Veröffentlicht in Planung, Prüfung, Referendariat

Von Langzeitbeurteilungen und Planungsstress

Vorgestern war es soweit: Ich bekam endlich die abschließenden Beurteilungen von meinen Fachleitern und meinem Schulleiter ausgehändigt. Es war ein unheimlich durchwachsener Tag, der mir meine Gefühlslage sehr deutlich gemacht hat. Waren doch einige Tränen dabei.

Alles fing damit an, dass ich am Mittwoch plötzlich einen Zettel im Fach vorfand, der mich dringendst (!!!) darauf hinwies, dass mein Schulleiter bitte meine außerunterrichtlichen Aktivitäten in Listenform zugeschickt bekommen wollte. Am besten gestern schon, da am nächsten Tag die Abgabefrist wäre. Joa. Hätte man vielleicht vorher mal ansprechen können, ist ja nicht so, dass das Datum nun so überraschend gekommen wäre; war aber keine Rede von gewesen. Ich war also damit beschäftigt, alle Termine nachzuvollziehen und zusammenzutragen, die mir noch so einfielen. Zusätzlich gemacht hatte ich ja doch einiges.

Gut, nachdem das dann erledigt war, bat mich der Schulleiter am nächsten Tag zum Gespräch, damit ich die Beurteilung zur Kenntnis nehmen und unterschreiben konnte. Seine Note erwies sich als Dämpfer. Als ich mich setzte sah ich schon die 2 auf dem Deckblatt und die Mundwinkel sackten in sich zusammen. Ich nahm mir die Zeit erstmal alles zu lesen und merkte zwei Stellen an, die von der Formulierung undeutlich oder sogar unverständlich waren und fragte dann nach, warum er mit der Note runter gegangen war. Er hätte sich noch einmal ‚alles‘ angeschaut und das wäre dann doch nur noch eine zwei gewesen. Aha. Das Nachhaken ob er nun doch mehr den Fokus auf die Zeit vor dem Ende gelegt hätte, blieb relativ erfolglos und ich fühlte mich wie in der Situation bei meinem Geschichtsfachleiter, der ja auch erst mehr den ‚Mittelwert‘ für die Noten gebildet hatte, anstatt Entwicklung und Endpunkt der Kompetenzen als Maßstab anzulegen.

Nach der Unterschrift saß ich noch im Lehrerzimmer und so langsam sackte es wirklich, dass ich extrem unzufrieden mit der Note war. Ich fürchte, dass das ein kleiner Vorgeschmack aufs Examen gewertet werden kann, wo ich mir noch nicht ausmalen will, wie die Reaktion aussieht, wenn ich mit einer Zwei abschließe. Mir selber ist bewusst, dass es eine typische ‚aus einer Mücke einen Elefanten machen‘ Situation ist und eine Zwei keinen Weltuntergang darstellt – aber … so fühlt es sich an. Sandra war auch gerade da und bot sofort an nochmal mit meinem Schulleiter zu reden, da sie auch die Aufregung über die zwei verstehen konnte (zusammen mit dem Abweichen von den Aussagen vor den Ferien), wo ich unsicher zustimmte. Änderte letztlich nichts an der Note und wahrscheinlich hätte ich es mir besser gespart.

Im Studienseminar lagen dann die Beurteilungen von meinen Fachleitern ebenfalls aus und diese versöhnten mich mit der Beurteilung vom Schulleiter wieder etwas. Nach 12(!) Unterschriften durfte ich dann meine Kopien mitnehmen und machte mich ans Lesen. Wie vorher besprochen hatten sie sich auf 1,5 geeinigt und sich auch gar nicht lange darüber beraten müssen. Ein wenig fragte ich mich besonders nach dem Urteil meines Philosophiefachleiters allerdings, was da wohl bei einer glatten Eins stehen würde. Viel positiver hätte es sich nur noch mit Bekräftigungen wie ‚herausragend‘, ‚immer‘ und ‚außerordentlich‘ gelesen.

Meine letzte Fachseminarsitzung in Philosophie schloss ich sehr wehmütig ab. Insgesamt fühle ich mich im Moment eher so, als würde ich am liebsten alles von Vorne beginnen und erst nächstes Jahr mit meinem Examen abschließen. Es sträubt sich gerade alles dagegen nun geprüft werden zu müssen. Würde man es mir anbieten, ich würde mich sofort ins jetzige Seminar setzen und das Schuljahr nochmal als Referendarin verbringen. Ich fühle mich absolut noch nicht fertig ausgebildet. Oder auch nur ausreichend ausgebildet. In der Situation ist es auch sehr schwierig mit genügend Motivation und einem klaren Kopf an die Reihen zu gehen. Es sperrt sich im Moment einfach alles gegen dieses Examen. Sehr schwierig irgendwie.

Freitag in zwei Wochen werde ich noch dazu die Q1 nach Ausschwitz begleiten. Ein sehr riskanter Zeitpunkt für eine Exkursion, aber ich wollte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Somit habe ich nun noch bis Donnerstag in zwei Wochen um meine Reihen und die Stunden fertiggeplant zu haben und am besten auch schon den Kommentar größtenteils fertigzustellen, da ich dann die Themenvorschläge endgültig einreichen muss und nichts mehr ändern kann. Da ich in Philosophie den Leistungskurs habe, sind das fast 20 Stunden insgesamt, die sich als echte Hürde gerade erweisen. Eine Mitreferendarin an der Schule meinte beim Planen gestern nur, dass sie Horror vor dem ersten LK bei einer festen Anstellung hätte, wenn sie jetzt schon Stunden an einer normalen Unterrichtsstunde dafür sitzt. Es geht uns allen in etwa ähnlich.

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Ferien-Resümee

Nun sind sie bald vorbei. Und irgendwie lief alles nicht so, wie ich mir das gedacht hatte. (Wer häts erwartet, nicht wahr?) Der Plan war in etwas gewesen:

  1. Woche = ausspannen (ok, das habe ich hinbekommen)
  2. Woche = Familie (gut, das war eher notgedrungen wegen der Betreuung, war aber natürlich schön)
  3. Woche = Kolloquiumsthemen sichten
  4. Woche = Examensreihe Geschichte
  5. Woche = Examensreihe Philosophie
  6. Woche = Rest

Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass ab Woche drei kein Statusreport mehr erscheint. Mir ist wirklich alles um die Ohren geflogen. Bis Woche drei waren die Kinder zu Hause, was jegliche Arbeitsintentionen zunichte machte. Dann kam der Mist mit dem Auto dazu, was uns das riesen Loch in die Kasse riss, weswegen jegliche Kurzurlaubsüberlegungen auch gekippt wurden und in Woche vier packte mich tatsächlich so dermaßen die Unlust, dass ich diese Woche nicht zum Arbeiten kam, was wohl auch dem plötzlichen Krankenhausaufenthalt meines Freundes geschuldet sein dürfte (Vielleicht darf er heute nach Hause …). Nun haben wir über die Hälfte der 5. Woche auch rum und es sind noch zwölf Tage bis die Schule wieder beginnt.

Anfang der Woche schrieb ich Frau Klaus eine Entschuldigung/einen Statusbericht, da ich mit ihr ja vereinbart hatte, dass ich mich Mitte der Ferien melde, damit wir meine Ideen durchsprechen können. Sie wies mich natürlich darauf hin, dass das alles nicht so schlimm ist und ich schicken solle, was ich habe, sobald es eine Struktur hat. Und dass ich nicht vergessen sollte, dass es die Zielgerade wäre. Recht hat sie, aber erstens kommt es anders …

Ohne die Hilfe von Maite würde ich jetzt wohl ziemlich aufgeschmissen und aufgelöst vor meinen ersten Ideenzetteln sitzen. Aber, sie hat sich Zeit genommen und wir haben gemeinsam ‚gebrainstormt‘. (Btw ist es nicht bizarr, dass mein Rechtschreibprogramm dieses Wort erkennt? ^.^) Tatsächlich konnte so gestern sowohl das Outline für die Geschichtsreihe verfeinert, als auch die komplette Philosophiereihe aus dem Boden gestampft werden. Ich war abends sehr kaputt aber auch sehr erleichtert, dass das nun noch so fix geklappt hat und ich mich doch noch früher als gedacht an das Feintuning begeben kann.

Nun darf ich also in die verbleibenden Tage mit meinen ersten Plänen starten und diese ausarbeiten. Mein jetziger Stand wäre damit: Es hätte echt strukturierter, entspannter und produktiver laufen können, aber ich bin nicht komplett untergegangen bisher. Auf in die Vorbereitung zum Examen.

Veröffentlicht in Alltag, Referendariat

Ferien … oder so >.<

Eigentlich habe ich seit gestern Ferien. Dass das nicht so ganz nach Plan laufen würde, war ja schon irgendwie vorher klar. Wenn man sich nicht nach ‚Ausspannen‘ fühlt, dann ist dasselbe eben gar nicht so einfach. Es gibt letztlich zu viel zu tun. (Ganz oben auf die noch nicht gemachte Steuererklärung … wie ich das Zeug hasse 😦 ) Eigentlich wollte ich auch die Kinderfotos endlich mal sortieren und in hübschen Fotoalben zusammenfassen. Mal schauen, ob das was wird.

Immerhin fingen die Ferien tatsächlich so an, wie man sich das allgemein vorstellt: Elif hatte es sich nicht nehmen lassen, mich gleich Freitag zu einer Feier zu überreden. Ich überließ also Kind und ‚Rest‘ sich selbst und schwirrte für einen Abend + Nacht und Morgen ab. Das war schon mal ein guter Anfang. Eigentlich will Elif auch mit mir noch ein paar Tage an die See, weil ich ihr doch ordentlich bei den letzten UBs unter die Arme gegriffen hatte. So in die Richtung hätte ich ja auch nichts dagegen einzuwenden, aber das dann ohne die Kinder und Männer … da regt sich doch der Familiensinn. Bisher sind die ersten vagen Vorstellungen in etwa, dass wir zwei Tage mit Kindern und zwei ohne verbringen und die Männer sich dann um die Kinder kümmern. Mal sehen.

Ein wenig produktiv war ich dann ja auch schon. Ich konnte nach dem ersten vollen Schuljahr nun einiges an Optimierungsbedarf in meinen Regalen ausmachen und habe die alte Ordnung auseinandergerissen. Nun steht die Fachliteratur einzeln, nach kernlehrplankompatiblen Themenfeldern geordnet, die Orchideenthemen sind aussortiert und etwas abseits verschoben worden und die Unterrichtsmaterialien stehen zusammen an ihrem neuen Ort. Leider kam bei der ganzen Aktion doch einiges zu Tage, was ich tatsächlich nicht mehr brauche oder noch nicht genau einsortiert habe, weswegen zwar die Regale ordentlich geworden sind, der Rest des Büros aber einem halben Schlachtfeld mit diversen Bücherstapeln gleicht. Aber gut, ein Schritt nach dem anderen.

Ansonsten war ich heute (man hat sich ja so lange nicht mehr gesehen) in der Schule. Die neuen Bücher sind angeliefert worden und mussten ‚beklebt‘ werden. Da habe ich mich mal blicken lassen. Natürlich ganz ohne Hintergedanken *hüstel* Ich konnte tatsächlich noch alte Bücher abstauben, die nun durch neuere oder schlicht andere Lehrwerke ersetzt wurden.

Soweit alles (semi-)Positive bis hierher. Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht stark Gedanken über unsere Finanzen nach dem Ref mache. Den Luxus, nicht sofort weiter zu arbeiten, kann ich mir tatsächlich nicht leisten. Es wurde die letzten Monate wegen diverser unerwarteter Anschaffungen auch immer knapper mit den Reserve, die eigentlich für die „Durststrecke“ bis zur ersten richtigen Anstellung gedacht waren. Und nun ist der kurzfristig angeschaffte Wagen meines Freundes unerwartet direkt zum Antritt seiner neuen Stelle kaputt gegangen. Innerhalb von nicht mal 3 Monaten einen weiteren Wagen kaufen, das schaffen wir nicht mit (nicht mehr existenten) Rücklagen.

Vorgestern ging das Unding von einem Auto kaputt, gestern wurden erste vorsichtige Gespräche mit der Bank geführt, heute haben wir das Angebot gesichtet, morgen (nach der U7a der Kinder, auf die ich wirklich schon gespannt bin) fahre ich eine kleine rot-schwarze Knutschkugel von C1 Probe und übermorgen geht es in die Bittstellung für noch einen Kredit. *seufz* Hach ja, was wäre das Leben ohne Geldsorgen, nicht wahr?

Immerhin konnte ich die Examenskurse im Vorfeld festlegen und absprechen. Die Themenfelder stehen, die Lehrer sind eingeweiht und positiv gestimmt und somit hoffen wir alle, dass das Examen gut über die Bühne gehen wird. In Geschichte wurde es eine 7er Klasse, in der das veränderte Menschenbild der Frühen Neuzeit im Kontrast zum Mittelalter/der Antike im Zentrum stehen wird; in Philosophie darf einer der zwei(!) Leistungskurse aus der Q1 dann herhalten, die sich im nächsten Schuljahr bilden werden, wo ich plane den Themenkomplex Willensfreiheit zu behandeln.

Ich bin gespannt, ob ich auch nur Ansatzweise meinen Plan für die Ferien umsetzen können werde (Steuererklärung – Fotoalben – Kolloquiumsthemen sichten – Reihen vorplanen). Wahrscheinlich wohl leider nicht, wobei ich kaum davon abweichen kann. Ich sehe schon die Fotoalben von der Liste schwinden. Lassen wir uns überraschen.

 

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Mein 7er PP Kurs für vier Stunden – Oder: Und erstens kommt es anders …

Nach sehr viel hin und her hatte ich es ja endlich geschafft aktiv Unterricht an einer zweiten Schule in praktischer Philosophie zu bekommen. Der erste Versuch war an meinen Stundenplankoordinatoren meiner eigentlichen Schule gescheitert, dann war die Kurslehrerin von Schule zwei ewig und drei Tage krank und dann … dann waren es nur noch fünf Wochen bis zu den Sommerferien. Joa, man nimmt was man bekommen kann. Also fing ich erstmal mit der Hospitation an – soweit war ich im ersten Anlauf auch schon gekommen ^.^

Es ging um das Thema Zeit. Die Kinder waren echt fit im denken, es kamen tolle Beiträge und ich freute mich auch schon auf meine Stunden. Dummerweise lagen die dann tatsächlich parallel zu meinem 5. UB Geschichte, weswegen das Ganze dann in ziemlichem Stress endete. Aber … alles für die Ausbildung, gell?

UnbenanntIch bekam den Auftrag die Reihe abzuschließen. Super, dachte ich mir, da sie mit Mythen schon gearbeitet hatte, pickte ich mir ein paar heraus, in denen es um den Tod ging und erweiterte das Bild, welches die Perser, Inder, Südamerikaner und germanischen Völker so vom Tod und dem Sterben und dem Sinn dahinter hatten. Kam ziemlich gut an, nur die Zeit, die sie beim Plakate erstellen brauchten, hatte ich enorm unterschätzt, weswegen wir meinen Plan in der Doppelstunde nicht abgeschlossen bekamen.

Die Siebtklässler waren jedoch so angetan, dass eine Gruppe gleich fürs nächste Mal eine Religion genauer vorstellen wollten, da ein Mädchen Buddhistin war und darüber etwas erzählen konnte und wollte. Lief also alles 🙂

Trotz UB-Stress machte ich mich an die Planung der nächsten Doppelstunde, in der ich nach der Theorie praktische Beispiele zum Umgang mit dem Sterben behandeln wollte … als mich am Wochenende die leicht aufgeregte Mail der Kurslehrerin erreichte. Der Plan musste umgeschmissen werden, es stünde ein ganz dringendes Thema an.

Ich hatte schon bei meiner ersten Hospitation in den höheren Klassen an der Schule mitbekommen, dass dort einiges mehr oder weniger verborgen am ‚Gären‘ war. Nach einer Stunde kamen zwei Mädchen aus der EF zu der Lehrerin, bei der ich zuerst den Unterricht übernehmen sollte, um mit ihr über ein Thema zu sprechen, für das sie zunächst keine Worte fanden. Was sich in dem Gespräch dann herausstellte und auch ‚perfekt‘ durch die Lage der Mädchen dargestellt wurde, hätte man in keinem Jugendroman zur Thematik besser beschreiben können.

Es ging um nationalsozialistisches ‚Gebaren‘, Hitler-Grüße und extremistisches Gedankengut in ihrer Stufe. Sie fühlten sich von der Situation heillos überfordert, die große Masse schwieg und fand das alles zu „lästig“ und nicht alarmierend genug, um dafür „den Frieden in der Stufe zu stören“ und die wenigen, die tatsächlich persönliches Unbehagen bei der Konfrontation empfanden, sahen keine Möglichkeit, sich gegen die extreme Minderheit oder die schweigende Masse zu stellen. Zu dem Zeitpunkt war es schon so brisant, dass die Polizei bereits einmal an der Schule gewesen ist. Das war vor den Osterferien.

Nun hatte ich im 7er Kurs in einer Arbeitspause, in der die Kurslehrerin den Raum verlassen hatte, eben diesen speziellen Gruß (zwei Finger an die Lippe für das ‚Bärtchen‘ und dann der ausgestreckte Arm) zwischen zwei Jungen beobachtet und umgehend die Kurslehrerin angesprochen. Sie war sehr erstaunt und zeigte sich unwissend, was die Thematik an der Schule anging. Ich überließ ihr die nächsten Schritte, da es ja schon Thema an der Schule war. Bis zu der spontanen Mail, die als Reaktion auf die Anwesenheit des Staatsschutzes und der aufgenommenen Ermittlungen in meinem Postfach landete.

Also musste ich spontan den Plan umschmeißen und etwas für die Information, Aufklärung und Prävention für den Kurs zusammenschustern. Das Material wurde nicht mein Bestes, aber ich hatte es unterwegs am Nachmittag vorher zusammenkopiert. (Gefunden auf Zivilcourage lernen und neu zusammengestellt)

GewaltRecht

Ich rechnete nicht damit, dass die Siebener wirklich schon eine ausgeprägte Ideologie hinter ihren Handlungen entwickelt und verinnerlicht hatten. Deswegen ging es mir im ersten Schritt darum, klar zu machen, dass man sich nicht mehr in einer Grauzone bewegt, wenn man hier einfach ’nur‘ nachahmt. Die Stunde selber überließ ich der Kurslehrerin, da bei dem Thema einfach ein vertrauter Lehrer besser mit den Kindern ins Gespräch kommt. Ich unterstützte nur über die historischen Fakten, welche bei vielen Nachfragen zur Erklärung gebraucht wurden.

Besonders an der Stelle, wo wir auf die rechtliche Basis zu sprechen kamen, fiel den zwei Jungs merklich ‚einiges aus dem Gesicht‘. Es wurde sehr deutlich, dass es für sie einfach nur Spaß gewesen ist und sie sehr unreflektiert die Älteren auf dem Schulhof beobachtet und nachgemacht hatten. Für die anderen schien es fast schon befreiend zu sein, dass sie über ihre Eindrücke und Beobachtungen reden konnten, da gerade den Schülern natürlich wesentlich mehr aufgefallen war, als an Aug‘ und Ohr der Lehrer so ankommt.

Für die nächste (und letzte) Doppelstunde beschloss ich den Fokus auf Diskriminierung und Mobbing zu legen, da das ein brennenderes Thema nach meiner Beobachtung in der Lerngruppe darstellte. Es gab einen Jungen, Tim, der bereits wegen Mobbing Anfang der Sieben die Schule hatte wechseln müssen und auch in der aktuellen Gruppe keinen leichten Stand hatte. Allgemein war der Ton nicht der gemäßigtste unter den verschiedenen Grüppchen.

Wir stiegen mit dem Dialog ein, welchen die Schüler zu Aufgabe 2 „Wo fängt Gewalt an?“ erstellte hatten und sprachen über die Gefahren von körperlichen Eingriffen in Gewalt-Situationen und die Gefahr für einen selbst, besonders in ihrem Alter. Der eigentliche Fokus lag dann aber auf nicht-physischer Gewalt gegen andere.

Mobbing

Diese Liste wurde ausführlich besprochen. Am Anfang der Stunde war bereits einmal die ersten zwei Punkte in Bezug auf Tim von den Mitschülern in die Tat umgesetzt worden, was ich auf jeden Fall hatte ansprechen wollen. Ich war mir nur überhaupt nicht sicher, wie und wann. Ich kannte die Gruppe kaum, wusste nicht, wie der Junge darauf reagieren würde zum ‚Thema‘ gemacht zu werden und ob es tatsächlich eine Verbesserung oder -schlechterung zu Folge haben könnte. Als er jedoch ausgerechnet bei der Diskussion zum zweiten Punkt den Raum verließ, beschloss ich die Abwesenheit zu nutzen und die Situation anzusprechen.

„Naja, das passiert ja öfter mal, dass man etwas nicht versteht! Geht mir immer in Mathe so.“ erklärte eine Schülerin gerade.

„Aber das ist doch ein Unterschied, ob du selbst es nicht so schlimm findest, oder die anderen das machen und es ganz furchtbar findest.“

„Sehr richtig,“ pflichtete ich bei, „ist euch eigentlich bewusst, dass die Situationen bereits heute schon hier passiert sind?“

Alle machen große Augen und überlegen. „Hä? Neee, hat irgendwer etwas nicht verstanden?“ – „Das haben wir gar nicht gemacht!“ – „Was soll denn passiert sein?“ – Es ging um ‚Lehrer-Mobben‘ und eine meiner Gesten war von zwei Schülern parodiert worden: „Meinen Sie etwa das mit dem Telefon?! Wir haben Sie nicht gemobbt!“

Schmunzelnd stellte ich fest: „Nein, keine Sorge, das meine ich nicht. Ich meine einen … “ Der Kursbeste hebt die Hand. „Sie meinen den Vorfall mit Tim, richtig?“ Ich nickte. Der Rest protestiert vehement.

„Aber, der lacht doch immer mit!“ – „Wenn man immer so komisch am Tisch sitzt …“ – „Das war doch auch dumm, was er gesagt hat!“ – „Der sagt immer so komische Sachen.“ …

„Machen die Gründe die Sache besser, wenn er etwas sagt und die ganze Klasse reagiert mit Spott, verdreht die Augen und fällt ihm lachend oder stöhnend ins Wort?“ will ich wissen.

Die ersten schweigen etwas betreten. Der Kursbeste meldet sich wieder und erklärt, dass er genau weiß, dass die übertriebenen Gesten und die Grimassen, wenn Tim sich beispielsweise aufs Lesen konzentrieren muss, ihn selber nerven, er es aber nicht abstellen kann. Der Rest wird noch ruhiger.

Wir schaffen es, die Gefahren des Verhaltens zu besprechen, bevor der Schüler von der Toilette wiederkommt. Viele zeigen Empathie, überlegen, dass man sicher irgendwann gar nichts mehr sagt, wenn immer alle so reagieren und dass es sehr schwer ist, wieder in die Klasse/Gruppe hineinzukommen, wenn sich das Verhalten erst einmal gefestigt hat. Besonders eindrucksvoll war das Beispiel und die Empfindungen, die bei der Bearbeitung der zweiten Aufgabe vom Schüler selbst zur Problematik geäußert wurden. Er stellte fest, dass man irgendwann einfach nicht mehr das Gefühl hat, dass es mit den andern ‚wieder gut werden könnte‘ und man deswegen einfach wegziehen muss. Einige betretene Blicke wurden daraufhin ausgetauscht und ich hoffe, dass etwas angekommen ist.

Zivil CNach der Stunde, die ich eigentlich mit Positivbeispielen abschließen wollte, wo mir aber wieder der Schulalltag mit einer Konferenz einen Strich durch die Rechnung machte, sprach ich die Entscheidung über das klasseninterne Problem ohne Anwesenheit des Betroffenen zu reden bei der Kursleiterin an. Sie fand es genau richtig gelöst und sehr hilfreich, dass ich an der Stelle das aktuelle Verhalten aufgegriffen und besprochen hatte. Ich fand die Situation etwas heikel, da es auch leicht hätte ’nach hinten‘ losgehen können.

Die ‚Reihe‘ war natürlich keine wirkliche und entstand eher spontan. Ich werde mir fürs nächste Mal auf jeden Fall ordentliches Material und ein besseres Konzept zurecht legen. Dass das Thema wichtig ist, ist gerade im Moment ja nicht zu übersehen, wobei Mobbing selber ja eher ‚zeitlos‘ erscheint.

Abschließend kann ich sagen, dass mir der „Ausbildungsunterricht“ in diesen vier Stunden (außer praktischer Erfahrung) nichts für das Fach gebracht hat. Die Kursleiterin selber hat die Lehrbefähigung für PP ’nur‘ über einen Zertifikatskurs erhalten und ‚wurschelt‘ sich so durch. Aber: Man nimmt ja was man kriegen kann …

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Die Vornoten fürs Examen

Im Examen setzt sich die letztendliche Note zu je 50% aus den Leistungen vorher sowie den Ergebnissen des Prüfungstages zusammen. Das bedeutet, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem 50% meiner Note bereits feststehen. Die Findung dieser 50% hat aber eine kleine Geschichte mit sich gebracht, die ich gerne festhalten würde.

Wie ich beim Beitrag 5. UB Geschichte schon erwähnte, war mein Fachleiter sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich persönlich auch, hatte aber in dem Moment noch keine Zeit, mich direkt mit dem Gezeigten auseinander zu setzen, da der UB mitten im Schultag gelegen hatte und ich erst einmal gleich in die nächste Stunde zu meinen 6ern huschte.


Als Einschub: Die sind ja wirklich goldig 🙂 Ich erwähnte irgendwann, dass sie ja wissen würden, dass ich ’nur‘ Referendarin bin (eine Info die, als sie bekannt wurde, mit sehr viel Erstaunen aufgefasst worden war – „Wir dachten Sie wären eine ‚echte‘ Lehrerin!“ – „Danke 😀 „). Und dass ich im Oktober im neuen Schuljahr meine Prüfung machen würde und ich da natürlich auch Klassen bräuchte, die mit mir die Prüfung überstehen.

„Das können wir machen! – Wir sind wirklich gut darin, Frau X und Frau Y haben auch ihr Examen mit uns gemacht! – Oh und Herr Z auch. – Neee, das war nur ein UB.“

„Ihr seid ja richtige Examensprofis“, musste ich erstaunt feststellen.

„Ja! Die haben auch alle bestanden!“ wurde mir zufrieden mitgeteilt.

Erschrocken kam der Nachsatz: „Gehen Sie danach dann etwa auch weg?!“

„Ich fürchte, dass das sehr wahrscheinlich ist.“ stellte ich bedauernd fest. „Für meine Fächer besteht hier kein Bedarf an der Schule.“ (Also, offiziell nicht – Herr Drüppert ist ja eine ganz eigene Geschichte …)

Betretene Gesichter und einige regten sich auf, dass ‚immer die guten Lehrer‘ gehen würden.  Ich erklärte ihnen dann noch, dass sie offiziell nach den Ferien einen anderen Lehrer bekommen würden, ich dann aber den Unterricht bis zur Prüfung weiter übernehme. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich Frau Klaus in der Klasse dann wiedersehen werde.


Nachdem meine Stunden dann alle durch waren, hatte ich mich eigentlich an die Reflektion der UB Stunde setzen wollen, bevor ich zum Seminar fahren musste, aber die Motivation verließ mich vollständig. Es war fürs erste vorbei! O_o Und es wollte mir kaum etwas einfallen, was ich tatsächlich kritisieren konnte. Also trank ich einen Kaffee mit den neuen Refis, deren Bekundungen, dass sie wirklich gerne mit mir tauschen würden ihr übriges dazu beitrugen, dass ich mehr und mehr entspannte. Vorbei 🙂 Eine wirkliche Pause bis zum Examen.

Beim Seminar, wo wir uns einen Vortrag zu Depressionen anhörten (auf Grund des Vorfalls letzten Jahres) von einem Dozenten der uns offensichtlich mit medizinisch-psychologischen Studenten verwechselte, versuchte ich also die Kritikpunkte an der Stunde aufzuzählen, während Informationen über die Veränderung des Stoffwechsels in depressiven Phasen an mir vorbeiwaberten.

Ich verließ den Vortrag eher, da mein Fachleiter mich direkt am Seminarort zur Nachbesprechung treffen wollte. Und da Seminarzeiten eigentlich ‚heilig‘ sind, hatte ich offiziell einen Betreuungsnotfall bei den Kindern aufzufangen. Was dazu führte, dass wir uns heimlich einen der weit vom Sekretariat gelegenen Räume schlichen ^.^ Aber das nur am Rande.

Kritik an der Stunde konnte man insofern üben, als dass der Plan eben ’nur‘ aufgegangen war und die Reserve und somit die Vertiefung nicht folgte. Auch hatte ich in der Erarbeitungsphase zu lange Zeit gegeben, welche natürlich am Ende für die Diskussion besser genutzt gewesen wäre. Bei der Präsentation hat ein Schüler kurz noch vorne gestanden, während seine Mitschüler etwas diskutiert hatten, was zur Unterbrechung seiner Präsentation führte und ihn untätig vorne stehen ließ. Und die Perspektivübernahme, welche als historische Methode ja explizit eingeübt werden sollte, hat nicht bei allen Schülern geklappt, da sie am Schluss dazu tendiert hatten, die Rechtmäßigkeit der französischen Forderungen zu beurteilen und nicht die der deutschen Reaktion auf den Vertrag.

Meckern auf hohem Niveau, wenn es nach meinem Fachleiter geht. Er meinte ganz entrüstet, dass ich das doch nicht so negativ sehen solle, die Stunde wäre hervorragend gelaufen. Seine Punkte, die sich dann wie der berüchtigte ‚warme Sommerregen‘ ergossen waren:

  • die Stunde war durchdacht, organisiert, gut geplant
  • hohe Schüleraktivität
  • Lernumgebung optimal vorbereitet
  • Lernstand: Zitat sofort kontextuell eingeordnet, Blick aufs Ausland vorhanden, zeitlich eingeordnet, Gelenkstelle (Forderungen) erkannt
  • ‚eine der elegantesten Einbindungen von Hausaufgaben in eine Stunde die er je gesehen hat‘ O_o :mrgreen:
  • Diskussion in den Gruppen angeregt und vertieft
  • klare Arbeitsaufträge und Strukturen
  • tolle Visualisierungen von Arbeitsaufträgen und Meinungsbild des Kurses
  • Beurteilung/Begründung ‚harter Friede‘ durch Schüler gelungen
  • Stunde ohne Leerlauf
  • Nachhaltiges Lernen: Sinn hinter Hausaufgabe erkannt – Ich brauche die Hausaufgabe um mich in der Stunde einbringen zu können / Arbeitsaufträge für die nächsten Stunden erkannt „Wir müssen da noch Folgen der Forderungen klären.“
  • Methode, Sozialform und Arbeitsform gut verbunden

Er war glaube ich genauso überrascht wie ich von seinem eigenen Lob ^.^ Denn mein Geschichtsfachleiter wäre nicht mein Geschichtsfachleiter, wenn er sich jetzt tatsächlich EINDEUTIG auf eine Note festgelegt hätte. (Der Grund, warum mein Philosophiefachleiter mich ins Examen begleitet.)

„Das heißt die Stunde war …?“ fragte ich vorsichtig nach.

„Ja, also das wäre eigentlich eine Eins.“ setzte er an. „Aber … im Examen … Also, Sie haben hier ja nicht die Auswerttiefe der Materialien in der Stunde voll ausschöpfen können. Das war ein Risikoschritt, der zwar hier geklappt hat, aber die Schüler müssen schon sehr viel vorweg leisten und wenn sie es nicht tun, ist es ein Leerschritt in der Stunde. Und die Ergebnisse sind schlecht überprüfbar.“

„Richtig, wobei wir ja in den Tabellen die Darstellung der Positionen gesehen haben und dort schon deutlich wurde, was verstanden worden ist und was nicht. Was in dem Fall der Stunde ja doch tiefgreifend gewesen ist, da die Schüler in der Lage waren sich selbst zu korrigieren über das Plenum, als ungenaue Ergebnisse in der Präsentation auftauchten.“

Er nickte. „Ja, richtig. Aber die historische Kontextualisierung hätte einfach noch mehr hergestellt werden müssen. Man KANN es aus den Äußerungen schließen, aber es muss thematisiert werden. Im Examen sollten Sie so eine Stunde nicht zeigen, das könnte dann nur eine Zwei sein, je nachdem, wer in der Kommission sitzt.“

*seufz* So ist das. Ich hakte den Punkt ab.

„Und wie sieht es mit meiner Vornote aus? Wie gehe ich von Ihrer Seite aus ins Examen?“ wollte ich dann wissen.

„Ja, also, Sie waren bei mir ja eher immer die Dreier-Kandidatin.“ Ich bekam große Augen. „Da muss ich mal in mich gehen, ob das nun noch eine schlechte Zwei wird … Wir haben ja das Problem mit den ganzen Noten. Früher war es einfacher, als wir noch Tendenzen angeben konnte, aber jetzt muss man da schon genau schauen, wo man einen Kandidaten einordnet.“

Ich war ein wenig geplättet. Ja, der blöde zweite UB war eine Sechs von seiner Seite aus gewesen (wobei erster und zweiter nicht mit Noten bedacht werden dürfen). Aber auch der führte nur zu einer Drei in der Zwischennote. Und sowohl der dritte, als auch der vierte UB waren eine Zwei gewesen, wenn auch mit Dreiertendenz im vierten UB, wegen der fehlenden Diskussion am Schluss. Und nun war es eine Einser Stunde, die das ganze abschloss und er sah maximal die Möglichkeit zur schlechten Zwei?!

Leider reagierte ich in der Nachbesprechung nicht mehr darauf, da ich mir selbst unsicher war, ob er nicht Recht hätte. Er klang zumindest ziemlich überzeugt und dementsprechend beließ ich es bei ungläubigen Blicken. Aber es rumorte doch weiter. Letztlich schrieb ich ihm am Wochenende danach eine Mail, da auch Maite mir noch einmal bestätigte, dass die Vorbenotung „den Grad der Erreichung der einzelnen Kompetenzen zum Beurteilungszeitpunkt bezeichnet“. (<- Offizielle Vorgaben aus den Hinweisen für Langzeitbeurteilungen vom ZfsL, Maite hat was die Vorgaben angeht absoluten Durchblick.) Was bedeutet, dass man die Noten nicht arithmetisch mitteln darf, sondern eher das Maximum des Könnens und die Nachhaltigkeit desselben in den Fokus rückt. Wenn bei mir nun eine dauerhafte Steigerung bis zu dem letztlichen Endpunkt abzulesen ist, komme ich eigentlich bei einer anderen ‚Zahl‘ heraus.

Es war mir natürlich nicht besonders wohl dabei, die Entscheidung/Äußerung desjenigen zu hinterfragen, der fürs erste meine berufliche Zukunft in Händen hält. Und ihm dadurch vielleicht das Gefühl zu geben, dass ich seine Kompetenz in Frage stelle. Zum Glück passierte das nicht. Er antwortete sehr verständnisvoll und stellte sogar klar, dass er es als positiv empfinden würde, ‚wenn man seinem Unmut freien lauf ließe‘. Im klärenden Gespräch einige Tage später nach dem Fachseminar stellte er richtig, dass er sich an dem Nachmittag die Hälfte nur gedacht hätte und es so zu einem Missverständnis gekommen wäre.

Ende der Geschichte ist nun, dass ich sowohl in Geschichte, als auch in Philosophie mit einer 2+ vorbenotet bin, da sich diese beiden jedoch einigen müssen, da die Fachseminare zusammen veranschlagt werden in den 25% der Gesamtnote, ist es wohl üblich so einen Fall mit einer 1,5 insgesamt zu bewerten, um die Tendenz nach oben auszudrücken, die bei einer schlichten „2“ eben nicht herauskäme (Problem der ganzen Noten). Sie werden das nun besprechen und dann sehe ich ja, was dabei rauskommt.


Von meinem Schulleiter bekam ich im Verlauf der Woche ebenfalls seine abschließende Einschätzung meiner Leistungen, die sich auch in diesem Bereich bewegen. Er betonte noch einmal die Entwicklung, die er vom ersten UB bis heute sehen würde, die Art, wie sich meine doch sehr universitäre Art immer mehr den Schülern angenähert hätte, ohne dabei die fachliche Tiefe zu verlieren. Das hört man ja wirklich sehr gerne 🙂 Auch er würde mir wohl die 1,5 als Vornote geben wollen.


Um die ganze Geschichte noch einmal von der Metaebene zu betrachten: Ich hoffe, dass ich nicht so schnell vergessen werde, wie sich dieses ‚Bewertet werden‘ und den ‚Noten hinterherlaufen‘ anfühlt. Ganz im Sinne von: Die Schülerperspektive nicht verlieren. Es wird für lange Zeit zumindest offiziell das letzte Mal sein, dass so viel Existenzdruck von meinen Noten abhängt und der Zustand nervt einfach unheimlich.

In der Schule damals haben mich Noten nicht interessiert. Ich war gut genug, dass ich mich nicht anstrengen musste und hatte nicht genug Ehrgeiz, um irgendwelchen Notenschnitten hinterher zu jagen. (Mein Abi schaffte ich mit 2,8 ohne einen Finger zu krümmen.) Jetzt wäre das eine mittlere Katastrophe, da ich nicht den Luxus habe, auf ‚eine Stelle irgendwann mal‘ zu warten. Die Finanzen müssen stimmen, auch nach dem Ref und dafür brauche ich direkt eine weitere Anstellung, wofür ich natürlich zu den Bewerbungsgesprächen eingeladen werden muss.

Noch dazu legte mir mein Geschichtsfachleiter auch direkt im Gespräch nahe, dass ich an einer Gesamtschule wohl nicht glücklich werden würde. Ich muss sagen, dass ich seine Einschätzung insofern teile, als dass ich mir selber nicht die Nerven bescheinige, dass ich mit ’sozialen Problemen‘ der Schüler adäquat umgehen kann. Im Sinne von emotional Abstand zu halten. Ein dörfliches Gymnasium, wie die Schule an der ich nun unterrichte, wäre zum Start ins Berufsleben ideal, weil man sich dort tatsächlich nur um das Fachliche kümmern muss. Was ja an sich schon schwer genug ist. Kommen dann die privaten Probleme und Lernschwierigkeiten ganzer Schulklassen dazu, wird es echt schwierig.

Hach ja … alles ‚ungelegte Eier‘. Ich hoffe mal, dass es sich ergeben wird, was und wie auch immer das dann passiert. Fürs erste gehe ich mit 1,5 ins Examen und versuche diesen Schnitt an dem Tag auch zu halten.

 

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5. UB Geschichte

Oder alternativ: Na also, geht doch!!! Der letzte UB ist geschafft und so chaotisch, wie es sich die Reihe vorher andeutete wurde er zum Glück bei weitem nicht. Die Zeit bis dahin wurde trotzdem wieder etwas lang und bis zum Schluss war ich ein wenig am Zittern, dass sich diese verquere Art aus den Stunden zuvor fortsetzen würde.

Das Wochenende vorher war ja glücklicherweise ein langes – das wurde dementsprechend auch gut genutzt. Wenn man schon ackern muss, kann man es auch in der Sonne tun. So zumindest meine Devise, als es noch so schön warm war. Ich habe es somit geschafft, eine angenehme Bräune zu erhalten. Anfang der Woche sprach ich noch mit einem anderen Refi, der eine Stunde zur Nachhaltigkeit des Versailler Vertrages andachte (Fördert der Friedens-Vertrag tatsächlich den Frieden?) für seinen fünften UB und einen Tag später kam ich mit Herr Rickward überein, dass ich wohl letztlich beim gleichen Thema landen würde. Allerdings in der Vorbereitungssitzung zu dieser abschließenden Bewertungsfrage – bei der Erarbeitung der Positionen der beteiligten Siegermächte, die den Vertrag aufgesetzt hatten. Ich biss gedanklich in die Tischkante.

Genau aus diesem Grund hatte der andere Refi seine UB Stunde in den zweiten Teil der Doppelstunde geschoben. Reine Erarbeitung ist nichts, was man im UB sehen mag und er wählte sich die zweite Hälfte, um die Beurteilungsebene zeigen zu können. Ging bei mir nicht, da meine Stunde eine Einzelstunde war. Umdenken also angesagt. Wie bekommt man für die Perspektiven der Siegermächte eine Beurteilung zustande? Hier das Ergebnis:

Ich war ein wenig fahrig den Tag. Trotz meines eigentlich immer noch stabilen Nervensystems, bringt einen das dauerhafte Rotieren schon an die Grenzen. Es hatte so viel zu planen gegeben, dass ich eine Stunde eher kam, um den Kursraum vorzubereiten, alles aufzuhängen, am PC/Beamer aufzurufen, Material vorzuverteilen, zusammenzustellen, etc. Herr Rickward, der in seiner unglaublichen Weitsicht, im Vorfeld direkt seinen LK, der den Raum vorher belegt hätte, umgeplant hatte, damit ich da in Ruhe werkeln konnte, nickt mir nur kurz zu: „Das wird alles gut laufen, machen Sie ganz ungestört alles fertig.“ Danke ❤ Und mittendrin stand mein Schulleiter plötzlich vor mir und teilte mir mit, „dass sich Termine manchmal ändern;“ er hätte nun doch Zeit und bräuchte noch einen Entwurf. Klar, machen wir alles mit Links >.<

Zu Beginn der Stunde hatte ich also:

  1. Den Raum gelüftet.
  2. Stühle und Tische platziert.
  3. Tafel geputzt.
  4. Den Beamer angestellt.
  5. Alle Dokumenten der Reihe nach, wie sie in der Stunde benötigt wurden, am Laptop aufgerufen.
  6. Material für die Einzelarbeit (umgedreht) auf den Tischen verteilt.
  7. Material für die Gruppenarbeit in die Folientaschen sortiert.
    1. Folien für die Gruppenarbeit
    2. Arbeitsanweisungen
    3. Klebepunkte für jedes Gruppenmitglied
    4. Folienstift
  8. OHPs (der Raum besitzt normalerweise drei, zwei waren da) ausprobiert, sichergestellt dass sie laufen und positioniert.
  9. Plakat mit Magneten an der Tafel befestigt und Arbeitsauftrag daneben gepinnt.
  10. Impulszettel/Folienstifte/Ersatzfolien(für Beamer-Ausfall)/Stundenverlaufsplan bereit gelegt.

So kam es dann auch, dass ich schon zur Beginn der fünf Minuten Pause die Tür schloss, da ich wegen der Anwesenheit des (gesamten!) Kurses – die Schüler hatten wohl direkt bei den anderen Kollegen um pünktliches Ende der ersten Stunde gebeten – irgendwie sogar die Startzeit der Stunde gedanklich verwechselte, direkt das Zitat aufrief und erst beim Seitenblick auf meinen Schulleiter, der schmunzelnd meinte, dass wir ja eigentlich noch Zeit hätten, bemerkte, dass das etwas zu früh war. Gut, kein Problem, Beamer nochmal für 3 Minuten aus.

Wir stiegen mit einem Zitat von Scheidemann ein.

Scheidemanns Ansprache vor der Verfassungsgebenden Nationalversammlung

12. Mai 1919.

Ich frage Sie: Wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt?

(Lebhafter Beifall)

Und dabei sollen wir die Hände regen, sollen arbeiten, die Sklavenschichten für das internationale Kapital, Frondienste für die ganze Welt leisten?

Am 20. Juni 1919 trat er offiziell zurück.

Natürlich war ich so auf die Ergebnisse, die ich hier erwartete fixiert, dass ich total vergaß darum zu bitte, das Zitat erst einmal vorlesen zu lassen. „Ordnen Sie das Zitat formal und inhaltlich ein.“ Alle fangen an das Zitat für sich zu lesen und ich merke, hier passt etwas nicht. „Ok, stopp.“ Ich entscheide mich direkt den Fehler anzugehen und unterbrach. „Ich habe da etwas vergessen. Würde jemand das Zitat erst einmal vorlesen. – Aber bitte mit Betonung!“ Sofort sind die Hälfte der Finger oben, ich wähle meinen kleinen Querdenker, von dem ich weiß, dass er sich hervorragend aufs Schauspielern und Darstellen versteht. Wir bekommen Scheidemann ‚mit Effet‘ vorgelesen und ab da läuft es.

[Ich ergänze in dieser Reflektion einmal die Inhalte, die ich im Entwurf auch als erwartete Ergebnisse angegeben habe und stelle die, die nicht gekommenen sind kursiv dar.]

Formal

  • SPD Politiker
  • Demokrat/Sozialist (Vokabular)
  • 1. Ministerpräsident unter Ebert
  • Spricht sich in einer politischen Rede …
  • gegen die Annahme des Vertrages aus

Inhaltlich

  • Fessel & Sklaverei: Beschränkung der Freiheit/Selbstbestimmung
  • Internationales Kapital: Besonderheit in der sprachlichen Darstellung / politisch links
  • Frondienste (eventuell Verständnisproblem) – schmachvolle, nicht entlohnte Arbeit
  • Deutschland als Diener/Unterdrückte der ganzen Welt
  • Mit Zwang herbeigeführt – „sollen“
  • „verdorren“ – handlungsunfähig, Selbstverstümmelung, Entzug der Lebensgrundlage
  • Ehrlich & vertragstreu: man ist sich bewusst, dass man die Bedingungen nicht einhalten kann
  • Zusatz: Historische Kontextualisierung von Vertrag, Ereignissen davor und danach.

Die etwas dürftigen Ergebnisse der formalen Analyse hatte ich einer Schülerin zu verdanken, die am Anfang sowas von ins Straucheln kam bei ihrer Antwort, dass auch alle anderen merkbar einige Sekunden brauchten, um Ansatzweise nachzuvollziehen, was sie da nun eigentlich gesagt hatte. Dadurch vergaßen sie dann aber, noch auf die formalen Aspekte einzugehen und der Punkt ging unter. War jetzt aber auch nicht sooo wild.

Es kam ziemlich schnell die Frage auf, inwieweit sich die ganze Aufregung denn nun wirklich lohnte, die bei Scheidemann wahrzunehmen war. Genau wie erwartet, kam die Frage nach den Bedingungen, die diese Reaktion provoziert hatten und ich konnte auf das vorher verteilte einzelne A5 Blatt mit den Forderungen verweisen, das umgedreht auf den Tischen vor den Schülern lag. (Manchmal haben die Stunden dann doch was von ‚Zaubershow … wurde im Verlauf auch nicht weniger ^.^)

Forderungen des Versailler Vertrages an Deutschland, vom 28. Juni 1919.

  • Anerkennung der Urheberschaft des Krieges und seiner Folgen
  • Ausschluss aus dem Völkerbund
  • 13% des deutschen Reichsgebiets werden abgetreten
    • Einige direkt bei Unterzeichnung verloren
    • Andere durch Volksabstimmungen noch zu entscheiden
  • 10% der Bevölkerung geht verloren
  • Kolonialbesitz geht in die Hand des Völkerbundes über
  • Berufsarmee auf max. 100.000 Mann reduzieren
    • Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft
    • Militärische Vereine verboten
  • Marine auf 15.000 Mann reduzieren
  • Verbot von Luftwaffe oder schweren Waffen (U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe)
  • Entmilitarisierung des Rheinlandes und eines 50km breiten Streifens östlich des Rheins
  • Reparationsleistungen
    • 1. Rate = 20 Milliarden Goldmark bis April 1921
    • Waren-/Rohstofflieferungen
  • Handelsflotte reduziert / Schifffahrtswege für international erklärt / Zollunion mit Luxemburg aufgelöst

Die Schüler bekamen den Auftrag, diese Forderungen mit ihrem Nachbarn hinsichtlich des ‚Empörungs-Potenzials‘ zu besprechen und in Kategorien eingeteilt wiederzugeben, auf welche Bereiche sich dieselben nun bezogen.

Kategorienbildung: Militärisch, Wirtschaftlich, Geographisch/Territorial, Politisch

  • Starke wirtschaftliche Einschränkungen/Beschneidungen
    • Abgabe der Industrie – Arbeitsplatzverluste / Verringerung des Exports /fehlende Rohstoffe für heimische, weiterverarbeitende Industrien = Erhöhung der Angewiesenheit auf Import
    • Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung
    • Verringerung des allg. Wohlstandes
  • ‚Verlust‘ des Militärs – Schutzlos / keine Möglichkeit mehr international ‚mitzuspielen‘ / Arbeitslosigkeit
  • Verlust der Kolonien: Prestigeverlust / Verlust von ‚Absatzmärkten‘
  • Handel/Zoll: Schwierigkeiten mit Im- und Export / trifft Deutschland gerade beim Export empfindlich / Nachteil für deutsche Waren
  • Reparationszahlungen: gerade nach dem Krieg nicht leistbar / nimmt dem eigenen Land dringend benötigte Rohstoffe
  • Ausschluss aus der internationalen Gemeinschaft + Kriegsschuld = Außenseiterstatus
  • Aufregung Scheidemanns nachvollziehbar
  • Aber: Deutschland ist Kriegsverlierer – Die Bedingungen sind also ‚normal‘/‚üblich‘?

Auch hier kam größtenteils genau das, was ich erwartet hatte. Als ich nach dieser Besprechung dann fragte, ob wir uns denn nun bereits ein Urteil darüber erlauben konnten, dass die Empörung Deutschlands über diese Forderungen gerechtfertigt sei, hielt ich innerlich den Atem an. War die Problemorientierung gelungen? Und die Schüler lieferten 🙂 „Nein, natürlich nicht. Wir kennen ja nur die Perspektive Deutschlands, wir müssen uns auch die Gegenseite anschauen, um die Intention hinter den Forderungen klar zu bekommen.“ Ein tiefes Durchatmen meinerseits, als ich mich zum Laptop herumdrehte.

„Und genau das wollen wir uns heute anschauen.“ Erklärte ich erleichtert und … vergaß mal wieder den Problemaufwurf anzuschreiben. *seufz* Ein gravierender Fehler, aber der einzige dieser Art für den Rest der Stunde. (Mal sehen, wann das endlich hängen bleiben wird … )

Es folgte die ausführliche Erklärung der Arbeitsphase. Jeder hatte ‚zu Hause‘ einen Text zu einem der Verhandlungspartner bearbeitet und vorbereitet. Ich betone hier ‚zu Hause‘, weil ich natürlich das Risiko, dass die Texte NICHT gelesen werden, nicht eingegangen bin und die Stunde vorher eine viertel Stunde eher Schluss gemacht habe, die ‚Hausaufgabe‘ austeilte und alle bat zu lesen und zu bearbeiten. Nein, ich hatte keine schlechtes Gewissen ^.^ Der Grund, warum diese vorentlastende Textarbeit geleistet werden musste, lag natürlich mit dem Blick auf die Urteilsebene auf der Hand. Ich konnte einfach nicht die inhaltliche Erschließung einbeziehen, da dies eine eigene ‚Stunde gewesen wäre, die aber Anforderungsbereich drei nicht erreicht hätte. Vielleicht wenn man irgendwann mal Doppelstunden zeigen darf.

Hier einmal die Arbeitsblätter zu den Politikern:

Wilson

GeorgeClemenceau

Nachdem ich nun also sicher sein konnte, dass alle vorbereitet zur Stunde erschienen waren, wies ich die Textpartner an, sich in einer zweiminütigen Murmelphase über ihre Ergebnisse auszutauschen. Ich hatte die Zettel nämlich so verteilt, dass immer zwei mit dem gleichen nebeneinander saßen. Danach hatten sie den Auftrag sich jeweils mit je einer anderen Position zusammenzufinden, so dass wir letztlich sieben 3er Gruppen bilden konnte, in der jede Position einmal vertreten war. Dabei sollten die Schüler die Perspektive ihres Politikers übernehmen und in die Verhandlungen zum Vertrag eintreten. Wären sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen oder hätten sie lieber mehr/weniger gefordert? 

In jeder der vorbereiteten Folienmappen, die ich an die Schüler rausgab, sobald sich ihre Verhandlungsgruppe zusammengefunden hatten, befand sich eine Tabelle, in der jeweils eine Position markiert war. Diese sollte von ihnen für die Präsentation dargestellt werden. Die gesamte Tabelle von jeder Gruppe ausfüllen zu lassen, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Tabelle

Darüber hinaus sollte jeder, sobald er*sie das Gefühl hatte die Positionen der Sieger eindeutig verstanden zu haben, dieselben in dem Plakat an der Tafel zuordnen. Hierfür hatten sie symbolisch für jeden Politiker einen farbigen Klebepunkt in den Mappen liegen.

Alle machten sich sofort ans Diskutieren, glichen die Ergebnisse ab und waren sich deutlich bewusst, dass sie nun wirklich jeder einzeln gefordert waren, um den anderen die jeweiligen Inhalte zu vermitteln. Schüleraktivierung 100% 😀 Mein Fachleiter lobte später, dass es mit eine der elegantesten Arten von Hausaufgabeneinbindung in die Stunde gewesen wäre, die er je gesehen hat O_o Auch der Auftrag sich am Plakat zu positionieren, funktionierte (fast) reibungslos. Es wurde etwas eng, als alle gegen Ende der Arbeitsphase vorne standen, aber das Ergebnis fiel wie erwartet aus.

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Nicht die beste Qualität … gelb – Clemenceau, grün – George, rot – Wilson.

Ab dem Zeitpunkt hatte ich mein Minimallernziel bereits erreicht.

Die SuS erkennen den Zusammenhang zwischen den individuellen Haltungen von Großbritannien, Frankreich sowie den USA und des Umfangs der Forderungen des Versailler Vertrages. -> Check.

Es folgten die Präsentationen der Ergebnisse, wobei die Schüler in der Phase dann sogar die Fehler oder Ungenauigkeiten der präsentierenden Gruppen eigenständig ergänzten und verbesserten. Ich brauchte nur in Ansätzen moderieren und war tatsächlich komplett ‚raus‘ aus dem Großteil des Stundenverlaufs. Einmal passierte es doch, dass ein Schüler vorne noch stand, als durch eine Nachfrage eine Diskussion begann, die ich nicht sofort kürzte und er somit diesen ‚bestellt und nicht abgeholt‘ Status für zwei Minuten einnehmen musste, aber das war noch im Rahmen. Alle Beiträge wurden wahrgenommen, gewürdigt und rund abgeschlossen.

Wirklich unschön in dieser Phase war das Versagen der Technik. Trotz doppelt vorhandenem OHP, fielen beide auf ihre ganz eigene Art aus. Der eine war schon berüchtigt dafür, dass er immer nach einigen Minuten überhitzte und sich ausschaltete, weswegen ich das zweite Modell zum Einsatz hatte bringen wollen. Dieses fing aber nach kurzer Nutzung so dermaßen an zu Fiepen und Surren, dass man den Vortragenden fast nicht mehr verstehen konnte. Irgendwann griff ich genervt ein und tauschte das Geräuschungetüm aus. Natürlich versagte der defekte Hitzeschalten dann noch während der Präsentation, so dass wir wieder auf die Geräuschbelästigung zurückgreifen mussten. Da der Schulleiter mit hinten drin saß, wurde das UMGEHEND an die richtige Stelle nach der Stunde weitergeleitet 😉

Da das Problem der Bewertung der deutschen Position und Reaktion zu den Forderungen des Versailler Vertrages sehr deutlich allen vor Augen schwebte – auch wenn es nicht an der Tafel stand – ging es nach einer kurzen Stellungnahme zu den Ergebnissen des Plakates auch direkt zur Beurteilung über. War die deutsche Reaktion nun gerechtfertigt oder nicht?

Es zeigte sich, dass es hier zwar recht unterschiedliche Meinungen gab, aber durch die visuelle Unterstützung kam ziemlich schnell doch das antizipierte Ergebnis dabei herum. Es wurde sogar der von mir im Entwurf genutzte Stundentitel 1:1 genannt: Hätte es schlimmer kommen können? – Beurteilung von Potenzial und Risiken des Versailler Vertrages durch die Einordnung der politischen Positionen und Interessen der alliierten Siegermächte.

Ein Schüler meldete sich, nachdem in den vorherigen Meldungen doch noch einmal kurz die zu repräsentierende und beurteilende Perspektive verwechselt worden war (‚Frankreichs Forderungen wären doch eh ungerecht gewesen …‘ – ‚Aufpassen worüber jetzt geurteilt wird, wir wollen nicht beurteilen, ob Frankreich berechtigt war die Forderungen zu stellen, sondern ob die deutsche Reaktion angemessen gewesen ist.‘), verwies auf das Plakat und meinte ganz empört: „Also, wenn man sich das da so anschaut, das hätte doch noch viel schlimmer kommen können, wenn man sich Frankreich so anguckt. Auch wenn die Forderungen hart waren, Deutschland hatte schon ‚Glück‘, dass sich nicht die Franzosen bei den Verhandlungen bedingungslos durchsetzen konnten … vielleicht hätte es Deutschland so nicht mehr gegeben, wie wir es kennen.“

Hach ja … schön ists, wenn ein Plan funktioniert. 😀

Für die angedachte Vertiefung, die die Ursache der deutschen Haltung noch besprochen hätte, war dann aber keine Zeit mehr. Ich beschloss, das als deutliches Schlusswort stehen zu lassen und beendete die Stunde 1 1/2 Minuten vorm eigentlichen Ende. Das Maximalziel (Die SuS formulieren eine Einschätzung der Rechtmäßigkeit sowie der Ursachen der negativen Reaktion von deutscher Seite aus auf diese Forderungen.) wurde dadurch zwar nur teilweise erreicht, aber die Ursachen hatte ich eh als didaktische Reserve angegeben und konnte damit sagen, dass der Stundenplan genau aufgegangen war.

Die Oberste Heeresleitung (und mit ihr auch die deutsche Öffentlichkeit), die sich schlicht auf Wilson und sein Friedensprogramm verlassen hatte und somit total vor den Kopf gestoßen war, als dann die viel härteren Forderungen gestellt wurden, blieben in der Stunde außen vor.

Lagebeurteilung der OHL

Am 29. September 1918 forderte die OHL – für die deutsche Öffentlichkeit völlig überraschend – sofortige Waffenstillstandsverhandlungen und gestand somit erstmals die deutsche Niederlage ein. Aus den Tagebuchnotizen des deutschen Offiziers Albrecht von Thaer vom 1. Oktober 1918:

 

Deshalb habe die O.H.L. von Sr. M. und dem Kanzler gefordert, dass ohne jeden Verzug der Antrag auf Herbeiführung eines Waffenstillstandes gestellt würde bei dem Präsidenten Wilson von Amerika zwecks Herbeiführung eines Friedens auf der Grundlage seiner 14 Punkte.


Um diesen sehr langen UB Bericht nun auch zu seinem Ende zu führen, kann ich nur sagen, dass ich meinen Geschichtsfachleiter noch nie so zufrieden erlebt habe. Ich hatte wirklich Mühe, mir für die Nachbesprechung Kritikpunkte ‚aus den Fingern zu ziehen‘, denn es hatte ja alles geklappt. Aber … ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem den 7 minütigen Vortrag mit Kritik zur Stunde hinbekommen hätte. Mein FL meinte an Schluss ganz empört, dass er ja wohl keine andere Stunde gesehen hätte, als ich gerade versuchen würde darzustellen und dass ich nicht so kritisch sein dürfte. ‚Tschuldigung … das ist das was man/Sie uns beigebracht haben.

Ich befinde mich also in der glücklichen Position, meine (insgesamt für beide Fächer) zehn absolvierten UBs mit einer 1 abschließen zu können.

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Kleines Lebenszeichen

Es ist gefühlt schon wieder so viel passiert … ich versuche mich am Wochenende mal an die Aufarbeitung der ganzen Ereignisse zu machen. Gerade kann ich vor allem vermelden: Alle UBs geschafft! 😀 Auf geht’s ins Examen. Im Oktober. Gefühl bin ich also seit dem letzten UB am Donnerstag (letzte Woche) in ein kleines Loch gefallen. ‚Nichts‘ zu tun zu haben, ist wirklich seltsam 😉

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Aus dem Tritt …

Im Moment läuft es nicht rund. Die Motivation fehlt stark und ich habe das Gefühl, als wäre der Kopf in Watte gepackt. Die Ideen wollen nicht so recht aus ihrer dunklen Ecke heraus und die einfachsten Hügelchen scheinen riesige Berge auf den ersten Blick.

Heute war ein Tag, der auf einen sehr unproduktiven gestern folgte und schon bescheiden begann. Mein Mann hatte irgendwie vergessen mich morgens zu wecken und so saß der Junge alleine auf dem Sofa, berieselt vom Kinderprogramm und ich schlief mit der Motte bis fast halb sieben, während er bereits um kurz nach sechs das Haus verlassen hatte O_o Wurde alles natürlich dezent knapp und stressig, aber ich kam pünktlich los. (Mit ungewaschenen Kindern, da das Frühstück auch nicht gemacht gewesen war. Wenn dann richtig …)

Die Stunden heute zogen sich ziemlich demotivierend dahin, es fiel nichts wirklich Negatives vor, aber ich hatte schon mal mehr Spaß im Unterricht. Die Schüler glaube ich auch. Vielleicht kam auch noch dazu, dass die Doppelstunde im Philo LK, in dem ich nun wieder nur hospitiere, doch durchaus ansprechend war und mir mein Unterricht dagegen eher stumpf vorkam. Hat der Terminator den Vergeltungstheorien einfach etwas voraus? Wer weiß … Ich hätte bestimmt noch ein tolles Beispiel für Kants Wiedervergeltung finden können … aber das mit der fehlenden Kreativität habe ich ja schon angesprochen.

In meinem Geschichtskurs danach kamen sogar Diskussionen auf. Das Thema polarisiert ja auch ordentlich. Wir sprachen über die Rechtfertigung der Sklaverei im 18. Jahrhundert in den (frisch) Vereinigten Staaten. Da ich zu dem Thema sehr viel in der Uni gemacht habe, konnte ich doch einiges an „Spezialwissen“ einstreuen und die Schüler waren durchaus interessiert. Der Fall Scott <> Sandford (eigentlich Sanford) diente als Erläuterung zum Menschenbild und der autobiographische Bericht von Salomon Northup schilderte eindrücklich, worum es beim ‚Tatbestand Sklaverei‘ eigentlich ging.

Aber die Stunde riss meine Laune nicht mehr raus. Ich hatte mich kurz vorher mit Herr Rickward wegen der Q1 Stunde morgen besprochen. Der Krieg soll zu seinem Ende kommen und die geeignetste Quelle dafür schien die Erklärung zum Lagebericht der OHL, die nach ewig langen Durchhalteparolen und vielen militärischen Fehleinschätzungen und -Entscheidungen nun doch auf Waffenstillstand drängte. Mein müdes Hirn hatte gestern einen Plan für die Stunde zusammengeschustert, was gefühlt ewig dauerte.

Als ich Herr Rickward meinen Plan vorstellte wurde wieder deutlich: Gutes Material, falsche Reihenfolge. Ich weiß nicht wo der Wurm gerade drin sitzt, aber er hat sich festgebissen. Joa, das KÖNNTE man so machen. Ob ich schon mal über eine umgekehrte Reihenfolge nachgedacht hätte. Schon wieder -.- Das Pferd von hinten aufgezäumt.

Ich hatte mit dem Frieden von Brest-Litowsk einsteigen wollen.

Europa 1918.PNG
The History of the World – Every Year (Sehr sehenswert, wer das noch nicht kennt.)

1918 hatte es Anfang des Jahres ja durchaus gut für das Kaiserreich ausgesehen und die Schüler sollten durch diese Momentaufnahme vom März etwas in die Perspektive von deutscher Seite im letzten Kriegsjahr versetzt werden.

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Das kontrastiert mit der Einschätzung ‚wir können keinen Tag länger und hätten am besten gestern schon Frieden geschlossen bevor wir überrannt werden‘, sollte für einen ordentlichen Problemaufwurf reichen. Tut es auch.

Aaaaaber: Warum ich das Epochenjahr 1917 als Abschlussphase geplant hätte, will Herr Rickward wissen. – Weil da alle Fäden der letzten Stunden dann zusammen laufen. – Ja, richtig. Wo setzt die nächste Stunde denn dann an? – Friedensverhandlungen – Versailler Vertrag. – Würde sich da nicht ein Fazit zur Situation am Kriegsende eher eignen? Und das Epochenjahr für den Anfang, da dann direkt die letzten Stunden präsent sind? – Recht hat er …

Ich hätte wie in der Doppelstunde da gestanden und im Einstieg bemerkt, dass ich die Stunde besser andersrum aufgezogen hätte. Der Rest ist wie immer gut, das Material sehr brauchbar. Am und mit dem Problem arbeiten wir/ich noch *seufz*

 

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WmdedgT? 06/2017

Ich habe gefühlt ewig nicht mehr auf die Frage von Frau Brüllen geantwortet, was ich denn den Tag so anstelle. Es ist der 5. des Monats Juni und ich denke dann doch mal wieder dran.

07:00 Uhr Halbschlaf

Da ich die Nacht etwas abseits des Hauptgeschehens bei meinem Freund verbracht habe, dämmere ich nach dem kurzen Gepolter nebenan aus dem Kinderzimmer wieder weg. Mein Mann macht schon 😉

08:10 Uhr Aufstehen

Es poltert wieder und es dieses Mal ertönt die leicht genervte Stimme meines Mannes von unten, die die Kinder auffordert ‚den Unsinn jetzt mal sein zu lassen‘. Gut, ich stehe wohl nun besser auf. Mein Freund dreht sich nochmal um.

08:45 Uhr Frühstück

Die Kinder sind hungrig und zerren mich relativ bald an den Frühstückstisch. Wir verdrücken die Reste vom übriggebliebenen Pfingstfrühstück mit den Großeltern vom Tag davor und besprechen den Tagesablauf. Da ich mich gestern durch eine sehr semi-optimal ausgefallene Geschichtsklausur der EF gequält habe, muss ich heute noch relativ viel Unterricht vorbereiten, will Elif besuchen und treffe mein Kernseminar abends zum Grillen. Arbeit, Arbeit …

09:30 Uhr Büro

IMG-20170605-WA0000Nachdem wir gegessen und grob Ordnung geschaffen habe, fange ich mit der Planung meines 9er praktische Philosophie Kurses an. Wir brauchen eine theoretische Grundlage um den Film „Die Bestimmung“ analysieren zu können. Dankbarerweise finde ich eine gute Aufteilung in einem Handbuch. Mit Hilfe der Kopiervorlagen fange ich an alles zurecht zu stückeln und … zu laminieren.

[Insider ^.^ Wer das ‚Laminier-Lied‘ noch nicht kennt, einmal diesem Link folgen.]

12:23 Kaffee Pause

Es dauert ja immer so furchtbar lange diese ‚kleinen Vorbereitungen‘ fertigzustellen.

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Es liegt alles fertig für Freitag im Regal und ich habe nebenher beim Ausschneiden, Einstecken, Zurechtskalieren, etc. noch zwei kurze Dokus über meinen ach so schlimmen Beruf gesehen.

Wie gut sind unsere Lehrer? Lehrer im ZDF-Check

Lehrer am Limit | Panorama | NDR

Auch zwei Arbeitsblätter, einmal für die oben zu sehende Gruppenarbeit und dann noch für die Dokumentation „Die Geschichte des Rassismus“ für besagten Geschichtskurs mit der Klausur, die sich etwas ‚Entspannenderes‘ nach der letzten Arbeit gewünscht haben, sind vorbereitet und abgeheftet.

16:00 Uhr Sonne und Arbeit

Da aus der ‚Pause‘ tatsächlich eine wirkliche Arbeitsunterbrechung wurde, in der ich ein wenig spielte, mit Freunden chattete, die Kinder bespaßte und nichts ganz so Produktives hinbekam, zog es mich gegen vier mit meinem Geschichtsbuch nach draußen. Sachanalyse beim Sonnenbaden bekommt man eben doch nicht so oft hin 😉 Das Kriegsende des ersten Weltkriegs wirkt auch gar nicht mehr so düster, wenn einem dabei die Sonne den Rücken wärmt.

17:15 Uhr Aufbruchsstimmung

Alle wichtigen Dinge fürs Grillen mit dem Kernseminar werden zusammengepackt. Leider gab es bei uns ein Missverständnis beim Einkaufen, weswegen ich nun ohne Salate da stehe und meinen Teil nicht so ganz leisten kann. Glücklicherweise wurde mir schon Ersatz aus dem heimischen Kühlschrank von einem Mit-Refi angeboten.

Die Kleidungsauswahl erweist sich als schnell getätigt. Wann sonst soll man die kürzeren Kleider auch anziehen, wenn nun nicht mehr in der Freizeit? ^.^ Sommerkleidchen passend zum Wetter gibt es zu Hauf in meinem Schrank. Gelegenheit sie anzuziehen leider weniger. Nach einem kritischen Blick auf die Oberschenkel entscheide ich mich aber für eine Strumpfhose. Ja … da läuft immer noch mein Fitnessstudio Abo ungenutzt. Ich muss wirklich dringend hin. >.<

17:30 Uhr Aufbruch und Treffen

Der Abend verlief dann wirklich schön. Grillen, Kartenspiele und etwas Fachgesimpel zu einem unfertigen Entwurf und dann war es schon kurz nach Zwölf. Da ich die Kinder am nächsten Morgen versorgen musste, brach ich sehr nüchtern aus der feuchtfröhlichen Runde auf und sitze den nächsten Tag mit dezenten Augenringen bei den tobenden Kleinen. Aber: Schön wars 🙂

Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Konstruktive Kritik, Referendariat

Wie Russland und ich im Chaos versanken …

… ok, Chaos ist vielleicht in meinem Fall etwas zu viel gesagt, aber ich hatte wieder eine Stunde mit dem Oberpunkt: Das hatten wir doch schon mal. Im Moment habe ich das Gefühl, dass meine Fehler immer banaler werden und sie mir vor allem SELBST auffallen sollten. Und ich mache mir wirklich Gedanken darüber, wie es mir später, nach der Ausbildung, nach den regelmäßigen Möglichkeiten der externen Reflektion und der Verbesserungsvorschläge, dann wohl auffallen soll, dass ich etwas ändern muss und vor allem: Was und Wie? In diesen Situationen rückt das Ref-Ende eher wie ein Schreckgespenst näher. Wer wird sich dann noch hinten reinsetzen und mir Tips geben? Negative Eigenheiten aufdecken, einem dezent oder grob auf die Füße treten und helfen die Unterrichtsqualität zu verbessern? *seufz*

Also, mal wieder eine Stunde bei Herr Rickward und mal wieder Fehler, die ich hätte vermeiden sollen, aber wohl einfach noch nicht vermeiden kann; obwohl sie mir theoretisch bekannt sind. Wir haben am Dienstag die Russischen Revolutionen erarbeitet. Arbeitsteilig haben die Schüler sich mit Hilfe von Darstellungstexten mit dem Ablauf der Revolutionen beschäftigt, drei Gruppen mit 1905 und drei mit 1917 und sich jeweils zu dritt mit verschiedenen Aspekten der Krisenanalyse befasst. Grundlage war die Konfliktanalyse, wie ich sie auch im 4. UB verwendet habe. (Die Schüler kamen leider nicht in den Genuss meines hübsch gestalteten Arbeitsblattes, da ich den Tag das erste Mal meinen Ordner zu Hause vergessen hatte.)

Die Stunden verliefen natürlich unspektakulär. Die Kinder arbeiteten, erschlossen sich die Texte und schrieben die wichtigsten Stichpunkte auf. Dann ging es an die Stunde zur Präsentation. Ich machte noch relativ lange den Abend und Morgen vorher an den Möglichkeiten zur Vertiefung herum und war doch nicht ganz glücklich mit dem Ergebnis. Plötzlich kann ich nicht mehr abschätzen, wie lange sie nun für die Vorstellung brauchen könnten, wie ich verschiedene Punkte herüberbringen soll, was sie an Material benötigen, um diesen oder jenen Gedankenschritt nachzuvollziehen und so weiter. Es ist furchtbar.

So kopierte ich morgens noch die Quelle „Was tun?“ von Lenin, um hier auf die Idee von ‚Berufsrevolutionären‘ und dem Widerspruch dieser bewussten „Einrichtung von Revolution“ mit den weitgefächerten Abläufen einer ’natürlichen‘ Revolution in Kontrast setzen zu können. Und den Ideen, die Marx eigentlich gehabt hatte, als er den Klassenkampf prognostizierte. Und dem, was Stalin dann daraus gemacht hat. Und mit den Konzepten von Geschichte nach Hegel (Dreischritt mit Lernen aus dem Vergangenen) und Nietzsche (Gezwungenes ‚immer wieder das Gleiche machen ohne etwas daraus mitzunehmen‘) können wir uns ja eigentlich auch noch beschäftigen. Und die genaue Ereignisgeschichte der Revolutionen …

Man sieht das Problem, oder? Natürlich ist das Zuviel. Zuviel von allem. Aber man braucht ja Impulse, es muss doch möglichst groß sein, damit man am Schluss genug Diskussionspotenzial hat, nicht? Denn Diskussion muss ja. Und dann müssen sie ja große Themenfelder bekommen, damit jeder etwas sagen kann.

*seufz* Morgens ging mir auf der Fahrt noch ein Licht auf, was mein Problem bei den Fragen angeht. Ich frage immer in eine Richtung. Ich frage so, dass man sich bei der Antwort so positioniert, dass keine Offenheit für Standpunkt 2 oder 3 oder 4 ebenfalls legitim gelassen wird, außer man greift die Prämisse der Frage an. Ich will es zu genau, zu eng, zu vertieft im ersten Schritt. Das stockt die Gespräche und führt dazu, dass oft nur die Leistungsstarken mir folgen können. Das Problem hier ist: Ich weiß das theoretisch. Ich schaffe es nicht in konkreten Situationen das dann anders umzusetzen. Weil ich Angst habe, dass Dinge schwammig bleiben, falsch aufgenommen und gelernt werden. Ich will es direkt so ‚richtig‘ wie möglich vermitteln um die ‚Ausfallrate‘ so gering wie möglich zu halten.

Nach der Stunde machte Herr Rickward mich auf ein weiteres Problem aufmerksam, was in dieser Sorge seinen Ursprung hat. Als die Schüler vorgetragen haben, habe ich an den Stellen, wo sie schwierige Begriffe/Umstände eher oberflächlich oder ungenau erklärt haben, direkt eingegriffen und habe um Präzisierung gebeten oder direkt einen kurzen Austausch im Plenum veranlasst. In der Zeit standen die Schüler, die präsentierten, dann vorn und warteten auf den Fortgang der Präsentation. Die Abläufe haben sich stark vermischt, teilweise meldeten sich die Präsentierenden, um sich an der Diskussion zu beteiligen. Und das passiert mir häufiger, auch in anderen Kursen. Die Situation hat mehrere Probleme.

  1. Man fällt den Präsentierenden ins Wort.
  2. Es entsteht eine Art Prüfungsgespräch durch das Nachhaken.
  3. Konkrete Sammlung / Sicherung der zu klärenden Punkte fehlt.
  4. Der Schülerbeitrag geht unter, wird nicht wertgeschätzt und die klaren Übergänge fehlen.
  5. Material wird wenig bearbeitet / eingebunden.

Ich agiere oft so, weil ich …

  • … nichts vergessen möchte.
  • … nicht möchte, dass etwas ‚Falsches‘ behalten wird.
  • … die Schüler direkt zur Genauigkeit anhalten will.
  • … der Überblick für eine Sammlung nach den längeren Präsentationen oft noch fehlt.

Die Stunde hatte dann noch weitere Schwächen. Die Diskussion am Schluss ruderte in viele Richtungen und ‚verlor‘ dabei doch einige Schüler auf dem Weg. (Auch Herr Rickward bestätigte mir, dass dieses zu viele Fäden auf einmal zusammenknüpfen zu wollen ‚ein typisches Problem der neuen Philosophiekollegen‘ wäre.) Die Zeit wurde zu knapp für das AB, was in einem reinen Gespräch ohne Material endete. Das ist immer noch eine Stufe schwerer, als wenn man sich an konkreten Fakten entlanghangeln kann. Ich bin nach wie vor unsicher, wieviel an Fakten ich persönlich vorgeben darf, ab wann ich manipuliere, suggeriere und so weiter. Wenn ich meine Auffassung der Inhalte des ABs für die Diskussion kurz darstelle, stelle ich eben MEINE Sicht dar. Die Schüler konnten sie sich nicht bilden und müssen für ihre weiteren Annahmen darauf bauen, dass ich das so neutral wie möglich dargestellt habe.

Nicht dass sie den Lehrer in vielen Fällen hinterfragen würden. Sie gehen oft einfach davon aus, dass ich ihnen keinen Unsinn erzähle. Und das empfinde ich eben als sehr problematisch. Was dann zu den vorher beschriebenen Verhaltensweisen von mir führt, wo ich versuche sicherzustellen, dass sie in der Situation direkt eben so wenig wie möglich ‚Falsches‘ verstehen können. *seufz*

Naja, wir arbeiten dran. In Präsentationen mache ich mir demnächst strickt Notizen und füge eine Sammlungsphase am Schluss an. Werde mit dem Material der Präsentierenden arbeiten und dieses ergänzen/korrigieren. Bei schwerwiegenden Fehlern greift man natürlich ein, aber ansonsten lasse ich meine armen Schüler wohl erstmal besser AUSREDEN -.-