Veröffentlicht in Ausbildung, Konstruktive Kritik, Prüfung, Referendariat

Die Vornoten fürs Examen

Im Examen setzt sich die letztendliche Note zu je 50% aus den Leistungen vorher sowie den Ergebnissen des Prüfungstages zusammen. Das bedeutet, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem 50% meiner Note bereits feststehen. Die Findung dieser 50% hat aber eine kleine Geschichte mit sich gebracht, die ich gerne festhalten würde.

Wie ich beim Beitrag 5. UB Geschichte schon erwähnte, war mein Fachleiter sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich persönlich auch, hatte aber in dem Moment noch keine Zeit, mich direkt mit dem Gezeigten auseinander zu setzen, da der UB mitten im Schultag gelegen hatte und ich erst einmal gleich in die nächste Stunde zu meinen 6ern huschte.


Als Einschub: Die sind ja wirklich goldig 🙂 Ich erwähnte irgendwann, dass sie ja wissen würden, dass ich ’nur‘ Referendarin bin (eine Info die, als sie bekannt wurde, mit sehr viel Erstaunen aufgefasst worden war – „Wir dachten Sie wären eine ‚echte‘ Lehrerin!“ – „Danke 😀 „). Und dass ich im Oktober im neuen Schuljahr meine Prüfung machen würde und ich da natürlich auch Klassen bräuchte, die mit mir die Prüfung überstehen.

„Das können wir machen! – Wir sind wirklich gut darin, Frau X und Frau Y haben auch ihr Examen mit uns gemacht! – Oh und Herr Z auch. – Neee, das war nur ein UB.“

„Ihr seid ja richtige Examensprofis“, musste ich erstaunt feststellen.

„Ja! Die haben auch alle bestanden!“ wurde mir zufrieden mitgeteilt.

Erschrocken kam der Nachsatz: „Gehen Sie danach dann etwa auch weg?!“

„Ich fürchte, dass das sehr wahrscheinlich ist.“ stellte ich bedauernd fest. „Für meine Fächer besteht hier kein Bedarf an der Schule.“ (Also, offiziell nicht – Herr Drüppert ist ja eine ganz eigene Geschichte …)

Betretene Gesichter und einige regten sich auf, dass ‚immer die guten Lehrer‘ gehen würden.  Ich erklärte ihnen dann noch, dass sie offiziell nach den Ferien einen anderen Lehrer bekommen würden, ich dann aber den Unterricht bis zur Prüfung weiter übernehme. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich Frau Klaus in der Klasse dann wiedersehen werde.


Nachdem meine Stunden dann alle durch waren, hatte ich mich eigentlich an die Reflektion der UB Stunde setzen wollen, bevor ich zum Seminar fahren musste, aber die Motivation verließ mich vollständig. Es war fürs erste vorbei! O_o Und es wollte mir kaum etwas einfallen, was ich tatsächlich kritisieren konnte. Also trank ich einen Kaffee mit den neuen Refis, deren Bekundungen, dass sie wirklich gerne mit mir tauschen würden ihr übriges dazu beitrugen, dass ich mehr und mehr entspannte. Vorbei 🙂 Eine wirkliche Pause bis zum Examen.

Beim Seminar, wo wir uns einen Vortrag zu Depressionen anhörten (auf Grund des Vorfalls letzten Jahres) von einem Dozenten der uns offensichtlich mit medizinisch-psychologischen Studenten verwechselte, versuchte ich also die Kritikpunkte an der Stunde aufzuzählen, während Informationen über die Veränderung des Stoffwechsels in depressiven Phasen an mir vorbeiwaberten.

Ich verließ den Vortrag eher, da mein Fachleiter mich direkt am Seminarort zur Nachbesprechung treffen wollte. Und da Seminarzeiten eigentlich ‚heilig‘ sind, hatte ich offiziell einen Betreuungsnotfall bei den Kindern aufzufangen. Was dazu führte, dass wir uns heimlich einen der weit vom Sekretariat gelegenen Räume schlichen ^.^ Aber das nur am Rande.

Kritik an der Stunde konnte man insofern üben, als dass der Plan eben ’nur‘ aufgegangen war und die Reserve und somit die Vertiefung nicht folgte. Auch hatte ich in der Erarbeitungsphase zu lange Zeit gegeben, welche natürlich am Ende für die Diskussion besser genutzt gewesen wäre. Bei der Präsentation hat ein Schüler kurz noch vorne gestanden, während seine Mitschüler etwas diskutiert hatten, was zur Unterbrechung seiner Präsentation führte und ihn untätig vorne stehen ließ. Und die Perspektivübernahme, welche als historische Methode ja explizit eingeübt werden sollte, hat nicht bei allen Schülern geklappt, da sie am Schluss dazu tendiert hatten, die Rechtmäßigkeit der französischen Forderungen zu beurteilen und nicht die der deutschen Reaktion auf den Vertrag.

Meckern auf hohem Niveau, wenn es nach meinem Fachleiter geht. Er meinte ganz entrüstet, dass ich das doch nicht so negativ sehen solle, die Stunde wäre hervorragend gelaufen. Seine Punkte, die sich dann wie der berüchtigte ‚warme Sommerregen‘ ergossen waren:

  • die Stunde war durchdacht, organisiert, gut geplant
  • hohe Schüleraktivität
  • Lernumgebung optimal vorbereitet
  • Lernstand: Zitat sofort kontextuell eingeordnet, Blick aufs Ausland vorhanden, zeitlich eingeordnet, Gelenkstelle (Forderungen) erkannt
  • ‚eine der elegantesten Einbindungen von Hausaufgaben in eine Stunde die er je gesehen hat‘ O_o :mrgreen:
  • Diskussion in den Gruppen angeregt und vertieft
  • klare Arbeitsaufträge und Strukturen
  • tolle Visualisierungen von Arbeitsaufträgen und Meinungsbild des Kurses
  • Beurteilung/Begründung ‚harter Friede‘ durch Schüler gelungen
  • Stunde ohne Leerlauf
  • Nachhaltiges Lernen: Sinn hinter Hausaufgabe erkannt – Ich brauche die Hausaufgabe um mich in der Stunde einbringen zu können / Arbeitsaufträge für die nächsten Stunden erkannt „Wir müssen da noch Folgen der Forderungen klären.“
  • Methode, Sozialform und Arbeitsform gut verbunden

Er war glaube ich genauso überrascht wie ich von seinem eigenen Lob ^.^ Denn mein Geschichtsfachleiter wäre nicht mein Geschichtsfachleiter, wenn er sich jetzt tatsächlich EINDEUTIG auf eine Note festgelegt hätte. (Der Grund, warum mein Philosophiefachleiter mich ins Examen begleitet.)

„Das heißt die Stunde war …?“ fragte ich vorsichtig nach.

„Ja, also das wäre eigentlich eine Eins.“ setzte er an. „Aber … im Examen … Also, Sie haben hier ja nicht die Auswerttiefe der Materialien in der Stunde voll ausschöpfen können. Das war ein Risikoschritt, der zwar hier geklappt hat, aber die Schüler müssen schon sehr viel vorweg leisten und wenn sie es nicht tun, ist es ein Leerschritt in der Stunde. Und die Ergebnisse sind schlecht überprüfbar.“

„Richtig, wobei wir ja in den Tabellen die Darstellung der Positionen gesehen haben und dort schon deutlich wurde, was verstanden worden ist und was nicht. Was in dem Fall der Stunde ja doch tiefgreifend gewesen ist, da die Schüler in der Lage waren sich selbst zu korrigieren über das Plenum, als ungenaue Ergebnisse in der Präsentation auftauchten.“

Er nickte. „Ja, richtig. Aber die historische Kontextualisierung hätte einfach noch mehr hergestellt werden müssen. Man KANN es aus den Äußerungen schließen, aber es muss thematisiert werden. Im Examen sollten Sie so eine Stunde nicht zeigen, das könnte dann nur eine Zwei sein, je nachdem, wer in der Kommission sitzt.“

*seufz* So ist das. Ich hakte den Punkt ab.

„Und wie sieht es mit meiner Vornote aus? Wie gehe ich von Ihrer Seite aus ins Examen?“ wollte ich dann wissen.

„Ja, also, Sie waren bei mir ja eher immer die Dreier-Kandidatin.“ Ich bekam große Augen. „Da muss ich mal in mich gehen, ob das nun noch eine schlechte Zwei wird … Wir haben ja das Problem mit den ganzen Noten. Früher war es einfacher, als wir noch Tendenzen angeben konnte, aber jetzt muss man da schon genau schauen, wo man einen Kandidaten einordnet.“

Ich war ein wenig geplättet. Ja, der blöde zweite UB war eine Sechs von seiner Seite aus gewesen (wobei erster und zweiter nicht mit Noten bedacht werden dürfen). Aber auch der führte nur zu einer Drei in der Zwischennote. Und sowohl der dritte, als auch der vierte UB waren eine Zwei gewesen, wenn auch mit Dreiertendenz im vierten UB, wegen der fehlenden Diskussion am Schluss. Und nun war es eine Einser Stunde, die das ganze abschloss und er sah maximal die Möglichkeit zur schlechten Zwei?!

Leider reagierte ich in der Nachbesprechung nicht mehr darauf, da ich mir selbst unsicher war, ob er nicht Recht hätte. Er klang zumindest ziemlich überzeugt und dementsprechend beließ ich es bei ungläubigen Blicken. Aber es rumorte doch weiter. Letztlich schrieb ich ihm am Wochenende danach eine Mail, da auch Maite mir noch einmal bestätigte, dass die Vorbenotung „den Grad der Erreichung der einzelnen Kompetenzen zum Beurteilungszeitpunkt bezeichnet“. (<- Offizielle Vorgaben aus den Hinweisen für Langzeitbeurteilungen vom ZfsL, Maite hat was die Vorgaben angeht absoluten Durchblick.) Was bedeutet, dass man die Noten nicht arithmetisch mitteln darf, sondern eher das Maximum des Könnens und die Nachhaltigkeit desselben in den Fokus rückt. Wenn bei mir nun eine dauerhafte Steigerung bis zu dem letztlichen Endpunkt abzulesen ist, komme ich eigentlich bei einer anderen ‚Zahl‘ heraus.

Es war mir natürlich nicht besonders wohl dabei, die Entscheidung/Äußerung desjenigen zu hinterfragen, der fürs erste meine berufliche Zukunft in Händen hält. Und ihm dadurch vielleicht das Gefühl zu geben, dass ich seine Kompetenz in Frage stelle. Zum Glück passierte das nicht. Er antwortete sehr verständnisvoll und stellte sogar klar, dass er es als positiv empfinden würde, ‚wenn man seinem Unmut freien lauf ließe‘. Im klärenden Gespräch einige Tage später nach dem Fachseminar stellte er richtig, dass er sich an dem Nachmittag die Hälfte nur gedacht hätte und es so zu einem Missverständnis gekommen wäre.

Ende der Geschichte ist nun, dass ich sowohl in Geschichte, als auch in Philosophie mit einer 2+ vorbenotet bin, da sich diese beiden jedoch einigen müssen, da die Fachseminare zusammen veranschlagt werden in den 25% der Gesamtnote, ist es wohl üblich so einen Fall mit einer 1,5 insgesamt zu bewerten, um die Tendenz nach oben auszudrücken, die bei einer schlichten „2“ eben nicht herauskäme (Problem der ganzen Noten). Sie werden das nun besprechen und dann sehe ich ja, was dabei rauskommt.


Von meinem Schulleiter bekam ich im Verlauf der Woche ebenfalls seine abschließende Einschätzung meiner Leistungen, die sich auch in diesem Bereich bewegen. Er betonte noch einmal die Entwicklung, die er vom ersten UB bis heute sehen würde, die Art, wie sich meine doch sehr universitäre Art immer mehr den Schülern angenähert hätte, ohne dabei die fachliche Tiefe zu verlieren. Das hört man ja wirklich sehr gerne 🙂 Auch er würde mir wohl die 1,5 als Vornote geben wollen.


Um die ganze Geschichte noch einmal von der Metaebene zu betrachten: Ich hoffe, dass ich nicht so schnell vergessen werde, wie sich dieses ‚Bewertet werden‘ und den ‚Noten hinterherlaufen‘ anfühlt. Ganz im Sinne von: Die Schülerperspektive nicht verlieren. Es wird für lange Zeit zumindest offiziell das letzte Mal sein, dass so viel Existenzdruck von meinen Noten abhängt und der Zustand nervt einfach unheimlich.

In der Schule damals haben mich Noten nicht interessiert. Ich war gut genug, dass ich mich nicht anstrengen musste und hatte nicht genug Ehrgeiz, um irgendwelchen Notenschnitten hinterher zu jagen. (Mein Abi schaffte ich mit 2,8 ohne einen Finger zu krümmen.) Jetzt wäre das eine mittlere Katastrophe, da ich nicht den Luxus habe, auf ‚eine Stelle irgendwann mal‘ zu warten. Die Finanzen müssen stimmen, auch nach dem Ref und dafür brauche ich direkt eine weitere Anstellung, wofür ich natürlich zu den Bewerbungsgesprächen eingeladen werden muss.

Noch dazu legte mir mein Geschichtsfachleiter auch direkt im Gespräch nahe, dass ich an einer Gesamtschule wohl nicht glücklich werden würde. Ich muss sagen, dass ich seine Einschätzung insofern teile, als dass ich mir selber nicht die Nerven bescheinige, dass ich mit ’sozialen Problemen‘ der Schüler adäquat umgehen kann. Im Sinne von emotional Abstand zu halten. Ein dörfliches Gymnasium, wie die Schule an der ich nun unterrichte, wäre zum Start ins Berufsleben ideal, weil man sich dort tatsächlich nur um das Fachliche kümmern muss. Was ja an sich schon schwer genug ist. Kommen dann die privaten Probleme und Lernschwierigkeiten ganzer Schulklassen dazu, wird es echt schwierig.

Hach ja … alles ‚ungelegte Eier‘. Ich hoffe mal, dass es sich ergeben wird, was und wie auch immer das dann passiert. Fürs erste gehe ich mit 1,5 ins Examen und versuche diesen Schnitt an dem Tag auch zu halten.

 

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5. UB Geschichte

Oder alternativ: Na also, geht doch!!! Der letzte UB ist geschafft und so chaotisch, wie es sich die Reihe vorher andeutete wurde er zum Glück bei weitem nicht. Die Zeit bis dahin wurde trotzdem wieder etwas lang und bis zum Schluss war ich ein wenig am Zittern, dass sich diese verquere Art aus den Stunden zuvor fortsetzen würde.

Das Wochenende vorher war ja glücklicherweise ein langes – das wurde dementsprechend auch gut genutzt. Wenn man schon ackern muss, kann man es auch in der Sonne tun. So zumindest meine Devise, als es noch so schön warm war. Ich habe es somit geschafft, eine angenehme Bräune zu erhalten. Anfang der Woche sprach ich noch mit einem anderen Refi, der eine Stunde zur Nachhaltigkeit des Versailler Vertrages andachte (Fördert der Friedens-Vertrag tatsächlich den Frieden?) für seinen fünften UB und einen Tag später kam ich mit Herr Rickward überein, dass ich wohl letztlich beim gleichen Thema landen würde. Allerdings in der Vorbereitungssitzung zu dieser abschließenden Bewertungsfrage – bei der Erarbeitung der Positionen der beteiligten Siegermächte, die den Vertrag aufgesetzt hatten. Ich biss gedanklich in die Tischkante.

Genau aus diesem Grund hatte der andere Refi seine UB Stunde in den zweiten Teil der Doppelstunde geschoben. Reine Erarbeitung ist nichts, was man im UB sehen mag und er wählte sich die zweite Hälfte, um die Beurteilungsebene zeigen zu können. Ging bei mir nicht, da meine Stunde eine Einzelstunde war. Umdenken also angesagt. Wie bekommt man für die Perspektiven der Siegermächte eine Beurteilung zustande? Hier das Ergebnis:

Ich war ein wenig fahrig den Tag. Trotz meines eigentlich immer noch stabilen Nervensystems, bringt einen das dauerhafte Rotieren schon an die Grenzen. Es hatte so viel zu planen gegeben, dass ich eine Stunde eher kam, um den Kursraum vorzubereiten, alles aufzuhängen, am PC/Beamer aufzurufen, Material vorzuverteilen, zusammenzustellen, etc. Herr Rickward, der in seiner unglaublichen Weitsicht, im Vorfeld direkt seinen LK, der den Raum vorher belegt hätte, umgeplant hatte, damit ich da in Ruhe werkeln konnte, nickt mir nur kurz zu: „Das wird alles gut laufen, machen Sie ganz ungestört alles fertig.“ Danke ❤ Und mittendrin stand mein Schulleiter plötzlich vor mir und teilte mir mit, „dass sich Termine manchmal ändern;“ er hätte nun doch Zeit und bräuchte noch einen Entwurf. Klar, machen wir alles mit Links >.<

Zu Beginn der Stunde hatte ich also:

  1. Den Raum gelüftet.
  2. Stühle und Tische platziert.
  3. Tafel geputzt.
  4. Den Beamer angestellt.
  5. Alle Dokumenten der Reihe nach, wie sie in der Stunde benötigt wurden, am Laptop aufgerufen.
  6. Material für die Einzelarbeit (umgedreht) auf den Tischen verteilt.
  7. Material für die Gruppenarbeit in die Folientaschen sortiert.
    1. Folien für die Gruppenarbeit
    2. Arbeitsanweisungen
    3. Klebepunkte für jedes Gruppenmitglied
    4. Folienstift
  8. OHPs (der Raum besitzt normalerweise drei, zwei waren da) ausprobiert, sichergestellt dass sie laufen und positioniert.
  9. Plakat mit Magneten an der Tafel befestigt und Arbeitsauftrag daneben gepinnt.
  10. Impulszettel/Folienstifte/Ersatzfolien(für Beamer-Ausfall)/Stundenverlaufsplan bereit gelegt.

So kam es dann auch, dass ich schon zur Beginn der fünf Minuten Pause die Tür schloss, da ich wegen der Anwesenheit des (gesamten!) Kurses – die Schüler hatten wohl direkt bei den anderen Kollegen um pünktliches Ende der ersten Stunde gebeten – irgendwie sogar die Startzeit der Stunde gedanklich verwechselte, direkt das Zitat aufrief und erst beim Seitenblick auf meinen Schulleiter, der schmunzelnd meinte, dass wir ja eigentlich noch Zeit hätten, bemerkte, dass das etwas zu früh war. Gut, kein Problem, Beamer nochmal für 3 Minuten aus.

Wir stiegen mit einem Zitat von Scheidemann ein.

Scheidemanns Ansprache vor der Verfassungsgebenden Nationalversammlung

12. Mai 1919.

Ich frage Sie: Wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt?

(Lebhafter Beifall)

Und dabei sollen wir die Hände regen, sollen arbeiten, die Sklavenschichten für das internationale Kapital, Frondienste für die ganze Welt leisten?

Am 20. Juni 1919 trat er offiziell zurück.

Natürlich war ich so auf die Ergebnisse, die ich hier erwartete fixiert, dass ich total vergaß darum zu bitte, das Zitat erst einmal vorlesen zu lassen. „Ordnen Sie das Zitat formal und inhaltlich ein.“ Alle fangen an das Zitat für sich zu lesen und ich merke, hier passt etwas nicht. „Ok, stopp.“ Ich entscheide mich direkt den Fehler anzugehen und unterbrach. „Ich habe da etwas vergessen. Würde jemand das Zitat erst einmal vorlesen. – Aber bitte mit Betonung!“ Sofort sind die Hälfte der Finger oben, ich wähle meinen kleinen Querdenker, von dem ich weiß, dass er sich hervorragend aufs Schauspielern und Darstellen versteht. Wir bekommen Scheidemann ‚mit Effet‘ vorgelesen und ab da läuft es.

[Ich ergänze in dieser Reflektion einmal die Inhalte, die ich im Entwurf auch als erwartete Ergebnisse angegeben habe und stelle die, die nicht gekommenen sind kursiv dar.]

Formal

  • SPD Politiker
  • Demokrat/Sozialist (Vokabular)
  • 1. Ministerpräsident unter Ebert
  • Spricht sich in einer politischen Rede …
  • gegen die Annahme des Vertrages aus

Inhaltlich

  • Fessel & Sklaverei: Beschränkung der Freiheit/Selbstbestimmung
  • Internationales Kapital: Besonderheit in der sprachlichen Darstellung / politisch links
  • Frondienste (eventuell Verständnisproblem) – schmachvolle, nicht entlohnte Arbeit
  • Deutschland als Diener/Unterdrückte der ganzen Welt
  • Mit Zwang herbeigeführt – „sollen“
  • „verdorren“ – handlungsunfähig, Selbstverstümmelung, Entzug der Lebensgrundlage
  • Ehrlich & vertragstreu: man ist sich bewusst, dass man die Bedingungen nicht einhalten kann
  • Zusatz: Historische Kontextualisierung von Vertrag, Ereignissen davor und danach.

Die etwas dürftigen Ergebnisse der formalen Analyse hatte ich einer Schülerin zu verdanken, die am Anfang sowas von ins Straucheln kam bei ihrer Antwort, dass auch alle anderen merkbar einige Sekunden brauchten, um Ansatzweise nachzuvollziehen, was sie da nun eigentlich gesagt hatte. Dadurch vergaßen sie dann aber, noch auf die formalen Aspekte einzugehen und der Punkt ging unter. War jetzt aber auch nicht sooo wild.

Es kam ziemlich schnell die Frage auf, inwieweit sich die ganze Aufregung denn nun wirklich lohnte, die bei Scheidemann wahrzunehmen war. Genau wie erwartet, kam die Frage nach den Bedingungen, die diese Reaktion provoziert hatten und ich konnte auf das vorher verteilte einzelne A5 Blatt mit den Forderungen verweisen, das umgedreht auf den Tischen vor den Schülern lag. (Manchmal haben die Stunden dann doch was von ‚Zaubershow … wurde im Verlauf auch nicht weniger ^.^)

Forderungen des Versailler Vertrages an Deutschland, vom 28. Juni 1919.

  • Anerkennung der Urheberschaft des Krieges und seiner Folgen
  • Ausschluss aus dem Völkerbund
  • 13% des deutschen Reichsgebiets werden abgetreten
    • Einige direkt bei Unterzeichnung verloren
    • Andere durch Volksabstimmungen noch zu entscheiden
  • 10% der Bevölkerung geht verloren
  • Kolonialbesitz geht in die Hand des Völkerbundes über
  • Berufsarmee auf max. 100.000 Mann reduzieren
    • Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft
    • Militärische Vereine verboten
  • Marine auf 15.000 Mann reduzieren
  • Verbot von Luftwaffe oder schweren Waffen (U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe)
  • Entmilitarisierung des Rheinlandes und eines 50km breiten Streifens östlich des Rheins
  • Reparationsleistungen
    • 1. Rate = 20 Milliarden Goldmark bis April 1921
    • Waren-/Rohstofflieferungen
  • Handelsflotte reduziert / Schifffahrtswege für international erklärt / Zollunion mit Luxemburg aufgelöst

Die Schüler bekamen den Auftrag, diese Forderungen mit ihrem Nachbarn hinsichtlich des ‚Empörungs-Potenzials‘ zu besprechen und in Kategorien eingeteilt wiederzugeben, auf welche Bereiche sich dieselben nun bezogen.

Kategorienbildung: Militärisch, Wirtschaftlich, Geographisch/Territorial, Politisch

  • Starke wirtschaftliche Einschränkungen/Beschneidungen
    • Abgabe der Industrie – Arbeitsplatzverluste / Verringerung des Exports /fehlende Rohstoffe für heimische, weiterverarbeitende Industrien = Erhöhung der Angewiesenheit auf Import
    • Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung
    • Verringerung des allg. Wohlstandes
  • ‚Verlust‘ des Militärs – Schutzlos / keine Möglichkeit mehr international ‚mitzuspielen‘ / Arbeitslosigkeit
  • Verlust der Kolonien: Prestigeverlust / Verlust von ‚Absatzmärkten‘
  • Handel/Zoll: Schwierigkeiten mit Im- und Export / trifft Deutschland gerade beim Export empfindlich / Nachteil für deutsche Waren
  • Reparationszahlungen: gerade nach dem Krieg nicht leistbar / nimmt dem eigenen Land dringend benötigte Rohstoffe
  • Ausschluss aus der internationalen Gemeinschaft + Kriegsschuld = Außenseiterstatus
  • Aufregung Scheidemanns nachvollziehbar
  • Aber: Deutschland ist Kriegsverlierer – Die Bedingungen sind also ‚normal‘/‚üblich‘?

Auch hier kam größtenteils genau das, was ich erwartet hatte. Als ich nach dieser Besprechung dann fragte, ob wir uns denn nun bereits ein Urteil darüber erlauben konnten, dass die Empörung Deutschlands über diese Forderungen gerechtfertigt sei, hielt ich innerlich den Atem an. War die Problemorientierung gelungen? Und die Schüler lieferten 🙂 „Nein, natürlich nicht. Wir kennen ja nur die Perspektive Deutschlands, wir müssen uns auch die Gegenseite anschauen, um die Intention hinter den Forderungen klar zu bekommen.“ Ein tiefes Durchatmen meinerseits, als ich mich zum Laptop herumdrehte.

„Und genau das wollen wir uns heute anschauen.“ Erklärte ich erleichtert und … vergaß mal wieder den Problemaufwurf anzuschreiben. *seufz* Ein gravierender Fehler, aber der einzige dieser Art für den Rest der Stunde. (Mal sehen, wann das endlich hängen bleiben wird … )

Es folgte die ausführliche Erklärung der Arbeitsphase. Jeder hatte ‚zu Hause‘ einen Text zu einem der Verhandlungspartner bearbeitet und vorbereitet. Ich betone hier ‚zu Hause‘, weil ich natürlich das Risiko, dass die Texte NICHT gelesen werden, nicht eingegangen bin und die Stunde vorher eine viertel Stunde eher Schluss gemacht habe, die ‚Hausaufgabe‘ austeilte und alle bat zu lesen und zu bearbeiten. Nein, ich hatte keine schlechtes Gewissen ^.^ Der Grund, warum diese vorentlastende Textarbeit geleistet werden musste, lag natürlich mit dem Blick auf die Urteilsebene auf der Hand. Ich konnte einfach nicht die inhaltliche Erschließung einbeziehen, da dies eine eigene ‚Stunde gewesen wäre, die aber Anforderungsbereich drei nicht erreicht hätte. Vielleicht wenn man irgendwann mal Doppelstunden zeigen darf.

Hier einmal die Arbeitsblätter zu den Politikern:

Wilson

GeorgeClemenceau

Nachdem ich nun also sicher sein konnte, dass alle vorbereitet zur Stunde erschienen waren, wies ich die Textpartner an, sich in einer zweiminütigen Murmelphase über ihre Ergebnisse auszutauschen. Ich hatte die Zettel nämlich so verteilt, dass immer zwei mit dem gleichen nebeneinander saßen. Danach hatten sie den Auftrag sich jeweils mit je einer anderen Position zusammenzufinden, so dass wir letztlich sieben 3er Gruppen bilden konnte, in der jede Position einmal vertreten war. Dabei sollten die Schüler die Perspektive ihres Politikers übernehmen und in die Verhandlungen zum Vertrag eintreten. Wären sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen oder hätten sie lieber mehr/weniger gefordert? 

In jeder der vorbereiteten Folienmappen, die ich an die Schüler rausgab, sobald sich ihre Verhandlungsgruppe zusammengefunden hatten, befand sich eine Tabelle, in der jeweils eine Position markiert war. Diese sollte von ihnen für die Präsentation dargestellt werden. Die gesamte Tabelle von jeder Gruppe ausfüllen zu lassen, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Tabelle

Darüber hinaus sollte jeder, sobald er*sie das Gefühl hatte die Positionen der Sieger eindeutig verstanden zu haben, dieselben in dem Plakat an der Tafel zuordnen. Hierfür hatten sie symbolisch für jeden Politiker einen farbigen Klebepunkt in den Mappen liegen.

Alle machten sich sofort ans Diskutieren, glichen die Ergebnisse ab und waren sich deutlich bewusst, dass sie nun wirklich jeder einzeln gefordert waren, um den anderen die jeweiligen Inhalte zu vermitteln. Schüleraktivierung 100% 😀 Mein Fachleiter lobte später, dass es mit eine der elegantesten Arten von Hausaufgabeneinbindung in die Stunde gewesen wäre, die er je gesehen hat O_o Auch der Auftrag sich am Plakat zu positionieren, funktionierte (fast) reibungslos. Es wurde etwas eng, als alle gegen Ende der Arbeitsphase vorne standen, aber das Ergebnis fiel wie erwartet aus.

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Nicht die beste Qualität … gelb – Clemenceau, grün – George, rot – Wilson.

Ab dem Zeitpunkt hatte ich mein Minimallernziel bereits erreicht.

Die SuS erkennen den Zusammenhang zwischen den individuellen Haltungen von Großbritannien, Frankreich sowie den USA und des Umfangs der Forderungen des Versailler Vertrages. -> Check.

Es folgten die Präsentationen der Ergebnisse, wobei die Schüler in der Phase dann sogar die Fehler oder Ungenauigkeiten der präsentierenden Gruppen eigenständig ergänzten und verbesserten. Ich brauchte nur in Ansätzen moderieren und war tatsächlich komplett ‚raus‘ aus dem Großteil des Stundenverlaufs. Einmal passierte es doch, dass ein Schüler vorne noch stand, als durch eine Nachfrage eine Diskussion begann, die ich nicht sofort kürzte und er somit diesen ‚bestellt und nicht abgeholt‘ Status für zwei Minuten einnehmen musste, aber das war noch im Rahmen. Alle Beiträge wurden wahrgenommen, gewürdigt und rund abgeschlossen.

Wirklich unschön in dieser Phase war das Versagen der Technik. Trotz doppelt vorhandenem OHP, fielen beide auf ihre ganz eigene Art aus. Der eine war schon berüchtigt dafür, dass er immer nach einigen Minuten überhitzte und sich ausschaltete, weswegen ich das zweite Modell zum Einsatz hatte bringen wollen. Dieses fing aber nach kurzer Nutzung so dermaßen an zu Fiepen und Surren, dass man den Vortragenden fast nicht mehr verstehen konnte. Irgendwann griff ich genervt ein und tauschte das Geräuschungetüm aus. Natürlich versagte der defekte Hitzeschalten dann noch während der Präsentation, so dass wir wieder auf die Geräuschbelästigung zurückgreifen mussten. Da der Schulleiter mit hinten drin saß, wurde das UMGEHEND an die richtige Stelle nach der Stunde weitergeleitet 😉

Da das Problem der Bewertung der deutschen Position und Reaktion zu den Forderungen des Versailler Vertrages sehr deutlich allen vor Augen schwebte – auch wenn es nicht an der Tafel stand – ging es nach einer kurzen Stellungnahme zu den Ergebnissen des Plakates auch direkt zur Beurteilung über. War die deutsche Reaktion nun gerechtfertigt oder nicht?

Es zeigte sich, dass es hier zwar recht unterschiedliche Meinungen gab, aber durch die visuelle Unterstützung kam ziemlich schnell doch das antizipierte Ergebnis dabei herum. Es wurde sogar der von mir im Entwurf genutzte Stundentitel 1:1 genannt: Hätte es schlimmer kommen können? – Beurteilung von Potenzial und Risiken des Versailler Vertrages durch die Einordnung der politischen Positionen und Interessen der alliierten Siegermächte.

Ein Schüler meldete sich, nachdem in den vorherigen Meldungen doch noch einmal kurz die zu repräsentierende und beurteilende Perspektive verwechselt worden war (‚Frankreichs Forderungen wären doch eh ungerecht gewesen …‘ – ‚Aufpassen worüber jetzt geurteilt wird, wir wollen nicht beurteilen, ob Frankreich berechtigt war die Forderungen zu stellen, sondern ob die deutsche Reaktion angemessen gewesen ist.‘), verwies auf das Plakat und meinte ganz empört: „Also, wenn man sich das da so anschaut, das hätte doch noch viel schlimmer kommen können, wenn man sich Frankreich so anguckt. Auch wenn die Forderungen hart waren, Deutschland hatte schon ‚Glück‘, dass sich nicht die Franzosen bei den Verhandlungen bedingungslos durchsetzen konnten … vielleicht hätte es Deutschland so nicht mehr gegeben, wie wir es kennen.“

Hach ja … schön ists, wenn ein Plan funktioniert. 😀

Für die angedachte Vertiefung, die die Ursache der deutschen Haltung noch besprochen hätte, war dann aber keine Zeit mehr. Ich beschloss, das als deutliches Schlusswort stehen zu lassen und beendete die Stunde 1 1/2 Minuten vorm eigentlichen Ende. Das Maximalziel (Die SuS formulieren eine Einschätzung der Rechtmäßigkeit sowie der Ursachen der negativen Reaktion von deutscher Seite aus auf diese Forderungen.) wurde dadurch zwar nur teilweise erreicht, aber die Ursachen hatte ich eh als didaktische Reserve angegeben und konnte damit sagen, dass der Stundenplan genau aufgegangen war.

Die Oberste Heeresleitung (und mit ihr auch die deutsche Öffentlichkeit), die sich schlicht auf Wilson und sein Friedensprogramm verlassen hatte und somit total vor den Kopf gestoßen war, als dann die viel härteren Forderungen gestellt wurden, blieben in der Stunde außen vor.

Lagebeurteilung der OHL

Am 29. September 1918 forderte die OHL – für die deutsche Öffentlichkeit völlig überraschend – sofortige Waffenstillstandsverhandlungen und gestand somit erstmals die deutsche Niederlage ein. Aus den Tagebuchnotizen des deutschen Offiziers Albrecht von Thaer vom 1. Oktober 1918:

 

Deshalb habe die O.H.L. von Sr. M. und dem Kanzler gefordert, dass ohne jeden Verzug der Antrag auf Herbeiführung eines Waffenstillstandes gestellt würde bei dem Präsidenten Wilson von Amerika zwecks Herbeiführung eines Friedens auf der Grundlage seiner 14 Punkte.


Um diesen sehr langen UB Bericht nun auch zu seinem Ende zu führen, kann ich nur sagen, dass ich meinen Geschichtsfachleiter noch nie so zufrieden erlebt habe. Ich hatte wirklich Mühe, mir für die Nachbesprechung Kritikpunkte ‚aus den Fingern zu ziehen‘, denn es hatte ja alles geklappt. Aber … ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem den 7 minütigen Vortrag mit Kritik zur Stunde hinbekommen hätte. Mein FL meinte an Schluss ganz empört, dass er ja wohl keine andere Stunde gesehen hätte, als ich gerade versuchen würde darzustellen und dass ich nicht so kritisch sein dürfte. ‚Tschuldigung … das ist das was man/Sie uns beigebracht haben.

Ich befinde mich also in der glücklichen Position, meine (insgesamt für beide Fächer) zehn absolvierten UBs mit einer 1 abschließen zu können.

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Vom Präventionskrieg und der Planung bis zu den Sommerferien

Ich bin inzwischen bei Herr Rickward in der Q1 eingestiegen und wollte mir nicht noch eine Gelegenheit entgehen lassen, meinen Unterricht endlich wieder regelmäßig zu reflektieren. Da die 9er noch im Praktikum sind, ergreife ich die Gelegenheit und erledige das in den ausfallenden zwei Stunden heute morgen 😉 (Was das Praktikum angeht: von einem Schüler, von den zweien die ich betreue, habe ich pflichtgemäß gehört, wenn auch die Kommunikation mit dem Betrieb nicht geklappt hat. Die andere Schülerin ist verschollen, obwohl ich sogar den Eltern eine Nachricht geschrieben habe, dass sie sich bitte melden soll. Mal sehen was das gibt.)

Nach den vielen negativen Rückschlägen im Ausbildungsunterricht, die ich über Elif mitbekommen habe, bin ich noch dankbarer dafür, dass mein AU, wenn er auch in Philo spärlich stattfindet, zumindest den normalen Abläufen von AU folgt. Man setzt sich vor der Stunde zusammen, hat zu dem Zeitpunkt schon hospitiert und kennt den ungefähren Lernstand der Schüler. Dann wird vom Ausbildungslehrer ein passender Schnitt im Thema genannt, zu dem man mit einem neuen Thema einsteigen kann. Das wird gemeinsam grob vorstrukturiert und man bespricht dann noch einmal die letztliche Stunde, zu der eingestiegen werden soll im Detail. Bei Elif war das bisher immer eher so in der Art von „Mach mal …“. Ihre AU-Lehrer haben sich nicht mit ihr getroffen, nichts zu ihren (zugegeben spät abgegebenen) Stundenplanungen gesagt und im Nachhinein alles als falsch angemerkt oder ihr gleich in die Stunde mit wedelnden Armen hineingerufen. Vor dem Kurs. Super Arbeitsklima.

Ich saß nun also mit Herr Rickward zusammen und plante die Einzelstunde am Donnerstag. Nach den Ferien waren sie mit dem Thema erster Weltkrieg eingestiegen und ich kam somit ‚gerade rechtzeitig‘ für die sehr gelungene Einführung von Herr Rickward. Hierbei wurde über eine Dokumentation zu Wilhelm II. ein personengeschichtlicher Zugang zum Thema aufgemacht, der sehr gut zu der Art passte, mit der auch vorherige Themen behandelt worden waren. Ich hatte in dem Kurs ja bereits Bismarck genauer behandelt und Wilhelm II. war eine Person, die sie bereits aus dieser Sequenz kannten. In der Stunde danach, sollten die Schüler sich je zu zweit zusammenfinden und arbeitsteilig aufschreiben, welche Stichpunkte ihnen zum ersten Weltkrieg einfallen oder welche Fragen. Das wurde dann ausgetauscht und ergänzt und letztlich in einer Mindmap gesammelt.

Diese Sammlung haben sie dann in wieder der darauffolgenden Stunde in einer Mindmap Strukturiert und zugeordnet und sich über einen allgemeinen Darstellungstext und eine Quelle zum Sarajewo Attentat mit der Überprüfung der Inhalte beschäftigt, die sie als Vorwissen nun schon zusammengetragen hatten.

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Auch wenn ich die meisten mit meiner ’schnell mitgeschrieben Handschrift‘ an der Stelle verlieren dürfte, ich habe so natürlich eine nette Gliederung für die zu bearbeitenden Themen mitgenommen, die auch noch von den Schülern auf Basis ihres Vorwissens erstellt worden ist.

Leider ‚zerstörte‘ Herr Rickward mir meinen angedachten Einstieg mit seinem Stundenabschluss, aber da wir über die nächste Stunde zu dem Zeitpunkt noch nicht geredet hatten, traf ihn da natürlich auch keine Schuld. Ich hatte vorgehabt über die bereits erarbeiteten Ergebnisse zu Bismarcks Außen- und Bündnispolitik in das Bündnissystem vor dem ersten Weltkrieg einzusteigen, da er ja die negative Ausgangslage und die Folgen davon bereits in den 80er Jahren des Jahrhunderts davor als „Albtraum der Koalitionen“ vorausgesehen hatte. Das hatten die Schüler sogar bei mir erarbeitet für den dritten UB.

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Von dieser angenommenen politischen Isolation kam es dann zu einer tatsächlichen, in der Deutschland eben nur noch mit seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn fest verbunden war.

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Da diese ganzen Vorgänge aber bereits zum Ende der Stunde geklärt wurden, wenn auch nicht ganz so umfassend, wie ich es geplant hatte, musste ich für die nächste Stunde einen neuen Schwerpunkt suchen. Herr Rickward fand die Idee aber gut und hätte die Verknüpfung der Themen als gewinnbringend eingeschätzt.

Die Stunde, die ich dann am Donnerstag zeigte, beschäftigte sich mit der Einstellung zum Krieg und dem deutsch-englischen Wettrüsten. Über eine Niederschrift vom Staatssekretär des Auswertigen Amtes über ein Gespräch mit Generalstabschef Helmuth von Moltke vom Juni 1914 stieg ich in die innenpolitische Perspektive auf den Krieg ein:

Unterwegs entwickelte mir Moltke seine Auffassung unserer militärischen Lage. Die Aussichten in die Zukunft bedrückten ihn schwer. In 2-3 Jahren würde Russland seine Rüstungen beendet haben. Die militärische Übermacht unserer Feinde wäre dann so groß, dass er nicht wüsste, wie wir ihrer Herr werden könnten. Jetzt wären wir ihnen noch einigermaßen gewachsen.

Es bleibe seiner Ansicht nach nichts übrig, als einen Präventivkrieg zu führen, um den Gegner zu schlagen, solange wir den Kampf noch einigermaßen bestehen könnten. Der Generalstabschef stellte mir demgemäß anheim, unsere Politik auf die baldige Herbeiführung eines Krieges einzustellen.

Die Schüler ordneten den Text ein und nannten auf die Frage, was denn hier für eine Perspektive vom Krieg deutlich wird folgende Punkte:

  • Angst vorm bald übermächtigen Gegner
  • Unsicherheit in Bezug auf die eigene (Macht-)Stellung
  • Planung für einen konkreten Kriegsfall
  • Bedürfnis Macht zu sichern
  • -> Wettrüsten als Folge der Einstellung

An der Stelle hätte ich vor der Erarbeitungsphase noch den größeren Zusammenhang deutlich machen müssen. Die Teile standen ein wenig ohne Überleitung nebeneinander und der Anschluss an die Stunde zuvor, in der ja das Attentat besprochen worden war, fehlte für die Schüler. Diese Einschätzung war nämlich vor dem Attentat abgegeben worden und zeigt ja bereits eine sehr deutliche Linie, was die Notwendigkeit des Krieges aus deutscher Sicht betraf.

Dann kamen wir zur Erarbeitungsphase. Die Schüler stellten fest, dass diese Stellungnahme in der Form niemals offiziell geäußert worden wäre. Somit wäre es interessant offiziellere Positionen zu untersuchen, um die Bedeutung und Signalwirkung des Wettrüstens, der Folge der politischen Positionen, besser einschätzen zu können.

Wir beschäftigten uns als mit der Rede von Bülow zum Thema, ob Deutschland „Hammer oder Amboss“ im 20. Jahrhundert sein will.

BPS05052017_0004.jpgDie Untersuchung der Quelle teilte ich in vier Hauptaspekte auf, die vier zufällig ausgewählte Schüler auf Folienschnipseln vorstellten. Nun ja, relativ zufällig, ich wählte eher stille Schüler, die sich (aus meiner Erinnerung) eher weniger beteiligten und hier einmal Leistung zeigen konnten.

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Problem bei diesem Vorgehen war dann aber, dass ich hierbei schwächere Schüler ausgewählt hatte und die Leistungsstärkeren so sehr früh fertig waren, nichts mehr zu tun hatten und die Schwächeren nicht nur die Aufgabe bearbeiten sollten, sondern auch noch alles zusätzlich auf den Folien verschriftlichten. Die Dynamik ist mir eigentlich bekannt, aber ich hatte vergessen, dass da ein paar sehr interessierte und fähige Schüler im Kurs sitzen, die meiner Einschätzung nach besser im Leistungskurs aufgehoben gewesen wären. Für die nächsten Stunden werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, dass sie sich nicht in den Arbeitsphasen langweilen und anfangen, sich übers Wochenende auszutauschen ^.^

Auch was die Sicherung der Ergebnisse anging, verhielt sich der Kurs ganz unterschiedlich. Einige schrieben bei der Erarbeitung schon ausführlich ihre Ergebnisse auf, ergänzten diese dann bei der Präsentation und kümmerten sich somit um die Vollständigkeit ihrer Unterlagen, andere (die Schnellen in der ersten Reihe) schrieben sich nicht einmal Stichpunkte auf, geschweige denn die Ergebnisse der anderen, konnten aber auf Nachfragen sinnvolle Ergänzungen der Punkte liefern und waren in den Plenumsphasen munter mit dabei. Da ich ja trotzdem sicherstellen muss, dass alle alle Ergebnisse haben, wird die Folie als Kopie noch einmal reingegeben und wenn ich das eh im Hinterkopf habe, sage ich die nächsten Male direkt vorher, wie die Sicherung aussehen soll. Selbstgeschriebenes bleibt dann eben doch besser ‚haften‘.

BPS05052017_0007 (2)Da die Arbeitsphase mit 20 Minuten plus Vorstellung sehr lange dauerte, schafften wir die Vertiefung und Diskussion leider nicht mehr. Der erweiternde Text wurde noch wahrgenommen, in dem es um die BPS05052017_0007 (3)englische Sicht auf die deutsche Flottenpolitik ging und wir hielten auch die wichtigsten Punkte an der Tafel fest, wirklich darüber Diskutieren konnten wir aber nicht mehr.

Meine eigentliche Vertiefungsfrage, die Beurteilung der Bedeutung des Wettrüstens als Ursache für den ersten Weltkrieg, wurde in knappen zwei Minuten am Schluss der Sitzung schnell noch eingeschoben. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache und wird zur nächsten Stunde auf jeden Fall noch einmal aufgegriffen.

Ich denke, dass es einmal Anfangsschwierigkeiten mit den Eigenheiten und dem Arbeitstempo des ’neuen‘ Kurses waren und eben die typischen Fehler, die man im Alltag immer mal wieder so macht. Was mich gefreut hat war, dass ich sehr nett begrüßt wurde, als ich die Stunde dann erstmals wieder vorne stand, was mir zeigt, dass die letzte Unterrichtseinheit gar nicht so schlimm gewesen sein kann 🙂

 

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Bunt Gemischtes und ein Lob

Vieles hat in letzter Zeit seinen Weg hierher nicht gefunden. Ich wollte man einiges Dinge gesammelt ohne konkreten Titel hinterlassen.

Das Aktuellste zuerst: Heute bekam ich ein Lob von meinem Schulleiter. Das tat auf mehreren Ebenen ganz gut. Einmal rückte es die letzte UB Stunde in Geschichte in ein anderes Licht, wenn man eine zweite offizielle Meinung zu deren Qualität hört. Für ihn war die Stunde ebenfalls gelungen, jedoch sah er die fehlende Diskussion am Schluss kritischer als mein Fachleiter und sprach mir somit eher nach dem Gefühl her zu. Bei so viel Zeit am Schluss keine allgemeine Diskussion zu ermöglichen/herzustellen ist etwas, was ich im Examen unbedingt vermeiden sollte. Das zeigte mir, dass ich mit meiner schlechteren Einschätzung nicht alleine dastehe und dass es wirklich auf denjenigen ankommen wird, der mich letztlich beurteilen muss. Er gab mir noch einmal den Rat, möglichst viele solcher ‚möglichen Baustellen‘ im Entwurf anzureißen und nach den Stunden tiefgehend zu reflektieren.

Allgemeiner gesehen, lobte er meine Arbeitsweise. Das tat wirklich gut, da er meiner Ansicht nach immer genau bei den UBs dabei gewesen ist, die nicht so gut gelaufen sind. Ich hatte mir schon ausgemalt, dass er ein ‚viel gewollt und nicht gekonnt‘ Bild von mir aufgebaut hatte. Dem ist wohl nicht so. Er sprach sich sehr positiv über die Materialien aus, die generelle Vorbereitung und meinen „Mut, so eine Stunde zu zeigen“. Anscheinend wird eine ‚Medien-Stunde‘ ab nächstem Jahrgang hier Pflicht für alle. Er selbst steht dem offen gegenüber und würde in der Schule gerne mehr mit Technik, Programmen und neueren Medien arbeiten. Wenn man das Geld hätte. Deswegen wäre die Stunde für ihn auch sehr informativ auf mehreren Ebenen gewesen. Was ist möglich und was nicht? Chancen und Probleme bei der Umsetzung und so weiter.


Davon ab steht mein Examenstermin nun fest. Am 09.10. werde ich voraussichtlich meine Prüfung ablegen; der vorletzte Tag des Prüfungszeitraums. Ich habe den Termin so spät gelegt, da ich vorher wirklich gerne auf der Stufenfahrt der Q1 nach Ausschwitz teilnehmen möchte und so ein paar Unterrichtsstunden mehr herausschlage, falls durch die drei Tage (plus Wochenende) viel entfallen sollte. Wirklich viel Zeit vergeht nach den Sommerferien nämlich eh nicht, bis man im Examen ist.

Was die Kursfahrt vorm Examen angeht, so bin ich noch zwiegespalten. Es wird sicher sehr interessant und die Q1 (jetzige EF) wird auch den Kurs für mein Philoexamen stellen. Da verbringe ich gerne noch etwas Zeit mit ihnen zusätzlich. Aber es wird auch echt stressig werden, in dem kurzen Zeitrahmen noch einen so großen Termin unterzubringen. Ich plane im Moment eher nach ‚Augen zu und durch‘. Schauen wir mal was das gibt >.<


Ich habe meinen ersten „Hate“ bekommen. Von der kleinen Lara aus der 6. Klasse. Bisher hatte mich ja noch nie ein Schüler wirklich angegangen. (Als ‚angehen‘ kann man das von Lara aber eigentlich auch nicht bezeichnen.) Romina aus der 9. hat etwas gezickt anfangs und der 12er GK in Philo war zuerst ein wenig schwierig, aber ansonsten? Alle absolut vorbildlich.

Als wir nun an dem Tag in etwas unruhiger Atmosphäre, die 6er habe ich ja immer nachmittags in der 8. und 9. Stunde unterrichtet, versuchten zu produktivem Unterricht zu finden, fielen doch ein paar der Kleinen durch wiederholtes Quatschen, Reinrufen und generelle Unruhe auf. Besonders: Lara. Sie merkte teilweise nicht einmal, dass sie am Reden war, schien mir. Letztlich wurde ich nach der dritten Ermahnung etwas deutlicher und erhob auch die Stimme. (Sie war ja nicht die einzige, genervt war ich zum Schluss also schon.)

Zwanzig Minuten vor Schluss brach ich das ‚Experiment Unterricht‘ ab und gab ihnen eine Einzelarbeit. Textzusammenfassen – etwas was wir die Stunden vorher erst noch geübt hatten, da die Kleinen noch eher Textwiedergaben als Kurzfassungen ablieferten. Ich hatte einfach keine Lust mehr mich immer wieder zu wiederholen und um Ruhe zu bitten oder tödliche Blicke durch den Klassenraum zu werfen. Da ich kurz davor noch ein Heft mit offensichtlichen Nachrichten abgefangen hatte, war es mir einfach zu bunt geworden.

Als alle sich an ihre Aufgabe machten, inspizierte ich das Hausaufgabenheft. Lara und Sina hatten riesengroße Augen bekommen, als ich es nebenher bei der Diskussion zum Unterrichtsgegenstand einfach abgefangen und aufs Pult gelegt hatte. Beim Blick auf das aktuelle Datum wurde mir auch klar warum. „Ich hasse Ms Phye“ stand da mit Tipp-Ex gepinselt. Damit man es nicht sofort sieht 😉 Immerhin hatten sie es versucht diskret zu machen.

Mit einem lachenden und weinenden Auge, bat ich Lara vor die Tür. Sofort legte sich eine Todesstille über die Klasse, das war noch nicht passiert bei mir. Sie tat mir in dem Moment eher leid. Direkt angegriffen fühlte ich mich von dem Vorfall nicht, aber es musste etwas außerhalb vom Unterricht vorgefallen sein, dass es für sie so eskalieren ließ. Eigentlich ist sie nämlich offener und auch recht aufgeweckt. Da es schon einmal einen Vorfall gegeben hatte, wo der Klassenlehrer mir mitteilte, dass sie den Nachmittag bei mir im Unterricht fehlen wird, um einen Brief an ihre Mutter zu verfassen, mit der sie so nur schwer reden kann, suchte ich die Ursache auch eher dort, als in meinem aktuellen Unterricht oder bei meiner Person selbst.

Leider konnte ich sie nicht dazu bringen, sich zu öffnen. Sie begann sofort zu weinen, als wir vor der Tür waren und antwortete auf meine Nachfragen, ob alles ok wäre nur mit „Ja.“ Sie wüsste nicht, warum sie das gemacht hätte. Ich teilte ihr mit, dass ich das eintragen müsste und dass sie, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt das nächste Mal einfach direkt etwas sagen könnte. Ich entließ sie dann zur Toilette, damit sie nicht verweint in den Klassenraum zurück musste. Da das vor den Ferien passierte, bin ich gespannt, ob es damit abgehakt ist oder ob da noch etwas kommen wird.

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Es tut sich was

Ich komme im Moment mal wieder nicht zum Reflektieren und das wird sich wohl auch nicht ändern die nächste Zeit. Weil ich nun doch Philosophie Ausbildungsunterricht bekommen werde. Yeay! Es ging nun in den letzten Tagen relativ schnell. Sandra hat sich für mich dahinter geklemmt in den ihr bekannten Schulen einmal nachzufragen, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass ich dort Philosophieunterricht besuchen/geben könnte. Und sie war erfolgreich.

Heute traf ich mich mit Frau Frost. Ganz anders als es der Name vermuten lassen würde (ich bleibe hier nur meinem System treu 😉 ), wirkte sie auf den ersten Eindruck aufgeschlossen, sympathisch und etwas aufgekratzt. Wir hatten nicht sehr viel Zeit, aber ich bekam einen Überblick über die beiden Kurse, die nun zur Diskussion standen, eine Q1 am Anfang der Staatstheorie und eine EF in der ersten Sequenz zum Thema Freiheit und Determination und wurde für Morgen gleich einmal zu den ersten Stunden einbestellt. Gleich mitten rein.

Mein Stundenplan wird nun natürlich explodieren, aber ich denke, ich nehme mir dann später zum Examen hin etwas mehr Auszeiten. Von den eigentlich angedachten 14 (Unterrichts-)Stunden in der Woche, komme ich nun auf einmal auf 22. Das werde ich anderweitig ausgleichen müssen.

Von der Fahrtzeit ist es machbar, eine halbe Stunde von mir zu Hause und eine viertel von meiner Schule aus und die Stunden liegen so, dass sie tatsächlich alle in meinen jetzigen Stundenplan hinein passen und sich mit dem Seminarswechsel nichts mehr überschneidet. Ja, mein Kernseminar musste hierfür gewechselt werden. Mal sehen, wie ich mit dem anderen so zurecht komme. Einen logistischen Vorteil hat das ganze auch: Ich muss nur noch einmal die Woche zum Seminarort, da nun Kernseminar und Fachseminare direkt hintereinander liegen. Das wird jeweils ein wirklich langer Tag, aber die weite Strecke zweimal die Woche hat mich schon geärgert.

Abschließend kann ich dann noch sagen, dass ich hoffe, dass morgen der Knoten in der EF bei Frau Klaus wieder platzt. Im Moment ist etwas der Wurm drin, weswegen ich jetzt auch nicht zuerst reflektiere, sondern die Zeit mit Planen verbringe. Ich hoffe, dass ich am Wochenende zur Reflektion kommen werde.

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Halbjahreswechsel und Konferenzen

Es war die letzte Zeit sehr ruhig hier. Das Halbjahr ging zu Ende, stapelweise häuften sich die Mappen aus den Geschichtskursen, die ich korrigieren musste und insgesamt fehlte einfach die Motivation für alles. Ich bin nicht richtig aus dem angenehmen Trott der Weihnachtsferien wieder heraus gekommen. Die Nächte habe ich mit lesen verbracht; sehr, sehr unproduktiv und doch so  … notwendig fast schon? Ich hätte mich nicht in die Arbeit stürzen können, es wäre tatsächlich alles einfach ‚zu viel‘ geworden.

Mein Unterricht hat darunter insofern gelitten, dass ich abends vorher oder teilweise nur Stunden vor der jeweiligen Schulstunde mit etwas zusammengelegt habe, was ich dann im Unterricht behandelte. Da ich hauptsächlich in meinem 9er Geschichtskurs und 10er Philosophiekurs so verfahren bin, konnte ich mich auf ausreichend gut aufgebaute Schulbücher verlassen, die ich nur teilweise durch eigenes Material ergänzte. Am Ende der Woche muss ich dann meinen liebgewonnen 9er Kurs abgeben; sie fehlen mir jetzt schon, das Unterrichten hat dort am meisten Spaß gemacht. Es wurde mir auch schon mehrfach versichert, dass sie mich ganz arg vermissen werden und die, die ich dann im neuen 9er praktische Philosophiekurs wiedersehe, freuen sich sichtlich darüber.

Meinen neuen Stundenplan bekam ich heute auch direkt. Keine großen Änderungen, es wurde netter Weise alles kompakt gelegt, so dass ich an zwei Tagen jeweils vier Stunden und an einem Tag zwei als BdU liegen habe. Ich bin gespannt, wie der Unterricht in den anderen Kursen liegen wird und ob ich dann tatsächlich mal einen Tag (Unterrichts-)frei haben sollte. Ich denke aber, dass wird wohl nichts.

Dadurch, dass ich persönlich so in meiner ‚privaten Bubble‘ gefangen war, ging auch die Hektik der letzten Wochen fast an mir vorbei. Ganz kann man sich dem Notenstress nicht entziehen, aber ich habe es doch ganz gut geschafft, denke ich. Dankbarer Weise erklärte sich eine Mit-Referendarin bereit, meine 6er Mappen mit mir durchzusehen, so dass wir tatsächlich die vorhandenen 25 Geschichtsmappen an einem Abend in knapp 4h korrigiert bekamen. Zusammen geht es wirklich schneller 🙂 Wir denken an, nach den Fachseminaren Arbeitsphasen einzulegen, in denen wir genau so etwas einplanen, uns treffen und die Köpfe zusammenstecken können. Mal sehen, ob das durchgesetzt wird.

Viele Termine standen nun neben dem Unterricht in der Schule an und es bildeten sich immer hektischere Grüppchen, die hier noch nachtragen mussten, dort ihre Empfehlungen aussprachen, die Köpfe über den Problemfällen zusammen steckten und sich gegenseitig ihr Leid klagten. Dabei fiel mir deutlich auf, dass ich sehr außen vor war/bin. Einen Draht zum Kollegium habe ich bisher nicht aufgebaut und auch nicht das Bedürfnis dazu. Die anderen Referendare machen nun alle ihr Examen und sind damit vollauf beschäftigt, die Beziehung zu den Ausbildungslehrern ist kollegial, aber distanziert.

Einzige Ausnahme hier: Herr König. Die Interaktion mit ihm wird immer … hm, mir fehlt da irgendwie das rechte Wort. Er hat sehr wenige private Grenzen, scheint mir. Egal was es ist, was ihm gerade durch den Kopf geht, er teilt es einem mit. Nach dem sehr ausführlichen Einblick in sein Privatleben vor den Weihnachtsferien, kam vor kurzem nun noch ein neues Thema hinzu. Wieder äußerst privat, wieder total aus dem Nichts. Und ich habe dieses Mal gesagt, dass ich seine Offenheit doch außergewöhnlich finde. Aber so ist er wohl einfach. Gerade was solche offenen Gespräche angeht, habe ich dann allerdings das Bedürfnis zum Ausgleich, will aber gleichzeitig eigentlich nicht über Privates reden. Es erzeugt ein nicht ganz so angenehmes Gefühl in den Gesprächen mit ihm, einfach weil ich es nicht gewohnt bin, mich zu zensieren.

Gestern liefen an unserer Schule die Zeugniskonferenzen. Da niemand aus der Fachschaft Philosophie bei den unteren Klassen dabei sein musste, hielten wir parallel unsere Fachkonferenz ab, die doch eher durchwachsen verlief. Herr König als Vorsitzender, unser ABB und ein weiterer Lehrer, der Deutschfachleiter ist und im Moment (seit 4 Jahren?) kein Philosophie unterrichtet, die einzigen ‚richtigen‘ Lehrer für das Fach (Herr Drüppert hatte sich den Arm gebrochen und war seit 3 Wochen krank) und eben Philipp und ich. Hauptthema waren die Abiturvorgaben, besonders die neu zugelassene Aufgabenart fürs mündliche Abitur, wo nicht mal mehr ein Text zugrunde liegen muss für die Prüfung. Diese wurden ausführlich besprochen.

Nach einigen kleineren Unterpunkten brachte Philipp dann den Vorschlag ein, dass man sich einmal für ein schulinternes Curriculum für die Mittelstufe einsetzen könnte, das gerade den Referendaren das Arbeiten doch deutlich erleichtern würde. Ich schloss mich nachdrücklich an, die erste Zeit (auch bei meinem EF Kurs) war es doch sehr mühselig voran gegangen, da nur die Vorgaben für Q1+2 genau ausgearbeitet sind. Das konnte aber weder Herr König noch der Deutschfachleiter wirklich nachvollziehen. Also ‚ihnen wäre gerade diese Freiheit, die man in den Unterstufen hat doch sehr angenehm‘. Kann man natürlich erst wirklich schätzen, wenn man seine Erfahrungen mit den verschiedenen Stufen mal gemacht hat und auch auf eine gewisse Unterrichtspraxis zurückschauen kann. Fiel dann so im Nebensatz, wobei Herr König mich ja auch direkt groß angeschaut hatte, als ich anfangs mit der Bitte um Material und Unterstützung zu ihm gekommen war.

Ich versuchte den Punkt noch einmal stark zu machen, dass ein schulinterner Lehrplan als Handreichung und Orientierung doch wirklich sinnvoll wäre in unseren Augen. Was das denn bringen würde, wollte der Deutschfachleiter wissen. Naja, eine Orientierung eben, etwas, womit man einfach arbeiten könnte, dass einem Ansatzpunkte zeigt, vielleicht um die universitäre Grundlage etwas mehr in schulische Bahnen zu lenken, verhindern, dass man ganz so arg am Schülerniveau vorbeirauscht … weiter kam ich nicht. Das hätten sie in Deutsch auch immer wieder, der Lehrplan verhindert nicht, dass die Referendare das falsch machen. Und es wäre bei ihnen (seine und Herr Königs Erfahrung) ja auch immer so angenehm gewesen, sich mal ausprobieren zu können.

Was will man da noch groß sagen? Etwas gereizt verkniff ich mir den sarkastischen Unterton und versuchte so neutral wie möglich festzustellen, dass nicht jeder gleich funktioniert und wir die Hilfestellung gerne annehmen würden, wenn sie denn gegen werden würde. Na, dann könnten wir ja die anderen Referendare im Seminar mal nach deren SiL fragen, vielleicht würde man da etwas übernehmen. Ugh-uhm. Klar, wir schleppen die Lehrpläne anderer Schulen an und dann werden die per copy-paste für unsere Schule übernommen. Naja, besser als nichts wahrscheinlich.

Und dann kam der Nachsatz, der mir für die folgende Stunde die Laune verhagelte. Er (Deutschfachleiter) würde unser Problem gar nicht verstehen. Man müsse die Kollegen doch nur FRAGEN! Jeder würde uns gerne Material zur Verfügung stellen. Meine Augenbrauen näherten sich dem Haaransatz, mein Blick streifte Herr König, die Gedanken wanderten zu der Absage nach den Sommerferien und ich biss mir vorsichtshalber auf die Zunge und schwieg. Die Konferenz endete kurz darauf und ich verließ direkt den Raum.

Ganz ehrlich: Guter Ansatz, unmögliche Durchführung von meinem Standpunkt aus. Der ABB steht kurz vor der Rente, ist ein Lehrer der alten Schule und hat Ewigkeiten keine PP (praktische Philosophie) Kurse mehr gegeben. Der Deutschfachleiter ebenso. Herr König ist hauptsächlich in der Oberstufe eingespannt und hat mir nach den Sommerferien deutlich gemacht, wie gewünscht es ist, dass ich ihn mit meinem Kram auch noch belästige. Und Herr Drüppert … heh, ja, das lassen wir gleich mal so stehen. Soll ich mir seine Filmsammlung ausleihen? Die PP Kurse werden nämlich hauptsächlich von ihm geleitet, da er ja irgendwo eingesetzt werden muss und dort ‚am wenigsten Schaden‘ anrichtet. Das als Hintergrund für die deutlich zwischen den Zeilen ausgesprochene Behauptung: „Wenn ihr nicht zurechtkommt ist das euer Problem!“ traf bei mir doch durchaus den falschen Nerv.

Da ich auf die 9er und 6er noch für die Notenkonferenzen warten musste, setzte ich mich auf meinen Platz und aß erstmal frustriert etwas der ausliegenden Schokolade. Und ja, man merkt mir meine Laune leider immer an. Mir wurde in der Hinsicht mehrfach eine ‚Aura‘ bescheinigt, die meinen Gemütszustand wohl unmissverständlich nach außen transportiert. Herr König sitzt keine vier Plätze neben mir und meinte irgendwann im Gespräch mit einem der neueren Kollegen einwerfen zu müssen: „Nicht wahr, Miss Phye? Die Konferenzen ziehen sich wirklich zu lange. Du siehst auch schon so angespannt aus.“ Ich sah ihn nur abschätzend an und meinte, dass die Konferenzen nicht mein Problem wären. „Du bist sauer.“ – „Nicht in bester Stimmung, ja.“ – „Fühltest dich vorhin nicht ernstgenommen …“ – „Unter anderem …“ – „Ok, komm. Raus damit. Bin immer für Kritik offen.“

Kurz überlegte ich, ob ich das nun tatsächlich ausbreiten sollte. Aber um den heißen Brei herumreden liegt mir dann auch nicht, also erklärte ich ihm meinen Eindruck und die Vorgänge am Anfang des Halbjahres, die gerade auch durch sein Verhalten mir ziemlich deutlich klar gemacht hatten, dass ich eher lästig als erwünscht wäre. „Mach erstmal Geschichte, Philo kannst du dann ja auch nächstes Halbjahr anfangen.“ war so ziemlich wörtlich seine Antwort auf die Frage nach Hospitation gewesen. Da fiel die meist lachende Miene des von Natur aus doch eher mit einem sonnigen Gemüt ausgestatteten Herren. Das täte ihm leid, so war das nicht gemeint gewesen. Er könne sich an den Schuljahresanfang noch erinnern und erklärte mir (nach kurzer Denkpause, ob er das Thema anschneiden könnte), dass er einfach nur unglaublich genervt von Philipp gewesen wäre.  Anscheinend ist in dem Ausbildungsunterricht einiges schief gelaufen. Und er hatte keinen Ausweg gesehen, als uns beiden gleichermaßen erstmal einen Riegel vorzuschieben und nicht seine Kurse direkt wieder mit Referendaren ‚zu malträtieren‘. So war es wohl bei den Schülern angekommen, die tatsächlich inzwischen eine Aversion gegen Philipp entwickelt haben. Der von ihm fürs Examen favorisierte Leistungskurs hat Herr König gebeten, dass Philipp sie bitte nicht mehr unterrichtet. Ein riesen Chaos.

Natürlich geht mich das nichts an. Ich weiß nicht, ob er so ins Detail hätte gehen müssen, aber ich war ihm dankbar, dass er die Situation erklärte. Die merkwürdige Anfangssituation im dem 12er Grundkurs, den ich ja so ad hoc übernehmen musste und der das überhaupt nicht prickelnd gefunden hatte, als Herr König erkrankte, fiel mir wieder ein und plötzlich machten die ersten holprigen Stunden auch Sinn. Sie hatten vorher bei Philipp Unterricht gehabt. Das zog sich wohl durch alle Kurse, die er geleitet hatte. Er erwähnte, dass er in der ersten Stunde, als ich in diesem Kurs hospitiert hatte, eine Rückmeldetabelle dabei gehabt hatte, in der die Schüler sich zum Unterricht geäußert hatten, was gut oder schlecht gelaufen war und er die aus Rücksicht auf mich nicht aufgelegt hatte, da ein Punkt gewesen war: Keine Referendare mehr! Das wäre in der Tat eine unschöne Begrüßung gewesen.

Herr König gestand mir zu, dass er da einen Fehler gemacht und sich den individuellen Fall mehr bewusst hätte machen müssen. Das ‚Friedensangebot‘ folgte auf dem Fuße: Da wir zum Halbjahr beide je einen 9er PP Kurs übernehmen, bot er mir an, dass wir das ja zusammen planen könnten. Ich nahm dankend an. Und bin nun gespannt, wie die Zusammenarbeit ausfallen wird.

Für Philipp tut es mir sehr leid. Um ihn nicht zu entmutigen, hat Herr König das konkrete Problem nicht mit ihm besprochen und den Schülern ins Gewissen geredet, dass sie das nun die letzten Wochen bitte noch aushalten und sich zusammenreißen sollen. Ich hoffe wirklich sehr, dass mir so etwas nicht passieren wird. Im schlimmsten Fall und je nachdem, wie Philipp sich da anstellt, könnten die Kinder ihm sein Examen komplett ruinieren. Allerdings weiß ich auch nicht, ob Ehrlichkeit da besser wäre … denn: Was will man machen? Unsere Philokurse sind sehr begrenzt, Philipp will unbedingt den LK im Examen zeigen und hat die meisten Kurse eh schon durch. Examen ist im März. Schwierige Situation.

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Ausbildung?

Wie schon im letzten Beitrag angedeutet, komme ich gar nicht so schnell hinterher, wie ich über Dinge schreiben könnte. Heute will ich einmal schnell meinem Unmut über die Ausbildungssituation in Philosophie Luft machen. (Ein frustriertes Jubiläum feiere ich da gerade …)

Dass es mit Herrn Drüppert nicht so einfach ist, hatte ich ja schon mehrfach erwähnt. Dass Herr König leider total überfordert/eingespannt/nicht verfügbar ist, klang auch schon an. Dass wir zu allem Überfluss zwei Referendare für Philosophie sind und diese sich somit bei Herr König ballen, die anderen Geschichtsreferendare gar nicht erst eingerechnet, die auch bei ihm regelmäßig im Unterricht vorbeischauen … geschenkt. Nun ist es aber zum zweiten Mal der Fall, dass Herr König erkrankt ist. Beim ersten Mal war es so, dass ich ja nicht einmal hospitieren hatte dürfen, weswegen ich nicht für einen seiner Kurse eingeplant worden war.

Aber nun … nach den Herbstferien hatte ich endlich die Zusage erhalten, dass ich zumindest mal in den laufenden Unterricht reinschauen durfte. Q2, Grundkurs Philosophie. Ganze 5 Stunden habe ich unterbrochen wegen Stundenausfall, Aktionstagen und eigener Krankheit da nun auch schon gesehen, wirklich Ausbildungsunterricht habe ich in Philosophie aber noch keine Stunde genossen. Und nun ist Herr König wieder erkrankt. Und heute in der zweiten großen Pause finde ich einen Zettel von der Sekretärin, ich möge mich melden wegen meinem Vertretungsunterricht. Große Fragezeichen tauchen vor meinem geistigen Auge auf und ich gehe mit ungutem Gefühl los.

Frau Martin empfängt mich auch gleich und versucht mit dem, was sie offensichtlich übers Telefonat mitschreiben konnte mir die Anweisungen von Herr König mitzuteilen. Ich solle einen Herr Diltei (Dilthey wie ich inzwischen rausfand) einführen und eine neue Reihe starten; Vergleich Natur- und Geisteswissenschaften; Morgen, 8. und 9. Stunde. Nein, es gäbe kein Material. Nein, sie wüsste da auch nichts weiteres. Wie, ich kenne den Philosophen nicht?! Ja, da wüsste sie dann auch nicht … Ob ich nicht erstmal etwas abfragen könnte, so resümieren, was vorher so gemacht worden ist. Sowas halt. Ich nickte nur.

Meinen ABB treffe ich zum Glück noch in der Pause an. Und zum Glück ist er auch Philosophielehrer, wenn er es auch nicht unterrichtet im Moment. Der mitleidige Blick sagt mir alles, bevor er überhaupt spricht. Ja, Dilthey. Also, der wäre ja eher so ein Nischenthema. Was der im Lehrplan und Abitur zu suchen hätte wäre ihm auch schleierhaft. Und jeder drückt sich so ein wenig vor dem Thema und schiebt das lieber. Den solle ich machen? Hm. Er würde mal eben gucken, ob er da noch Texte hätte, damit ich wenigstens was lesen kann vorher. Wann, morgen schon? Oh ja, dann soll ich mal mitkommen.

Wenig später stand ich mit einem dreiseitigen Text wieder an meinem Platz. Eine Besprechung mit Herr Rickward stand noch an, dessen Ausbildungsunterricht sehr kurz gekommen war mit den zwei UBs jetzt im Moment. Er nimmt sich eine Stunde Zeit und wir versuchen meinen Zugang zu Bismarck und allem Drumherum doch noch etwas zu vertiefen. Konkrete Anweisungen, wie die nächsten Stunden aussehen könnten und einen groben Plan bekommen wir hin, die nächste Doppelstunde ist immerhin auch gleich morgen in der 1. und 2. Stunde. Und Ian kommt ebenfalls noch schnell vorbeigehuscht, da ich ebenfalls morgen seine Geschichtsklasse wieder übernehmen werde. Ne, die Präsentationen sind noch nicht durch, die müssten morgen noch laufen. Und dann kann ich ja noch was zu den 20ern machen. Joa.

Ich verlasse gehetzt die Schule nach der 5. Stunde um noch fix zu Hause einmal die Kleidung zu wechseln, meine Tasche umzupacken und dann direkt zum Seminar aufzubrechen. Der Dilthey Text brennt ein wenig in meiner Tasche und ich ignoriere die Seminarsitzung auch geflissentlich, während ich mich versuche auf das Kauderwelsch zu konzentrieren. Nach der ersten halben Seite ist klar: Das kann ich den Schülern nicht zumuten.-.- Und was Einstieg-kreatives sollte ich ja auch am besten noch abliefern. Und nen Plan haben, wohin das dann die nächsten Stunden gehen wird.

Ich sehe gerade ziemlich schwarz. Mal sehen, was ich noch zaubern kann. Ich empfinde es gerade auf jeden Fall als dezente Zumutung für mich und die Schüler einfach ‚irgendwen‘ da an den Kurs zu lassen ohne auch nur die geringste ‚Qualitätssicherung‘. Ich kann denen morgen sonst was für einen Unsinn erzählen und es bekommt keiner mit. Ich habe den ABB gebeten ab und an wenn möglich dem Unterricht beizuwohnen. Ich hoffe, er sagt zu.

Veröffentlicht in Ausbildung, Planung, Prüfung, Referendariat

Schriftliche Planung und ich …

Da ich nicht will, dass der morgige Beitrag (ich hoffe, ich kann gleich morgen reflektieren, wie der Tag so lief) zu viel mit der Theorie zu tun hat, wollte ich hier schon einmal einzeln über meine Erfahrungen mit der theoretischen Seite des Refs mal zusammenfassen. Morgen werde ich in der ersten Stunde meinen zweiten Unterrichtsbesuch in meiner 9. Klasse in Geschichte haben, dann in der zweiten die Nachbesprechung dieses Besuchs (der Fachleiter teilt mir seine Eindrücke mit) und in der dritten Stunde wird dann mein Kernseminarleiter nochmal seine Sicht der Dinge mit mir besprechen.

Dass ich praktisch wenig Probleme habe, hat man gleich anfangs gemerkt und es hat für mich auch nie wirklich zur Diskussion gestanden, ob ich ‚vor einer Klasse stehen‘ könnte. Weil ich weiß, dass ich das kann. Ich fühle mich da wohl, unterrichte wirklich gern und gehe mit ordentlich Schwung aus den Stunden heraus. Gut, aus den Meisten. (Vielleicht später mehr dazu.)

Aber die Planung, das ‚Theoretisieren‘ der Praxis, das geht mir gegen den Strich, wie man so schön sagt. Morgen ist mein zweiter UB in Geschichte. Eigentlich freue ich mich auf die Stunde. Eigentlich. Gestern war trotzdem ein furchtbar stressiger Tag, an dem ich mit Hängen und Würgen versucht habe, diesen blöden Entwurf für die Stunde zu schreiben. Die Vorgaben hierfür sehen folgendermaßen aus:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Joa, ausformulieren, was ich machen will, das ist eigentlich ok. Aber dieses künstliche vorgeben der Stunde, das nervt einfach nur. In meinem kurz gelebten Alltag kann ich jetzt schon einmal die Beobachtung machen, dass mein Unterricht am besten funktioniert, wenn ich ihn ‚aus dem Ärmel schüttel‘. Das ist sicher nicht ideal und bei Anfängern wohl auch nicht wirklich so wünschenswert. Aber mir reicht es das Thema zu wissen, welches ich in der Stunde behandeln will und der Rest fügt sich quasi dann im Geschehen.

Kontext? Klar, muss hergestellt werden und ist er mir bekannt, kann ich ihn auch vermitteln. Struktur? Ergibt sich meiner Ansicht nach direkt aus dem Problem, mit welchem ich die Schüler in der Stunde konfrontieren will. Material? Gut, da muss ich noch arbeiten, gerade in Geschichte funktioniert das Buch prima. (Meistens.) Problemaufwurf, Methoden, Stundenziel, etc? Es findet sich alles irgendwie.

Und das ist das Problem. Mein Unterricht in meiner 9. macht einfach nur Spaß. Sie sind interessiert und ich bin im Thema. Das läuft. Meine EF … nicht so sehr. Ich werde mit ihnen nicht richtig warm und thematisch ist alles auch nicht das gelbe vom Ei. Und ich bin mir sicher, dass man das mit ordentlicher Planungsfähigkeit irgendwie in den Griff könnte. Aber Planung liegt mir nicht.

Am Montag im Kernseminar hatten wir das Thema Unterrichtsgespräch. Die ‚Königsdisziplin‘ in der wir uns beweisen müssen. Meine liebste Sozialform für die Stunden; Themen diskursiv mit den Schüler gemeinsam erschließen, fragend entwickelnder Unterricht … das kann ich. Und ich merkte, wie meine Erfahrungen so ganz anders waren, als die der anderen Refis. Einige schrieben sich für diese offenen Phasen Impulse auf, mit denen sie auf ihr Stundenziel hinlenken konnten. Oder formulierten extra jegliche Frage, die sie stellen wollten vor und druckten sie sich aus. Sie würden da sonst nicht dran denken. Diskutieren und gleichzeitig Ergebnisse festhalten? Machten die meisten nicht und war ihnen auch zu ‚unübersichtlich‘ für die Phase, weil sie ja zuhören, schreiben und antworten mussten. Fragen ohne Antworten zu suggerieren … gut, dass ich ein Problem, an dem ich auch arbeite; besonders wenn die Zeit knapp wird und ich auf ein bestimmtes Ziel hinaus will.

Bei der Planung für die morgige Stunde habe ich nun gemerkt, dass so gerne ich meine Stunden so gestalte, dass es furchtbar schwer ist sowas in einer Planung abzubilden. Eine Seite soll der Verlaufsplan für die Stunde umfassen. Ich hatte Mühe ihn zu füllen. Letztlich tat ich es mit antizipierten Ergebnissen auf die jeweilige ‚Phasenproblematik‘ der Stunde, weil mehr als „Die SuS analysieren, ordnen ein, vergleichen, nehmen Stellung zu XY.“ kann ich bei meinem Stundenaufbau kaum schreiben. Wenn ich nun aber etwas, was ich beherrsche nicht theoretisch abbilden kann, wie soll ich dann mit Hilfe der Planung eine Schwäche in den Griff bekommen, die ich auch praktisch nicht recht auf die Reihe bekomme?

Ich bin sehr gespannt auf die Kritik morgen. Ich kann nicht recht einschätzen, ob meine Stunde nun gut geplant ist oder nicht. Ich weiß nur, dass ich die Planung schrecklich einengend finde und sie mir einfach nicht flüssig von der Hand gehen will. Ich denke schon, dass das ein ordentliches Defizit ist, an dem ich arbeiten muss. Und, dass ich nächste Woche Donnerstag im Philo UB heillos untergehen werde, wenn ich da morgen nicht mit einer ordentlichen Erkenntnis heraus gehe.

Veröffentlicht in Arbeitsverhalten, Ausbildung, Planung

Kultivierte Unproduktivität

Der letzte Ferientag ist angebrochen. Das Wochenende noch, dann geht es schon wieder los. Was mich an diesen Ferien echt überrascht hat war, dass ich so furchtbar leicht in meine alten Muster zurückgefallen bin. Im Studium war es immer so, dass ich alles geschoben habe. Rechtzeitig mit Arbeiten beginnen? Vielleicht auch früher fertig werden? Neeee, dafür ist doch noch genug Zeit. *Zeit vergeht* Joa, wenn ich in drei Tagen anfange, dann reicht es auch noch. *Zeit vergeht* Also, das mache ich morgen, heute ist noch … *Zeit vergeht* Ok, in zwei Stunden fange ich an, dann habe ich noch X Tage/Stunden Zeit, dann geht das. Und was soll ich sagen? Ja, es ging immer. Ich weiß nicht woher dieses ‚Wissen um den richtigen Zeitpunkt‘ kommt, aber es war immer richtig.

Ich hatte erwartet, dass es im Ref anders wird. Dass ich mehr Druck verspüre, endlich aus meinem alten Trott herausfinde und auch mal frühzeitig mit meinen Arbeiten anfange; vielleicht sogar so früh, dass ich hintenraus Freizeit habe. Hmhm, netter Gedanke >.< Tatsache ist, diese Ferien verliefen exakt wie die Ferien im Studium verlaufen wären. Viel Freizeit, viel vor dem Rechner (solange er noch funktionierte) mit meinen geliebten Spielen und (in den letzten Tagen gezwungen durch Krankheit) viel Zeit mit den Kindern.

Das ist wahrscheinlich letztlich sogar auch positiv zu werten. Hätte mich der Ehrgeiz gepackt, dann wären die Ferien nie genug gewesen, um alles rechtzeitig zu meiner Zufriedenheit fertigzustellen, um dann am Schluss wirklich Freizeit zu haben. Ok, sehe ich ein. Aber ich bin schon wieder in dem Modus angekommen, dass ich mir selber gespannt über die Schulter schaue und die Stunden zähle, die mir noch zur Vorbereitung meines AU bleiben. Von meinen anderen Kursen gar nicht erst zu reden. Letztlich ist es so, als hätte ich keine Ferien gehabt und die Schule geht nach einem normalen Wochenende einfach wieder weiter. Ok, fast zumindest, ein wenig habe ich ja geschafft.

Fazit wäre an dieser Stelle als erstmal: Ich komme aus meinem Arbeitsverhalten einfach nicht raus. Sollte ich wohl mal langsam akzeptieren. Es scheint keinen Umstand zu geben, der mein dickes Fell besiegen kann; auf lange Dauer gesehen.

Gut, was habe ich also vorbereiten können?

EF: Die lieben Schüler dürfen sich am Montag, wo wir gleich einen Praxistag haben und meine Stunden also vertreten werden, mit dem bisher Gelernten beschäftigen. Aufgabe: Einen Darstellungstext zu den untersuchten Problematiken in Hinblick auf den Unterschied zwischen Mensch und Tier verfassen. Also erstmal reine Reproduktion und Anordnung der Informationen mit anleitenden Unterfragen, damit sie auch keinen Aspekt vergessen. Bin ja nett :mrgreen: Ich hoffe, sie erkennen die kleine Übung als das was sie ist: Vorbereitung auf die kommende Klausur und eine erste Gelegenheit zu wiederholen und Gelerntes wiederzugeben. Die Aufgabe wird auf jeden Fall eingesammelt und von mir bewertet. Nach dem bisher gezeigten Arbeitsverhalten erwarte ich mindestens 1/3 nicht gemachte Aufgaben am Donnerstag vorzufinden. Mal sehen ob sie mich (positiv?) überraschen.

9er Geschichte BdU: Mein Geschichtskurs am gleichen Tag hat die gleiche Vertretungssituation und da wird dann Lucas meinen Platz übernehmen. Ich habe ihm detailliert per Mail geschrieben, was er machen soll, aber die Stunde geht mir schon ein wenig leid ab. Als ich vor den Ferien mit ihm sprach und ihm eine Doppelseit im Buch mit passendem Bildmaterial zum Versailler Vertrag zeigte, meinte er nur auf meinen Vorschlag er könnte doch eine Bildinterpretation machen: „Oder sie bearbeiten einfach den Text und fassen zusammen.“ Joa, oder das -.- Ich hoffe, dass er sie zumindest in das Thema einleitet, ich habe ihm die Verknüpfungspunkte zur letzten Stunde geschickt und dann am Schluss noch eine kurze Diskussion zur Wirkung des Vertrages in der deutschen Öffentlichkeit und für die anstehenden Wahlen leitet. Mal sehen was dabei rauskommt.

9er Geschichte AU: In Ians Kurs bin ich ja zum Glück hinter meinem eigenen thematisch inzwischen und ich muss quasi nur die bereits geplanten und gehaltenen Stunden optimieren. Da ich jetzt schon gemerkt habe, dass man eigentlich nie eine Stunde zweimal hält, da sich teilweise unterschiedliche Schwerpunkte ergeben, wenn die Schüler aufmerksam mitarbeiten und die Stunde somit auch gerne mal mit lenken, wird es aber trotzdem nicht langweilig.

Q1 Geschichte AU: Neu übernehme ich nun ja den Oberstufenkurs von Herr Rickward. Bei ihm hatte ich auch schon die 7er Klasse vor den Ferien, in der ich meinen 1. UB gehalten hatte. Die Vorbereitung habe ich geschoben, das Thema liegt mir nicht und ich habe auch immer noch nicht recht den Bezug gefunden. Grob habe ich also heute die Geschichte des Vormärz, was der Kurs nun bereits behandelt und fast abgeschlossen hat, zusammengefasst und mir einen guten Punkt gesucht, an dem ich anknüpfen und zur Vorbereitung auf die deutsche Reichsgründung 1871 überleiten kann. Gar nicht so einfach, wenn man tatsächlich kaum einen Schimmer von der Zeit hat. Da muss ich die nächsten Tage noch etwas Energie hineinstecken. Ich will Herr Rickward immerhin eine vorläufige Tabelle mit den geplanten Themenschwerpunkten zeigen können, wenn es los geht.

Q2 Philosophie AU: Joa. Da darf ich nun nach den Ferien endlich hospitieren. Ich mache mir erstmal wenig Gedanken um das Übernehmen des Unterrichts und muss mich komplett überraschen lassen, was sie a) überhaupt machen und b) wann ein passender Zeitpunkt wäre, zu dem ich einsteige. Herr König hatte sich ja Zeit erbeten und die werde ich mir nun auch erfragen sollte er direkt mit Übernahme auf mich zukommen.

6er Geschichte BdU: Habe ich sträflich vernachlässigt und bin immer noch nicht ganz in der Klasse angekommen. Dabei will ich, wenn alles sich einigermaßen einspielt, in diesem Kurs eventuell mein Examen machen. Die Voraussetzungen sind nur denkbar ungünstig bisher gewesen. Es fiel sehr viel Unterricht aus, ich sehe sie nur einmal die Woche an ihrem einzigen Schulnachmittag und auch dort bin ich im Thema irgendwie nie richtig angekommen. Ich hoffe, es wird bald besser.

Tja, keine besondere Bilanz. Immerhin für andere war ich produktiv 😉 Einer meiner Mit-Refis aus Philo hatte sich wegen des Entwurfs seines zweiten UBs gemeldet und wir haben alles zusammen durchgedacht und besprochen. Ich muss meine teilweise ja schon geäußerte Kritik deutlich einschränken: Wenn sie auch in den Seminarsitzungen nicht in der ihnen gegebenen Zeit zurecht kommen, das was er da gemacht hatte, hatte Hand und Fuß. Ich denke, ich war ein wenig ungerecht in meinem Urteil. Schnelligkeit beim Arbeiten ist ja nicht alles. Werde ich aber jetzt auf jeden Fall brauchen, um am Ende vom Wochenende etwas vorweisen zu können. Bin gespannt was da nun bei rauskommt.

Veröffentlicht in Ausbildung, Ausbildungsunterricht, Referendariat

Lücken

Gerade im Gespräch mit Maite ist mir die letzten Tage bewusst geworden, dass mir bei der Ausbildung doch einiges fehlt. Sowohl in den Fachseminaren als auch in der Schule. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich diese Lücken schließen (lassen) will, setze mich aber nach den Ferien auf jeden Fall mal mit einigen Personen zusammen.

Im Seminar fehlt es mir an praktischen Kontexten. In beiden Fachseminaren habe ich eher das Gefühl, dass wir wie in der Uni wieder Theorien vermittelt bekommen. Die sind sicher richtig und wichtig, aber etwas konkreter dürfte es für meinen Geschmack schon werden. Ganz aktuell mache ich mir gerade Gedanken zu meiner ersten Klausur. Beim Gedanken daran einen Erwartungshorizont zu erstellen, sehe ich ein Buch mit sieben Siegeln vor mir. Worauf muss ich achten? Wie ist der Aufbau? Wie passe ich die Klausur an meine Reihe und die Reihe an die Klausur an? Welcher Schritt kommt zuerst? Ich bin komplett planlos. Es wird noch etwas Zeit vergehen, bis das akut wird in meinem Fall, aber die erste Klausur muss ich am 12.12. in der EF schreiben und ich muss jetzt ja schon dahingehend meine Unterrichtsinhalte vorbereiten.

Maite erzählte mir, dass sie damals in ihrem Päda-Seminar von der Fachleiterin eine Klausur gestellt bekommen hatten, diese lösen mussten und dann Schritt für Schritt in Zusammenarbeit einen Erwartungshorizont erstellten, Korrekturschritte besprachen und praktische Anleitung bekamen, wie man so etwas überhaupt macht. Ich habe bisher einmal drei Beispiele für Oberstufen Klausuren von meinem Fachleiter in Geschichte bekommen, die wir in einer Seminarsitzung korrigieren sollten und dann eine Musterkorrektur von ihm nachgereicht bekamen. Das wars. Eine Liste mit Korrekturzeichen war auch noch dabei. Ich kann nicht sagen, dass ich mich dadurch groß besser vorbereitet fühle, vor allem weil das unkommentiert abgeschlossen wurde, nachdem alle eine vage Note gefunden hatte.

Im Geschichtsfachseminar schneiden wir viele zentrale Themen an. Aber es bleibt beim Anschneiden, so richtig viel Substanz hat das ‚Gelernte‘ dort für mich nicht. Es ist noch mehr Theorie für eine Praxis, die sich nur durch Praxis erklären lässt meiner Meinung nach. In Philosophie sieht es so aus, dass wir ganz konkret verschieden Themen angehen und uns so den Zugang selbst erschließen. Das liegt mir, aber durch diese fachwissenschaftliche Lücke unter den Referendaren selber, erreichen wir oft nicht die Tiefe, die ich mir wünschen würde. Ich kann mir kaum vorstellen, wie wir da in Zusammenarbeit so etwas wie eine Klausur mit Erwartungshorizont erstellen sollten. Ich werde da aber trotzdem vorschlagen, da wir es anders einfach nicht lernen werden.

Gerade wegen der Schule ist meine Situation wahrscheinlich auch ein wenig speziell. In Geschichte habe ich Ansätze von Ausbildungsunterricht erfahren. Ian kümmert sich um mich und hat auch schon eingefordert Planungen und konkrete Rückmeldungen zu und vor Stunden zu erhalten. Und hat mir rückgemeldet, was er davon hielt. Aber so intensiv wie Maite ihre Arbeit mit den Referendaren an ihrer Schule beschreibt, … nein, so etwas hatte ich noch nicht. Niemand hat angeboten sich mit mir hinzusetzen und aktiv die Unterrichtsvorbereitung durchzugehen. Wirklich konkrete Tipps bekam ich vor den Ferien von einem Lehrer, der mich jetzt auch nach den Herbstferien weiter begleiten wird.

Aber in Philosophie? Herr König ist in den Wochen in meiner Achtung ordentlich gesunken. Klar, er hat viel zu tun, aber er hat eine Mitreferendarin in Geschichte unschön hängen lassen und Philipp ist in seinem weiteren Unterrichtsbesuch richtig aufgelaufen bei ihm. Der „Ausbildungsunterricht“ bei ihm wird keiner werden, scheint mir. Aber ich habe keine Wahl. Es gibt nur ihn, Herr Drüppert fällt da ja sowieso flach. Mit meinem ABB habe ich ja vorletzte Woche gesprochen, den werde ich bitten, auch wenn er gerade nicht aktiv Philosophie unterrichtet, ob er sich nicht bei mir mal mit in den BdU setzen mag und mir Rückmeldung zu meinen Stunden gibt.

Was die Klausur angeht, stehe ich auch alleine da. Herr König hat den Parallelkurs und arbeitet an ganz anderen Themen. Wir können da also nicht zusammenarbeiten. Sein Satz, als ich ihn für meinen ersten UB konsultiert hatte, klingt mir auch noch in den Ohren. Ich hatte gefragt, ob man sich nicht mal zusammensetzen könnte. „Hm, wenn du das willst. Ich habe mich da damals ja lieber alleine durchgearbeitet.“ Geht er jetzt auch von aus, dass ich das ebenso machen sollte? Generell scheint er mich gedanklich lieber auszublenden, ich durfte ja nicht mal hospitieren in dem einen möglichen Philosophiekurs, der bei mir in den Stundenplan gepasst hätte. Tja, wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

Ich schätze, ich werde mehr fordern müssen. Klar, ich kann vieles schon alleine, aber ich soll ausgebildet werden. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich nehme mir also für die kommende Phase Lücken-Suche und -Schließung vor. Hoffentlich klappt das.