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Mein 7er PP Kurs für vier Stunden – Oder: Und erstens kommt es anders …

Nach sehr viel hin und her hatte ich es ja endlich geschafft aktiv Unterricht an einer zweiten Schule in praktischer Philosophie zu bekommen. Der erste Versuch war an meinen Stundenplankoordinatoren meiner eigentlichen Schule gescheitert, dann war die Kurslehrerin von Schule zwei ewig und drei Tage krank und dann … dann waren es nur noch fünf Wochen bis zu den Sommerferien. Joa, man nimmt was man bekommen kann. Also fing ich erstmal mit der Hospitation an – soweit war ich im ersten Anlauf auch schon gekommen ^.^

Es ging um das Thema Zeit. Die Kinder waren echt fit im denken, es kamen tolle Beiträge und ich freute mich auch schon auf meine Stunden. Dummerweise lagen die dann tatsächlich parallel zu meinem 5. UB Geschichte, weswegen das Ganze dann in ziemlichem Stress endete. Aber … alles für die Ausbildung, gell?

UnbenanntIch bekam den Auftrag die Reihe abzuschließen. Super, dachte ich mir, da sie mit Mythen schon gearbeitet hatte, pickte ich mir ein paar heraus, in denen es um den Tod ging und erweiterte das Bild, welches die Perser, Inder, Südamerikaner und germanischen Völker so vom Tod und dem Sterben und dem Sinn dahinter hatten. Kam ziemlich gut an, nur die Zeit, die sie beim Plakate erstellen brauchten, hatte ich enorm unterschätzt, weswegen wir meinen Plan in der Doppelstunde nicht abgeschlossen bekamen.

Die Siebtklässler waren jedoch so angetan, dass eine Gruppe gleich fürs nächste Mal eine Religion genauer vorstellen wollten, da ein Mädchen Buddhistin war und darüber etwas erzählen konnte und wollte. Lief also alles 🙂

Trotz UB-Stress machte ich mich an die Planung der nächsten Doppelstunde, in der ich nach der Theorie praktische Beispiele zum Umgang mit dem Sterben behandeln wollte … als mich am Wochenende die leicht aufgeregte Mail der Kurslehrerin erreichte. Der Plan musste umgeschmissen werden, es stünde ein ganz dringendes Thema an.

Ich hatte schon bei meiner ersten Hospitation in den höheren Klassen an der Schule mitbekommen, dass dort einiges mehr oder weniger verborgen am ‚Gären‘ war. Nach einer Stunde kamen zwei Mädchen aus der EF zu der Lehrerin, bei der ich zuerst den Unterricht übernehmen sollte, um mit ihr über ein Thema zu sprechen, für das sie zunächst keine Worte fanden. Was sich in dem Gespräch dann herausstellte und auch ‚perfekt‘ durch die Lage der Mädchen dargestellt wurde, hätte man in keinem Jugendroman zur Thematik besser beschreiben können.

Es ging um nationalsozialistisches ‚Gebaren‘, Hitler-Grüße und extremistisches Gedankengut in ihrer Stufe. Sie fühlten sich von der Situation heillos überfordert, die große Masse schwieg und fand das alles zu „lästig“ und nicht alarmierend genug, um dafür „den Frieden in der Stufe zu stören“ und die wenigen, die tatsächlich persönliches Unbehagen bei der Konfrontation empfanden, sahen keine Möglichkeit, sich gegen die extreme Minderheit oder die schweigende Masse zu stellen. Zu dem Zeitpunkt war es schon so brisant, dass die Polizei bereits einmal an der Schule gewesen ist. Das war vor den Osterferien.

Nun hatte ich im 7er Kurs in einer Arbeitspause, in der die Kurslehrerin den Raum verlassen hatte, eben diesen speziellen Gruß (zwei Finger an die Lippe für das ‚Bärtchen‘ und dann der ausgestreckte Arm) zwischen zwei Jungen beobachtet und umgehend die Kurslehrerin angesprochen. Sie war sehr erstaunt und zeigte sich unwissend, was die Thematik an der Schule anging. Ich überließ ihr die nächsten Schritte, da es ja schon Thema an der Schule war. Bis zu der spontanen Mail, die als Reaktion auf die Anwesenheit des Staatsschutzes und der aufgenommenen Ermittlungen in meinem Postfach landete.

Also musste ich spontan den Plan umschmeißen und etwas für die Information, Aufklärung und Prävention für den Kurs zusammenschustern. Das Material wurde nicht mein Bestes, aber ich hatte es unterwegs am Nachmittag vorher zusammenkopiert. (Gefunden auf Zivilcourage lernen und neu zusammengestellt)

GewaltRecht

Ich rechnete nicht damit, dass die Siebener wirklich schon eine ausgeprägte Ideologie hinter ihren Handlungen entwickelt und verinnerlicht hatten. Deswegen ging es mir im ersten Schritt darum, klar zu machen, dass man sich nicht mehr in einer Grauzone bewegt, wenn man hier einfach ’nur‘ nachahmt. Die Stunde selber überließ ich der Kurslehrerin, da bei dem Thema einfach ein vertrauter Lehrer besser mit den Kindern ins Gespräch kommt. Ich unterstützte nur über die historischen Fakten, welche bei vielen Nachfragen zur Erklärung gebraucht wurden.

Besonders an der Stelle, wo wir auf die rechtliche Basis zu sprechen kamen, fiel den zwei Jungs merklich ‚einiges aus dem Gesicht‘. Es wurde sehr deutlich, dass es für sie einfach nur Spaß gewesen ist und sie sehr unreflektiert die Älteren auf dem Schulhof beobachtet und nachgemacht hatten. Für die anderen schien es fast schon befreiend zu sein, dass sie über ihre Eindrücke und Beobachtungen reden konnten, da gerade den Schülern natürlich wesentlich mehr aufgefallen war, als an Aug‘ und Ohr der Lehrer so ankommt.

Für die nächste (und letzte) Doppelstunde beschloss ich den Fokus auf Diskriminierung und Mobbing zu legen, da das ein brennenderes Thema nach meiner Beobachtung in der Lerngruppe darstellte. Es gab einen Jungen, Tim, der bereits wegen Mobbing Anfang der Sieben die Schule hatte wechseln müssen und auch in der aktuellen Gruppe keinen leichten Stand hatte. Allgemein war der Ton nicht der gemäßigtste unter den verschiedenen Grüppchen.

Wir stiegen mit dem Dialog ein, welchen die Schüler zu Aufgabe 2 „Wo fängt Gewalt an?“ erstellte hatten und sprachen über die Gefahren von körperlichen Eingriffen in Gewalt-Situationen und die Gefahr für einen selbst, besonders in ihrem Alter. Der eigentliche Fokus lag dann aber auf nicht-physischer Gewalt gegen andere.

Mobbing

Diese Liste wurde ausführlich besprochen. Am Anfang der Stunde war bereits einmal die ersten zwei Punkte in Bezug auf Tim von den Mitschülern in die Tat umgesetzt worden, was ich auf jeden Fall hatte ansprechen wollen. Ich war mir nur überhaupt nicht sicher, wie und wann. Ich kannte die Gruppe kaum, wusste nicht, wie der Junge darauf reagieren würde zum ‚Thema‘ gemacht zu werden und ob es tatsächlich eine Verbesserung oder -schlechterung zu Folge haben könnte. Als er jedoch ausgerechnet bei der Diskussion zum zweiten Punkt den Raum verließ, beschloss ich die Abwesenheit zu nutzen und die Situation anzusprechen.

„Naja, das passiert ja öfter mal, dass man etwas nicht versteht! Geht mir immer in Mathe so.“ erklärte eine Schülerin gerade.

„Aber das ist doch ein Unterschied, ob du selbst es nicht so schlimm findest, oder die anderen das machen und es ganz furchtbar findest.“

„Sehr richtig,“ pflichtete ich bei, „ist euch eigentlich bewusst, dass die Situationen bereits heute schon hier passiert sind?“

Alle machen große Augen und überlegen. „Hä? Neee, hat irgendwer etwas nicht verstanden?“ – „Das haben wir gar nicht gemacht!“ – „Was soll denn passiert sein?“ – Es ging um ‚Lehrer-Mobben‘ und eine meiner Gesten war von zwei Schülern parodiert worden: „Meinen Sie etwa das mit dem Telefon?! Wir haben Sie nicht gemobbt!“

Schmunzelnd stellte ich fest: „Nein, keine Sorge, das meine ich nicht. Ich meine einen … “ Der Kursbeste hebt die Hand. „Sie meinen den Vorfall mit Tim, richtig?“ Ich nickte. Der Rest protestiert vehement.

„Aber, der lacht doch immer mit!“ – „Wenn man immer so komisch am Tisch sitzt …“ – „Das war doch auch dumm, was er gesagt hat!“ – „Der sagt immer so komische Sachen.“ …

„Machen die Gründe die Sache besser, wenn er etwas sagt und die ganze Klasse reagiert mit Spott, verdreht die Augen und fällt ihm lachend oder stöhnend ins Wort?“ will ich wissen.

Die ersten schweigen etwas betreten. Der Kursbeste meldet sich wieder und erklärt, dass er genau weiß, dass die übertriebenen Gesten und die Grimassen, wenn Tim sich beispielsweise aufs Lesen konzentrieren muss, ihn selber nerven, er es aber nicht abstellen kann. Der Rest wird noch ruhiger.

Wir schaffen es, die Gefahren des Verhaltens zu besprechen, bevor der Schüler von der Toilette wiederkommt. Viele zeigen Empathie, überlegen, dass man sicher irgendwann gar nichts mehr sagt, wenn immer alle so reagieren und dass es sehr schwer ist, wieder in die Klasse/Gruppe hineinzukommen, wenn sich das Verhalten erst einmal gefestigt hat. Besonders eindrucksvoll war das Beispiel und die Empfindungen, die bei der Bearbeitung der zweiten Aufgabe vom Schüler selbst zur Problematik geäußert wurden. Er stellte fest, dass man irgendwann einfach nicht mehr das Gefühl hat, dass es mit den andern ‚wieder gut werden könnte‘ und man deswegen einfach wegziehen muss. Einige betretene Blicke wurden daraufhin ausgetauscht und ich hoffe, dass etwas angekommen ist.

Zivil CNach der Stunde, die ich eigentlich mit Positivbeispielen abschließen wollte, wo mir aber wieder der Schulalltag mit einer Konferenz einen Strich durch die Rechnung machte, sprach ich die Entscheidung über das klasseninterne Problem ohne Anwesenheit des Betroffenen zu reden bei der Kursleiterin an. Sie fand es genau richtig gelöst und sehr hilfreich, dass ich an der Stelle das aktuelle Verhalten aufgegriffen und besprochen hatte. Ich fand die Situation etwas heikel, da es auch leicht hätte ’nach hinten‘ losgehen können.

Die ‚Reihe‘ war natürlich keine wirkliche und entstand eher spontan. Ich werde mir fürs nächste Mal auf jeden Fall ordentliches Material und ein besseres Konzept zurecht legen. Dass das Thema wichtig ist, ist gerade im Moment ja nicht zu übersehen, wobei Mobbing selber ja eher ‚zeitlos‘ erscheint.

Abschließend kann ich sagen, dass mir der „Ausbildungsunterricht“ in diesen vier Stunden (außer praktischer Erfahrung) nichts für das Fach gebracht hat. Die Kursleiterin selber hat die Lehrbefähigung für PP ’nur‘ über einen Zertifikatskurs erhalten und ‚wurschelt‘ sich so durch. Aber: Man nimmt ja was man kriegen kann …

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5. UB Geschichte

Oder alternativ: Na also, geht doch!!! Der letzte UB ist geschafft und so chaotisch, wie es sich die Reihe vorher andeutete wurde er zum Glück bei weitem nicht. Die Zeit bis dahin wurde trotzdem wieder etwas lang und bis zum Schluss war ich ein wenig am Zittern, dass sich diese verquere Art aus den Stunden zuvor fortsetzen würde.

Das Wochenende vorher war ja glücklicherweise ein langes – das wurde dementsprechend auch gut genutzt. Wenn man schon ackern muss, kann man es auch in der Sonne tun. So zumindest meine Devise, als es noch so schön warm war. Ich habe es somit geschafft, eine angenehme Bräune zu erhalten. Anfang der Woche sprach ich noch mit einem anderen Refi, der eine Stunde zur Nachhaltigkeit des Versailler Vertrages andachte (Fördert der Friedens-Vertrag tatsächlich den Frieden?) für seinen fünften UB und einen Tag später kam ich mit Herr Rickward überein, dass ich wohl letztlich beim gleichen Thema landen würde. Allerdings in der Vorbereitungssitzung zu dieser abschließenden Bewertungsfrage – bei der Erarbeitung der Positionen der beteiligten Siegermächte, die den Vertrag aufgesetzt hatten. Ich biss gedanklich in die Tischkante.

Genau aus diesem Grund hatte der andere Refi seine UB Stunde in den zweiten Teil der Doppelstunde geschoben. Reine Erarbeitung ist nichts, was man im UB sehen mag und er wählte sich die zweite Hälfte, um die Beurteilungsebene zeigen zu können. Ging bei mir nicht, da meine Stunde eine Einzelstunde war. Umdenken also angesagt. Wie bekommt man für die Perspektiven der Siegermächte eine Beurteilung zustande? Hier das Ergebnis:

Ich war ein wenig fahrig den Tag. Trotz meines eigentlich immer noch stabilen Nervensystems, bringt einen das dauerhafte Rotieren schon an die Grenzen. Es hatte so viel zu planen gegeben, dass ich eine Stunde eher kam, um den Kursraum vorzubereiten, alles aufzuhängen, am PC/Beamer aufzurufen, Material vorzuverteilen, zusammenzustellen, etc. Herr Rickward, der in seiner unglaublichen Weitsicht, im Vorfeld direkt seinen LK, der den Raum vorher belegt hätte, umgeplant hatte, damit ich da in Ruhe werkeln konnte, nickt mir nur kurz zu: „Das wird alles gut laufen, machen Sie ganz ungestört alles fertig.“ Danke ❤ Und mittendrin stand mein Schulleiter plötzlich vor mir und teilte mir mit, „dass sich Termine manchmal ändern;“ er hätte nun doch Zeit und bräuchte noch einen Entwurf. Klar, machen wir alles mit Links >.<

Zu Beginn der Stunde hatte ich also:

  1. Den Raum gelüftet.
  2. Stühle und Tische platziert.
  3. Tafel geputzt.
  4. Den Beamer angestellt.
  5. Alle Dokumenten der Reihe nach, wie sie in der Stunde benötigt wurden, am Laptop aufgerufen.
  6. Material für die Einzelarbeit (umgedreht) auf den Tischen verteilt.
  7. Material für die Gruppenarbeit in die Folientaschen sortiert.
    1. Folien für die Gruppenarbeit
    2. Arbeitsanweisungen
    3. Klebepunkte für jedes Gruppenmitglied
    4. Folienstift
  8. OHPs (der Raum besitzt normalerweise drei, zwei waren da) ausprobiert, sichergestellt dass sie laufen und positioniert.
  9. Plakat mit Magneten an der Tafel befestigt und Arbeitsauftrag daneben gepinnt.
  10. Impulszettel/Folienstifte/Ersatzfolien(für Beamer-Ausfall)/Stundenverlaufsplan bereit gelegt.

So kam es dann auch, dass ich schon zur Beginn der fünf Minuten Pause die Tür schloss, da ich wegen der Anwesenheit des (gesamten!) Kurses – die Schüler hatten wohl direkt bei den anderen Kollegen um pünktliches Ende der ersten Stunde gebeten – irgendwie sogar die Startzeit der Stunde gedanklich verwechselte, direkt das Zitat aufrief und erst beim Seitenblick auf meinen Schulleiter, der schmunzelnd meinte, dass wir ja eigentlich noch Zeit hätten, bemerkte, dass das etwas zu früh war. Gut, kein Problem, Beamer nochmal für 3 Minuten aus.

Wir stiegen mit einem Zitat von Scheidemann ein.

Scheidemanns Ansprache vor der Verfassungsgebenden Nationalversammlung

12. Mai 1919.

Ich frage Sie: Wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt?

(Lebhafter Beifall)

Und dabei sollen wir die Hände regen, sollen arbeiten, die Sklavenschichten für das internationale Kapital, Frondienste für die ganze Welt leisten?

Am 20. Juni 1919 trat er offiziell zurück.

Natürlich war ich so auf die Ergebnisse, die ich hier erwartete fixiert, dass ich total vergaß darum zu bitte, das Zitat erst einmal vorlesen zu lassen. „Ordnen Sie das Zitat formal und inhaltlich ein.“ Alle fangen an das Zitat für sich zu lesen und ich merke, hier passt etwas nicht. „Ok, stopp.“ Ich entscheide mich direkt den Fehler anzugehen und unterbrach. „Ich habe da etwas vergessen. Würde jemand das Zitat erst einmal vorlesen. – Aber bitte mit Betonung!“ Sofort sind die Hälfte der Finger oben, ich wähle meinen kleinen Querdenker, von dem ich weiß, dass er sich hervorragend aufs Schauspielern und Darstellen versteht. Wir bekommen Scheidemann ‚mit Effet‘ vorgelesen und ab da läuft es.

[Ich ergänze in dieser Reflektion einmal die Inhalte, die ich im Entwurf auch als erwartete Ergebnisse angegeben habe und stelle die, die nicht gekommenen sind kursiv dar.]

Formal

  • SPD Politiker
  • Demokrat/Sozialist (Vokabular)
  • 1. Ministerpräsident unter Ebert
  • Spricht sich in einer politischen Rede …
  • gegen die Annahme des Vertrages aus

Inhaltlich

  • Fessel & Sklaverei: Beschränkung der Freiheit/Selbstbestimmung
  • Internationales Kapital: Besonderheit in der sprachlichen Darstellung / politisch links
  • Frondienste (eventuell Verständnisproblem) – schmachvolle, nicht entlohnte Arbeit
  • Deutschland als Diener/Unterdrückte der ganzen Welt
  • Mit Zwang herbeigeführt – „sollen“
  • „verdorren“ – handlungsunfähig, Selbstverstümmelung, Entzug der Lebensgrundlage
  • Ehrlich & vertragstreu: man ist sich bewusst, dass man die Bedingungen nicht einhalten kann
  • Zusatz: Historische Kontextualisierung von Vertrag, Ereignissen davor und danach.

Die etwas dürftigen Ergebnisse der formalen Analyse hatte ich einer Schülerin zu verdanken, die am Anfang sowas von ins Straucheln kam bei ihrer Antwort, dass auch alle anderen merkbar einige Sekunden brauchten, um Ansatzweise nachzuvollziehen, was sie da nun eigentlich gesagt hatte. Dadurch vergaßen sie dann aber, noch auf die formalen Aspekte einzugehen und der Punkt ging unter. War jetzt aber auch nicht sooo wild.

Es kam ziemlich schnell die Frage auf, inwieweit sich die ganze Aufregung denn nun wirklich lohnte, die bei Scheidemann wahrzunehmen war. Genau wie erwartet, kam die Frage nach den Bedingungen, die diese Reaktion provoziert hatten und ich konnte auf das vorher verteilte einzelne A5 Blatt mit den Forderungen verweisen, das umgedreht auf den Tischen vor den Schülern lag. (Manchmal haben die Stunden dann doch was von ‚Zaubershow … wurde im Verlauf auch nicht weniger ^.^)

Forderungen des Versailler Vertrages an Deutschland, vom 28. Juni 1919.

  • Anerkennung der Urheberschaft des Krieges und seiner Folgen
  • Ausschluss aus dem Völkerbund
  • 13% des deutschen Reichsgebiets werden abgetreten
    • Einige direkt bei Unterzeichnung verloren
    • Andere durch Volksabstimmungen noch zu entscheiden
  • 10% der Bevölkerung geht verloren
  • Kolonialbesitz geht in die Hand des Völkerbundes über
  • Berufsarmee auf max. 100.000 Mann reduzieren
    • Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft
    • Militärische Vereine verboten
  • Marine auf 15.000 Mann reduzieren
  • Verbot von Luftwaffe oder schweren Waffen (U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe)
  • Entmilitarisierung des Rheinlandes und eines 50km breiten Streifens östlich des Rheins
  • Reparationsleistungen
    • 1. Rate = 20 Milliarden Goldmark bis April 1921
    • Waren-/Rohstofflieferungen
  • Handelsflotte reduziert / Schifffahrtswege für international erklärt / Zollunion mit Luxemburg aufgelöst

Die Schüler bekamen den Auftrag, diese Forderungen mit ihrem Nachbarn hinsichtlich des ‚Empörungs-Potenzials‘ zu besprechen und in Kategorien eingeteilt wiederzugeben, auf welche Bereiche sich dieselben nun bezogen.

Kategorienbildung: Militärisch, Wirtschaftlich, Geographisch/Territorial, Politisch

  • Starke wirtschaftliche Einschränkungen/Beschneidungen
    • Abgabe der Industrie – Arbeitsplatzverluste / Verringerung des Exports /fehlende Rohstoffe für heimische, weiterverarbeitende Industrien = Erhöhung der Angewiesenheit auf Import
    • Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung
    • Verringerung des allg. Wohlstandes
  • ‚Verlust‘ des Militärs – Schutzlos / keine Möglichkeit mehr international ‚mitzuspielen‘ / Arbeitslosigkeit
  • Verlust der Kolonien: Prestigeverlust / Verlust von ‚Absatzmärkten‘
  • Handel/Zoll: Schwierigkeiten mit Im- und Export / trifft Deutschland gerade beim Export empfindlich / Nachteil für deutsche Waren
  • Reparationszahlungen: gerade nach dem Krieg nicht leistbar / nimmt dem eigenen Land dringend benötigte Rohstoffe
  • Ausschluss aus der internationalen Gemeinschaft + Kriegsschuld = Außenseiterstatus
  • Aufregung Scheidemanns nachvollziehbar
  • Aber: Deutschland ist Kriegsverlierer – Die Bedingungen sind also ‚normal‘/‚üblich‘?

Auch hier kam größtenteils genau das, was ich erwartet hatte. Als ich nach dieser Besprechung dann fragte, ob wir uns denn nun bereits ein Urteil darüber erlauben konnten, dass die Empörung Deutschlands über diese Forderungen gerechtfertigt sei, hielt ich innerlich den Atem an. War die Problemorientierung gelungen? Und die Schüler lieferten 🙂 „Nein, natürlich nicht. Wir kennen ja nur die Perspektive Deutschlands, wir müssen uns auch die Gegenseite anschauen, um die Intention hinter den Forderungen klar zu bekommen.“ Ein tiefes Durchatmen meinerseits, als ich mich zum Laptop herumdrehte.

„Und genau das wollen wir uns heute anschauen.“ Erklärte ich erleichtert und … vergaß mal wieder den Problemaufwurf anzuschreiben. *seufz* Ein gravierender Fehler, aber der einzige dieser Art für den Rest der Stunde. (Mal sehen, wann das endlich hängen bleiben wird … )

Es folgte die ausführliche Erklärung der Arbeitsphase. Jeder hatte ‚zu Hause‘ einen Text zu einem der Verhandlungspartner bearbeitet und vorbereitet. Ich betone hier ‚zu Hause‘, weil ich natürlich das Risiko, dass die Texte NICHT gelesen werden, nicht eingegangen bin und die Stunde vorher eine viertel Stunde eher Schluss gemacht habe, die ‚Hausaufgabe‘ austeilte und alle bat zu lesen und zu bearbeiten. Nein, ich hatte keine schlechtes Gewissen ^.^ Der Grund, warum diese vorentlastende Textarbeit geleistet werden musste, lag natürlich mit dem Blick auf die Urteilsebene auf der Hand. Ich konnte einfach nicht die inhaltliche Erschließung einbeziehen, da dies eine eigene ‚Stunde gewesen wäre, die aber Anforderungsbereich drei nicht erreicht hätte. Vielleicht wenn man irgendwann mal Doppelstunden zeigen darf.

Hier einmal die Arbeitsblätter zu den Politikern:

Wilson

GeorgeClemenceau

Nachdem ich nun also sicher sein konnte, dass alle vorbereitet zur Stunde erschienen waren, wies ich die Textpartner an, sich in einer zweiminütigen Murmelphase über ihre Ergebnisse auszutauschen. Ich hatte die Zettel nämlich so verteilt, dass immer zwei mit dem gleichen nebeneinander saßen. Danach hatten sie den Auftrag sich jeweils mit je einer anderen Position zusammenzufinden, so dass wir letztlich sieben 3er Gruppen bilden konnte, in der jede Position einmal vertreten war. Dabei sollten die Schüler die Perspektive ihres Politikers übernehmen und in die Verhandlungen zum Vertrag eintreten. Wären sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen oder hätten sie lieber mehr/weniger gefordert? 

In jeder der vorbereiteten Folienmappen, die ich an die Schüler rausgab, sobald sich ihre Verhandlungsgruppe zusammengefunden hatten, befand sich eine Tabelle, in der jeweils eine Position markiert war. Diese sollte von ihnen für die Präsentation dargestellt werden. Die gesamte Tabelle von jeder Gruppe ausfüllen zu lassen, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Tabelle

Darüber hinaus sollte jeder, sobald er*sie das Gefühl hatte die Positionen der Sieger eindeutig verstanden zu haben, dieselben in dem Plakat an der Tafel zuordnen. Hierfür hatten sie symbolisch für jeden Politiker einen farbigen Klebepunkt in den Mappen liegen.

Alle machten sich sofort ans Diskutieren, glichen die Ergebnisse ab und waren sich deutlich bewusst, dass sie nun wirklich jeder einzeln gefordert waren, um den anderen die jeweiligen Inhalte zu vermitteln. Schüleraktivierung 100% 😀 Mein Fachleiter lobte später, dass es mit eine der elegantesten Arten von Hausaufgabeneinbindung in die Stunde gewesen wäre, die er je gesehen hat O_o Auch der Auftrag sich am Plakat zu positionieren, funktionierte (fast) reibungslos. Es wurde etwas eng, als alle gegen Ende der Arbeitsphase vorne standen, aber das Ergebnis fiel wie erwartet aus.

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Nicht die beste Qualität … gelb – Clemenceau, grün – George, rot – Wilson.

Ab dem Zeitpunkt hatte ich mein Minimallernziel bereits erreicht.

Die SuS erkennen den Zusammenhang zwischen den individuellen Haltungen von Großbritannien, Frankreich sowie den USA und des Umfangs der Forderungen des Versailler Vertrages. -> Check.

Es folgten die Präsentationen der Ergebnisse, wobei die Schüler in der Phase dann sogar die Fehler oder Ungenauigkeiten der präsentierenden Gruppen eigenständig ergänzten und verbesserten. Ich brauchte nur in Ansätzen moderieren und war tatsächlich komplett ‚raus‘ aus dem Großteil des Stundenverlaufs. Einmal passierte es doch, dass ein Schüler vorne noch stand, als durch eine Nachfrage eine Diskussion begann, die ich nicht sofort kürzte und er somit diesen ‚bestellt und nicht abgeholt‘ Status für zwei Minuten einnehmen musste, aber das war noch im Rahmen. Alle Beiträge wurden wahrgenommen, gewürdigt und rund abgeschlossen.

Wirklich unschön in dieser Phase war das Versagen der Technik. Trotz doppelt vorhandenem OHP, fielen beide auf ihre ganz eigene Art aus. Der eine war schon berüchtigt dafür, dass er immer nach einigen Minuten überhitzte und sich ausschaltete, weswegen ich das zweite Modell zum Einsatz hatte bringen wollen. Dieses fing aber nach kurzer Nutzung so dermaßen an zu Fiepen und Surren, dass man den Vortragenden fast nicht mehr verstehen konnte. Irgendwann griff ich genervt ein und tauschte das Geräuschungetüm aus. Natürlich versagte der defekte Hitzeschalten dann noch während der Präsentation, so dass wir wieder auf die Geräuschbelästigung zurückgreifen mussten. Da der Schulleiter mit hinten drin saß, wurde das UMGEHEND an die richtige Stelle nach der Stunde weitergeleitet 😉

Da das Problem der Bewertung der deutschen Position und Reaktion zu den Forderungen des Versailler Vertrages sehr deutlich allen vor Augen schwebte – auch wenn es nicht an der Tafel stand – ging es nach einer kurzen Stellungnahme zu den Ergebnissen des Plakates auch direkt zur Beurteilung über. War die deutsche Reaktion nun gerechtfertigt oder nicht?

Es zeigte sich, dass es hier zwar recht unterschiedliche Meinungen gab, aber durch die visuelle Unterstützung kam ziemlich schnell doch das antizipierte Ergebnis dabei herum. Es wurde sogar der von mir im Entwurf genutzte Stundentitel 1:1 genannt: Hätte es schlimmer kommen können? – Beurteilung von Potenzial und Risiken des Versailler Vertrages durch die Einordnung der politischen Positionen und Interessen der alliierten Siegermächte.

Ein Schüler meldete sich, nachdem in den vorherigen Meldungen doch noch einmal kurz die zu repräsentierende und beurteilende Perspektive verwechselt worden war (‚Frankreichs Forderungen wären doch eh ungerecht gewesen …‘ – ‚Aufpassen worüber jetzt geurteilt wird, wir wollen nicht beurteilen, ob Frankreich berechtigt war die Forderungen zu stellen, sondern ob die deutsche Reaktion angemessen gewesen ist.‘), verwies auf das Plakat und meinte ganz empört: „Also, wenn man sich das da so anschaut, das hätte doch noch viel schlimmer kommen können, wenn man sich Frankreich so anguckt. Auch wenn die Forderungen hart waren, Deutschland hatte schon ‚Glück‘, dass sich nicht die Franzosen bei den Verhandlungen bedingungslos durchsetzen konnten … vielleicht hätte es Deutschland so nicht mehr gegeben, wie wir es kennen.“

Hach ja … schön ists, wenn ein Plan funktioniert. 😀

Für die angedachte Vertiefung, die die Ursache der deutschen Haltung noch besprochen hätte, war dann aber keine Zeit mehr. Ich beschloss, das als deutliches Schlusswort stehen zu lassen und beendete die Stunde 1 1/2 Minuten vorm eigentlichen Ende. Das Maximalziel (Die SuS formulieren eine Einschätzung der Rechtmäßigkeit sowie der Ursachen der negativen Reaktion von deutscher Seite aus auf diese Forderungen.) wurde dadurch zwar nur teilweise erreicht, aber die Ursachen hatte ich eh als didaktische Reserve angegeben und konnte damit sagen, dass der Stundenplan genau aufgegangen war.

Die Oberste Heeresleitung (und mit ihr auch die deutsche Öffentlichkeit), die sich schlicht auf Wilson und sein Friedensprogramm verlassen hatte und somit total vor den Kopf gestoßen war, als dann die viel härteren Forderungen gestellt wurden, blieben in der Stunde außen vor.

Lagebeurteilung der OHL

Am 29. September 1918 forderte die OHL – für die deutsche Öffentlichkeit völlig überraschend – sofortige Waffenstillstandsverhandlungen und gestand somit erstmals die deutsche Niederlage ein. Aus den Tagebuchnotizen des deutschen Offiziers Albrecht von Thaer vom 1. Oktober 1918:

 

Deshalb habe die O.H.L. von Sr. M. und dem Kanzler gefordert, dass ohne jeden Verzug der Antrag auf Herbeiführung eines Waffenstillstandes gestellt würde bei dem Präsidenten Wilson von Amerika zwecks Herbeiführung eines Friedens auf der Grundlage seiner 14 Punkte.


Um diesen sehr langen UB Bericht nun auch zu seinem Ende zu führen, kann ich nur sagen, dass ich meinen Geschichtsfachleiter noch nie so zufrieden erlebt habe. Ich hatte wirklich Mühe, mir für die Nachbesprechung Kritikpunkte ‚aus den Fingern zu ziehen‘, denn es hatte ja alles geklappt. Aber … ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem den 7 minütigen Vortrag mit Kritik zur Stunde hinbekommen hätte. Mein FL meinte an Schluss ganz empört, dass er ja wohl keine andere Stunde gesehen hätte, als ich gerade versuchen würde darzustellen und dass ich nicht so kritisch sein dürfte. ‚Tschuldigung … das ist das was man/Sie uns beigebracht haben.

Ich befinde mich also in der glücklichen Position, meine (insgesamt für beide Fächer) zehn absolvierten UBs mit einer 1 abschließen zu können.

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Aus dem Tritt …

Im Moment läuft es nicht rund. Die Motivation fehlt stark und ich habe das Gefühl, als wäre der Kopf in Watte gepackt. Die Ideen wollen nicht so recht aus ihrer dunklen Ecke heraus und die einfachsten Hügelchen scheinen riesige Berge auf den ersten Blick.

Heute war ein Tag, der auf einen sehr unproduktiven gestern folgte und schon bescheiden begann. Mein Mann hatte irgendwie vergessen mich morgens zu wecken und so saß der Junge alleine auf dem Sofa, berieselt vom Kinderprogramm und ich schlief mit der Motte bis fast halb sieben, während er bereits um kurz nach sechs das Haus verlassen hatte O_o Wurde alles natürlich dezent knapp und stressig, aber ich kam pünktlich los. (Mit ungewaschenen Kindern, da das Frühstück auch nicht gemacht gewesen war. Wenn dann richtig …)

Die Stunden heute zogen sich ziemlich demotivierend dahin, es fiel nichts wirklich Negatives vor, aber ich hatte schon mal mehr Spaß im Unterricht. Die Schüler glaube ich auch. Vielleicht kam auch noch dazu, dass die Doppelstunde im Philo LK, in dem ich nun wieder nur hospitiere, doch durchaus ansprechend war und mir mein Unterricht dagegen eher stumpf vorkam. Hat der Terminator den Vergeltungstheorien einfach etwas voraus? Wer weiß … Ich hätte bestimmt noch ein tolles Beispiel für Kants Wiedervergeltung finden können … aber das mit der fehlenden Kreativität habe ich ja schon angesprochen.

In meinem Geschichtskurs danach kamen sogar Diskussionen auf. Das Thema polarisiert ja auch ordentlich. Wir sprachen über die Rechtfertigung der Sklaverei im 18. Jahrhundert in den (frisch) Vereinigten Staaten. Da ich zu dem Thema sehr viel in der Uni gemacht habe, konnte ich doch einiges an „Spezialwissen“ einstreuen und die Schüler waren durchaus interessiert. Der Fall Scott <> Sandford (eigentlich Sanford) diente als Erläuterung zum Menschenbild und der autobiographische Bericht von Salomon Northup schilderte eindrücklich, worum es beim ‚Tatbestand Sklaverei‘ eigentlich ging.

Aber die Stunde riss meine Laune nicht mehr raus. Ich hatte mich kurz vorher mit Herr Rickward wegen der Q1 Stunde morgen besprochen. Der Krieg soll zu seinem Ende kommen und die geeignetste Quelle dafür schien die Erklärung zum Lagebericht der OHL, die nach ewig langen Durchhalteparolen und vielen militärischen Fehleinschätzungen und -Entscheidungen nun doch auf Waffenstillstand drängte. Mein müdes Hirn hatte gestern einen Plan für die Stunde zusammengeschustert, was gefühlt ewig dauerte.

Als ich Herr Rickward meinen Plan vorstellte wurde wieder deutlich: Gutes Material, falsche Reihenfolge. Ich weiß nicht wo der Wurm gerade drin sitzt, aber er hat sich festgebissen. Joa, das KÖNNTE man so machen. Ob ich schon mal über eine umgekehrte Reihenfolge nachgedacht hätte. Schon wieder -.- Das Pferd von hinten aufgezäumt.

Ich hatte mit dem Frieden von Brest-Litowsk einsteigen wollen.

Europa 1918.PNG
The History of the World – Every Year (Sehr sehenswert, wer das noch nicht kennt.)

1918 hatte es Anfang des Jahres ja durchaus gut für das Kaiserreich ausgesehen und die Schüler sollten durch diese Momentaufnahme vom März etwas in die Perspektive von deutscher Seite im letzten Kriegsjahr versetzt werden.

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Das kontrastiert mit der Einschätzung ‚wir können keinen Tag länger und hätten am besten gestern schon Frieden geschlossen bevor wir überrannt werden‘, sollte für einen ordentlichen Problemaufwurf reichen. Tut es auch.

Aaaaaber: Warum ich das Epochenjahr 1917 als Abschlussphase geplant hätte, will Herr Rickward wissen. – Weil da alle Fäden der letzten Stunden dann zusammen laufen. – Ja, richtig. Wo setzt die nächste Stunde denn dann an? – Friedensverhandlungen – Versailler Vertrag. – Würde sich da nicht ein Fazit zur Situation am Kriegsende eher eignen? Und das Epochenjahr für den Anfang, da dann direkt die letzten Stunden präsent sind? – Recht hat er …

Ich hätte wie in der Doppelstunde da gestanden und im Einstieg bemerkt, dass ich die Stunde besser andersrum aufgezogen hätte. Der Rest ist wie immer gut, das Material sehr brauchbar. Am und mit dem Problem arbeiten wir/ich noch *seufz*

 

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Wie Russland und ich im Chaos versanken …

… ok, Chaos ist vielleicht in meinem Fall etwas zu viel gesagt, aber ich hatte wieder eine Stunde mit dem Oberpunkt: Das hatten wir doch schon mal. Im Moment habe ich das Gefühl, dass meine Fehler immer banaler werden und sie mir vor allem SELBST auffallen sollten. Und ich mache mir wirklich Gedanken darüber, wie es mir später, nach der Ausbildung, nach den regelmäßigen Möglichkeiten der externen Reflektion und der Verbesserungsvorschläge, dann wohl auffallen soll, dass ich etwas ändern muss und vor allem: Was und Wie? In diesen Situationen rückt das Ref-Ende eher wie ein Schreckgespenst näher. Wer wird sich dann noch hinten reinsetzen und mir Tips geben? Negative Eigenheiten aufdecken, einem dezent oder grob auf die Füße treten und helfen die Unterrichtsqualität zu verbessern? *seufz*

Also, mal wieder eine Stunde bei Herr Rickward und mal wieder Fehler, die ich hätte vermeiden sollen, aber wohl einfach noch nicht vermeiden kann; obwohl sie mir theoretisch bekannt sind. Wir haben am Dienstag die Russischen Revolutionen erarbeitet. Arbeitsteilig haben die Schüler sich mit Hilfe von Darstellungstexten mit dem Ablauf der Revolutionen beschäftigt, drei Gruppen mit 1905 und drei mit 1917 und sich jeweils zu dritt mit verschiedenen Aspekten der Krisenanalyse befasst. Grundlage war die Konfliktanalyse, wie ich sie auch im 4. UB verwendet habe. (Die Schüler kamen leider nicht in den Genuss meines hübsch gestalteten Arbeitsblattes, da ich den Tag das erste Mal meinen Ordner zu Hause vergessen hatte.)

Die Stunden verliefen natürlich unspektakulär. Die Kinder arbeiteten, erschlossen sich die Texte und schrieben die wichtigsten Stichpunkte auf. Dann ging es an die Stunde zur Präsentation. Ich machte noch relativ lange den Abend und Morgen vorher an den Möglichkeiten zur Vertiefung herum und war doch nicht ganz glücklich mit dem Ergebnis. Plötzlich kann ich nicht mehr abschätzen, wie lange sie nun für die Vorstellung brauchen könnten, wie ich verschiedene Punkte herüberbringen soll, was sie an Material benötigen, um diesen oder jenen Gedankenschritt nachzuvollziehen und so weiter. Es ist furchtbar.

So kopierte ich morgens noch die Quelle „Was tun?“ von Lenin, um hier auf die Idee von ‚Berufsrevolutionären‘ und dem Widerspruch dieser bewussten „Einrichtung von Revolution“ mit den weitgefächerten Abläufen einer ’natürlichen‘ Revolution in Kontrast setzen zu können. Und den Ideen, die Marx eigentlich gehabt hatte, als er den Klassenkampf prognostizierte. Und dem, was Stalin dann daraus gemacht hat. Und mit den Konzepten von Geschichte nach Hegel (Dreischritt mit Lernen aus dem Vergangenen) und Nietzsche (Gezwungenes ‚immer wieder das Gleiche machen ohne etwas daraus mitzunehmen‘) können wir uns ja eigentlich auch noch beschäftigen. Und die genaue Ereignisgeschichte der Revolutionen …

Man sieht das Problem, oder? Natürlich ist das Zuviel. Zuviel von allem. Aber man braucht ja Impulse, es muss doch möglichst groß sein, damit man am Schluss genug Diskussionspotenzial hat, nicht? Denn Diskussion muss ja. Und dann müssen sie ja große Themenfelder bekommen, damit jeder etwas sagen kann.

*seufz* Morgens ging mir auf der Fahrt noch ein Licht auf, was mein Problem bei den Fragen angeht. Ich frage immer in eine Richtung. Ich frage so, dass man sich bei der Antwort so positioniert, dass keine Offenheit für Standpunkt 2 oder 3 oder 4 ebenfalls legitim gelassen wird, außer man greift die Prämisse der Frage an. Ich will es zu genau, zu eng, zu vertieft im ersten Schritt. Das stockt die Gespräche und führt dazu, dass oft nur die Leistungsstarken mir folgen können. Das Problem hier ist: Ich weiß das theoretisch. Ich schaffe es nicht in konkreten Situationen das dann anders umzusetzen. Weil ich Angst habe, dass Dinge schwammig bleiben, falsch aufgenommen und gelernt werden. Ich will es direkt so ‚richtig‘ wie möglich vermitteln um die ‚Ausfallrate‘ so gering wie möglich zu halten.

Nach der Stunde machte Herr Rickward mich auf ein weiteres Problem aufmerksam, was in dieser Sorge seinen Ursprung hat. Als die Schüler vorgetragen haben, habe ich an den Stellen, wo sie schwierige Begriffe/Umstände eher oberflächlich oder ungenau erklärt haben, direkt eingegriffen und habe um Präzisierung gebeten oder direkt einen kurzen Austausch im Plenum veranlasst. In der Zeit standen die Schüler, die präsentierten, dann vorn und warteten auf den Fortgang der Präsentation. Die Abläufe haben sich stark vermischt, teilweise meldeten sich die Präsentierenden, um sich an der Diskussion zu beteiligen. Und das passiert mir häufiger, auch in anderen Kursen. Die Situation hat mehrere Probleme.

  1. Man fällt den Präsentierenden ins Wort.
  2. Es entsteht eine Art Prüfungsgespräch durch das Nachhaken.
  3. Konkrete Sammlung / Sicherung der zu klärenden Punkte fehlt.
  4. Der Schülerbeitrag geht unter, wird nicht wertgeschätzt und die klaren Übergänge fehlen.
  5. Material wird wenig bearbeitet / eingebunden.

Ich agiere oft so, weil ich …

  • … nichts vergessen möchte.
  • … nicht möchte, dass etwas ‚Falsches‘ behalten wird.
  • … die Schüler direkt zur Genauigkeit anhalten will.
  • … der Überblick für eine Sammlung nach den längeren Präsentationen oft noch fehlt.

Die Stunde hatte dann noch weitere Schwächen. Die Diskussion am Schluss ruderte in viele Richtungen und ‚verlor‘ dabei doch einige Schüler auf dem Weg. (Auch Herr Rickward bestätigte mir, dass dieses zu viele Fäden auf einmal zusammenknüpfen zu wollen ‚ein typisches Problem der neuen Philosophiekollegen‘ wäre.) Die Zeit wurde zu knapp für das AB, was in einem reinen Gespräch ohne Material endete. Das ist immer noch eine Stufe schwerer, als wenn man sich an konkreten Fakten entlanghangeln kann. Ich bin nach wie vor unsicher, wieviel an Fakten ich persönlich vorgeben darf, ab wann ich manipuliere, suggeriere und so weiter. Wenn ich meine Auffassung der Inhalte des ABs für die Diskussion kurz darstelle, stelle ich eben MEINE Sicht dar. Die Schüler konnten sie sich nicht bilden und müssen für ihre weiteren Annahmen darauf bauen, dass ich das so neutral wie möglich dargestellt habe.

Nicht dass sie den Lehrer in vielen Fällen hinterfragen würden. Sie gehen oft einfach davon aus, dass ich ihnen keinen Unsinn erzähle. Und das empfinde ich eben als sehr problematisch. Was dann zu den vorher beschriebenen Verhaltensweisen von mir führt, wo ich versuche sicherzustellen, dass sie in der Situation direkt eben so wenig wie möglich ‚Falsches‘ verstehen können. *seufz*

Naja, wir arbeiten dran. In Präsentationen mache ich mir demnächst strickt Notizen und füge eine Sammlungsphase am Schluss an. Werde mit dem Material der Präsentierenden arbeiten und dieses ergänzen/korrigieren. Bei schwerwiegenden Fehlern greift man natürlich ein, aber ansonsten lasse ich meine armen Schüler wohl erstmal besser AUSREDEN -.-

Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Konstruktive Kritik, Referendariat

Kollateralschäden – oder: Also in meiner Planung hat sich das noch ganz toll ‚gedacht‘!

Lernt man eigentlich tatsächlich dazu oder macht man die gleichen Fehler nur auf neue Art immer wieder nochmal im Ref? Das dachte ich mir gestern in der Doppelstunde bei Herr Rickward. Eigentlich sollten nur die USA in den ersten Weltkrieg einsteigen. Kann ja nicht so schwer sein, gell? Hmhm, falsch gedacht. Die Stunde wurde zur Nervenprobe, denn es passierte, was wirklich niemand hofft, dass es passiert: Die Stunde begann und ich merkte innerhalb der ersten 3 Minuten, dass ich sie besser anders geplant hätte >.<

Aber von vorne. Ich bin ja seit etwa drei Wochen bei Herr Rickward in der Q1 dabei und da dort auch mein letzter Geschichts-UB stattfinden soll, bin ich fleißig am Planen und am Werkeln. Und ich bin sehr froh, dass Herr Rickward da ist, der wirklich von allen Themen mal sowas von die Ahnung hat … ich erstarre nicht vor Ehrfurcht, aber ich bin schon meist neidisch, wie einfach ihm die Zusammenhänge und Verknüpfungspunkte geradezu aus der Tasche zu schlüpfen scheinen, während sie mit mir Katz und Maus spielen. Und er sieht tatsächlich gefühlt ALLES, was in den Stunden schief läuft. Und das war gestern in der Doppelstunde eine Menge *seufz* Immerhin, solche Stunden sind ja zum Lernen da. Und gelernt habe ich nun hoffentlich einiges aus den Fehlern.

Zum Einstieg hatte ich zwei Plakate von US-amerikanischer Seite von 1917 mitgebracht.

Meine Idee war gewesen, dass ich über die Tatsache der Rekrutierung und der Betonung der Ressourcen und deren kriegsentscheidender Rolle den Bogen zu der britischen Seeblockade und dem U-Boot-Krieg schlagen könnte, der letztlich (unter anderem) für den amerikanischen Eintritt in den Krieg entscheidend war. War ein wenig kompliziert gedacht, wie sich heraus stellte. An der Stelle merkte ich auch, dass ich eigentlich mit der amerikanischen Seite hätte anfangen müssen, da sich der U-Boot-Krieg aus Auslöser der Veränderung der Einstellung der Amerikaner nun einmal aus dem Problem der Zimmermann-Depesche ergeben hätte. (<- Dieses ‚hätte‘ wird nun noch öfter vorkommen.)

Herr Rickward meinte, dass es doch schön gewesen wäre, die verschiedenen Botschaften der Plakate auch mit der jeweiligen Zeit zusammen zu bringen: Anfang des Jahres das „Food will win the War“ Plakat, in dem noch nicht von eigenen Truppen die Rede ist und man für die Alliierten sammelt und dann von Mitte 1917 der eindeutige Aufruf an die Bevölkerung, sich zum Dienst zu melden. Mayflower-Flüchtlinge von damals wurde in die Pflicht genommen, Vorbereitung des Volkes auf den Krieg von Anfang an und nicht die ‚absolut neutrale‘ Haltung, die so gerne offiziell betont wurde. Problemaufwurf auf dem Silbertablett und ich habs nicht einmal gemerkt. Wenigstens habe ich ein glückliches Material-Händchen -.-*

Noch dazu war ich davon ausgegangen, dass der Kriegseintritt der USA allseits bekannt war. Also, die Ursache davon. Hatte ich irgendwie aus der Mindmap vom Anfang gelesen, als ich dann aber danach fragte, sahen mir nur leere Gesichter entgegen. Und da merkte ich dann, dass es zwei verdammt lange Stunden werden würden.

Was wir machten:

Ich sagte den Schülern, dass sie nun einmal den Darstellungstext zum Thema der britischen Seeblockade lesen und die Aufgaben bearbeiten sollten, da wir zuerst die Ursache für den U-Boot-Krieg genauer untersuchen würden.

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Das lief dann wie immer ab; lesen, zusammentragen, Gründe erforschen, beurteilen, ob der U-Boot-Krieg ein Verteidigungskrieg gewesen ist. Sie arbeiteten sich tapfer durch die Frage, was und ob das alles nun völkerrechtswidrig gewesen wäre und kamen dann am Schluss darauf, dass es schon eine recht verzwickte Lage für Deutschland, aber selten … dusselig von den führenden Militärs gewesen ist, sich dann gleich die nächste Front anzulachen, indem man in der Nordsee auf die vierte Großmacht Jagd machte. Oder zumindest in Kauf nahm deren Zivilisten zu versenken.

Das war alles gut und richtig. Zum Abschluss hatte ich mir überlegt, könnte man doch mal ins Quellenmaterial hineinschauen und eine Deutung der Wirkung des Krieges auf die beteiligten Seefahrer versuchen.

Anhand dieser Materialien sollte einmal etwas Klarheit über die Art und Funktion der Seeminen entstehen, die Lage der Blockade Linien deutlich werden und letztlich die psychologische Wirkung des Krieges erschlossen werden. Mir persönlich erscheint die Idee nach wie vor zugänglich, sie kam mir immerhin (^.^), aber die Schüler konnten damit wenig anfangen.

Der erste Impuls den ich hatte, als ich die Karte sah, war eine Verbindung zwischen der Darstellung der Landmassen und Küstenlinien im Vergleich zur ‚Wichtigkeit‘, die der Kartenersteller mit dem jeweiligen Land verbunden hatte. Und er hat sich ja wirklich Mühe gegeben, dass muss man ihm lassen. Wenn man jetzt aber die Küstenlinie von Deutschland mit der der anderen Länder vergleich, so erscheint sie einem doch deutlich ‚zu kurz gekommen‘. Wenn man jemandem ganz neutral den Auftrag gibt „zeichne doch mal eine Weltkarte“, so werden die Proportionen und Details meist beim eigenen Land und dessen Umfeld am genauesten sein. Warum also zeichnete der deutsche Seemann die deutsche Küstenlinie so ‚untersetzt‘? Weil sein Unterbewusstsein ihm eingab, dass Deutschland kaum einen Zugang zum Meer herstellen kann, es von allen Seiten klein gehalten wird, der Zugang gefährdet ist, und so weiter. Fand ich wie gesagt ganz logisch … die Schüler nicht. Aber ich sehs ein, war vielleicht ein bisschen abstrakt 😛

Nach der fünf Minuten Pause ging es dann mit dem eigentlichen Kriegseintritt Amerikas weiter. Und ich ließ den dazugehörigen Darstellungstext lesen.

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Womit ich den kompletten Problemaufriss der Stunde mal eben so verschenkte. Die Kombination mit der im Januar abgefangenen Nachricht, der Weiterleitung kurz darauf, der Veröffentlichung dieses brisanten Materials erst über einen Monat später für die Öffentlichkeit bis hin zur Instrumentalisierung der Depesche zum letztlichen Kriegseintritt, alles verschenkt durchs Lesen der paar Zeilen. Grundlegendes Problem der Stunde: Ich denke immer noch linear. Das Problem erschließt sich nicht durch genaues Abarbeiten des zugrundeliegenden Materials, man muss anachron arbeiten und sich auf die Punkte stützen, die einem eine „Hä?“ Reaktion abverlangen. Dass in dem Text die verschiedenen Motive schon genannt wurden, verhinderte, dass die Schüler die offiziell genannten Motive genau würdigten.

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Dieses Arbeitsblatt wurde somit fast sinnlos. Die Erklärung des Hintergrundes über die Monroe-Doktrin funktionierte dann auch nicht mehr. Denn anstatt die Schüler eigenständig auf die Verbindung kommen zu lassen, erschlug ich sie mit Text, wobei sie nicht nur die wichtigsten Passagen der Doktrin noch einmal lasen, sondern auch noch die FALSCHEN. Ich verwechselte die Seiten und so wurde der ewig lange Text erneut gelesen, wo es eigentlich nur um den Zusatz von 1904 gehen sollte, in dem sich die USA selber als ‚internationale Polizeigewalt‘ betiteln und ihre Aufgabe als „Weltpolizisten“ erstmals deutlich machen.

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Was war also das Ergebnis der Stunden? Die USA sind offiziell in den Krieg eingetreten, weil Deutschland indirekt den Krieg über die Zimmermann-Depesche erklärt hatte und sich entgegen der alten Bestimmung in amerikanische Angelegenheiten mischen wollte, indem sie Mexiko Unterstützung und verlorene Gebiete versprachen. Die Angriffe auf die Handelsschiffe war der Punkt, der mit dieser Depesche zusammen die us-amerikanische Öffentlichkeit gegen Deutschland aufbrachte, deren Zustimmung die Regierung dringend für einen erfolgreichen Kriegszug brauchte. Wilson sprach in seiner Kriegserklärung von hehren Zielen und dem Recht, das wichtiger als der Friede geworden war. Wirklich erwähnt wurden hierbei natürlich nicht die Versorgungslieferungen seit Beginn des Krieges, die die US-Wirtschaft dringend brauchte. Die ‚Detektivarbeit‘ hatte ich den Schüler nur leider durch den Infotext am Anfang schlicht abgenommen, weswegen die Inhalte wohl nicht direkt hängen geblieben sind. Selbst erschließen bringt einfach mehr.

Das Schlimme ist, dass ich ja theoretisch weiß, dass man eher konfrontativ denken sollte. Ich falle aber immer in das ‚Informierende‘ zurück, was dann in nicht sehr spannenden Stunden endet. Und was ich hier auch wieder gemerkt habe: Sich für eine Doppelstunde in ein komplett neues Thema einzuarbeiten führt einfach zum Overload. Es waren zu viele Fäden, die ich verknüpfen wollte und zu viele Stellen, an denen einfach die Übung, Routine und der Überblick fehlte. Dankbar darf ich hier für die wirklich geduldigen Schüler sein, die auch solche Stunden mit stoischer Ruhe ertragen. Dafür dürfen sie dann die nächsten freier arbeiten und sich die Russischen Revolutionen anschauen, die genauso wie die Wende im Krieg zum Epochenjahr 1917 gehören.

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Vom Präventionskrieg und der Planung bis zu den Sommerferien

Ich bin inzwischen bei Herr Rickward in der Q1 eingestiegen und wollte mir nicht noch eine Gelegenheit entgehen lassen, meinen Unterricht endlich wieder regelmäßig zu reflektieren. Da die 9er noch im Praktikum sind, ergreife ich die Gelegenheit und erledige das in den ausfallenden zwei Stunden heute morgen 😉 (Was das Praktikum angeht: von einem Schüler, von den zweien die ich betreue, habe ich pflichtgemäß gehört, wenn auch die Kommunikation mit dem Betrieb nicht geklappt hat. Die andere Schülerin ist verschollen, obwohl ich sogar den Eltern eine Nachricht geschrieben habe, dass sie sich bitte melden soll. Mal sehen was das gibt.)

Nach den vielen negativen Rückschlägen im Ausbildungsunterricht, die ich über Elif mitbekommen habe, bin ich noch dankbarer dafür, dass mein AU, wenn er auch in Philo spärlich stattfindet, zumindest den normalen Abläufen von AU folgt. Man setzt sich vor der Stunde zusammen, hat zu dem Zeitpunkt schon hospitiert und kennt den ungefähren Lernstand der Schüler. Dann wird vom Ausbildungslehrer ein passender Schnitt im Thema genannt, zu dem man mit einem neuen Thema einsteigen kann. Das wird gemeinsam grob vorstrukturiert und man bespricht dann noch einmal die letztliche Stunde, zu der eingestiegen werden soll im Detail. Bei Elif war das bisher immer eher so in der Art von „Mach mal …“. Ihre AU-Lehrer haben sich nicht mit ihr getroffen, nichts zu ihren (zugegeben spät abgegebenen) Stundenplanungen gesagt und im Nachhinein alles als falsch angemerkt oder ihr gleich in die Stunde mit wedelnden Armen hineingerufen. Vor dem Kurs. Super Arbeitsklima.

Ich saß nun also mit Herr Rickward zusammen und plante die Einzelstunde am Donnerstag. Nach den Ferien waren sie mit dem Thema erster Weltkrieg eingestiegen und ich kam somit ‚gerade rechtzeitig‘ für die sehr gelungene Einführung von Herr Rickward. Hierbei wurde über eine Dokumentation zu Wilhelm II. ein personengeschichtlicher Zugang zum Thema aufgemacht, der sehr gut zu der Art passte, mit der auch vorherige Themen behandelt worden waren. Ich hatte in dem Kurs ja bereits Bismarck genauer behandelt und Wilhelm II. war eine Person, die sie bereits aus dieser Sequenz kannten. In der Stunde danach, sollten die Schüler sich je zu zweit zusammenfinden und arbeitsteilig aufschreiben, welche Stichpunkte ihnen zum ersten Weltkrieg einfallen oder welche Fragen. Das wurde dann ausgetauscht und ergänzt und letztlich in einer Mindmap gesammelt.

Diese Sammlung haben sie dann in wieder der darauffolgenden Stunde in einer Mindmap Strukturiert und zugeordnet und sich über einen allgemeinen Darstellungstext und eine Quelle zum Sarajewo Attentat mit der Überprüfung der Inhalte beschäftigt, die sie als Vorwissen nun schon zusammengetragen hatten.

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Auch wenn ich die meisten mit meiner ’schnell mitgeschrieben Handschrift‘ an der Stelle verlieren dürfte, ich habe so natürlich eine nette Gliederung für die zu bearbeitenden Themen mitgenommen, die auch noch von den Schülern auf Basis ihres Vorwissens erstellt worden ist.

Leider ‚zerstörte‘ Herr Rickward mir meinen angedachten Einstieg mit seinem Stundenabschluss, aber da wir über die nächste Stunde zu dem Zeitpunkt noch nicht geredet hatten, traf ihn da natürlich auch keine Schuld. Ich hatte vorgehabt über die bereits erarbeiteten Ergebnisse zu Bismarcks Außen- und Bündnispolitik in das Bündnissystem vor dem ersten Weltkrieg einzusteigen, da er ja die negative Ausgangslage und die Folgen davon bereits in den 80er Jahren des Jahrhunderts davor als „Albtraum der Koalitionen“ vorausgesehen hatte. Das hatten die Schüler sogar bei mir erarbeitet für den dritten UB.

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Von dieser angenommenen politischen Isolation kam es dann zu einer tatsächlichen, in der Deutschland eben nur noch mit seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn fest verbunden war.

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Da diese ganzen Vorgänge aber bereits zum Ende der Stunde geklärt wurden, wenn auch nicht ganz so umfassend, wie ich es geplant hatte, musste ich für die nächste Stunde einen neuen Schwerpunkt suchen. Herr Rickward fand die Idee aber gut und hätte die Verknüpfung der Themen als gewinnbringend eingeschätzt.

Die Stunde, die ich dann am Donnerstag zeigte, beschäftigte sich mit der Einstellung zum Krieg und dem deutsch-englischen Wettrüsten. Über eine Niederschrift vom Staatssekretär des Auswertigen Amtes über ein Gespräch mit Generalstabschef Helmuth von Moltke vom Juni 1914 stieg ich in die innenpolitische Perspektive auf den Krieg ein:

Unterwegs entwickelte mir Moltke seine Auffassung unserer militärischen Lage. Die Aussichten in die Zukunft bedrückten ihn schwer. In 2-3 Jahren würde Russland seine Rüstungen beendet haben. Die militärische Übermacht unserer Feinde wäre dann so groß, dass er nicht wüsste, wie wir ihrer Herr werden könnten. Jetzt wären wir ihnen noch einigermaßen gewachsen.

Es bleibe seiner Ansicht nach nichts übrig, als einen Präventivkrieg zu führen, um den Gegner zu schlagen, solange wir den Kampf noch einigermaßen bestehen könnten. Der Generalstabschef stellte mir demgemäß anheim, unsere Politik auf die baldige Herbeiführung eines Krieges einzustellen.

Die Schüler ordneten den Text ein und nannten auf die Frage, was denn hier für eine Perspektive vom Krieg deutlich wird folgende Punkte:

  • Angst vorm bald übermächtigen Gegner
  • Unsicherheit in Bezug auf die eigene (Macht-)Stellung
  • Planung für einen konkreten Kriegsfall
  • Bedürfnis Macht zu sichern
  • -> Wettrüsten als Folge der Einstellung

An der Stelle hätte ich vor der Erarbeitungsphase noch den größeren Zusammenhang deutlich machen müssen. Die Teile standen ein wenig ohne Überleitung nebeneinander und der Anschluss an die Stunde zuvor, in der ja das Attentat besprochen worden war, fehlte für die Schüler. Diese Einschätzung war nämlich vor dem Attentat abgegeben worden und zeigt ja bereits eine sehr deutliche Linie, was die Notwendigkeit des Krieges aus deutscher Sicht betraf.

Dann kamen wir zur Erarbeitungsphase. Die Schüler stellten fest, dass diese Stellungnahme in der Form niemals offiziell geäußert worden wäre. Somit wäre es interessant offiziellere Positionen zu untersuchen, um die Bedeutung und Signalwirkung des Wettrüstens, der Folge der politischen Positionen, besser einschätzen zu können.

Wir beschäftigten uns als mit der Rede von Bülow zum Thema, ob Deutschland „Hammer oder Amboss“ im 20. Jahrhundert sein will.

BPS05052017_0004.jpgDie Untersuchung der Quelle teilte ich in vier Hauptaspekte auf, die vier zufällig ausgewählte Schüler auf Folienschnipseln vorstellten. Nun ja, relativ zufällig, ich wählte eher stille Schüler, die sich (aus meiner Erinnerung) eher weniger beteiligten und hier einmal Leistung zeigen konnten.

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Problem bei diesem Vorgehen war dann aber, dass ich hierbei schwächere Schüler ausgewählt hatte und die Leistungsstärkeren so sehr früh fertig waren, nichts mehr zu tun hatten und die Schwächeren nicht nur die Aufgabe bearbeiten sollten, sondern auch noch alles zusätzlich auf den Folien verschriftlichten. Die Dynamik ist mir eigentlich bekannt, aber ich hatte vergessen, dass da ein paar sehr interessierte und fähige Schüler im Kurs sitzen, die meiner Einschätzung nach besser im Leistungskurs aufgehoben gewesen wären. Für die nächsten Stunden werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, dass sie sich nicht in den Arbeitsphasen langweilen und anfangen, sich übers Wochenende auszutauschen ^.^

Auch was die Sicherung der Ergebnisse anging, verhielt sich der Kurs ganz unterschiedlich. Einige schrieben bei der Erarbeitung schon ausführlich ihre Ergebnisse auf, ergänzten diese dann bei der Präsentation und kümmerten sich somit um die Vollständigkeit ihrer Unterlagen, andere (die Schnellen in der ersten Reihe) schrieben sich nicht einmal Stichpunkte auf, geschweige denn die Ergebnisse der anderen, konnten aber auf Nachfragen sinnvolle Ergänzungen der Punkte liefern und waren in den Plenumsphasen munter mit dabei. Da ich ja trotzdem sicherstellen muss, dass alle alle Ergebnisse haben, wird die Folie als Kopie noch einmal reingegeben und wenn ich das eh im Hinterkopf habe, sage ich die nächsten Male direkt vorher, wie die Sicherung aussehen soll. Selbstgeschriebenes bleibt dann eben doch besser ‚haften‘.

BPS05052017_0007 (2)Da die Arbeitsphase mit 20 Minuten plus Vorstellung sehr lange dauerte, schafften wir die Vertiefung und Diskussion leider nicht mehr. Der erweiternde Text wurde noch wahrgenommen, in dem es um die BPS05052017_0007 (3)englische Sicht auf die deutsche Flottenpolitik ging und wir hielten auch die wichtigsten Punkte an der Tafel fest, wirklich darüber Diskutieren konnten wir aber nicht mehr.

Meine eigentliche Vertiefungsfrage, die Beurteilung der Bedeutung des Wettrüstens als Ursache für den ersten Weltkrieg, wurde in knappen zwei Minuten am Schluss der Sitzung schnell noch eingeschoben. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache und wird zur nächsten Stunde auf jeden Fall noch einmal aufgegriffen.

Ich denke, dass es einmal Anfangsschwierigkeiten mit den Eigenheiten und dem Arbeitstempo des ’neuen‘ Kurses waren und eben die typischen Fehler, die man im Alltag immer mal wieder so macht. Was mich gefreut hat war, dass ich sehr nett begrüßt wurde, als ich die Stunde dann erstmals wieder vorne stand, was mir zeigt, dass die letzte Unterrichtseinheit gar nicht so schlimm gewesen sein kann 🙂

 

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4. UB Geschichte

In Geschichte habe ich ja seit Beginn des Jahres Ausbildungsunterricht bei Frau Klaus. Diese ist inzwischen auch über die anfängliche Skepsis, dass ‚das was mit uns werden kann‘ hinweg und hat sich gerade zum UB hin wirklich reingekniet. Da uns ja immer wieder ans Herz gelegt wird, dass wir was mit neuen Medien machen sollen, wurde das ein sehr elektronisch unterstützter UB in Geschichte.

Die Reihe lief ja nun seit Halbjahresbeginn von mir unterstützt vor sich hin und somit konnte ich bei der Planung auch sehr viel bieten. Leider bedeutete das für mich irgendwie ein Hindernis beim Ausformulieren. Ich habe ewig an dem Entwurf gesessen. Es ging um die Menschenrechte in historischer Perspektive. Eingestiegen waren wir ja mit den 19 Artikeln des Grundgesetzes, die die Grundrechte abbilden. Danach ging es über die Aufklärer und mit philosophischer Unterfütterung von verschiedenen Staatstheoretikern (Rousseau, Locke, Montesquieu) weiter zur ersten Verfassung, die sich mit allgemeinen Rechten für alle befasst hatte: Die Virginia Bill of Rights. Die UB Stunde lag dann in der Sequenz zur Französischen Revolution und der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789.

Rahmenbedingung der Reihe war der Einsatz von PC und Beamer als Arbeits- und Präsentationsmaterial. Die SuS arbeiteten in Einzel- oder Partnerarbeit an der jeweiligen Aufgabe, luden ihre Ergebnisse in den Austauschordner hoch und ich konnte alles im hübschen Din A4 Format zusammenfügen. Nach etwas Übung klappte das auch tadellos inzwischen.

Die Stunde sollte sich also damit beschäftigen, inwiefern die Umsetzung der Menschenrechte in der Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 als Antwort auf historische Unrechtserfahrungen gewertet werden kann. Das Thema war relativ komplex, da man einmal die Rechte identifizieren muss, diese mit historischen Sachverhalten verknüpft um den Entstehungszusammenhang aufzuzeigen und dann noch beurteilen muss, inwiefern dieses nun als Antwort auf die jeweilige Situation gewertet werden kann. Da die SuS die besagten Rechte noch nicht kannten und wir bis dahin erst einmal eine Konfliktanalyse über die Französische Revolution erarbeitet hatten, stand also die Erarbeitung und Vertiefung des Themas für die UB Stunde an.

 Hier einmal das Schema der Analyse:

Konfliktanalyse.PNG

Bis auf den blauen Bereich hatten wir schon alles geklärt und die SuS ihre Ergebnisblätter vorliegen. Ich hatte bewusst dort einen Schnitt gesetzt, da sich hier ein Vorgriff auf die Ergebnisse lohnte, damit man den Verlauf des Konflikts somit besser mit den antizipierten Ergebnissen abgleichen konnte.

Und die in der Stunde davor aufgestellten Kategorien, durch die Analyse der Ergebnisse zur Bill of Rights:

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Aus diese Ergebnissen kamen wir dann zu den Kategorien, mit deren Hilfe die Erklärung von 1789 hinsichtlich der umgesetzten Menschenrechte untersucht werden konnte. Einstieg für die Stunde war:

Ergebnisse Erklärung.PNG

Die Kästen waren natürlich leer, die wurden dann in der Sammlungsphase ausgefüllt. Die Schüler beteiligten sich hier auch wirklich gut und ich schrieb einfach nur mit. Die Frage, welche sich dann stellte war: Warum wurden die Rechte so entworfen? Gab es Parallelen zur Bill of Rights?

Dann folgte eine kurze Erklärung zum Ablauf der Erarbeitungsphase. Die Formatvorlage für die Ergebnisse …

Präsentation.PNG

… enthielt gleich die Schritte für die Erarbeitung, aber der Ablauf war den SuS ja eh bekannt. Sie kopierten sich also jeweils ein Textfeld und von einem zweiten Arbeitsblatt …

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… die für sie relevanten Artikel und legten los. Die Artikel hatte ich vorsortiert, weil es einfach viel zu lange gedauert hätte, wenn sie sich aus dem kompletten Wust die relevanten Stellen hätten raussuchen müssen. Da alle inzwischen ja schon im Umgang mit Gesetzestexten geübt waren, konnte ich tatsächlich im Zeitplan bleiben. Der Einstieg hatte knapp 5 Minuten verbraucht, die Erklärung mit den verschiedenen Schritten der Computer- und Programmbewältigung nochmal etwa 3 Minuten und die Erarbeitung 15 min.

So kamen wir knapp 25 Minuten nach Stundenbeginn zur Präsentation der Ergebnisse. Die sahen dann so aus:

Ergebnisse.PNG

Und hier passierte mir erstmals etwas, was noch nie vorgekommen ist: Ich hatte tatsächlich am Schluss 12 Minuten für die Diskussion 😮 Ich war ziemlich baff und leider fiel dabei dann einmal mehr auf, dass ich mir nicht genug Impulse im Vorfeld überlegt hatte. Denn was bis dahin wirklich reibungslos gelaufen ist, keine Patzer der Technik, sehr gute Ergebnisse der Schüler und gute Kontextualisierung insgesamt, fing nun an zu stocken. Die abschließende ‚Diskussion‘ wurde mit 4-5 Leute geführt, nur zwei davon mit wirklich eloquenten Beiträgen und der Rest schwieg.

Vielleicht lag es am Tippen. Ich hatte die Ergebnisse vorher selten so umfassend aufgenommen wie hier. (Untere Kasten wo vorher die Aufgaben standen.) Vielleicht generell immer noch an der Tatsache, dass die Schüler den Einsatz von Medien im Unterricht in der Form nicht gewohnt sind. Vielleicht saßen die Inhalte aus den vorherigen Stunden nicht so gut, wie ich angenommen hatte bei den Übrigen, die sich nicht beteiligten.

Auf das Urteil des FL musste ich den Tag noch warten, da er einen weiteren Termin hatte und gleich nach der Stunde weiter musste. Aber die Schüler habe ich nach ihrem Urteil gefragt. Nicht zu der Stunde direkt, sondern allgemein zu dem, was wir zusammen erarbeitet hatten. Da zeigte sich wieder, wie akkurat die Kinder beim Feedback sind. Genau die Punkte, die allgemein kritisiert werden, brachten auch sie.

  • Manchmal seien Fragen unklar oder viel zu viele davon gestellt worden.
  • „Nebensächliches“ würde zu genau erfragt.
  • Kein Computerraum mehr (^.^)
  • Roter Faden (ich werde wohl bei den komplexen Themen mal sowas wie ein ‚Inhaltsverzeichnis‘ erstellen)

Der Rest vom Feedback war positiv. Der Unterricht hätte Spaß gemacht und man hätte viel gelernt. Meine Vorbereitung wurde gelobt (da musste ich Schmunzeln, man fühlt sich in Schülerzeiten zurückversetzt 😉 ), meine Aufnahmefähigkeit von Schülergedanken sei schnell, Zeit für Aufgaben sei gut bemessen und der Medieneinsatz habe auch gut funktioniert. Ein Feedback muss ich hier noch einmal festhalten. Da habe ich mich doch sehr über die Mühe gefreut, mit der es erstellt wurde.

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Mein FL hat nicht viel hinzuzufügen gehabt, als wir uns dann trafen. Die problemfrage hätte ich etwas ‚ausschärfen‘ können, etwas, was ich mich ja immer noch nicht recht traue. Schülerbeiträge verändern ist eben eine heikle Sache. Der Umgang mit den Medien wurde gelobt, er war recht angetan von meiner Tippgeschwindigkeit, die die Diskussion tatsächlich nur minimal verlangsamt hatte.

Zum Problem des Stockens am Schluss sagte auch er, dass es wohl an der scheinbaren Finalität der Antworten gelegen haben könnte. Dadurch, dass ich direkt alles eingetragen habe, erschien es, als wären die Punkte nicht mehr diskutabel. Ich werde das nochmal am ‚lebenden Objekt‘ ausprobieren bei nächster Gelegenheit. Die Ergebnisse der Computergestützten Reihe fand ich nämlich schon ganz nett.

Letztlich war diese Stunde eine gute Zwei nach Meinung meines FL. Ich persönlich hätte sie eher im 3er Bereich angesiedelt, da eben das Lernziel nicht erreicht wurde, da nur so wenige sich am Schluss wirklich beteiligt hatten. Da würde es dann im Examen wohl auf die Personen ankommen, die da vor mir sitzen.

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Es tut sich was

Ich komme im Moment mal wieder nicht zum Reflektieren und das wird sich wohl auch nicht ändern die nächste Zeit. Weil ich nun doch Philosophie Ausbildungsunterricht bekommen werde. Yeay! Es ging nun in den letzten Tagen relativ schnell. Sandra hat sich für mich dahinter geklemmt in den ihr bekannten Schulen einmal nachzufragen, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass ich dort Philosophieunterricht besuchen/geben könnte. Und sie war erfolgreich.

Heute traf ich mich mit Frau Frost. Ganz anders als es der Name vermuten lassen würde (ich bleibe hier nur meinem System treu 😉 ), wirkte sie auf den ersten Eindruck aufgeschlossen, sympathisch und etwas aufgekratzt. Wir hatten nicht sehr viel Zeit, aber ich bekam einen Überblick über die beiden Kurse, die nun zur Diskussion standen, eine Q1 am Anfang der Staatstheorie und eine EF in der ersten Sequenz zum Thema Freiheit und Determination und wurde für Morgen gleich einmal zu den ersten Stunden einbestellt. Gleich mitten rein.

Mein Stundenplan wird nun natürlich explodieren, aber ich denke, ich nehme mir dann später zum Examen hin etwas mehr Auszeiten. Von den eigentlich angedachten 14 (Unterrichts-)Stunden in der Woche, komme ich nun auf einmal auf 22. Das werde ich anderweitig ausgleichen müssen.

Von der Fahrtzeit ist es machbar, eine halbe Stunde von mir zu Hause und eine viertel von meiner Schule aus und die Stunden liegen so, dass sie tatsächlich alle in meinen jetzigen Stundenplan hinein passen und sich mit dem Seminarswechsel nichts mehr überschneidet. Ja, mein Kernseminar musste hierfür gewechselt werden. Mal sehen, wie ich mit dem anderen so zurecht komme. Einen logistischen Vorteil hat das ganze auch: Ich muss nur noch einmal die Woche zum Seminarort, da nun Kernseminar und Fachseminare direkt hintereinander liegen. Das wird jeweils ein wirklich langer Tag, aber die weite Strecke zweimal die Woche hat mich schon geärgert.

Abschließend kann ich dann noch sagen, dass ich hoffe, dass morgen der Knoten in der EF bei Frau Klaus wieder platzt. Im Moment ist etwas der Wurm drin, weswegen ich jetzt auch nicht zuerst reflektiere, sondern die Zeit mit Planen verbringe. Ich hoffe, dass ich am Wochenende zur Reflektion kommen werde.

Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, BdU, Referendariat

Meine EF Kurse: Zwischen dem ‚Zusammenprall der Kulturen‘ und ‚Allgemeinen Menschenrechten‘

In meinen Geschichtskursen in der EF dreht sich im Moment alles um die Menschenrechte. Ok, fast, der Kurs den ich übernommen habe, muss ich noch abschließend durch die Begegnung von Christentum und Islam im Mittelalter führen. Aber ein sehr großer Vorteil hier, zumindest für meinen BdU Kurs, ist dass ich die Themen quasi doppelt mache und somit weniger Arbeit habe. Da ich bei Frau Klaus jetzt im Ausbildungsunterricht bleiben kann, bereite ich dort die Stunden genauer vor und kann diese dann bei mir im Kurs vertiefen/wiederverwenden.

Was passiert im Moment also in meinen Oberstufen-Geschichtsklassen? Letzte Woche musste ich die erste Stunde in meinem neuen Geschichts-BdU-Kurs leider wegen einer Beerdigung ausfallen lassen. Sie bekamen somit die Aufgabe sich mit der Rede Urbans II. zum ersten Kreuzzug einmal genauer zu beschäftigen. Das arbeiteten wir dann in der ersten Doppelstunde, die wir gemeinsam hatten, auf.

Mit Hilfe dieser Arbeitsblätter sollten sie die Rede in Sinnabschnitte einteilen, indem sie Überschriften für dieselben finden und dann die Funktion dieser Abschnitte beschreiben, die sie für die Rede hatten. „Was sagt er und warum genau das?“ also letztlich. Eigentlich ist das ein Methodentraining, welches ich normalerweise vor der Klausur machen würde, aber da es sich bei dieser Rede so schön anbietet und die Schüler simples Textbearbeiten gar nicht genug üben können, stieg ich damit ein. Es gab auch einen guten Überblick über Gruppendynamiken und individuelles Arbeitsverhalten, was man in einem neuen Kurs ja recht schnell klären muss.

Am Ende der Doppelstunde standen dann diese Ergebnisse fest, die die Schüler größtenteils in Eigenregie zusammengetragen hatten. Durch solche Arbeitsphasen und vorstrukturierte Arbeitsblätter versuche ich mich nach wie vor im ‚Raushalten‘, was ich ja dringend üben muss. Die Tendenz den Unterricht fragend zu entwickeln habe ich immer noch sehr stark.  Das sollte dann Grundlage für die Hausaufgabe sein, in der sie diese Ergebnisse verschriftlichen sollten. Eine politische Rede interpretieren war ein Teil eines Methodenbausteines im Buch, von denen mir geraten wurde möglichst alle mitzunehmen und einzuüben. Die hieraus resultierenden Interpretationen durften sie dann in der Folgestunde mit dem Sitznachbarn austauschen und vergleichen.

Es bringt den Schülern wesentlich mehr, sich selber (ab einem gewissen Könnens-Stand) auf Fehlersuche zu begeben, Strukturen in fremden Texten zu erkennen und Verbesserungsvorschläge zu machen, als wenn der Lehrer es immer nur stumpf korrigiert. Natürlich bot ich an, dass diejenigen, die einen Zusatzbeitrag zur Note leisten wollten oder einfach nur noch einmal Rückmeldung brauchten, ihre Ergebnisse abgeben konnten.

Für die nächste Stunde ist dann ein Vergleich der Rede Urbans und G.W. Buschs Ansprache zur Lage der Nation nach dem 11. September geplant. Die Frage hierbei: „Kennt man einen, kennt man alle? Aufrufe zum Krieg“ Es wird um universelle Motive und Mechanismen gehen, die sich ganz unabhängig von Zeit und Ereignis wiederfinden lassen, wenn ein Machthaber zum Krieg aufruft.

AB Busch.PNGAuf diese Stunde freue ich mich schon. Es macht immer Spaß, wenn es alltagspolitisch wird und die Schüler (hoffentlich) etwas über ‚Größere Zusammenhänge‘ mitnehmen ^.^


Was den Kurs von Frau Klaus angeht, so haben wir uns inzwischen vorsichtig geeinigt. Ich bin fast schon drei Mal ‚gegangen worden‘, weil sie mit meiner Art doch durchaus Probleme hat. In unserem e-Mail Austausch entdeckte sie einen „belehrenden“ Ton, als ich einmal vor der Klasse (sie hatte mir reingerufen und meinte meine methodische Arbeit ‚korrigieren‘ zu müssen) versuchte den Sinn der Methodenwahl zu erklären untergrub ich ihre Autorität und dann war ich einen Tag früher als sie im Kursraum gewesen, weil ich vorher den Computerraum kontrolliert hatte und somit eine Minute eher hochgegangen war. Und: Ich verbessere sie immer.

Dummerweise fällt mir das tatsächlich nicht auf. Bei den Mails habe ich nur auf ihre Anregungen geantwortet und ihr dann korrigierte Versionen meiner Planungen geschickt. Mit Kommentar, aber das war in meinen Augen nur mein Gedankengang und kritisierte auf keinen Fall ihre Anregungen, die ich ja übernommen und durchgesetzt hatte. Wenn man einen Stafettenvortrag plant (eine Gruppe fängt an, die nächste führt das gleiche Thema fort) und eine einheitliche PPP erstellen will, dann sollte das Layout und Design der Folien abgestimmt werden und es kann einfach nicht jeder seine Kreativität frei ausleben. Ich konnte es nicht stehen lassen, dass sie meint, dass das kein richtiges Power Point wäre, da man schon mehr als Text darin haben sollte. Und aus dem einen Mal, wo ich alleine hochgegangen war wurden dann gleich ‚mehrere Male‘, in denen ich sie einfach stehen gelassen hatte. Aber gut … Kleinigkeiten.

Eigentlich nicht, aber ich habe wenig Auswahl und wie schon einmal erwähnt, ihre Kritik ist gut; wenn es um Inhalte und Stundenaufbau geht. Somit versuchte ich jedes Mal zu schlichten und zu beruhigen und ihr die wohl dringend nötige Versicherung zu geben, dass ich sehr dankbar dafür bin, dass ich ‚diese Art von Ausbildungsunterricht‘ genießen darf. Ein Schelm wer hier Ironie entdeckt ^.^

Thematisch fing die neue Reihe zu den Menschenrechten dann mit diesem Einstieg an:

Menschenrecht.PNGDie Schüler sollten das zugrundeliegende gemeinsame Prinzip hinter den Forderungen nennen und den grundlegenden Unterschied. Sie gingen auf den Aspekt der Gegenseitigkeit und Empathie ein, der in den Forderungen des Christentums deutlich wurde und stellten die Notwendigkeit einer staatlichen Kraft, die Zuwiderhandlungen gegen diese eher subjektiv geltenden Regeln bestraft, als Unterschied in den Vordergrund. Die Frage war also: Wie sollte man das Miteinander regeln und warum verlangt Kant nach Gesetzen dafür? Reicht das Mitgefühl nicht aus?

Zur ersten Information über Menschenrechte arbeiteten die Schüler dann arbeitsteilig einen Grundlagentext aus, den sie per Folienschnipseln vorstellten. Die zusammengestellten Ergebnisse sahen dann so aus:

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Der wichtigste Input in der Stunde war letztlich, was denn der Unterschied zwischen Menschenrechten (allgemein jedem menschlichen Wesen zugeschriebenes Recht) und Grundrechten (vom Staat bewusst in seinen gesetzlichen Grundlegungen umgesetzte Menschenrechte) darstellt. Es wurde diskutiert, inwieweit die Grundrechte in den verschiedenen Staaten dann noch vergleichbar wären und wie man überprüfen könne, dass das zugrundeliegende Menschenrecht tatsächlich umgesetzt worden ist.

Gefundene Wissenslücken zeigten, dass man sich bei dem Thema erstmal mit den Grundrechten in Deutschland beschäftigen sollte, um überhaupt in das Thema einsteigen zu können. Genau das wurde dann auch in der folgenden Stunde angegangen, wo der schon angesprochene Vorfall mit der PPP stattfand. In den kommenden drei Stunden erarbeiteten die Schüler also eine Kurspräsentation in kleineren Gruppen und setzten sich intensiver mit den ersten 19 Artikeln des Grundgesetzes auseinander, in denen die Menschenrechte umgesetzt wurden. Im Groben war die Absprache, dass sie den Artikel (teilweise in gekürzter Form) abbilden, erklären wer Rechtssubjekt im jeweiligen Artikel ist und was demjenigen an Rechten und Pflichten zugeschrieben wurden und dann ein Beispiel zu finden, in dem Grenzen und Probleme mit diesen Rechten/Pflichten deutlich werden.

Die Präsentation dieser Ergebnisse wird am Dienstag folgen, wobei ich hierfür erstmals eigenständig einen Lückentext zur Wissensüberprüfung erstellen wollte. Stumpfes Mitschreiben erschien mir für die Sicherung nicht sinnvoll. Mal schauen wie das dann klappt.

Am Freitag teilte mir Frau Klaus dann auch mit, dass sie sich nach einem Gespräch mit der Ausbildungsbeauftragten (Sandra) nun vorstellen könnte, dass ich die Reihe bei ihr weiterführen würde, bis ich dann im April meinen 4. UB in Geschichte ableisten könnte/müsste. Eine 180° Wendung, wo sie mir mitteilte, dass der Unterricht bei mir ja so gut und so durchdacht wäre, dass sie nicht nacharbeiten müsste, dass wir ja ’sehr eng zusammenarbeiten‘ würden und ich immer umsetze, was sie anmerkt und das somit kein Problem wäre. Das Gespräch mit der ABB hatte sie gesucht, weil sie sich unsicher war, ob man die Referendare so lange in den eigenen Kursen unterrichten lassen könnte. Das würde aber ganz in ihrem Ermessen liegen und wäre somit ok. Joa, ich nickte überrascht und lasse mich jetzt mal auf das was da kommt ein. Wir werden sehen ^.^

Einmal für Zeilenende: Das Originalformat meiner Einstiegszitate.

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Und Kant gehörte doch den ‚goldene Regel‘ Anhängern an 😀

Veröffentlicht in Ausbildungsunterricht, Referendariat

Mehrarbeit

Heute der Tag war entspannt. Nur eine Stunde stand auf dem Programm, da morgen in der Schule der Tag der offenen Tür ist und wir somit ab der 5. Stunde Unterrichtsfrei bekamen, um alles vorzubereiten.

In der dritten Stunde führte ich das Thema Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik fort und hatte dafür das nicht zu Ende besprochene Tafelbild abgetippt. Die Schüler sollten zu den gefundenen Punkten noch Beziehungen untereinander eintragen, damit klar wurde, was sich wie bedingt hatte.

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Hier passierten mir zwei Fehler, die mir leider nur so halb im Unterrichtsgeschehen auffielen. Der Punkt des Exports bezog sich auf das Krisenjahr 1923 nicht auf die Wirtschaftskrise 1929. Und dass die KPD/NSDAP mehr Wähler mobilisieren konnten, mag für die Parteien gut sein, aber ob das für die Republik gut ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Da ich allgemein nach positiven und negativen Auswirkungen der Punkte untereinander gefragt hatte, kann man es mit gutem Willen so stehen lassen, aber ich hätte es besser zur Diskussion gestellt. In dem Moment merkte ich auch, dass da was knirscht, aber da ich die Tendenz habe mich im Einstieg zu verquatschen, wollte ich es dort kurz halten. Ein Fehler.

Danach sprachen wir kurz darüber, wie sich diese Krise wohl im Allgemeinen ausgewirkt hat. Wie sah der Alltag der Menschen aus und was wahr problematisch? Die Schüler hatten gute Ideen und nachdem sie viele der aktuellen Probleme und deren Konsequenzen aufgezählt hatten, wie ungeheizte Wohnungen, wenig Essen, unzureichende Kleidung, Obdachlosigkeit, Frust und Langeweile weil man keine Arbeit hat, gab ich ihnen den Auftrag einen Tagebucheintrag aus der Perspektive eines Jugendlichen zu schreiben. Unterstützend sollten sie zwei kurze Quellen aus dem Buch zur Hilfe nehmen.

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Die Meisten schafften mit Hilfe dieser Berichte und Informationen einen wirklich gut eingebetteten Perspektivwechsel in die Zeit und dachten sich teilweise sehr kreative Umstände für ihre Figur aus. Ich hatte auf Anraten Ians direkt gesagt, dass ich einige Geschichten einsammeln würde und wie von ihm prophezeit schrieben alle mit großer Konzentration und die meisten produzierten in den 20 Minuten über eine Seite. Ian meinte, dass ich die Mini-Aufsätze ruhig bewerten kann, wo ich mich dann gleich noch dransetzen werde. Beim ersten Durchlesen sehe ich die meisten im zweier Bereich.

Die Stunde war natürlich für mich ziemlich langweilig. Ich hatte den Einstieg mit den Schülern gemacht und durfte dann darauf warten, dass sie fertig geschrieben hatten und am Schluss eben die raussuchen oder auffordern, die vorlesen sollten. Wahrscheinlich müssen die Stunden so sein, dass ich besser bewertet werde. Das Ein-Frau-Action-Team was ich normalerweise da abliefere gehört in den Unterricht nicht so recht rein nach didaktischen Vorgaben. Bin gespannt wie ich mich umstellen können werde.

Nach der Stunde machte ich mich gleich ans Korrigieren, was dann auch die komplette vierte Stunde dauerte, da fast die ganze Klasse hatte abgeben wollen. Hier einmal zwei Beispiele:

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Und eine der Stundenkoordinatoren sprach ich auch noch, da der Schulleiter sich kurz zu mir gesetzt hatte und nach dem Chaos vom Wochenanfang fragte. Ich schilderte die Ereignisse und wir kamen dann überein, dass ich nächste Woche dann den Unterricht übernehmen solle. Die Koordinatorin meinte nur vielsagend, dass es ja kein Ausbildungsunterricht wäre, den ich da leiste, sondern Vertretung, da ja niemand anwesend sei, der mich ausbildet. Das wäre ein Unterschied für die Abrechnung. Damit muss ich mich nochmal beschäftigen.

Und dann kam die Kollegin aus der Fachschaft Geschichte, die mit mir unseren Kursraum gestalten wollte für morgen. Wir bauten den Zeitstrahl in meiner 6. Klasse ab und dort wieder auf, um auch etwas aus dem Unterrichtsalltag zeigen zu können, präparierten die Klasse noch mit Karten, Arbeitsstationen und machten generell etwas sauber. Darüber dann die kommenden Tage mehr.