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Das 2. Staatsexamen – oder: Wie weit bekommt man den im Matsch festgefahrenen Karren den Berg hochgezogen? Teil 2

Gut, erster Halbteil war geschafft, nun ging es zu der Stunde über, bei der ich so viel Arbeit im Vorfeld in den Wind geschossen hatte und die mir unglaubliche Bauchschmerzen bereitete. Ich packte direkt alles zusammen und huschte zum Kursraum. Noch 35 Minuten bis zur zweiten unterrichtspraktischen Prüfung.

Im Raum angekommen erwarteten mich aufgeräumte Tische und tatsächlich alle Arbeitsblätter auf den Plätzen, wo ich sie vorher bereits verteilt hatte. Es war also nicht der gesamte Raum noch zu schieben. Nervös setzte ich mich hin und ging nochmal den Ablauf durch, markierte mir wichtige Stellen im Ablaufplan, spielte gedanklich immer wieder die möglichen Gespräche durch und musste irgendwann resigniert eingestehen, dass ich den Plan niemals durchbekommen würde. Die Stunde war zu vollgepackt. Das passiert eben, wenn man den Ideen keine Zeit gibt, sich über ein paar Tage zu setzen und mit dem 5. Plan von zwei Tagen vorher letztlich in die Prüfung geht. Der Fatalismus holte mich wieder ein; was nun passieren würde, würde passieren.

Planung.PNG

So sah der Plan aus. Sachlogisch richtig, immerhin, stellte sich die Kleinschrittigkeit und die teilweise zu langen Phasen als grundlegendes Problem heraus. Bereits das Einstiegslied, passte zwar hervorragend zum Thema, leitete auch wunderbar die Stimmung der drängenden Entscheidungssituation ein, aber … war mit 3 Minuten reiner Spielzeit einfach zu lang. Im ’normalen‘ Unterricht kein Problem – hier natürlich einer von vielen Zeitfressern.

Dass die Schüler im Thema angekommen waren merkte man daran, dass sie ewig hätten diskutieren können. Und das auch auf fachlich hohem Niveau taten. Es kam alles an theoretischen Aspekten, die ich mir hätte wünschen können. Sie stellten fest, dass Musik und Textinhalt eben paradoxer Weise eher konträr zueinander standen, dass der Mann in seinem Leben unglücklich scheint, seinen Träumen nachjagen will, sich bedrückt und eingezwängt fühlt und einfach nur weg will; dass er aber genau weiß, wie er es umsetzen könnte, dass er konkret beginnt zu planen, dass er genau formulieren kann, was er möchte. Sie ordneten seine Aussage der Nicht-Freiheit aus existenzialistischer Sicht ein, dass er sich ja nur selbst vorgeben würde, dass er dies oder jenes nicht kann, dass Ziele immer sinnleer sind und wir selbst ihnen den Sinn schaffen, dass er nun in jegliche Richtung entscheiden kann und welche Motive ihn da leiten könnten.

Es lief. Die Murmelphase zum Thema Verantwortung und Angst bei den Entscheidungen Gehen oder Bleiben verlief ebenfalls genau nach Plan und sie fanden die von Pflichtgefühl oder von Unsicherheit geprägten Hintergründe der Entscheidungen heraus. Auch die Fokussierung auf die Bewertung dieser Entscheidungen wurde gut geleistet, allerdings kam es dann ins Stocken, als ich die Erarbeitungsphase von den Schülern selbst vorgegeben haben wollte. Wie konnte man nun beurteilen, inwieweit die Entscheidung des Mannes eine aus Verantwortung oder Angst gewesen ist, um das Urteil der Feigheit herzuleiten? Richtig, man müsste seine Einstellung zu dem Ausgang kennen. Also: Lügt er sich selbst an und redet alles nur schön oder glaubt er wirklich, dass er die beste Entscheidung getroffen hat, als er seine Träume für die Familie aufgab?

Der Kursbeste gab mir (wieder zur Hälfte der Stunde) das Stichwort und mir rutschte mitten in der UpP ein erleichtertes Danke heraus, was von allen mit einem Lächeln quittiert wurde. Natürlich war da schon deutlich geworden, dass wir niemals die Vertiefung schaffen würden und das Ende zur Auswertung der Texte wohl schon knapp bemessen sein würde. *seufz* Hach ja, warum darf man keine Doppelstunden zeigen?

Der Rest der Stunde verlief dann auch so, dass die Ergebnisse auf Plakaten festgehalten wurden, diese kurz präsentiert werden konnten und ich mich dann für die Stunde abschließend bedankte. Als die Prüfungskommission sich verabschiedet und die Reflektion auf ‚in etwa zwanzig vor‘ ansetzte, warf ich im leeren Raum einen Blick zu Herr König, der seinem nervösen Tick folgte und aufgekratzt im hinteren Teil des Raumes auf und ab stiefelte. Wenn er denkt muss er laufen 😀

„Ok, keine Panik. Jetzt nicht den Kopf verlieren, du kannst alles noch reflektieren.“ <- Der aufbauend gemeinte Kommentar hatte natürlich genau den gegenteiligen Effekt, aber meine Nerven hatten sich ja bereits verabschiedet und ich nahm das mitschwingende vernichtende Urteil gelassen entgegen. Seiner Ansicht nach war ich also gerade durchgefallen und konnte nun nur noch retten. Er schmiss mir ein paar Stichworte vor die Füße, war dann aber nur noch am Floskeln murmeln, weswegen ich mich bedankte und ihn kurzerhand hinaus komplimentierte um ungestört zu denken.

Als ich dann vollbepackt bei der Kommission zur Reflektion aufschlug, war die Stimmung noch recht locker, mein Fachleiter witzelte sogar über die ‚Arbeit‘ (meine ganzen chaotisch zusammengerafften Unterlagen, die ich in meinem konfusen Kopf nicht im Büro abgelegt hatte) die ich ihnen nun mitgebracht hätte. Eigentlich erscheint man ja mit ‚leeren Händen‘. Ich begann die Reflektion mit der Einleitung „Ich würde gerne über Alternativen sprechen …“ und versuchte bei aller Kritik die grundlegende Konzeption meiner Reihe und des Themas zu verteidigen. Das passte alles sachlogisch, aber es war einfach ein zu großer Sprung in der Thematik passiert, was sich eben durch das festgelegte Stundenthema fast zwei Wochen vorher erklären ließ. Daraus ergab sich die Kleinschrittigkeit und die starke Konstruktion der gesamten Stunde, da diese Lücken so gedanklich nachvollzogen worden waren. Während der Reflektion fiel mir dann schon auf, dass jegliche Distanz verloren gegangen war und ich mich verhielt wie in den UB Nachbesprechungen. Ich zerrupfte jeden einzelnen Punkt bis ins kleinste Detail und es kam sogar zu einem inhaltlichen vor und zurück zwischen meinem Fachleiter und mir, was so glaube ich in UpPs nicht vorgesehen ist.

Direkt nach dieser Reflektion leitete der Vorsitzende dann zum Kolloquiumstermin über.

„Ja, Ms Phye. Wir sehen uns ja gleich zum Kolloquium wieder … “ mein basserstauntes Gesicht ließ ihn innehalten.

„Tun wir das …?“ fragte ich ungläubig. Uns war vorher eingeschärft worden, dass sie a) nicht vorher definitiv sagen dürfen, ob man zugelassen wird oder nicht und b) rechnete ich nun fast ebenfalls mit der Nachricht ‚das wars‘.

„Aber sehr gerne werden wir das!“ lächelte er mir zu und ich atmete tief durch. „Welches Themenfeld würden Sie in ihrem Vortrag denn gerne abdecken?“ Joaaaa, da war das nächste Problem. Den Vortrag hatte ich ja durch das chaotische Wochenende nicht mehr vorbereitet bekommen. Meine Mitreferendarin an der Schule hatte mir ihren Vortrag geschickt, den sie wiederum aus dem Kernseminar entnommen hatte. Ich antwortete also (bemüht größtmögliche Sicherheit auszustrahlen): „Lernmotivation wäre das dann wohl. Handlungsfeld 2. An so einem Tag sollten wir uns dringend über Motivation unterhalten …“

Und dann stand ich vorm Raum und langsam sickerte durch, dass ich bestanden hatte. Das ‚Wie‘ war noch fraglich, aber ich war im Kolloquium, somit würde ich meinen Abschluss den Tag in der Tasche haben. Kaum hatte ich drei Schritte gemacht, fiel mir auf, dass ich die Hälfte meiner chaotischen Sachen vergessen hatte. Nachdem die unter Entschuldigungen für die erneute Störung wieder in meinem Besitz waren, legte ich alles im Büro ab, schnappte mir den noch unbekannten Vortrag und ging runter ins Lehrerzimmer. Allen fiel ein Riesenstein vom Herzen, als ich mitteilte, dass es nun zum Kolloquium ginge. Herr König hatte alle schon ganz kirre gemacht mit seinen Bedenken :mrgreen:

Zwanzig Minuten verplauderte ich halb neben mir stehend noch, dann saß ich mit einem Kaffee wieder an dem Vortrag. Weitere zwanzig Minuten später kam meine Mitreferendarin zu mir und wir gingen den Vortrag durch, damit ich keine Fehler einbaute und die richtigen Schwerpunkte setzte. Nach zehn Minuten ging sie wieder, ich lernte noch zehn Minuten so viel wie möglich auswendig und dann ging es zum letzten Akt des Tages.

Tatsächlich bekam ich den Vortrag fast fehlerfrei in knapp 10 Minuten heruntergebetet. Nur das Fazit blieb leer, weil mein Kopf so langsam aber sicher streikte und ich dafür vorher keine Zeit gehabt hatte. Die Leerstelle konnte ich nicht so spontan füllen. Bei den übrigen Fragen ‚glänzte‘ ich dann durch Abwesenheit jeglicher Theorie. Es war schlicht nichts mehr an Theoriewissen da, ich war (später dann auch amtlich bestätigt) ‚durch‘. Ich habe wirklich Glück, dass ich immer reden kann und zumindest was praktische Verknüpfungen angeht, mir auch immer etwas einfällt. Sonst wäre das wohl anders ausgegangen.

Nach dem Kolloquium wurde ich dann erneut für eine weitere Viertelstunde nach unten entlassen, während die Kommission sich die Noten zusammenrechnete. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich nur noch eine positive Leere und immer weiter um sich greifende Entspannung und Ruhe. Es war vorbei. Alle um mich her wuselten und warteten angespannt und ich konnte mich da überhaupt nicht hinein fühlen. Dann kam mein Fachleiter um mich abzuholen.

Die Notenverkündung war kurz und bündig. Sie gingen die Noten eine nach der nächsten durch, immer zuerst den Entwurf, dann die Stunde und abschließend das Kolloquium. Die Entwürfe waren 2 (Geschichte – grummel -.-) und 1 -> nach der nochmal-schreib-Aktion war ich sehr überrascht über diese Bewertung. Die Stunden 3 (Geschichte) und 2 (!) in Philosophie. Als die Note fiel, ruckte mein Kopf zu meinem Fachleiter herum und mir rutschte ein „WAS?!“ raus, worauf er ebenso überrascht das gleiche antwortete 😀

„Gibt es Einwände Ihrerseits Ms Phye?“ schmunzelte der Vorsitzende und ich schüttelte schnell den Kopf.

„Nein, selbstverständlich nicht. Entschuldigung, ich war überrascht.“ *kurze Denkpause* „Sind Sie sich sicher?!“ murmelte ich dann noch hinterher und die Kommission schmunzelte einhellig. „Also, ich will jetzt hier nichts beschreien … vergessen Sie, dass ich etwas gesagt habe, bitte.“

Das Kolloquium war insgesamt 2. Da die Vornoten ebenfalls mit hinein zählen, habe ich wohl den knappsten noch 1 vor dem Komma Schnitt, der möglich gewesen ist … 1,975. Für den Tag, alles was im Vorfeld gelaufen ist … alles was schief gelaufen ist und die erbrachte Leistung, kann ich damit tatsächlich ‚zufrieden‘ sein. Ich hätte nie gedacht, dass eine Prüfung mir so zusetzen kann, aber diese hat es geschafft, dass ich an meine Grenzen kam. Besser war einfach nicht möglich für mich unter diesen Umständen. Und das nötige Glück mit der mir doch recht wohlwollend gesonnenen Kommission hatte ich letztlich auch auf meiner Seite.

So richtig gesetzt hat sich das Wissen um die Konsequenzen dieser Prüfung noch nicht. Euphorisch war ich auch noch nicht. Ich fühle mich nach wie vor einfach nur sehr entspannt ^.^ Und fast ein bisschen ‚unbeschäftigt‘, weil ich nun von 110% Arbeit auf fast Null gefallen bin. Und ich bin gespannt, wie es weiter gehen wird.

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Veröffentlicht in Prüfung, Referendariat

Das 2. Staatsexamen – oder: Wie weit bekommt man den im Matsch festgefahrenen Karren den Berg hochgezogen? Teil 1

Und dann war er da, der ‚große Tag‘. Und ich wäre wirklich gerne weggelaufen und erst einen Tag später wiedergekommen, wenn alles vorbei gewesen wäre. Aber, ging ja nicht. Also mit dem gleichen Mantra, wie zur Geburt der Zwillinge damals aufgestanden und alles vorbereitet: Es ist nur ein Tag in deinem Leben. Das geht vorbei.

Da mein Examen einen eigenen Willen zu haben schien, verlief natürlich schon der morgendliche Auftakt nicht wie geplant: Ich hatte am Freitag bei einem Bäcker angerufen, um die halben Brötchen für die Prüfungskommission zu bestellen. Da ich in einer Stadt unterrichte, in der ich mich Null auskenne, wusste ich nicht, dass der mir genannte Name der einer Kette war und ich die Hauptfiliale 2 Städte weiter ergoogelt hatte. Joa, da machen wir dann eben morgens einen großen Schlenker und kommen später in der Schule an. Man hat die Zeit doch!

Gut, da angekommen ging dann das Organisieren los. Wir hatten zwar einen Plan für den Ablauf des Tages aufgehangen, in dem die anderen Refis sich netterweise zum helfen eingetragen hatten, aber letztlich ist dann doch immer noch was. Irgendwann wurde ich von allen rausgescheucht, sie würden sich schon kümmern. Gut, ich ging zum Kursraum für Philo, da fehlten noch die Zettel für die eventuelle Hausaufgabe. Ich öffnete die Tür und sah … meinen komplett vorbereiteten Raum, mit geschobenen Bänken und Arbeitszetteln auf den Sitzplätzen verteilt etc, von einem Deutschkurs besetzt, die an Gruppentischen fröhlich am Werkeln waren. Ich bekam dezentesch ‚P‘ in den augen und schaute die Lehrerin groß an. „Wir legen alles wieder so hin wie es war später.“ versuchte sie mich zu beruhigen. Ich nickte nur und atmete vor der Tür tief durch. Offensichtlich war der Raum nicht den ganzen Tag geblockt. Ich hoffte, dass sie ihn nicht zu schlimm verlassen würde, zwischen den UpPs hätte ich nicht die Zeit fürs Räumen.

Gut, nach der Erfahrung richtete ich meine ‚Zentrale‘ für den Tag ein. Ein kleines Büro in der Nähe des Besprechungsraumes, wo die Kommission untergebracht war, wird an unserer Schule den Prüflingen immer zur Verfügung gestellt.

Dann war es Zeit mich der Kommission vorzustellen. Als ich anklopfte blickten mir  allerdings nur zwei meiner drei Prüfungsmenschen entgegen, der Vorsitzende war zu spät und noch nicht erschienen. Er kam mir dann aber doch direkt entgegen, als ich auf dem Weg runter war. Zur Kommission kann ich sagen, dass der Vorsitzende sehr angenehm und nett war und ‚mein‘ Philosophie Fachleiter es den Tag mit der offiziellen Seite der Sache sehr wörtlich nahm. Er war ruhig und sehr sachlich. Mit der Geschichtsfachleiterin wurde ich nicht recht warm, wir waren sehr konträre Typen von der Art her, aber sie war insgesamt auch unter ‚angenehm‘ einzuordnen.

Gut, also alles gepackt und auf zum Klassenraum der ersten Prüfung. Dort sehe ich Licht! Und höre ungläubig lauschend, dass tatsächlich die Klasse im Klassenraum ihren Englischunterricht macht. Tür auf. Ich schaue den Klassenlehrer ungläubig an.

„Warum seid ihr hier?!“ Blick zur BESCHRIEBENEN Tafel, die Elif den Tag vorher noch mit Hingabe zweimal geputzt hat, damit sie wirklich sauber ist. Blick zurück zum Lehrer. „Warum seid ihr HIER?!!!“

Mein kleiner Rotschopf aus der ersten Reihe springt aufgeregt auf: „Ich habe sofort gesagt, dass wir in einem anderen Raum sind! Das stand auf dem Vertretungsplan. Herr Bröker hat mir nicht geglaubt, Ms Phye!“

Besagter Herr Bröker grinst mich unsicher an und fragt: „Ach musst du hier rein?“

Langer, wieder leicht panischer Blick. Deutlich missbilligender Blick zur beschriebenen Tafel.

„Ich habe da nichts verändert, das ist nur von außen!“ beeilt er sich mir schnell zu versichern. „Innen ist alles noch so wie es war.“ Das Tafelbild mit den verschiedenen Elementen hing nämlich schon mit Magneten befestigt an der Innenseite. *Kurze Pause* „Aber, wir können ja auch gehen!“

Ich nickt nur noch und atmete tief durch. „Jag mir doch nicht so einen Schrecken ein …“

Er hat dann ziemlich reumütig die Tafel geputzt und die Kinder kamen in Trauben angelaufen und wollten wissen, ob ich nervös wäre und dass sie alle ganz aufgeregt wären, weil ‚wir heute ja Examen hätten‘. Herr Bröker bestätigte das auch gleich und meinte, das wäre das erste gewesen, was sie ihm erzählt hätten den Tag. So goldig ❤

Joa, und dann waren es nach weiterer Vorbereitung und einem letzten Durchspielen des Plans nur noch wenige Minuten, bis es losgehen würde. Die waren echt mit am Schlimmsten. Das hier sollte in den 45 Minuten passieren:

UpP Ge

Und tatsächlich sind wir durch diese Mammutstunde durchgekommen. Aber:

Der Anfang lief gut. Das kleine Rollenspiel mit mir in der Funktion des verhörenden Inquisitors und den Schülern als die überzeugten Galilei-Anhänger funktionierte gut und sie gaben alle Argumente richtig und mit etwas Pathos im Spiel aufgehend wieder. Dann kam der Cut und sie sollten beurteilen, inwiefern sie den Inquisitor damals wohl mit ihren Argumenten überzeugt hätten. Sie waren sich sehr unsicher und eher der Überzeugung, dass die Kirche sich bestimmt durchgesetzt hat, weil die mächtiger war. Als ich dann den Widerruf von Galilei vorlas waren sie also nicht allzu sehr überrascht, dass er sich so entschieden hatte. Ich wollte wissen, was wir denn nun untersuchen könnten.

Und da kam eine solche Fülle von guten, problemorientierten Beiträgen, dass ich mir innerlich die Haare raufte, dass ich nicht gleich zur Rezeptionsgeschichte springen konnte. Sie waren wirklich firm im Thema und fingen gleich an sich zu fragen, wie es wohl käme, dass wir heute das glauben, da die Kirche damals ja das alles abgelehnt hätte und das man doch mal untersuchen könnte, was Galilei nach dem Streit noch alles geforscht hätte, ob er sich hat abbringen lassen und dass sie gerne gewusst hätten, wie die Entwicklung der Astronomie weitergegangen ist … Joa, und ich wollte mit ihnen nun eigentlich diesen Prozess untersuchen. Das war etwas antiklimatisch und ich musste das Problem auch noch vorgeben. Möp.

Die angesetzte erste gemeinsame Erarbeitung am Text hat dann aber zu lange gedauert und wir haben wertvolle Zeit verloren. Als dann der Arbeitsauftrag und die Gruppen verteilt waren, war die Hälfte der Stunde bereits rum und ich merkte, dass ich hektisch wurde. In der Gruppenarbeitsphase trieb ich die Schüler immer wieder an, huschte von einem Tisch zum nächsten und blickte immer wieder auf die Uhr. Acht Minuten noch, wir mussten präsentieren und sammeln und meine Zweiergruppe mit dem Bild musste das auch noch vorstellen; inklusive vertiefender ‚Diskussion‘. (Bei so kurzer Zeit können nur noch Gedanken in den Raum geworfen werden, darüber sprechen ist unmöglich.)

So kam es dann, dass die Schüler am ‚Stundenende‘ gerade mit der Präsentation fertig wurden. Naja, konnte man nichts machen, Minimalziel immerhin erreicht. Ich bedankte mich für die Mitarbeit und wollte die Stunde schließen. Alle sahen mich mit großen Augen an und blieben sitzen. Ok, irgendwas stimmt hier nicht … erneuter Blick auf die Uhr und es dämmerte mir. Die zweite Prüfung endete um 20 nach, in der ersten hatte ich bis 25 Zeit.

„Wir haben noch fünf Minuten, richtig?“ fragte ich mit entgeistertem Griff an die Stirn. Einhelliges Nicken.

„Oooookey! Gut, dann einmal zu dieser Frage … obwohl, nein. Würdet ihr gerne euer Bild vorstellen?“

Tja, und dann lief es tatsächlich bis zum geplanten Stundenende durch. Wie gesagt, das mit der fachlichen Tiefe war so eine Sache, aber es war keine Vollkatastrophe geworden. Die Kommission verabschiedete sich und bat mich, in 15 Minuten im Raum zur Reflexion zu sein. Frau Klaus, die den Tag mindestens doppelt so aufgeregt war wie ich, kam direkt auf mich zu und versorgte mich mit einer ganzen Liste an Reflexionspunkten, die ich nun nennen könnte. Es ist ja eigentlich nicht so riiiichtig erlaubt, dass Fachlehrer das machen. Wurde mir hinterher aber erst klar, wobei ich auch denke, dass man sonst die Reflexion bestimmt schon unter Aufsicht gestellt hätte, wenn es so ganz und gar verboten wäre, oder?

Nun ja, ich nahm alle Stichpunkte kurz wahr, Frau Klaus verabschiedete sich und ich machte mich dann ans koordinierte Reflektieren nach meinen vorher aufgestellten Punkten. Für alle die hier mitlesen und das noch vor sich haben: Überlegt euch auf jeden Fall vorher, was man reflektieren könnte, macht euch Tabellen zum ausfüllen oder sowas und notiert einfach Stichpunkte, die ihr dann nur noch situations- und gegenstandsbezogen vertiefen braucht.

Die Reflexion der Geschichtsstunde verlief recht unspektakulär. Ich nannte alle Fehlerquellen, vor allem mein starkes Steuern, was bei der Nervosität einfach ‚aus mir herausgebrochen‘ war – ich fühlte mich in meine ersten Unterrichtsstunden zurückversetzt, so stark war das – und sprach Schüleraktivität an, die darunter gelitten hatte, da ich zu oft einfach ‚verbal reingefallen‘ war in die Abläufe. Es natürlich auch etwas zu loben, die Differenzierung mit dem Bild hatte gut geklappt, die Mädchen hatten sich so Mühe gegeben und sogar einen Vortrag auf die schnelle konzipiert, der mit verteilten Sprechanteilen und Stichworten füreinander glänzen konnte. Niveau der Stunde und der Lernertrag wurde angesprochen, was ich hier allerdings erst im Nachhinein als ‚rote Fahnen‘ wahrnahm. In der Reflexion redete ich einfach nur so schnell wie möglich vor mich hin, damit ich möglichst viel anmerken konnte.

Mit dezentem Schweiß auf der Stirn wurde ich aus dieser Reflexion mit dem Gefühl entlassen, dass es hätte besser laufen können, es aber nicht unterirdisch gewesen ist.

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Prolog: Das 2. Staatsexamen – oder: Ein Unglück kommt selten allein.

Der Tag ist vorbei. Soviel kann ich vorweg nehmen: Ich bin Lehrerin. 🙂 Aber der Weg dahin … tja, wo soll ich anfangen? Ich hätte wirklich nie gedacht, dass so viel noch schief gehen könnte und wird. Einmal der Reihe nach:

Nehmen wir die Sommerferien. Durch Fehlplanung meinerseits und unerwarteten Ereignissen hatte ich effektiv nur zwei Wochen um mich wirklich mit dem Einstieg und Aufbau der Examensreihen zu beschäftigen. Es fehlte also alles an theoretischer Vorbereitungszeit und ich ging Anfang des Schuljahres quasi mit jeweils einer ‚Idee‘ für jede Reihe in die Kurse. Das war als Grundlage etwas dünn.

In den Reihen selber verzettelte ich mich mit Praxisarbeiten und sehr vorbereitungsintensiven Stunden. Das führte natürlich zu Stress und brachte mich rein inhaltlich meinem Ziel teilweise auch nicht näher, aber es lief irgendwie.

Und dann kam Auschwitz. Die Studienfahrt war wirklich gewinnbringend und ich habe den Schritt nicht bereut, aber es war ungemein stressig so eine Zusatzbelastung in der Examenszeit zu stemmen. Wenn man tagsüber den Holocaust verarbeitet, die Schüler betreut und dann abends zwischen Sartre und einem Gewaltopfer, welches sich Hilfe und Aufmerksamkeitssuchen an einen wendet, hin und her springt, dann schafft man nicht viel.

Und dann waren es noch gut zwei Wochen bis zum Examen. In Geschichte entwickelte sich alles langsam vor sich hin und die Stundenidee nahm Form an. In Philo – joa, eher problematisch. Bis zum Examenstag habe ich die Stunde vier mal ‚umgeschmissen‘; das letzte Mal drei Tage vor der Prüfung. Schon zwei Tage nach Abgabe der Themenabgabe, nach der die Themen der Stunden und Reihen nicht mehr geändert werden dürfen, war klar, dass der Inhalt der Stunde nicht zum Fortschritt in der Reihe passen würde.

Das größte Hindernis aber waren all die Kleinigkeiten, die einfach nur schief liefen. Es kam einfach immer und immer mehr dazu, bis es Samstag Nacht um halb zwölf tatsächlich zum Super-Gau kam:

Ich hatte nach 8h Schreibarbeit endlich meinen Philosophieentwurf fertiggestellt. Total fertig klickte ich nach dem Speichern alles weg und wollte den PC runterfahren. Der Plan für die Stunde war am Vormittag entstanden, Reihenkommentar und Stundenkommentar in besagten 8h von zwei Uhr nachmittags an. „Ach, noch eben die Seitenzahlen kontrollieren.“ dachte ich mir und öffnete alle Daten vom Stick. „Und die Sicherungskopie solltest du auch noch machen.“ Gut alles wie vorher nochmal auf dem Desktop gespeichert. Datei schon vorhanden. Trotzdem speichern? Ja, sicher. Hmhm … ich hoffe sehr, niemand hat es an der Stelle schon erkannt und selber erlebt, aber: Natürlich war das was ich da überspeichert hatte mein bearbeiteter Entwurf und nicht die alte Fassung, die ich überspeichern wollte. Die hatte ich nämlich geöffnet.

Nach einer dezenten Panikattacke, während der ich sowohl meinen Fachleiter anschrieb (ich dachte, wenn wer sowas schonmal erlebt hat, dann sind es die Leute, die andere prüfen müssen ^.^ – so von wegen: Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen!!!) als auch Elif, die sich für den nächsten Tag gleich zur Unterstützung anmeldete, beruhigte ich mich irgendwann wieder und biss in den sauren Apfel. Alles nochmal von vorn. So saß ich bis Sonntag Morgen an der zweiten Version meiner Examensarbeit, die natürlich nach so wenig Schlaf und mit dem Druck im Nacken nicht mehr so elegant ausfiel, wie die erste Version. Dafür schrieb sie sich in knapp 5h fertig. Doppelt geht schneller anscheinend.

Bis dann aber wirklich alles stand, war es Sonntagmittag und ich musste in der Schule noch alles für Montag vorbereiten. Ein wirklich dickes Danke hier auch nochmal an Elif, die mir tatkräftig unter die Arme gegriffen hat, den Einkauf für die Kommission übernahm, Tafeln putzte, Räume mitgestaltete und den Schüler für meinen Probelauf in der Klasse spielte. Auch Herr König meldete sich abends, als ich dann irgendwann alleine in der Schule saß und einen genauen Ablaufplan erstellte mit einer sechsminütigen Motivationssprachnachricht, als ich ihm mitteilte, dass ich den Entwurf die Nacht vorher halb gelöscht und neu geschrieben hatte 😀

Abends versuchte ich dann zu Hause noch den Kolloquiumsvortrag meiner Mitreferendarin an der Schule zu lernen, den sie mir netter Weise zur Verfügung gestellt hatte. Zur Vorbereitung des Kolloquiums war ich nun ja gar nicht mehr gekommen. Aber das wurde natürlich nichts mehr, ich war zu fertig.

Mit was für einem Knoten im Bauch ich dem nächsten Tag entgegen sah, kann man sich denken, aber letztlich war ich zu dem Zeitpunkt so kaputt, dass ich es einfach hinnahm.

 

 

Veröffentlicht in Prüfung, Referendariat

Alle Wege führen …

… bekanntlich nach Rom, aber nicht immer zum Ziel. Zumindest dann nicht, wenn man eigentlich in Mailand landen wollte. Oder wo auch immer. Es ist eingetreten, was ich befürchtet hatte: Ich musste meine Stunde in Philosophie umplanen. Von einem Tag auf den anderen (von gestern auf heute, um genau zu sein).

Warum? Nun, der klassische Fehler ist passiert; ich habe eine Veranstaltung übersehen, die meinen Kurs den morgigen Tag komplett einspannen wird, weswegen der Unterricht für die gesamte Q1 ausfällt. Yeay … nicht. Somit fällt eine Stunde weg, die ich für das komplexe Thema rund um Sartre und meine angestrebte Gibt-es-Sinn-in-der-Welt-oder-doch-nicht?-Diskussion dringend gebraucht hätte und plötzlich platzt die UpP-Stunden-Blase und es bleibt … nichts. Also neues Thema gesucht, glücklicherweise auch mit der Hilfe von Herr König gefunden und schnell in einen hübschen neuen Stundentitel gepackt. Bis morgen darf ich noch darüber nachdenken, dann werde ich meinen Themenvorschlag auf den letzten Tag einreichen und hoffen, dass nichts weiter mehr dazwischen kommt. Dann ist es nämlich zu spät etwas zu ändern, außer mit wirklich gutem Grund und diese ‚guten Gründe‘ sind so dringend, dass ich noch weniger hoffe, dass sich so einer einschleicht.

Von der ersten nicht erfolgreichen Prüfung habe ich auch schon gehört. Heute fiel eine Ref-Kollegin durch und wurde nicht zum Kolloquium zugelassen. Und (wer häts nicht erwatet?) natürlich in Geschichte. Schon wieder. So wie im letzten Durchgang auch 4 oder 5 Referendare. Ich mag nich … *schniff* Vor allem nicht, wenn ich an meine doch eher ‚Standard‘ Stunde denke, die ich da im Moment geplant habe. Naja, Augen zu und durch.

Ansonsten habe ich erfahren, dass man sich explizit nach mir erkundigt hat nach meinem Gespräch am Freitag. Der Fachvorsitzende von Philosophie der ausschreibenden Schule hat sich direkt mit Herr König über meine Person unterhalten und Herr König hat ordentlich die Werbetrommel gerührt. 😉 Hat aber auch erwähnt, dass ich mir keine großen Chancen ausrechne, worauf nachdrücklich angemerkt worden ist, dass ich die Bewerbung bitte ernst nehmen und als Chance sehen solle. Joa, das klingt ja ganz nett. Ich lasse mich also mal überraschen. Nach dem Examen … habe ich erwähnt, dass ich gerade gar nicht mag? *im Bett verkriech*

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Die Zukunft ist gesichert …

… zumindest bis Februar vorerst. Und wenn ich nicht durchfalle selbstredend :mrgreen: Ich konnte gestern in einem Vorstellungsgespräch für eine Vertretungsstelle in Geschichte überzeugen und durfte direkt die Zusage mitnehmen. Und das vorm eigentlichen Examen, das mit beängstigend großen Schritten näher rückt.

Leider kam ich gar nicht mehr dazu, meine Examensreihen hier zu reflektieren. Das wird wohl leider auch so bleiben, wobei es mir in den Fingern juckt, die verschiedenen (Irr-)Wege, die ich nun schon in jedem Fach in der kurzen Zeit seit Beginn der Schule gegangen bin, hier festzuhalten und mir die jeweiligen destruktiven Mechanismen vor Augen zu führen. Es war nämlich schon wieder ein einziges Auf und Ab. Gerade sitze ich an dem Entwurf für Philosophie, der endlich Gestalt annimmt – zwei Wochen vor der Prüfung.

Hier einmal die Arbeitstitel und Sequenzierungen festgehalten, vielleicht ändert sich da die nächsten Wochen ja noch was ^.^

Ge ReihePhilo Reihe

Die letzten Wochen waren geprägt von sehr viel Nicht-Motivation, Anti-Haltung und dem Bedürfnis sich weit, weit weg zu verstecken, bis alles vorbei ist. Es passierten so viele Anfängerfehler, dass es mir schon Angst um meine Fachkompetenz wurde und die geplanten Projektarbeiten in den jeweiligen Kursen uferten mit 1-2 Stunden plus aus, was natürlich die Reihenplanung sprengte und zu Stundentausch und Themenkürzungen führte.  Eine der neuen Refis holte mich aber vorgestern auf den Boden zurück, als sie schlicht meinte: „Planst du gerade jede Stunde so wie die für die UPP?! Das kann doch gar nicht klappen.“ Stimmt. Wie sollte es auch, ich war mal wieder im eigenen Perfektionismus gefangen. Werde ich wohl trotzdem nicht ganz ablegen können, aber ich geißele mich jetzt hoffentlich nicht mehr so stark, wenn mal etwas daneben geht.

Joa, ansonsten … Ich habe das verlängerte letzte Wochenende in Auschwitz verbracht; oder genauer: in Oświęcim und Krakau. So eine Studienfahrt mitten im Examenszeitraum mit ‚meiner‘ Q1 war von der Planung her natürlich ein Todesstoß für meine Nerven, aber die Fahrt selbst hat sich auf jeden Fall gelohnt. Vielleicht habe ich durch diesen zusätzlichen Stressfaktor auch schneller den Punkt von „Nun mach mal halblang“ erreicht, wer weiß. Etwas sehr anstrengend wurde es dort allerdings, als diverse ‚emotionale Ausfälle‘ sich auf Grund von Familiengeschichte (Opferseite) und einem Fall von häuslicher Gewalt, der dort von einer Schülerin an mich herangetragen wurde, häuften. Ich empfand den Ort eigentlich als belastend genug, ‚durfte‘ mich dann aber noch um diese Baustellen kümmern. Soll nur niemand sagen, man wäre nicht belastbar …

Letzter Punkt wäre die feste Stelle, die ins System geflattert kam, als ich gerade emotional ziemlich angeschlagen von Geschichten von Kindern, Frauen in der Todesbaracke und den privaten Erlebnissen der Schülerin mit ihrer Familie aus Birkenau zur Jugendstätte kam und mal wieder aufs Handy schaute. Philosophie und Englisch war ausgeschrieben worden und bisher ‚kaum Bewerbungen auf diese Stelle eingegangen‘. Und auch von der gleichen Schule, die Geschichte ausgeschrieben hatten. Ich nahm für das Bewerbungsgespräch der Vertretungsstelle gestern also meine ‚offizielle Bewerbungsmappe‘ auch mit. Ganz so viele Nachweise habe ich ja noch nicht, aber die diversen Fortbildungen der letzten Zeit, die Gutachten von Schul- und Fachleitern und die Noten des ersten Staatsexamens konnte ich immerhin reinlegen.

Leider weiß ich nicht so recht, wie ich die Tatsache einordnen soll, dass ich nun direkt die Vertretungsstelle bekommen habe. Nach meinem Dafürhalten macht es wenig Sinn, mir nun die Vertretungsstelle zu geben, den anderen Bewerbern damit abzusagen und sich dann doch für die feste Stelle für mich zu entscheiden und Geschichte erneut auszuschreiben. Vor allem nicht, da für dieselbe ja mehrere Bewerbungen eingegangen sind. Denn einer unserer Philo-Referendare mit genau der gesuchten Fächerkombi ist dort an der Schule und eine weitere Vertretungslehrerin ebenfalls. Da der Schulleiter allerdings allgemein schon anmerkte, dass man solche Gespräche immer auch als ‚Bewerbungstraining‘ ansehen soll, wird die Zusage für Geschichte wohl tatsächlich eine indirekte Absage für die feste Stelle gewesen sein.

Und er erwähnte noch etwas, was mir gar nicht bewusst gewesen ist: Man kann bei der Unterzeichnung von festen Stellen frei eintragen, wie viele Stunden man arbeiten möchte? Darüber hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, jedoch wäre es wohl tatsächlich gar nicht so ungünstig mit den Kindern im Hintergrund und meiner noch nicht vorhandenen Arbeitsroutine und dem mageren Materialfundus, wenn man nicht mit 100% einsteigt, oder? Gibt es da von jemandem hier Erfahrungswerte? Wie viel % oder h sind denn wie viele Kurse im Normalfall? Die Vertretungsstelle in Geschichte ist mit 18h ausgeschrieben und hat wahrscheinlich 8 Kurse. Viel mehr müsste ich als Anfänger (gefühlt) tatsächlich gar nicht haben … wollen … können … und so.

Ach und noch eine Schwarmwissenfrage: Weiß jemand ob es tatsächlich möglich ist sich in NRW mit einem dritten Fach, dass man im 1. Staatsexamen studiert hat, nachträglich nochmal is Ref zu begeben. Also, die praktische Ausbildung noch nachzuschieben? Ich hörte vorgestern davon.

Veröffentlicht in Planung, Prüfung, Referendariat

Von Langzeitbeurteilungen und Planungsstress

Vorgestern war es soweit: Ich bekam endlich die abschließenden Beurteilungen von meinen Fachleitern und meinem Schulleiter ausgehändigt. Es war ein unheimlich durchwachsener Tag, der mir meine Gefühlslage sehr deutlich gemacht hat. Waren doch einige Tränen dabei.

Alles fing damit an, dass ich am Mittwoch plötzlich einen Zettel im Fach vorfand, der mich dringendst (!!!) darauf hinwies, dass mein Schulleiter bitte meine außerunterrichtlichen Aktivitäten in Listenform zugeschickt bekommen wollte. Am besten gestern schon, da am nächsten Tag die Abgabefrist wäre. Joa. Hätte man vielleicht vorher mal ansprechen können, ist ja nicht so, dass das Datum nun so überraschend gekommen wäre; war aber keine Rede von gewesen. Ich war also damit beschäftigt, alle Termine nachzuvollziehen und zusammenzutragen, die mir noch so einfielen. Zusätzlich gemacht hatte ich ja doch einiges.

Gut, nachdem das dann erledigt war, bat mich der Schulleiter am nächsten Tag zum Gespräch, damit ich die Beurteilung zur Kenntnis nehmen und unterschreiben konnte. Seine Note erwies sich als Dämpfer. Als ich mich setzte sah ich schon die 2 auf dem Deckblatt und die Mundwinkel sackten in sich zusammen. Ich nahm mir die Zeit erstmal alles zu lesen und merkte zwei Stellen an, die von der Formulierung undeutlich oder sogar unverständlich waren und fragte dann nach, warum er mit der Note runter gegangen war. Er hätte sich noch einmal ‚alles‘ angeschaut und das wäre dann doch nur noch eine zwei gewesen. Aha. Das Nachhaken ob er nun doch mehr den Fokus auf die Zeit vor dem Ende gelegt hätte, blieb relativ erfolglos und ich fühlte mich wie in der Situation bei meinem Geschichtsfachleiter, der ja auch erst mehr den ‚Mittelwert‘ für die Noten gebildet hatte, anstatt Entwicklung und Endpunkt der Kompetenzen als Maßstab anzulegen.

Nach der Unterschrift saß ich noch im Lehrerzimmer und so langsam sackte es wirklich, dass ich extrem unzufrieden mit der Note war. Ich fürchte, dass das ein kleiner Vorgeschmack aufs Examen gewertet werden kann, wo ich mir noch nicht ausmalen will, wie die Reaktion aussieht, wenn ich mit einer Zwei abschließe. Mir selber ist bewusst, dass es eine typische ‚aus einer Mücke einen Elefanten machen‘ Situation ist und eine Zwei keinen Weltuntergang darstellt – aber … so fühlt es sich an. Sandra war auch gerade da und bot sofort an nochmal mit meinem Schulleiter zu reden, da sie auch die Aufregung über die zwei verstehen konnte (zusammen mit dem Abweichen von den Aussagen vor den Ferien), wo ich unsicher zustimmte. Änderte letztlich nichts an der Note und wahrscheinlich hätte ich es mir besser gespart.

Im Studienseminar lagen dann die Beurteilungen von meinen Fachleitern ebenfalls aus und diese versöhnten mich mit der Beurteilung vom Schulleiter wieder etwas. Nach 12(!) Unterschriften durfte ich dann meine Kopien mitnehmen und machte mich ans Lesen. Wie vorher besprochen hatten sie sich auf 1,5 geeinigt und sich auch gar nicht lange darüber beraten müssen. Ein wenig fragte ich mich besonders nach dem Urteil meines Philosophiefachleiters allerdings, was da wohl bei einer glatten Eins stehen würde. Viel positiver hätte es sich nur noch mit Bekräftigungen wie ‚herausragend‘, ‚immer‘ und ‚außerordentlich‘ gelesen.

Meine letzte Fachseminarsitzung in Philosophie schloss ich sehr wehmütig ab. Insgesamt fühle ich mich im Moment eher so, als würde ich am liebsten alles von Vorne beginnen und erst nächstes Jahr mit meinem Examen abschließen. Es sträubt sich gerade alles dagegen nun geprüft werden zu müssen. Würde man es mir anbieten, ich würde mich sofort ins jetzige Seminar setzen und das Schuljahr nochmal als Referendarin verbringen. Ich fühle mich absolut noch nicht fertig ausgebildet. Oder auch nur ausreichend ausgebildet. In der Situation ist es auch sehr schwierig mit genügend Motivation und einem klaren Kopf an die Reihen zu gehen. Es sperrt sich im Moment einfach alles gegen dieses Examen. Sehr schwierig irgendwie.

Freitag in zwei Wochen werde ich noch dazu die Q1 nach Ausschwitz begleiten. Ein sehr riskanter Zeitpunkt für eine Exkursion, aber ich wollte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Somit habe ich nun noch bis Donnerstag in zwei Wochen um meine Reihen und die Stunden fertiggeplant zu haben und am besten auch schon den Kommentar größtenteils fertigzustellen, da ich dann die Themenvorschläge endgültig einreichen muss und nichts mehr ändern kann. Da ich in Philosophie den Leistungskurs habe, sind das fast 20 Stunden insgesamt, die sich als echte Hürde gerade erweisen. Eine Mitreferendarin an der Schule meinte beim Planen gestern nur, dass sie Horror vor dem ersten LK bei einer festen Anstellung hätte, wenn sie jetzt schon Stunden an einer normalen Unterrichtsstunde dafür sitzt. Es geht uns allen in etwa ähnlich.

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Die Vornoten fürs Examen

Im Examen setzt sich die letztendliche Note zu je 50% aus den Leistungen vorher sowie den Ergebnissen des Prüfungstages zusammen. Das bedeutet, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem 50% meiner Note bereits feststehen. Die Findung dieser 50% hat aber eine kleine Geschichte mit sich gebracht, die ich gerne festhalten würde.

Wie ich beim Beitrag 5. UB Geschichte schon erwähnte, war mein Fachleiter sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich persönlich auch, hatte aber in dem Moment noch keine Zeit, mich direkt mit dem Gezeigten auseinander zu setzen, da der UB mitten im Schultag gelegen hatte und ich erst einmal gleich in die nächste Stunde zu meinen 6ern huschte.


Als Einschub: Die sind ja wirklich goldig 🙂 Ich erwähnte irgendwann, dass sie ja wissen würden, dass ich ’nur‘ Referendarin bin (eine Info die, als sie bekannt wurde, mit sehr viel Erstaunen aufgefasst worden war – „Wir dachten Sie wären eine ‚echte‘ Lehrerin!“ – „Danke 😀 „). Und dass ich im Oktober im neuen Schuljahr meine Prüfung machen würde und ich da natürlich auch Klassen bräuchte, die mit mir die Prüfung überstehen.

„Das können wir machen! – Wir sind wirklich gut darin, Frau X und Frau Y haben auch ihr Examen mit uns gemacht! – Oh und Herr Z auch. – Neee, das war nur ein UB.“

„Ihr seid ja richtige Examensprofis“, musste ich erstaunt feststellen.

„Ja! Die haben auch alle bestanden!“ wurde mir zufrieden mitgeteilt.

Erschrocken kam der Nachsatz: „Gehen Sie danach dann etwa auch weg?!“

„Ich fürchte, dass das sehr wahrscheinlich ist.“ stellte ich bedauernd fest. „Für meine Fächer besteht hier kein Bedarf an der Schule.“ (Also, offiziell nicht – Herr Drüppert ist ja eine ganz eigene Geschichte …)

Betretene Gesichter und einige regten sich auf, dass ‚immer die guten Lehrer‘ gehen würden.  Ich erklärte ihnen dann noch, dass sie offiziell nach den Ferien einen anderen Lehrer bekommen würden, ich dann aber den Unterricht bis zur Prüfung weiter übernehme. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich Frau Klaus in der Klasse dann wiedersehen werde.


Nachdem meine Stunden dann alle durch waren, hatte ich mich eigentlich an die Reflektion der UB Stunde setzen wollen, bevor ich zum Seminar fahren musste, aber die Motivation verließ mich vollständig. Es war fürs erste vorbei! O_o Und es wollte mir kaum etwas einfallen, was ich tatsächlich kritisieren konnte. Also trank ich einen Kaffee mit den neuen Refis, deren Bekundungen, dass sie wirklich gerne mit mir tauschen würden ihr übriges dazu beitrugen, dass ich mehr und mehr entspannte. Vorbei 🙂 Eine wirkliche Pause bis zum Examen.

Beim Seminar, wo wir uns einen Vortrag zu Depressionen anhörten (auf Grund des Vorfalls letzten Jahres) von einem Dozenten der uns offensichtlich mit medizinisch-psychologischen Studenten verwechselte, versuchte ich also die Kritikpunkte an der Stunde aufzuzählen, während Informationen über die Veränderung des Stoffwechsels in depressiven Phasen an mir vorbeiwaberten.

Ich verließ den Vortrag eher, da mein Fachleiter mich direkt am Seminarort zur Nachbesprechung treffen wollte. Und da Seminarzeiten eigentlich ‚heilig‘ sind, hatte ich offiziell einen Betreuungsnotfall bei den Kindern aufzufangen. Was dazu führte, dass wir uns heimlich einen der weit vom Sekretariat gelegenen Räume schlichen ^.^ Aber das nur am Rande.

Kritik an der Stunde konnte man insofern üben, als dass der Plan eben ’nur‘ aufgegangen war und die Reserve und somit die Vertiefung nicht folgte. Auch hatte ich in der Erarbeitungsphase zu lange Zeit gegeben, welche natürlich am Ende für die Diskussion besser genutzt gewesen wäre. Bei der Präsentation hat ein Schüler kurz noch vorne gestanden, während seine Mitschüler etwas diskutiert hatten, was zur Unterbrechung seiner Präsentation führte und ihn untätig vorne stehen ließ. Und die Perspektivübernahme, welche als historische Methode ja explizit eingeübt werden sollte, hat nicht bei allen Schülern geklappt, da sie am Schluss dazu tendiert hatten, die Rechtmäßigkeit der französischen Forderungen zu beurteilen und nicht die der deutschen Reaktion auf den Vertrag.

Meckern auf hohem Niveau, wenn es nach meinem Fachleiter geht. Er meinte ganz entrüstet, dass ich das doch nicht so negativ sehen solle, die Stunde wäre hervorragend gelaufen. Seine Punkte, die sich dann wie der berüchtigte ‚warme Sommerregen‘ ergossen waren:

  • die Stunde war durchdacht, organisiert, gut geplant
  • hohe Schüleraktivität
  • Lernumgebung optimal vorbereitet
  • Lernstand: Zitat sofort kontextuell eingeordnet, Blick aufs Ausland vorhanden, zeitlich eingeordnet, Gelenkstelle (Forderungen) erkannt
  • ‚eine der elegantesten Einbindungen von Hausaufgaben in eine Stunde die er je gesehen hat‘ O_o :mrgreen:
  • Diskussion in den Gruppen angeregt und vertieft
  • klare Arbeitsaufträge und Strukturen
  • tolle Visualisierungen von Arbeitsaufträgen und Meinungsbild des Kurses
  • Beurteilung/Begründung ‚harter Friede‘ durch Schüler gelungen
  • Stunde ohne Leerlauf
  • Nachhaltiges Lernen: Sinn hinter Hausaufgabe erkannt – Ich brauche die Hausaufgabe um mich in der Stunde einbringen zu können / Arbeitsaufträge für die nächsten Stunden erkannt „Wir müssen da noch Folgen der Forderungen klären.“
  • Methode, Sozialform und Arbeitsform gut verbunden

Er war glaube ich genauso überrascht wie ich von seinem eigenen Lob ^.^ Denn mein Geschichtsfachleiter wäre nicht mein Geschichtsfachleiter, wenn er sich jetzt tatsächlich EINDEUTIG auf eine Note festgelegt hätte. (Der Grund, warum mein Philosophiefachleiter mich ins Examen begleitet.)

„Das heißt die Stunde war …?“ fragte ich vorsichtig nach.

„Ja, also das wäre eigentlich eine Eins.“ setzte er an. „Aber … im Examen … Also, Sie haben hier ja nicht die Auswerttiefe der Materialien in der Stunde voll ausschöpfen können. Das war ein Risikoschritt, der zwar hier geklappt hat, aber die Schüler müssen schon sehr viel vorweg leisten und wenn sie es nicht tun, ist es ein Leerschritt in der Stunde. Und die Ergebnisse sind schlecht überprüfbar.“

„Richtig, wobei wir ja in den Tabellen die Darstellung der Positionen gesehen haben und dort schon deutlich wurde, was verstanden worden ist und was nicht. Was in dem Fall der Stunde ja doch tiefgreifend gewesen ist, da die Schüler in der Lage waren sich selbst zu korrigieren über das Plenum, als ungenaue Ergebnisse in der Präsentation auftauchten.“

Er nickte. „Ja, richtig. Aber die historische Kontextualisierung hätte einfach noch mehr hergestellt werden müssen. Man KANN es aus den Äußerungen schließen, aber es muss thematisiert werden. Im Examen sollten Sie so eine Stunde nicht zeigen, das könnte dann nur eine Zwei sein, je nachdem, wer in der Kommission sitzt.“

*seufz* So ist das. Ich hakte den Punkt ab.

„Und wie sieht es mit meiner Vornote aus? Wie gehe ich von Ihrer Seite aus ins Examen?“ wollte ich dann wissen.

„Ja, also, Sie waren bei mir ja eher immer die Dreier-Kandidatin.“ Ich bekam große Augen. „Da muss ich mal in mich gehen, ob das nun noch eine schlechte Zwei wird … Wir haben ja das Problem mit den ganzen Noten. Früher war es einfacher, als wir noch Tendenzen angeben konnte, aber jetzt muss man da schon genau schauen, wo man einen Kandidaten einordnet.“

Ich war ein wenig geplättet. Ja, der blöde zweite UB war eine Sechs von seiner Seite aus gewesen (wobei erster und zweiter nicht mit Noten bedacht werden dürfen). Aber auch der führte nur zu einer Drei in der Zwischennote. Und sowohl der dritte, als auch der vierte UB waren eine Zwei gewesen, wenn auch mit Dreiertendenz im vierten UB, wegen der fehlenden Diskussion am Schluss. Und nun war es eine Einser Stunde, die das ganze abschloss und er sah maximal die Möglichkeit zur schlechten Zwei?!

Leider reagierte ich in der Nachbesprechung nicht mehr darauf, da ich mir selbst unsicher war, ob er nicht Recht hätte. Er klang zumindest ziemlich überzeugt und dementsprechend beließ ich es bei ungläubigen Blicken. Aber es rumorte doch weiter. Letztlich schrieb ich ihm am Wochenende danach eine Mail, da auch Maite mir noch einmal bestätigte, dass die Vorbenotung „den Grad der Erreichung der einzelnen Kompetenzen zum Beurteilungszeitpunkt bezeichnet“. (<- Offizielle Vorgaben aus den Hinweisen für Langzeitbeurteilungen vom ZfsL, Maite hat was die Vorgaben angeht absoluten Durchblick.) Was bedeutet, dass man die Noten nicht arithmetisch mitteln darf, sondern eher das Maximum des Könnens und die Nachhaltigkeit desselben in den Fokus rückt. Wenn bei mir nun eine dauerhafte Steigerung bis zu dem letztlichen Endpunkt abzulesen ist, komme ich eigentlich bei einer anderen ‚Zahl‘ heraus.

Es war mir natürlich nicht besonders wohl dabei, die Entscheidung/Äußerung desjenigen zu hinterfragen, der fürs erste meine berufliche Zukunft in Händen hält. Und ihm dadurch vielleicht das Gefühl zu geben, dass ich seine Kompetenz in Frage stelle. Zum Glück passierte das nicht. Er antwortete sehr verständnisvoll und stellte sogar klar, dass er es als positiv empfinden würde, ‚wenn man seinem Unmut freien lauf ließe‘. Im klärenden Gespräch einige Tage später nach dem Fachseminar stellte er richtig, dass er sich an dem Nachmittag die Hälfte nur gedacht hätte und es so zu einem Missverständnis gekommen wäre.

Ende der Geschichte ist nun, dass ich sowohl in Geschichte, als auch in Philosophie mit einer 2+ vorbenotet bin, da sich diese beiden jedoch einigen müssen, da die Fachseminare zusammen veranschlagt werden in den 25% der Gesamtnote, ist es wohl üblich so einen Fall mit einer 1,5 insgesamt zu bewerten, um die Tendenz nach oben auszudrücken, die bei einer schlichten „2“ eben nicht herauskäme (Problem der ganzen Noten). Sie werden das nun besprechen und dann sehe ich ja, was dabei rauskommt.


Von meinem Schulleiter bekam ich im Verlauf der Woche ebenfalls seine abschließende Einschätzung meiner Leistungen, die sich auch in diesem Bereich bewegen. Er betonte noch einmal die Entwicklung, die er vom ersten UB bis heute sehen würde, die Art, wie sich meine doch sehr universitäre Art immer mehr den Schülern angenähert hätte, ohne dabei die fachliche Tiefe zu verlieren. Das hört man ja wirklich sehr gerne 🙂 Auch er würde mir wohl die 1,5 als Vornote geben wollen.


Um die ganze Geschichte noch einmal von der Metaebene zu betrachten: Ich hoffe, dass ich nicht so schnell vergessen werde, wie sich dieses ‚Bewertet werden‘ und den ‚Noten hinterherlaufen‘ anfühlt. Ganz im Sinne von: Die Schülerperspektive nicht verlieren. Es wird für lange Zeit zumindest offiziell das letzte Mal sein, dass so viel Existenzdruck von meinen Noten abhängt und der Zustand nervt einfach unheimlich.

In der Schule damals haben mich Noten nicht interessiert. Ich war gut genug, dass ich mich nicht anstrengen musste und hatte nicht genug Ehrgeiz, um irgendwelchen Notenschnitten hinterher zu jagen. (Mein Abi schaffte ich mit 2,8 ohne einen Finger zu krümmen.) Jetzt wäre das eine mittlere Katastrophe, da ich nicht den Luxus habe, auf ‚eine Stelle irgendwann mal‘ zu warten. Die Finanzen müssen stimmen, auch nach dem Ref und dafür brauche ich direkt eine weitere Anstellung, wofür ich natürlich zu den Bewerbungsgesprächen eingeladen werden muss.

Noch dazu legte mir mein Geschichtsfachleiter auch direkt im Gespräch nahe, dass ich an einer Gesamtschule wohl nicht glücklich werden würde. Ich muss sagen, dass ich seine Einschätzung insofern teile, als dass ich mir selber nicht die Nerven bescheinige, dass ich mit ’sozialen Problemen‘ der Schüler adäquat umgehen kann. Im Sinne von emotional Abstand zu halten. Ein dörfliches Gymnasium, wie die Schule an der ich nun unterrichte, wäre zum Start ins Berufsleben ideal, weil man sich dort tatsächlich nur um das Fachliche kümmern muss. Was ja an sich schon schwer genug ist. Kommen dann die privaten Probleme und Lernschwierigkeiten ganzer Schulklassen dazu, wird es echt schwierig.

Hach ja … alles ‚ungelegte Eier‘. Ich hoffe mal, dass es sich ergeben wird, was und wie auch immer das dann passiert. Fürs erste gehe ich mit 1,5 ins Examen und versuche diesen Schnitt an dem Tag auch zu halten.

 

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5. UB Geschichte

Oder alternativ: Na also, geht doch!!! Der letzte UB ist geschafft und so chaotisch, wie es sich die Reihe vorher andeutete wurde er zum Glück bei weitem nicht. Die Zeit bis dahin wurde trotzdem wieder etwas lang und bis zum Schluss war ich ein wenig am Zittern, dass sich diese verquere Art aus den Stunden zuvor fortsetzen würde.

Das Wochenende vorher war ja glücklicherweise ein langes – das wurde dementsprechend auch gut genutzt. Wenn man schon ackern muss, kann man es auch in der Sonne tun. So zumindest meine Devise, als es noch so schön warm war. Ich habe es somit geschafft, eine angenehme Bräune zu erhalten. Anfang der Woche sprach ich noch mit einem anderen Refi, der eine Stunde zur Nachhaltigkeit des Versailler Vertrages andachte (Fördert der Friedens-Vertrag tatsächlich den Frieden?) für seinen fünften UB und einen Tag später kam ich mit Herr Rickward überein, dass ich wohl letztlich beim gleichen Thema landen würde. Allerdings in der Vorbereitungssitzung zu dieser abschließenden Bewertungsfrage – bei der Erarbeitung der Positionen der beteiligten Siegermächte, die den Vertrag aufgesetzt hatten. Ich biss gedanklich in die Tischkante.

Genau aus diesem Grund hatte der andere Refi seine UB Stunde in den zweiten Teil der Doppelstunde geschoben. Reine Erarbeitung ist nichts, was man im UB sehen mag und er wählte sich die zweite Hälfte, um die Beurteilungsebene zeigen zu können. Ging bei mir nicht, da meine Stunde eine Einzelstunde war. Umdenken also angesagt. Wie bekommt man für die Perspektiven der Siegermächte eine Beurteilung zustande? Hier das Ergebnis:

Ich war ein wenig fahrig den Tag. Trotz meines eigentlich immer noch stabilen Nervensystems, bringt einen das dauerhafte Rotieren schon an die Grenzen. Es hatte so viel zu planen gegeben, dass ich eine Stunde eher kam, um den Kursraum vorzubereiten, alles aufzuhängen, am PC/Beamer aufzurufen, Material vorzuverteilen, zusammenzustellen, etc. Herr Rickward, der in seiner unglaublichen Weitsicht, im Vorfeld direkt seinen LK, der den Raum vorher belegt hätte, umgeplant hatte, damit ich da in Ruhe werkeln konnte, nickt mir nur kurz zu: „Das wird alles gut laufen, machen Sie ganz ungestört alles fertig.“ Danke ❤ Und mittendrin stand mein Schulleiter plötzlich vor mir und teilte mir mit, „dass sich Termine manchmal ändern;“ er hätte nun doch Zeit und bräuchte noch einen Entwurf. Klar, machen wir alles mit Links >.<

Zu Beginn der Stunde hatte ich also:

  1. Den Raum gelüftet.
  2. Stühle und Tische platziert.
  3. Tafel geputzt.
  4. Den Beamer angestellt.
  5. Alle Dokumenten der Reihe nach, wie sie in der Stunde benötigt wurden, am Laptop aufgerufen.
  6. Material für die Einzelarbeit (umgedreht) auf den Tischen verteilt.
  7. Material für die Gruppenarbeit in die Folientaschen sortiert.
    1. Folien für die Gruppenarbeit
    2. Arbeitsanweisungen
    3. Klebepunkte für jedes Gruppenmitglied
    4. Folienstift
  8. OHPs (der Raum besitzt normalerweise drei, zwei waren da) ausprobiert, sichergestellt dass sie laufen und positioniert.
  9. Plakat mit Magneten an der Tafel befestigt und Arbeitsauftrag daneben gepinnt.
  10. Impulszettel/Folienstifte/Ersatzfolien(für Beamer-Ausfall)/Stundenverlaufsplan bereit gelegt.

So kam es dann auch, dass ich schon zur Beginn der fünf Minuten Pause die Tür schloss, da ich wegen der Anwesenheit des (gesamten!) Kurses – die Schüler hatten wohl direkt bei den anderen Kollegen um pünktliches Ende der ersten Stunde gebeten – irgendwie sogar die Startzeit der Stunde gedanklich verwechselte, direkt das Zitat aufrief und erst beim Seitenblick auf meinen Schulleiter, der schmunzelnd meinte, dass wir ja eigentlich noch Zeit hätten, bemerkte, dass das etwas zu früh war. Gut, kein Problem, Beamer nochmal für 3 Minuten aus.

Wir stiegen mit einem Zitat von Scheidemann ein.

Scheidemanns Ansprache vor der Verfassungsgebenden Nationalversammlung

12. Mai 1919.

Ich frage Sie: Wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt?

(Lebhafter Beifall)

Und dabei sollen wir die Hände regen, sollen arbeiten, die Sklavenschichten für das internationale Kapital, Frondienste für die ganze Welt leisten?

Am 20. Juni 1919 trat er offiziell zurück.

Natürlich war ich so auf die Ergebnisse, die ich hier erwartete fixiert, dass ich total vergaß darum zu bitte, das Zitat erst einmal vorlesen zu lassen. „Ordnen Sie das Zitat formal und inhaltlich ein.“ Alle fangen an das Zitat für sich zu lesen und ich merke, hier passt etwas nicht. „Ok, stopp.“ Ich entscheide mich direkt den Fehler anzugehen und unterbrach. „Ich habe da etwas vergessen. Würde jemand das Zitat erst einmal vorlesen. – Aber bitte mit Betonung!“ Sofort sind die Hälfte der Finger oben, ich wähle meinen kleinen Querdenker, von dem ich weiß, dass er sich hervorragend aufs Schauspielern und Darstellen versteht. Wir bekommen Scheidemann ‚mit Effet‘ vorgelesen und ab da läuft es.

[Ich ergänze in dieser Reflektion einmal die Inhalte, die ich im Entwurf auch als erwartete Ergebnisse angegeben habe und stelle die, die nicht gekommenen sind kursiv dar.]

Formal

  • SPD Politiker
  • Demokrat/Sozialist (Vokabular)
  • 1. Ministerpräsident unter Ebert
  • Spricht sich in einer politischen Rede …
  • gegen die Annahme des Vertrages aus

Inhaltlich

  • Fessel & Sklaverei: Beschränkung der Freiheit/Selbstbestimmung
  • Internationales Kapital: Besonderheit in der sprachlichen Darstellung / politisch links
  • Frondienste (eventuell Verständnisproblem) – schmachvolle, nicht entlohnte Arbeit
  • Deutschland als Diener/Unterdrückte der ganzen Welt
  • Mit Zwang herbeigeführt – „sollen“
  • „verdorren“ – handlungsunfähig, Selbstverstümmelung, Entzug der Lebensgrundlage
  • Ehrlich & vertragstreu: man ist sich bewusst, dass man die Bedingungen nicht einhalten kann
  • Zusatz: Historische Kontextualisierung von Vertrag, Ereignissen davor und danach.

Die etwas dürftigen Ergebnisse der formalen Analyse hatte ich einer Schülerin zu verdanken, die am Anfang sowas von ins Straucheln kam bei ihrer Antwort, dass auch alle anderen merkbar einige Sekunden brauchten, um Ansatzweise nachzuvollziehen, was sie da nun eigentlich gesagt hatte. Dadurch vergaßen sie dann aber, noch auf die formalen Aspekte einzugehen und der Punkt ging unter. War jetzt aber auch nicht sooo wild.

Es kam ziemlich schnell die Frage auf, inwieweit sich die ganze Aufregung denn nun wirklich lohnte, die bei Scheidemann wahrzunehmen war. Genau wie erwartet, kam die Frage nach den Bedingungen, die diese Reaktion provoziert hatten und ich konnte auf das vorher verteilte einzelne A5 Blatt mit den Forderungen verweisen, das umgedreht auf den Tischen vor den Schülern lag. (Manchmal haben die Stunden dann doch was von ‚Zaubershow … wurde im Verlauf auch nicht weniger ^.^)

Forderungen des Versailler Vertrages an Deutschland, vom 28. Juni 1919.

  • Anerkennung der Urheberschaft des Krieges und seiner Folgen
  • Ausschluss aus dem Völkerbund
  • 13% des deutschen Reichsgebiets werden abgetreten
    • Einige direkt bei Unterzeichnung verloren
    • Andere durch Volksabstimmungen noch zu entscheiden
  • 10% der Bevölkerung geht verloren
  • Kolonialbesitz geht in die Hand des Völkerbundes über
  • Berufsarmee auf max. 100.000 Mann reduzieren
    • Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft
    • Militärische Vereine verboten
  • Marine auf 15.000 Mann reduzieren
  • Verbot von Luftwaffe oder schweren Waffen (U-Boote, Panzer, Schlachtschiffe)
  • Entmilitarisierung des Rheinlandes und eines 50km breiten Streifens östlich des Rheins
  • Reparationsleistungen
    • 1. Rate = 20 Milliarden Goldmark bis April 1921
    • Waren-/Rohstofflieferungen
  • Handelsflotte reduziert / Schifffahrtswege für international erklärt / Zollunion mit Luxemburg aufgelöst

Die Schüler bekamen den Auftrag, diese Forderungen mit ihrem Nachbarn hinsichtlich des ‚Empörungs-Potenzials‘ zu besprechen und in Kategorien eingeteilt wiederzugeben, auf welche Bereiche sich dieselben nun bezogen.

Kategorienbildung: Militärisch, Wirtschaftlich, Geographisch/Territorial, Politisch

  • Starke wirtschaftliche Einschränkungen/Beschneidungen
    • Abgabe der Industrie – Arbeitsplatzverluste / Verringerung des Exports /fehlende Rohstoffe für heimische, weiterverarbeitende Industrien = Erhöhung der Angewiesenheit auf Import
    • Probleme mit der Versorgung der Bevölkerung
    • Verringerung des allg. Wohlstandes
  • ‚Verlust‘ des Militärs – Schutzlos / keine Möglichkeit mehr international ‚mitzuspielen‘ / Arbeitslosigkeit
  • Verlust der Kolonien: Prestigeverlust / Verlust von ‚Absatzmärkten‘
  • Handel/Zoll: Schwierigkeiten mit Im- und Export / trifft Deutschland gerade beim Export empfindlich / Nachteil für deutsche Waren
  • Reparationszahlungen: gerade nach dem Krieg nicht leistbar / nimmt dem eigenen Land dringend benötigte Rohstoffe
  • Ausschluss aus der internationalen Gemeinschaft + Kriegsschuld = Außenseiterstatus
  • Aufregung Scheidemanns nachvollziehbar
  • Aber: Deutschland ist Kriegsverlierer – Die Bedingungen sind also ‚normal‘/‚üblich‘?

Auch hier kam größtenteils genau das, was ich erwartet hatte. Als ich nach dieser Besprechung dann fragte, ob wir uns denn nun bereits ein Urteil darüber erlauben konnten, dass die Empörung Deutschlands über diese Forderungen gerechtfertigt sei, hielt ich innerlich den Atem an. War die Problemorientierung gelungen? Und die Schüler lieferten 🙂 „Nein, natürlich nicht. Wir kennen ja nur die Perspektive Deutschlands, wir müssen uns auch die Gegenseite anschauen, um die Intention hinter den Forderungen klar zu bekommen.“ Ein tiefes Durchatmen meinerseits, als ich mich zum Laptop herumdrehte.

„Und genau das wollen wir uns heute anschauen.“ Erklärte ich erleichtert und … vergaß mal wieder den Problemaufwurf anzuschreiben. *seufz* Ein gravierender Fehler, aber der einzige dieser Art für den Rest der Stunde. (Mal sehen, wann das endlich hängen bleiben wird … )

Es folgte die ausführliche Erklärung der Arbeitsphase. Jeder hatte ‚zu Hause‘ einen Text zu einem der Verhandlungspartner bearbeitet und vorbereitet. Ich betone hier ‚zu Hause‘, weil ich natürlich das Risiko, dass die Texte NICHT gelesen werden, nicht eingegangen bin und die Stunde vorher eine viertel Stunde eher Schluss gemacht habe, die ‚Hausaufgabe‘ austeilte und alle bat zu lesen und zu bearbeiten. Nein, ich hatte keine schlechtes Gewissen ^.^ Der Grund, warum diese vorentlastende Textarbeit geleistet werden musste, lag natürlich mit dem Blick auf die Urteilsebene auf der Hand. Ich konnte einfach nicht die inhaltliche Erschließung einbeziehen, da dies eine eigene ‚Stunde gewesen wäre, die aber Anforderungsbereich drei nicht erreicht hätte. Vielleicht wenn man irgendwann mal Doppelstunden zeigen darf.

Hier einmal die Arbeitsblätter zu den Politikern:

Wilson

GeorgeClemenceau

Nachdem ich nun also sicher sein konnte, dass alle vorbereitet zur Stunde erschienen waren, wies ich die Textpartner an, sich in einer zweiminütigen Murmelphase über ihre Ergebnisse auszutauschen. Ich hatte die Zettel nämlich so verteilt, dass immer zwei mit dem gleichen nebeneinander saßen. Danach hatten sie den Auftrag sich jeweils mit je einer anderen Position zusammenzufinden, so dass wir letztlich sieben 3er Gruppen bilden konnte, in der jede Position einmal vertreten war. Dabei sollten die Schüler die Perspektive ihres Politikers übernehmen und in die Verhandlungen zum Vertrag eintreten. Wären sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen oder hätten sie lieber mehr/weniger gefordert? 

In jeder der vorbereiteten Folienmappen, die ich an die Schüler rausgab, sobald sich ihre Verhandlungsgruppe zusammengefunden hatten, befand sich eine Tabelle, in der jeweils eine Position markiert war. Diese sollte von ihnen für die Präsentation dargestellt werden. Die gesamte Tabelle von jeder Gruppe ausfüllen zu lassen, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Tabelle

Darüber hinaus sollte jeder, sobald er*sie das Gefühl hatte die Positionen der Sieger eindeutig verstanden zu haben, dieselben in dem Plakat an der Tafel zuordnen. Hierfür hatten sie symbolisch für jeden Politiker einen farbigen Klebepunkt in den Mappen liegen.

Alle machten sich sofort ans Diskutieren, glichen die Ergebnisse ab und waren sich deutlich bewusst, dass sie nun wirklich jeder einzeln gefordert waren, um den anderen die jeweiligen Inhalte zu vermitteln. Schüleraktivierung 100% 😀 Mein Fachleiter lobte später, dass es mit eine der elegantesten Arten von Hausaufgabeneinbindung in die Stunde gewesen wäre, die er je gesehen hat O_o Auch der Auftrag sich am Plakat zu positionieren, funktionierte (fast) reibungslos. Es wurde etwas eng, als alle gegen Ende der Arbeitsphase vorne standen, aber das Ergebnis fiel wie erwartet aus.

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Nicht die beste Qualität … gelb – Clemenceau, grün – George, rot – Wilson.

Ab dem Zeitpunkt hatte ich mein Minimallernziel bereits erreicht.

Die SuS erkennen den Zusammenhang zwischen den individuellen Haltungen von Großbritannien, Frankreich sowie den USA und des Umfangs der Forderungen des Versailler Vertrages. -> Check.

Es folgten die Präsentationen der Ergebnisse, wobei die Schüler in der Phase dann sogar die Fehler oder Ungenauigkeiten der präsentierenden Gruppen eigenständig ergänzten und verbesserten. Ich brauchte nur in Ansätzen moderieren und war tatsächlich komplett ‚raus‘ aus dem Großteil des Stundenverlaufs. Einmal passierte es doch, dass ein Schüler vorne noch stand, als durch eine Nachfrage eine Diskussion begann, die ich nicht sofort kürzte und er somit diesen ‚bestellt und nicht abgeholt‘ Status für zwei Minuten einnehmen musste, aber das war noch im Rahmen. Alle Beiträge wurden wahrgenommen, gewürdigt und rund abgeschlossen.

Wirklich unschön in dieser Phase war das Versagen der Technik. Trotz doppelt vorhandenem OHP, fielen beide auf ihre ganz eigene Art aus. Der eine war schon berüchtigt dafür, dass er immer nach einigen Minuten überhitzte und sich ausschaltete, weswegen ich das zweite Modell zum Einsatz hatte bringen wollen. Dieses fing aber nach kurzer Nutzung so dermaßen an zu Fiepen und Surren, dass man den Vortragenden fast nicht mehr verstehen konnte. Irgendwann griff ich genervt ein und tauschte das Geräuschungetüm aus. Natürlich versagte der defekte Hitzeschalten dann noch während der Präsentation, so dass wir wieder auf die Geräuschbelästigung zurückgreifen mussten. Da der Schulleiter mit hinten drin saß, wurde das UMGEHEND an die richtige Stelle nach der Stunde weitergeleitet 😉

Da das Problem der Bewertung der deutschen Position und Reaktion zu den Forderungen des Versailler Vertrages sehr deutlich allen vor Augen schwebte – auch wenn es nicht an der Tafel stand – ging es nach einer kurzen Stellungnahme zu den Ergebnissen des Plakates auch direkt zur Beurteilung über. War die deutsche Reaktion nun gerechtfertigt oder nicht?

Es zeigte sich, dass es hier zwar recht unterschiedliche Meinungen gab, aber durch die visuelle Unterstützung kam ziemlich schnell doch das antizipierte Ergebnis dabei herum. Es wurde sogar der von mir im Entwurf genutzte Stundentitel 1:1 genannt: Hätte es schlimmer kommen können? – Beurteilung von Potenzial und Risiken des Versailler Vertrages durch die Einordnung der politischen Positionen und Interessen der alliierten Siegermächte.

Ein Schüler meldete sich, nachdem in den vorherigen Meldungen doch noch einmal kurz die zu repräsentierende und beurteilende Perspektive verwechselt worden war (‚Frankreichs Forderungen wären doch eh ungerecht gewesen …‘ – ‚Aufpassen worüber jetzt geurteilt wird, wir wollen nicht beurteilen, ob Frankreich berechtigt war die Forderungen zu stellen, sondern ob die deutsche Reaktion angemessen gewesen ist.‘), verwies auf das Plakat und meinte ganz empört: „Also, wenn man sich das da so anschaut, das hätte doch noch viel schlimmer kommen können, wenn man sich Frankreich so anguckt. Auch wenn die Forderungen hart waren, Deutschland hatte schon ‚Glück‘, dass sich nicht die Franzosen bei den Verhandlungen bedingungslos durchsetzen konnten … vielleicht hätte es Deutschland so nicht mehr gegeben, wie wir es kennen.“

Hach ja … schön ists, wenn ein Plan funktioniert. 😀

Für die angedachte Vertiefung, die die Ursache der deutschen Haltung noch besprochen hätte, war dann aber keine Zeit mehr. Ich beschloss, das als deutliches Schlusswort stehen zu lassen und beendete die Stunde 1 1/2 Minuten vorm eigentlichen Ende. Das Maximalziel (Die SuS formulieren eine Einschätzung der Rechtmäßigkeit sowie der Ursachen der negativen Reaktion von deutscher Seite aus auf diese Forderungen.) wurde dadurch zwar nur teilweise erreicht, aber die Ursachen hatte ich eh als didaktische Reserve angegeben und konnte damit sagen, dass der Stundenplan genau aufgegangen war.

Die Oberste Heeresleitung (und mit ihr auch die deutsche Öffentlichkeit), die sich schlicht auf Wilson und sein Friedensprogramm verlassen hatte und somit total vor den Kopf gestoßen war, als dann die viel härteren Forderungen gestellt wurden, blieben in der Stunde außen vor.

Lagebeurteilung der OHL

Am 29. September 1918 forderte die OHL – für die deutsche Öffentlichkeit völlig überraschend – sofortige Waffenstillstandsverhandlungen und gestand somit erstmals die deutsche Niederlage ein. Aus den Tagebuchnotizen des deutschen Offiziers Albrecht von Thaer vom 1. Oktober 1918:

 

Deshalb habe die O.H.L. von Sr. M. und dem Kanzler gefordert, dass ohne jeden Verzug der Antrag auf Herbeiführung eines Waffenstillstandes gestellt würde bei dem Präsidenten Wilson von Amerika zwecks Herbeiführung eines Friedens auf der Grundlage seiner 14 Punkte.


Um diesen sehr langen UB Bericht nun auch zu seinem Ende zu führen, kann ich nur sagen, dass ich meinen Geschichtsfachleiter noch nie so zufrieden erlebt habe. Ich hatte wirklich Mühe, mir für die Nachbesprechung Kritikpunkte ‚aus den Fingern zu ziehen‘, denn es hatte ja alles geklappt. Aber … ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht trotzdem den 7 minütigen Vortrag mit Kritik zur Stunde hinbekommen hätte. Mein FL meinte an Schluss ganz empört, dass er ja wohl keine andere Stunde gesehen hätte, als ich gerade versuchen würde darzustellen und dass ich nicht so kritisch sein dürfte. ‚Tschuldigung … das ist das was man/Sie uns beigebracht haben.

Ich befinde mich also in der glücklichen Position, meine (insgesamt für beide Fächer) zehn absolvierten UBs mit einer 1 abschließen zu können.

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5. UB Philosophie

Tja, kaum zu glauben, wie sehr die Zeit manchmal rennen kann. Mein letzter Unterrichtsbesuch in Philosophie ist nun absolviert. Es war nervenaufreibend bis zum Schluss und die Stunde selber wird nicht gerade angenehmer, wenn man durch die ganze Theorie-Kundigkeit haarklein jede Stelle bemerkt, an der man einen Fehler macht und ihn TROTZDEM mit Bravour absolviert -.- Es besser wissen aber noch nicht können … das wird wohl die nächste Zeit Motto werden.

Was ist gestern also alles passiert? Wir haben uns daran gemacht die Demokratie abzuschaf … – nein, Moment, das war ein anderer UB in einem anderen Fach (so schlimm lief es glücklicherweise nicht). Wir haben das Widerstandsrecht gegen demokratische Entscheidungen besprochen. Oder besser: Die Schüler haben sich die Köpfe etwas heiß diskutiert, ich habe tatsächlich eine Stunde entworfen, in der ich die meiste Zeit außen vor war.

Nachdem ich die letzte Woche nur noch stundenweise geschlafen hatte, da neben dem vollen Stundenplan ja noch der Entwurf geschrieben werden wollte und ich wieder bis zum letzten Tag noch zusätzliche Ideen entwickelte, mit Herr König besprechen wollte und Mittwoch sogar nochmal alles um den Einstieg herum umwerfen musste, stand dann morgens um halb sechs am Tag vorm UB endlich die Stunde und das Material fest.

Eigentlich hatte ich mit einem kurzen Dialog aus Antigone einsteigen wollen, der von den Schülern gespielt werden sollte. Herr König überzeugte mich, dass es einfach zu viel Zeit brauchen würde und nicht genug Ertrag dafür brächte. Es fällt einem ja so schwer von einer einmal gefassten Idee abzuweichen. Besonders wenn das komplette Material dafür fertig ist und der Kommentar schon geschrieben. Ich gab dann aber nach und fand auch mein Bauchgefühl wieder, dass vorher aus den gleichen Gründen ebenfalls schon Bedenken angemeldet hatte. Man sollte öfter auf sein Bauchgefühl hören, auch wenn es zusätzliche Arbeit bereitet.

Morgens in der Schule überkam mich wieder die altbekannte ‚Ruhe vor dem Sturm‘. Wenn ich nichts mehr ändern kann, werde ich etwas fatalistischer was die Gemütslage angeht. Immer noch angespannt, aber … es wird sich dementsprechend entwickeln wie es das nun einmal auf Grund der Umstände kann. Ich bereitete den Raum vor (Materialien von der Korkwand entfernt, Tische und Stühle gerückt, gelüftet), schaute noch schnell über die Planung für die ersten zwei Stunden mit den 9ern, die wieder nur aus vorgegebenen Unterrichtsplanungen in den Praxisheften bestand – nahm mir bei der Gelegenheit vor, dass ich das kommende Thema für sie extra gut ausarbeiten würde – und machte mich auf zum Kopierer.

Wo natürlich ausgerechnet an diesem Tag der Notstand ausgebrochen war. Fünf Kollegen vor mir und ein Fachleiter, der natürlich den einzigen Folienkopierer benutzen musste um schwarz-weiß Kopien für sein neues Seminar in der Intensivwoche zu erstellen. Nicht dass wir dafür noch zwei weitere Kopierer haben … Aber hey, ich habe doch Zeit. Ich kam dann das erste mal vier Minuten zu spät zum Unterricht. Die Schüler sagten mir direkt, dass sie bereits überlegt hätten, ob ich krank wäre, weil ich immer überpünktlich wäre. Tja, so ist das.

Als ich dann aus dem Unterricht kam und ins Lehrerzimmer hechtete, wurde ich gleich mit den Worten: „Frau Tulpe sagte, dass die Leute schon seit 40 Minuten da sind und sie sie erstmal in den Raum gebracht hat. Die waren wohl alle zu früh.“ Gut, dass ich den Raum die ersten Stunden auch geblockt hatte, ich hatte mit so etwas gerechnet. Also schnappte ich mir alle Utensilien und marschierte in den Keller, wo mich die fünf Damen aus dem neuen Fachseminar und mein Fachleiter erwartungsvoll begrüßten. Es schlug mir sehr viel Dankbarkeit von den neuen Refis entgegen, dass sie sich einen 5. UB anschauen durften und noch mehr Wohlwollen meines Fachleiters, der den Tag mehrfach betonte, dass er mir das hoch anrechnen würde.

Gemeinsam ging es zum Unterrichtsraum, wo die Tische zurechtgerückt wurden und ich meine letzten Vorbereitungen traf. Allerdings wurde mir schon beim Ausbreiten meiner Unterlagen deutlich, dass es einfach alles viel zu viel war. Ich hatte eine ‚offene‘ Stunde vorbereitet und die Richtung, die am Schluss eingeschlagen werden würde, stand noch nicht fest. Somit hatte ich mich in alle möglich-denkbaren Richtungen versucht vorzubereiten. Noch bevor ich die Stunde gehalten hatte war eigentlich schon sicher, dass ich sie wahrscheinlich nicht gesichert würde abschließen können.

Der Gedankengang war es dann, der verhinderte, dass ich richtig ins Thema kam, weswegen ich den Einstieg verpatzte.

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Was nicht an den Schülern lag, die waren toll. Der LK hat sich die Stunde wirklich Mühe gegeben und sie nannten ALLES was wir in den Stunden vorher besprochen hatten. Egal wie unwichtig oder klein der Punkt gewesen war, sie verbanden ihn mit dem Problem vom Brexit.

  • Mehrheitsentscheidungen können sehr knapp ausfallen – Was ist also, wenn die Mehrheit nur hauchdünn ist? Greift das die Legitimität der Entscheidung an?
  • Problem mit Minderheiten in der Demokratie
  • Problem mit der Repräsentation von Minderheiten in der Demokratie
  • Problem des Entscheidungsfindungsprozesses
    • uninformierte Wähler
    • populistische Positionen
    • Lenkung der öffentlichen Meinung
  • Fremdbestimmung in der Demokratie – dürfen Mehrheiten über Minderheiten entscheiden?

Es kam so viel und so viel Gutes … und ich nehme die Frage und das Problem für die Stunde vorweg. *seufz* Anstatt die Schüler eine Problemfrage formulieren zu lassen und diese dann an die Tafel zu schreiben, fing ich an zu plappern und gab die Frage vor – ohne sie zu fixieren. Wenn man sich von außen beobachtet und merkt ‚was machst du da gerade?!‘, es dann aber schon zu spät ist … Der Schulleiter runzelte nur die Stirn, mein Fachleiter fing an schneller zu schreiben und Herr König schaute mich mit großen Augen an. Gut, hoffen wir einfach mal, dass das jetzt nicht im Examen passieren wird. Meist mache ich Fehler nur einmal in dem Umfang.

Nachdem ich also etwas von Autorität gemurmelt habe und die Frage stellte, ob man Mehrheitsentscheidungen immer Folge leisten müsse, leitete ich zur Erarbeitung über.

Moderationsfolie

Zum Glück fanden sich fast auf Anhieb zwei gleichgroße Gruppen zusammen, die jeweils eine der Positionen vertreten wollten, so dass wir nicht lange herumschieben mussten, um an die Arbeit zu kommen. Ich erklärte die Aufgaben, verteilte Plakate und Stifte und mein hochmotivierter Kurs stürzte sich in die Arbeit. Leider sah ich zu spät, dass Gruppe 1 den Arbeitsauftrag mit dem Begründen nicht genau genug genommen hatte. ‚Weil‘ Begründungen sind nun einmal nicht gerade das, was man von den Schülern, die vor zwei Wochen noch im Toulmin-Schema moralische Begründungen verfasst haben, erwartet. Da die erste Phase der Gruppenarbeit aber schon fast verstrichen war, kam meine Anweisung, die Begründungen doch bitte noch zu vertiefen zu spät. Das wurde von der zweiten Gruppe dann in der folgenden Kritik-Phase aber hervorragend aufgefangen, als sie genau die Schwachstelle der unausgeführten Begründungen aufgriffen und sie argumentativ ausweiteten.

Das Ergebnis sah dann so aus:

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Und spätestens an der Stelle war mir klar: Zu viel! Als ich dann in der dritten Phase zur Entscheidungsfindung aufrief, entspannte sich schnell eine Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Mehrheitsentscheidung, wenn man damit der Minderheit Dinge vorschreiben würde. Ich konnte in der Diskussion zur Vertiefung anleiten, indem ich das Problem von Minderheiten, die auf Grund von einer speziellen Disposition zu Minderheiten geworden sind und deren Problem von keiner Mehrheit jemals geteilt und vielleicht nachvollzogen werden konnte, zur Diskussion stellte, wie es beispielweise bei Homosexuellen und deren Verfolgung in vielen Ländern gegeben ist. Was tut man, wenn man auf dem ’normalen Weg‘ (Position bekannt machen und eine Mehrheit für die eigenen Belange finden) keine Mehrheit für seine Sache gewinnen kann? Ewig in der Minderheit bleiben? Funktioniert das System beim Vorhandensein ‚ewiger Minderheiten‘ auch noch oder wären Entscheidungen damit nicht länger legitim?

Wir kamen also wie geplant bei der Frage nach der Legitimität von Mehrheitsbeschlüssen an, jedoch war ich an dem Punkt bereits so am Schwimmen, dass mein ‚Tafelbild‘ eher eine Stichwortsammlung wurde. Dadurch, dass wir ja auch keine Leitfrage zum Beantworten hatten, lief die Stunde dann bis zur letzten Minute so vor sich hin und es kam nicht zu der gewünschten ‚Runden Stunde‘, in der ein Problem vom Anfang wieder aufgegriffen und beantwortet werden konnte.

Was positiv gewesen ist: Die Vorbereiteten Impulse habe ich nicht gebraucht. Vor lauter Sorge, dass die Schüler sich in der Erarbeitung nicht auf wirkliche Probleme einigen können würden, hatte ich kleine Impulskarten vorbereitet. Problem hierbei ist immer, inwiefern man Ergebnisse vorweg nimmt oder vorschreibt, aber da es letztlich besser ist als sich in einer Erarbeitungsphase ohne Arbeit wiederzufinden … nun ja.

Impulse I

Impulse II

Hier sieht man nun auch, warum es so schwer war die Stunde vorauszuplanen. Es gab einfach so viele Ansatzpunkte, in die sich die Diskussion der Schüler entwickeln konnte, dass ich konstant das Gefühl gehabt hatte, dass ich die ganzen Probleme eigentlich gar nicht überschauen konnte. Das mein Fachleiter nun gerade das als großen Pluspunkt bei der Bewertung anlegte war wohl mein Glück, da es ja immer sehr individuell ist, wie man solche Ansätze einordnen.

So war er dann von der Stunde geradezu begeistert. Freie Diskussion, offener Meinungsaustausch, vertiefende Diskussion von den Schülern angestrebt, geleitet und stringent aufgegriffen, anlage der Stunde von der Methode her, Aufbau des Themas in der Reihe, Relevanz von philosophischen Positionen, Aushalten von Dissens bei einer alltagsrelevanten Fragestellung etc. etc. etc. Er hörte gar nicht mehr auf zu loben.

Da das neue Fachseminar auch bei der Nachbesprechung dabei war, verfielen sowohl er als auch ich immer wieder in Erläuterungen, während wir die Stunde reflektierten, aber insgesamt hat mich die Anwesenheit der ungewöhnlich vielen Gäste beim UB überraschend wenig gestört. Es fühlte sich sogar eigentlich recht befreiend an, dass man wusste, dass das Jahr nun größtenteils abgeleistet ist, die tatsächlich arbeitsreichen Strecken erst einmal weniger werden und man sich nun aufs Examen vorbereiten kann.

Trotzdem ist es wirklich beunruhigend, dass dies nun meine Ausbildung in Philosophie gewesen sein soll. Ich fühle mich einfach nicht gut vorbereitet. Alles in allem waren das nun viereinhalb Wochen Ausbildungsunterricht bis zum 5. UB. 4 1/2 Wochen! In zwölf Monaten …

Was das Examen angeht, so werde ich mit der Vornote 2 in die Prüfung gehen. Der Entwurf wäre eine 1, da gibt es nichts mehr zu beanstanden laut meines Fachleiters. (Die neuen Refis baten dann natürlich auch gleich um eine Kopie, die ich ihnen gerne zur Verfügung stellte.) Leider sind meine Leistungen im praktischen Bereich nicht auf dem Niveau, was mich zwar ärgert, aber es lässt sich nicht ändern. Noch weiß ich nicht genau, wie viel die Vornote nun tatsächlich in die Endnote eingerechnet wird, da muss ich mich noch einmal schlau machen. Und obwohl ich die Stunde als echten Drahtseilakt für meine Nerven einstufe, so legte mir mein Fachleiter doch sehr eindringlich nahe, dass ich das fürs Examen ins Auge fassen sollte. Schauen wir mal, ob ich den Mut zu einer offenen Diskussions-Examensstunde haben werde. ^.^

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Wenn der Stresslevel unbekannte Höhen erreicht …

Damit hatte ich Anfang der Woche noch nicht gerechnet. Dass es stressiger werden würde, ja, aber dass es sich so schnell so exponentiell vermehren würde … nein, das war eine Überraschung.

Herr König hat mir in dem Philosophie LK, dessen erste Stunde ich heute (nach einer sehr unruhig-angespannten Nacht) gehalten habe, so in etwa 8 Stunden eingeräumt. Genug für eine kurze Reihe. In einem LK heißt 8 Stunden nicht einmal 2 Wochen. Was wiederum heißt, dass ich meinen Fachleiter direkt für nächste Woche einladen musste. Ich hatte gehofft, es um eine Woche ziehen zu können, jedoch sind gerade auch die Intensivwochen für die neuen Referendare.

Mein Fachleiter kam mir entgegen und versucht einen Termin einzuschieben. Nächste Woche Freitag. Mit dem kompletten neuen Seminar im Schlepptau. *panik* Ich bin gedanklich nicht mal richtig in der Reihe angekommen und darf jetzt das Wochenende direkt meinen fünften und letzten UB in Philo planen mit halb so viel Publikum dabei wie Schüler in dem Kurs sitzen 😮 Hilfe.

Der einzige Lichtblick: Am Dienstag ist Eltern- und Schülersprechtag und ich habe bisher nur eine Terminanfrage, die ich vielleicht auch so zum Gespräch laden kann. Dann kann ich den Tag komplett schreiben und planen. Mein Magen fühlt sich trotzdem nicht viel besser an -.- Im Moment fühle ich mich, als würde mir alles langsam entgleiten. Was vor allem an der fehlenden Vorbereitungszeit liegen dürfte. Ich habe noch nie Planungen für den nächsten Tag erst spät abends verschickt. Aber es bleibt einfach keine Zeit und so werden meine 9er morgen eine schlichte Kopiervorlage erhalten. Mehr ist gerade nicht drin 😦