler Vertrages andachte (Fördert der Friedens-Vertrag tatsächlich den Frieden?) für seinen fünften UB und einen Tag später kam ich mit Herr Rickward überein, dass ich wohl letztlich beim gleichen Thema landen würde. Allerdings in der Vorbereitungssitzung zu dieser abschließenden Bewertungsfrage – bei der Erarbeitung der Positionen der beteiligten Siegermächte, die den Vertrag aufgesetzt hatten. Ich biss gedanklich in die Tischkante.

Genau aus diesem Grund hatte der andere Refi seine UB Stunde in den zweiten Teil der Doppelstunde geschoben. Reine Erarbeitung ist nichts, was man im UB sehen mag und er wählte sich die zweite Hälfte, um die Beurteilungsebene zeigen zu können. Ging bei mir nicht, da meine Stunde eine Einzelstunde war. Umdenken also angesagt. Wie bekommt man für die Perspektiven der Siegermächte eine Beurteilung zustande? Hier das Ergebnis:

Ich war ein wenig fahrig den Tag. Trotz meines eigentlich immer noch stabilen Nervensystems, bringt einen das dauerhafte Rotieren schon an die Grenzen. Es hatte so viel zu planen gegeben, dass ich eine Stunde eher kam, um den Kursraum vorzubereiten, alles aufzuhängen, am PC/Beamer aufzurufen, Material vorzuverteilen, zusammenzustellen, etc. Herr Rickward, der in seiner unglaublichen Weitsicht, im Vorfeld direkt seinen LK, der den Raum vorher belegt hätte, umgeplant hatte, damit ich da in Ruhe werkeln konnte, nickt mir nur kurz zu: „Das wird alles gut laufen, machen Sie ganz ungestört alles fertig.“ Danke ❤ Und mittendrin stand mein Schulleiter plötzlich vor mir und teilte mir mit, „dass sich Termine manchmal ändern;“ er hätte nun doch Zeit und bräuchte noch einen Entwurf. Klar, machen wir alles mit Links >.<

Zu Beginn der Stunde hatte ich also:

  1. Den Raum gelüftet.
  2. Stühle und Tische platziert.
  3. Tafel geputzt.
  4. Den Beamer angestellt.
  5. Alle Dokumenten der Reihe nach, wie sie in der Stunde benötigt wurden, am Laptop aufgerufen.
  6. Material für die Einzelarbeit (umgedreht) auf den Tischen verteilt.
  7. Material für die Gruppenarbeit in die Folientaschen sortiert.
    1. Folien für die Gruppenarbeit
    2. Arbeitsanweisungen
    3. Klebepunkte für jedes Gruppenmitglied
    4. Folienstift
  8. OHPs (der Raum besitzt normalerweise drei, zwei waren da) ausprobiert, sichergestellt dass sie laufen und positioniert.
  9. Plakat mit Magneten an der Tafel befestigt und Arbeitsauftrag daneben gepinnt.
  10. Impulszettel/Folienstifte/Ersatzfolien(für Beamer-Ausfall)/Stundenverlaufsplan bereit gelegt.

So kam es dann auch, dass ich schon zur Beginn der fünf Minuten Pause die Tür schloss, da ich wegen der Anwesenheit des (gesamten!) Kurses – die Schüler hatten wohl direkt bei den anderen Kollegen um pünktliches Ende der ersten Stunde gebeten – irgendwie sogar die Startzeit der Stunde gedanklich verwechselte, direkt das Zitat aufrief und erst beim Seitenblick auf meinen Schulleiter, der schmunzelnd meinte, dass wir ja eigentlich noch Zeit hätten, bemerkte, dass das etwas zu früh war. Gut, kein Problem, Beamer nochmal für 3 Minuten aus.

Wir stiegen mit einem Zitat von Scheidemann ein.

Scheidemanns Ansprache vor der Verfassungsgebenden Nationalversammlung

12. Mai 1919.

Ich frage Sie: Wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt?

(Lebhafter Beifall)

Und dabei sollen wir die Hände regen, sollen arbeiten, die Sklavenschichten für das internationale Kapital, Frondienste für die ganze Welt leisten?

Am 20. Juni 1919 trat er offiziell zurück.

Natürlich war ich so auf die Ergebnisse, die ich hier erwartete fixiert, dass ich total vergaß darum zu bitte, das Zitat erst einmal vorlesen zu lassen. „Ordnen Sie das Zitat formal und inhaltlich ein.“ Alle fangen an das Zitat für sich zu lesen und ich merke, hier passt etwas nicht. „Ok, stopp.“ Ich entscheide mich direkt den Fehler anzugehen und unterbrach. „Ich habe da etwas vergessen. Würde jemand das Zitat erst einmal vorlesen. – Aber bitte mit Betonung!“ Sofort sind die Hälfte der Finger oben, ich wähle meinen kleinen Querdenker, von dem ich weiß, dass er sich hervorragend aufs Schauspielern und Darstellen versteht. Wir bekommen Scheidemann ‚mit Effet‘ vorgelesen und ab da läuft es.

[Ich ergänze in dieser Reflektion einmal die Inhalte, die ich im Entwurf auch als erwartete Ergebnisse angegeben habe und stelle die, die nicht gekommenen sind kursiv dar.]

Formal

  • SPD Politiker
  • Demokrat/Sozialist (Vokabular)
  • 1. Ministerpräsident unter Ebert
  • Spricht sich in einer politischen Rede …
  • gegen die Annahme des Vertrages aus

Inhaltlich

  • Fessel & Sklaverei: Beschränkung der Freiheit/Selbstbestimmung
  • Internationales Kapital: Besonderheit in der sprachlichen Darstellung / politisch links
  • Frondienste (eventuell Verständnisproblem) – schmachvolle, nicht entlohnte Arbeit
  • Deutschland als Diener/Unterdrückte der ganzen Welt
  • Mit Zwang herbeigeführt – „sollen“
  • „verdorren“ – handlungsunfähig, Selbstverstümmelung, Entzug der Lebensgrundlage
  • Ehrlich & vertragstreu: man ist sich bewusst, dass man die Bedingungen nicht einhalten kann
  • Zusatz: Historische Kontextualisierung von Vertrag, Ereignissen davor und danach.

Die etwas dürftigen Ergebnisse der formalen Analyse hatte ich einer Schülerin zu verdanken, die am Anfang sowas von ins Straucheln kam bei ihrer Antwort, dass auch alle anderen merkbar einige Sekunden brauchten, um Ansatzweise nachzuvollziehen, was sie da nun eigentlich gesagt hatte. Dadurch vergaßen sie dann aber, noch auf die formalen Aspekte einzugehen und der Punkt ging unter. War jetzt aber auch nicht sooo wild.

Es kam ziemlich schnell die Frage auf, inwieweit sich die ganze Aufregung denn nun wirklich lohnte, die bei Scheidemann wahrzunehmen war. Genau wie erwartet, kam die Frage nach den Bedingungen, die diese Reaktion provoziert hatten und ich konnte auf das vorher verteilte einzelne A5 Blatt mit den Forderungen verweisen, das umgedreht auf den Tischen vor den Schülern lag. (Manchmal haben die Stunden dann doch was von ‚Zaubershow … wurde im Verlauf auch nicht weniger ^.^)

Forderungen des Versailler Vertrages an Deutschland, vom 28. Juni 1919.

  • Anerkennung der Urheberschaft des Krieges und seiner Folgen
  • Ausschluss aus dem Völkerbund
  • 13% des deutschen Reichsgebiets werden abgetreten
    • Einige direkt bei Unterzeichnung verloren
    • Andere durch Volksabstimmungen noch zu entscheiden
  • 10% der Bevölkerung geht verloren
  • Kolonialbesitz geht in die Hand des Völkerbundes über
  • Berufsarmee auf max. 100.000 Mann reduzieren
    • Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft
    • Militärische Vereine verboten
  • Marine auf 15.000 Mann reduzieren
  • Verbot von Luftwaffe oder schweren Waffen (U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe)
  • Entmilitarisierung des Rheinlandes und eines 50km breiten Streifens östlich des Rheins
  • Reparationsleistungen
    • 1. Rate = 20 Milliarden Goldmark bis April 1921
    • Waren-/Rohstofflieferungen
  • Handelsflotte reduziert / Schifffahrtswege für international erklärt / Zollunion mit Luxemburg aufgelöst

Die Schüler bekamen den Auftrag, diese Forderungen mit ihrem Nachbarn hinsichtlich des ‚Empörungs-Potenzials‘ zu besprechen und in Kategorien eingeteilt wiederzugeben, auf welche Bereiche sich dieselben nun bezogen.

Kategorienbildung: Militärisch, Wirtschaftlich, Geographisch/Territorial, Politisch

  • Starke wirtschaftliche Einschränkungen/Beschneidungen
    • Abgabe der Industrie – Arbeitsplatzverluste / Verringerung des Exports /fehlende Rohstoffe für heimische, weiterverarbeitende Industrien = Erhöhung der Angewiesenheit auf Import
    • Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung
    • Verringerung des allg. Wohlstandes
  • ‚Verlust‘ des Militärs – Schutzlos / keine Möglichkeit mehr international ‚mitzuspielen‘ / Arbeitslosigkeit
  • Verlust der Kolonien: Prestigeverlust / Verlust von ‚Absatzmärkten‘
  • Handel/Zoll: Schwierigkeiten mit Im- und Export / trifft Deutschland gerade beim Export empfindlich / Nachteil für deutsche Waren
  • Reparationszahlungen: gerade nach dem Krieg nicht leistbar / nimmt dem eigenen Land dringend benötigte Rohstoffe
  • Ausschluss aus der internationalen Gemeinschaft + Kriegsschuld = Außenseiterstatus
  • Aufregung Scheidemanns nachvollziehbar
  • Aber: Deutschland ist Kriegsverlierer – Die Bedingungen sind also ‚normal‘/‚üblich‘?

Auch hier kam größtenteils genau das, was ich erwartet hatte. Als ich nach dieser Besprechung dann fragte, ob wir uns denn nun bereits ein Urteil darüber erlauben konnten, dass die Empörung Deutschlands über diese Forderungen gerechtfertigt sei, hielt ich innerlich den Atem an. War die Problemorientierung gelungen? Und die Schüler lieferten 🙂 „Nein, natürlich nicht. Wir kennen ja nur die Perspektive Deutschlands, wir müssen uns auch die Gegenseite anschauen, um die Intention hinter den Forderungen klar zu bekommen.“ Ein tiefes Durchatmen meinerseits, als ich mich zum Laptop herumdrehte.

„Und genau das wollen wir uns heute anschauen.“ Erklärte ich erleichtert und … vergaß mal wieder den Problemaufwurf anzuschreiben. *seufz* Ein gravierender Fehler, aber der einzige dieser Art für den Rest der Stunde. (Mal sehen, wann das endlich hängen bleiben wird … )

Es folgte die ausführliche Erklärung der Arbeitsphase. Jeder hatte ‚zu Hause‘ einen Text zu einem der Verhandlungspartner bearbeitet und vorbereitet. Ich betone hier ‚zu Hause‘, weil ich natürlich das Risiko, dass die Texte NICHT gelesen werden, nicht eingegangen bin und die Stunde vorher eine viertel Stunde eher Schluss gemacht habe, die ‚Hausaufgabe‘ austeilte und alle bat zu lesen und zu bearbeiten. Nein, ich hatte keine schlechtes Gewissen ^.^ Der Grund, warum diese vorentlastende Textarbeit geleistet werden musste, lag natürlich mit dem Blick auf die Urteilsebene auf der Hand. Ich konnte einfach nicht die inhaltliche Erschließung einbeziehen, da dies eine eigene ‚Stunde gewesen wäre, die aber Anforderungsbereich drei nicht erreicht hätte. Vielleicht wenn man irgendwann mal Doppelstunden zeigen darf.

Hier einmal die Arbeitsblätter zu den Politikern:

Wilson

GeorgeClemenceau

Nachdem ich nun also sicher sein konnte, dass alle vorbereitet zur Stunde erschienen waren, wies ich die Textpartner an, sich in einer zweiminütigen Murmelphase über ihre Ergebnisse auszutauschen. Ich hatte die Zettel nämlich so verteilt, dass immer zwei mit dem gleichen nebeneinander saßen. Danach hatten sie den Auftrag sich jeweils mit je einer anderen Position zusammenzufinden, so dass wir letztlich sieben 3er Gruppen bilden konnte, in der jede Position einmal vertreten war. Dabei sollten die Schüler die Perspektive ihres Politikers übernehmen und in die Verhandlungen zum Vertrag eintreten. Wären sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen oder hätten sie lieber mehr/weniger gefordert? 

In jeder der vorbereiteten Folienmappen, die ich an die Schüler rausgab, sobald sich ihre Verhandlungsgruppe zusammengefunden hatten, befand sich eine Tabelle, in der jeweils eine Position markiert war. Diese sollte von ihnen für die Präsentation dargestellt werden. Die gesamte Tabelle von jeder Gruppe ausfüllen zu lassen, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Tabelle

Darüber hinaus sollte jeder, sobald er*sie das Gefühl hatte die Positionen der Sieger eindeutig verstanden zu haben, dieselben in dem Plakat an der Tafel zuordnen. Hierfür hatten sie symbolisch für jeden Politiker einen farbigen Klebepunkt in den Mappen liegen.

Alle machten sich sofort ans Diskutieren, glichen die Ergebnisse ab und waren sich deutlich bewusst, dass sie nun wirklich jeder einzeln gefordert waren, um den anderen die jeweiligen Inhalte zu vermitteln. Schüleraktivierung 100% 😀 Mein Fachleiter lobte später, dass es mit eine der elegantesten Arten von Hausaufgabeneinbindung in die Stunde gewesen wäre, die er je gesehen hat O_o Auch der Auftrag sich am Plakat zu positionieren, funktionierte (fast) reibungslos. Es wurde etwas eng, als alle gegen Ende der Arbeitsphase vorne standen, aber das Ergebnis fiel wie erwartet aus.

20170630_221657.jpg
Nicht die beste Qualität … gelb – Clemenceau, grün – George, rot – Wilson.

Ab dem Zeitpunkt hatte ich mein Minimallernziel bereits erreicht.

Die SuS erkennen den Zusammenhang zwischen den individuellen Haltungen von Großbritannien, Frankreich sowie den USA und des Umfangs der Forderungen des Versailler Vertrages. -> Check.

Es folgten die Präsentationen der Ergebnisse, wobei die Schüler in der Phase dann sogar die Fehler oder Ungenauigkeiten der präsentierenden Gruppen eigenständig ergänzten und verbesserten. Ich brauchte nur in Ansätzen moderieren und war tatsächlich komplett ‚raus‘ aus dem Großteil des Stundenverlaufs. Einmal passierte es doch, dass ein Schüler vorne noch stand, als durch eine Nachfrage eine Diskussion begann, die ich nicht sofort kürzte und er somit diesen ‚bestellt und nicht abgeholt‘ Status für zwei Minuten einnehmen musste, aber das war noch im Rahmen. Alle Beiträge wurden wahrgenommen, gewürdigt und rund abgeschlossen.

Wirklich unschön in dieser Phase war das Versagen der Technik. Trotz doppelt vorhandenem OHP, fielen beide auf ihre ganz eigene Art aus. Der eine war schon berüchtigt dafür, dass er immer nach einigen Minuten überhitzte und sich ausschaltete, weswegen ich das zweite Modell zum Einsatz hatte bringen wollen. Dieses fing aber nach kurzer Nutzung so dermaßen an zu Fiepen und Surren, dass man den Vortragenden fast nicht mehr verstehen konnte. Irgendwann griff ich genervt ein und tauschte das Geräuschungetüm aus. Natürlich versagte der defekte Hitzeschalten dann noch während der Präsentation, so dass wir wieder auf die Geräuschbelästigung zurückgreifen mussten. Da der Schulleiter mit hinten drin saß, wurde das UMGEHEND an die richtige Stelle nach der Stunde weitergeleitet 😉

Da das Problem der Bewertung der deutschen Position und Reaktion zu den Forderungen des Versailler Vertrages sehr deutlich allen vor Augen schwebte – auch wenn es nicht an der Tafel stand – ging es nach einer kurzen Stellungnahme zu den Ergebnissen des Plakates auch direkt zur Beurteilung über. War die deutsche Reaktion nun gerechtfertigt oder nicht?

Es zeigte sich, dass es hier zwar recht unterschiedliche Meinungen gab, aber durch die visuelle Unterstützung kam ziemlich schnell doch das antizipierte Ergebnis dabei herum. Es wurde sogar der von mir im Entwurf genutzte Stundentitel 1:1 genannt: Hätte es schlimmer kommen können? – Beurteilung von Potenzial und Risiken des Versailler Vertrages durch die Einordnung der politischen Positionen und Interessen der alliierten Siegermächte.

Ein Schüler meldete sich, nachdem in den vorherigen Meldungen doch noch einmal kurz die zu repräsentierende und beurteilende Perspektive verwechselt worden war (‚Frankreichs Forderungen wären doch eh ungerecht gewesen …‘ – ‚Aufpassen worüber jetzt geurteilt wird, wir wollen nicht beurteilen, ob Frankreich berechtigt war die Forderungen zu stellen, sondern ob die deutsche Reaktion angemessen gewesen ist.‘), verwies auf das Plakat und meinte ganz empört: „Also, wenn man sich das da so anschaut, das hätte doch noch viel schlimmer kommen können, wenn man sich Frankreich so anguckt. Auch wenn die Forderungen hart waren, Deutschland hatte schon ‚Glück‘, dass sich nicht die Franzosen bei den Verhandlungen bedingungslos durchsetzen konnten … vielleicht hätte es Deutschland so nicht mehr gegeben, wie wir es kennen.“

Hach ja … schön ists, wenn ein Plan funktioniert. 😀

Für die angedachte Vertiefung, die die Ursache der deutschen Haltung noch besprochen hätte, war dann aber keine Zeit mehr. Ich beschloss, das als deutliches Schlusswort stehen zu lassen und beendete die Stunde 1 1/2 Minuten vorm eigentlichen Ende. Das Maximalziel (Die SuS formulieren eine Einschätzung der Rechtmäßigkeit sowie der Ursachen der negativen Reaktion von deutscher Seite aus auf diese Forderungen.) wurde dadurch zwar nur teilweise erreicht, aber die Ursachen hatte ich eh als didaktische Reserve angegeben und konnte damit sagen, dass der Stundenplan genau aufgegangen war.

Die Oberste Heeresleitung (und mit ihr auch die deutsche Öffentlichkeit), die sich schlicht auf Wilson und sein Friedensprogramm verlassen hatte und somit total vor den Kopf gestoßen war, als dann die viel härteren Forderungen gestellt wurden, blieben in der Stunde außen vor.

Lagebeurteilung der OHL

Am 29. September 1918 forderte die OHL – für die deutsche Öffentlichkeit völlig überraschend – sofortige Waffenstillstandsverhandlungen und gestand somit erstmals die deutsche Niederlage ein. Aus den Tagebuchnotizen des deutschen Offiziers Albrecht von Thaer vom 1. Oktober 1918:

 

Deshalb habe die O.H.L. von Sr. M. und dem Kanzler gefordert, dass ohne jeden Verzug der Antrag auf Herbeiführung eines Waffenstillstandes gestellt würde bei dem Präsidenten Wilson von Amerika zwecks Herbeiführung eines Friedens auf der Grundlage seiner 14 Punkte.


Um diesen sehr langen UB Bericht nun auch zu seinem Ende zu führen, kann ich nur sagen, dass ich meinen Geschichtsfachleiter noch nie so zufrieden erlebt habe. Ich hatte wirklich Mühe, mir für die Nachbesprechung Kritikpunkte ‚aus den Fingern zu ziehen‘, denn es hatte ja alles geklappt. Aber … ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem den 7 minütigen Vortrag mit Kritik zur Stunde hinbekommen hätte. Mein FL meinte an Schluss ganz empört, dass er ja wohl keine andere Stunde gesehen hätte, als ich gerade versuchen würde darzustellen und dass ich nicht so kritisch sein dürfte. ‚Tschuldigung … das ist das was man/Sie uns beigebracht haben.

Ich befinde mich also in der glücklichen Position, meine (insgesamt für beide Fächer) zehn absolvierten UBs mit einer 1 abschließen zu können.

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4 Kommentare zu „5. UB Geschichte

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