Veröffentlicht in Ausbildung, Konstruktive Kritik, Prüfung, Referendariat

Die Vornoten fürs Examen

Im Examen setzt sich die letztendliche Note zu je 50% aus den Leistungen vorher sowie den Ergebnissen des Prüfungstages zusammen. Das bedeutet, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem 50% meiner Note bereits feststehen. Die Findung dieser 50% hat aber eine kleine Geschichte mit sich gebracht, die ich gerne festhalten würde.

Wie ich beim Beitrag 5. UB Geschichte schon erwähnte, war mein Fachleiter sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich persönlich auch, hatte aber in dem Moment noch keine Zeit, mich direkt mit dem Gezeigten auseinander zu setzen, da der UB mitten im Schultag gelegen hatte und ich erst einmal gleich in die nächste Stunde zu meinen 6ern huschte.


Als Einschub: Die sind ja wirklich goldig 🙂 Ich erwähnte irgendwann, dass sie ja wissen würden, dass ich ’nur‘ Referendarin bin (eine Info die, als sie bekannt wurde, mit sehr viel Erstaunen aufgefasst worden war – „Wir dachten Sie wären eine ‚echte‘ Lehrerin!“ – „Danke 😀 „). Und dass ich im Oktober im neuen Schuljahr meine Prüfung machen würde und ich da natürlich auch Klassen bräuchte, die mit mir die Prüfung überstehen.

„Das können wir machen! – Wir sind wirklich gut darin, Frau X und Frau Y haben auch ihr Examen mit uns gemacht! – Oh und Herr Z auch. – Neee, das war nur ein UB.“

„Ihr seid ja richtige Examensprofis“, musste ich erstaunt feststellen.

„Ja! Die haben auch alle bestanden!“ wurde mir zufrieden mitgeteilt.

Erschrocken kam der Nachsatz: „Gehen Sie danach dann etwa auch weg?!“

„Ich fürchte, dass das sehr wahrscheinlich ist.“ stellte ich bedauernd fest. „Für meine Fächer besteht hier kein Bedarf an der Schule.“ (Also, offiziell nicht – Herr Drüppert ist ja eine ganz eigene Geschichte …)

Betretene Gesichter und einige regten sich auf, dass ‚immer die guten Lehrer‘ gehen würden.  Ich erklärte ihnen dann noch, dass sie offiziell nach den Ferien einen anderen Lehrer bekommen würden, ich dann aber den Unterricht bis zur Prüfung weiter übernehme. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich Frau Klaus in der Klasse dann wiedersehen werde.


Nachdem meine Stunden dann alle durch waren, hatte ich mich eigentlich an die Reflektion der UB Stunde setzen wollen, bevor ich zum Seminar fahren musste, aber die Motivation verließ mich vollständig. Es war fürs erste vorbei! O_o Und es wollte mir kaum etwas einfallen, was ich tatsächlich kritisieren konnte. Also trank ich einen Kaffee mit den neuen Refis, deren Bekundungen, dass sie wirklich gerne mit mir tauschen würden ihr übriges dazu beitrugen, dass ich mehr und mehr entspannte. Vorbei 🙂 Eine wirkliche Pause bis zum Examen.

Beim Seminar, wo wir uns einen Vortrag zu Depressionen anhörten (auf Grund des Vorfalls letzten Jahres) von einem Dozenten der uns offensichtlich mit medizinisch-psychologischen Studenten verwechselte, versuchte ich also die Kritikpunkte an der Stunde aufzuzählen, während Informationen über die Veränderung des Stoffwechsels in depressiven Phasen an mir vorbeiwaberten.

Ich verließ den Vortrag eher, da mein Fachleiter mich direkt am Seminarort zur Nachbesprechung treffen wollte. Und da Seminarzeiten eigentlich ‚heilig‘ sind, hatte ich offiziell einen Betreuungsnotfall bei den Kindern aufzufangen. Was dazu führte, dass wir uns heimlich einen der weit vom Sekretariat gelegenen Räume schlichen ^.^ Aber das nur am Rande.

Kritik an der Stunde konnte man insofern üben, als dass der Plan eben ’nur‘ aufgegangen war und die Reserve und somit die Vertiefung nicht folgte. Auch hatte ich in der Erarbeitungsphase zu lange Zeit gegeben, welche natürlich am Ende für die Diskussion besser genutzt gewesen wäre. Bei der Präsentation hat ein Schüler kurz noch vorne gestanden, während seine Mitschüler etwas diskutiert hatten, was zur Unterbrechung seiner Präsentation führte und ihn untätig vorne stehen ließ. Und die Perspektivübernahme, welche als historische Methode ja explizit eingeübt werden sollte, hat nicht bei allen Schülern geklappt, da sie am Schluss dazu tendiert hatten, die Rechtmäßigkeit der französischen Forderungen zu beurteilen und nicht die der deutschen Reaktion auf den Vertrag.

Meckern auf hohem Niveau, wenn es nach meinem Fachleiter geht. Er meinte ganz entrüstet, dass ich das doch nicht so negativ sehen solle, die Stunde wäre hervorragend gelaufen. Seine Punkte, die sich dann wie der berüchtigte ‚warme Sommerregen‘ ergossen waren:

  • die Stunde war durchdacht, organisiert, gut geplant
  • hohe Schüleraktivität
  • Lernumgebung optimal vorbereitet
  • Lernstand: Zitat sofort kontextuell eingeordnet, Blick aufs Ausland vorhanden, zeitlich eingeordnet, Gelenkstelle (Forderungen) erkannt
  • ‚eine der elegantesten Einbindungen von Hausaufgaben in eine Stunde die er je gesehen hat‘ O_o :mrgreen:
  • Diskussion in den Gruppen angeregt und vertieft
  • klare Arbeitsaufträge und Strukturen
  • tolle Visualisierungen von Arbeitsaufträgen und Meinungsbild des Kurses
  • Beurteilung/Begründung ‚harter Friede‘ durch Schüler gelungen
  • Stunde ohne Leerlauf
  • Nachhaltiges Lernen: Sinn hinter Hausaufgabe erkannt – Ich brauche die Hausaufgabe um mich in der Stunde einbringen zu können / Arbeitsaufträge für die nächsten Stunden erkannt „Wir müssen da noch Folgen der Forderungen klären.“
  • Methode, Sozialform und Arbeitsform gut verbunden

Er war glaube ich genauso überrascht wie ich von seinem eigenen Lob ^.^ Denn mein Geschichtsfachleiter wäre nicht mein Geschichtsfachleiter, wenn er sich jetzt tatsächlich EINDEUTIG auf eine Note festgelegt hätte. (Der Grund, warum mein Philosophiefachleiter mich ins Examen begleitet.)

„Das heißt die Stunde war …?“ fragte ich vorsichtig nach.

„Ja, also das wäre eigentlich eine Eins.“ setzte er an. „Aber … im Examen … Also, Sie haben hier ja nicht die Auswerttiefe der Materialien in der Stunde voll ausschöpfen können. Das war ein Risikoschritt, der zwar hier geklappt hat, aber die Schüler müssen schon sehr viel vorweg leisten und wenn sie es nicht tun, ist es ein Leerschritt in der Stunde. Und die Ergebnisse sind schlecht überprüfbar.“

„Richtig, wobei wir ja in den Tabellen die Darstellung der Positionen gesehen haben und dort schon deutlich wurde, was verstanden worden ist und was nicht. Was in dem Fall der Stunde ja doch tiefgreifend gewesen ist, da die Schüler in der Lage waren sich selbst zu korrigieren über das Plenum, als ungenaue Ergebnisse in der Präsentation auftauchten.“

Er nickte. „Ja, richtig. Aber die historische Kontextualisierung hätte einfach noch mehr hergestellt werden müssen. Man KANN es aus den Äußerungen schließen, aber es muss thematisiert werden. Im Examen sollten Sie so eine Stunde nicht zeigen, das könnte dann nur eine Zwei sein, je nachdem, wer in der Kommission sitzt.“

*seufz* So ist das. Ich hakte den Punkt ab.

„Und wie sieht es mit meiner Vornote aus? Wie gehe ich von Ihrer Seite aus ins Examen?“ wollte ich dann wissen.

„Ja, also, Sie waren bei mir ja eher immer die Dreier-Kandidatin.“ Ich bekam große Augen. „Da muss ich mal in mich gehen, ob das nun noch eine schlechte Zwei wird … Wir haben ja das Problem mit den ganzen Noten. Früher war es einfacher, als wir noch Tendenzen angeben konnte, aber jetzt muss man da schon genau schauen, wo man einen Kandidaten einordnet.“

Ich war ein wenig geplättet. Ja, der blöde zweite UB war eine Sechs von seiner Seite aus gewesen (wobei erster und zweiter nicht mit Noten bedacht werden dürfen). Aber auch der führte nur zu einer Drei in der Zwischennote. Und sowohl der dritte, als auch der vierte UB waren eine Zwei gewesen, wenn auch mit Dreiertendenz im vierten UB, wegen der fehlenden Diskussion am Schluss. Und nun war es eine Einser Stunde, die das ganze abschloss und er sah maximal die Möglichkeit zur schlechten Zwei?!

Leider reagierte ich in der Nachbesprechung nicht mehr darauf, da ich mir selbst unsicher war, ob er nicht Recht hätte. Er klang zumindest ziemlich überzeugt und dementsprechend beließ ich es bei ungläubigen Blicken. Aber es rumorte doch weiter. Letztlich schrieb ich ihm am Wochenende danach eine Mail, da auch Maite mir noch einmal bestätigte, dass die Vorbenotung „den Grad der Erreichung der einzelnen Kompetenzen zum Beurteilungszeitpunkt bezeichnet“. (<- Offizielle Vorgaben aus den Hinweisen für Langzeitbeurteilungen vom ZfsL, Maite hat was die Vorgaben angeht absoluten Durchblick.) Was bedeutet, dass man die Noten nicht arithmetisch mitteln darf, sondern eher das Maximum des Könnens und die Nachhaltigkeit desselben in den Fokus rückt. Wenn bei mir nun eine dauerhafte Steigerung bis zu dem letztlichen Endpunkt abzulesen ist, komme ich eigentlich bei einer anderen ‚Zahl‘ heraus.

Es war mir natürlich nicht besonders wohl dabei, die Entscheidung/Äußerung desjenigen zu hinterfragen, der fürs erste meine berufliche Zukunft in Händen hält. Und ihm dadurch vielleicht das Gefühl zu geben, dass ich seine Kompetenz in Frage stelle. Zum Glück passierte das nicht. Er antwortete sehr verständnisvoll und stellte sogar klar, dass er es als positiv empfinden würde, ‚wenn man seinem Unmut freien lauf ließe‘. Im klärenden Gespräch einige Tage später nach dem Fachseminar stellte er richtig, dass er sich an dem Nachmittag die Hälfte nur gedacht hätte und es so zu einem Missverständnis gekommen wäre.

Ende der Geschichte ist nun, dass ich sowohl in Geschichte, als auch in Philosophie mit einer 2+ vorbenotet bin, da sich diese beiden jedoch einigen müssen, da die Fachseminare zusammen veranschlagt werden in den 25% der Gesamtnote, ist es wohl üblich so einen Fall mit einer 1,5 insgesamt zu bewerten, um die Tendenz nach oben auszudrücken, die bei einer schlichten „2“ eben nicht herauskäme (Problem der ganzen Noten). Sie werden das nun besprechen und dann sehe ich ja, was dabei rauskommt.


Von meinem Schulleiter bekam ich im Verlauf der Woche ebenfalls seine abschließende Einschätzung meiner Leistungen, die sich auch in diesem Bereich bewegen. Er betonte noch einmal die Entwicklung, die er vom ersten UB bis heute sehen würde, die Art, wie sich meine doch sehr universitäre Art immer mehr den Schülern angenähert hätte, ohne dabei die fachliche Tiefe zu verlieren. Das hört man ja wirklich sehr gerne 🙂 Auch er würde mir wohl die 1,5 als Vornote geben wollen.


Um die ganze Geschichte noch einmal von der Metaebene zu betrachten: Ich hoffe, dass ich nicht so schnell vergessen werde, wie sich dieses ‚Bewertet werden‘ und den ‚Noten hinterherlaufen‘ anfühlt. Ganz im Sinne von: Die Schülerperspektive nicht verlieren. Es wird für lange Zeit zumindest offiziell das letzte Mal sein, dass so viel Existenzdruck von meinen Noten abhängt und der Zustand nervt einfach unheimlich.

In der Schule damals haben mich Noten nicht interessiert. Ich war gut genug, dass ich mich nicht anstrengen musste und hatte nicht genug Ehrgeiz, um irgendwelchen Notenschnitten hinterher zu jagen. (Mein Abi schaffte ich mit 2,8 ohne einen Finger zu krümmen.) Jetzt wäre das eine mittlere Katastrophe, da ich nicht den Luxus habe, auf ‚eine Stelle irgendwann mal‘ zu warten. Die Finanzen müssen stimmen, auch nach dem Ref und dafür brauche ich direkt eine weitere Anstellung, wofür ich natürlich zu den Bewerbungsgesprächen eingeladen werden muss.

Noch dazu legte mir mein Geschichtsfachleiter auch direkt im Gespräch nahe, dass ich an einer Gesamtschule wohl nicht glücklich werden würde. Ich muss sagen, dass ich seine Einschätzung insofern teile, als dass ich mir selber nicht die Nerven bescheinige, dass ich mit ’sozialen Problemen‘ der Schüler adäquat umgehen kann. Im Sinne von emotional Abstand zu halten. Ein dörfliches Gymnasium, wie die Schule an der ich nun unterrichte, wäre zum Start ins Berufsleben ideal, weil man sich dort tatsächlich nur um das Fachliche kümmern muss. Was ja an sich schon schwer genug ist. Kommen dann die privaten Probleme und Lernschwierigkeiten ganzer Schulklassen dazu, wird es echt schwierig.

Hach ja … alles ‚ungelegte Eier‘. Ich hoffe mal, dass es sich ergeben wird, was und wie auch immer das dann passiert. Fürs erste gehe ich mit 1,5 ins Examen und versuche diesen Schnitt an dem Tag auch zu halten.

 

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9 Kommentare zu „Die Vornoten fürs Examen

  1. Hihi, auch Prüfer haben eben nicht immer den Durchblick und den Grad der Reflexion, den man eigentlich von ihnen erwarten sollte. Aber eine ordentliche Vornote fürs Examen klingt doch gut. Da kannst du zumindest ein wenig entspannter auf die heiße Phase zugehen. 🙂

    1. Definitiv – in beiden Punkten ^.^ Bleibt nur zu hoffen, dass es am Prüfungstag dann nicht plötzlich einbricht und ich ‚einen schlechten Tag‘ erwische.

      1. Hmmm … ich lasse das mal so stehen und forsche nicht nach 😀 (Gib mir mal den Kontakt, den du da für die Voraussagen ausfindig gemacht hast.)

      2. Ich habe in meine höchst eigene Kristallkugel geblickt, in die ich normalerweise den Geist von Immanuel Kant channele. Irgendwie hatte ich heute Kanalstörungen und die Vorhersage stammt von Helena Blavatski persönlich. 😀

  2. Ich habe auch ein 2,8 Abitur. 😂 hätte auch besser sein können, hätte ich mich mehr rein gehängt und das Abitur nicht versemmelt. Interessiert heute aber keinen mehr. Hier würdest du nicht mal mit 1,5 was kriegen. Für d/G lag der schnitt bei utopischen 1,14. deswegen waren mir die Noten irgendwann „egal“. Und ja, ich glaube, dass Gesamtschulen anders sind. Ich kämpfe schon an der Realschule. Da sind sie einfach unaufmekrsamer und man muss viel viel mehr disziplinieren (was nicht grade meine Stärke ist 🙈). Und selbst die ganz kleinen sind wesentlich aufgedrehter als das, was ich vom Gym kenne

    1. ‚Hier‘ ist wo genau? (Und was heißt d/G?)

      Ich will die „Schlange“ der Bewerber vor mir später möglichst gering wissen. Mir ist schon klar, dass es einige gibt, die es simpel direkt richtig hinbekommen und abliefern, aber der Zug ist ja nun abgefahren.

      Das sich später niemand mehr für die Noten interessiert, wenn man denn dann einen Job hat/sich beweisen konnte, ist klar. Nur auf dem Weg dahin interessiert es in der Vorauswahl dummerweise jeden.

      1. Hier in Bayern. Deutsch und Geschichte meinte ich. Aber das war noch die best platzierte Kombination. Meine ist gar nicht aufgetaucht.

        Man lernt ja dazu. Bei mir war ja eh schon klar, dass die Schlange lang ist (wegen 1. Staatsexamen) und bei uns geben sie die 1er auch nur sehr sehr sehr sehr selten.

        Ich meinte eigentlich nur die Abiturnote. Die anderen Noten leider nicht 😦

      2. Ah, ok. Das kleine d hatte mich verwirrt ^.^ Die Kombi Deutsch und Geschichte ist sehr überlaufen, das stimmt wohl. Auch hier in NRW. Wie häufig mal eine 1 gegeben wird, weiß ich gar nicht. Bei den Kriterienlisten, die man da erfüllen muss, halte ich es fast für ein Gerücht, dass das LAAs direkt am Anfang hinbekommen …

        Ich befürchte im Moment, dass ich mich mit Englisch werde bewerben müssen, da es mit reinen Nebenfächern eben schwierig wird. Und in Englisch bin ich ja leider nicht ausgebildet worden (praktisch). Mal schauen, was das alles gibt.

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